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Full text of "Beiträge zur Kunde der indogermanischen Sprachen"

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BEITRÄGE 



ZUR KUNDE DER 



INDOGERMANISCHEN SPRACHEN 



HERAUSGEGEBEN 



DR ADALBERT BEZZENBERGEß. 



ERSTER BAND. 



GÖITINGEN. 

VERLAG VON ROBERT PEPPMÜLLER. 

1877. 



p 

Bd.l 




Inhalt. 



Seile 



Die suffixlosen Nomina der griechischen Sprache. I. Zum soge- 
nannten a-Suffix im Griechischen. Von A. Fick - - 1 
Ueber die griechischen, insbesondere die homerischen Nomina auf 

6v. Von Leo Meyer - - - - - 20 

Mythologisches in altlitauischen Texten. Von Ad. Bezzenherger 41 

Kigveda X . 10, 7 = Ath. XVIII. 1, 8. Von Th. Benfey - 47 

Zum mittelhochdeutschen Wortschatz. Von R, Sprenger • 51 

Allerlei. Von A. Fick - .... 57 

Etymologien. Von Ad. Bezzenherger - - - - 68 

M. Hang (Nekrolog) ..... 70 

Ueber den Uebergang von si in i im Griechischen. Von Gust. Meyer 81 
Neugefundene etruskische Inschriften. Von W. Deecke - 93 
Zur Lehre vom Dativ. Von R. Pischel - - - 111 
Die suffixlosen Nomina der griechischen Sprache. II. Zum soge- 
nannten y«-Suffix im Griechischen. Von A. Fick u. A. Führer 120 
Zur Lehre vom lateinischen Vocalismus. Von Leo Meyer - 143 
Miscellanea. Von F. Müller, Ad. Bezzenherger, A. Fick und 

Fr. Bechtel - ..... I68 

Zu dem Nekrolog über M. Haug. Von R. Roth - - 175 

Die Entstehung des st und ss im Lateinischen. Von F. Froehde 177 

Ueber Umlautserscheinungen im Lettischen. Von A. Bielenstein 212 

Die Praesentia auf -(üvvvfxi. Von Gustav Meyer - - 222 
Analogiebildungen der neugriechischen Declination. Von Gustav 

Meyer ---.... 227 

Zum s-Suffix im Griechischen. Von A. Fick ... 231 

Etymologien. Von F. Froehde - - - - - 249 

Vermischtes. Von Ad. Bezzenherger .... 252 

Die etruskischen Zahlwörter. Von W. Deecke - - - 257 

Semitische Lehnworte im älteren Griechisch. Von August Müller 273 

Homerische irjf^c und lefxat. Von Leo Meyer - - - 3OI 
Die suffixlosen Nomina der griechischen Sprache. III. und IV. 

Von A. Fick - - - - - - 312 

Etymologien. Von F. Fröhde, A. Fick und Ad. Bezzenherger - 327 

Schreiben des Herrn Prof. Alhrecht Weher ... 343 

Register. Von H. Collitz - - - - - 345 



Verlag von Kobert Peppmüller in Göttingen. 



Ankündigung. 
Beiträge 



zur 



Kunde der indogermanischen Sprachen 

herausgegeben 



Dr. Adalbert Bezzenberger. 

In den sechzig Jahren, welche das vergleichende Studium der 
indogermanischen Sprachen durchlebt hat, hat es mit einer Rasch- 
heit Verbreitung und Vertiefung gefunden, die in der Geschichte der 
Wissenschaften einzig dasteht. Es ist keine indogermanische Spra- 
che, die nicht in unserer Zeit den Gegenstand vergleichender Studien 
bildete, und an den meisten von ihnen sind auf den verschiedensten 
Punkten die Hebel angesetzt, um sie nach allen Seiten aus dem 
durch Jahrtausende um sie gelagerten Schutt emporzuheben und" dem 
vollen wissenschaftlichen Verständnisse bloss zu legen. Ruft diese 
rege Thätigkeit, welche auf dem eigentlichen Gebiete der verglei- 
chenden Sprachwissenschaft herrscht, allein schon jährlich eine so 
grosse Zahl neuer, durch ihren Umfang auf den Abdruck in einer 
Zeitschrift angewiesenen Arbeiten in Deutschland hervor, dass ihre 
Vereinigung in einem einzigen wissenschaftlichen Organ kaum mög- 
lich ist, so gilt dasselbe von den durch die Verbindung der verglei- 
chenden Sprachwissenschaft mit verwanten Disciplinen im Laufe der 
Zeit entstandenen Seitenzweigen derselben. In Folge dessen finden 
sich sprachwissenschaftliche, oder für die Sprachwissenschaft höchst 
bedeutsame Arbeiten häufig zerstreut an entlegenen Orten gedruckt, 
je nachdem sie gerade in irgend einem Organ einer verwanten Wis- 
senschaft ein Unterkommen finden; hierdurch erwächst der Uebel- 
stand, dass sie sich vielfach dem Auge der Mitforschenden entziehen 
und nicht den Nutzen haben , den zu wirken sie geeignet sind. Die- 
sem Uebelstande abzuhelfen, sind diese „Beiträge zur Kunde 
der indogermanischen Sprachen" bestimmt, deren Redaction 



nach vorhergegangener Berathung und Verständigung mit einer An- 
zahl engerer und weiterer Fachgenossen der Unterzeichnete über- 
nommen hat. Sie sollen gleichmässig die specielleu Interessen des 
vergleichenden Studiums der indogermanischen Sprachen und die ihm 
mit verwauten Disciplinen, der Philologie, der Geschichte u. s. w. 
gemeinsamen vertreten. Alle Arbeiten also, welche in irgend einer 
Weise die Erkenntnis der indogermanischen Sprachen und ihrer Ge- 
schichte fördern , oder zu fördern geeignet sind , werden in ihnen 
Aufnahme finden. Wenn die Redaction einerseits Sorge tragen wird, 
dass nur Arbeiten gediegenen wissenschaftlichen Gehaltes in diesen 
,, Beiträgen" veröffentlicht werden, so glaubt sie doch andrerseits eine 
Verantwortlichkeit für die in denselben enthaltenen Ansichten nicht 
übernehmen zu dürfen: jede Ansicht wird sich in ihnen aussprechen 
können, welche als das Ergebnis ernster Arbeit erscheint, jeder Par- 
tei stehen ihre Spalten offen zu wissenschaftlicher und in wissen- 
schaftlichem Tone gehaltener Polemik. 

Die Einrichtung eines eigenen kritischen Theiles erscheint zur Zeit 
nicht opportun; die Redaction behält sich dieselbe, ebenso wie die 
eines Jahresberichtes für künftige gelegene Zeit vor, wird aber schon 
jetzt gelegentlich zugehenden umfassenden Kritiken wirklich bedeu- 
tender wissenschaftlicher Erscheinungen die Aufnahme nicht versa- 
gen. Arbeiten, welche für die Geschichte der vergleichenden Sprach- 
wissenschaft von Wert sind, wie Literaturberichte, Nekrologe u. s.w., 
wird sie jeder Zeit mit Dank annehmen. 

Dass diese „Beiträge" in keiner Weise Oppositionsblatt sein sol- 
len, dass sie lediglich der Förderung wissenschaftlicher Erkenntnis 
gewidmet sind, bedarf kaum einer besonderen Versicherung; wenn 
der Unterzeichnete hofft, dass das neue Unternehmen diese Bestim- 
mung in reichem Maasse erfüllen werde, so ermuthigt ihn dazu das 
überaus liebenswürdige Entgegenkommen und die Billigung, welche 
dasselbe fast ausnahmslos gefunden hat. Ihre wol wollende und tä- 
tige Unterstützung haben ihm bisher zugesagt die Herren: 

Prof. Th. Benfey (Göttingen) , Conrector Dr. W. De ecke 
(Strassburg), Prof. A. Fick (Göttingen), Prof. M. Hang (f), Biblio- 
thekar Dr. R. Köhler (Weimar), Dr. G. Meyer (Prag), Prof. Leo 
Meyer (Dorpat), Prof. A. Müller (Halle), Hofrath H. Sauppe (Göt- 
tingen), Dr. R. Sprenger (Göttingen), Prof. H. Weber (Weimar), 
Prof. E. Windisch (Strassburg) 

Das erste, gleichzeitig ausgegebene Heft enthält: 
Die suffixlosen Nomina der griechischen Sprache. L Zum 
sogenannten a-Suffix im Griechischen von A. Fick; Ueber 
die griechischen, insbesondere die homerischen Nomina 



auf «f von Leo Meyer; Mythologisches in altlitauischen Tex- 
ten von A. Bezzenberger ; Rig-Veda X. 10. 7 = Ath. XVIII. 1. 8 
von Th. Benfey ; Zum mittelhochdeutschen Wortschatz von R. 
Sprenger; Allerlei von A. Fick; Etymologien von A. Bezzenber- 
ger; M. Hang (Nekrolog). 

Die folgenden Hefte werden u. A. bringen: 
Das altpreussische Verbum von Ad. Bezzenberger; Neugefun- 
dene etruskische Inschriften von W, Deecke; Die suffixlo- 
sen Nomina der griech. Sprache (Fortsetzung) von A. Fick; lie- 
ber den griech. Uebergang von £t in l von G. Meyer; Die se- 
mitischen Lehnwörter der älteren griech. Sprache von A. 
Müller ; Zur mittelhochdeutschen Schriftsprache von 11. 
Sprenger; Zur litauischen Dialektologie von H. Weber; Der 
irische Infinitiv von E. Windisch. 

Die Redaction wird Sorge tragen , dass die ihr anvertrauten Ma- 
nuscripte stets auf das rascheste gedruckt werden ; alle für die „Bei- 
träge zur Kunde der indogermanischen Sprachen" bestimmten Sen- 
dungen wolle man unmittelbar an den unterzeichneten richten. 

Dr. Adalbert Bezzenberger, 

Docent der vergleichenden Sprachwissenschaft an der Univers. Göttingen. 



Die „Beiträge zur Kunde der indogermanischen Sprachen", de- 
ren Verlag ich übernommen habe, werden zunächst in zwanglosen 
Heften von je 5 — 6 Bogen erscheinen; 4 Hefte bilden einen Band, 
dem ausführliche Indices beigefügt werden sollen. Der Preis des 
Bandes wird 10 Mark nicht überschreiten. 

Göttingen, October 1876. Robert Peppmüller. 



Die suffixlosen Nomina der Griechischen Sprache. 

I. 

Zum sogenannten a-Suffix im Griechischen. 

Nach der Lehre der Indischen Grammatik giebt es ein 
primäres Nominalsuffix a, durch dessen Anfügung Nomina aus 
der Wurzel gebildet würden. Leider ist diese Lehre von der 
neueren Sprachforschung vielfach adoptirt und dadurch eine 
ganz schiefe Auffassung einer der wichtigsten und ältesten No- 
minalbildungen veranlasst worden. Zu welchen Ungeheuerlich- 
keiten diese Theorie führt, dafür nur einige Beispiele : will man 
sich nach diesem Recepte die Entstehung von tQO-^ Liebe, (.läyji 
Schlacht, ßoax6-g Hirt denken, so hat man anzunehmen, dass 
aus sQa lieben, //«x« kämpfen, ßoaxe weiden erst ig, /naxi ßoayt 
entnommen, Dinger, die gar nicht existiren, und hieraus durch 
Anfügung eines unbegreiflichen o, r] sgog, fidxrj, ßoaxog gebildet 
seien, ein rein ersonnener Vorgang, und bloss desshalb, wie es 
scheint, ersonnen, um an der sonnenklaren Thatsache vorbeizu- 
kommen, dass €QO-g, f^iccx^, ßoa/,6-g gar nichts sind und sein 
können als die nominal verwendeten Verbalthemen sga^ /"«X*> 
ßoaxe in sga-f^ai, /.laxe-Tcci, ßooxs-re. Die einzig richtige An- 
sicht, dass das o, s in aQxo-g, Voc. aQx^ u. s. w. rein identisch 
sei mit dem o, « in ÜQxo-iuev, agxs-TS ist übrigens bereits in 
der dritten Auflage von Schleichers Compendium angedeutet. 
Hier heisst es S. 495: „Die Stämme sind an sich — weder 
Verbum noch Nomen, sie werden erst zu dem einen oder andern 
bestimmt, durch Casussuffix und Personalendung. Stamm bhara 
z. B. — ist weder Verbum noch Nomen ; nom. sg. bhara-s, acc. 
sg. bhara-m — ist Nomen und hat als solches die Funktion 
eines Nomen agentis, 2 sg. praes. bhara-si, 3 sg. bhara-ti, 3 pl. 
bhara-nti ist Verbum fers, fert, ferunt.^) — Casussuffixe und Perso- 
nalendungen sind also im Indogermanischen die eigentlichen Wort- 
bildungselemente im Gegensatz zu den Stammbildungselementen. 

^) Hiermit übereinstimmend spricht sich J. Schmidt Jenaer Lit.-Ztg, 
1875, Artikel 588 S. 668 aus. 



2 A. Fick 

Wenn man den hier angegebenen Gesichtspunkt weiter ver- 
folgt, so sieht man leicht, dass consequenter Weise ein Nominal- 
suflix a überall da geläugnet werden muss, wo der entsprechende 
a-Stamm zugleich in verbaler Funktion auftritt, dass also, weil 
bhara in bhara-s Träger mit bhara in bhara-ti er trägt iden- 
tisch ist, in bhara-s Träger kein a angetreten sein kann, wel- 
ches die Funktion hätte, die „Wurzel" bhar zum Nomen zu 
machen, weil dieses selbe a ja auch in bhara-ti verbalstamm- 
bildend erscheint. Sind nun bhara in bhara-ti und bhara in 
bhara-s identisch, und ist dieses je nach dem Zutritt von Per- 
sonal- oder Casusendungen verbal oder nominal verwendete 
bhara an sich weder Verb noch Nomen, so entsteht die nicht 
zu umgehende Frage, was denn dieses bhara in seinem Verhält- 
niss zu der kürzeren Form bhar schliesslich sei und sein könne. 
Nach der herrschenden Ansicht ist bhar eine „Wurzel", nicht 
weiter aufzulösendes Sprachelement, und an diese Wurzel ist 
der Pronominalstamm a, der ja vielfach nachzuweisen, ange- 
treten. Allein wozu sollte denn, da in bhara-s Träger die no- 
minale Natur schon durch das Casussuffix, in bhara-ti die ver- 
bale Natur des Worts durch die Personalendung bezeichnet 
wird, durch ein angefügtes pronominales a ein Nominalcharac- 
ter angedeutet werden, der in bhara-s rein überflüssig, in bha- 
ra-ti nicht einmal richtig wäre? Mir scheint es vielmehr, um 
gleich mit einer schweren Ketzerei herauszurücken, gar nicht 
erwiesen und erweislich, dass bhara erst aus bhar entstanden, 
dass bhara Stamm und bhar Wurzel sei; meiner Ansicht nach 
ist bhara die ursprüngliche Form und hieraus erst bhar ge- 
kürzt, um die Einsilbigkeit der echten Wurzel zu gewinnen. 
FiS kommt hier ganz und gar darauf an, wie man sich die se- 
cundären Wurzeln (die primären, wie da pa sa, schliesse ich 
hier aus) entstanden denkt. Sind Formen wie mak, star, dam 
durch Composition der primären Wurzeln ma, sta, da mit ei- 
nem zweiten Gliede gebildet, so ist ganz ausser Frage, dass 
die Producte dieser Composition ursprünglich ma-ka, sta-ra, 
da-ma gelautet haben müssen, denn Elemente wie k, r, m d.h. 
blosse Consonanten giebt es im Indogermanischen gar nicht, es 
kann daher auch niemals mit ihnen operirt sein. Wenn z. B. 
die „Wurzel" ÖQa-in laufen aus dem gleichbedeutenden öqu 
durch Zutritt eines jW-Suffixes entstanden ist, so kann sie ur- 
sprünglich nur ÖQu-^e, dra-ma gelautet haben, und so heisst 



Die suflixlosen Nomina der griech. öpr. I. 3 

sie wirklich im Sanskrit (drama-ti, da-draraa) wie im Griechi- 
schen {i-dqaf.io-v, öe-ÖQO/iis. Oder wenn , wie ziemlich allgemein 
angenommen wird, die „Wurzeln" /iiad- und lad- aus ina, ka 
und dem Verb ^«, ^rj entstanden sind, so müssen sie ursprüng- 
lich /m-^e, (.la-d^r^ und Xa-d^€, la-d^rj geheissen haben, und so 
haben wir denn auch [.lad^e in 8-^iad-o-v, f.iai^r] in (.lad^rj-ao^iaij 
lad^e in t-Xad-o-v. Wenn nun aber diese Wurzel Xad^s trotz 
ihres Ursprungs aus Xa-\-d^E in Xs-Xcia-f-iai, a-laa-rog und sonst 
zu lad^ verkürzt erscheint, so ist hier deutlich die gewaltige 
Kraft zu erkennen, mit der jeder durch Composition entstan- 
dene neue Verbalstamm zur Einsilbigkeit der echten Wurzel 
geführt wurde, mochte es dabei auch etwas hart hergehen und 
ursprünglich nicht unwesentliche Laute dabei eingebüsst werden. 
Umfänghche Verzeichnisse von Secundärwurzeln , die kraft ihrer 
deutlich erkennbaren Composition ursprünglich zwei- oder mehrsil- 
big gewesen sein müssen , liessen sich mit leichter Mühe anlegen ; 
so viel steht fest, zwei- oder mehrsilbig waren einst alle Stämme, 
welche aus zwei oder mehren Elementen componirt sind, und für 
alle diese lässt sich also das höhere Alter der Zwei- oder Mehr- 
silbigkeit behaupten; es wird somit rein auf die Resultate einer 
in diesem Sinne unternommenen Decomposition der Secundär- 
wurzeln ankommen, ob man im Allgemeinen den Satz aufstellen 
darf: bhara ist älter als bhar, bhar erst nach der Analogie 
der echten Wurzelform bha aus bhara verkürzt. — 

Der Nachweis, dass die sogenannten nominalen a-Stämme 
mit verbalen a-Stämmen identisch sind, lässt sich in jeder Spra- 
che mit Leichtigkeit rein empirisch dadurch führen, dass man 
überall oder doch fast überall eine dem nominalen a-Stamm 
entsprechende Verbalbasis aufweisen kann. Zuweilen muss man 
über das Gebiet der Sprache in eine näher oder ferner ver- 
wandte hinübergreifen, wie z. B. das griechische axorcö-g erst 
im lat. spece-i sein verbales Gegenstück findet. Ich habe im 
Folgenden den Versuch angestellt, für's Griechische die Iden- 
tität der nominalen und verbalen a-Stämme darzuthun, schliesse 
hierbei jedoch die Nomina, welche auf den vocalisch auslau- 
tenden allgemeinen Verbalstamm gehen, wie ay»y Staunen zu dya, 
uQTtr] Falk zu aQTta-fiEvog raubend, ffgo-g zu iga, ysXo-g zu 
yeXa, aqij Unheil -zu aQrj-^ihog u. s. w. aus. Zunächst gebe 
ich die Nomina, welche auf präsentische und Aoriststämme mit 
€, gehen, die sich nur durch dieses e, o vom allgemeinen 

1* 



L^ 



4 A. Fick 

Stamme unterscheiden. Geordnet sind diese Verzeichnisse nach 
den Wurzelvocalen , damit das schöne griechische Nominalgesetz 
deuthch hervortrete, wonach der wurzelhafte «-Vocal im Nomen 
Umfärbung zu o erfährt, während die übrigen Vocale im Ver- 
bal- und Nominalstamme gleichlauten. 

Mit präsentischen und Aoriststämmen auf e, o decken sich, 
1. mit Wurzelvocal a: 

/ayi^ Bruch: fays-lg, payrj-vai. 

ayo-g Führer: ayo-fxev, aye-tt. 

dyxö-d^ev, dy%ö-d^i: dy^e-re, äy^o-f-iev, 

dXea Meidung: dleo-fiai meide. 

dXiirj Wehr: «ax« zu entnehmen aus dk-aX^ie. 

dlXayrj Wechsel: dkXayrj-vai. Basis von dlldoom ist dXXa- 
XO- in dXkax6-d^£v , dkXaxo-0£. 

dXcprj Gewinn: dkcpe-lv , rjlcpo-v, v 

ctpQi^ Sctewiliei, Eimer: sskr. ama-ti packt, an^-tnw Kufe. 

dvri Vollendung: dve-Ts, dvo-^iev. \ \ 

-"üviri Begegnen, dvtrjv : dvTo-fiai. 

aQÖa Schmutz : agdo-f^ißv netzen. 

aQitay/j Raub: aQTtay^-vai. %. 

ctQTtt] Sichel: lat. sarpe-re beschneid en.^ 

aQxtj Anfang, dQxe-xa/.ogl~^QX£-Tai , aQxo-f.iai. 

uQxo-g Führer: aQxs-fe, dQxo-iLiev. 

d<frj das Berühren : lat. ape-re , sskr. äpa-ti. 

ßacpr'j das Tunken: ßacprj-vuL, ßaife-ig. 

ßXdßtj Schaden: ßkdße-TUi, ßlaße-lg. 

ßlaoTtj, ßlaoTO-g Keim: e-ßlaaio-v. 

ydfio-g Hochzeit: yaue-T}]. 

yaf4q)a-l Kinnbacken, ksl. z^bü Zahn, z^be-ti zerreisst, sskr. 
jambhacte. " 



yuQo-v Fischlake: sskr. gira-ti schlingt (für garati). 
yQCKpi'i Schrift, 'd-yQ(X(fo-g : y^aq^rj-vai, yqa(fE-ig. 
^lo-yQUcpo-g : yqücpt-te^ yQd(fo-/iiev. 
evkuTia Pflugschaar: ecXaxe = filKe-TS, ciX^o-^tv. 
A^jmJ>-\?TOx»; Geschrei, d-ßiaxo-g: ldx£-T€, idxo-^tev. 
I ^^TiuKi], xaxo-g, Basis fehlt, vgl. lit. kenk-ti schaden. 
xaxxry (für xa^/rj): Ijt. sziku caco. 
hoXth] Eimer: german. praet. hvalb(a) wölbte. 
X ^^xö/i/r/; Biegung, lit. kauipa-s, sskr. kampa-te. 
^■"^ TidriT) Krippe: lat. cap6-re. 




Die suffixlosen Nomina der griech. Spr. I. 5 

■/MQrro-g Frucht, Handwurzel: lat. carpe-re. 

'/MQfprj dürrer Ast: •mQ(f)io dörre. ^' § ' 

yXayyri clangor vgl. x£-xAa;//a; lat. clange-re. /-•''*'^vv^A^^.'.:^ 

•Kvdfpn-g Karde: xvccrpio, yvccffto spät (zu x^a/r-rw). 

-AQayo-v mit Geschrei: s-xQayo-v. 

laß/] Griff: e-Xaßo-v, laßi-a^ai. 

Xad-i-xridtjg : Xccd^e in s-Xad^o-v. 

kcho-g^'dvm: e-Xcr/to-v, lat. IcKjui-tur. 

^käf.i7Trj Kahm : XdfiTtio. 

jiiddo-v Wasserlilie, vgl. lat. made-fio. 

^icc/rj, TTQO-fiaxog: ^idx€-Tai, /ndxo-jLiai. 

vdQ'Kfi Krampf: ahd. praet. snarh(a} zusammenziehen. 

Ttdytj, Ttdyog: Ttayfj-vac, yraye-ig. 

Ttd^tj Erlebniss: s-ytad^o-v (oder zu rta^rj in, rtad^r^-to-g). 

Ttdhj das Ringen (eigentlich „Schwingen") , |7raA/y Mehl, rra- 
Xo-g Loos, accY.ea-Tialog Schild schwingend: dfi-7ts-/ta- 

f^ Xcov {rtaXe-lg erst spät). 

fftldzrj Ruderblatt, w/io^-^iarry Schiilterblatt : ^lave auch in 
i To 7rA«ro-gj__sskr.jpra<^a-te er fet©keiaus.\ 

Quyrj Riss, Platzen: gay^-vai, qaye-ig. ^'^/ 

Qaiifprj gebogenes Messer: vgl. qif.ißw, 

Qarprj Nath : QCtcprj-vaL , garpe-ig. 
)\ adyrj Bepackung, zu adrro) vgl. tdtzü) ray^vai, tayeig: rayrj. 
^^^•ijdtri Bewegung^^J»^ Schwall: lat. salum vgl. sskr. sara-ti. 

ad()0-v Besen: aaiQw (fut.ca^w [= aage-atojl kommt nicht vor). 

a'/.dQo-g ein Fisch zu oy.aiQto (fut. oyiaQio kommt nicht vor). 
l (7/^)y Trog, Waimfe , axo^jT^JasGraben , anarpfj-vai, anacpe-ig. 
^ OTtagyi] Trieb: lit. sprogu platze, sprosse. 

üTtdqo-g ein Fisch zu OTcaiQio zappeln ; Basis a/taQe im zend. 
praes. ^paraiti (= spara-ti), sskr. ava-sphura-ti. 

atqaßö-g , TtnSo-arQdßrj : atgaßs = aTQag)€-lg, azQaqiri'Vai.^^^ 

tr^ccy^aas Schlachten, Kehle: aq)ayfj-vai, aq)ay€-lg. 
ßaQV-Gifdqayog : lit. spragu prassle, sskr. sphürja-ti. 
( xctyyri rancor, Tctyyög ranzig : ahd. praet. stanc(a) stank. 
Atayi^ Schlachtordnung: ray^-vai, tays-ig. 
/^""^gao-g Darre: ragae- = tsQüE-rai, t^gao-f^iai, goth. thars 
(praet.). 
taq^i] Bestattung, Tdq>o-g Grab: Taq>^-vai, raq^e-ig. 
rpdßa (?) Schrecken : vgl. q)€ßo-(.iai. 



6 A. Fick 

dvSQO-<p(iyo-g , yla^iTO-gxxyo-g , hoTO-q)ayo-g : i-cpayo-v. 
(paKO-g Linse vgl. d-rpd'/.rj : (pa^e binden auch in q)(xy.€-lo-g 
y Bündel. 
^ ep av^ Fackel: (pavrj-vai, cpave-ig. 
qpdgo-g Spalt : ffdqco (?). 
cpgadrj Erkenntniss: TCt-cpQCtdo-v. 
Xagd Freude: x<^QV~^^^> X^Q^~^S- 

2. Mit Wurzelvocal a = r] : 
aßa = rjßr] vgl. dß-QO-g. 

dxd == /«/« = i^xv Schall vgl. lat. vägo-r, sskr. praes. väga-ti. 
ldx)-tt = Xrjd^f]: Xd^o-fisv, krjd^s-TE. 

*s^ Tnqdo-v Ruderblatt zu lat. pande-re? 

^jtXayd = TtXrjyi] Schlag vgl. goth. fleka-n plangi oder Tti-Ttlriys. 

armri Fäulnis^^^: orjTHo. ,, 

^^jp^AoN^^etriige'^lSeh vgl.'l^ fala ^^le-re. 

3. Mit WuhNdvocal 'oT^- ^ " -"S^^.^- 
ald^o-g, Ttdv-ttid^o-g : aid^o), aid^o-fxev. 
Qaißd-g krumm vgl. goth. vraiq-s? Verbalbasis fehlt. 

4. Mit Wurzelvocal av. 
avBri Wachsthum: avBw, av^ri-aw, 
avo-g trocken: avo) trocknen. 

' -/.gavy^ Geschrei, y.Qavy6'g Schreier, Specht: Basis y.gavye 
auch im german. hrauka- ein Vogel, vgl. goth. hrük-jan 
krähen.__ 

avyr^^avd^, y.avxr] u. a. sind etymologisch dunkel oder mehr- 
^ deutig. 

5. Mit Wurzelvocal o: 
ßofni^ä sn Ruf: lat. boyg-re rufen. 
yofo-g, yoo-g Klage: s-yofo-v, eyoov klagte. 
(pvoi-too-g H. : Cow = tiooi lebe. 

i^oQrj, d-OQo-g Same: s-i^ogo-v sprang. 

y.OTtrj , yoTto-g Schlag, Ermüdung: l-Mmriv^ Y.onB-ig. 

avTO-^iolo-g , dyxl-,uolo-g : s-(.ioko-v ging. 

(.loga Abtheilung, (.logo-g Geschick: t-juinoge aor. 
/ oihi Sorge: öd^o-inai sorge. 
'^ / oxzo-g, oKo-g Auge, auch _ in lat ocu-l u-s , lit. at-aka-u praet. 
— ^ ^"~- _^^ bekam Äugen. '" 

fN^^OeffN^ngV ^W>»^ vielmaschig, vgl. lit. aka-s 

^Xoch im*Pjise^ vgl. at-aka-u. 

p(Tf/>^at>«^ich : offf/>^i**4(jf/ rie^titjL 



V 



Die suffixlosen Nomina der griech. Spr. I. 7 

y r 

<^ovQO-g Wächter, (pQovgo-g, (pQOvga (— rtQO-fOQO-g): ^oqovto, 

' ""sstr. vara-ti. 
o<plo-g Schuldner: wrpkovy ocplS-vrog. i I 

TOQO-g durchdringend, togo-g Schnitzmesser: e-xoqo-v durch- ' 
bohrte. Vgl. itQE-xQOv. 

6. Mit Wurzelvocal tu: 

ttoTj Leben, tioö-g lebendig: Kwo-f^tev, Twe-r«. 
Xioßri Schmach vgl. lat. labes, labo-r gleite (?). 
tpcoxo-g Staub, Sand: ipcoyw (oder zu ^pfjx^o). 
xpwa Verwesung vgl. lat. pave in pae-dor. 

7. Mit Wurzelvocal i: , .——«., 
ßio-g, ßifo-g Leben: lat. vive-re leben, ksl.Uive-ti er lebt. 

"^ dUrj Weisung, Recht vgl. lat. in-dicä-re und ahd. zihun wir ^ 
*" ziehen. -^ 

ivirtrj das Anfahren: iv-ivlrto-v aor. 
d^Xißri das Quetschen: s-&lißrj-v, d^Xiße-ig. 
/ \a Ton = fL(x vgl. //-ax« sprach, J'ie in fid-xco, vgl. areve 0\ l/v 
in OTEvcc-xo). 
j-lo-v, l'o-'v Veilchen vgl. lat. vio-la, vie-o, vie- winden. C 

io-g Saft, Gift, Rost, lat. viru-s, sskr. visha, Basis ßiae-. ^ 

■KiQy.o-g Habicht: e-xotxo-v kreischte. ^^ 
j«^-%ssei,j^gi!^^ Ky^ ,vf / 

!^^^5c^'^7~dä;s'" Knarren: y.ql'Co), •e^'^/.o-Vj v.e-v,Qiyci. r\ f 
AtrjJ Bitte, Xito-g bittend: XiTe-a^ai, hT6-!.irjv. 
/idya adv. : f.uye-ig. 
f.uto-g Faden vgl. (.uaao&ai = (iLtMCaad^uL^ \\i. metu werfe, 

werfe den Faden (beim Weben), 
v/xr; vielleicht mit Windisch = /r^xr; = /tyxry zu nehmen, 
dann vgl. lat. vince-re. 

Zaycc-vvi(po-g, vL(p6-eig: lat. nive-re, nivi-t, lit. sniga. 
^/ya Eisen am Hobel, vgl. z. B. lat. scabe-re, lit. skabu 
schneide, haue. 

7tl&o-g Fass vgl. lat. fidelia, zu fced-s binden^ vgl. ttev^ in ^^ <** "^ 



-£ 



/ f an 



f vigiläclir = kslj^jwtcbMf- Gipfelf 
^T^-^'wurf: FQQiq)r]v, Qiq)E-ig. 

alyri Schweigen vgl. mhd. swigen, sweic schweigen, schwieg, 
OAivd^ö-g untertauchend : lit. skendu tauche unteij. 
artiyyo-g Fink vgl. nhd. Fink, lit. speng gellen, 





8 



A. Fick 



- 4/«. 



arißr] Reif ohne erhaltene Verbalbasis. 

avißo-g Steig, Fährte vgl. atelßo), i-arißrj-Tai {sOTißoVy iati- 

ßriv kommen nach Veitch nicht vor). 
öiD.ßi^ (llanz, OTÜ.ßo-g glänzend: avik^fo. 

fni^P-S Treibe : t-OTixo-v. ''*^' --2^- 

tilo-g, tlXo-v Flocke: TiXto fut. zu tllXo). 
r^f'Qsß ^TBiss-^itwa zu""^«q;fl^ laiRtTnmdön V 
TQißja^ Reiben ,■> r^//?o-g Heerstrasse; e-tQißrjv ^ tQiße-ig. 
xlldrj Basis xlide, vgl. yie-xlldo-Ta. 
8. Mit Wurzelvocal v: j 

ßQvo-v Moos, Ejii-ßQvo-v Embryo :(/^^i;w schwelle) 
~ßQvx^ das Knirschen : ßQvxio knirsche. 
ßvd-6-g Grund geht auf eine Wz. bhudh vgl. bhadha- im lat. 

fode-re,^a^o-g u. s. w. 
yXvrprj Kerbe: yXvKpo)^ e-yXv(prj-v , yXvrpe-lg. 
yQv^riQ-s kru!mc[ vgl. yQvltfealvio und germ. krti^nb. 
yvv^ ^^avd boot. geht auf yj-ava, ohne Suffix, ga-na ist 

die uralte Form, woraus gan erst gekürzt ist. 
^ ÖQVifiQ das Kratzen : ccTto-dgvcpto. 
övrj Wehe vgl. lit. dzuvau dörrte aus, dzuva Trockniss, sskr. 
'W du du-noti dü-yate brennen^ vergehen, dü-na gequält. 



/ 



^vyo-v .Joch.: s-^vyrj-v, ^vys-ig. 
^vpjrvjEläucherwerk : ^vw opfere (Rauchopfer). 
v^uo- Opfer in -d-vo-aytoog: ^vio opfere. 
'AQVcpa, '/,QV(p^, yiQV(po-g: 6-y.QV<prj-v y /.Qvcpe-ig. 
-/xvTtog üekrach: s-xTUTte. .,\ t 



l'y-xvo-g schwanger: /.vo). 



\^ i [xy Aft n. pl. die Augenlieder, 1 Basis xvXe = y.fsXe bedecken, 
V^,/\Jk. '"'y vgl. lat. oc-cule-re. / 

A_ xi / 7r>^Höhlung = lat. / cupaj vgl, -/«-xtqpe. 
Xva Auflösung, Zwist: Xvci) löse. 
, (ivy,^ Gebi-üll: t-[.iv7<.o-v. 
/ J {ivXri Mühle : lat. mola , mole-re m^lel 
^"'^^^ iib^^-y ö^be zu it<?5fe^|jw)_jjger2J^ als ver- 

aase '^^s isf^inara> noch nicht nachgelesen. 
|Mt^3^»^i' Winltas^ erm. sm^ug schnaiegen, praet. shiugum. 
oqvxT] , ^^ix-Mqvyio^ oQi'xio spätes Präsens , jjesser auf das Pf. 

OQ-iJüQvxs zu beziehen. 
di-7CTvxo-g zweigefaltet le-^rrJ^/iy-v, 7tTvys-ig (für tctvx^-)- 
TTü^lBi^erung zu d/a-Trr^tTM^ zu Ttviui^u^Oü) eitefö^achen. 





Die suffixlosen Nomina der griech. Spr. I. 9 

Ttvlrj Thor vgl. 7t6lo-g Angel {7tilo-f.iai) nach Curtius. — y 

Ttvqyo-g Burg, Thurm = (pvQy.o-i; {(pVQXO-g) zu germ. bej^;^..--^ ^ 
ich berge, borgi Burg. 

^v7to-g, Tcc QVTta Schmutz zu ^VTt-to(.iai ohne deckendes Ver- 
balthema. 

axvcpog, Gwcptj Becher {axf€(po-g) vgl. aytdq)o-g : axa(prj-vai. 

aTV<p6-g zusammenziehend: arvipco, aTVtpe-te. ^xMaJ 

avQtj das Zusammengefegte: avqio, e-avQTj-v, avQe-ig. <^0( /< 

avQfffj Gemülm vgl. avQcpe-rö-g: goth. svairban wischen. 

oifVQo-v Knöchel, y.aXXl-0(pvqo-g vgl. germ. spora- Spur, sskr. 

" avä7spTiura-ti schlägt hinten aus. Xd ^)r(/%lA 

TQvy7f,"iQryo-g Dürre, Herbst, Erndte : rar^i;;^w dörre. 

TQVff/j Ueppigkeit: s-TQvg)r]v, tQVfpe-ig. 

tmjj Gemächt, Werk, rvino-g Schlegel: TE-rvy.o-vTO. 

tvntj, TV7io-g Schlag, /ctAxo-rf Tto-g : s-tvrto-v. 

TV(po-g Qualm: TV<piü qualme. 

Ti'Xf] Geschick : e-rvxo-v. /) ^ y^J 

^'7:i>««£ Gescliw^laigkeit^ <)E>Äilft^ sStlwatge. '' * - " ' y^u^'i^fv^A* 

(pvyrj Flucht, (pvyo-TVToXef-iog : t-rpvyo-v. ""' 

cpvrj Wuchs: rpvrj-vat,, (pvE-ig (pf. 7ts-q)vaai). 

i/«i;fipffauch:^j/*^iS' l^a^idler 

Im scharfen Gegensatze zu den eben aufgeführten nominalen 
Bildungen, in denen allen der Wurzelvocal derselbe bleibt, der 
auch im Verbalstamm erscheint, stehen diejenigen Nomina, wel- 
che Aorist und Präsensstärame auf s mit wurzelhaftem «-Vocal 
neben sich haben. Hier gilt das fast ausnahmlose Gesetz, dass 
der im Verbalstamm erscheinende 6-Vocal in dem entsprechen- 
den Nominalstamme durch o repräsentirt wird. Es gehört diese 
Umfärbung des £-Vocals zu den Mitteln der Griechischen Spra- 
che, die Nominal- und Verbalbildung schärfer auseinander tre- 
ten zu lassen ; alt ist diese Erscheinung nicht , denn das nächst- 
verwandte Latein zeigt (einige vielleicht zufällig stimmende For- 
men, wie dolus = doXog, abgerechnet) von diesem schönen 
Principe nichts, vgl. vini-feru-m neben olvo-cpoqov u. s.w. Nicht 
bloss £ selbst, sondern auch die "V^erbindungen des e-Vocals, 
worin e das erste Glied, also rj {= ee), ei und «r, erleiden 
im Nomen die Umfärbung zu o, und es ergiebt sich somit das 
Gesetz: Wurzelhafte «, tq^ «t, ev in e-Stämmen erscheinen im 
identischen Nomen als o, w, oi, ov. 




10 A. Fick 

Zunächst o = «, nach dem Schema cp6^o(g) : (p€Q€(T€), 
ayoga, ayogo-g Versammlung: dyege-o^aL, dytqn-vro. 
'iTtTt-Tj/itoXyo-g Rossmelker: dfiiXye-T6. 
diLtoQyy, dfxoqyn-g Hefe; djueQyo-^iEv , df-agye-te (?). 
datEQonrj hat wie axigoip kein entsprechendes Verbalthema, 

vgl, datgaTtTw. 
ßolrj Wurf, iXarprj-ßoko-g :. ßeXe werfen auch in ßUe-f-irov, x6 

ßiko-g, ßelo-vi], als Verbalstamm erhalten im dialecti- 

schen '/.d-^eXe (= TtaTe-ßeXe). 
^d Frass, di^/no-ßoQO-g: Stamm ßegs schlingei} auch in 

"ß^ge-d^QOv , Verbalstamm erjjalten im ksl. 'igiröctix er 

schlingt (vgl^_^sJkrf^|dt 
ßQÖf.io-g Getöse^o-z^po^uo-g : ßgejue-ts, ßge/no-f^iev. 
ßgoxrj Netzung: ßgexe-re, ßQi%o-(.i£v. 

ßgoyo-g Schlinge : Basis ßgsxe = verghe erhalten im germa- 
nischen verga ich würge, vergan varg. 
y6f.io-g Packung, Last, y^ie-te, ysf.io-i.iev voll sein. 
yoiLiffo-g Pflock vgl. lit. gembe dass., ksl. z^be-ti zgbsti zer- 

reissen, spalten, sskr. jambha-te. 
yovrj, yovo-g, oipi-yovo-g: yavi-aO^ai,, s-ysvo-vro, sskr. a-ja- 

na-ta = eyivexo. 
Sv6rpo-g Dunkel, Basis övE(f£ in lo-övecpe-g. 
öohyo-g lang = lit. ilga-s, ksl. dligü (aus delga-s), Basis 

öeXbx^ auch in kv-öeXexfi-g. 
dnlo-g List, Köder, Basis öele in dile-ag^ ösXs-tqov, to 

öiXo-g. In 66lo-g scheint o älteren Datums, vgl. lat. 

dolu-s. 
doiio-g Haus, Tigo-dofio-g, Ö0/.11], ol/,o-6o(.ir] Hausbau: difxB- 

T€, dt(xO'(.iEv bauen. 
doqd Haut, doQo-g, ßnv-doqog, ßov-öoQOg: öfge-re, digo-i-iEV 

häuten. 
doQTto-v Mahlzeit, Basis degne — dgercE in 6gt7tE-T€, 6ga- 

7tO-(XEV. ^ 

doxr] Annahme, öo^o-g : ÖEXE-rai, dtyo-ftai. 
dovgo-ö6/.rj , io-do/.o-g, laTO-öoArj : dez-E-rai, dixo-fiai. 
vEo-dgoTto-g neu gepflückt, (6f.(6-ögon:o-g: ögtTtE-TE, ögsTto- 

fiiEv pflücken. 
ögniiin-g Lauf, f/il-iJgniiin-g hat nur t-dgafio-7' neben sich. 
h>-onri Ruf: Iv-titM sage an. 
Ontfo-g Dunkel, die Basis C«^ in Cttp-v-go-g'^ 



Die suffixlosen Nomina der griech. Spr. I. 11 

tot] Haut auf der Milch: tie-ts, teo-fiev sieden, gähren. 

f.uz-tiOQO-g, TtaQ-rjOQO-g : ^ege in rj£Qi-d^of.iaL. (rj = a [in 
aeiQtü] lautet nicht um.) 

d^oo-g schnell, dgr^i-^oo-g , ßo/j-^oo-g: d^h-rs, d^ao-f.tev. 

d^QOO-g Lärm: d^qh-taiy d^QSO-juai. 

ßov-yioXo-g Rinderhirt: /«'Ae-rat, /.iXo-f-iau antreiben. 

'/.XoTtri Diebstal, -x-XoTto-g Dieb: Basis '/.Xerte in ro -^XiTto-g 
und lat. clepe-re. 

d-vo-o-Koo-g Opferschauer: B. a/.ef€ vgl. xo«w, goth. skav-s. 

xoUtto-^ Bausch : Basis xe^TT« im german. hvelba ich wölbe, 

" ^hvelban hvalb. " ' " 

eiQO-y.oi.io-g Wolle bearbeitend (•/,o(^ii-iü) hat nur i-y.aj.io-v 
neben sich. 

■Aovri Mord neben e-'/.avo-v. 

•AOVTo-g Stange: B. yevTe in yevTt-to. 

TLOQo-g Sättigung: B. xege vgl. lit. szer-ti füttern. 

Tigoxr] Einschlagfaden: x^exe-r«, xqiyio-iiiev den B'aden ein- 
schlagen. , ly j 

ygoTo-g Schlag : B. ygers vgl. lit. kertu ich haue^^^ f\ ; i ' | m" 

TtaTQO-yzovo-g : s-ktovo-v vgl. fut. xtevio = {yxevs-üio). 

Xoyo-g Rede, ovX-Xoyri'. Xiye-te, Xiyo-(.itv. 

Xo7t6-g Schale : XsTts-ze , X€7to-/ii€v. 

X6xo-g, a-Xoyß-g, vav-Xoyo-g: Xi^^-rau • xot/<arat Hesych, ro 

Xho-9' 

f.i6&o-g Schlachtgewühl: Wz. mat, sskr. math math-näti, ksl. 
"möti^ti s^; eine genau entsprechende Basis nur im""lilT 
metu = ksl. meta; Averfe (= tor(|ueG). 
C7r]^"Spiel, Ec-/iwX7io-g: (.UXtve-tb, (.itXjco-(.iEv. 

f.io(x(pri Tadel, a-f-iojicpo-g: iis/^fpe-re, (xaf.iq)0-(.iEV. 

(.loviq das Bleiben, IlaQd-jiiovo-g : fnive-re, (livo-f^iev. 

vo(.nQ Weide, vof(6-g, v6(.io-g: ve(.ie-Te, vifxo-i-iev. 

iv-^oo-g, ysQao-^oo-g : §s£-t€, ^€0-/^iav schaben. 

oö6-g Weg = ksl. chodü, Basis sede vgl. ksl. sid, sed ge- 
hen (sskr. pf. si-shyada lief, fuhr). 

oXy^ Zug, 6Xy.6-g: f-Xye-re, f'Xxo-fisv. 

öi-07to-g Verwalter: ödTte-xE., öieno-f^uv verwalten, besorgen. 

avv-OTto-g' avvoöog Hesych: orv-tne-täi, oivf7to-f.i(xi mitgehen. 

OQY.o-g Eid vgl. jToXt-oQxe-io: B. fQ-/.£ in ro (■Qxo-g. 

oqyi] Trieb, Zorn, B. feqye vgl. irisch ferg Zorn, 

6q6-g Molke vgl. lat. seru-m, sskr. sara-ti. 



o 

=0 



12 A. Fick 

iei/.oa-OQO-g , rcevTrj'MVT-OQO-g Zwanzig-, Funfzigruderer, Ba- 
sis ige in igi-Trjg Ruderer. 

OQOffrj Dach, OQnq)o-g: egicpe-TE, F.Qi(po-f.iEv . 

0Q(p6-g Waise in oQ(p6-io, oQrfo-ßnrrjg, lat. orbus, Basis igtpe 
vgl. irisch erpim übergebe (für erbi-m). 

OQX'^-S Baumreihe, Garten; egys in egxoc-TO-g Geheg, 'Eqxo- 
/it€v6-g. 

oxrj Unterhalt, oxo-g Halter: e^e-r«, exo-f^iev. 

ox^-g Wagen, B. /«/« in tyeaffiv • aQ(.iaoiv Hesych, lat. vehe-re, 
lit. vezu, germ. vega. 

7iXo'/.ri, 7tX6'KO-g Geflecht, tcXI-he-te, yclino-f^iev. 

TcXopo-g, TrXoog, Ti:QtoT6-7tXnn-g,\ali-7tXoog : ttM/e-te, Ttkeo-iiiEV. 

TTvocjy, 7cvo^ Hauch: ttve/e-te, nvii^o-i-iEv. 

Tiod-rj, 7i6d^o-g Verlangen : Basis tieÖ-e vgl. germ. bedjan bad 
bitten. 

7t6y.o-g Schur, Elgo-TtoKO-g Schaf: TtEi/M) (secundär aus rrex- 
/w) TtE/.E in To 7tty.o-g Vliess. 

7tnlE[.io-g Krieg, B. tzeXei-ie in 7tEl.Ei.dtto , germ. felma erschüt- 
tern. 

ETti TtoXrjg, noXo-g Wirbel, Angel, ai-Ttoko-g Ziegenhirt: 
TtiXio, Ttilo-juai wende, betreibe, bin. 

TtofiTirj Geleit, Ttoi^iTio-g Geleiter: Tte/iiTtE-TE , Ttif^tTCo-fiEv. 

7to(.i(f)6-g Blase , B. ytEf-upE in TtE^iffig Blase , lit. pampu 
schwelle. 

Ttovo-g Mühe: TtivE-Tai, 7CEvo-/^iai. 

TVOQÖ^ : TtigÖE-Tai, rttQÖo-fiai pedo. 

TtroXl-TtOQd^o-g Städte zerstörend: 7tiqd^E-tE, 7rEQd^o-f.i£v. 

TtoQo-g P'ahrt: tveIqü) e-Ttago-v, ksl. pire-ti er fährt. 

Tcorrj Flug: 7rirE-Tai, TtEXO-iiai. 

d^Eo-7tQ67To-g (durch Gott redend): /cgeTtE-zE, 7tQErto-f.iEv 
heisst auch ertönen. 

Titofa, TCToo-g Scheu vgl. lat. pave-facio, pave-o. 

TtTOQO-g das Niesen hat nur E-7ttaQo-v neben sich. 

Qoyxf^S das Schnarchen: Q^yx^-t^E, qEyyo-(.iEv.\ , 

Q'tr'jt Qoo-g Stiöimnitr, ßaUr-noo/o-g : qeJ^e-te, ^EO-fiEVA y/ 

qni)-o-g Geräusch, B. qlOi vgl. gaO^a-yeio. 

^o/ißo-g Kreisel, att. (tvf^tßng: ^f(.ißE-TE, ^Efißn-ftsv. 

^ojCTj Gleichgewicht: ^ette-te, q^/co-^ev. 

a/.nTrr'j, oAOTiu-g Späher, Ziel, Ev-ü%oito-g'. Basis ay.ETts im 
lat. 8pec6-re, conspice-re. 



Die suflixlosen Numina der griech, !Spr. I. 13 

G0(f>6-ii weise — altlat. sibu-s, B. aacpe — aa(pe in aag)i-g, 

GfcoQu Saat: hat nur s-UJtccQrj-v OTtaQE-i g^oBen sieh, doch 

vgl. fut. ojtEQM (=: GTcege-aw). 
OTod, GTOfd Säulenhalle, B. Gvefe vgl. gtü-Xo-q, gtsv-to, 

GTav-QO-g. 
GTolrj Rüstung, GTolo-g Heereszug hat nur Gralrj-vai, gtu- 

le-ig neben sich, doch vgl. fut. GtElü {GTeXe-Gio). 
GTOvaxi] Gestöhn: GTavdxe-Ts, Gieväxo-(.iev. 
GTOvo-g Gestöhn, dyä-Giovo-g : gtsve-tc, gtsvo-^iev. 
GTOQyrj Liebe, cpÜM-GToqyo-g : GTagye-ce, GTiQyo-fisv. 
GTOQ&t] Zinke vgl. ndd. stert, nhd. Sterz. fti > I 

GTOxo-g Ziel, B. gtbxe \g\. Gvaxd-vrj Wage. - ^^i>wvpr-rv«.*^ 1 

GTQoßo-g Wirbel, B. orgeße = GTQS(p£-Te, GVQtq^o-jiev. 
GTQO(prj Drehung, GVQOcpo-g Seil: GxqifpE-TB, GTQS(fO-fiev. 
TOKO-g Geburt, Zins, rtQOTO-Toxo-g: £-t£xo-v, rsxf'-ff^a/. 
dva-Toh] Aufgang , iv-roh] : reXs in TeXe-d^co, ro riko-g. 
iO(.iri Schnitt, T0fi6-g scharf, TOfio-g Schnitt, vlo-rof-iog, gxv- 

lO-TOj^O-g: E-T€^l€, E-TEj-tO-V. 

Tov/j Spannung, Tovo-g gedehnter Ton: B. teve z. B. in TEvtH 
fut., d-TEV£-g, TEvo-vv- Sehne (part.) , lat. tene-o. 

TQOjno-g das Zittern, d-TQo^o-g: tqe^e-te, Tgäf-io-^Ev. 

TQOTirj Wende, TQorto-g, TtoXv-xQOTto-g, vTCO-rqoTto-g, TQOTTo-g 
Ruderrieraen: rgeTtSTE, tq^tvo-i-iev. 

TQOcp^ Ernährung , TQOcpo-g Pfleger , xovQO-T()6q>o-g : TQEtpE-tE, 
tgicpo-fiEv. 

TQOxrj Lauf, TQoyo-g Rad, Scheibe, rgöxo-g Lauf, TQ0x6-g lau- 
fend, rund, 7TEQL-TQOxo-g : tqex^-te, tqexo-Hsv laufen. 

7iaido-(pövo-g , cpaoGO-q^ovo-g, (p6vo-g Mord, Blut, (fnvi^ das 
Morden : B. qiEVE zu gewinnen aus dem Aorist e-TiE-cpvE 
(— e-7t£-cpEVE) vgl. irisch beni-m ferio. 

g)d^oyyi] Laut, cpd^oyyng, Xiyv-cpd^oyyog : (fd^fyya-Tai , cpd^eyyo- 

(fd^ovo-g Neid vgl. ahd. spanan reizen? B. ipd^ave? 

cpi^oQa^ cpd^oQO-g Verderben, ^i'f.io-(f>&6Qog : als Basis nur 

(pi^UQE in (pd^aqrj-vai , (p&aQE-ig (fut. (fdEQf-LO, (pd^EQÜ). 
£/ii'Cployo-g feurig: (pX^yE-TE, (fXEye-d^oj. 
cpoßo-g Furcht, d-cpoßo-g: (ptßE-jai, (fißo-fxai. 
(poqßri Weide, 7ioXv-(poqßo-g, Gv-g)0Qß6-g : q)€Q߀-T£, (fiQßo-f-iEv. 



14 A. Fick 

(poQO-s Steuer, ßovlrj-cpoQO-g, öi'jo-cpoQO-g: (peQe-TS, (fSQO-fi€v. 
XOt] Guss, TtQO-xof^y olvo-yopo-g^ Jtqo-xoo-g: ^f'/t-^^fi, Z*'/o- 

(xev giessen. 
XoXrj, x6lo-g Galle, Zorn, ä-xoXo-g'. Basis x«^« grün sein vgl. 

lat. helu-s, holu-s, lit. zel-ti grün sein, ksl. zele-nü grün. 
XOQO-g Tanzplatz, Reigen, Evqv-xoQog: yege fassen in ev-ye- 

Q£-g, sskr. har hara-ti fassen. 
XQOfii] Gewieher vgl, xqE[xs-&(s), xqE^iE-zitü), 
xp6yo-g Tadel: i//f/£-T£, xpayo-f-iev tadeln. 
Wurzelhaftes r] wird im Nomen zu lo in : 

aQioyö-g, ccQioy^, s^-UQioyo-g: aQ^y€-T€, dgtjyo-fisv helfen. 

Es ist zu beachten, dass einige Nomina mit wurzelhaftem 
o Aoriststämmen mit a gegenüber liegen: so dgöfio-g neben 
i'-ÖQaf.io-v, eiQO-'y.of^io-g, /.0(.is-it): e'-y,af,io-v, xorrj Mord: i'-Kavo-v, 
TtavQO-yiTOVO-g, e-XTavo-v: TtoQO-g: l-naqri-v, dva-7taQ€-ig, rtTO- 
QO-g: E-TVTaqo-v: ajiOQd, ajcaqs-ig, cpd^oqd : cfd^age-ig. Diese 
Anomalie spricht sehr zu Gunsten der Annahme, dass das a 
in den Aoriststämmen erst verhältnissmässig spät eingetreten, 
um den Aorist auch lautlich vom Präsens zu scheiden (vgl. 
Schleicher, Compendium §. 292). Darnach würden ÖQOfxo-g, 
-Mf.io-g, moQO-g u. s. w. auf die älteren Aoriststämme dQef.is, 
y.E(.ie, TtTEQE zurückgehen. 

Ausnahmen von der Regel der nominalen Umfärbung zu o 
sind äusserst selten: y&Xo-g, tqo-g, (Txf/rjy widersprechen durch- 
aus nicht, weil sie nicht auf Präsens- oder Aoriststämme, son- 
dern auf die allgemeinen Verbalstämme yEXccy equ, ay.E7ta zu- 
rückgehen. tlEyyn-g Beweis, xf7.aJo-cj Getös, OTEyrj und TEyi] 
Dacii sind jüngere Nebenformen zu den (T-Stämmen ro tlEyyogf 
aeXuöeo- in y.El(xdEi-v6-g , axtyog und riyog und folgen daher 
diesen im Vocal. So bleibt nur eine kleine Zahl uralter Wör- 
ter, welche aus der Vorzeit her ihr e behauptet haben: ^fqyov 
= ahd. werc, ^tqog Wolle, vgl. sskr. ; ura-bhra (Wollträger) 
Widder, , «/f'pffjy Thau vgl sskr. varsha Regen, LEfd Spelt = 
lit, java-i GetreiBer,~i^*/a Schau, d-Eo-g {SFEa-o-g) Gott zu d^ta- 
aaoi^ai anflehen , dt (^ieXe zu fif-Xoj, yrz-'Jjy pedica und jceöov Bo- 
den vgl. sskr. pada, beide zur Wurzel nsd, fsskr. ava-pada-ti 
er fällt), x''?ffo-g trocken vgl. lat. horre-o und vielleicht noch 
einige andere. 

Noch strenger wird wurzelhaftes ei der Präsensstämme auf 



Die suffixlosen Noraina der griech. Spr. I. 15 

€ im identischen Nomen durch oi dargestellt, wie man aus der 
folgenden Zusammenstellung sieht: 

dXoicpri Salbe, atofi-äloKpo-g der Gesalbte (Hesych): aXeicpe-Tt, 

dXelcpo-f.iEv salben. 
df.ioiß^, df.ioiß6-g Wechsel, Wechsler: d(.iEiße-Tai, d(,ieißo~(xai. 
dßOtSt], dotöi] Gesang, doiöo-g Sänger: dfstde-TS, deiöo-(xav 

singen. 
dloiTi] Sünde, Frevel: dleixe in dXuxriQ (Homer) Frevler, 

vrjXlrrjg (für vrjleLTi]g) schuldlos vgl. german. litha ich 

gleite. 
lotß^ Spende: Xsiße-te, Xsißo-iuev giessen, spenden. 
Xoiyo-g Verderben : Basis Xeiye noch nicht sicher nachgewiesen. A 

Xoi7t6-g übrig: XeiTtE-Ts, XsiTto-^iEv lassen. /^Yi\AJi./v^ 

aiyxxTO-Xoixo-g blutleckend: Xeix£-T£, Xdxo-fiev lecken. 
ho7fo-g Wechsel, Tausch: i-ieiTs vgl. sskr. (mith) metha-ti sich| ""Vt v v 

gesellen, altercari (oder zu /<£t W^z. f.u wie xdiro-g zu n^t) 
Uioixri^ fioixo-g Buhler: fieixs im german. miga mejo, sskr. 
\ (mih) meha-ti mingere, Samen entlassen, vgl. lat. imme- 
\ jere vulvae = coire. .^— — ""^ /; 

olßo-g Stück Fleisch vom Hinterhalse des Ochsen, wohl = -^\^ 

„saftig" vgl. ei'ße-te, eißo-(.iEv triefen. 
ßo7xo-g Haus: Basis /ft/.fi, vgl. sskr. vi^. vi-ve^a. 
^oi7c6-g krumm: Basis geme vgl. giTi-vo-g. 
öi^dldo-g, Y-oido-g maked. 6ioi'Ar]Ti]g , Ta/nlag: a/siöa vgl. lit. 

skedu = mhd. schide (scheit) ich scheide (aber lat. cae- 

do|, de-cido vgl. goth. skaida scheide). 
OKoirro-g Töpferscheibe (?) vgl. ahd. sciba Scheibe, mhd. schi- 

ben scheip rollen lassen, drehen. 
OToißi] das Stopfen: ateißE-xE, axEißo-fXEv treten, festtreten. 
axoixo-g Reihe: oteIxe-te, axEixo-fiEv schreiten. 
Tolxo-g Wand, Mauer: Basis teixe in to xElxo-g, vgl. germ. 

diga ich knete. 
qid^OT] (für (p^o'}ri) Auszehrung geht auf q)d^£i€, vgl. q>M£-vai^ 

sskr. (kshi) kshaya-ti vernichten, verderben, kshaya Ab- 
nahme, Untergang. 
XQou], xQf^o: Haut, Farbe: B. XQ^^^ zu erschliessen aus xQt<^ 

bestreichen (?). 
(piiißog rein, klar geht auf die Basis (fEißs vgl. lat. feb-ruus, 

etwa zu lit. zib zeb leuchten, zaiba-s Blitz? 
Ausnahmen existiren nicht: nEiy.6-g Vliess geht zwar auf 



>"^' 



16 A. Fick 

das Präsenstheraa /rtt/cu, allein dieses enthält ein unächtes « 
(TtsUü) für TTr/zw = nfüj^o)) und das hei Komikern übliche 
(fsidog Sparsamer, Knicker beruht wie die Verwendung von 
(p£idwv in diesem Sinne auf einem Spiel mit der Namengruppe 
Weiös in (Deld-iTtrtog: 0£idlag, OeidvXog, (Veiöiov. 

In einigen Fällen folgen auch solche Nomina der Analogie 
der Ei — c-Stämme, welche auf ein präsentisches ie zurückgehen 
(also £ — <£-Stämme). So 

'AXoi6-g att. zhr)6-g Fessel: xIeie-te, xX^e-te schliessen, ur- 

. sprünglich yiXsf-iE. 
fiolQU Theil: fiEige-zai, iiiEiQo-f.iat. (für i.iEQ-io-(iai). 

Dagegen ist in ax,o-i6-g schattig die Wurzelform axo an- 
zunehmen, wie in axo-ro-g, daraus regelrecht axo-to-g. 

Die Darstellung eines verbalen Wurzelvocals ev durch no- 
minales ov findet nur statt in: 

gttovöt^ Eifer: otcev-öete, ajtEvdo-juEv. 

Trotzdem sind die Ausnahmen nur scheinbar. Anlautendes 
EV behauptet sich nämlich auch im Nomen, wenn es aus c« 
hervorging: daher EvXr] Made, Stamm /eXe volvi, evv}] Lager — 
ahd. wona in gi-wona, wonon wohnen, Ev^tj : evxe-züi, evxo- 
(.lai geht entweder auf eine Wurzel /«/ vgl. lat. vovere, oder 
auf vansk wünschen (nach Curtius). 

Um zu begreifen, wie das ev in Aetxo-g licht, itEVY.v] Fichte, 
lEv^o-g Dintenfisch (vgl. sskr. dodhat ungestüm, Wz. dhu = 
^t;) sich behaupten konnte, ist zu bedenken, dass das Vocal- 
spiel zwischen dem verbalen e und dem nominalen o erst ver- 
hältnissmässig spät eintrat, um Verbal- und Nominalstämme 
deutlicher zu scheiden. Es mussten also nur solche Stämme 
diesem Vocalwechsel unterliegen, welche zugleich im Verb und 
im Nomen erschienen, dagegen konnten alle Nomina, deren 
entsprechende Verbalstämme untergegangen waren, zwar auch 
der sonstigen Analogie der Nomina folgen, ebenso wohl aber 
auch ihr altes e behaupten. So erhielten sich ntöi], n^öav, 
Eß/gat], te/äj weil die Verbalstämme tteöe, e/eque, tEßS nicht 
mehr neben ihnen vorkamen, so erhielten sich auch Aeixo-?, 
TtEvxrj^ T£vi^o-g, weil es neben ihnen nicht mehr die Verbal- 
stämme Xevxe, ttevkEj TEvd^E gab. — 

Für die Composition gilt das ausnahmslose (lesetz, dass im 
ersten (iliede die verbale Stammform e-e, im SchlussgUede die 
nominale o-o erscheint, z. B. : 



Die suffixlosen Nomina der griech. Spr. I. 17 

EX'jie-Xitcov : öl-olzog. 

ixs-rtevictjg: avv-oyrj, VTteiQ-oxog. 

Afi/fi-TTo/ryc; : a-Xoxog, vav-Xoxog. 

jiu.vs-xccQf(rjg, f-isve-ytToXeiiiog : 7taQd-/.iovog. 

aTQ£(f€-ÖLveoj: iv-aTQog)og. 

TQsxi-daiTtvog : /cegl-Tgoxog. 

(fEQe-y.aQTtng: '/.aqrco-fpÖQog , (DeQS-xlFjg: Kleo-qiOQog. 

Aeix-^VP^Q, Auxo-rciva^: aif.iazo-loix6g. 



Nicht bloss der Praesens- und Aoriststamm auf £, sondern 
auch der Perfectstamm kann ohne Zutritt von Nominalsuffixen 
als Nomen verwendet werden. Die Bildungen dieser Art zer- 
fallen in zwei Abtheilungen, je nachdem das Nomen die Redu- 
plication des Perfects beibehält oder nicht. Die Reduplication 
wird nur bei der vollen sog. attischen Verdoppelung auch im 
Nomen gewahrt; die Vocalumfärbung des tj zu w erfolgt re- 
gelrecht wie bei den Stämmen auf s: ceQCüyog: aqriyo). Dieser 
Bildung folgen: 

dytoyr], aycoyo-g Führung, Führer: dyi]yo-xa (dafür gewöhn- 
lich dyrjo-xcc). 
dyicüxrj Schärfe: pf. «jcryx« zu erschliessen aus dxax-/nevog; 
d^icov Wurfspiess ist part. praes. oder aor. des alten 
Verbs du. 
syQTi]yoq6-g wach: fyQ^yoQs wachte. 

idcoö)] Speise, eötodo-g gefrässig : sörjöcog, f.dtjdo-iia, sörjöo-Tai. 
odtüd^ Geruch : odtode roch. 
oziox^ Halt, avvoxcox^: oycwxs, oytcoxf-vai (vgl. Fritzsche in 

Curtius Stud. VI, 303.) 
ojTWTTjy: ortcoTte; ortlita in TtaQd^ev-OTtiTtrj-g zeigt Vertretung 

von (o durch 1 wie in nifco — Ttcovco. 
dvMyrj Zwang lässt sich auf das Pf. avcoys, aber auch auf 

das spätere Praesens dvcoye-ts beziehen. 
Ebenso kann das späte ysyiovo-g auf ysyiovs oder das praes. 

yeyojve-Ts gehen. 
Wenn aqovQa nichts wäre, als der nominal verwendete Stamm 
des Perfects dQ^Qo-rai, so müssten wir agwQa erwarten, 
es ist daher die Deutung dgoQ-fa vorzuziehen. 
Den Perfectstamm ohne Reduplication enthalten Nomina wie: 
lox-äyö-g, xvv-yyö-g, OTQat-rjyo-g vgl. 7jys-0f^iai = ays-Ofiai: 
Perfect rjxi-vai^ dy-rjyo-xcc. 

2 



18 V A. Fick 




cM * n/0ia)o-s Fischenl^z: vgl. yeyottpiög- 6 Ttt7g\(EQalv^'%liEvhv\ 

I ^^esych, lit. gnb, germ. gtv^ gmf^ lit. sVgreb-ti har- 

\ ken vgl. ayQEicp-va Harke. \ 

diöaxt] Lehre: de-dtdaxe, ds-diöaxs-vai. 

dovTVo-g: öe-dovjte, der Aorist e-öovTio-v ist spät. 

d-ccT ta-v' (poßov Hesych : ze-d^tjrre staunte. 

xvq>6-g gebückt: y.i-y.v(fs. 
iL ^oyxf] Loos: U-loyxs erlooste. 

0QVX1], TOLx-tfQvxo-g : 6q-c6qvxs, das Praesens nQvyo) ist sehr spät. 

TcaXaxr] Loos: {rte-TtdXaxs vgl.) Tts/taldx-O^cci loosen. 

^coy^ Riss: 8-QQioys riss. 

TaQaxrj Verwirrung: s-Te-xaqdxBi plusqpf., TE-TUQay-fiai. 

q>QiY.ri Schauer: 7tf:-(pQl,v.e schauerte. 

(OTtri Anblick: ott-iottu. 

Hiernach sind Bildungen wie aUi] (zu dtaaco, wie cpQiyiij 
zu (fQLaaat 7te-q)QLY.a) dfiix^j (dfiuGGco) I/rog (l'/riio) qirrrj (^i/iTO)) 
TÜyog (raffffw) zu beurtheilen und zu deuten. 



Auch der Aoriststamm auf ~aa, -as kann ohne Weiteres 
nominal verwendet werden, wie dieses ja schon im Infinitiv ge- 
schieht, denn do^at, ist offenbar nichts anderes als der Dativ- 
Locativ eines Nomens do^a, welches gar nichts enthält als den 
nominal verwendeten Aoriststamm öo^a. Die weiteren Casus zu 
öo^ai liefert das Nomen ^ dö^a, welches demnach nichts ist, 
als die Vervollständigung des Infinitivdativs dö^ai. Hierher ge- 
hören : 

dar] Sättigung, Ueberdruss: daai inf. 
du^a, €v-do^o~g: öo^ai inf., e'-öo^e. 

■Kovgd Schur, xogao-o) scheere, also — -/.ogaa vgl. keIqui inf. 
= yciQ-aa-i, t-xeiqu — f'-ytsQ-aa; "AOUQd zeigt Vocalum- 
färbung. 
(.iv^a Schleim: d/c-f-^iv^a. 
TifTiaa Ueberredung: nelaaL inf., I'-Tteioa. 
Den Aoriststamm ^/;za in l'-O^rjyta enthält das Nomen ^jJxj^, 
dia-drj/.rj, avv-d^t^yirj. 

Mit dem Aoriststamm auf -ae, der in der 3. sg. hervortritt, sind 
identisch Bildungen wie: 

^Qi^f'^-S zu t-cpQi^e, iifio g Epheu (Jif'e), xa^«i//o-g krumm 
(t-nafufje), 7ttt:aao-g zu ^-TttraoE, to^ov Bogen zu e-tooos 
traf (Wz. Tov = rox) und andere. 



Die suffixlosen IS^omina der griech, Sprache. I. 19 

Wir haben gesehen, dass fast allen den Nominalstämmen, 
in welchen man ein primäres nominales a-Suffix vermuthen 
könnte, lautlich identische, oder doch ursprünglich identische 
Verbalstämme gegenüber liegen. Die Fälle, wo dieses nicht 
zutrifft, sind so vereinzelt, dass man keinen vernünftigen Grund 
finden kann, hier eine abweichende Bildungsweise anzunehmen. 
Sind nun die lautgleichen Nominal- und Verbalstämme wie 
dQx6-,g) und aQyo-{(.iev) , wie ja der Augenschein lehrt, iden- 
tisch, so fällt damit die Annahme eines Nominalsuffixes a in 
das wohlverdiente Nichts zurück, woraus die Indische Gramma- 
tik es heraufbeschworen, und es ist an der Zeit anstatt dieses 
Phantoms ein richtigeres Bildungsprincip aufzustellen. Bei der 
innigen Verwandtschaft der indogermanischen Sprachen gilt das 
Gesagte für alle Glieder dieses Stammes, doch beschränken wir 
uns hier vorläufig auf das Griechische. Hier ist an der Stelle 
des vermeintlichen a-Suffixes der Satz aufzustellen: jeder in der 
Flexion des Verbs erscheinende Verbalstamm kann ohne Zutritt 
von Nominalsuffixen ohne weiteres auch als Nominalstamm ver- 
wendet werden. Im Verlaufe dieser Abhandlung haben wir die 
folgenden Typen kennen lernen: 

1. Praesens- und Aoriststämme auf -e werden nominal ver- 
wende; wurzelhafte e-Vocale werden im Nomen zu o um- 
gefärbt : 

a. ay6-g\ ayo-j^sv, Xa^a, Irjd-rj: lad-o-/usv, l^d^o-f^ev, al- 
■O'O-g: acS^o-iiiev, yoog: e-yoo-v, Uao-q: tioo-fxev, liTij: 
XiT€-ad^ai, zTV7T0-g: k'-xzv7to-v. 

b. ccyoQcc: dy€Q€-ad^ai, OQOcp^: sQicpo-(.iev, q)6Q0-g: (peQO-f^sv, 
dgcoyo-g: dQrjyo-f.i€v, doiöö-g: deldo-f-uv, arcovö^: artev- 
do-^ev. 

2. Perfectstämme als Nominalstärame verwendet a) mit Be- 
wahrung b) mit Einbusse der Reduplication : 

a. aycDyrj: dyriyo-yß^ idwd^: sdrjdo-Tat. 

b. 7ii(p6-gi -Ae-xvcpe, cpQlxrj: 7t£-(pQix.€. 

3. Aoriststämme auf aa, ae nominal verwendet: 

öo^a: öö^ai, rcetoa: TtelaaL. 
q)Qi^6-g'. s-cpQL^e, t6^o-v: e-Toaas. 
Die übrigen Typen werden in einem der nächsten Hefte 
dieser Zeitschrift zur Besprechung kommen. 

A. Fick. 



2* 



20 Leo Mej'^er 

TJeber die griechischen, insbesondere die homerischen 
Nomina auf ev. 

Dass die später ganz ausgeprägt substantivisch gebrauch- 
ten griechischen Nominalbildungen auf 8v in alter Zeit der ad- 
jectivischen Beweglichkeit noch nicht ganz entkleidet sind, zeigt 
die homerische Sprache in mehreren Beispielen. Die Hunde, 
die als treue Genossen ihrer Herren namentlich bei Tische 
(r^ttTTfi^a) mit anwesend zu sein pflegen, heissen TQaTtetijfeg 
yivveg (Ilias 22, 69; 23, 173 und Odyssee 17, 309) und ein et- 
waiges substantivisches xqaTts^evg begegnet daneben gar nicht. 
Der „Bearbeiter des Erzes (xaAxdg)" heisst xalxavg (Ilias 12, 
295; 15, 309 und Odyssee 3, 432j, daneben aber begegnet dvrjQ 
XaXiisvs (Odyssee 9, 391) und in der Mehrzahl xa/f-Jt^y/eg avdqeg 
(Ilias 4, 187 und 216). Ebenso ist dviqQ auch noch sonst das 
Substantiv, an das Noraina auf ev mit adjectivischem Werthe 
sich anschliessen , so Ilias 17, 65: avdqeg voi^rjßsg, die mit der 
Weide {vofxri) zu thun haben, und Ilias 15, 489; 17, 203 und 
Odyssee 24, 460: dvÖQog ccQLOTtjfog und Odyssee 14, 218: av- 
ÖQag ccQLOTrjfag. Neben der letzteren Verbindung begegnet auch 
ysQOVTCcg ccQiOTfjßag (Ilias 2, 404) und xovqritag dgiar^fag (IHas 
19, 193), worin also das eine Mal Greise, das andere Mal junge 
Männer als „angesehenste, vornehmste" bezeichnet werden. Die 
Ruderer, die mit dem Seewesen (aho-) zu thun haben, nennt 
der Dichter i^hag dXifjfag (Odyssee 16, 349), während ihm an 
anderen Stellen (Odyssee 12, 251; 22, 384 und 24, 419) das 
dXi6v- schon selbstständiges Substantiv „Seemann, Fischer" ist. 
Auch ßaadev-, obwohl seiner Bildung nach ganz eigenartig, 
mag hier noch genannt sein, da es der Grieche gewiss schon 
früh als zu den zahlreichen übrigen Bildungen auf ev ganz zu- 
gehörig auffasste: es erscheint in den Verbindungen ßaailrjfi 
J=dvay.zL „einem fürstlichen Herrscher,* (Odyssee 20, 194) und 
ßaailij^L dvdql „einem fürstlichen Manne" (Odyssee 24, 253), 
neben denen auch wohl noch ßaail^feg ccqxoI „fürstliche Her- 
ren" (Odyssee 8, 390) angeführt werden darf. 

Auch noch ein anderes Jbesonders Wichtiges) lehrt gerade 
die homerische Sprache in Bezug auf die Bildungen auf ev, was 
auch in den angeführten Beispielen schon entgegen getreten ist: 
fast alle ihre Casusformen, für die man in der homerischen 



Heber die griech., insb. die homerischen Nomina auf €v. 21 

Sprache noch das Vorhandensein des Halbvocals wird anneh- 
men dürfen, haben vor diesem Laut gedehnten Vocal. Die Aus- 
nahmen von dieser Plegel bilden abgesehen von der Pluralgene- 
tivform ToyJßMv „der Eltern" (Ilias 15, 660 und 21, 587), ne- 
ben dem aber toxrjfcov doch häufiger auftritt, überhaupt nur 
einige Eigennamen, insbesondere Tvöevg und l^TQevg, von denen 
ausser der vereinzelten Accusativform Tvöfj (nur Ilias 4, 384), 
die ebensowohl aus Tvdefa als aus Tvör^fa entstanden sein 
kann , gar keine Casusformen mit innerem rj vorkommen. Der 
(lenetiv Tvöefog ist sehr gewöhnlich (Ilias 2, 406; 4, 365; 
370; 5, 25 und sonst), der Dativ Tvdefi begegnet Ilias 4, 
372 und 10, 285, der Accusativ Tvöefa nur Ilias 6, 222. 
Der Dativ L^tq^/l findet sich nur Ilias 2, 105; der Genetiv 
!ATQhJ-og wieder häufiger (Ilias 2, 23 = 60; 3, 37; 4, 98 und 
sonst). Weiter sind mit der inneren Vocalkürze noch zu nen- 
nen: Qrjoej^a in zwei sicher nicht alten Versen (Ilias 1, 265 
und Odyssee 11, 631), lAi.Laqvyv.fJa 'nur Ilias 23, 630), Fl- 
cpij'a (nur Ilias 16, 417), Kaiveja (nur Ilias 1, 264), Nrj- 
Ufa (nur Odyssee 15, 229) neben Ntilrjfa (Odyssee 11, 254 
und 15, 237) und Nrjlri^og (Ilias U, 692; Odyssee 3, 4; 15, 
233), noQd^ffi (nur Ilias 14, 115^ TT/yA^'/t (nur Ilias 24, 61) 
und nriUj:og (Ilias 16, 203; 18, 18; 20, 2; 21, 139; 22, 8; 
250 und Odyssee 24, 36) neben nrjlrifi (Ilias 16, 381; 867 
und sonst) und nrjl^fog (Ilias 9, 147; 289; 11, 769 und 
sonst), QyvUfog (nur Ilias 10, 110 und 175) neben (DvXijfa 
(nur Ilias 23, 637), 'Oövaof'fog (nur Ilias 4, 491) neben häufi- 
gem ^OdvGorjfag und 'OdvöGefa (nur Odyssee 17, 301, wo aber 
wohl 'Oduao^/ zu lesen sein wird), Tvcpcoefog (nur Ilias 2, 783) 
und TvfpwijL (nur Ilias 2, 782) und JtoQiifeg ,Dorier* (nur 
Odyssee 19, 177). Ausser in diesen Casus hat sich die kurz- 
vocalige Form ausnahmslos festgesetzt in den patronymischen 
Ableitungen, wie .Alysfidrig (Ilias 1, 265), l4LiaQvyy<.£fiöi]g (Ilias 
2, 622 und 5, 517) ^TQs=id,]g, Kaivsflörjg (nur Ilias 2, 746), 
Nr]lefidi]g (Ilias 23, 652), nrjXsztörjg und ^Argsfiiov, UrjXefuov 
und den übrigen. Auch in den Dativen ^AyLlXel (nur Ilias 23, 
792 versschliessend) und 'Odvasl (nur Odyssee 5, 398 und 13, 
35, wo möglicher Weise Vdvorj/ mit Abfall des dativischen l 
zu denken wäre) Avird man zunächst Entstehung des Ausgangs 
et aus €fi mit kurzem Vocal annehmen müssen. Dass an diese 
Formen auch noch die Casus vliog „des Sohnes" (Ilias 24, 122; 



22 Leo Meyer 

Odyssee 3, 489 und sonst), vlh (Ilias 3, 174; 15, 455; 20, 81 
und sonst), vUa (Ilias 13, 350), viisg „Söhne" (Ilias 2, 641; 
666; 5, 10 und sonst) und vuag (Ilias 2, 693; 5, 149; 11, 123 
und sonst) sich anschliessen, wie gewöhnlich angenommen wird, 
also bei Homer zu lesen seien vUßog^ vMfi und so fort, ist 
durchaus unwahrscheinlich. Einen Nominativ vlavg, mit dem 
jene Auffassung als richtig erwiesen sein würde, kennt Homer 
ebenso wenig als einen etwaigen Vocativ viev oder Pluraldativ 
vUvai, statt welches letzteren vielmehr viöiolv (Odyssee 19, 
418) und gewöhnlicher vlaoL auftritt. 

Diesen Thatsachen gegenüber hat man für die homerische 
Sprache eigentlich nur das Recht, statt von zahlreichen Grund- 
formen auf ev von solchen auf >;/ (aQiaTijf-, dhrjf- und so 
fort) zu sprechen. Auch Ahrens hebt in seiner homerischen 
Formenlehre (§ 30, Anmerkung 3) die Alterthümlichkeit der 
Vocallänge in jenem Suffix hervor und bezeichnet noch neuer- 
dings im Philologus (35, Seite 16) das nominativische evg als 
aus rjvg entstanden, das vielleicht auch kyprisch und noch ho- 
merisch sei. Ein altgriechisches Nominalsuffix rjf aber kann, 
wie es mit jenem ev doch ganz gewöhnlich geschehen ist, un- 
möglich unmittelbar mit einem altindischen den Halbvocal j 
enthaltenden Suffix j'u zusammengestellt werden, da, soviel wir 
wissen, kein einziges griechisches r] aus einem Halbvocal sich 
entwickelt hat. Möglich würde, wie ich schon in meiner ver- 
gleichenden Grammatik (2, S. 259) ausführte, der Zusammen- 
hang jenes Suffixes rjf Uv) mit altindischem j'u nur dann sein, 
wenn das letztere auf ein altes iv und noch älteres iva zurück- 
führte. Darin würde sich das va als eigentlich letztes Suffix 
deutlich ablösen und an der Stelle des ihm vorausgehenden 
inneren Vocales i, der als einer schon zu (ü runde liegenden 
Form angehörig zu denken sein würde, Hesse sich ein älterer 
a-Vocal vermuthen, der in entsprechenden griechischen Formen 
aus irgendwelchem Grunde gedehnt sein könnte. 

Auch Georg Curtius (Grundzüge Seite 596 und 597) weist 
die Zusammenstellung von ev mit dem altindischen ju zurück, 
bringt an ihrer Stelle aber zur Erläuterung der in Frage ste- 
henden griechischen Bildungen eine Combination, deren Unan- 
nehmbarkeit bereits von Pott (Wurzelwörterbuch 1, Seite 1237 
bis 1241) klar gelegt ist. Es wird nämlich von Curtius gesagt, 
dass die griechischen Nomina auf ev-g sich „grossentlieils gleich- 



Ueber die griech,, insb. die homerischen ^N'omina auf ev. 23 

sam vor unsern Augen in einzelnen Casusformen als Erweite- 
rungen von Wörtern auf og" entwickeln, wobei das homerische 
rjvioyog „Wagenlenker", neben dem auch ein gleichbedeutendes 
rjvLOxevg auftritt, als einziges Beispiel genannt und noch hinzu- 
gefügt wird, dass die alten Grammatiker für diesen Vorgang 
den Namen 7taQaaxr]f^iciTiOf-i6g haben. Selbstverständlich aber 
hat dieser gelehrt klingende Name, dessen genauere Prüfung 
für die Geschichte der alten Grammatiker sicher von Bedeutung 
ist, gar keinen Werth für uns, wo sichs um die bestimmt ge- 
stellte Frage nach der Bildung irgendwelcher griechischen Wör- 
ter handelt. Dazu aber ist es jedenfalls ein sehr unglückliches 
Verfahren, bei der Besprechung der Bildungen auf svg mit ei- 
nem sehr ungenauen „grossentheils" gerade von solchen Formen 
auszugehen, die mit den scheinbar ihnen zunächst zu Grunde 
liegenden Bildungen ganz die nämliche Bedeutung zu haben 
scheinen, und nicht vielmehr von solchen, die wie zum Beispiel 
iTCTt^f- {iTtTcsv-) neben %7C7co- mit dem neuen Kleide auch eine 
wesentlich neue Bedeutung erhielten und von denen kein ver- 
nünftiger Mensch wird behaupten wollen, dass sie sich „gleich- 
sam vor unsern Augen in einzelnen Casusformen als Erweite- 
rung von Wörtern auf -og" entwickelten. Wenn Georg Curtius 
im Anschluss an die letztangeführte Wendung bemerkt, dass er 
schon im dritten (Seite 76 ff.) und vierten Bande (Seite 213) 
der Kuhnschen Zeitschrift nach Schleichers Vorgange gezeigt 
zu haben glaube, wie ein solches zur Individualisirung [?] der 
Form dienendes Suffix -«/ oder -av in dem slavischen -ov 
nebst den Verben auf -ov-a-ti sein Analogon habe, so wird es 
nöthig sein, die angeführten beiden Stellen noch einmal einer 
genaueren Kritik zu unterziehen. 

Am Wenigsten bietet die zweite; nämlich überhaupt nichts 
Erläuterndes, sondern nur unter der absonderlichen Ueberschrift 
„individualisirende Suffixe" die Behauptung, dass in den Femi- 
ninen ev7iaz£Q€ia und evQvodeia die Stämme nareg- und o66- 
vor dem t ein secundäres ev, ef erhalten haben, für die nicht 
die Spur eines Beweises beigebracht ist. Die zweite leitet ein 
mit der Bemerkung, dass die Sprachvergleichung der Zeit ent- 
wachsen sei, in der man einzig und allein aus dem Sanskrit 
Belehrung gehofft habe, als ob man heute, etwa ein Viertel- 
jahrhundert später, die unerschöpflich reiche Belehrung, die das 
Sanskrit bietet, schon über und über ausgebeutet habe, und 



24 Leo Meyer 

bringt als Beispiel dann den „glücklichen Gedanken Schleichers 
das bisher unerklärte €v der griechischen Nominal- und Verbal- 
bildung mit dem slavischen ov zu vergleichen". In sehr wenig 
glücklicher Weise werden dann zunächst den Verben auf evo) 
die vereinzelten auf ovw zur Seite gestellt, ehe noch einiges 
über die Noraina auf ev-g hinzugefügt wird. Dabei wird dar- 
auf Gewicht gelegt, dass wir im Griechischen, worauf Schleicher 
auch schon hingewiesen habe, jenes ev (£/, «) zum Theil nur 
in den casibus obliquis und im pluralen Nominativ finden, was 
eine sehr merkwürdige Uebereinstimmung mit dem slavischen 
Gebrauche, zumal mit dem kirchenslavischen , sei, wo, wie 
Schleicher mittheile, durch diese Endung einsilbigen [!] Wörtern 
im Plural mehr Nachdruck [?] verliehen werde. „Sehr merk- 
würdig" finden wir weniger diese Uebereinstimmung, als die 
Behauptung, dass sie existire, da zum Beispiel die homerische 
Sprache die Singularnominative ahevg (Odyssee 12, 251), d/Li- 
(pKpoQsvg (Ilias 23, 92), drceQioEvg (Hias 8, 361), uqevg (Ilias 1, 
370), -/.EQainevg (Ilias 18, 601), vof.isvg (Ilias 15, 632; Odyssee 
4, 413), oxEvg (Odyssee 3, 372), xaly.Evg (Ihas 12, 295; 15, 
309; Odyssee 3, 432; 9, 391) nicht meidet. 

Was Curtius weiter noch anschliesst, können wir nach den 
bereits gegebenen Proben hier ganz unberücksichtigt lassen und 
wenden uns lieber direct zu den von ihm angeführten Schlei- 
cherschen Auseinandersetzungen. Schleicher bespricht in seiner 
Formenlehre der kirchenslavischen Sprache (Bonn 1852), Seite 
196 und 197, abgeleitete Verba auf -ovati (unter bestimmten 
Lautverhältnissen evati), in deren v er ein zugefügtes pronomi- 
nales Element erkennt und als deren schlagende Parallele er 
die „ganz auf gleiche Weise gebildeten" griechischen Denomi- 
native auf EVM bezeichnet, „die nur so eine p]rklärung finden", 
und kömmt dann etwas später (Seite 202 bis 203) auf die 
Flexion der männhchgeschlechtigen «-Stämme, vor deren Ca- 
susendungen sich nicht selten ein v finde. Auch in diesem v 
erblickt er ein pronominales Element, das im slavischen Pro- 
nomen oöü und im altbaktrischen ava als selbstständiges Wort 
erscheine, mit dessen Vorsetzung vor die Casusendungen er sehr 
unglücklich die des n in der deutschen schwachen Dechnation, 
das auch ein pronominales Element sei, vergleicht. Jenem pro- 
nominalen V aber, vermuthet Schleicher, und zwar in ziemlich 
unsicheren Ausdrücken, verdankten auch die griechischen Sub- 



lieber die griech , insb, die homerischen Nomina auf sv. 25 

stantiva auf evg (für ej-g), in denen jenes pronominale Element 
zum festen Suffix geworden sei, ihre Entstehung. Die Erklä- 
rung jenes fraglichen v in der Flexion der Nomina durch di- 
recten Einfluss der M-Stämme, wie sie von Bopp und Miklosich 
aufgestellt worden war, die „die a-Stämme durch die w-Stämme 
verdrängt sein lassen", erklärt Schleicher für eine Unmöglich- 
keit und verweist bezüglich ihrer von ihm versuchten Widerle- 
gung auf einen älteren Aufsatz, den weiter nachzuprüfen uns 
für unsere speciellere Frage ganz und gar überflüssig zu sein 
scheint. 

Viel richtiger ist, wo sichs um Schleichersche Auffassungen 
handelt, wenn man ihm nicht unrecht thun will, noch das zu 
erwägen, was er später gelehrt hat. Schon in der zweiten Auflage 
seines Compendiuras (Weimar 1866) aber lehrt er in Bezug auf 
die das v enthaltenden abgeleiteten Verbalstämme (§ 2\2), ihr 
V (ov) sei ein in der Stammbildung des Slavischen und Littaui- 
schen sehr beliebtes Element, welches von den w-Stämmen, die 
im Slavischen mit den a-Stämmen vielfach zusammen fallen, 
seinen Ausgangspunct genommen, dann aber zu einem selb- 
ständigen Suffixe sich entwickelt habe, und in Bezug auf die 
Flexion der Nomina (§ 245; ebenso in der ersten Auflage), 
im Slavischen mische sich die Declination der w-Stämme völlig 
mit der der männlichen und ungeschlechtigen a-Stämme. Wer 
also mit der wirklich Schlei cherschen Beurtheilung jenes suf- 
fixalen slavischen v der Erläuterung der griechischen Bildungen 
auf fif zu Hülfe zu kommen meint, dreht sich nur im Kreise 
und erklärt nichts. Auch Leskien in seinem Handbuch der 
altbulgarischen Sprache (Weimar 1871) spricht (§ 60) von ei- 
nem „Uebergang der masc. a-Stämme in die Analogie der u- 
Stämme und umgekehrt". 

Benfey hat in seiner inhaltreichen Abhandlung über die 
Entstehung des indogermanischen Vocativs (Göttingen 1872) die 
Ansicht ausgesprochen, dass mehrere Themen, welche in der 
Declination auf av (t/, «) auslauten, ursprünglich durchweg 
durch Vortritt von « erweiterte Themen auf v seien (Seite 60 
und insbesondere Seite 75 bis 79), wie er in gleichem Sinne 
auch schon im ersten Bande seiner Zeitschrift Orient und Oc- 
cident (Göttingon 1862, Seite 274) zu bemerken Gelegenheit 
nahm, dass das 6t' griechischer Themen vielfach nur die ver- 
stärkte Form von v sei. So sei zum Beispiel (Seite 57) der 



26 Leo Meyer 

Singulargenetiv i^fog (Ilias 19, 342; Odyssee 14, 505; 15, 450) 
sowohl als der Pluralgenetiv iawv (Ilias 24, 528; Odyssee 8, 
325 und 335) aus der Grundform iv- gebildet, neben der 
als männlicher Nominativ ivg (Ilias 2, 819; 12, 98 und sonst) 
und Accusativ ivv (Ilias 8, 303; Odyssee 18, 127) auftritt. 
Gerade das eigenthümliche Schwanken dieser beispielsweise an- 
geführten Casusformen in Bezug auf die Behandlung des ihnen 
zu Grunde liegenden Nominalthemas aber, wie dann weiter auch 
noch die geläufigeren Casusformen homerischer Adjectiva auf v 
mit ihrem inneren durchaus kurzen Vocal, wie evQtfog ,des 
breiten' (Odyssee 4, G03), rtaxirog ,des dicken' (Odyssee 10, 
439), coKiH jdera schnellen' (Ilias 15, 238 und sonst) und an- 
dere, mu8S uns mehr als bedenklich machen, grade von ihnen 
bei der Erklärung der in eine so bestimmt abgegränzte Gruppe 
zusammengefassten griechischen Bildungen auf av auszugehen 
und das ev (homerisch meist rjf) durch jenen rein zufälligen 
Vortritt eines «-Vocals vor zu Grunde liegendes v zu erklären. 
Die Bildungen auf sv tragen ihrer überwiegenden Mehrzahl 
nach ganz deutlich das Gepräge der Abgeleitetlieit, dem gegen- 
über doch auch das noch hervorgehoben werden darf, dass 
Benfeys vollständige Sanskritgrammatik auch nicht ein einziges 
Beispiel durch secundäres Suffix u gebildeter Wörter bringt. 
So wäre es doch sicher in jeder Beziehung bedenklich, die bei- 
spielsweise als erste von uns genannte homerische Form auf ry/ 
{ev), das adjectivische TQUTTetrjf- {TQajtaCev-) , das deutlich un- 
mittelbar auf TQcc7ce'Ccc „Tisch, Tafel" zurückführt, durch den 
Antritt eines suffixalen v, vor dem das auslautende a von tq(x- 
7teCa dann erst abgefallen sein musste, und dann wieder mehr 
zufälligen Vortritt des a-Vocales vor das suffixale v zu erklä- 
ren, während doch auf der Hand liegt, dass in rQUTtstrjf- das 
ihm zunächst zu Grunde liegende T(»«7r«ca in Bezug auf seinen 
auslautenden Vocal ganz unversehrt erhalten blieb und nur das 
halbvocalische / als neues suffixales Element zutrat. Ganz 
ebenso aber verhält sichs ohne Zweifel auch mit den übrigen 
schon genannten homerischen Formen: xaX'/.rjj^- (^cfAzet'-) be- 
zeichnet den, „der mit dem Erze zu thun hat" und führt un- 
mittelbar auf yalKo- zurück, dessen auslautender «-Vocal in 
der abgeleiteten Bildung nur noch nicht die trübe Färbung an- 
nahm, die in dem einfachen Worte sich entwickelte. Ganz 
ähnlich aber führt ahijf- „der mit dem Seewesen zu thun hat" 



Heber die griech., insb. die homerischen Nomina auf €v. 27 

zunächst auf alio- „zum Meere gehörig, das Meer betreffend" 
zurück und dgiaTrjf- zunächst auf das superlativische ceQiaro-, 
so dass es zunächst wohl den bezeichnet „der mit dem Besten, 
dem Vorzüglichsten zu thun hat" oder auch den „dem das 
Beste, das Vorzüglichste gehört". 

Ganz ebenso aber verhält es sich dann ohne Zweifel auch 
mit den schon genannten vnf.irjf- „der Hirt" und toy.riJ— „der 
Erzeuger", was ich in meiner vergleichenden Grammatik (2, 
258. 260) noch nicht bestimmt auszusprechen wagte. Es nö- 
thigt durchaus nichts, die beiden in Frage stehenden Formen 
unmittelbar auf die Wurzelformen ve(.L „weiden" und xe/. „er- 
zeugen" zurück zu führen: ist doch zum Beispiel auch unser 
deutsches -er, mit dem die Benennungen von Handelnden oder 
die sogenannten nomina agentium, bei denen man immer am 
Leichtesten an directe Herleitung aus Wurzelformen zu denken 
geneigt ist, am Gewöhnlichsten gekennzeichnet werden, ebenso 
wie das ihm entsprechende gothische a-rja-, von dem in dieser 
Beziehung schon in meiner Gothischen Sprache (273) gehandelt 
worden ist, ein durchaus ableitendes (secundäres) Suffix, und 
die damit gebildeten Ritter und Schnitter zum Beispiel führen 
nicht unmittelbar auf Wurzelformen, sondern erst auf die no- 
minalen Ritt und Schnitt zurück. Im Altindischen findet sich 
sogar eine participielle Bildung, die ganz deutlich nicht unab- 
geleitet, sondern abgeleitet ist, nämlich die mit zu Grunde lie- 
gendem passiven Particip und dem Sufüx vant^ wie uktävant-, 
„gesprochen habend" (Benfey vollständige Grammatik §. 893), 
das von dem passivischen uktä- „gesprochen" ausging und zu- 
nächst nur bedeuten wird „mit dem Gesprochenen versehen". 
Das also abgeleitete homerische vo/tirjf- wird zunächst auf das 
nominale vo/^irj oder männlich vof.i6g „Weide", welches letztere 
auch bei Homer selbst vorkömmt, zurückzuführen sein und den 
bezeichnen, „der mit der Weide zu thun hat": mit dem von vo- 
[xrlf- (vo/iiev-) unmittelbar abgeleiteten voinevsiv „weiden" findet 
sich jenes vof.i6g bei Homer auch einmal (Odyssee 9, 217) eng 
verbunden in den W^orten all' sv6f.ievs vouov xccra ictj-ova }.irjla 
„er hütete auf der Weide die fetten Schafe", die vom Polyfemos 
gesagt sind. Bei Töxrjf- (rozt/-), das bei Homer einmal (Odys- 
see 8, 312: Toxrjfs) im Dual und sonst nur im Plural und zwar 
in der Bedeutung „Eltern" auftritt, darf man wohl an nächsten 
Zusammenhang mit tozo-, m. „Geborenes, Nachkommenschaft" 



28 Leo Meyer 

(Ilias 7, 128; 15, 141; Odyssee 15, 175) denken, so dass es 
zunächst ,,mit Nachkommenschaft versehen" bedeuten wird. 

Dass Bildungen auf ev mit zur Seite liegenden Benennun- 
gen von Handelnden auf o, ein Nebeneinanderliegen, das mehr- 
fach vorkömmt, wie nahe gerückt und ununterscheidbar ihre 
Bedeutung auch später oft erscheinen mag, ursprünglich nicht 
völlig gleichwerthig sein können, ist ganz selbstverständlich. Die 
in der fraglichen Beziehung aus der homerischen Sprache etwa 
zu nennenden Bildungen sind folgende: rjvinyjjf- neben rjvioxo- 
„Wagenlenker", 7tof.i7Ctjf- neben icniiTin- „Begleiter", oiQfjf- neben 
ovQO- „Aufseher, Wächter", rpovrjf- „Mörder" und /taTQOcpovtjf- 
,Vatermörder" neben naigofpovn- Vatermörder und q^nQrjf- „Trä- 
ger" und diupirpoQrjj^- „doppelhenkliges Gefäss" neben rn^nrpnQO- 
„Bogen tragend" und anderen Zusammensetzungen mit dem 
Schlusstheil -rpoQO-. Neben den letztgenannten Bildungen begegnet 
ein einfaches rpovo- „Mörder" überhaupt nicht und ein einfaches 
cpngo- „tragend" erst in spätnachhomerischer Sprache, bei rpovrj/^- 
„Mörder" und (pOQrjf- „Träger" könnte also überhaupt nicht 
die Rede davon sein, dass sie, um Curtius' Worte noch einmal 
zu gebrauchen, „gleichsam vor unsern Augen in einzelnen Ca- 
suslbrraen als Erweiterungen von Wörtern auf o-g sich ent- 
wickeln". Die Gebiete der Suffixe r^f {tv) und o decken sich 
gar nicht ; das letztere ist in Zusammensetzungen besonders ge- 
bräuchlich, während das rjp (ev) auch in manchen unzusam- 
mengesetzten Namen von Handelnden erscheint, die scheinbar 
gleichbedeutende Bildungen auf o gar nicht zur Seite haben. 
So nöthigt also durchaus nichts, die eben aufgeführte Gruppe 
homerischer Wörter auf jy/- mit der Bedeutung von Handelnden 
für unabgeleitet zu halten und von der Hauptmasse der übrigen 
deutli(;h abgeleiteten Wörter auf tjj-- zu trennen. Wie wir voini]/- 
„Hirt" unmittelbar zu vniarj oder vof.in- „Weide" stellten und 
Toy.ri߀g „Eltern" zunächst zu to/o- „Nachkommenschaft", so 
wird cpovri:- „Mörder" nebst /taiQO-fpovrjjr- „Vatermörder" un- 
mittelbar von cpovij oder dem männlichen cpovo- „Mord" abgelei- 
tet sein und (pog^c- „Träger" (nur Ilias 18, 5()G) von cpoga 
„das Tragen", das als nachhomerisches Wort sich freilich zu 
mehr abliegenden Bedeutungen entwickelt hat. Für das zuge- 
hörige ciftq^tfpoQijf- hegt nah als (irundbcdcntung anzusetzen 
„auf beiden Seiten eine Trage (Tragvorrichtung) habend", als 
ob ein qtogd oder rpoQo- mit der Bedeutung „Tragwerkzeug, 



lieber die griech., insb. die homerischen Jsomina auf et. 2lJ 

Tragvorrichtung" darin enthalten sei;, wie ganz ähnlich auch 
unser Zuber, dessen Schlusstheil mit jenem (pogö- unmittelbar 
zusammen gehört, als zui-har „ein Gefass mit zwei Griffen", 
im Gegensatz zum Eimer, alt ein bar, „Gefäss mit einem Griff" 
bezeichnet. Das vereinzelte ocQtjc- „Aufseher, Wächter" (nur 
Ihas 10, 84) schliesst sich eng an ein altes ouqcc „Fürsorge, 
Beachtung", das als Nebenform des späteren aga zu vermuthen 
ist und genau übereinstimmen würde mit dem althochdeutschen 
wara „Acht, Aufmerksamkeit", das sich uns noch in wahr neh- 
men erhalten hat. Neben ito/iiTtfjf- hat die homerische Spra- 
che selbst das zunächst zu Grunde liegende Jco/iiTtt] „Geleit, 
Begleitung". Das dann noch zu nennende ^vioxfjf- „Zügelhal- 
ter, Wagenlenker" wird nebst dem auch homerischen einfachen 
oxrjf- „Halter" („Helmriemen", „Leibgurtspange", „Thorriegel") 
sich wohl unmittelbar an das abstracte (r/j] mit der zu vermu- 
thenden Bedeutung „das Halten", das aber erst in nachhomeri- 
scher Sprache mit der Bedeutung „Unterhalt, Nahrung, Speise" 
sich findet, anschliessen. 

Alle übrigen homerischen Bildungen auf ijf (avi tragen 
ganz wie die zuerst von uns genannten TgaTtatrjf- (von tqcc- 
Tteta), yah/JriJ^- (von yah/.6-), dgiarrif- (von aQiato-) und aXirjf- 
(von aXio-) ganz unverkennbar das Gepräge der Ableitung: sie 
enthalten fast alle vor jenem rj-j: noch nominale Bildungsele- 
mente. So iTTTcrj/- „der mit Pferden (ltitio-) zu thun hat" 
oder zunächst wohl „der mit Pferden versehen ist", „Rosselen- 
ker, Wagenlenker", öovax^ß- „mit Rohr [dova-/.-) Versehenes, 
Rohrgebüsch" (nur Rias 18, 576), "/.egaf-irj ji- „der mit Töpfer- 
thon {'/.egafio-) zu thun hat, Töpfer" (nur Rias 18, 601), uqrjf- 
„der mit den Opfern (leqö-) zu thun hat, Priester, Opferprie- 
ster", ^OLy.rjß- „der mit zum Hause {ßoUo-) gehört, Hausgenoss, 
Diener", /voQÜftr^.-- „der mit der Ueberfahrtsstelle iTtogi^fio-) zu 
thun hat, Fährmann". Die Bildung von i^JvsQOTtrjf- „Betrüger, 
Verführer" (nur Odyssee 11, 364) ist noch nicht aufgeklärt; sein 
erster Theil erinnert an das altindische äpara- „anderes", unmög- 
lich aber kann der zweite zu on- „Stimme" und sTtog- „Wort" 
gehören, da diese Wörter bei Homer nur fott- und fmog- lau- 
ten. Das vereinzelte drteqcorjß- „Verhinderer, Vereitler" (nur 
Rias 8, 361) schliesst sich vielleicht unmittelbar an ein weib- 
liches dTt-sQiüVj „Hemmung, Verhinderung". Dann sind nur noch 
anzuführen ovQijf- „Maulesel", das in nachhomerischer Sprache 



30 Leo Meyer 

als oQa- (nQEv) auftritt und, da die Maulthiere besonders zur 

Arbeit im Gebirge, zum Holzfaliren (Ilias 17, 743: rj/niovoL 

VX/,ü)a fi^ oqeoq . . . rj öo-/.6v ijpi doQv jiiaya v/j/iov) verwandt 
werden, sich vielleicht an oQog- „Berg" anschliesst, und ßoßijf- 
„Riemen aus Rindsleder", das wohl unmittelbar von ßof- „Rind" 
ausging und sich etwa mit dem altindischen gäumant- (gäuvant- 
begegnet nicht) „mit Rindern versehen" vergleichen lässt, das 
gelegentlich auch „aus Rindern bestehend" bedeuten kann. 

Die homerischen Nominalformen auf sv {rjf) sind im Vor- 
ausgehenden vollständig angegeben und schon daraus ergiebt 
sich, dass ihre Bildung eine sehr beliebte ist. Wie sie in älte- 
rer Zeit aber doch noch eine weit beliebtere gewesen ist, wird 
dadurch erwiesen , dass die Zahl der abgeleiteten Verba auf 
svtx) bei Homer noch weit grösser als die jeuer Nominalbildun- 
gen ist und dass auch ungefähr noch ebensoviel homerische 
Eigennamen auf rjz (ev) auftreten wie solche Verba. Die abge- 
leiteten Verba auf evcü aber gingen unmittelbar von den Nomi- 
nalformen auf €v aus und mehrere von ihnen liegen auch ein- 
zelnen der bereits besprochenen noch zur Seite. So hat die ho- 
merische Sprache isqsvslv „als Opferpriester thätig sein, opfern" 
neben ieQfj/- (legev-) „Opferpriester", aus dem auch Ugeia (für 
leQt/ia) „Priesterinn" (nur Ilias 6, 300) und uqrjfiov „Opfer- 
vieh, Schlachtvieh" gebildet wurden, rjvLOxei'eiv „als Rosselen- 
ker {rjnoxfjß-) thätig sein, Rosse lenken", voususiv „als Hirt 
{vof.i7J/-) thätig sein, weiden", 7T0f.iTtevsLv „als Begleiter {nofx- 
rtrjf-) thätig sein, begleiten, führen" (nur Odyssee 13, 422), 
XccXxetsiv „als Erzarbeiter thätig sein, aus Metall verfertigen" 
(nur Ilias 18, 400) von xS'-h/.riJ'- „Erzarbeiter", aus dem auch 
XahnrjßLO- „den Erzarbeiter betreftend" gebildet wurde, rjrcEQO- 
TttvELV „betrügen, bethören, sich als Betrüger (rjneQOTrijf-) er- 
weisen", von dem weiter rjrtsQOTtevTrig „Betrüger, Verführer" ab- 
geleitet wurde, und dgioxavEiv „sich als Ausgezeichneten {ciqi- 
avtj/-) erweisen, sich auszeichnen". Auch ßaailevEiv „als Herr- 
scher thätig sein, herrschen" mag noch genannt sein, wenn auch 
das ihm zu Grunde liegende ßaailrjf- „Herrscher, König", von 
dem weiter auch ßaaiXEia (aus ßaoilEßia) „KÖniginn", ßaaih'j- 
fio- „königlich" (nur Odyssee 1(5, 401) und weiblich ßaaiXt]jiö- 
„königlich" (nur Ilias G, 1U3) ausgingen, wie schon oben her- 
vorgehoben wurde, nicht als durch das Suffix ij-f gebildet be- 
zeichnet werden kann. 



Ueber die griech., insb. die homerischen Nomina auf ev. 31 

Die meisten liomerischen Verba auf eveiv haben, wie auch 
bereits früher bemerkt wurde, die zu Grunde liegende Nominal- 
form auf ijß [£i'), die in einzelnen Fällen allerdings noch in 
der nachhomerischen Sprache entgegen tritt, nicht mehr zur 
Seite. Und so ist auch nicht mehr bei allen die Bedeutungs- 
entwickelung ganz klar. Aus dem häufigen dyoQsveiv „reden, 
sprechen", das auch in der Zusammensetzung i^-ayogsveiv „aus- 
sprechen, verkünden" (nur Odyssee 11, 234) auftritt, ergiebt 
sich ein einfaches äyoQBv- {dyoqfjj:-), das sich unmittelbar an 
dyoQTj „Versammlung" anschliesst und wohl „an der Versamm- 
lung theilnehmend" und dann insbesondere „redend" bezeich- 
nete. Wir geben die übrigen einfach der alfabetischen Reihen- 
folge nach. In dj^ad^keveiv ,, wettkämpfen", „sich mühen" steckt 
ein dfe&lsv- {dfed-?Jjß-), das bedeuten konnte ,,der mit Wett- 
karapf, mit Mühe, mit Arbeit {äfeO-lo- m. n.) zu thun hat"; 
dXBTQEvuv „mahlen, zermalmen" führt auf ein dletQ^v- „der 
mit der Mühle zu thun hat", aus dem weiter auch erst ein 
(xleTQO- „Mühle" zu vermuthen ist, das selbst dann auf dlfw 
„ich mahle, ich zermalme" zurückführt; dhjvsveiv „umherirren, 
sich umhertreiben" beruht auf einem noch neben dem lionieri- 
schen dhjTrjg „Landstreicher" zu muthmassenden dXrjTEv-, aus 
3era auch das nachhomerische dXrjrsia (aus dXtjzefia) „das 
Herumschweifen" hervorging unfl^däs selbst aus einem denkba- 
ren dXtjTo- „das Herumstreifen" (von dXdo/iiai „ich schweife 
umher") gebildet wurde; d/.i(pi7toX€v€iv „bedienen"; „besorgen, 
warten" führt zurück auf d(.i(pL7toXev- „Diener", das als in der 
selben Weise, wie fjVLOXEv- „Wagenlenker" neben i^vloxo- liegt, 
neben dem homerischen df-icpiTioXo- „Dienerinn" (ursprünglich 
ohne Zweifel auch männlich) liegend zu vermuthen ist und das 
ebenso wie das aus ttoXevsiv „sich umherbewegen, umhergehen" 
(nur Odyssee 22, 223) zu entnehmende unzusammengesetzte 
TtoXsv- „sich herum bewegend, sich drehend" wohl unmittelbar 
an ttÖXo- „Drehung" sich anschliesst; dv-iyvevEiv „aufspüren, 
erspähen" (nur Ilias 22, 192) ergiebt ein Ixvbv- ,,der mit Fuss- 
spuren, mit Fährten i^ix^oq-) zu thun hat"; aus dgxsveiv „an- 
führen, gebieten", das auf das daneben liegende dgxös „Anfüh- 
rer, Fürst" nicht unmittelbar zurückkommen kann, ist ein uQxev- 
(dQxrjJ"-) zu folgern, das aus dQxr'j „Anfang, Herrschaft" gebil- 
det sein wird; dxsvsiv „trauern, betrübt sein" weist auf ein 
dxev- „mit Betrübniss (ß/og-) behaftet" als nächste Grundlage. 



32 Leo Meyer 

Aus ßovXeveiv „rathschlageu , ersinnen", das auch in dem zu- 
sammengesetzten f.iET:aßovXev8Lv „nachher beschhessen" (nur 
Odyssee 5, 2^6^) auftritt und von dem weiter ßovXsvTrjg „Rath- 
geber" (nur Ilias G, 114) ausging, ergiebt sich ein ßovXsv- 
(ßovXfjf-), das in nachhomerischer Sprache noch als Eigenname 
begegnet und als unmittelbar aus ßovXrj „Rath, Rathschlag" 
entsprungen zunächst bezeichnen wird „der mit Rath zu thun 
hat"; ßvaaodn/.i€veiv „heimlich erdenken, heimlich beschliessen" 
führt auf ein muthmassliches ßvaaoöof^uv- und in ihm wohl zu- 
nächst auf das einfache dofit] ,,Bau", dem man allerdings erst 
in späterer Sprache bo^gegnet. Das aus daiTQsveiv „zerlegen, 
vorschneiden, austheilen" zu folgernde dmxqev- „Zerleger", aus 
dem auch das nachhomerische daLTQsla (aus daivQsfia) „Fleisch- 
bank" entsprang, führt auf daiTQov „das Zugetheilte, Portion" 
(nur Ilias 4, 2&2) zurück. In dlvevsiv „sich herumdrehen", 
„herumdrehen" ist ein öivev- {dlvrjc-) enthalten, dem ötvr] „Dre- 
hung, Wirbel" zunächst zu Grunde Hegt. Neben öi-OTCtevstv 
„umherschauen" (nur Rias 10, 451) und krc-OTiTeveiv „beauf- 
sichtigen" (nur Odyssee 16, 140) begegnet das unzusammenge- 
setzte OTTTEveiv „schauen" erst in nachhomerischer Sprache; 
aus ihm ist das nominale OTttev- zu erschliessen , das aus dem 
participiellen otvto- „gesehen" in ganz ähnlicher Weise gebildet 
wurde, wie das oben beispielsweise angeführte altindische uktä- 
vant- „gesprochen habend" aus uktä „gesprochen". Aus do- 
'ABVELv „scharf beobachten, belauern" ergiebt sich ein muthmass- 
liches dn/.av- (öo-/.rjf-), dem das erst von Hesychios angeführte 
öoxr] „das Auflauern" zu Grunde liegt; aus ÖQayf.ievaiv „zu Gar- 
ben sammeln" (nur Ilias 18, 555) ein ögay/nsv- „der mit Gar- 
ben (dQücy/ita, eigentlich „das Gegriffene, das Zusammengefasste") 
zu thun hat". Das in f/rtiörj/nsveiv „im Volke sein, zu Hause 
sein" (nur Odyssee 16, 28) enthaltene iitiörjf^iev- „im Volke be- 
findlich" ist unmittelbar aus drj/^in- gebildet, wie mit der Suf- 
fixform 10 aus der selben Grundlage auch das homerische ctt/- 
drjf.uo- „im Volke einheimisch, zu Hause anwesend" gebildet 
wurde; rjysfioveisiv „führen, anführen" ging aus rjys/novsv- her- 
vor, das in der nachhomerischen Sprache gleichbedeutend ne- 
ben ^ysf^ov- „Führer, Anführer" liegt und aus dem auch i^ye- 
(.lovEia (aus riysfiövEfia) „Führerinn, Ilerrschcrinn" gebildet 
wurde; d^mioitveiv „Recht sprechen, richten" beruht auf einem 
muthmasslichen i^e^iOTti- „der mit dem Recht" (d^e^iat-) „zu 



lieber die griech., insb. die homerischen Nomina auf ev. 33 

thun hat"; d-eqa-rtEvuv- „als Diener (d-egdrcavT- oder auch 
S^soart-) thätig sein, dienen" weist auf ein zu verrauthendes 
d-EQaTiEv-, aus dem auch das nachhomerisclie d^sgaTteia (aus 
d^EQane^ia) „Dienst" gebildet wurde, und das selbst, wie es 
scheint, ebenso ganz gleichbedeutend neben jenem d^iqaTt- „Die- 
ner" lag, wie das eben erwähnte rjyE/.iovEv- „Führer" neben 
fiyE(.inv-. Entschieden aber müssen die Bildungen auf ev auch 
hier in ihrer Bedeutung ursprünglich das Gepräge der Ablei- 
tung tragen. 

Aus d-rjQEVEiv „jagen" von dem dann weiter drjQEVT^g „Jä- 
ger" abgeleitet wurde, ergiebt sich ein ^r]Q£v- {O^rjQrjf-) „der 
mit der Jagd {^^Qrj) zu thun hat"; aus ^rjTEVEiv „um Lohn 
arbeiten" ein d^rjXEv-, aus dem auch das nachhomerische ^rjTEia 
(aus ^rjTE/la) Lohndienst" hervorging und das sich selbst zu- 
nächst an S^^T- „Lohnarbeiter" anzuschliessen scheint, neben 
dem man aber als zunächst zu Grunde liegende Form vielleicht 
ein ^r]To- „erarbeiteter Lohn" vermuthen darf. Auch in dem 
aus lüETEVEiv „als Schutzflehender kommen, anflehen" zu ent- 
nehmenden liCETEv- , das dem nachhomerischen ixeteIu ,,das 
Schutzflehen" zu Grunde liegt und das man nicht als blosse 
Nebenform zu hhrjg „Schutzflehender" ansehen kann, darf man 
ein \v.ETO~ oder ein weibliches rKEvri „das Flehen um Schutz" 
als nächste Grundlage vermuthen. In Bezug auf y.BXEVELv „an- 
treiben, auffordern, befehlen", von dem xEkEVTiäv „wiederholt 
auffordern" weiter abgeleitet wurde, könnte man wegen nach- 
homerischer Formen, wie des passiven Aorists iyisXEvad-rjV oder 
Ableitungen wie yielsva/iia „Befehl und KElEvarrjg „der Befehler" 
an der Hiehergehörigkeit vielleicht zweifeln; alle zugehörigen 
homerischen Formen aber gestatten durchaus die Annahme ei- 
nes zunächst zu Grunde liegenden XEksv-, das mit v-elEod^m 
„antreiben, befehlen" eng zusammen hängen wird und vielleicht 
zunächst an ein weibliches y-Elrj „das Antreiben" sich anschloss. 
Neben y-Ioxotzevelv , das nur Ilias 19, 149 begegnet und „zau- 
dern" oder ähnliches bedeutet, liegt gar keine näher zugehörige 
Form, an die sich das zunächst anzusetzende vlozoTtEv- an- 
schliessen könnte, wie denn überhaupt zahlreiche griechische 
Bildungen mit scheinbar suffixalem n in Bezug auf ihre etymo- 
logische Erklärung noch grosse Schwierigkeit machen. Aus 
XaßQEVEod^ai „vorschnell schwatzen, keck reden" ergiebt sich 
zunächst ein XaßqEv-, auf dem auch das nachhomerische Xa- 

3 



34 Leo Meyer 

ßQELa (aus laßQEfia) „das dreiste Reden, Geschwätzigkeit" be- 
ruht und das selbst zunächst an Idßgo- „ungestüm" sich an- 
schliesst, so dass es in erster Bedeutung wohl „den mit Unge- 
stüm Handelnden" bezeichnete ; aus XiOTQSveLV „umgraben" (nur 
Odyssee 24, 227) ergiebt sich ein XiarQev- „der mit dem Schab- 
eisen {liaTQOv , nur Odyssee 22, 455) zu thun hat". Dem aus 
XiTav&öeLv „bitten, flehen" zu entnehmenden Xizarev-, auf dem 
auch das nachhomerische XiTaveia (aus hxavefia) „Bitten, Fle- 
hen" beruht, liegt zunächst zu Grunde das adjectivische Uxavo- 
„zum Bitten gehörig", das im substantivischen Neutrum auch 
für „Bitten" gebraucht wird. In Xtoßsveiv „verspotten" und 
S7tL-Xtoßev€iv „verspotten" (nur Odyssee 2, 328) ist ein Xioßev- 
(Xcüßijf-) „der mit Schmähung \lc6ßrj) zu thun hat" enthalten. 
Aus (xavTEVEG^ai „weissagen, voraussagen" ist ein /navTev- zu 
erschliessen , aus dem auch (.lavrrjfLO- „Weissagung, Orakel- 
spruch" (nur Odyssee 12, 272) und das nachhomerische f.iav- 
xEia (aus fiavTsfia) „das Weissagen" hervorgingen ; als nächste 
Grundlage jenes ^lavtsv- aber darf man möglicher Weise ein 
dem männlichen /.iocvti- „Seher, l'rofet" zur Seite liegendes 
weibliches f.idvTi- „das Sehen in die Zukunft" oder auch ein 
(.lavxo- muthmassen; aus fiazeveLV „suchen, aufsuchen" ergiebt 
sich ein (xarev- und daraus weiter ein nominales f^iaxo- „das 
Suchen", das weiter mit (.laij^idw „ich verlange" und seiner Ver- 
wandtschaft eng zusammen hängen wird. Das aus fivrjoxeveiv 
„werben, freien'' zu folgernde (.ivyigtev- „der Freier", aus dem 
auch das nachhomerische fivrjaTEia (für /nrrjOTEfla) „das Freien, 
das Werben" unmittelbar hervorging, weist auf (.ivrjöxö- „ge- 
worben, gefreit", bei Homer „vermählt" und wird zunächst be- 
deuten „der mit der 'Geworbenen (iurrjorrj) zu thun hat". Aus 
(.iviyoloyEVELv „erzählen, sagen" ist ein fivd^oloyEv- zu entneh- 
men, das unmittelbar auf Xöyo- „Erzählung" (bei Homer nur 
in dieser Bedeutung) zurückführt ; aus [.KOf-iEÜEiv „tadeln, schmä- 
hen" (nur Odyssee G, 274) ein jhio/uev- „der mit Tadel {(xwf-io-) 
zu thun hat, mit Tadel sich abgiebt"; aus vrjrtiaxevEiv „kin- 
disch sein, Kinderspiele treiben" (nur Ilias 22, 502) ein vrjnia- 
XEi- „der sich mit Kindischem {vrjULayo-)^ mit kindischen Din- 
gen abgiebt"; aus oöeveiv „gehen" (nur Ilias 11,569) ein odeL-- 
„der mit dem Gange {odö-) zu thun hat, der geht". Auch 
/oivoyoßEuEiv „Wein einschenken" führt durchaus nicht etwa 
unmittelbar auf /(Hvoydpo- „Weinschenk" zurück, sondern zu- 



lieber die griech., insb. die homerischen Nomina auf sv. 35 

nächst auf ein ein foivoxoßsv- „der mit dem Weinschenken zu 
thun hat" und das lehnt sich in seinem Schlusstheil an yo/i^ 
„der Guss, das Ausgiessen". Aus oiot£V€lv „mit dem Pfeil 
schiessen" und öi-oiaTevscv „einen Pfeil durchschiessen" ergiebt 
sich ein oiazev- „der mit Pfeilen {oiaTO-) zu thun hat". Auch 
QTtlTtsieiv „sich wonach umschauen" führt nicht etwa auf orct- 
7T7f]g „Gaffer", wie es in TtaQd-evont/trjg „Mädchenbegaffer" (nur 
Ilias 11, 385) enthalten ist, zurück, sondern zunächst auf ein 
o/rlTtev- „gaffend", das selbst wohl aus einer neben oTttoTt^ 
„das Schauen" zu denkenden gleichbedeutenden Nebenform 
nitlTirj hervorging. Ebenso ergiebt sich aus TtovvoTtoqeveiv „das 
Meer befahren" ein jtovTouoQsv- wie ähnlich aus dem nachho- 
merischen rroQEvsG&ai „fahren" ein bei Hesychios in der Be- 
deutung ,, Fähr mann" auch aufgeführtes Ttoqev-, die beide zu- 
nächst auf das einfache ttoqö- „Fahrt, Bahn, Weg" zurück- 
kommen. Aus iTtTco^Eveiv „betteln" ergiebt sich ein tttcoxsv- 
„der mit dem Bettelhaften (rczioxo-) zu thun, Bettler" auf das 
auch die nachhomerischen TtrcDyielov (aus Ttrioxsfiov) „Bettler- 
herberge" und mioyßia, ionisch TtTcoy^lrj (aus Tczcoxrjfli]) „Bet- 
telhaftigkeit , Bettelei" zurückführen; aus avlsveiv „berauben, 
bestehlen, betrügen" ergiebt sich ein avXev-, das später auch 
als Eigenname begegnet und das aus avlov „Raub", neben dem 
später hie und da auch ein weibliches avlrj gebraucht wird, 
abgeleitet wurde, wie unser Rauher von Raub. In TolvTtevBLv 
„anzetteln, bereiten, verrichten" ist ein nominales xolvrtEv- ent- 
halten, das von froAu/TJ^ „Knäuel" ausging und also zunächst 
den bezeichnete, der mit einem Knäuel zu thun hat. Das aus 
To^evEiv „mit dem Bogen schiessen" (nur Ilias 23, 855), von 
dem weiter ro^Evr^g „der Bogenschütz" (nur Ilias 23, 850) ge- 
bildet wurde, zu entnehmende to^ev-, aus dem auch das nach- 
homerische ro^Eia (für ro^Efia) „das Schiessen mit dem Bogen" 
hervorging, begegnet in der nachhomerischen Sprache noch als 
Eigenname; es bezeichnete den, der mit dem Bogen zu thun 
hat; das dem homerischen vöqeveiv und vdQEVEad-at „Wasser 
holen" zu entnehmende vÖQEvg „der Wasserschöpfer", das sich 
unmittelbar an vöioq „Wasser" anschliesst, begegnet auch noch 
in späterer Sprache ; aus ihm bildeten sich auch die nachhome- 
rischen vÖQEia (für vÖQEfia) „das Wasserschöpfen, das Wasser- 
holen "und vÖQsXov, ionisch vÖQtjiov (für vdqi^fiov) „Schöpfeimer". 
Aus g)VTEV€i,v „pflanzen, schaffen, bereiten" ergiebt sich q)VT€i-, 

3* 






3G Leo Meyer 

das in späterer Sprache noch als Eigenname begegnet und aus 
dem das nachhomerische cpviela (für q)VTefla) „das Pflanzen" 
entsprang; es bezeichnet den, der mit Pflanzen ((pvTO-), mit 
Gewäclisen zu thun hat; aus XVQ^^^^^ „entblösst sein, leer sein", 
(nur Odyssee 9, 124) zu folgern ist ein XVQ^^~ „entblösst, be- 
raubt", aus dem auch das nachhoraerische xrjQda (für yjjQsfla) 
„Wittwenstand" hervorging und das sich selbst zunächst an- 
schliesst an x^JQo- „beraubt, entblösst", so dass es wohl zuerst 
bedeuten konnte „der mit dem Entblösstsein zu thun hat"; 
auch yoilEvELV „lahm sein , hinken" kann , wie nahe das seiner 
Bedeutung nach auch zu liegen scheint, nicht unmittelbar auf 
yiako- „lahm" zurückführen, sondern ergibt ein pjwAfi;-, das 
auch dem nachhomerischen xw^aia (für %ioX£fid) „Lahmheit" 
zu Grunde liegt und das selbst erst auf xa)X6- „lahm" zurück- 
führt und zunächst bedeuten konnte „der es mit dem Lahmen, 
mit der Lahmheit zu thun hat". 

Zu diesen zahlreichen homerischen Verben auf eveiv, ne- 
ben deren meisten die zunächst zu Grunde liegende Norainal- 
form auf £v sich nur noch muthmassen liess und die weniger 
„das sein, was die je zu Grunde liegende Form sagt" bedeuten, 
als „sich als solchen thätig erweisen", lassen sich noch ein paar 
hinzufügen, die selbst aus weiter abgeleiteten Bildungen auch 
nur vermuthungsweise entnommen werden können, so ein tEXev- 
eiv „enden, zu Ende sein", aus dem weiter ein rslev- „endend, 
ein Ende (tskog, wie Ilias 18, 378: tyov teXoq „sie hatten Voll- 
endung, waren fertig") habend" zu folgern ist. Auf jenes ts- 
Xeveiv aber weist das homerische zelEVTiq „Beendigung, Ende" 
noch deutlich hin, aus dem weiter noch xeXevTasLv „vollenden, 
erfüllen" und daraus ccTsXevvrjTO- „unvollendet, unerfüllt" ab- 
geleitet wurde. Auch ccQvevTrjQ „Taucher, Luftspringer" (nur 
Ilias 12, 385 = Odyssee 12, 413 und Ilias 16, 742 ; jedes Mal 
im selben Versschluss) ergiebt ein Zeitwort ccqvevsiv „sich über- 
schlagen, sich kopfüber stürzen", aus dem weiter ein agvei- und 
daraus vielleicht ein dgvo- „Drehung" zu folgern ist. Aus x^a- 
TEVTrjg „gabelförmige Stütze, Feuerbock" (nur Ilias 9, 214) wird 
man auch ein Zeitwort y^gaieveiv und daraus ein y.qazEv- ent- 
nehmen dürfen, das möglicher Weise mit Y.QdTog- „Kraft, Ge- 
walt" zusammenhängt. 

Ein grosser Theil der homerischen Bildungen auf av (rjf) 
gehört, wie oben bereits bemerkt wurde, in das Gebiet der Ei- 



Ueber die griech., insb. die homerischen Nomina auf ev. 37 

gennaraen und der Vollständigkeit wegen führen wir auch sie 
noch siimmtlich auf, ohne indessen bei den einzelnen uns auf 
etwa weiter abführende etymologische Untersuchungen einzulas- 
sen. Nur das unterlassen wir nicht wieder hervorzuheben, dass 
auch alle p]igennamen auf ev durchaus nur in das Gebiet der 
abgeleiteten Nomina gehören können. Der Name L4Zev-, der 
sich aus Idtsfidrjg ..Sohn des Azeus" ergiebt, mag zu aCa 
„Schmutz, Schimmel" (bei Homer nur Odyssee 22, 184) gehö- 
ren; ^iyev- ergiebt sich aus ^iysfiörjg ,.Sohn des Aigeus"; 
^ktüsv- gehört wohl zu dlcorj „Tenne, Saatfeld"; l4(xaqvyKev- 
nebst !Af.iaQvyy.sJ^idr^q „Sohn des Amarynkeus"; lixQsv-, aus 
dem sowohl LdfrQSJ^idrjg als Idr^efiiov „Sohn des Atreus" abge- 
leitet wurden, begegnet in später Zeit noch als vereinzeltes Ad- 
jectiv, aber dieses argev- „unerschütterlich" ist seiner Bildung 
nach gar nicht ganz klar; L4cfaQev- gehört schwerlich zu dem 
bei Aristoteles begegnenden acpagsv-, das eine bestimmte Flosse 
des Thunfisches bezeichnet; ^AiiXkhv- oder ^AxlXbv- hat man aus 
dyt-ayjuiv „betrüben, kränken", in dem das dx als Reduplica- 
tionssilbe unverkennbar ist, und Xäfo- „Volk" deuten wollen 
„Volksbetrüber, Volksquäler ' und in Bezug auf seinen Schluss- 
theil mit ßaailev-, das gewöhnlich als „Volksführer" erklärt 
ist, verglichen; dabei ist aber bedenklich, dass das homerische 
la:6- „Volk" sonst nirgends zu kev- verkürzt ist und in Namen 
wie MevsXafo-, l^yiläfo-, IdfQxsaLXdßO-, IlQWTeolläfo-, Eqvlafo-, 
^O^evtläfo-, neben dem aber zum Beispiel die verkürzte Namens- 
form ^d^evelo- vorkömmt, auch ganz unversehrt erhalten blieb. 
Aus dem Genetiv Bgla^/ng (Ilias 1, 392) und dem abge- 
leiteten BqLorißid- „Tochter des Briseus" ergiebt sich ein BqI- 
aei-. Bei Povrev- liegt nah an X9^P~ ^'Hügel, Saatland" zu 
denken; ^EXargev-, ein Fäake, wird wohl nach einem muth- 
masslichen alaTQO- „Ruder", das sich nach IXazriQ- „Treiber", 
„Ruderer" vermuthen lässt, benannt sein; 'Evvsv- hängt viel- 
leicht zusammen mit ^Evtio, dem Namen der Kriegsgöttinn, und 
mit 'Evvdhog, einem Beinamen des Ares; "ETtuyev- schliesst 
sich möglicher Weise an IfCEiysiv „bedrängen"; ^Egerf-isv-, ein 
Fäake, ist deutlich „der mit dem Ruder (igerfw-) zu thun hat, 
der Ruderer". Weiter sind zu nennen ^Eqsyßev-, "Etscovsv-, der 
vielleicht benannt wurde nach der Stadt 'Etecovog in Böotien; 
EvQva&Evg, das öfters als blosse Verkürzung aus BvQvad-eveg- 
„weitreichende Gewalt habend" angesehen ist; Fihovev-, das 
möglicher Weise mit Fihog zusammen hängt; Flcpev-, wohl zu 



38 Leo Meyer 

fi(pi „kräftig"; Fotvev- nebst Foivefldrjg „Sohn des Voineus", 
das an ßoivo- „Wein" sich anschliesst; ^Hiovev-, der vielleicht 
nach dem Meeresufer (ijiov-) genannt wurde; ^HviOTcev-; Otjosv-, 
das noch durchaus unaufgehellt ist; ^löoftsvev- , das kaum mit 
dem Bergnaraen "/d>y zusammen hängen wird ; ^Itv/hovsv- ; Kat- 
vev- nebst Kaivspidrjg „Sohn des Kaineus", das möglicher Weise 
an y.aivva&at. „sich auszeichnen" sich anschliesst; Kartavev- 
nebst den davon abgeleiteten KanaviqfLO- und Ka7tavrjfiadr]g 
„Sohn des Kapaneus"; KoTtQsv-, das sich deutlich an yioTtgo- 
,Mist, Koth" anschliesst; KQrjd-av-; yleovrev-^ das von Xtavt- 
„Löwe" ausging. An jualav- „dunkel", „schrecklich" schliesst 
sich Melavsv- und ausserdem auch Melav&sv-, welcher letz- 
tere auch Msldv9-L0~ genannt wird und das weibliche MeXavd^io 
zur Seite hat. Neben Mevead-ev- begegnen auch die Formen 
Meviad^rjg und Mevsod-io- und bei Hesiod das weibliche Me- 
vead^ut. Zu ^ii]kioto- „der längste" gehört MrfKiaTev-, von dem 
Mrf/.iarLccdrjg „Sohn des Mekisteus" abgeleitet wurde. Der Name 
des Fäaken Navrsvg wurde wohl als Nebenform von vavtrjg 
„Schiffer, Seemann" gebildet oder ist möglicher Weise als dar- 
aus abgeleitet zu denken. Bei dem Sohne des Poseidaon Ntj- 
Xev- mit den patronymischen Ableitungen JSrjXrjjno-, NrjXefidT]g 
und NrjXrjfiddrjg und bei dem Sohne des Pontes Nrjgsv-, den 
Homer aber nur in der Ableitung NrjQrjfid- „Tochter des Ne- 
reus" hat, liegt nah, an einen Zusammenhang mit dem altindi- 
schen snä „sich baden, sich waschen": snä'd „er badet sich" 
zu denken, an das auch das nachhomerische vijgo- oder vöqo- 
„flüssig, fliessend" sich anschliesst; weniger deutlich ist der 
Name NIqev-. Als Grundlage von ^Oövaoev- und ^Odvaev-, aus 
dem ^Odva^ßio- abgeleitet wurde, ist zunächst eine Nominalform 
oövaao- oder odiaoa zu vermuthen und seine unmittelbare Zu- 
sammenstellung mit der Verbalform, die in der Perfectform 
odoJövazaL „er zürnt" (Odyssee 5, 423) und in Aoristformen 
wie 6dvaad(.ii-vog „zürnen" heraustritt, kann nicht richtig sein. 
Weitere Formen sind : ^Ofllav- nebst dem patronymischen '0/t- 
Xictörig; ^OÜ^Qvovsv- ; 'ÖTgeu- , das vielleicht mit orgaleo- „hur- 
tig, rasch** zusammen hängt; ^Otqvvtbv-' nebst dem abgeleiteten 
^OTQvvTefidrjg „Sohn des Otrynteus", das sich wohl an otqvvuv 
„antreiben, ermuntern" anschliesst; navo^tev-, der Name eines 
Griechen und auch Name einer Stadt in Fokis; üegaev- nebst 
dem abgeleiteten IleQarjj^iddTjg „Abkömmling des Perseus" ; Ut]- 



Ueber die griech., insb. die homerischen Nomina auf ev. 39 

Xev- nebst den patronymischen Bildungen IlrjX^fio-, nrjleficüv, 
nrjlsfidrjg und IlrjXrjfKxdrjg; IIiT&ev-; Jlngd^ev-, das wohl an 
itiqd-ELv und TtoQd^tiv „zerstören" sich anschliesst ; die drei Fäa- 
kennamen JIovTsvg, IlQv/^tvevg und JflQioQsvg, die der Reihe nach 
aus rcoviog „Meer", 7tQvf.ivr] „Schiffshintertheil" und TtQWQtj 
„Schiffsvordertheil"' gebildet wurden; Tvdev- nebst Tvdsfiörjg 
„Sohn des Tydeus", die man gemeint hat zum lateinischen tun- 
dere „stossen" stellen zu dürfen; Oiqyev- , das wohl von (pr^yn- 
,. Speiseiche" . ausging und OvXev- nebst 0vX€fidr]g „Sohn des 
Fyleus", das sich wohl unmittelbar an cpvlo- , Geschlecht" an- 
schliessen wird. Wahrscheinlich ist auch noch aus dem patro- 
nymisch gebildeten 0Llofir]XsJ^idrjg (Odyssee 4, 343 und 17, 134) 
ein 0iXoiLir]l€v- zu entnehmen. 

Eine kleine Reihe von Eigennamen auf sv mag noch be- 
sonders genannt sein, so l^fidwv&v-, das die kürzeren Z^ftd- 
und l4/idr]g neben sich hat und als bei Hesychios angeführt 
auch die Form 14'löcüv. Als Gottheit des Meeres ist nqiorev- 
bekannt, das kaum zu 7tQ0JT0- „der erste" gehören wird. Ne- 
ben Tvcpiütv- begegnet nachhomerisch die Form Tv(paov- und 
mit Contrahirten Vocalen Tvcpcov- und attisch und dorisch auch 
Tvffcog. Als Ausgangsform für ^/nivd^ev-, den Beinamen des 
Apollon, wird ein männliches o^ilvd^o- oder weibliches Gf.iivi^a 
„Maus" angegeben, während Aristarch den Namen auf eine 
Stadt ^alvlhrj zurückführt. Auch sonst sind die Bildungen auf 
£v von Ortsnamen ausgegangen, so die homerischen JovXixisv- 
„Dulichier" von JovXlxiov und Olyaliev- ,,Oechalier" von Ol- 
yallr]. Daneben sind auch zu nennen ^Id^wrcsv- (nur Ilias 1, 
423: u4ld^i07t^fag) als Nebenform von ^Id^ioTt- „Aethiope", 
JioQiev- „Dorier" und Ocoyiev- „Einwohner der Landschaft Fo- 
kis". Als Flussname auf ev ist 'EvlTtev- in Fthiotis anzuführen. 

Vielleicht lassen einige alte Bildungen auf ev sich auch 
noch aus homerischen Femininformen entnehmen. So wird man 
ein männliches l4XaXA0(.ievev- als ihm zunächst zu Grunde lie- 
gend aus dem Beinamen der Athene ^laX/.o/nevrjflö- vermuthen 
dürfen, falls man dieses auf die gegebene Weise richtig mit in- 
nerem / schreibt. Seiner Bildung nach schliesst es sich, ganz 
wie zum Beispiel das ebengenannte Olyahev- aus dem Namen 
der Stadt OixccXiri gebildet wurde, am bequemsten an den Na- 
men der böotischen Stadt ldXaXY.of.ievai. Bei lAlaXKOfievrjid- an 
die Bedeutung „Abwehrerinn" zu denken, ist schon deshalb 



40 Leo Meyer 

schwer möglich , weil um diese Bedeutung aus der Wurzelform 
aXx „abwehren" hervorgehen zu lassen, die Sprache sicher solch 
schwerfälliger Bildung nicht bedurft hätte, wie der Name sie 
zeigt. Auch /Zw^/y/td-, das nur Odyssee 19, 518 als Beiwort 
der Nachtigall begegnet, wird inneres / enthalten; es schliesst 
sich augenscheinlich an das nachhomerische männliche ;{Aw^£t;-, 
den Namen eines Vogels, der wohl als „der im Grün (x^coqo-) 
sich aufhaltende" bezeichnet werden sollte. Das nachhomeri- 
sche TtQsaßrjiö-, womit in dem Hymnus an die Hestie die rifii] 
wohl als die „Ehre einer Ehrwürdigen" bezeichnet werden soll, 
enthielt ohne Zweifel auch altes inneres /, wie es auch noch 
anzunehmen sein wird für das zugehörige homerische rtQEoßrj- 
fLOv „Geschenk für einen Ehrwürdigen, Ehrengeschenk" (nur 
Ilias 8, 289j. Die Formen schliessen sich nicht unmittelbar an 
das aus den homerischen TCQeoßmeqo- ,, älter", TtQeoßvxaxo- „der 
älteste" und TTQeoßvysveg- ,. erstgeboren" (nur Ilias 11, 249) zu 
entnehmende Ttgsaßv-, „alt", sondern an die Form 7rQ£a߀v-, 
die erst in der nachhomerischen Sprache und zwar hier auf die 
Bedeutung „Gesandter" beschränkt auftritt und auf die auch 
die nachhomerischen TtQEGßsveLV ,, älter sein, den Vorrang ha- 
ben, herrschen", „Gesandter sein"; „hochschätzen" und n^eo- 
ßela (für Ttgeoßefia) „das Alter"; „Gesandtschaft" zurückfüh- 
ren. Möglicher Weise enthält auch der Quellname Meoarjid- 
(Ilias 6, 457) das innere /, so dass er auf eine männliche Bil- 
dung auf Ev zurückführen würde. Eine gleiche Grundlage ist 
auch denkbar bei mehreren weiblichen Formen auf Eia, das aus 
Bf La entstanden sein könnte, wie bei ^lyiäleia, der Gemahlinn 
des Diomedes (Ilias 5, 412), neben dem in der nachhomerischen 
Zeit ein AlyLalev- wirklich vorkömmt; lA(.iad^eLa „eine Nereide", 
das wohl auf afiad^o- „Sand" zurückführt ; ^!AvT€ia; Idatvö^ua, 
^l7t7to6äf.iua ; u^Ufodd/iieia; nrjvelorcsia und Kvd^iqeia. Bei 
neQa€q)6veia ist der enge Anschluss an die schon oben genann- 
ten männlichen Bildungen TtazQOcpovfj/- „Vatermörder" und das 
einfache cpov^f {(povev-) „Mörder" nicht zu verkennen. 

Damit aber wird der Umfang der homerischen Bildungen 
auf 7]J^ (£1;) so ziemlich erschöpft sein. Es erübrigt nun nur 
noch über ihr Suffix selbst etwas zu sagen, das sich aber auf 
das Nothwendigste beschränken mag. Da die Bildungen auf 
iy/ oder «/ {ev) sich durchaus als abgeleitete herausgestellt ha- 
ben, so kann der ihrem suffixalen j=- vorausgehende Vocal nur 



Ueber die griech., insb . die homerischen Nomina auf sv, 41 

der je zu Grunde liegenden Grundform angehören und wird seine 
Dehnung, wo sie nicht vielleicht jener Grundform selbst noch 
verdankt wird, wohl durch einen besonderen Einfluss des Halb- 
vocales hervorgerufen sein. Ein blosses / aber kann kein Suf- 
fix sein, und deshalb ist nicht daran zu zweifeln, dass neben 
diesem / noch ein ursprünglich folgender Vocal eingebüsst ist, 
wie es im Griechischen überhaupt in so vielen consonantisch 
auslautenden, insbesondere mehrsilbigen Nominalgrundformen 
der Fall gewesen ist, wie zum Beispiel in ogrvy-, seltener oqtvk- 
„Wachtel'' neben dem gleichbedeutenden altindischen variaka-, 
in dem homerischen €Qifr]Q- (nur in der Mehrzahl gebraucht) 
neben eQij^rjQO- „lieb, werth" und andern mehr. So werden wir 
auf eine Suffixform fo oder in älterer Gestalt va geführt , der 
wir auch im Altindischen in manchen abgeleiteten Bildungen 
begegnen. Sie tritt zum Beispiel entgegen in Kaigavä- ,jmit j 
Haar {Käica-) versehen, langhaarig"; in Kurardvä- „eine an j f;^ 
Meeradlern [Kürara-) reiche Gegend", welche Bedeutung von 
Böhtlingk und Roth allerdings nur mit Fragezeichen angeführt 
wird, in räjivä- „gestreift, mit Streifen {räjx f.) versehen". 
Die beiden letzten hier angeführten Bildungen treten mit ihrem 
vor dem v gedehnten Vocal den griechischen auf iji/ als sehr 
ähnliche zur Seite, während Kaicatä- dadurch noch besonders 
beachtenswerth ist, dass es ein gleichbedeutendes volles Käi^a- 
vant- zur Seite hat. Es ist nicht daran zu zweifeln, dass das 
Suffix va im Grunde gar nichts anderes ist als eine Verstümm- 
lung von vant. Auch vor diesem tritt im Altindischen biswei- 
len gedehnter Vocal auf, wie zum Beispiel in dem vedischen 
dgvävant- neben dcvavant- „mit Pferden (dcva-) versehen, reich 
an Pferden". Auch die griechischen Bildungen auf T]f (ev) las- 
sen die Bedeutung des mit etwas Versehenseins mehrfach noch 
ganz deutlich heraustreten, wie zum Beispiel das homerische 
dova^rjf- „mit Rohr [dova^i-) Versehenes, Rohrgebüsch". 
Dorpat, den 21 (9.) sten Juni 1876. 

Leo Meyer. 

Mythologisches in altlitauischen Texten. 

Die Mitteilungen über litauische Mythologie, welche Schlei- 
cher in seinen Aufsätzen über „Litauische Götternamen" und 
„die Laumes" (vgl. dessen „Lituanica" in den Sitzungsberichten 



\ß 



42 A. Bezzenberger 

der k. Akademie zu Wien phil.-hist. Cl. XL Bd. Jahrg. 1853 
S. 89 ff.) gemacht hat, lassen sich erheblich erweitern. Indem 
ich mir vorbehalte, bei anderer Gelegenheit die mythologischen 
Nachrichten der Geschichtsquellen und die in der modernen lit. 
Sprache erhaltenen Reminiscenzen an die heidnische Zeit des 
lit. Volkes zu behandeln, beschränke ich mich diessmal darauf, 
die in den von Schleicher nicht benutzten altlit. Sprachdenkmä- 
lern enthaltenen mythologischen , resp. heidnischen Worte und 
Beziehungen, welche in der modernen Sprache nicht mehr nach- 
zuweisen sind, zusammenstellend zu besprechen. Viel ist es 
freilich nicht, was die Texte des 16. und 17. Jahrh. in jener 
Hinsicht bieten, indessen bei der Dunkelheit, welche das natio- 
nale Leben der baltischen Völker in ihren früheren Zeiten bis 
jetzt umgibt, wird, so denke ich, auch das wenige willkommen 
sein. Ich gebe alles was ich gefunden habe. 

Die Namen Aiicars , kaukai , zemepatis (-czei) begegnen 
ausser an den von Schleicher angeführten Stellen an zwei an- 
deren, in dem IL Bande der Bretkenschen Postille (Königsberg 
1591)*) befindlichen: 1) Pamefkigi miela Lietuwa melßiffi 
kaukus, Atäcara, Szemepaczius alba kitas Deiwes ir numirußus 
fchwentfi fius p. 101 **); 2) durnai Lietmoa pirm fchu mein 
meldeffi Szemepaczus, Kaukus p. 180 ***). 

An zwei Stellen der Bretkenschen Bibelübersetzung (ver- 
fasst in den Jahren 1579 — 1590) findet sich das Wort elkas 
Hain, und zwar beide Mal als Randglosse: 1) „lucos Haine el- 
kai'^ zu I. Kön. 14. 2'6 Nefa ir anis faxo pakure Aukfchiibes 
\kalwas], Stulpus ir Goius ant wifsu aukfchlu kalwii, 2) „Hay- 
nen. relküs^' zu Richter 3. 7 tarnatca Baalim hei Goiams. — 
Elkas entspricht dem lett. elks (jötze, Abgott, das von Fick 113. 
308 richtig mit got. alhs as. alah ags. ealh combinirt ist. 

Beachtet man, dass die ursprüngliche, allgemeinere Bedeu- 



*) Ueber dieses Werk, wie über die weiter unten zu citirenden 
vgl. meine bald erscheinenden „Beiträge zur Geschichte der litauischen 
Sprache". 

**) Lass ab, liebes Litauen, die kaukai, den Aitvars, die zemepaczei 
oder die übrigen Götzen und die toten heiligen zu verehren. — Die letz- 
ten Worte beziehen sich auf den katholischen Heiligendienst, gegen den 
Bretkeu auf der vorhergehenden Seite geeifert hat. 

***) In törichter Weise verehrte Litauen vor dit-scr Zeit die zeme- 
paetei und kaukai. 



Mythologisches in altlitauischen Texten. 43 

tung der verglichenen Wörter höchst wahrscheinlich „Heilig- 
tum" ist, dass das lettische, wie das germanische Etymon un- 
seres litauischen Wortes einen mythologischen Wert hat, dass 
an den beiden angeführten Stellen von heiligen Hainen die Rede 
ist, so wird man zu der Annahme gedrängt, dass ellcas nicht 
schlechthin „Hain", sondern den Hain als Heiligtum der Götter 
bezeichne. Dass Bretken diess nicht ausdrücklich angegeben 
hat, tut nichts zur Sache, denn seine Marginalglossen waren 
unzweifelhaft nur eine Notiz für ihn selbst, dass an jenen Stel- 
len das Wort Hain besser durch elkas , als durch das gewöhn- 
lichere gojas übersetzt werde. Historisch stösst diese Annahme 
auf keine Schwierigkeiten , denn wir wissen , dass ein ziemlich 
ausgedehnter Baumkultus bei den Litauern bestand*): alij ar- 
bores, alij flumina, alij serpentes, alij aliud colunt**) heisst es 
in der latein. Vorrede zum lit. Katechismus von 1547, und zwi- 
schen 1563 — 1570 eiferte der Revisor von Niederlitauen, Jacub 
Laszkowski gegen jenen Cult: Jussi autem a Lascovio arbores 
exscindere invitissimi id, nee prius quam ipsemet inchoaret fe- 
cerunt. Deos enim nemora incolere persuasum habent u. s. w. 
Vgl. Mannhardt, der Baumkultus der Germanen und ihrer Nach- 
barstämme, Berlin 1875, S. 12***). Die nationale Bezeichnung 
dieser als Wohnungen der Götter betrachteten und darum für 
heilig geltenden Haine haben wir hier gefunden. 

In der vorhin erwähnten Bibelübersetzung erscheint das Wort 
stulpas zuweilen in der Bedeutung „Götze" : fugrifza nüg Stulpiif) 
[Deiwiu] Gilgale Richter 3. 19; Ebrofq ir Stulpq das. 17. 3, 4; 
apfikekfchawa fu Stulpais [Deiwemis] I. Chron. 6, 25; per 
fawa Stulpus Hosea 12. 15; Deiwes [Stulpai] Sachar. 10. 2; 



*) Vgl. noch die weiter unten angeführte Stelle aus der Postille 
der Kniya Nobazniftes p. 242. 

**) Dieses alii — alii erinnert an die Behauptung Ilartknochs (Dis- 
sertationes selectae in seiner Ausgabe der Dusburgschen Chronik, Jena 
1679 p. 143), die verschiedenen preussischen Stämme und Geschlechter 
hätten verschiedene Gottheiten verehrt. 

***) Ueber die einzelnen Bäume , welche als heilig galten , resp. gel- 
ten vgl. Schleicher a. a. 0. S. 100. — Einige derselben sollen auch den 
Preussen heilig gewesen sein, so Eiche, Linde, Ahorn, Holunder vgl. Si- 
mon Grünaus Preuss. Chronik (ed. Perlbach, Leipzig 1876) S. 89, Hart- 
knoch a. a. 0. S- 110, 115. Dass ihnen auch ganze Wälder für heilig 
und als Wohnungen der Götter galten, behauptet Hartknoch das. S. 116. 
t) Dieser gen. plur. kann auch zum fem. stulpa s. u. gehören. 



44 A. Bezzenberger 

O Stulpu *) Piemenei das. 11. 17. — Daneben tritt das Wort 
als Synonymon von ebroßis (abrozas) Bild auf: Stulpai Margi- 
nalglosse zu Eh7-ofai und Slulpus Marginalglosse zu Ebrofus 
(wtfsus iu Ebrofus ifchpuflifin) Micha 1. 7 ; Deiwes ir Stulpus 
Nahum 1. 14. In beiden Bedeutungen erscheint auch das fem. 
stulpa : iawa Siulpas ir Ebrofus nog iaices ifchpufiifiu Micha 
5. 12**); Kq tada gelbes Ebrofus, mit der Interlinearglosse 
Slulpa Habak. 3. 18. 

Auf diesen Wechsel des Genus lege ich kein Gewicht, denn 
er ist im altlit. ziemlich häufig; es finden sich neben einander 
z. B. narfus und narfa (Zorn), laukas und luuha (Feld), fdas 
und fda (Fels), offieras und uffieru (Opfer) u. a. Bretken ge- 
braucht auch abwechselnd deiwis und deiwe, beide gleichmässig 
einen nicht-christlichen oder -jüdischen Gott bezeichnend. 

Endlich sind zwei Stellen hier anzuführen, welche sich in 
der einen Teil der Kiedaynife 1653 erschienenen Kniga Nobaz- 
niftes bildenden Postille finden: 1) zodis Diewä . . . daro . . . 
iß bähoomi ulba flulpu gärbinioia tikru Diewä gärbintoiu ***) 
13. 46 2) Nenufifiebek ney wel pägiufk , kuo metu änt wietos 
iikrä zodzia Diewä mokfla prämones Zmoniu ärbä priewilus, 
änt wietos tikrä Diewä iärnatcimä flulpu, mf^adziu ärbä bälwo- 
niu gärbe^ regi uzfedusin ir prufipluiinusiq f) p. 242. 

Stulpas {stulpa kommt heut nicht vor) bedeutet in der mo- 
dernen Sprache „Pfeiler, Pfosten, Säule, Wegweiser, Sonnen- 
strahl, Falte im Kleide, die bauschige Stelle auf der Schulter 
des Männerrocks, Geisfuss (Pflanze)" (s. Nesselmann Wbch. s. 
V.). Die fünf letzten Bedeutungen halte ich für jung; ich er- 
innere mich nicht, sie irgendwo in der älteren Sprache gefun- 
den zu haben. Die drei ersteren kennt auch die ältere Spra- 



*) S. die vorhergehende Anra. 

**) Dazu die Marginalgl. „Götzen Deitccs Bilder £altco7ias'^^. 
***) Das Wort Gottes macht aus einem Verehrer von Götzenbildern 
— oder „Götzen"? bahconas aus russ. bolvanü bedeutet ursprünglich 
Götzenbild, schon früh aber auch Götze — oder von stulpai einen rech- 
ten Verehrer Gottes. 

t) Wundere und entsetze dich nicht , wenn du an Stelle des wah- 
ren Wortes der Lehre Gottes die abergläubischen Gebräuche oder die 
Betrügereien der Menschen [siehst, wenn du] an Stelle des rechten Got- 
tesdienstes die Verehrung der stulpai, der Bäume (dns ^ in mqadzin ist 
fehlerhaft) oder Götzenbilder Platz nehmen und sich verbreiten siehst. 



Mythologisches in altlitauischen Texten. 45 

che, vgl. ausser der o. unter elkas angeführten Stelle I. Kön. 
14. 23 noch aus der Bretkenschen Uebersetzung Arnos 9. 1 
ifchtik agüna, ieih ftulpai padrebe/u; für das fem. verweise ich 
auf Weish. 10. 7 ßulpa drufkos (instr.). 

Aus den oben angeführten Stellen glaube ich schliessen zu 
dürfen, dass die Litauer in älterer Zeit säulenartige Gegenstände 
abgöttisch verehrten und dass sie dieselben stulpai oder stulpäs 
nannten. Aus der Synonymittit von stulpas mit ahrozas ist wei- 
ter zu schliessen, dass an einer solchen Säule das Bild eines 
bestimmten Gottes dargestellt war; die richtige Bedeutung von 
stulpas, siulpa an den citierten Stellen ist also „Bildsäule", 
Bedeutet ferner an den zuletzt erwähnten Stellen balwonas 
„Götzenbild", so wird man annehmen dürfen, dass es ausser je- 
nen stulpai noch andere bildliche Darstellungen der litauischen 
Götter gab. — Dass die Preussen, die wir füglich als echte 
Litauer betrachten dürfen , Bilder ihrer Götter besassen , wird 
uns mehrfach berichtet; von einer Statue des lit. Gottes Wejo- 
patis erzählt Praetorius (Deliciae Prussicae ed. Pierson, Berlin 
1871, S. 27). 

Als Bezeichnung jener Bildsäulen lässt sich, wie ich glaube, 
noch ein anderes Wort als stulpas, nemlich stahas nachweisen. 
Es begegnet an zwei bez. Stellen. Die erste findet sich in der 
Bretkenschen Bibelübersetzung I. Petr. 4. 3: Nefn gana ira, 
iog praaijufi \prafchakuf{\ czießi Giwenimo giwenome [^pralei- 
domj pagal Pagomi narq, waikfchczodomi ne czißaßij'a, gieidu- 
Kofu , girtawimofii , apßrijmofii [apfiri/me] aj^ßgerime ir hiau- 
reis *) Stahu meldimaßtt. Die zweite Stelle findet sich in der 
von Nesselmann Neue Preuss. Prov.-Bl. Andere Folge Bd. I, 
1852 S. 241 mitgeteilten litauischen Urkunde (einem kirchlichen 
Erlass des Markgrafen Georg Friedrich) vom Jahre 1578 **) : 
lieiuwüs basznitczaye per Kurschus ir Lietuwnikus yu prisza- 
dais , mielimu , ivaschkitieis kudikeis alba sunareis , kitakeis hei 
galwyu darimais , teipaieg uszkalbeghimu , saiiu dawimu , Rhet- 
czia beginimu alba sukimu, ir kitais daikfais didis stabu meldi- 
mas hei Diewa paniekighimas laikamas esti. — Auf diese Stelle 



*) biauveis aus biaurus corrigiert, steht fehlerhaft; Bretken ist hier 
aus der Construction gefallen. 

**) Die Urkunde ist auch sprachlich sehr interessant, indessen, da 
Nesselmanns Abdruck offenbare Fehler enthält, einstweilen nur vorsich- 
tig zu benutzen. 



46 A. Bezzenberger 

werde ich in extenso nachlier eingehen ; einstweilen bleibe ich 
bei stabu meldimas.-^Slä^u ist gen. pl. entweder vOI^•^sifa^^o* 
„der 4icke Stepgel ode?*8t£4)[nk" *) vgl. Nesselmann Wbcli. s. v., 
oder von siabas „Schlagfluss", oder von stebas „aufrecht ste- 
hender Pfeiler, Mast". Die beiden ersten Möglichkeiten wird 
man ohne weiteres bei Seite lassen dürfen ; es bleibt nur die 
dritte, die völlig zulässig ist, da im altlit. mehrfach a für e 
erscheint und da auch das lett. in unserem Wort a zeigt ly'^ißM 
Pfoste^.^-^ Pfahl ,-'Pfeilpj;.v-*^aule..-.-iS'^aÄM meldimas ist also die 
„Atlßetung, Verehrung der [heiligen] Säulen, Bildsäulen". 

Die zuletzt angeführte Stelle ist von Nesselmann übersetzt : 
„in der Litauischen Kirche (wird) von Kuren und Litauern durch 
ihre Beschwörungen , Zauberei , durch Wachskinder und andere 
Glieder und durch Behandlung des Viehs (?), desgleichen durch 
Besprechung, Zeichendeuterei , durch -Laufen oder Dre- 
hen und durch andere Dinge ein grosser Götzendienst und Got- 
tesverachtung getrieben". Einzelne Punkte dieser Uebersetzung 
bedürfen indess einer Berichtigung. Pr'ezadas kenne ich sonst 
nicht in der Bedeutung „Beschwörung", sondern nur als „Ge- 
lübde". Es ist möglich, dass es auch jene Bedeutung gehabt 
habe {uz-zadeti bedeutet „geloben" und „besprechen, beschwö- 
ren"), indessen der Sicherheit wegen, und weil später noch 
uzkalbejimas „Beschwörung, Besprechung" in dem Text folgt, 
halte ich die andere Bedeutung fest. — Mietimu heisst nicht 
gerade „durch Zauberei", sondern „durch Werfen" sc. des Loo- 
ses; das Loos werfen heisst ,,buriq mesii^' **). — Das folgende 
waschkineis ziehe ich zu drei Gliedern 1) kudikeis alba suna- 
reis 2) kitakeis instr. pl. (ntr.) von kitokias : Dinge anderer 
Art 3) galwyu darimais „Tierbilder". Darimas bedeutet hier 
nicht „das machen", sondern „das gemachte, das Gebilde", wie 
z.B. altlit. fchaudimas in der Bedeutung „Geschoss" erscheint. — 
Saiiu dawimu fasse ich nicht mit Nesselmann als einen Be- 
griff, sondern als zwei ; saiiu heisst durch Zeichendeuterei , da- 

*) stambas etftgpricht demsjao. stabbi^ stokbi, sta^bi Bloök. 
**) Praetorius erzählt a. a. 0. S. 47 von einer besonderen Art von 
Weidlern, die er Udburtelli nennt. Nach der Beschreibung, die er von 
ihnen macht, bedeutet das Wort „die im Wasser loosenden". Der erste 
Bestandteil des Wortes ist das sonst nicht vorkommende ud {a-) == ksl. 
«orfa sskr. udüy das sich auch in dem von ihm S. 45 angeführten Ull^ei 
i^^WasWdeuter" findet. 




Mythologisches in altlitauischen Texten. 47 

wimu durch Geben, d. h. „durch Spenden, Opfer". — Rhetczia 
beginimu alba sukimu heisst „durch das laufen-lassen (treiben) 
oder drehen eines Siebes" *). Man vgl. die Bemerkung des 
Praotorius a. a. 0. p. 44: „Sietones sind Weidler gewesen, die 
mit Sieb-drehen Bescheid gewusst, deren noch viele in Nadra- 
wen und Zalavonien gefunden werden" und J. Grimm Mytholog. 
1062. — Unsere Stelle ist demnach zu übersetzen: „durch 
ihre**) Gelübde, Loosen, die aus Wachs gefertigten Kinder- 
(figuren) oder Glieder, Dinge andrer Art und besonders Tier- 
gebilde, ebenso durch Besprechung, Zeichendeuterei, Opferspen- 
den, das Treiben oder Drehen eines Siebes, und durch andre 
Dinge wird eine grosse Verehrung von Bildsäulen (ein grosser 
Götzendienst) getrieben". — Ich nehme natürlich an, dass jene 
abergläubischen Handlungen in der Nähe der stahai oder stulpai 
vorgenommen wurden , dass die Wachskinder u. s. w. bei ihnen 
niedergelegt, oder an ihnen befestigt wurden. — Ob unter den 
galwyu darimai Bilder der den Göttern heiligen Tiere, oder 
solcher, welche krank waren und deren Heilung man wünschte, 
zu verstehen sind, wage ich nicht zu entscheiden. 

Um nichts zu übergehen, erwähne ich, dass Bretken in sei- 
ner Bibelübersetzung das Wort fzoUnikas als „Zauberer" kennt: 
idanl ne girdeiu halfo prifakitoio [fzoh'mko] Ps. 58. 6. „Zolini- 
ninkei Kräuter- Wahrsager" kennt auch Praetorius a. a. 0. p. 45. 

Adalbert Bezzenherger . 



Rigveda X. 10, 7 = Ath. XVIII. 1, 8. 

Die beiden ersten Stollen dieses Verses lauten in den Sam- 
hitä-Texten übereinstimmend : 

Yamäsya ma Yamyum kä'ma ä'gant 
samäne yonau sahageyyaya. 
Ich habe die Absicht eigentlich im Folgenden nur über die 
Bedeutung von yönau oder samäne ydnau an dieser Stelle zu 
sprechen, aber wenn man einmal vedische Texte berührt, so 
kann man es kaum vermeiden wenigstens den Versuch zu ma- 
chen alle Schwierigkeiten wegzuräumen, welche uns in ihnen 



*) R'etis bedeutet genau genommen „Bastsieb". Es gehört vielleicht zu 
abd.redan mhd. redeti, dessen Entstehung aus *hreda7i mir zweifelhaft ist. 
**) yu ist bei den zunächst folgenden Gliedern jedesmal zu ergänzen. 



48 Th. Benfey 

entgegentreten, und so möge man mir nachsehen, wenn ich zu- 
erst einige Worte über die Gestalt dieser Stollen und die Art, 
wie sie zu lesen sind, vorausschicke. Es sind zwei elfsilbige 
Stollen (Trishtubh) und, um sie richtig zu lesen, sind bezüglich 
der Aussprache zwei Abweichungen von der Samhitä notwendig. 
Dass im ersten Stollen Yamiam statt Yamyäm zu sprechen sei, 
bedarf kaum einer Bemerkung ; höchstens ist daran zu erinnern, 
was von mir schon öfters hervorgehoben ist, dass die ursprüng- 
liche Form Yamiam war, aber hier, wie in den Veden vor fol- 
genden Vocalen vorwaltend, der lange Vocal verkürzt ist. Das 
Metrum ist dann die fast am meisten gebräuchliche Form des 
Trishtubh-Stollens : 

In Bezug auf das zweite Wort muss ich mir eine etwas 
grössere Ausführlichkeit erlauben, ohne jedoch eine erschöpfende 
Behandlung hier geben zu können; diese muss ich für die Ab- 
handlung über die vedischen sogenannten Participia Futuri Pas- 
sivi, oder eher, wenn gleich ebenfalls nicht passend genug, Par- 
ticipia necessitatis, versparen. Es ist diess das Wort des zwei- 
ten Stollens, welches in dem Samhita- und Pada-Text sahaceyyuya 
geschrieben ist. 

Grassmann giebt als Aussprache desselben sahac^eyiäya an, 
gerade wie er für das einzige andere Wort auf eyya, nämlich 
siusheyya (Rv. X. 120, 6, stark variirt in Ath. V. 2, 7), die 
Aussprache stusheyia vorschreibt. Freilich gewährt diese Aus- 
sprache in beiden Fällen richtige elfsilbige Stollen. 

Allein bei derartigen Umwandlungen beschränkt sich die 
Aufgabe des Vedenforschers nicht darauf die Silbenzahl eines 
Stollens herzustellen, sondern er hat sie durch Nachweisung 
des riclitigen Wortes herzustellen, d. h. durch Nachweisung des- 
jenigen Wortes, welches der Dichter des Verses gesprochen hat. 
Man kann aber mit der grössten Bestimmtheit behaupten, dass 
es nie ein Wort sahaceyia und eben so wenig ein siusheyia ge- 
geben hat; wenigstens giebt es absolut keine Analogie weder 
für das eine noch für das andere, eyya ist vielmehr eine durch 
Assimilation von w an y entstandene Corruption von enya, wel- 
ches in einer nicht ganz unbeträchtlichen Anzahl von Wörtern 
als Endung dieses Particips erscheint, z. B. Uenya und, mit 
Zischlaut davor, wie in siusheyya, abhi-ä-ya^senya Rv. I. 34, 1 
(aus dem Aorist gebildet). 



Rigveda X. 10, 7 = Ath. XVIII. 1, 8. 49 

Diese Assimilation erkenne ich auch in mehreren Themen 
auf iiyya, so weit sie ebenfalls Participia necessitatis sind, z. B. 
sprihayä'yija, welches zunächst für spr.ihayänya steht; weiter dann 
für sprihanyaia, späteres sprihaniya ; beachtenswerth ist dabei, 
dass die Endung anta an die volle causalartige Form tritt, mit 
Bewahrung des Characteristicumsay(a); ferner dass das ursprüng- 
lich kurze anlautende a des Suffixes aiiia durch die Positions- 
beschwerung, welche nach Liquidirung des * zu y (wie häufig 
im Comparativaffix yans für ta7is) eintrat, gedehnt erscheint (vgl. 
iushnim von iush, Accusat. femin. des Particips durch nd). 

Dieselbe Assimilation ist auch in mehreren Verben auf n 
zu erkennen, an welche mit y anlautende Affixe getreten sind; 
doch ist in diesen das eine y wieder eingebüsst, aber die durch 
die einstige Position herbeigeführte Dehnung geblieben, so z. B. 
von Jan im Präsensthema des Passivs janya und jäya ; von 
lilian khanya und khäya, von san sanya und säya, von tan tanya 
und iäya (Pan VI. 4, 43; 44); eben so von man durch das 
Nominalaffix ya, ursprünglich ia, in Femin. mäya der ursprüng- 
lichen Form nach identisch und der Bedeutung nach innigst 
verwandt mit griech. fiavla; vergleiche /a?/« ebenso -von Jan. 

Doch zurück zu sahageyya und stusheyya ! Sind diese dem 
vorigen gemäss durch Assimilation aus sahacenya und stushenya 
entstanden, so muss zur Herstellung der Silbenzahl nicht saha- 
Qeyia sondern saha^enia, nicht stusheyia sondern siushenia ge- 
lesen werden und diese Leseweise ist wie man aus Grassmann's 
Wörterbuch ersehen kann, in den überwiegend meisten Fällen 
in den Participien auf enya herzustellen, z. B. in vdrenya 
durchweg. 

Dass dieses enya, oder vielmehr e?iia eine bloss lautlich 
umgewandelte Nebenform von ama später antya ist, bedarf wohl 
kaum der Bemerkung. Das e für a lässt sich in fast allen hieher 
gehörigen Formen auf mehrere Weisen erklären, deren Discussion 
hier zu weit führen würde. Von sahacenia dagegen (mit Ver- 
kürzung des ursprünglich langen ^ vor dem folgenden Vocal) 
ist es kaum zweifelhaft, dass es eine aus de'r richtigen sskrit. 
Form cayania entstandene Nebenform ist, in welcher durch 
Einfluss einer Volkssprache (vgl. Nachrichten von der Ges. d. 
Wiss. zu Göttingen, 1876, S. 324 ff.), wie im Pah (vgl. E. Kuhn, 
Beiträge zur Pali-Gramm. S. 97), und Präkrit (vgl. Lassen, In- 
stitut. 1- Pracr. p. 170) aya zu c geworden ist. 

4 



50 Th. Benfey 

Der zweite Stollen ist demnach zu lesen: 
samäne yonau saha9eniäya. 

u I vju_ I w .y. I 

Wenden wir uns jetzt zu yöni! Säyana glossirt dasselbe 
durch sthäna, Stelle; Ort, und weiter durch cayyä, Lager. Die- 
ser Fassung sind so ziemlich alle heutigen Erklärer und Ueber- 
setzer beigetreten, so das Petersburger Wörterbuch VI. 198, 2, 
Muir (Original Sanskrit Texts V. 290), Alfred Ludwig (Ueber- 
setzung des Rigveda IL S.G30); Grassmann hat 'Ehebett' gewählt; 
dann wäre aber das Wort samäne 'gemeinsam' überflüssig; denn 
das P^hebett ist wohl an und für sich schon ein gemeinsames, 
Gelder und Kaegi modernisiren etwas und übersetzen, vielleicht 
von den Musen bedrängt (Siebenzig Lieder des Rigveda S. 143) : 

mit ihm zu theilen gleiches Dach und Lager. 
Gegen die Auffassung als 'Lager' lässt sich von dem lexicali- 
schen Standpunkt in der That nicht das geringste einwenden. 
Allein wenn wir die drastischen Wendungen des zweiten Halb- 
verses betrachten, in der Samhitä 

jäyeva patye tanväm riricyam 
VI cid vriheva rathyeva cakrä' 
zu lesen: 

jäyeva pätye tanüam riricyam 
vi cid vriheva räthieva cakra 
„Wie ein Weib dem Gatten, möchte ich meinen Leib (ihm) öff- 
nen (eigentlich Raum [in ihm] machen, so dass er in ihn ein- 
dringen kann) ; weit auseinander reissen wollen wir (nämlich : 
unsre Beine), wie zwei Räder am Wagen (auseinander stehen)" 
dann scheint dieser wilden, leidenschaftlichen Sprache gegen- 
über jene Auffassung von yöni doch ein wenig zu zahm, kühl 
und sittsam. 

Ich nehme yö?ii in derjenigen Bedeutung, welche zunächst 
aus der Grundbedeutung, 'weibliche Scham', hervortrat, die häu- 
figst gebrauchte ist und alle anderen in sich umfasst, nämlich: 
'Schooss'. Der Beisatz samänä 'gemeinsam' ist so zu fassen, 
dass der Schooss des einen dem andern gemeinsam ist, ihm mit 
gehört, der der Yami dem Yama, der des Yama der Yami. 
In dieser Auffassung entspricht samäne yönau , wörtlich 'in ge- 
meinsamem Schoosse', ganz unserm 'Scliooss im Schoosse' und 
ich übersetze die beiden ersten Stollen: 



Rigveda X. 10, 7 = Ath. XVIII. 1, 8. 51 

'iMich, Yami, hat Liebe zu Yama überkommen : mit ihm zu 
ruhen Schooss in Schoosse.' 

Damit man nicht zu hart über die zügellose Rede der Yami 
urtheile, will ich nicht unbemerkt lassen, dass das Gedicht, 
welchem sie angehört, in die Reihe der durch Alter und Reli- 
gion geheiligten Speculationen über die Entstehung des Men- 
schengeschlechts gehört, speciell, wie schon von andern erwähnt 
(zuletzt, glaube ich, von Charles Schoebel in „Le mythe de la 
femme et du serpent", Paris 1876 p. 65), mit der Erzählung 
vom Sündenfall in der Bibel zusammengehört. Yama und Yami 
sind die ersten Menschen: ein Zwillingspaar; von ihnen ist der 
arischen Sage gemäss, wie sie sich im Persischen (Bundehesch 
XXXII) erhalten hat, das Geschlecht der Menschen ausgegan- 
gen, dankt also seinen Ursprung dem gräulvollsten Sündenfall: 
der Blutschande. Das vorliegende Gedicht protestirt zwar da- 
gegen, indem Yama seiner Schwester, die ihn zu verführen 
sucht, nicht nachgiebt. Allein der Versuch, welchen der Dich- 
ter macht, diesen Schandfleck von der Menschheit abzuwaschen, 
gelingt ihm kaum und es sieht fast so aus, als ob die Verfüh- 
rungsversuche einer älteren Darstellung entlehnt sind, in wel- 
cher die Verführung gelang, dagegen die Abwehr derselben Zu- 
satz oder Umänderung des in seinem Gewissen durch die alte 
Ueberlieferung Verletzten. Die Verse der Yami gehören dann 
zu den ccTtoQQ^Toig, für deren Lascivität ihre Heiligkeit die Ver- 
antwortung übernehmen muss. 

Theodor Benfey. 

Zum mittelhochdeutschen Wortschatz. 

In der erzälung der ritter unter dem zuber von Jacob Ap- 
pet [bei v. d. Hagen, Gesammtabent. II, XLI] kommen in dem 
Wortwechsel eines mannes mit seiner frau folgende verse vor: 
202. er sprach 'da muostü hoeser nux, 

von mir noch hiute enbijen (hdsch: crbizen) 
Der sinn ist klar: der mann droht seiner frau mit schlagen. 
enbiyn bei nu^ = schlage kann nicht auffallen, da der ver- 
gleich von Schlägen und gerichten gebräuchlich und volkstüm- 
lich ist (vgl. tracht schlage, prügelsuppe etc.). Das wort ist in 
der iormlnuß (plur. one umlaut, wie im mhd., wo es sich da- 
l 4. 



52 R. Spreng-er 

I durch von nux, = nux unterscheidet) noch jetzt im bairischen 
jdialect erhalten, s. Schmeller, B. W. II. s. 711. [2. aufl. von 
iFrommann s. 1764 unten]. Das compositum homnufs ist noch 
I allgemein verbreitet. Auch das verbum V<^/^w== schlagen, stossen 
^findet sich noch jetzt in Baiern (s. ScWmeller II, 708) und am 
Rhein (s. Kehrein, Volkssprache u. volkssitte in Nassau s. 297) 
und in der form rm^eften, ahmf^hen im mittleren Deutschland *). 
Das nachgewiesene subst. nur, und das bair. nußen berech- 
tigt uns ein mhd. st. v. ich niu^e = schlage, stofse anzusetzen. 
Dazu gehört höchst warscheinlich ein part. adj. 

ungenoT^T^en, 
das bisher den erklärern viele Schwierigkeiten gemacht hat. In 
der deutschen Übersetzung der gesta Romanorum ed. A. Keller 
V. 55 heisst es: des kumst du = ungeno^^en niht hin. Die be- 
deutung ist klar: ungeschädigt , ungestraft. Es läfst sich also 
die form von niesen = frui nicht ableiten, dagegen läft sie sich 
wol zMj^^en — j;ftlaiäge]Q, sto^^ea-Sfellen, das leicht die alge- 
meinefe bedentung strafen annemen konnte. Es ist also nicht 
/nötig mit dem mhd. wbch II, 1, 393 b eine Verderbnis aus ge- 
no-^yn anzunemen. Ferner: Wolfr. Wh. 43, 23. si megens uns 
jehen zunere, komen sis hin genosj^en. Dieses geno??en erklärt 
sich aus niezen == frui und bedeutet unversehrt s. mhd. wbch 
IT, 1, 393a ; gramm. IV, 70. Handschr. t hat aber die Variante 
ungenoT^Tßn , also das hierher gehörige = ungeschädigt, unge- 
straft. Es zeigt sich hier wie leicht die beiden niesen in ein- 
ander laufen konnten. In Hartmanns rede vom glauben lesen 
wir V. 2085. mit dem sodhe si in bego??en, da; lieg er in gnoy- 
Tßn. Man sollte erwarten sie geno7,ie7i bemerkt das mhd. wbch. 
Auch hier ist mit leichter änderung zu lesen: da^ lie5 er un- 
g7ioy^en 'ungestraft, ungerächt'. Danach erklärt sich warschein- 
lich auch Lamprecht, Alexander v. 48G1 (Weismann) di stürben 
ungn^jen: 'die starben ungerächt', denn Weismanns erklärung: 
die starben one den genufs davon zu haben (nemlich von dem 
stofsen und werfen) palst wol kaum. Nähere erörterung bedarf 
schliefslich eine stelle in Hartmanns von Aue erstem büchlein 
V. GO ff. Der leib spricht dort zum herzen: 
sware 65 ist din ungenist, 
Sit du an mir unnütze bist, 

*) [Im sskr. scheint die wurzel\n«£stofsen genau zu entsprechen. B.] 



Zum mittelhochdeutschen Wortschatz. 53 

la dich sin niht gelüsten, 

du bist under minen brüsten 

vil vaste beslo55en, 

du belibest'sj ungeno5;^en. 
So die interpunction bei Haupt, von der Bech nur unwesentlich 
abweicht, indem er hinter gelüsten ein kolon setzt. Wenn man 
aber diese interpunction annimmt und ungeno-yi^en in der her- 
gebrachten weise erklärt, sind die verse gar nicht zu verstehen. 
Es ist vielmehr zu lesen: 

zwäre 05 ist din ungenist, 

Sit du an mir unnütze bist. 

la dich sin niht gelüsten 

(du bist under minen brüsten 

vil vaste besloj^en), 

du belibests ungeno55en. 
d. h. denke nur nicht daran, dafs du dafür unbestraft bleibst, 
wenn du auch eng mit mir verwachsen bist [und ich dich also 
nicht strafen kann, ohne mich selbst zu treffen]. Wir haben 
also in ungeno-^x^en*) zwei lautlich gleiche formen von verschiede- 
ner ableitung und bedeutung zu scheiden. Beneckes bemerkung 
z. Iwein 3142 wird danach wesentlich zu berichtigen sein. 

schutzgenöy stm. 
belegt das mhd. wbch II, 1, 399 mit einer stelle der kindheit 
Jesu [bei Hahn, gedd. des 12. u. 13. jrh.] 92, 14. und erklärt 
es als 'die zu gegenseitigem schütze verbundenen'. Die ver- 
gleichung der übrigen handschriften lert aber, dals schächgetiö-x^e 
•raubgenosse' zu schreiben ist, was zu den vorhergehenden be- 
zeichnungen dieser leute als schächcere und schächman stimmt, 
dieses wort ist also in den Wortschatz aufzunemen, schutzgendz 
dagegen, bis etwa ein weiterer beleg sich findet, zu streichen. 
Die entstellung von schachg. zu scliucg. ist graphisch leicht er- 
klärlich. 

heskar. 
Im Schlägel von Rüdiger dem Hunkhover (Gesammtabent. 
II. XLIX) beklagt sich ein vater über die hartherzigkeit seiner 
söhne : 



*) Das wort findet sich noch in der o. nachgewiesenen bedeutnng 
bei Musaeus, Volksmärchen [Brockhaus 1872] s. 116: „— mit dem vorbehält 
seinen verübten mutwillen ihm doch nicht ungenoj'sen hingehen zu lafsen." 



54 R. Sprenger 

313. er gedahte: *owe mir we! 

ich vürlite dei5 mir übele erge: 

dise zwene süne sint gar 

gedüht in ein koeskar. 
Das mhd. wbch I, 788a und danach Lexer erklärt an dieser 
stelle (= koloczaer codex 165, 318) Skmskar = gefäfs zur be- 
reitung der kaese. das pafst nicht m den sinn,. Ich schreibe 
keskar. y^eK^ezeiÖ^Mi^tjBislagöisauf den^^^birgSQ. s. mhd. wbch 
I, 802a. Schmeller, bair. wbch I, 336. keskar wäre demnach 
ein geschirr in dem eis aufbewahrt wird. 'Meine söhne sind 
über und über in einen eiskübel getaucht' würde ganz gut <Jas 
ausdrücken, was der sinn hier verlangt : 'Meine söhne sind ganz 
und gar one erbarmen'. 

guoter 
Rüdiger von Munre, von zwein gesellen (Gesammtabent. II, LV). 
1002. er solde sin ein guoter 

und ein pilewi5 geheijen. 

da von ist da3 in rei3en 

die übelen ungehiure. 
V. d. Hagens erklärung guoter = mittell. jotticus, wodurch eine 
art kobolde bezeichnet werden, die als gütchen im zweiten teile 
von Goethes Faust begegnen, kann man sich schon gefallen 
lalsen, doch müfste dann das wort, wie es von pilwi-^ hier und 
anderwärts vorkommt, übertragen auch von dem von einem sol- 
chen geiste besessenen gebraucht werden. 

einzehi. 
Mai und Beaflor 52, 17. 

da^ lant ist veste unde guot, 

vor aller vreise wol behuot. 

an einer eingeht es stät: 

daj mer alumb dar umbe gät. 
Das rätselhafte eingeht weifs sich Pfeiffer nicht zu deuten. Auch 
die handschrift B gewährt keinen Anhalt, denn sie gibt sinn- 
los: wan an ainiger stat. Er möhte daher lesen wan ej ein- 
zehten stät. Die starke änderung ist unnötig. Das richtige er- 
gibt die vergleichung einer stelle bei Schmeller-Frommann I, 89. 
warumh seit ir gangen in die wüest oder ainzächt. es ist also zu 
lesen : an einer einzehte ej stät. einzeht. stf. einöde, dieses jedoch 
in der alten bedeutung eines einzeln liegenden ortes genommen, 
80 dafs es hier fast nichts anderes bedeutet als einlant, insel. 



Zum mittelhochdeutschen Wortschatz. 55 

lümen. 
Heinrich Hessler in der apokalyjjse. Schade, lesebuch s. 321. 

sterbe ich so wirt lihte 

vorkart min gedichte, 

da5 der schriber misseschribet 

und immer also blibet. 

die rede vorcht ich vorsümen. 

darvon tichte ich disen lümen. 
das Wort sucht man vergeblich im mhd. wbch. und bei Lexer. 
Es ist wol die mitteldeutsche form für das in Thomasins wäl- 
schem Gast sich findende Hunt, liumt, liumeni. s. p. 403, 408, 
410. es bezeichnet dort die unterabtheilung einer in bücher 
und kapitel zerfallenden schrift (so viel man auf einmal lesen 
hört) destinction paragraph. Hessler gebraucht es speziell für 
die vorrede. 

riden 
M. Helmbrecht 264 spricht der söhn zum vater: 

mir sulen ouch dine secke 

nimmere riten den kragen. 
Lambel erklärt 'mir sollen* deine Säcke nicht mehr den nacken 
belasten; ich will sie nicht weiter tragen'. Er hat offenbar an 
riten = equitare gedacht. Dahin stellt es auch das mhd. wbch. 
II, 1, 730a. Derselbe ausdruck findet sich Neidh. 68, 39. nü 
tuont im dir secke vil gedon, die da dicke ritent sinen kragen. 
Handschr. hat hier ride?i. An beiden stellen wird riden zu 
lesen sein. mhd. riden = ags. vridhan, ahd. garidan = tor- 
quere, noch jetzt im kärntner dialect rid''n. siehe Lexer, kämt. 
wbch. s. 208. die stelle des Helmbrecht ist zu übersetzen; 
mir sollen deine sacke nicht mehr den hals verrenken, 
brienmuos. stm. 
So setzt Lexer I, 353 an mit Verweisung auf Germania 9, 
201 preinmuos und erklärt es = brei. Wir haben aber keine 
tautologische Zusammensetzung anzunemen, sondern brienmuos 

= hirsebrcL brie bezeichnet hirse, auch buchweizen oder ha- 

fer. s. Schmeller 1, 256; Lexer, kärntn. wbch. s. 240; brie 
niuwen = hirse stampfen, von dem übelen weibe ed.^ M. Haupt 
v. 333 und anmerkung. ^ ... ^ * ^? 

broedelich. /)'^ <> % 

= fleischlich, geschlechtlich lüstern, das Lexer I, 358 aus der 
Elisabet 1453 belegt [Ruland 9, 1 ist zu lesen broede lichename 



56 E,. Sprenger Zum mittelhochdeutschen "Wortschatz. 

s. Bartsch z. d. st.] und ebenso das subst. broeJieit ebenda be- 
legt aus Wackernagel, altd. predigten 91, 165; Elis. 1502, 9576 
stellt sich wol nicht zu broecle — schwach, sondern es ist zu 
^vergleichen mwdi. bröderen — testiculi [griech. adeAgjo/ u. didv- 
(wo^Rein. V. v. 5298, 6510, 673i, das auch in mitteldeutscHefl' 
diaTecten noch fortlebt. 

rot. 
Reinhart 217 ff. wird die bekannte geschichte von dem 
fuchse und raben erzält. Als der rabe jenem, der ihn über- 
listet hat, dennoch schliefslich wider entwischt, heilst es v. 282: 
vil er im do Ü5 brach 
der vedern daj er entran mit not: 
der neve [der rabe] was Reinharte ze rot. 
So lautet der letzte vers in den handschriften. J. Grimm da- 
gegen änderte dem neven was Reinhari ze rot. Das kann nichts 
anderes heifsen, als: Reinhart war dem raben zu böse; was 
aber durchaus nicht in den Zusammenhang pafst. Ich glaube 
wir bleiben am besten bei der handschriftlichen Überlieferung 
und erklären rot [mit kurzem 0, denn der reim not : rot kann 
in dem ungenau gereimten gedichte nicht auffallen] = ahd. 
hrad, rad = celer. s. Graff IV. 1150. Nord, lautet das wort 
hradhr [s. Vigfusson s. 281]; ags. hra3d, hrad; engl, rathe, ready 
[in der bedeutung 'ee'%' bei Milton]. ^Der neffe war Reinhart 
zu schnell^ passt sehr gut in den Zusammenhang. So erklärt 
sich wahrscheinlich auch das rätselhafte rot beim jungen Sper- 
vogel: MSF 20, 10, Bartsch Liederd. XVI, 8. unma^re hunde 
sol man schupfen zuo dem bern, und roten habech zem reiger 
werfen, tar ers gern. Der Zusammenhang ist allerdings schwie- 
rig, wenn wir das von Lachmann aus der Jenaer handschrift her- 
gestellte unmcere behalten. A u. C haben: Wan sol di\% jungen 
hunde la^en. Das jungen ist allerdings wol nicht das ächte, 
und wol nur um den gegensatz zu eltiu ros in v. 9 herzustellen 
gesetzt: doch ebensowenig unmcere [faule]. Der sinn ist wol: 
man soll jedes ding dazu gebrauchen, wozu es taugt. Statt 
unmcere wird daher gevcere = eifrig bestrebt [vgl. z. b. Trist. 
15788] zu lesen sein. Wie das unmcere der Jenaer handschrift 
entstanden, scheint leicht erklärlich. Der Schreiber nahm schu- 
pfen in der gewönlichen bedeutung des gewaltsamen stofsens. 
Davon liegt jedoch ursprünglich nichts in dem worte, wie Apol- 
lonius 20389 si schupfte den valken von der hant zeigt. Es ist 



A. Fick Allerlei. 



57 



hier, ebenso wie werfen v. 10 [vgl. auch Parz. 163, 17] blofser 
Jägerausdruck für das lofslafsen eines jagdtieres, im Apoll, des 
falken, hier des hundes. 

Robert Sprenger. 



Allerlei. 






Lat. ap-erio und sskr. [ajP?S^i^ aufschliessen 
Lat. ap-erio ap-er-tum ist aus ap = ab = artb und er = sskr. \ 
ar zusammengesetzt (vgl. Curtius Grdz.3 502) v es entspricht in 
Form und Sinn ganz genau das vedische apa-nr aufschliessen, 
das mit vrajam, dvärä Stall, Thjiren verbunden vorkommt; ge- 
nau so sagt man lateinisc hl^p»*^^ os tium, vuloas, fenestrasu.s.w. 
aperire. Den Gegensatz zu ap-erio bildet op-erio mit op — ob _- ertl 
= sskr. api zusammengesetzt, wie auch sonst lat. ab und o 
ciTio und ertl gegensätzlich verwendet werden. \Dhvaram apa-ar 
di^^-S'^fure, Jifita^en ^jkrtf für eine ursprachliche Redeweise ge 

2. 

Ev-%sqrig und «skr. haras das Nehmen. 
ev-xEQ^g leicht heisst eigenvich „wohl zu rislimen" aus sv und 
XSQsg, welches genau dem sskr. haras n. das\fehmen, von har 
nehmen, entspricht. Im Griechischen ist dies\ Wurzel durch 
XsiQ Hand und sonst vertretei 



ne Feu^Hjjnd z§üd. iafnahh Gluth. 

eisst Feuer, mfi>4sd Uiiect yy w A ,,^Q%^\xi 



.^ Iriscn 

Irisch mt^^. ie 

durclK,F?W^. wörtlicTK „GoHiji des l^ötMi^s", kymr. körn, areraor 
tan Feuer (Bacmeister, Keltische Briefe S. 32). Die Grundform 
scheint tene-do-, darauf weist auch das gallische ^?V«j^a?>*siJg^j^S|L 
eines Orts bei Zurzach am Oberrhein. Trennen wir das suf-^ 
fixale do ab, so bleibt tetie und für dieses tene linden wir die 
schlagendste Ableitung, sobald wir uns erinnern, dass in allen 
keltischen Sprachen ein ursprüngliches p spurlos eingebüsst 
wird. Sonach dürfen wir tene = tep-ne setzen und dieses 
tep-?ie finden wir reflectirt durch das zendische taf-na-hh (Grund- 



hJi 



58 A. Pick 

form tap-na-s) Gluth, Hitze vgl. taf-nu Hitze, sskr. tap glühen, 
tapas Gluth, lat. tei)eo, tepor, tifpqa Asche u. s. w. *) 

4. 
ovko-i^uvog und an. e'??-^ engl. "TJitf üSöl^ 
f)llv(.a steht bekanntlich für oX-vv-f.u, der Wurzel oA entspricht 
lat. ab-oleo , ex-oleo vgl. a7t6llv(.u, i^6llvf.u. ovXo-fievog be- 
ruht auf dem Präsensthenja oX-vo und diesem entspricht genau 
a^,..-t!??-r , englj.^-r^r3ib?!f7 Grundform ilia- regelrecht für il-na, 
' el-na wie göth. folla- für fol-na- — lit. pil-na- voll. 

5. 
^;£j,nd altgall.^ 
iü-g, jyi;'-g, neben dem ein Substantiv^^sa im gen. pl. kd-wv er- 
scheint, kann weder mit sskr. vasu gut noch mit dem sskr. 
Präfix SU- = gallisch su- identificirt werden; gegen eine Grund- 
form jztnv spricht der Mangel des /, gegen die Gleichsetzung 
mit sskr. gallisch su- die Verwendung. Denn während su.,.ßXz,. 

|\ starrtes Präfix ist , correlat dem sskr.\ ^m übel , ist evg lebendi- 
ges Adjectiv und hat neben sich das Substantiv(läA Vielmehr 
ist Ivg = Eßi-g aufzufassen mit Contraction der Silbe /<• zu v, 
wie dies im Griechischen häufig, z. B. in ravg = sskr. tuvi-; 
idtov ist — i/diov, gleichen Stammes ist? ev-rjft]g günstig, wohl- 
wollend, worin -rjf^ für -sfeg (wie -rjvef.iog in ev-^v8^wg für äve- 
fxog) = ^s]^. a^öw^uitst|^*^em vorausgesetzten sfi- entspricht 
genau gallis^ avi- gut z. B. in dem Eigennamen^yLis^cdPHliis :^ 
aremorisch Ett-cant, wie ja auch Ev~ beliebte^s Namenwort ist; 
im Gothischen entspricht genau avi- in ^atfirti^ Danksagung 
(Uebersetzung von ;(«(»tg, euxccgiGTia), das Weinhöld i)ie Gotische 
Sprache im Dienste des Kristentums (Halle 1870) S. 12 in deut- 

^schen Personennamen, wie Avo, Ava, Avila, Avagisa, Avilant, 
Avileib, Aviramnus, Eoo, Evi, Evico, Evizo, Eioirät, Euberl, 
Euprant, Euhari, Eurik, Eusend, Eopirin, Eoliud, Eoman, 
Eomär, Eowig mit Recht wiedererkannt hat. Die Wurzel ist, 

I wie schon angedeutet, lat. ac^-^erri^häj^en, ssß*\ ^^be^|gen. 



*) Nachträglich bemerke ich , dass bereits 
tap gezogen hat, vgl. Wiiidiseh K. Bcitr. VIII. 14 
molügie gibt Windisch das. 438. 




Allerlei. 59 

6. 
Lat. ico treffe = i'xw gelange. 
Lateinisch teere treffen hat mit jacere werfen, jacere liegen 
nichts zu thun, ist vielmehr genau = J^xw gelange zu, komme 
zu, womit man es ja oft genug übersetzen kann. Beide gehö- 
ren, wie Leo Meyer KZs. XXIL 49 f. meines Bedünkens richtig 
erkannt hat, zum sskr. ac gelangen zu, treffen; im Griechischen 
zeigt diese Wurzel häufig unechte Aspirirung, so in ^'xw vgl. 
sskr. pf. äruy mo vgl. lat. ico, %7t7tog (— tx-Zo-g) vgl. lat. 
equus, sskr. acva. 

Urgriechischfyevi; Knie! fl^og Wagen 
erhellt aus den hesychisclien Glossen ysvviov yovdtwv und s'xe- 
acpiv aqixaoiv, letzteres nach M. Schmidt Böotisch. Ebenso 
darf man älteres eßöeintjyiovTa siebenzig ansetzen, weil diese 
Form in Delphischen Inschriften wie auch auf den Tafeln von 
Heraklea erscheint. Denn o ist durchweg jünger als « und so- 
bald eine Form mit « irgendwo auf griechischem Boden nach- 
zuweisen, ist diese für älter als die o-Form anzusehen, weil Ue- 
bergang von o zu £ nicht vorkommt, wohl aber in reichem 
Masse der von e zu o. In unserm Falle wird das e als älter 
erwiesen durch die entsprechenden Formen des zunächst ver- 
wandten Latein: genu, veho, septimus, Septem. 



Ein europäisches ^Äa^können 
ist anzusetzen wegen kymr, sxQm,'fallaf kann, \vhck gal stark 
in Art-gal , Con-gal , Fin-gßd''u. s. w. und ]ii: galeli k önpep^ 
vermögen. Gh wird verjjürgt durch den offenbaren Zusammen- 
hang dieser Wurzel ^ft lit. gelöti gelten, germanisch geldan = 
nhd. gelten, ^silMedq, zUsti entgelten. 




9. 

TtTf-iüi und TeKi-iiOQ, Toaoag und tö^ov. 
Wechsel von x und t, beruhend auf einem ursprüglichen x/, 
von dem sowohl x als r regelrechte Vertreter sind, findet sich 
besonders deutlich in rer (.ivo treffe neben rex/j^ioQ Ziel; tst und 
T£x gehen beide aus zsxß hervor, tetfie, demnach = Tey,(.ie ist 
Secundärwurzel, wie d^eg-fna) wärme zu if^eg, lat. dormio schlafe 



60 A. Fick . 

zu dar in daq-d^dvio, TtElE/ii-i^M, ^ermaLnisch falm zu ttkA u. s.w. 
Von tey.fiE (-_ tet^ie) stammt zeytßioQ das Ziel, vom „Treffen" 
benannt, und durch das ^-Suffix abgeleitet. Genau dasselbe 
Verhältniss wie zwischen tet(^uo und TETifiioQ besteht zwischen 
dem Aorist e-Toaaa, part. zoaaag und to^ov Bogen, roa-aa 
beruht auf tot — rox treffen, to^o Bogen auf To/.-aa-i treffen 
und ist passend benannt als der „Treffer". 

10. 
nixog Vliess = an. j^ß^Sc 



Mit TtExog n. Vliess , Wollejifell ist an. /<^r , alttSj^hVed^'-atttTan. 
-^!fr^j^^,,,,Schaf, pb^^ faheza- gleichzusetzen, sodass das 

Schal als „Vliess" benannt ist ; weniger passend wäre die Gleich- 
setznng von germ. faheza- mit lat. pecus , denn wie sollte man 
das Schaf gerade als „Vieh" benennen ? Auch würde man dann 
eine Grundform feheza- erwarten , weil lat. pecu durch germa- 
^ nisches fehu reflectirt wird. Die Wurzel tiex scheeren , käm- 
I men ist im Germanischen auch sonst erhalten, so im ahd. /öÄä 

Haaj- und in fechten focht vgl. lat. pectere. ~ 

"• X, 

.mXy.6g Sumpf und^it. pelke Sump^ 
TtaX-Kog in der r^sychischen Glosse \t.^lY.6g' TtrjKl^^ entspricht 
ganz genau dem Mi^^lke f. auch pel/caf<.jn. pl. und^ pelkos f. { 
pl. Torfmoor, TorfbrucX, auch Sumpf und\^loor im A^lgemei- l 
nen. Wurzelhafter Zusammenhang mit ttt^Ao^; , lat. pal'ü^ liegt ; 
auf der Hand. '\ _^ 

12. "v^ 

jtiiQyog und nh^, jBm/*^. 
Die durchaus richtige Zusad?imenstellung;"''>©q. nvqyog mit dem 
deutschen ":ö«*«$ia4ij;'undform horiji-) ist wie inir scheint ganz 
mit Unrecht verdächtigt. Dass nvqyog auf einer urgriechischen 
Form cpvQxo beruhe, erhellt aus der hesychischen Glosse (povQ- 
y.0Q- oyvQWjiia, sowie daraus, dass die Stadt IJvQyoi in Triphy- 
lien bei Thucyd. V. 49, 1 die elische Namenform (CDtWog zeigt. 
Ferner heisst jtvQyog zuweilen geradezu , JBurg , Beffeflgung" 
nicht „Thurm", so z. B. Odyss. VI, 262 n^ki^g —^u..^eql 
7tvQyö^'-'v^iiß}.ög die Stadt, um welche eine hohe Befestiguiig; 
Mauer läuft^^Töic Wurzel ist germanisch bergan barg , auch 
n6Qyaf.tov gehört hierher, sowie lat. fir-mu-s für firg-mu-s, der 



Allerlei. 61 

Städt'biaine, Firmum sowie der eallische Stadtname Berh^mwi 
(jetzt B<^oam(^. — Die Vertretung ursprünglich an- und aJus- 
lautender AspirSil^n durch Tenuis vorn und Media hinten ist im 
Griechischen gar hicht unerhört, so ist z. B. Ttqäy aus nqay% 
■= germanisch hang bringen. Das ursprüngliche itqayx liegt 
noch in TtQdoato, welches aus 7TQayx-iio entstanden ist; indem 
durch Einfluss des praesentischen Ttgccaaio der Nasal eingebüsst 
und das alte x zu / gewandelt wird, entsteht das allgemeine 
Thema TtQÜy in uQay-/.ia u. s. w. 

13. 
ßXaß hemmen, lat. suf-ßämen Hemmschuh, an. hälk-r Scheide- 
wand. ^**-— 

Wenn man das Etymon von ßXaß gewini>öh will *}, so muss man 
durchaus von der Bedeutung „hemm9Br ausgehen , die z, B. im 
homerischen ßXdßsTaL yovvaxa un4" sonst deutlich genug vor- 
hegt. Die ältere Form /9aA/? ebenfalls mit dem Sintte',, hemmen, 
zurückl^lten" kommt vor )iti^al(j^ldEg , so'^eissen die Schran- 
ken iMr Wettrennbahn als""^ebimeiiJe". Im 'ba.tein entspricht 
unsrer Wurzel in demselben alten und"^ ursprünglichen Sinne 
suf-ßß-^en HeüMwlf^te, Hemmschuh am Wagen;- y'fa-men steht 
re^lrecht für fiag-men wie con-täminare für -iagminare , und 
nun ist auch klar, dass ßXaß zunächst nach vielfältiger Analo- 
gie für ßlayß, weiterhin wie ßgef-ico = lat. fremo für q)Xayfi 
stehe. Der so erschlossenen Wurzel hhalg hemmen entspricht \ 
nun aufs Schönste das altnord. hälk-r Scheidewand, Abtheilung, \ 
weiterhin dann an. bälM , hjälki, ahd. halco , as. halko , ags. \ 
holca (daneben hülc), afries. halka, nhd. Balken. 

14. 
spu^^^ ahd. w,0fttif. 
Will ipaaii.-*^»'»7HCager , Aufenthalt der Thiere , Beiwohnung mit 
einem Worte übersetzen, so könnte man „Wohnung" dafür sa- 
gen. Dem entspricht das Etymon ; eJj-ry steht nämlich für feva, 
wie EVQvg für fSQi'S — sskr. tiru rariyams , also ~ va7u und 
deckt sich völlig mit dem ahd. wona in tvona^ili^'^ev^'ohnheit, 





*) Ueber die von Bugge in Curtius Stud. IV. 325 aufgestellte Ety- 
mologie von ßXünrw vgl. Bezzenberger Zs. f deutsche Phil. V. 358. 




62 A. Fick 

wonen und wonönwn^. wohnen*). Die ^i^rzel ist das weit- 
schichtige i>an , das in^Deutschen und SanS^o'it am reichsten 
entfaltet ist. ^ %^ 

15. 
Europ. la wollen, begehren 
erhellt aus dem dorischen Xaw Iw-jusg Xwvtl Irjv wollen, att. 
Xrj-fxa Wille', verglichen mit goth. la-tha- in latha-leiko sehr 
gern, goth. lathön = nhd. laden, einladen, das zu latha- steht 
wie z. B. lit. kvei einladen zum preuss. quait wollen. Im Alt- 
irischen gehört hierher air-le Wille, ir-li-ihe gehorsam, lam, 
air-lam paratus (nach Windisch). Hierzu gehört offenbar auch 
'ki-Xaiof.iai, sskr. las lä-las begehren. 

16. 
viyiTaQ z^\c6yalov nhd. ,,schnökern". 
S. Bugge hat in Caftius Studien IV. 337 sehr schön und rich- 
tig viüyalov Näscherei zum dänischen snage norweg. dialect. 
snaka nach Leckereien suchen, dän. snagen naschhaft gestellt. 
Es gehört hierher offenbar das jedem NiederdeutspEen bekannte 
Wort ,ySclmökern'' , das ebenso wie das dänisch© swa^e leckern, 
naschen bedeutet. Die Wurzel ist als snag auiusetzen und viel- 
leicht gehört auch \\i/smagurei Näschereien yKierher, sicher aber 
Wx-ra^, das also für avey-xctq steht und .«lit Suffix ra^ gebil- 
det ist wie Y/i-Tag; vsy steht zu vtoy wie vsy. in vtxvg zu väixaQ 
Der Sinn von v^Tc-Tag ist also „was gut schmeckt, Leckerei". 

17. •,, 

V ^rh^og grau = lat. ^llus. 

Ttilvog gt^u nach Hesycrlh^tAi'dy cpaiov. Ihi^QiOL ein kyprisches 
Wort steht'^r tieI-vo-v m^^ll-vajiiat nebeÄ TTtAag, und ent- 
spricht genau dem lateinischen pul-lu-s schwärzlich, dunkel, das 
regelrecht für pul-nu-s steht; u ist wie fast stets durch Einfluss 
des / aus e getrübt, vgl. mulg-eo neben d~iiiilyo}, nhd. melken. 

18. \ 
qxxQv^ u^ lat. frümen, Kehle,\Luftröhre. 

q>0Qvy^ lautet in älterfei: Sprache qxxQv^, die\Basis ist zunächst 



*) Eine andere Etymologie von evvv hat Roth KZs. 19. 220 aufge- 
stellt; er erklärt evvr'j aus einer Grundform *vas-nd. 



Allerlei. 63 

/ 
q)Qvy aus cpogy, das a ist .eine durch Einflus^ des q ent\vickelte 

„Svarabhakti". Dem ^^'erschlossenen ^^V entspricht ganz ge- 
nau lat. fru-men ^"erelrecht für fmfq-men Kehle, Luftröhre; 
weiterhin dann,«tich an. harJdß^XQ, Luftr.öhre; eine Wurzel 
bhm-g liegt jn^ Grunde vgl. eja^. hark belleii und ähnliche Ton- 
wörter *). '' 

19. 
Lat. mulier und juvCdco saugen. 
Nehmen wir an, lat. mulier sei wie femina als die Säugende 
bezeichnet, so lässt sich das Wort ganz befriedigend ableiten. 
Da l im Latein häufig genug aus altem d entspringt, so dürfen 
wir uns mulier als aus mudies- entstanden denken und dem 
Thema rnk^ie- entspricht ganz genau ^ivOx in ^vCx/L-vi saugen, 
demnach fiik, f.ivdja- , schon im homeri^hen ix-fw^r]S'^i6-g das 
Aussaugen v^j^ommend. Weitere Verwandte dieser Baöi^ mud 
haben wir in f^iaßog Nässe, vielleicht auch mf-iaöaco trieferi> lat. 
madeo , (.latog = {.ladj'og und ftaa-TO-g Brust> auch wohl lat. 
mamma für mad-ma, . '. 

\ '' 20. 

Sskr. urvarä = olvqa, okncfvg zu lit. ulhauti, v^xrivri zu sskr. 

tap. 
Das Ackerfeld hei^t im Veda'^Jt^j^«. Dieses selbe Wort be- 
zeichnet im zend. e^mwt;^ die Pflanze^, meist collectiv und mit 
Einschränkung auf die Nutzpflanzen **). Hieraus sieht man 
schon, dass die Vergleichung von sskr. wnfxrciv^xi ccQovga un- 
haltbarist; ccQovga gehört zu agoco = goth. arj'an ackern u. s.w. 
einem europäischen Verb, sskr. ■u^arä stammt von var bedecken, 
einhüllen und bezeichnet das Feld aKdas von Pflanzen umhüllte, 
während das identische Zendwort urvära die Pflanzen als Um- 
hüllung des.^Feldes bezeichnet. Grundbedeutung t^s arischen 
wi^>'>^jst dentnach „Umhüllung" uhd^^war spßciell durHjtPflan- 
zen, al^Cetwa: ,3aatteppich , Pflanzehfreppich".''" Mit deralMä- 
schen urvarä ist nun }\Xvqa Dinkel, Spelt genau identisch. Die 
Speltpflanze ist als „hüllende Saatpflanze" bezeichnet, vgl. z. B. 
Lfi/a Spelt = lit. jata-i Getreide, olxqa steht zunächst für 
vXvqct, V vor V muss zu o sich wandeln, wie in ololi-g heulend 

*) Vgl. die Zusammenstellungen J. Schmidts Vokal. IL 334. 
**) Ebensl5*T»6a,^Jr^a7*»4a«j;jee, ^^ant, Vegetation), pehl. aurrar. 



64 A. Fick 

= sskr. wR44(^TNjJ|^as v der zweiten Silbe ist regelrechte Con- 
traction von /£, /o wie vjc in v/t-vo-g aus afeit, vq m\vQ-a^ 

aus afOQ = la\ sorex contrahixt „i&t. ♦ - ' — - 

Genau wie oAoAi;-g "ist ^^^s^g jai^rmt^'nd, Basis zu 6loq)v-dv6-g, 
okocpv-QOjuaL n. s. w. zu "BeurtlieiTen. \ olorpv-g, früher von mir 
unrichtig zu sskr. lap klagen gestellt (Vgl. Wbch."^!. 751), steht 
für vlvq)v-g und gehört zum lit. ulhau-d ^vinseUi (v^u Vögeln 
gesagt). Basis ist ul, ulul heulen im Griechischen in v%A(a bel- 
len, oX?)Ä<j<^J''''jaj3Qmern, lat. ulnlare, lit. iu6ü heulen undrsonst 
nachzuweisen. Aus der Vergleichung von olocpv-g und lit. 
ulhau-ju, ulbau-ti lässt sich ein europäisches ul-hhu, resp. ulu- 
hhu reconstruiren. 

Genau wie in oXvqa v aus /o, /e, ist V7t in vTtrjvr] Bart aus /stt, 
ß07t verkürzt. Es ist dies Wort nämhch gar nicht mit vno 
zusammengesetzt, sondern gehört zur Wurzel sskr. vap , part. 
pf.|^?/£;(a; scheeren, welche im Veda schon besonders vom Bart- 
scheeren gebraucht wird, cmacru vap heisst dort den Bart 
%c}\QeY&ü, mi^jtarjim Sanskrit heisst Bartscheerer, Barbier. Von 
dieser Wurzel, die auch im Sanskrit im part. pf. pass. iip-ta 
geschoren sich zu up verkürzt, stammt v7Cijvr] Bart, als „scheer- 
barer, oder geschorener" um so passender benannt, als das 
Bartscheeren bereits bei dem Urvolke üblich war, wie z. B. 
l ^gqy = sskr. ikshura Scheermesser beweist. Das zend. uhda- 
ena, von Justi durch „hären" übersetzt, heisst vielmehr ,, ledern" 
und stammt vom sskr. part.; w^^üj, geschoren. 

21. 
TQv-q)dXsia für re-TQV-cpaXsia , aij.i6QQ00-g für dipOQQO-QQOog. 
Auch im Griechischen kommt es bekanntlich vor, dass des Wohl- 
klangs wegen von zwei gleichanlautenden Silben die erste ausgewor- 
fen wird, eine Erscheinung, die freilich im Lateinischen noch 
viel häufiger ist (vgl. KZs, XXII. 1J8, 371). Im Folgenden sind 
zwei homerische Fälle dieser Art verzeichnet. TQv-cpäXsia der 
Helm ist zu vergleichen mit den Beinamen des Helmes {y.vvti]) 
Tetqa-(pdXr^Qog und reTQÜ-cpakog, mit vier Schirmen {cpdXog) ver- 
sehen. Wie nämlich Tga-TteLa Tisch für Targd-TteZa „Vierfuss" 
steht, so TQv-cpdXua für rexQv-cfdXeia und dieses tetqv ist — 
lat. quadru-, lit. ketiir-, goth. fidur- in Zusammensetzung. Das 
V für /a erscheint im griechischen Worte für vier ja auch in 
nlavqEg vier und hat demnach ein altgriechisches lEXi^v für 



Allerlei. < G5 

T£tvQ = lat. quadru- durchaus nichts befremdliches. dipoQQOog 
das Beiwort des Okeanos ist mit „rückströmend" richtig über- 
setzt, aber in seiner Bildung nicht verstanden worden. Es soll 
nämlich aus dtp und Qoog gebildet sein. Aber aus dip und Qoog 
kann nicht dipoQQOog werden. Vielmehr ist difjoQQoog compo- 
nirt aus äipoQQog zurückgehend, rückwärts und Qoog, steht also 
für dipoQQO-QQOog ; dass aber dieses dem griechischen Ohre übel 
klingende dipOQQOQQOog ganz wie von selbst sich zu dxpöqqoog 
verkürzen musste, liegt auf der Hand. 

22. 
Giebt es im Griechischen ein Suffix tAo? 
Neben dem Suffixe ^Ao, von Leo Meyer richtig mit dem latein. 
bulo zusammengestellt, giebt es scheinbar ein griechisches tAo, 
das nach der Meinung Vieler aus tqo entstanden wäre, wie ja 
Q- und Ä-Suffixe im Griechischen vielfach in einem nahen Ver- 
hältnisse stehen. Eine nähere Prüfung der wenigen Wörter auf 
xlo hat mir jedoch die Ueberzeugung gegeben, dass ein Suffix 
tXo gar nicht existire, dass vielmehr zum Theil das r zum 
Stamme gehört, zum Theil tlo für d^lo aus phonetischen Grün- 
den eingetreten ist. 

Zum Stamme gehört r in civz-lov, dwlsoj und zwar ist t hier 
Vertreter eines ursprünglichen z/ wie in Ttivre, zsTfio) neben 
Tey.f.i(jOQ, Toaaag (St. tot) neben to^ov u, s.w. Das erhellt aus 
der Vergleichung von dvrXiw mit dem lat. ancldre , exancläre 
schöpfen und sskr. ud-anc schöpfen; dass lat. ancldre wie Ost- 
hoff Forschungen im Gebiet der indog. nominalen Stammbildung 
I. 24 ff. will, aus avTliio entlehnt sei, ist jedenfalls nicht zu 
erweisen. In tevtIov — osvtIov Mangold kann das t ebenfalls 
zum Stamme gehören, doch ist das Etymon des Wortes dunkel. 
Dagegen stehen exI-tItj Handhabe am Pfluge (von fixe- halten) 
(fv-T^ct Art, Geschlecht (von cpv gigni) ^J-r^ov Flüssigkeit (xv 
giessen) der Reihe nach für ixe-S^Xrj, cpv-d^la, x^-^Ao-v und 
verdanken ihr r bloss dem Umstände, dass der Grieche die un- 
mittelbare Folge zweier silbenanlautenden Aspiraten vermeidet, 
wenn auch nicht durchgehends, wie z. B. ixvd^r]v neben hed^rjv, 
hv&riv (für sd-ed^rjv, i&vd-rjv) erscheint. Nach der geläufigeren 
Art, die Aspiratenfolge durch Umwandlung der ersten Aspirate 
in die Tenuis zu vermeiden, hätten wir nun in unseren Wörtern 
kxed^Xt], nvd^Xa, -/.vd^lov erwartet, allein man sieht leicht, dass 

5 



66 A. Fick 

dann die Abkunft von den Stamraverben exs, tpv, xv in übler 
Weise verdunkelt virorden wäre, und darum grijff man zu der 
seltneren Weise die zweite Aspirate in die Tenuis zu wandeln, 
weil auf das deutliche Hervortreten des suffixalen Elements 
nicht so viel anzukommen schien. Sonach behaupten wir bis 
auf weiteres, dass ixETlrj, (pvTla und x^'f^^ov sich der Gruppe 
mit ^Ao anreihen, also zu yeve-d-Xt]^ ede-d^lov, S^sfÄe-d^la, Ifxäo- 
^Iv], f-ida-d^Xr], cpvye-d-lov zu stellen sind, und ihr r nur den 
vorhergehenden Aspiraten zu danken haben. Wie aus ^e^u«- 
d^Xa und cpvye-d-Xov hervorgeht, nahm man keinen Anstoss an 
der Aspirate im Anlaute der dritten Silbe nach aspirirt anlau- 
tender ersten, in d-v-a-S-Xa wurde die Aspiratenfolge, wie es 
scheint, durch den Zwischentritt von a erträglich, aber die un- 
mittelbare Folge der Aspiraten wurde durch Umgestaltung von 
ixeS^Xf], cpvd^Xa, %v^^ov in txs-TXrj, cpv-xXa, ;ju-tAoj' vermieden. 
Hierher ist auch wohl axhXiog zu ziehen, demnach für axs- 
^Xiog, während man an axe^eiv, eax^^ov keinen Anstoss nahm; 
neben x^^^f^^^^ov Frostbeule einer späten Bildung nach Analo- 
gie von cpvyed-Xov findet sich auch x^^i^^^^ov geschrieben, die 
Schreibung mit d- ist wohl vorzuzidlien. 

Wenn es somit ein Suffix tXo im Griechischen ursprünglich gar 
nicht gegeben hat, so sind auch die Combinationen dieses an- 
geblichen tXo mit lat. culum u. s. w. nichtig und müssen auf- 
gegeben werden. 

23. 

Giebt es im Griechischen ein Suffix rf-ia, zfio? 
Eün Suffix Tf.ia t/lio im Griechischen kann ich ebenso wenig an- 
nehmen, wie ein Suffix rXo. In den wenigen Wörtern auf Tf^ia 
Tf-in gehört das r zum Theil zum Stamme, zum Theil ist es 
durch Einfluss eines vorhergehenden Aspiratenanlauts aus ^ 
entstanden. Zum Stamme gehört das r: in 8QBT-(.i6-g Ruder, 
Stamm e^er in eQta-aco. In di'z-f.iij, acT-f.irjv das Hauchen, der 
Hauch steht zunächst dvT für a/«r, das beweisen die Hesychi- 
schen Glossen aaTf.ia' cpXo^ und dsTi-iöv ro 7Tvsv(.ia, die auf 
afer/ita, dj^ariiiov zurückgehen. Die Basis dieser Wörter ist 
a/fir hauchen, eine Erweiterung der Wurzelia/« hauchen, we- 
hen (= sskr. vä). Die Secundärwurzel rat ist sehr deutlich 
im Celtischen erhalten in altir. ün-fet inflat, do-n-in-fedam in- 
spiramns (nach Windisch in Curtius Grundz. 390). Aber auch 
im Griechischen selbst ist das secundäre djBt nachzuweisen in 



Allerlei. 67 

afta-d^cü hauchen, verhauchen. Dieses ist weitergebildet mit ^ 
wie [Ea-d^co esse, \^«a-% kleiden u. s. w., vor der Doppelconso- 
nanz ad^ ist e zu t geschwächt wie in TtirviOy mQva^ai, nikva- 
fxai u. s. w. ; es steht also dßlod-to für afsr-d-o) hauche, und 
von dem hieraus deutlich hervorblickenden afsr ist dfev-i^i^ = 
oLvr-fitj, dj^er-^iiqv = dvT-/^ii]v durch die Suffixe f^r] und fir^v re- 
gelrecht gebildet. Von dj'eod- in dflad-o), contrahirt zu aa^ 
ist dann wieder ebenso regelmässig durch das Suffix fnaz- aod^(.ia 
(demnach für dfeaS^-jna) der schwere Athem gebildet. Aus 
phonetischen Gründen ist d-/iirj in T/^r) gewandelt in scp-E-Tf^r] 
der Auftrag. Das Wort stammt von icp-e {irji-tL) beauftragen 
und müsste eigentlich i(p-E-S^/.i}] lauten, wandelte jedoch ^ in t' 
wegen des aspirirten Anlauts der vorhergehenden Silbe. Setzen 
wir als organische Form ecp-e-^f-iiq so erhellt, dass hier genau 
dieselbe Bildung vorliegt wie in €la-l-&(.irj, azd-d^f-irj, dv-^/urj-ar 
övoEGi bei Hesych u. a. 

So bleiben nur noch/J,atT|im Schlund j'und ar;U og, ay /f?[ Brodem. 
XaiTfitt ist etymologisch dunkel, daö r kann sehr wohl zum 
Stamme gehören, dr/n^ ist nichts als Contraction von dfETi^ii, 
woraus sowohl dvT/nrj als drj^i^ hervorgingen, vgl. die Contrac- 
tion von d/Eod- zu dad- in daS^-f^a. 
Sonach ist ein Suffix zfia t[xo im Griechischen nicht zu statuiren. 

24. 
TolfLv trtTtOLfiv = sskr. tayos agvayos. 
Der Genitiv und Dativ des Duals wird griechisch durch das 
Suffix oi-fiv bezeichnet, das wiederholt mit dem sskr. Suffix 
bhyäm, wodurch Dativ, Instrumental und Ablativ des Duals 
gebildet werden, identificirt worden ist, so dass also z. B. töI- 
fiv %7t7tOLj^LV genau dem sskr. tdbhyäm acmbhyum entspräche. 
Hierbei liegt die unglückliche Vorstellung zu Grunde, als ob 
irgend je ein ursprüngliches bh durch ein griechisches ß re- 
flectirt werden könnte, doch auch hiervon abgesehen, passen 
beide Formen sehr schlecht zu einander. Zunächst bezeichnen 
sie ganz verschiedene Casus: sskr. bhyäm den Dativ, Instru- 
mental und Ablativ, oifiv den Genitiv und Dativ oder viel- 
mehr, da der griechische Dativ meist formell der alte Locativ 
ist, den Genitiv und Locativ. Ferner passt ja gar nicht der 
Stammauslaut ä in agvä-b/iyäm zu dem ot in i7r7ioi-fiv , wor- 
auf Leo Meyer (Gedrängte Vergleichung der griech. und latein. 

5* 




68 



A. Bezzenberger 



Declination S. 63) mit Recht aufmerksam macht. Sehen wir 
uns also nach einer anderen Deutung um. Da ist es denn auf- 
fallend genug, dass man an der mit %tc71oij.iv sich wirklich 
lautlich und im Gebrauch deckenden sskr. Bildung beharrlich 
vorbeigegangen ist. Der Genitiv und Locativ wird nämlich im 
Sanskrit von den a-Stämmen auf -yos gebildet, also z. B. iayos 
agoayos = tolfiv trcnoi^Lv; im Zend entspricht -yäoc-ca, z. B. 
in hävanaydoc-ca von hävana. Das o in tayos dürfen wir zu 
ava vervollständigen *), wie das su im Loc. pl. zu sva = zend. 
hva, und so gewinnen wir die Grundform agcayavas , tayavas, 
gebildet durch vas von den erweiterten Stämmen acva-ya, ia-ya. 
Diesem agvayos , iayos entspricht nun ganz genau iTtTtoifiv, 
Toifiv; i ist aus i£ zusammengezogen, wie z. B. in TtaXal-oio 
fut. zu 7ra'/,a-iE ringen, dal-oo) fut. zu da-ie theilen und sonst; 
Grundform ist also iTrjto-ie-fiv, TO-ie-fiv, fiv steht regelrecht 
für /«, fi = jzt-g und beruhen also toIj'lv ucTtoifiv und sskr. 
tayos acimyos auf der gemeinsamen ursprachlichen Grundform 
taiavas ahvaiaoas. A. Fick. 



Etymologien. 

XVj (_Altind. rähu , räjjü Strick , Seil , Wie von der \Wirbelsäule 
ausgehenden Sehnen, Flechte (vgl. ar^jjü nicht a'^s Stricken 
bestehend, acht mit Stricken versehen,\>?;ar/?;«ifa7'a;yMSStrick mit 
: einem HakeiB in Form einer Krebsscheerie) ist nicht aus "^sräjju 
\ entstanden (^. Kuhn KZs. II. 457, PWWl. 239, G^^ssmann 
Wbch. s. v.),| sondern beruht auf razjuK wie majj aftf mazj 
u. s. w., und ist auf das engste verwant mit lit. regzii flachten, 
bestricken, bilden, schnüren, rezgis Korb ,\ Korbgeflecht ,ilett. 
refchget , refcjLfil , flechten , 7'efchgis regfcJiis Flechtwerk ^(vgl. 
Stender Wbch.^lS, 233; Nesselmann Wbch.V^S). 

d-Qiyxog. \ 
Indem ich die sachliche Erklärung von d^Qiyxo-g (^Qiyxog, ^Qi) 
yog, TQiyxog, also Grundform ^Qiyy/)-g) den Archäologen über- 
lasse, beschränke ich mich darauf ein genau entsprechendes 
Wort nachzuweisen. Es ist diess lit. drignas , drigna ein Hof 
um den Mond **). — Dass diese Etymologie den Erklärungen 

*) Zend. -ydoc-ca aus -yavac-ca wie avdimtem aus avuvaütem. 
**) Wenn die von Nessehnann aus dein Brodowskischcn Wbch. ent- 
nommene P'orm drikkas richtig ist, so ist sie als drig-ku , oder dr\g-ka 
zu erklären. 



Etymologien. 69 

von d^Qiyyiog als „Sims", oder „Zinne" nicht günstig ist, liegt 
auf der Hand. 

dtif-ißio. 
Fick hat oben S. 61 die im griechischen zuweilen erscheinende 
Vertretung an- und auslautender Aspirate einer Wurzelsilbe 
durch anlautende Tennis und auslautende Media kurz berührt. 
Ein neues Beispiel hierfür — vgl. auch jtvvda^ sskr. hudhna — 
erkenne ich in a%inßoi, das ich zu skr. dahh zend. dah stelle. 
l4xi[^ißto = d-T6/nßw — vgl. a-TQ€'Ar]g, a-Tqa'Ktog — bedeutet 
bei Homer „schädigen, berauben, täuschen"; sskr. dahh, dambh 
(Perf. dadambha) bedeutet „jemd. etwas anhaben, schädigen, 
versehren , benachteiligen , verletzen , täuschen , im Stich lassen, 
hintergehen" (PW.), zend. dah übersetzt Justi richtig durch „be- 
trügen" (ebenso dehu, eigentl. Präsensthema zu dah, neben deh- 
enu). Begrifflich decken sich, wie man sieht, die angeführten 
Wörter sehr gut; formell lassen sie sich leicht unter einer Wur- 
zel dhahh , dhamhh vereinigen. Gegen sie spricht nicht das 
ved. Desiderativ dipsa , welches man vielleicht entgegenhalten 
könnte, vgl. Benfey G. G. A. 1873 S. 19. 

Ist die obige Zusammenstellung richtig, so fallen durch 
sie einige ältere; nemlich einerseits die Pictets, der (KZs. V. 
334) skr, dahh mit got. dauhs, af-dauhnan, dumbs, af-dumhnan, 
af-dohnan*) combinierte, worin ihm J. Schmidt Vokal. I. 172 
beitrat, indem er zugleich im Anschluss an Lottner (KZs. XL 
199) und Grassmann (KZs. XH. 127) zu den angeführten got. 
Wörtern noch gr. rv(pX6-g stellte, andrerseits die Ficks, der Vgl. 
Wbch."^ III. 115 vermutungsweise dahh zu germ. iauhra- stellte. 
Gegen beide Etymologien sprechen die Bedeutungen : got. dumhs 
bedeutet „stumm", dauhs „taub, verstockt", tvcpXog „blind" — 
alle weit abliegend von „täuschen , betriegen" und von Fick 
mit Recht zu skr. dhüpa Rauch, Duft, gr. rvq^og, tvcpoi gestellt. 
Dahh aber zu germ. iauhra- zu stellen, geht deshalb nicht an, 
weil der ursprüngliche Sinn dieses Wortes jedenfalls nicht „Schä- 
digung, Trug" war, vgl. J. Grimm Mythol. S. 983. 

Was endlich die Zusammenstellung von dahh mit gr. däitxia 
lat. damnum (PW.) betrifft, so genügt es, auf Curtius Grundz."* 
218, Fick Vgl. Wbch.3 H. 121 zu verweisen. 

A. Bezzenherger . 



*) Dieses Wort ist von Holtzmann Ad. Gramm. S. 16 mit Recht be- 
anstandet worden. 



70 Martin Hauug. 



Martin Haug *). 

Am 5. Juni dieses Jahres wurde in Ragaz ein Mann zur letzten Ru- 
hestätte geleitet, an dem Deutschland eine seiner ersten Grössen auf dem 
Gebiet der orientalischen Sprachen verloren hat. Haug hat dem Vater- 
land in der Heimat und in weiter Ferne Ehre gemacht und verdient, dass 
die Ueberlebenden sein Bild in dankbarer Anerkennung seiner Leistungen 
sich vergegenwärtigen. Zwar ist es unbestreitbar, dass die geistige Phy- 
siognomie emes Gelehrten am treusten in seinen Schriften sich abspiegelt 
und das ist in besonderem Grade der Fall bei einem Manne, wie Haug 
der nichts von der Kunst verstand, die Worte zur Verhüllung des Ge- 
dankens zu missbrauchen; dennoch ist auch ein Blick auf seine äusseren 
oft bewegten Lebensschicksale von Interesse, insofern sie die Ausgestal- 
tung seiner sittlichen und wissenschaftlichen Individualität beeinflussten. 
Martin Haug wurde am 30. Januar 1827 in Ostdorf Oberamts Balingen 
in Würtemberg geboren ; der Vater, der mit irdischen Gütern nur soweit 
gesegnet war, dass er fünf Kinder, von denen unser Verstorbener das 
älteste war, auch in jenen teuren Jahren mit Ehren durchbringen konnte) 
wird von dem Sohn geschildert als ein Mann von biederem Charakter, 
arbeitsam und darauf bedacht, sein massiges Besitztum an Ackerland zu 
vergrössern. Er gab dem zartgebauten, schwächlichen Knaben eine zwar 
rauhe und strenge, aber von sittlich-religiösem Ernst getragene Erzie- 
hung. Mit besonderer Liebe hing dieser an einem alten Grossoheim, der 
sich durch freimütiges Urteil auszeichnete und für einen Dorfbewohner 
aussergewöhnliche Kenntnisse, auch eine kleine Bibliothek besass, meist 
Schriften religiösen und mathematischen Inhalts, die der Knabe frühzei- 
tig mit grossem Eifer las. Bei diesem Grossoheim lernte er lesen und 
schreiben, die Mehrzahl der biblischen Sprüche und einige Gesangbuchs- 
lieder. So mit verhältnismässig bedeutenden Kenntnissen ausgerüstet, 
trat er im 6. Lebensjahre in die öffentliche Schule ein; sein Lehrer, der 
damals schon über 80 Jahre alt war, wusste den Jungen nicht recht zu 
beschäftigen, und so tobte sich dieser in allerlei Unarten und mutwilli- 
gen Streichen aus. Neun Jahre alt kam er nach dem Tode seines ersten 
Lehrers in die Hände eiues anderen, einer jüngeren Kraft. Jetzt machte 
er alsbald so grosse Fortschritte, dass sein Lehrer, der die Anlagen des 
Knaben bemerkte und trefflich zu wecken verstand, den Vater aufforderte, 
den Sohn zum Schullehrerberuf zu bestimmen und ihn seiner Leitung zu 
übergeben. Der Vater zeigte anfänglich keine Lust auf den Vorschlag 
einzugehen, da er den ältesten Sohn zur Unterstützung im landwirt- 
schaftlichen Betrieb und zur Uebernalime seines bäuerlichen Anwesens 
nach seinem Tode bestimmt hatte. Noch grösseren Anstoss erregte der 
Vorschlag bei der Mutter, welche den Sohn um alle Welt nicht einen 
„Herrn" werden lassen wollte, allein die Stimme des einsichtigen Gross- 



*) [Dieser, von einem Verwanten Ilaugs herrührende Nekrolog stützt 
sich bis zum Jahr 1854 auf eine bis zu dieser Zeit reichende Autobio- 
graphie des Verstorbenen. B.] 



Martin Haug. 71 

oheims überwand die Schwierigkeiten. So wurde der Knabe im J. 1838 
„Schulincipient" und bekam neben den ordentlichen Schulstunden täglich 
noch 3—4 Lectionen. Schon jetzt entfaltete sich seine Vorliebe für die 
historischen Fächer, welche ihn oft bis in die tiefe Nacht an die Arbeit 
fesselte. Frühzeitig verspürte er die Lust, fremde Sprachen zu lernen; 
von einem ihm bekannten Lateinschüler erwarb er die lateinische Gram- 
matik von Bröder, die er nebst dem angehängten Wörterbuch für sich 
auswendig lernte. Gleichzeitig übersetzte er aus der praktischen Anlei- 
tung zum Uebersetzen aus dem Deutschen in das Lateinische von Gröbcl, 
hatte aber niemanden, der ihm seine Exercitien corrigirte. Daneben 
muste er den Vater in den landwirtschaftlichen Geschäften unterstützen, 
Garben holen, dreschen, Ochsen treiben. Er pflegte, wenn er auf den 
Acker ging, ein Buch einzustecken und unterwegs in ihm zu lesen; da 
begegnete es freilich oft, dass die Ochsen einen verkehrten Weg einschlu- 
gen und der junge Fuhrmann von dem aufgebrachten Vater durch nach- 
geworfene Erdschollen aus seinen Träumen aufgeweckt werden musste. 
Im Jahre 1841 wurde er durch eine in Esslingen abgehaltene Aspiranten- 
prüfung in die Zahl der Schullehrerpräparanden aufgenommen. Da er 
hervorragende Kenntnisse bei der Prüfung an den Tag gelegt hatte, so 
forderte das evangelische Consistorium den Vater auf, seinen Sohn einem 
Schullehrerseminar zu übergeben ; allein in Anbetracht des Kostenpunktes 
weigerte sich jener, darauf einzugehen und so blieb Hang in Ostdorf. 
Die sprachlichen Studien setzte er mit gleichmässigem Fleisse fort; noch 
nicht 14 Jahr alt, begann er auch das Studium des Griechischen mit 
Hilfe einer von dem freundlichen Grossoheim ihm geschenkten Gramma- 
tik, und gleichzeitig das des Hebräischen. Das Alphabet und einzelne 
hebräische Worte lernte er von herumziehenden, lumpensammelnden Ju- 
denknaben und honorirte sie dafür mit Lumpen, die er sich heimlich zu 
verschaffen wusste. Die Mutter entdeckte die schwarze Tat und strafte 
den Sohn ernstlich; der Vater aber, an welchen er sich nach dem Tode 
seines Grossoheims (1842) allein halten muste, gewann Interesse an den 
Studien desselben, weil er in der Absicht, die heilige Schrift in dem 
Grundtext zu studiren, etwas Gott wolgefälliges sah, und kaufte ihm die 
Hebräische Grammatik von Gesenius. Auch erlaubte er ihm, in Balingen 
bei einem dort sich aufhaltenden Candidaten der Philologie Privatunter- 
richt im Griechischen und Lateinischen zu nehmen. Eine glückliche Epi- 
sode für Haug war die ihm im J. 1843 übertragene Amtsverwesung für 
einen erkrankten Balinger Lehrer, die es ihm ermöglichte, täglichen Un- 
terricht in den classischen Sprachen, dem Hebräischen und Französischen 
zu nehmen und einige Bücher zu kaufen. Kurz darauf {Nov. 1843) wurde 
Haug Lehrgehilfe in Unterensingen, Oberamts Nürtingen; er bezog einen 
jährlichen Gehalt von 120 fi. und hatte dafür etwa 100 Kmder täglich 5 
Stunden zu unterrichten. Manigfache Abhaltungen traten seinen Studien 
störend entgegen, aber er arbeitete unverdrossen weiter und las Plato, 
Tacitus, Lucian und den Propheten Jesaja im Urtext. Im Frühjahr 1844 
bestand er die erste Dienstprüfung für Volksschullehrer und vertauschte 
kurz nachher seine Stellung mit einer anderen in Grossbottwar Ober- 



72 Martin Haug. 

amts Marbach. Dort begann er im Sommer desselben Jahres das Stu- 
dium des Sanskrit. Ein Stuttgarter Antiquar hatte Bopps kritische Gram- 
matik, desselben Ausgabe von Nala und Damajanti und die Radices lin- 
guae sanscritae zum Verkauf ausgeboten, und Haug hatte sofort darum 
geschrieben , die Grammatik aber nicht bekommen , weil sie bereits ver- 
kauft war. So muste er ohne Grammatik anfangen und befolgte nun 
um zunächst das Alphabet zu verstehen, die Methode, dass er die Eigen- 
namen in der lateinischen Uebersetzung mit der entsprechenden Zeichen- 
gruppe des Sanskrittextes verglich; es gelang ihm bald, die Sanskrit- 
schrift kennen zu lernen. Auf demselben mühsamen Wege der Induction 
und Vergleichung eignete er sich die Formenlehre an und construirte so 
selbständig das gewaltige sprachliche Gebäude des Sanskrit. Die übri- 
gen Sprachstudien setzte er daneben fort ; für das hebräische zog ihn jetzt 
besonders Ewalds Ausführliches Handbuch wegen seiner wissenschaftlichen 
Haltung und comparativen Methode an. Diese Arbeiten gingen her neben 
einem Schulgeschäft von Anfangs 5, später 6 — 7 täglichen Stunden, die 
er einer Schaar von 140 Kindern zu erteilen hatte, und pädagogischen 
für die Schulconferenzen ex officio zu liefernden Aufsätzen. 

Im August des J. 1845 wurde Haug als Lehrgehilfe in Beihingen 
Oberamts Ludwigsburg angestellt, wo er durch seine staunenswerten 
Kenntnisse, die er in einem Conferenzaufsatz zu verwerten wusste, die 
Verwunderung der Anwesenden • im höchsten Grade erregte. Auf den 
Rat des Ludwigsluster Dekans bewarb er sich um eine Hauslehrerstelle 
auf dem Hardthof bei Schwieberdingen (unweit Stuttgart); seine Bewer- 
bung hatte günstigen Erfolg. Er bekam jetzt zum ersten Mal ein heiz- 
bares Zimmer und den verhältnismässig hohen Gehalt von 150 fl. , wo- 
lür er etwa 20 Kinder von allen Altersstufen zu unterrichten hatte. In 
diese Zeit fällt eine kurze Episode pastoraler Tätigkeit in Haugs Leben ; 
er erbot sich nämlich , den Hofbauern jeden Sonntag Nachmittags reli- 
giöse Vorträge zu halten, da die nächste Kirche eine Stunde Wegs ent- 
fernt war. Das vom Geistlichen an ihn gestellte Ansinnen, gedruckte 
Predigten vorzulesen, wies er ab und hielt eigene, selbstverfasste Pre- 
digten, die bei den meisten seiner Zuhörer Beifall fanden und nur einer 
Minorität zu wenig positiv-dogmatisch waren. Die Hauptsache aber war 
ihm damals die Vorbereitung zum Universitätsstudium, das er fest in das 
Auge gefasst hatte. Er arbeitete ganze Nächte hindurch ; um sich frisch 
zu erhalten begoss er dann von Zeit zu Zeit den Kopf mit kaltem Was- 
ser und steckte an heissen Soramernachmittagen während des studirens 
seine Füsse in dasselbe. Unter anderem beschäftigte ihn die Symbolik 
und Mythologie von Creuzer und erweckte in ihm das brennende Ver- 
langen, Veda und Avesta im Urtext kennen zu lernen. Seit Jahren hatte 
er mit Hast und Sehnsucht die Lectionskataloge der Tübinger Universität 
gelesen und seinen Blick besonders auf Ewald gerichtet, den er aus sei- 
nen Werken bewundern gelernt hatte. Bei einer Durchreise durch Tü- 
bingen konnte er es daher nicht unterlassen, in einer Vorlesung Ewalds 
über hebräische Altertümer zu hospitiren, und wagte es. im April 1847 
dem verehrten Manne seine Hochachtung brieflich auszudrücken, worauf 



Martin Haug. 73 

ihm eine freundliche und aufmunternde Antwort zu Teil wurde. Im 
Herbst des J. 1847 brachte er seinem Bezirksschulinspector persönlich ein 
Gesuch um Zulassung zur Abiturientenprüfung. Eine tüchtige Strafpre- 
digt sollte den jungen Mann, der die Anmassung besass, mehr werden 
zu wollen, als ein Volksschullehrer, von seinem Entschluss zurückschrecken, 
aber sie erreichte nur das Gegenteil. Freilich befiel ihn bald darauf eine 
gefährliche Krankheit, welche die Ausführung seines Planes in die Ferne 
rückte, und ihn physisch so schwächte, dass er selbst daran dachte, den- 
selben aufzugeben. Auf die Länge indessen konnte er sich von seinen 
Büchern nicht trennen; ein College bot ihm zum Besuch des Gymnasiums 
seine Unterstützung an und verschaffte ihm die Bekanntschaft eines Stutt- 
garter Gymnasiallehrers ; durch diesen erhielt er Zutritt zu den Schätzen 
der grossen, öffentlichen Bibliothek. — Nachdem sich Unterhandlungen 
wegen einer Hauslehrerstelle in Livland zerschlagen hatten, tat er den 
entscheidenden Schritt und trat, im Widerspruch mit dem väterlichen 
Willen, aus dem Schulamte aus. In der Aussicht auf die ihm von seinem 
CoUegen zugesagte Unterstützung, wagte er es, seinen Rubico zu über- 
schreiten und wanderte, mit einem Kronentaler in der Tasche, im März 
1848 nach Stuttgart, wo er alsbald in die Prima des Gymnasiums aufge- 
nommen wurde. Wohnend in einem ärmlichen Dachstübchen arbeitete 
er auf das angestrengteste, besonders für das Abiturientenexamen, lernte 
aber daneben Italiänisch und las Dante ; seinen Unterhalt musste er sich 
durch Privatunterricht zum grösseren Teil selbst verdienen, da sein Va- 
ter ganz die Hand von ihm abgezogen hatte. Sein rastloses Streben ge- 
wann ihm die Anerkennung seiner Lehrer, unter denen er besonders die 
Professoren Ziegler und Klaiber oft rühmend erwähnte. Im Herbst 1848 
bestand Haug in ehrenvoller Weise die Maturitätsprüfung. Dieser gänz- 
lich unerwartete Erfolg bewirkte , dass sein Vater zu dem Universitäts- 
studium des Sohnes seine Einwilligung gab und ihm für ein Semester 
die Mittel dazu bewilligte; nachher sollte er sich selbst forthelfen. In 
Tübingen, wohin er sich alsbald begab, fand er Ewald, der einem Rufe 
nach Göttingen gefolgt war, zu seinem grossen Bedauern nicht mehr; er 
studierte zunächst klassische Philologie, trat in das philologische Seminar 
und hörte Vorlesungen bei Walz, Teuffei und Schwegler, welch letzterem 
er mit besonderer Pietät zugetan war. Eine Fi'ucht seiner klassischen 
Studien war die Lösung einer von der philos. Facultät gestellten Preis- 
aufgabe über die Lebensbeschreibungen des Plutarch. Besonders verfolgte 
er bei seinen Studien die Spuren des sprachlichen und historischen Zu- 
sammenhanges des klassischen Altertums mit dem Orient; das homeri- 
sche Zeitalter, die homerische Sprache zogen ihn vor allem an. Die Be- 
schäftigung mit den orientalischen Sprachen setzte er daneben ununter- 
brochen fort. Mit Eifer und Bewunderung hörte er die Vorlesungen 
Rudolph Roths, des Nachfolgers Ewalds, welche ausser klassischem Sans- 
krit und Veda auch Zend und Neupersisch umfassten. Natürlich arbei- 
tete Haug auch jetzt wieder mit aller Energie, bald aber auch wieder 
unter grossen P^ntbchrungen, als ihn sein Vater sich selbst überliess. In 
seiner bedrängten Lage suchte er sich durch Privatunterricht, besonders 



74 Martin Hang. 

im hebräischen, zu helfen, das er zwei preussische Studenten lehrte und 
denen er auch im Winter 1849/50 auf ihren Wunsch eine Erklärung des 
Propheten Jesajas vortrug. Aber auch seine Lehrer nahmen sich des 
strebsamen jungen Mannes nach Kräften an; Schwegler verhalf ihm zu 
einem grösseren Stipendium und A. v. Keller war ihm hauptsächlich zur 
Aufnahme in den s. g. „neuen Bau" (ein Stipendienhaus) behilflich. So 
war es möglich dass er seine Studien fortsetzen konnte. Auch fand er 
freundliche Aufnahme in dem Hause einer weitläufig verwanten Kauf- 
mannswitwo Speidel in Ofterdingen, die sich der äusseren Bedürfnisse des 
unpraktischen Studenten mit gröster Zuvorkommenheit annahm. Schon 
damals knüpften sich Bande freundschaftlicher Beziehung zwischen ihn 
und deren Tochter Sophie, welche später seine Frau werden sollte, und 
mit der er sich im Herbst 1852 verlobte. 

In den ersten Tagen des März 1851 wurde Haug zum Dr. phil. pro- 
movirt; wenige Tage darauf starb sein Vater, dem die Mutter schon 
lange vorher vorangegangen war, und sein Tod erschütterte, trotz der 
mannigfachen Zusammenstösse, die er mit ihm gehabt hatte, den Sohn 
auf das tiefste. In der Folgezeit war er einem Baron von Müller zur 
Abfassung einer literarischen Arbeit über das alttestamentliche ,, Einhorn" 
behilflich. Durch eine ihm gewährte Staatsunterstützung von 300 fl. zum 
Zweck einer wissenschaftlichen Reise und durch das bei der Vermögens- 
teilung ihm zugefallene Erbe wurde er in den Stand gesetzt, nach Göt- 
tingen zu gehen, wo er die Vorlesungen Benfeys, Karl Friedr. Hermanns 
und besonders Ewalds hörte. Letzterer gab ihm Privatunterricht im 
Arabischen, Persischen, Tüi'kischen und Armenischen und forderte ihn 
auf, sich den orientalischen Sprachen, zu deren Studium er hervorragen- 
des Talent besitze, ausschliesslich zu widmen. Diese Aufi'orderung kam 
dem schon lange im stillen gehegten Wunsche Haugs, die akademische 
Carriere einzuschlagen , entgegen ; er entscbloss sich , ihr zu folgen und 
teilte diesen Entschluss seinem Lehrer Roth mit. Roth antwortete ihm 
zwar in freundlicher Weise, riet ihm aber dringend von seinem Vorha- 
ben ab. 

Von Göttingen kehrte llaug im Herbst 1852 nach Tübingen zurück, 
um sich dort mit literarischen Arbeiten zu beschäftigen und die Vorbe- 
reitungen zur Habilitation zu trefi'en. Die Absicht Haugs, sich in Tübin- 
gen zu habilitiren, scheint Roth missfallen zu haben; er benahm sich, 
wie Haug erzählte, nicht nur kalt und frostig gegen ihn, sondern äusserte 
auch in einer, Haug verletzenden Weise seinen Unwillen darüber, dass 
dieser seine Ratschläge nicht befolgt habe. Haug hat die Kränkungen, 
welche er damals von Roth erfahren zu haben glaubte, nie verwinden 
können und sie trugen wesentlich dazu bei, die wissenschaftliche Difie- 
renz, die sich später in Folge von Haugs Aufenthalt in Indien zwischen 
dem Lehrer und dem Schüler entwickelte, zu verschärfen. — Haug gab 
der angedeuteten Verhältnisse wegen den Plan, sich in Tübingen zu ha- 
bilitiren, auf und wante sich, von Ewald und Wilhelm Blcek, mit dem 
er auf der Göttinger Philologenversammlung (1852) Freundschaft geschlos- 
sen hatte, aufgemuntert, der angestrebten Laufbahn nicht zu entsagen, 



Martin Haug, 75 

nach Bonn, wo ihn Lassen freundlich aufnahm. Am 9. November 1854 
hielt er dort seine Habilitationsrede (die Religion Zoroasters nach den 
alten Liedern des Zend-Avesta). Wol hatte er auch in Bonn wieder mit 
Not und Entbehrung zu kämpfen, da seine bescheidenen Mittel sich zu 
erschöpfen begannen, aber trotzdem arbeitete er unverdrossen weiter und 
hatte als Lehrer eine erfolgreiche Tätigkeit. Unter seinen Schülern aus 
jener Zeit mag Professor von Noorden genannt werden, der ihm und 
Simrock gemeinsam seine Doctordissertation widmete. Die Arbeiten aus 
seiner Bonner Periode beziehen sich meistens auf Zendphilologie ; unge- 
heure Zeit und grossen Kraftaufwand nahmen die Vorarbeiten zu seinem 
ersteren grösseren Werk in Anspruch, das, eine Frucht sechsjähriger, an- 
gestrengter Arbeit, ihn in den Kreis der bedeutendsten Kenner des ira- 
nischen Altertums einführte. 

In seiner immer drückender werdenden Lage kam ihm ein Antrag 
des Freiherrn von Bunsen, bei ihm in Heidelberg als Privatsekretär und 
Mitarbeiter an seinem Bibelwerk eiuzutreten, sehr willkommen. Er ar- 
beitete dort in Gemeinschaft mit seinem Freunde Kamphausen, dem jetzi- 
gen Professor der alttestam. Theologie in Bonn. Welchen Anteil Haug 
an dem Bunsenschen Bibelwerk gehabt hat, entzieht sich bestimmter Ab- 
grenzung. In die Zeit seines Heidelberger Aufenthaltes fällt eine im Juli 
1857 mit Unterstützung Bunsens unternommene Reise nach Paris, welche 
den Zweck hatte, ihn mit der Neriosenghs Sanskritübersetzung des Yagna 
enthaltenden Burnoufschen Handschrift bekannt zu machen , sowie eine 
im August 1857 unternommene Reise durch Frankreich nach England. 
Trotz mancher äusseren Annehmlichkeiten fühlte sich Haug in Heidelberg 
nicht heimisch, da er für seine Privatstudien und literarischen Arbeiten 
nicht so viel Zeit erübrigen konnte, als er nach den mit seinem Auftrag- 
geber mündlich getroffenen Abmachungen erwartet hatte. Als daher (am 
10. Mai 1858) Dr. Pattison aus Oxford im Auftrage des Director Howard 
in Bombay die Anfrage an ihn richtete, ob er geneigt sei, die Stellung 
eines Professors des Sanskrit und Superintendenten der Sanskritstudien 
am College in Poona anzunehmen, löste er sein Verhältnis zu Bunsen und 
trat, als sich die Verhandlungen mit England längere Zeit hinzogen, wie- 
der in seine Stellung als Privatdocent in Bonn ein und hielt dort im Win- 
ter 1858/59 Vorlesungen. Erst am 4. Juni 1859 erhielten jene Unterhand- 
lungen einen definitiven Abschluss, und am 18. Juli trat Haug, nachdem 
er am 13. Juni seine Hochzeit gefeiert hatte, in Begleitung seiner Gattin 
die Reise nach Indien an, das er nach dreimonatficher Fahrt erreichte. 

In Poona gewann Haug durch seine Gelehrsamkeit, seine Humanität, 
welche ihn die Eingebornen als ebenbürtige Menschen behandeln liess, 
und durch das ihm eigne Geschick, mit ihnen umzugehen und sie an sich 
zu fesseln, bald einen Wirkungskreis, wie es ihn sich nicht besser wün- 
schen konnte. Es ist bekannt, wie es ihm gelang, durch Augen- und 
Ohrenzeugenschaft des bisher streng geheimgehaltene Opferritual und die 
einheimische Recitation der vedischen Hymnen kennen zu lernen und 
welchen durchgreifenden Einfluss die gewonnenen Anschauungen auf die 
Bereicherung, Klärung und Vertiefung seines wissenschaftlichen Stand- 



76 Martin Haug. 

punktes bezüglich der Interpretation des Veda hatten. Neben den vielen 
Geschäften innerhalb seiner Berufssphäre , die er mit gröster Gewissen- 
haftigkeit und Pflichttreue besorgte, fand er freilich nur durch übermässige 
Anstrengung, auch unter der heissen Sonne Indiens Zeit, die Resultate 
seiner wissenschaftlichen Forschungen der gelehrten Welt mitzuteilen. 
Ausserdem hielt er von Zeit zu Zeit vor einem gemischten Auditorium 
allgemein gebildeter sehr zahlreich besuchte öffentliche Vorträge meist aus 
dem Gebiete der vedischen und zendischen Altertümer. Sehr fruchtbar 
für seine wissenschaftlichen Bestrebungen war eine im Auftrage der Re- 
gierung unternommene Reise nach Guzzerat zum Behuf der Erwerbung 
von Sanskrit-, Zend- und Pehlevi-Handschriften, auf der er überall auf 
das ehrenvollste aufgenommen wurde. 

Natürlich hatte der erschlafiende Einfluss der indischen Sonne mit 
der Zeit Haugs physische Kraft gemindert und er bedurfte dringend der 
Erholung. Im Jahre 1866 kehrte er deshalb, durch Auszeichnungen aller 
Art geehrt und mit ehrenvollen Adressen förmlich überschüttet, nach 
Deutschland zurück, wohin ihm seine Frau mit seinem einzigen Sohn 
Bchon im vorhergehenden Jahre vorangegangen war. — Neben zahlreichen 
Ehrenbezeugungen , die Haug in Indien zu Teil geworden waren , stehen 
aber auch vereinzelte Angriffe, die, in Indien bald verhallend, in Deutsch- 
land in gewissen Kreisen ein lebhaftes Echo fanden. Sie bezogen sich 
hauptsächlich auf Haugs Verhalten zur christlichen Mission. Ohne auf 
diesen Punkt ausführlich einzugehen, sei hier nur bemerkt, dass Haug 
in seiner Stellung als Interpret der heiligen Urkunden der Brahmanen, 
in welcher er sich verpflichtet hatte, in das religiöse Gebiet sich nicht 
zu mischen und die nationale Religion nicht anzutasten, gar nicht in der 
Lage war, das christliche Missionswerk positiv fördern zn können. Er 
mag sich auch nicht besonders versucht gefühlt haben, für dasselbe eine 
Lanze zu brechen, wenn er sah, wie die Missionare vielfach ohne 
sichere Kenntnis der indischen Religionen, denen er, der sie gründlich 
kannte, in vielen Punkten seine Anerkennung nicht versagen konnte, 
dieselben kurzer Hand als schwarzes, verwerfliches Heidentum betrachte- 
ten und demgemäss ex cathedra docirten, oder wenn er sah, wie sie bei 
ihrem Bekehrungswerk mit Lehren , die dem Inder nach seinem ganzen 
sittlichen und religiösen Gefühl im höchsten Grade zuwider sein müssen, 
wie mit der Lehre vom Abendmahl und der Erbsünde, gewissermassen 
wie mit der Tür in das Haus fielen. Dazu kommt, dass die Missionare 
bei der Wahl ihrer Mittel zur Verbreitung der christlichen Lehre nicht 
immer besonders sorgfältig gewesen zu sein scheinen (Ueber den gegen- 
wärtigen Zustand der Zendphilologie, S. 14 Anm.), was einen wahrheits- 
liebenden Mann, wie Haug, nicht besonders für sie gewinnen konnte. 
Gegen sie gewirkt aber hat er nicht, er ist nicht aggressiv-agitatorisch 
gegen sie aufgetreten; höchstens hat er hier und da eine schroffe, un- 
vorsichtige Aeusserung getan, was er später auch selbst wol zugestand. ' 

Haug Hess sich, nachdem er aus Indien zurückgekehrt war, für einige 
Zeit in Reutlingen, dann in Stuttgart nieder, wo er in stiller Zurückge- 
zogenheit seinen Studien lebte, soweit ihm das seine angegriffene Gesund- 



Martin Haug. 77 

heit gestattete. Im Auftrage der englischen Regierung gab er ein altes 
Zend-Pehleviglossar , von ihm selbst revidirt, heraus und lieferte eine 
Reihe kleinerer Recensionen. Im J. 1868 nahm er einen Ruf an die Uni- 
versität München, für die dort errichtete Professur des Sanskrit und der 
vergleichenden Si)rachwissenschaft an, in der Ueberzeugung, dass es ihm 
in dieser Stellung möglich sein werde, auf den Gang der orientalischen 
Studien in Deutschland einzuwirken. Durch Heranziehung von Schülern 
wollte er seinen neuen Entdeckungen Verbreitung und Geltung verschaf- 
fen. Es gelang ihm rasch, die orientalischen Studien in München zu 
voller Blüte zu erheben; er gewann eine verhältnismässig sehr grosse 
Zahl von Zuhörern, und er hat sich, so lange er die Kräfte dazu be- 
sass, allen mit einer Freundlichkeit und Aufopferung gewidmet, wie sie 
selten zu finden sein mag. Haugs Vorlesungen erstreckten sich teils 
auf die beiden Ilauptgebiete seiner Studien, Zend und Sanskrit, teils auch 
auf das semitische Sprachgebiet. Besonders betonte er stets die grosse 
historische Bedeutung der assyrischen Studien und las deshalb wiederholt 
über Keilinschriften. Die Weite seines linguistischen Gesichtskreises be- 
fähigte ihn, die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer auch dem Gesaramtgebiet 
der Sprachen des Erdkreises, von den höchst entwickelten bis zur Hot- 
tentottensprache zuzuwenden, wobei er immer darauf ausging, neues oder 
seltenes und unzugängliches seinen Schülern zu bieten, um sie immer von 
neuem zu eindringendem Studium anzuregen. — Literarisch war Hang ia 
München sehr fleissig; die Resultate dieser weitumfassenden Tätigkeit 
sind w. u. zusammengestellt. 

Der rastlose Fleiss, welchen Hang als Lehrer und Schriftsteller ent- 
faltete, zerrüttete allmählich sein Nervensystem und verzehrte sichtlich 
das geringe Maass physischer Kraft, das ihm zugemessen und durch 
künstliche Mittel nicht mehr zu ersetzen war. Das dunkle Gefühl dieses 
Zustandes gab sich in ihm bald in einer unnatürlichen Nervenaufregung 
kund, bald in geistiger Abspannung und Mattigkeit, welche zuweilen eine 
düstere Stimmung in ihm zurückliess. In den letzten Herbstferien un- 
ternahm er voller Zuversicht eine Schweizerreise, kehrte von ihr aber 
krank und völlig geschwächt zurück. Mehrmals befielen ihn seitdem 
kürzere oder längere Krankheiten, trotzdem erholte er sich jedesmal wie- 
der und es schien als ob sein Organismus den Gesetzen der Natur Trotz 
bieten könne, wie es sein Wille einem rauen Geschick gegenüber getan 
hatte. Auf den Rat des Arztes begab er sich in den letzten Tagen des 
Mai nach Ragaz ; nachdem er sich dort in den ersten Tagen noch leid- 
lich wol gefühlt hatte, ereilte ihn am 3. Juni, vermutlich in Folge eines 
Gehirnschlages, ein plötzlicher Tod, und zwei Tage darauf wurde er der 
letzten Ruhestätte übergeben. 

W^as Haug geworden ist, ist er durch sich selbst, durch seine eigne 
Tüchtigkeit geworden; wie selten ein andrer darf er der Schmied seines 
Glücks genannt werden. Von Natur ausgestattet mit ausserordentlichen 
Gaben des Geistes, namentlich einem wunderbar treuen Gedächtnis, dazu 
mit einem äusserst lebhaften Temperament, tritt in ihm von frühester 
Jugend an ein originaler, mächtiger, durch nichts zu besiegender Drang 



78 Martin Haug. 

hervor, in die Wunder und Geheimnisse des Orients eingeweiht zu wer- 
den. Dieses ^cufioviov , seine höhere Bestimmung findet eine Bürgschaft 
ihrer Verwirklichung nicht nur an seinen trefflichen Gaben, sondern auch 
an einer eisernen Willenskraft, die vor keiner Schwierigkeit zurückbebt; 
von Anfang an mächtiger als er selbst, von niemandem in seiner Umge- 
bung verstanden, von wenigen geahnt, kommt sie ihm selbst immer kla- 
rer und deutlicher z^im Bewusstsein und wird allmählig zur sittlichen 
Lebensmacht. Willig allen Annehmlichkeiten des Lebens entsagend ge- 
horcht er diesem Höheren in ihm und stellt sich ganz in den Dienst der 
ihn beherrschenden Idee. So ist Haugs wissenschaftlichem Schaffen der 
Stempel eines tiefsittlichen Adels aufgedrückt. Aus solchem sittlichen 
Ernst floss jene unbestechliche Wahrheitsliebe, die ihm an der Religion 
Zoroasters so wol gefiel, welche für die redlich erworbene wissenschaft- 
liche üeberzeugung mutig eintrat, die, alles Scheinwesen hassend, es für 
Pflicht erachtete, demselben rücksichtslos entgegenzutreten; jener unab- 
hängige Geist, der vor keiner Autorität sich beugte und nur die Wahr- 
heit als höheren Richter über sich anerkannte, jene zuversichlliche Sie- 
gesgewissheit , die weder durch Abfertigungen noch durch vornehmes 
Ignoriren sich irre machen Hess, jene Zurückhaltung, welche Dunkelhei- 
ten und ungelöste Schwierigkeiten unumwunden eingestand. Im Verhalten 
zu seiner Umgebung trat in Haugs Charakter vor allem hervor eine weit- 
herzige Humanität, welche jeden in seinen Eigentümlichkeiten anerkannte; 
in seiner Familie war er der treue und zärtliche Gatte und Vater; als 
Lehrer der mitteilsame und väterbch gesinnte Freund seiner Schüler; im 
Umgang mit Näherstehenden und Freunden voll Innigkeit und aufrichti- 
ger Herzlichkeit — eine anima Candida im besten Siune des Wortes. 



Verzeichnis der Schriften Haugs. 

Die Quellen Plutarchs in den Lebensbeschreibungen der Griechen 
neu untersucht. Gekrönte Preisschrift. Tübingen 1854. 

1853. Recension von Spiegel, Grammatik der Parsisprache nebst Sprach- 
proben. Gott. Gel. Anz. 1853 S. 1937 ff. — Drei. KZs. III. 150. 

1854. YaQna cap. 44. Zeitschr. der D. Morgen]. Ges. VII. 314 ff., 534 ff., 
VIII. 739 ff. — lieber die Pehlewisprache und den Bundehesch, 
aus den Gott. Gel. Anz. mit Erweiterungen abgedruckt. Göttin- 
gen 1854. 

1855. Zendstudien. Zs. d. D. M. Ges. IX. 683 (die Lehre Zoroasters 
nach den alten Liedern des Zendavesta; die Namen Avesta, Zend 
und Päzend in ihrer litterarischen und religionsgeschichtlichen 
Bedeutung, p. 694). — Ueber Schrift und Sprache der zweiten 
Keilschriftgattung. Göttingen 1855. 

1856. Das erste Capitel des Vendidäd übersetzt und erläutert. In Bun- 
sens „Aegyptens Stelle in der Weltgeschichte" V. 1 ff. 

1857. Recension von Spiegel Einleitung in die traditionellen Schriften 
der Parsen. Gott. Gel. Anz. 1857 S. 673 ff. 



Martin Haug. 79 

1858, Die fünf Gäthä's oder Sammlungen von Liedern und Sprüchen 
Zarathustra's , seiner Jünger und Nachfolger. I. Abth. Leipzig 
1858, IL Abth. Leipzig 1860. 

l8G0ff. Briefe aus Indien. Zs. d. D. M. Ges. XIV. 295; XVL 273; XVII. 
389; XVJII. 304, 833. 

1862. Essays on the sacred language, writings and religion of the Par- 
sees. Bombay 1862. — Lecture on the origin of the Parsee reli- 
gion. Poona 1862. 

1863. The Aitareya Brahmanam of the Rigveda. Bombay 1863, 2 voll. 
— Lectures and notices on the Vedas. Poona 1863. — Lecture 
on Confucius. Poona 1863. — The origin of Brahmanism. Poona 
1863. — lieber die vedischen Accente. Zs. d. D. M. Ges. XVIL 
799. — A contribution towards a right understanding of the 
Rigveda. Bombay 1863. 

1864. Account of a tour in Gujarat 1863/64. 1864. — Nachrichten aus 
Südindien. Ausland Jahrg. 1864 S. 998 ff. 

1865. Die Tempel von EUora. Ausland Jahrg. 1865 S, 253 ff. — Mit- 
theilungen aus Indien. Das. S. 286 ff., 751 ff. — Lecture on an 
original speech of Zoroaster (Ya^na 45) with Remarks on his age. 
Bombay 1865. — lieber die Unzuverlässigkeit der Pehlewiüber- 
setzung des Zendavesta. Zs. d. D. M. Ges. XIX. 578 f. 

1866. Zu Pettenkofer die atmosphärischen Niederschläge und die Cho- 
lera in Indien. Augs. Allg. Z. 1866. n. 328. 

1867. lieber den gegenwärtigen Zustand des Studiums orientalischer 
Sprachen und Literatur in Ostmdien. Augsb. AUgem. Zg. 1867. 
n. 7 u. 8. — lieber Dunker Geschichte der Arier. Das. 1867. n. 
235. — Ueber Lassen Indische Alterthumskunde. Das. n. 255. — 
Ueber Brandis Das Münz-, Mass- und Gewichtswesen in Vorder- 
asien. Das. n. 265. — Bemerkungen über den Artikel „Die na- 
türlichen Anlagen der menschlichen Rassen. Nach Farrar." Das. 
n 282. — lieber Pott Wurzelwörterbuch. Das. n. 319. — Ne- 
krolog von Franz Bopp. Das. n. 333 u. 334. — An old Zand- 
Pahlavi Glossary edited .... by Destur Hoshengji Jamaspji . . . 
revised with notes and introduction by M. Haug. Bombay und 
London 1867. 

1868. lieber Max Müller C!hips from a German workship (Essays I. u.U.). 
Augsb. Allg. Z. 1868 n. 42. — Ueber Zeitschrift der D. Morgenl. 
Ges. Bd. XXI. Das. n.l02. — Ueber Leitner The Races and Lan- 
guages of Dardistän. Das. n. 158. — Ueber Jülg Mongolische 
Märchensammlung. Das. n. 243. — Ueber den gegenwärtigen 
Stand der Zendphilologie. Stuttgart 1868. — Ueber die ursprüng- 
liche Bedeutung des Wortes brahma. München, Sitzungsber. der 
k. Akademie d. W. IL 80 ff. - Berichtigung. Zs. d. D. M. Ges. 
XXII. 341. — Das 18te Capitel des Vendidad. München, Sitzungs- 
ber. der k. Akad. d. W. II. 509 ff. 

Ift69. Ueber den Charakter der Pehlewisprache mit besonderer Rücksicht 
auf die Inschriften. München, Sitzunsrsb. der k. Akad. d. W. I. 85 ff. 



80 Martin Haug. 

1870. Ueber das Ardäi Viräf nämeh und seinen angeblichen Zusammen- 
hang mit dem christlichen Apokryphen „die Himmelfahrt des Je- 
saja" betitelt. München, Sitzungsb. d. k. Akad. d. W. I. 327 ff. — 
An old Pahlavi-Päzand Glossary edited . . . by Destur Hoshangji 
Jamaspji Asa, revised and enlarged , with an introductory essay 
on the Pahlavi language by M.Haug. Bombay und London 1870. — 
Uebersetzung der heiligen Bücher der Sikhs. ' Augsb. Allg. Ztg. 

1870 n. 32. — Inschrift des Moabiterkönig Mescha. Das. n. 106. 

1871. Brahma und die Brahmanen. München 1871. — Ueber Alex. 
Cunningham The ancient geography of India. I. Augsb. Allg. Z. 

1871 n. 28. — Der spätere Parsismus. Das. n. 154. 

1872. Die Ahuna Vairja Formel, das heiligste Gebet der Zoroastrier, 
mit dem alten Zend-Commentar (Yagna 19). München, Sitzungsb. 
der k. Akad. d. W. I. 89 ff. — The book of Arda Viraf. The 
Pahlavi text prepared by Destur Hoshangji Jamaspji Asa revis- 
ed etc. by M. Haug, assisted by E. W. West. Bombay u. Lon- 
don 1872. 

1873. Ueber das Wesen und den Werth des w^edischen Accentes. Mün- 
chen, Abhandl. der k. Akad. d. W. L Gl. XIH. Bd. IL Abt. 1 ff. — 
Die Sprache der Afghanen. Augsb. Allg. Z. 1873 n. 138 u. 189. — 
Die Kosmogonie der Inder. Das. n. 155 u. 156. - Eine arabi- 
sche Siegelinschrift. München, Sitzungsber. der k. Akad. d. W. 

1874. On the Interpretation of the Veda. (Report of the proceedings 
of the 2d international congress of orientalists held in London 
1874. London 1874.) — Glossary and index of the Pahlavi texts 
of the book of Arda Viraf . . . . by E. W. West, revised by M. 
Haug. Bombay u. London 1874. — Max Müllers Einleitung in 
die Religionswissenschaft. Augsb. Allg. Ztg. 1874 n. 4 u. 5. — 
Die alten persischen Inschriften der Thomaschristen in Südindien 
Das. n. 29. — Die trojanischen Inschriften. Das. n. 32. 

1875. Recension von Delbrück Vedische Chrestomathie. Gott. Gel. Anz. 
1875 S. 65 ff". — Recension von Grassmann Wörterbuch zum Rig- 
Veda. Das. 577 ff. — Die Unsterblichkeit der Seele bei den 
Chaldäern. (Recension der Schrift Opperts: L'immortalite de 
l'äme chez les Chaldeens (Extrait du tome VIII des Annales de 
Philosophie chretienne). Paris 1874) Augsb. Allg. Z. 1875 n. 70 
u. 71. 

1876. Vedische Räthselfragen und Räthselsprüche , Uebersetzung und 
Erklärung des Dirghatamäs-Liedes Rigv. 1. 164. München, Sitzungs- 
ber. der k. Akad. d W. I. Cl. Bd. II. Hft 3. 



81 



lieber den Uebergang von st in l im Griechischen. 

Es ist bekannt, dass der altgriechiscbe Dipbthong sl im 
Neugriechiscben durchweg in monophthongisches l übergegan- 
gen ist. Dieser Lautwandel gehört zu den in der ~ Geschichte 
der griechischen Sprache am frühesten hervortretenden. Nicht 
nur dass die Boioter, die ja bekanntlich überhaupt der allge- 
meinen Entwickelung des griechischen Vocalismus entweder be- 
deutend voran geeilt sind oder wenigstens am frühesten den 
Veränderungen der Vocale graphischen Ausdruck gegeben ha- 
ben, consequent l für et schreiben („retenti el pauca exempla 
in antiquis titulis sunt: Ileid^ojvöag EiyMÖicov i^^tarox^aret" 
Beermann in Curtius Studien 9, 36) : im ersten Jahrhundert 
vor Christus ist die Confusion beider allgemein verbreitet (Blass 
Ueber die Aussprache des Altgriechischen S. 17). Leider ver- 
missen wir für genauere Bestimmung von Zeit und Oertlichkei- 
ten dieses Lautüberganges eine eingehende Untersuchung auf 
Grund des inschriftlichen Materials, wie überhaupt eine Ge- 
schichte des griechischen Vocalismus in den beiden letzten 
Jahrhunderten vor unserer Zeitrechnung noch immer ein pium 
desiderium der Sprachwissenschaft ist, so viel auch über eras- 
mische und reuchlinische Aussprache Papier verschrieben wor- 
den ist. 

Die folgenden Zeilen sind dazu bestimmt nachzuweisen, 
dass der Wandel von «t zu ^ nicht urplötzlich über die grie- 
chische Sprache in der Zeit ihres allgemeinen lautlichen Ver- 
falles hereingebrochen ist, sondern dass diese Tendenz in einer 
zwar nicht sehr grossen, aber, wie mir scheint, sicheren Anzahl 
von Fällen bereits seit den ältesten für uns historisch erreich- 
baren Perioden der griechischen Sprache wirksam gewesen ist. 
Einzelnes hievon ist wol der Aufmerksamkeit der Forscher 
nicht entgangen, im Zusammenhang aber hat man die Erschei- 
nung noch nicht betrachtet, sl ist zunächst zu i geworden, 
dies hat sich dann mehrfach zu t verkürzt — wir können die 
Entwickelungsreihe sl l l einigemal noch mit Sicherheit nach- 
weisen. 

Ich beginne mit einigen Praesensbildungen, wo Curtius Das 
Verbum der griechischen Sprache 1, 225 l als durch „mono- 
phthongischen Zulaut" aus X entstanden betrachtet. 

Beiträge z. Kunde d. ig. Sprachen. I. 6 



82 G. Meyer 

Neben ziw ist Teiw wol bezeugt: altattisch [d7To]Ts7aai 
T€iaa(.i€v6g Tsiaavdgog Teioiag TeLoi(.ia%og (Cauer in Curtius 
Studien 8, 253), arkadisch drcvreiadviü dtTtvcsieTO) toruaiv 
(Gelbke Studien 2, 27), lokrisch aTtozelorj auf der hypoknemi- 
dischen Inschrift Stud. 2, 444 Zeile IG; dorisch cctvotelosI auf 
der ersten Tafel von Herakleia Zeile 109; kyprisch neiou Ta- 
fel von Dali Z. 12 und 25 (Studien 7, 252) ; kretisch arto-CEl- 
aei, drcozeiödTO) aTtoTsiadvTMv (Hey de dialecto cretica p. 19). 
Dazu auf jüngeren delphischen Inschriften jtQOTSTEixsv aTToxei- 
adfTOJV (Allen Studien 3, 231); vgl. auch J. Schmidt Vocalis- 
mus 1, 142 *). Schon Ahrens Dial. 2, 184 hatte in dem et Stei- 
gerung erkannt; es entspricht genau skr. caj'atai (= Tsitrai), 
wol auch das ae von lat. quaeso (Fick Spracheinheit S. 80). 
Ganz wie reio), um das hier nebenbei zu bemerken, scheint ge- 
bildet zu sein xe/w ich spalte aus Wurzel xt, ursprünglich ski, 
wie sie in lat. de-sci-sco sci-o skr. chj-ü-mi abschneiden und 
in der Weiterbildung axtd a^tCw vorliegt. Der ältere Steige- 
rungslaut CiL liegt vor in 'Aalaxot. Erdspalten, y,aieTd€baa, Kaid- 
dag; l ist ausgefallen in x£-a^w spalte y-i-aqvov Axt. Anders 
freilich Curtius Grundzüge 145. 

Neben i;ei(a stellt sich g)d^€lcü. Diese Form ist freilich nur 
von Grammatikern bezeugt, wir haben aber keinen Grund ihre 
Echtheit zu bezweifeln, da sie; sogar einen Bedeutungsunter- 
schied zwischen cpd^üoj und (pd^ico herausdüfteln wollten. Eben- 
so ist cpd^eiorjvwQ für (p&ia^vcoq überliefert; s. Herodian IL 
599, 7 mit der Note von Lentz. Aus cpd^eio) ist q)Mo) entstan- 
den Odyssee 2, 368 tog xe doXü) (pd^LTjg, rdde d' avrol ndvxa 
ödaovTai, und endlich q)d^l'o) Ilias 18, 446 avxdQ 6 xr^g dxitov 
(pQtvag k'q)d^iev, avxdq IdyjtxLOvg. 

Für f xw ist dorischi elxw überliefert (Ahrens 2, 344), ohne 
Zweifel das ältere, durch Guna aus Wurzel ix (lyciad-at) ent- 
standene. Auch Curtius Verbum 1, 225 bemerkt, dass dies 
Wort „für Entstehung der monojjhthongischen Steigerung aus 
diphthongischer von besondrer Wichtigkeit" sei. 

veiipio „ist die allein berechtigte, von Herodian anerkannte 
Schreibung" J. Schmidt Vocalismus 1, 134, wo eine grosse 
Anzahl handschriftlicher Belege zusammen gestellt sind. Aber 
Ilias 12, 280 ist vi(pt(xev durch den Ven. A und den syrischen 
Palimpsest gut beglaubigt und wir werden nicht umhin können, 
*) S. jetzt bes. Sauppe im Göttinger Index lectionutn 1876/77 S. 9 li". 



Uebergang von el in i. 83 

anzuerkennen, dass sich auch hier wol ziemlieh früh der Ue- 
bergang von €1, zu l vollzogen hat. 

Man sieht, dass bei tioj vtcpto f xw die Annahme einer Vo-- 
caldehnung zum Zwecke der Praesensbildung ohne Halt ist 
Was die übrigen von Curtius unter diesem Gesichtspunkt er- 
klärten Verba betrifft, so berulit in d^lißw Wurzel hharg und 
rqtßio Wurzel tar seine Vocallänge ohne Zweifel auf dem Ein- 
fluss der Liquida, und nvtyw wird, wenn man sein Verhältniss 
zu aq)Lyyw erwägt (Siegismund Studien 5, 194), sein l einem 
ursprünglichen Nasal verdanken. Nicht minder bedenklich steht 
es mit praesensbildendem v (Curtius Verbum 1, 226). In azv- 
q)Lü fest machen (auch orvcpog) neben OTV(pl6g ozvcpeXog scheint 
die Länge auf dem Ausfall eines Nasals zu beruhen (Wz. siumbh 
aus stambh Schmidt Vocalismus 1, 154) , ebenso in Tifcpo) {xv- 
(fog Tvcpedwv) neben sTV(prjv (W. dhamp &v/ußQa anord. dampi, 
daraus dhump dhüp, so auch sk. dhup. vgl. Schmidt Vocalis- 
mus 1, 158). Ueber (pQvyo) und xpvyno sagt Curtius a. a. 0. 
selbst : „der Wechsel zwischen v und v wird als eine secundäre 
Erscheinung angesehen werden müssen". Bei (pQvyio {cpqvyavov) 
hängt die Länge gewis mit der Liquida zusammen, bei iptf^oi 
scheint Curtius geneigt die Länge auf das ursprüngliche ax (=%) 
zurück zu führen. Das scheint mir unerweislich zu sein; in- 
dessen zeigen (pvoäco lat. püsula \\t. püsti deutlich genug, dass 
V mit der Praesensbildung gar nichts zu tun hat. 

Man verzeihe die kleine Abschweifung; ich kehre zurück 
zu Z aus EL und bleibe vorläufig im Gebiet des Verbums. Die 
Länge von tTvo) geht gewis wie bei dlvo) (p&tvto auf ursprüng- 
liches vv (wol aus r/) zurück. Für xtvv[,u (Curtius Verbum 1, 
164) lässt sich indes diese Erklärung nicht mehr brauchen. 
Es scheint mir, dass hier das l unmittelbar dem in telio gleich 
steht, dass also die ursprüngliche Form "^telvv/.il lautete und 
hier Steigerung in Verbindung mit der Praesensbildung durch 
Suffix nu vorliegt wie in öeIxvvjxl W. dik Die Vermutung liegt 
nahe, dass auch xtvv/naL -/Tiveo} neben y.io) Aischylos Choephoren 
680 Dindorf, e-m.ov vXiLv bei Homer auf '"^xeivvuai *y.eivea) zurück 
gehe. Denn wenn Curtius a a. 0. bemerkt ,,mit ytlvvtai ist 
identisch die sk. Form ginuiai", so stimmt das wegen des grie- 
chischen l nicht ganz. Im homerischen yuad^ov kann l viel- 
leicht auf ursprünglichem -Kijad-ov beruhen. Nun werden wir 
auch nicht fehl gehen, wenn wir Krivvfii für die bessere Schrei- 

G* 



84 G. Meyer 

bung halten als •Axivvvf.iL (vgl. Lobeck Rhematikon S. 270. Ver- 
fasser Nasalische Praesensstämme S. 33); auch yir€lvvf.a ist 
überliefert (Bekker Dindorf Hultsch schreiben so bei Polyb. 2, 
56, nach Dindorf im Thesaurus hat der codex Clarkianus des 
Piaton vorwiegend ei), was natürlich für die Grundform zu hal- 
ten ist (vgl. Kühner Ausführliche Grammatik 1, 640 Anm. 3). 

Mit xlvstü völlig gleich gebildet ist ßivsco beschlafen, not- 
züchtigen. Hiefür ist ßeiveoi gut bezeugt: Etymol. Magn. 197, 
48 MyeL 6 HQtpÖLavog otc xovto dicpoQsTTai xara ttjv yQacp^v. 
■CLva yuQ Tiüv avTiyQdq)iov dia rfjg et, öixpd-oyyov ygacpovai t^v 
li^t-v, xLva ÖS dia rov i. Auch Hesychios hat ßeiveo) und 
ßuvrjTLatü , die M. Schmidt in ßivso) und ßivrjzLdiü verwandelt 
und weit von ihrem Platze weg gesetzt hat. Die Etymologie 
des Wortes ist leider nicht aufgeklärt; Ascoli Curtius Pott stel- 
len das Wort zu ßia sk. jinäii Gewalt anwenden. 

Ich gehe weiter zu l aus el in der Wurzelsilbe einiger No- 
mina, ixia Weide vergleicht sich ohne Zweifel mit lat. viüs 
ahd. wida abulg. veivX ramus; alle drei Formen weisen auf ur- 
sprüngliches ei. Auch im Griechischen liegt das £t noch vor. 
Mit Ixia identisch ist der Name des attischen Demos ^Ixia. 
Dieser erscheint auf Inschriften mehrfach als Eixaa, die Ein- 
wohner als Elxealoi (Franz Elementa epigr. 150), letzteres auch 
einmal auf der altattischen Inschrift No. 273 b, 36 bei Kirch- 
hoff. Aus txsa ist verkürzt Ixea , das bei Herodian 2, 17, 19 
Lentz bezeugt ist : xo i tcqo xov x -/mx^ (^Qyjjv ovaxsXXeod^ai d^i- 
Xei, ixvg, IxafÄog, ^IxaXog, ^Ixafiwv, ixea- xo yccQ Ixeat s/.xtxaxai 
jcotrjxiKwg. t 

^^' / / xAly Jg ahd.l /f /a_ ags . [hlldh lit. szlaiiis Bergabhang (J. Schmidt | 
/ Vocalismus 1, 142). Herodian bezeugt yiXuxvg als richtigere I 
I Schreibung II 416, 19 Lentz: xd eig -vg Xi^yovxa ovöfiaxa öid r^ 
xov i yQCccpovxai x.axd xrjv TcaQaXrjyovaav xal ovx tyßi öicf&oy- kj 
yov xrjv et ... . xwQig xov xXeixvg, örjuaivsi de xd f.^eyovxa f 
(xiqrj xcijv OQeiov. xovco ydQ 6id xfjg si dup&oyyov , d'g cprjaLV 
HQiüÖLavog. tt liegt ausserdem vor bei Alkman Fragment 95 
Bergk ev GeaaaXioj xXelxei, auf das sich vielleicht die Glosse 
des Hesychios '/.Xeixei. /M^iaxr yiovla bezieht. 

Auf Xei'Kvov neben XI-kvov (Choiroboskos 236, 28 = Hero- 
dian II 543, 9 Lentz) will ich kein besondres Gewicht legen, 
da wir hier gar keine chronologischen Anhaltspunkte haben. 
Dagegen ist sehr instructiv atix/Jg deixeXiog in seinem Verhält- 



Uebergang von et in i. 85 

nis zu aixrjg aiKsXiog. Letzteres kann aus ersterem nur auf 
dem Wege dixrjg dixrjg geworden sein; Ilias 22, 336 schreiben 
die Herausgeber dr/.wg. Ganz ebenso ist der Eigenname ^l- 
y-kog aus '^t xAog = l^sinX^g geworden ; s. Pape-Benseler s. v. Keil 
Zur Sylloge inscriptionum boeoticarum S. 534 (im 4, Supplement- 
bande von Jahns Jahrbüchern). 

Alles bisherige weist darauf hin, dass auch in den man- 
nichfaltigen Formen des Namens Iloasidwv das ei die älteste 
Lautstufe repraesentiert. Dieser Ansicht ist auch ganz neuer- 
dings Beermanu Studien 9, 37, wo man die dialektischen For- 
men am vollständigsten beisammen findet (danach berichtigt 
sich Schmidt Vocalismus 1, 143 Anm.). Homerisch Tloalddwv 
(s. Ahrens Philologus 23, 22) dorisch Uoridav IIoTidäg stehen 
gegenüber attischem Iloaeiddiov, lesbischem Iloosldav, thessali- 
schera noTSLÖovv, boiotischem IIoTeiddwv, arkadischem IIoooi- 
däv (gesichert durch IIooldccvL Inschrift von Tainaron Kirchhoff 
Hermes 3, 449); auch dorisches IIoxELÖäg wird verbürgt durch 
IIoTsidaia UorsidaiaTai HoTeiöeccTai, was consequent auf alt- 
attischen Inschriften erscheint (Cauer Studien 8, 253). i er- 
scheint in noatdrjiov Ilias 2, 506, Iloalörjuov Anakreon Frag- 
ment 6, 1 Bergk. Freilich ist die Etymologie des Namens trotz 
aller Versuche der Deutung (auch nach dem letzten von Fick 
in Kuhns Zeitschrift 21, 436) dunkel, so dass zu einer ganz 
sicheren Entscheidung hier die Grundlage fehlt. Jedenfalls ist 
aber der entgegengesetzte Vorgang, Entstehung des sl aus i, 
wie ihn Cauer a. a. 0. annimmt, für das Griechische unerweis- 
lich. Man pflegt dafür attisch sLycoai anzuführen neben dem 
dorischen J^ixari, das nach den bei Ahrens 2, 279 angeführten 
Beispielen allerdings den älteren Quellen anzugehören scheint. 
Die Tafeln von Herakleia haben /r/art neben fslxaTi; Hesy-^ 
chios hezeugt_j3Wx«Tx_ als lakonisch, dessen chronologische Fixi-' 
rung freilich nicht möglich ist. Curtius Berichte der sächsi- 
schen Gesellschaft der Wissenschaften 1870 S. 35 lässt unter Zu- 
stimmung von J. Schmidt Vocalismus 1, 142 Anm. att. elxoai. 
aus ^ifiKooc hervorgehen, der Diphthong sei dann missbräuch- 
lich in den homerischen Text hinein gekommen. Diese Erklä- 
rung scheitert an der dorischen Form feUavi. Meister Studien 
4, 386 meint, €l sei hier aus l corruptiore quadam pronuntia- 
tione hervor gegangen. Die verwanten Sprachen scheinen al- 
lerdings auf eine Grundform dvinkanii zu weisen (denn lat. vei- 



86 G. Meyer 

ginti GL 1194 ist für ursprüngliches ei nicht zu verwenden, s. 
Corssen Aussprache 1, 785); aber gewis hat die Annahme ei- 
ner abweichenden Bildung im Griechischen (mit Stamm dvai-) 
ebenso viel Berechtigung wie die Behauptung eines sonst uner- 
wiesenen Lautüberganges. 

Sehr deutlich liegt die Reihe el l l vor in den Modalad- 
verbien auf ~Ei -l, die auf ursprüngliche Locative von «-Stäm- 
men zurück gehen. Der Lautwandel reicht hier nachweislich 
in sehr alte Zeit hinauf. Man vergleiche 

dd^eel Odyssee 18, 353 (gebildet wie die dorischen Locative 
auf -£L z. B. €1 Tiel oTtei ftjvel tovtsI avxei reide, e'^st nach 
Hesychios lakonisch für s^io, dirtkel Tafeln von Herakleia 1, 
109; auch auf delphischen Inschriften häufig, s. Curtius Be- 
richte der sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 1864, 
S. 230. Menandros brauchte nach Herodian 1, 504, 16. 2, 463, 
31 Lentz oI'ksl für ol'xoc). 

dyai/aioTt Ilias 17, 363. Odyssee 18, 149. dvovrrjTT Ilias 
22, 371. dvLÖQOJTt Ilias 15, 228. dvwiazt Odyssee 4, 92. 
doTtovöi Ilias 8, 512. 15, 476. 22, 304. avxovvyt Ilias 8, 197. 
iyQr^yoQii Ilias 10, 182. neraoTOL'/t Ilias 23, 358. tqlgioixl Ilias 
10. 473. 

fisyalwau Ilias 16, 776. Odyssee 24, 40. (xeXeXoTi Ilias 
24, 409. Odyssee 9, 291. 18, 339. 

Aus späteren Quellen erwähne ich doxav.z^ Sophokles Oi- 
dipus auf Kolonos 1251 , syeQxX Antigene 413. sehr bezeich- 
nend ist auch Ttavdrjf^t in der Anthologie 5, 44 aus altem Ttav- 
drif.ui. vgl. besonders Hartel Homerische Studien 1, 107, Rö- 
scher Studien 3, 143, der auch ^tj^'^t vaixt ov%i ^x^ dazu stel- 
len will. Curtius Grundzüge 633. 

Ganz ebenso ist die Entwickelung vor sich gegangen beim 
Dativ Singular der consonantischen Stämme. Hartel Homeri- 
sche Studien 1, 56 weist eine Anzahl Fälle aus Homer nach, 
wo dativisches i lang gebraucht erscheint, nämlich von x-Stäm- 
men Xid^axi, von Dentalstämmen ^Ldtidl, ^lavzl zweimal, xogvd^i, 
von r-Stämmen TtaxtQi, von Sigmastämmen dircat IVf? ^ÜQa- 
Tilfjl ugaTeC ady,e2 dreimal od^ivel VTtEQ^iEvei , von »-Stämmen 
tztoXel , von diphthongischen Stämmen wit yixiXXi^l ^Odvaafjl 
dreimal, wobei Verse, die sich öfters wiederholen nur einmal 
gezählt sind. Hiezu kommt, dass sich dativisches t mit Hart- 
näckigkeit der Elision erwehrt und sehr häufig Hiatus bildet. 



Uebergang von si in i. 87 

Nach der landläufigen Annahme, dass der Dativ Singular der 
consonantischen Stämme ein ursprünglicher Locativ sei (Leo 
Meyer Gedrängte Vergleichung der griechischen und lateinischen 
DecHnation S. 39 ff., Schleicher Compendium 551 und noch 
weiter gehend Gerland Ueber den altgriechischen Dativ Mar- 
burg 1859, Usener in Jahns Jahrbüchern 1865 S. 248), seine 
Endung also ursprünglich i, lässt sich das lange l nicht erklä- 
ren. Wir müssen vielmehr annehmen, dass dem Dativ der con- 
sonantischen sowie der i-, u- und diphthongischen Stämme ur- 
sprünglich -u als Endung angefügt wurde = sk. -ai lt. -ei, 
und dass erst mit eintretender Verkürzung des aus -et entstan- 
denen -X zu -\ die Confundirung mit den Locativen statt ge- 
funden habe, einer Verkürzung, die ohne Zweifel durch die bis 
auf die Quantität gleich lautenden Locative ( Dat. vj^t' Loc. vrii^ 
mag beschleunigt worden sein. Formen wie ^LiQysi '^'ElXaöl 
^axedai/^iovl alt mit locativer Bedeutung steht nichts im Wege 
für ursprüngliche Locative mit l zu halten; dagegen sind frei- 
lich auch echt dativische Formen mit l wie ^Läidl oäv.ei vr[t lo- 
cativisch gebraucht (Hartel a. a. 0. 60), ein Beweis, wie früh- 
zeitig die Vermischung beider Casus bei diesen Stämmen ein- 
getreten ist. 

Ich schliesse hier an 

J Leitqitprjg auf altattischen Inschriften 402, 2. 447, 53 bei 
Kirchhoff. Ji/ei&€/,ug kyprisch auf der Bronzetafel von Dali 
Zeile 21. diaiTtexriq las Zenodotos in Odyssee 4, 477. hierüber 
handelt Roediger de priorum membrorum in nominibus graecis 
compositis conformatione finali p. 49, der einen Stamm difea-, 
in Compositis wie gewöhnlich öifsai-, daraus diei- ansetzt. 
Dieser Stamm difao- ursprünglich divas- liegt auch vor in ev- 
disa-T£QO-g lt. Diespiter hodiernus diurnus u. a. s. Corssen 
Aussprache 1, 232 ff. Fick Vergleichendes Wörterbuch 1, 109. 
Die Erklärung wird richtig sein, denn einen nach dem eben 
erörterten möglichen Dativ Jifei- kann ich mit der Bedeutung 
der Composita nicht vermitteln. Unrichtig ist jedenfalls die Erklä- 
rung von dilrtetrig aus rhythmischen Gründen (wegen der vier 
Kürzen in duTteTsog Tcora/iiow) bei Rzach Hesiod. Unters. S. 33. 

Schliesslich sind noch Fälle zu erwägen, wo dieser Ueber- 
gang in suffixalen Silben eingetreten ist. Ohne Zweifel gehö- 
ren hieher die Nebenformen der femininen Abstracta auf -eia 
und -la. Herodian 1, 202, 7 führt an evoeßia o xal evasßeia, 



88 G. Meyer 

dt-ieXia 'Kai djuslcLa , avvrjd^ia y.al avvrjd-ELCc , -/.anoi^d^la yial xa- 
Y,orjd-eLa, avS-aöia xat avd-ddsia, z6 de df-iad^ia did ßgayßog l 
yQd(f)EzaL, ro ös avögsia öid rrjg u diq)d-6yyov ygärpsi yj naqd- 
doaig. Ausführlicher ist hierüber gehandelt in den Fragmen- 
ten TtsQL OQ&oyQacfiag 2, 453, 4 Lentz. Dort wird gelehrt, die 
barytonierten Stämme auf -€g bildeten diese Abstracta auf -sia 
und -ta, z. B. av^aöia av&dSeia, y.a/iorjd-ia y.ccy.o^d-sia, avvtj- 
d^ia avvijd^eia; die oxytonirten Stämme dagegen bildeten nur 
-€ia in dvalöeia, evyaveta, dfcdd-eia, df-idd^eia. XiyEzai de xai 
7toiriTiy,(xireQOv dvaidla, evysvla, dTvadia, evf.iad^La. ro (xivrot 
a/iiad^la (.lovcog TtaQO^vverai. xal did rov t ygacperat. Ganz ähn- 
lich werden im grossen Etymologikon 462, 14 neben einander 
angeführt d^d-eia und drj^ia, jzoii^tlxcotsqov de öid tov l, cpi- 
loyiegösia q)iloxeQÖia , aiaxQOzeQÖsia alaxQOKSQdia , evTtdd^eia 
svTtad^ia, ev/iid&eia evaad-la, 7tQ0f.i^d-eia TtQOfirjd^ia, cve7teLa 
evETtia, locpeXeia lorpeXla, sv/iidQsia €Vf.iaQLa, dagegen nur otxcu- 
cpeXia KOivcocpslia djLia^ia. Für evcpvta brauche Alexis £V(fV€ia. 
für evtvyia komme £VTv%£ia bei Sophokles vor (F'ragment 882 
Dindorfj. Bei Piaton sind solche Formen auf -ia häufig kri- 
tisch durchaus gesichert (Kühner Ausführliche Grammatik 1, 
706 Anm. 2). cocpslla steht auf der altattischen Inschrift No. 
85, 3 bei Kirchhoff. Ueber die Quantität des l gibt die zuerst 
angeführte Stelle des Herodian Aufschluss. So ist auch alytta 
gebildet von alxrjg = deixsg-; die Länge des l verbürgen z. B. 
Aischylos Prometheus 94, Sophokles Elektra 487. Die Angabe 
von Kühner a. a. 0., dass Aristophanes Ekklesiazusen 664 das 
L kurz brauche, ist falsch, der anapaestische Tetrameter lautet 
Tijg aixiag ol rvTtTovxeg TtöSsv exTiGovaiv , STteiddv. Der Ra- 
vennas schreibt sogar hier ahelag. Ich brauche kaum zu er- 
wähnen, dass die Art der Suffixbildung (aus ea-ia) -eia als das 
ursprüngliche erweist. Eigentümhch bleiben nur die Accent- 
verhältnisse so wie die Verschiedenheit in der Quantität des 
auslautenden a. Man hat vielleicht auszugehen von den Ablei- 
tungen von barytonierten Stämmen wie ard-ddeia von av&ddsa-; 
ursprüngliches avi^dduä oder avd^ddeoiä verkürzte in Folge der 
Entfernung des ä von der Tonsilbe dasselbe sehr leicht, die 
andern Ableitungen von Stämmen auf -eg werden dann in diese 
Analogie gezogen, grade wie die Bildungen auf -lä der Analo- 
gie der übrigen Feminina auf -La von «-Stämmen folgten. Dass 
die Ableitungen von oxytonirten -«(X-Stämmen ursprünglich -eia 



Uebergang von et in t. 89 

betonten, überliefert Choiroboskos in Bekkers Anecdota III. p. 
1314 = Herodian 2, 454, 20: fcoXXdytif, oi l^d^rjvaioL knl twv dia 
Tov -Eia TtQOTtaQO^vxövojv fiaKQOv Tcoiovoi xo a y.al y,aTaßißd- 
tovoL TOV Tovov xttt cpvXätTOvoL Tfjv €L dicpd-oyyov olov dXi]d^£ia 
Tioiviog Kai alr^^eia arrtxwg, uQSia xoivtog y.al tSQSia aTziy-ioq. 
In unsern Textesrecensionen sind solche Formen auf -eia nur 
spärlich belegbar; dvaidslä soll Aristophanes gebraucht haben 
(Fragment 29 Dindorf j , e-vy-leiäv steht bei Aischylos Sieben 
685, vyieiä Aristophanes Vögel 604, rtlovd^vyieiäv 731. Ein 
solches altattisches dlrjd-eiä stimmt zu homerischem und neu- 
ionischem dkr]&sir]. dvaLÖlrjv in einem tetrametrischem Frag- 
mente des Archilochos 78, 5 Bergk scheint weder kritisch hin- 
länglich gesichert noch kann bei seiner Stellung im Verse die 
Quantität des t erkannt werden. 

Im Anschluss an das eben erörterte will ich eine Bemer- 
kung nicht unterdrücken. Bei Homer erscheint Odyssee 24, 251 
degyüjg, 22, 374 yMy.06Qytf]g , ebenso in Hesiods Werken und 
Tagen 311 deoyfr] mit lang gemessenem i. Von St. fsQy- ist 
eine Ableitung -fsQysg- sehr wol möglich, und in der Tat sind 
sowol aeQy^g als auch yia-/,o£Qyt]g aus späteren Quellen bezeugt. 
Davon kann -sgysir] abgeleitet sein; bei Bion 17, 6 ist die 
Ueberlieferung dsQyeirj, von Ahrens freilich in d^yicc geändert, 
ebenso bieten die Handschriften bei Dionysios de compositione 
verborum 24 dgysia, was Schäfer in dqyia geändert hat. Aus 
solchem -ei- könnte das homerische -i- entstanden sein. Ich 
darf freilich nicht verhelen, dass noch einige andre Formen 
bei Homer ein ähnliches -frj zeigen, nämlich dTi/idt]aiv Odyssee 
13, 142 dxo/niOTiri 21, 284 lortr] 14, 159 VTcegoTcXirjOi Ilias 1, 
205 TCQoS-v/iufjai 2, 588 vjtodt^trj 9, 73 'Yjceqrioirjv 2, 573, 
wo sich ein ursprüngliches -eirj weniger ungezwungen ergibt. 
Hartel Homerische Studien 3, 40 fasst die Länge des i auf als 
hervorgegangen aus Verschmelzung mit dem Spiranten jod, der 
sich zwischen dem t und dem folgenden Vocal entwickelt habe, 
eine Erklärung, die physiologisch wol berechtigt ist und auch 
in anderweitigen Tatsachen der griechischen Lautlehre Unter- 
stützung findet. 

Für aus -et- entstanden halte ich auch das -X- der Per- 
sonennamen auf -lag. Fick in seinem Buche über die griechi- 
schen Personennamen Einleitung S. XXVII trägt freihch eine 
wesentlich andere Auffassung vor, indem er von einer 'Steige- 



90 G. Meyer 

rungsform -bi- des kosenden t-Suffixes spricht. Ich halte Stei- 
gerung von Vocalen in Suffixen für unerwiesen und unerweis- 
lich, und es wird darum gestattet sein eine andre Erklärung 
zu versuchen. Die Namen auf -dag gehören zu den ältesten 
der griechischen Sprache (Fick a. a. 0. S. XXXVII). Aus ih- 
nen entwickelten sich einerseits durch den bekannten Schwund 
des zweiten Teiles des Diphthonges vor Vocalen die Namen auf 
-/ag, andrerseits durch Verengung von u zu l die auf -ictg. 
Selbstverständlich war das l ursprünglich lang, und glücklicher 
Weise können wir diese Länge noch in zwei inschriftlich be- 
glaubigten Namensformen nachweisen. Auf der alten kerky- 
raeischen Grabinschrift des Menekrates, die Franz in der Ar- 
chaeologischen Zeitschrift 1846 No. 48 veröffentlicht und dann 
Aufrecht in Kuhns Zeitschrift 1, 118 besprochen hat, steht 
v'iov Tkaofä/o MevsycQccTeog xöde oci(.i(x; und auf der neuer- 
dings gefundenen Inschrift aus Korinth, die in Curtius Studien 
8, 405 abgedruckt ist, steht Jj^eivta Tode oäfxa xov wXeob ttov- 
tog dvaid^g. Dieses Tlaotag und Jj^eLvtag sind sehr interes- 
sante Reste der älteren Quantität. Die Namen auf -log kann 
ich nicht, wie Fick, für älter als die auf -lag halten, da ich 
nicht absehe, wie innerhalb des Griechischen aus -o- a gewor- 
den sein soll; sie sind meiner Ansicht nach vielmehr aus de- 
nen auf ~mg hervorgegangen durch Anschluss an die weitaus 
überwiegende Menge männlicher Nomina auf -og. Der Accent 
in BaXlog z/oXiog jQaziog ^Exiog Qqaoiog KXoviog KXvviog 
'Oötog '^Podlog ^Tiyjog ^tQaxiog ^TQoq)Iog ^x^^'^S TvX'og 0qo- 
viog Xgoiiuog mag ein Rest der ältesten Betonungsweise sein. 
Auf die Länge des i in ^L4(.i(plog Ilias 2, 830. 5, 612 will ich 
hiebei nicht einmal besondres Gewicht legen, da die Bildung 
des Namens nicht ganz klar ist, ebenso wenig wie auf das 
-tojv einiger homerischer Namen, das vielleicht unter einen an- 
dern Gesichtspunkt fällt. Um die vorgetragene Ansicht zu 
stützen, lasse ich einige Namenreihen folgen, die die behaup- 
tete Entwickelungsreihe vollständig aufweisen: 
^iveiag u4lviag ^Xvlag ^l'viog 

^Livreia) l^vxtag l^vxlag 

l4Qioxelag ^QiOTeag L^Qioriag "Agiotig 

Jafxelag Jajui'ag Ja/tuag Ja(.uog Jaixig 

Inschr.v.Tanagra 
Arch.Ztg.33,154 



üebergang von ei in t. 



91 



'Egfielag 'EQiii£ag(EQ^i^gfEQiiuag 




Ggaaelag QQuaiag 




Ogaoiog 


Ilaaelag Flaoeag 


Tlaolag 


ndaiog 


(BenndorfGriech.u.sic. 






VasenbilderTaf.V.no.5) 






JTeid^eiag 


llaid^iag 




Oav €iag 0avag 


(Daviag 


Wdviog 


(Xageia) Xageag 


XaQiag 





Sehr häufig ist das Nebeneinanderbestehen von Namen auf -iag 
und -lag, -log, denen ich, wo sie vorhanden sind, die mit fi- 
Suffix weitergebildeten zufüge: 



yiyad^ag 


läyadiag 




Idyad-lcov 




^Ayiag 


'Aylag 




Idyliav 


lAyig 


i4y.aaag 


l4-KEo!ag 


Axeaiog 




"A^eaig 


l4Xe^€ag 


l4Xsh,ictg 


AXe^Log 


IdXe^lojv 


^AXe^ig 


LiXläg 




"AXXiog 


lAXXlwv 


'!AXXig 


LdvÖQsag 


lAvdglag 




tdvdqlcDV 




Idvd^mg 








"Av^Lg 


lAQLOtiag 


l^Qiorlag 




l4QLarl(av 


^'AqLOtig 


l^Qoeag 


'AQQlag 








Idgref-iag 




Idqtif-uog 


!AQT£f.UtüV 




'Aqimg 


'AQxlag 


"AQXLog 






IdoxXriTiag 


Ao^XriTilag 








Idoxeag 


Aarlrjg 








Avxmg 


Avrlag 








reXeag 


FsXlag 








Jr]f.ieag 


Jafxiag 


/l(X(.aog 


Jafilcov 


Jajuig 


"Eqysag 


'Egylag 








QaQoeag 


Qagalag 


QtQOiog 


QsQalojv 




KaXXsag 


KaXXtag 






KdXXig 


Kivaaeag 


Kivaolag 








KXrjxeag 


KXrjTlag 






KXrJTig 


KXovag 




KXoviog 






Krrjöäg 


Kzrjolag 


KTTjOiog 


KtTjaliov 


Krijaig 


Ko}(.iag 


Kcof-ilag 








Avoiag 


Avalag 






Avaig 


MeyaXeag 


MeyaXlag 








Meyiazag 


Msyiatlag 




MeyiaTUüv 




Mrjvag 








Mfjvtg 


Mi]TQäg 








MaTQig 



92 



G. Meyer 



Mvaasag 


Mvrjoiag 




Mvaalcov 




MolTtag 






MoXniwv 


MolTtig 


Nixiag 


NfKiag 




Niyilwv 


JSlxig 


Seveag 


Bsviag 




Sevitüv 


Bsvig 


^OlvjiiTrag 




^OXvi-utLog 


^OXv/HTt/wv 


"Olv/iiTtig 


^Ovrjoäg 


"Ovaoiag 




^Ovrjauüv 




JTaidsag 


Tlaidlag 








Tleiaiag 


Heia lag 




Uelouov 


TleiöLg 


ÜQu^eag 


Tlga^iag 




nga^lcov 


nqa^ig 


IJvd^eag 


nvdiag 


nv&iog 


nviyiojv 


nz&ig 


2iinag 


^iiuag 






2Lf.i^iig 


^ivvmg 








^Ivvig 


^raaeag 


^raaiag 




^zaoitüv 




J^coaiag 


^woiag 


^toaiog 


2cüai(ov 


2toaig 


TekEvräg 


Telsvvlag 








YßQeag 


'^YßQiag 








(Daiveag 




(DaivLog 




0aivig 


OaXtag 


0aUag 


(DaXiog 




0dXig 


(Dllsag 


OiUag 




(DiXiiov 


(DiXig 


XaiQtag 


XaiQiag 




XaiQicüv 


Xalqig 


XeiQmg 


XeiQiag 









Mehreres minder sichere habe ich übergangen. So er- 
weckt der nach dem Etymologicum Magnum 423, 24 von So- 
phron gebrauchte Conjunctiv sYo) von Wurzel l gehen die Ver- 
mutung, dass das homerische fof-iev aus *€lo/iisv hervorgegangen 
sei, denn sonst hat uo t ; und man könnte vielleicht das eigen- 
tümliche el'r] in Hesiods Werken und Tagen V. 617, das doch 
wol zu Uvai gehören muss (vgl, eben noch Hartel in der Zeit- 
schrift für die oesterreichischen Gymnasien 1876 S. 630) eYr] 
schreiben und hieher ziehen. Doch das ist freilich sehr pro- 
blematisch. Auch l'Kxlvog Falk, das man mit sk. cjaina abaktr. 
Quma zusammenstellt (Fick 1, 55), wäre vielleicht zu erwähnen 
gewesen = ursprünglichem "^yjsivo-g. Das l von \iduo ich / _ 
schwitze (Aristophanes Frieden 85. Frösche 237), "^^ido£_^Hclweissl 
(Hesiod Schild 31)7) darf man vielleicht unmittelbar mit sk7»*~" 
(«eatcJoSchweiss vergleichen. Jedenfalls wird der von Cauer 
Studien 87252 behauptete Uebergang von l in hi für unerwie- 
sen gelten müssen. Die meisten der von ihm angeführten Bei- 
spiele sind im Laufe meiner Untersuchung anders erklärt wor- 
den. l^QKTToveUrjg ist unsicher und, wenn richtig, gehört es 



üebergang von et in t. 93 

schwerlich zmvUr] Sieg, da alle damit zusammengesetzten Na- 
men -vr/.og zeigen (Fick Personennamen S. 128) , sondern zu 
velycog, das freilich als Namenwort sonst nicht vorzukommen 
scheint. Teid-Qaowg und (DXsLaaiog sind als Eigennamen un- 
klar, so bleibt nur das einmal vorkommendeX oA«iCwv , wofür 
ein andresmal oXstcov erscheint. Das Verhältnis der beiden 
Formen, die zu einander zu stehen scheinen wie fxEi'Qcov zu i-ii- 
^wv, zum homerischen loXt'^oveg Ilias 18, 519, muss vorläufig 
noch als ungelöstes Problem hingestellt werden. 

Prag 20. October 1876. Gustav Meyer. 



Neugefundene etruskische Inschriften. *) 

Durch die gütige Vermittelung des Hrn. Dr. Bezzenber- 
ger sind mir einige von Hrn. Dr. Körte auf einer Reise durch 
Etrurien im Frühling dieses Jahres genommene Copieen ganz 
neu entdeckter oder noch unveröffentlichter etruskischer In- 
schriften, darunter eine lateinisch-etruskische, zugekommen, und 
Hr. Dr. Körte selbst hat dann die Freundlichkeit gehabt, mir 
aus Rom noch einen Papierabklatsch von vieren derselben zu 
senden. Da mehrere dieser Inschriften von nicht gewöhnlichem 
Interesse sind und weitergehende Perspectiven eröffnen, so be- 
nutze ich gerne die mir gewährte Erlaubniss, sie hier zu ver- 
öffentlichen und zu besprechen. 

Orvieio, 
n. I. Cippus aus der 1875 ausgegrabenen Mancinischen 
Nekropole im Norden der Stadt. Die Inschrift ist im rechten 
Winkel geschrieben, so dass das zweite i in der Biegung steht ; 
sie ist ohne Interpunction , aber die Worttrennung zweifellos. 
Nach dem gut lesbaren Abklatsch, in Uebereinstiramung mit 
der Copie des Hrn. Dr. Körte, lautet sie: 
f hii lar6ias' uöienas 
„Ich (bin?) (das Graij- oder Besitzthum) der Larthia, Gattin des 

Uthiena." 

*) In den hier mitgeteilten Inschriften ist die Zeilenabteilung durch 
einen senkrechten Strich angezeigt; Buchstaben, deren Lesung unsicher 
ist, sind cursiv gedruckt; ergänzte Buchstaben sind eingeklammert. 



94 W. Deecke 

Schon in meinen Etruskischen Forschungen I. p. 54 ff. 
habe ich nachgewiesen, dass auf /mi^ nicht immer der Nomi- 
nativ, sondern auch gar nicht selten der Genitiv folgt, und 
dass es daher nicht, wie Corssen (I, p. 755 ff.) will, „mich" 
(lat. me) bedeuten kann, mit Ergänzung eines Verbums des 
Gebens oder Machens; vielmehr findet es sich mitunter noch 
von Substantiven im Nominativ begleitet, wie suöi, cana, 
capi, die „Grab oder Besitz, Statue, Todtenlade" zu heissen 
scheinen, und kann es daher nur entweder ein Pronomen im No- 
minativ sein, etwa „ich", „dies" oder das Hülfsverb „ich bin", 
„es ist". Der blosse Genitiv erklärt sich dann durch Auslas- 
sung eines der obigen oder eines ähnlichen Substantivs; der 
Nominativ giebt direct den Todten oder Besitzer oder Geber 
an, und da hierfür die erste Person besser passt, so entscheide 
ich mich lieber für sie, wobei ich die Frage, ob Pronomen 
oder Verbum, offen lasse. Doch will ich bei dieser Gelegenheit 
wieder auf die leider nur aus Lanzi's Heften erhaltene In- 
schrift einer tazza da bere unbekannten Fund- und Aufbe- 
wahrungsortes hinweisen, die bei Fabret ti (C. I. n. 2609, bis) 
läutet 

1) mies'milaröiastr, r— ~-> 
am natürlichsten abgetheilt in(^mi.^s'mi laröias' tr, wo tr 
Abkürzung des weiblichen Familiennamens oder des Namens 
des Gatten wäre. Es fangen nun viele Namen beider Art mit 
tr an, und im letzteren Falle würde die Inschrift im Baue ge- 
nau der obigen n. I entsprechen. Nun ist sie aber im Kreise 
geschrieben, ohne Interpunction (vgl. die Abbildung bei Fabr. 
Gl. I. col. 1172), und so hat Corssen (I, p. 756, nach Lat- 
tes Osserv. sopra alc. iscr. Etr. p. 2), der wegen seines sum, 
sim „ich bin", das esmi beseitigen musste, vorgeschlagen, in- 
dem er das t mit dem ähnlich gestalteten u vertauschte, mi 
laröia surmies' zu lesen, vgl. wegen der Construction unten 
n. III. Er belegt den männlichen Familiennamen *surmi(e) 
nicht, ich kann aber wenigstens einen verwandten weiblichen 
nachweisen in s'urmeönet (Fabr. C. I. n. 894, ossuarium 
von M. Pulciano). Der Vollständigkeit wegen bemerke ich noch, 
dass das e in esmi verzeichnet ist und auch allenfalls ^n a 
sein könnte. Wie dem auch sei, die Inschrift ist von höchster 
Wichtigkeit: wäre die Fahre tti'sche Lesung und Abtheilung 
richtig, so würde esmi (oder as'mi) für den indogermanischen 



Neugefiindene etruskische Inschriften. 95 

Ursprung des Etruskischen schwer ins Gewicht fallen ; auffällig 
wäre dann freilich wieder das vorgesetzte mi „ich". Daher — 
non liquet ! Ich habe diese Episode etwas ausführlicher behan- 
delt, um eine Probe zu geben, wie schwierig und verwickelt bei 
jedem Schritt diese Forschungen sind, und um zu zeigen, dass 
ich gute Gründe gehabt habe, mich bisher möglichst vorsichtig 
zu äussern. 

Um zu n. I zurückzukehren, bemerke ich, dass die 14 in 
grossen Buchstaben über der jedesmaligen Grabpforte einge- 
hauenen Grabinschriften der Mancini'schen Nekropole in Or- 
vieto, die ich im vorigen Sommer sah, alle mit mi anfangen 
(nur eine ist verstümmelt), auf welches zwei Namen folgen, 
ein Vorname und ein Familienname, aber in verschiedenen 
Combinationen. Nur einmal folgt noch s'uöi in 

2) mi larkes telaöuras s'u6i, woraus von neuem her- 
vorgeht, dass, wie ich (Etr. Forsch. I, p. 53) gegen Cors.8en 
behauptet habe,^i.su6ijl kein Verbum sein kann, sondern ein 
Substantiv ist. Audh kann es ferner nicht aW^jy/ua „Weih- 
geschenk" heissen , und hierdurch wird , wie ich ebendort be- 
merkt habe, diese Deutung auch für das verwandte s'uöina 
zweifelhaft. Am natürlichsten heisst es „Grab" oder „Besitz", 
und deshalb habe ich diese Worte oben~~ergänzt ; s'uOina ist 
mit s'u^i synonym oder heisst etwa „Grabgeräth" oder „klei- 
ner Besitz (Kleinod)"; s'utna bezeichnet zweimal den „Sarko- 
phag" (Etr. Forsch. I, p. 53 j. Vollkommen im Bau mit n. I 
stimmen überein (mi -j- gen. praen. fem. -f- gen- norainis viri), 
ausser n. II, noch: 

3) mi laröias rupinas (Manc. Nekrop.). 

4) mi aranöial Äersinas (Architr. v. Orvieto, nach mei- 
ner Copie); Corssen II, p. 619 liest aersina; vgl. unten 
n. V. 

5) mi arn6ial us^s'es' (alterthümliche Marmorgrabsäule 
von Volterra, Fabr. C. I. n. 350, t. XXVI). Ferner mit hin- 
zugefügtem suöi: 

6) mi suöi laröial muöikus (Stein von Busca am M. 
Viso, Fabr. C. I. n. 42, t. V). 

7) mi suti öan^vilus': titlalus' (Grabstele von Bologna, 
Fabr. See. Spl. n. 3- t. I). 

Es geht hieraus hervor, dass diese Art von Grabschriften 
in allen etruskischen Gegenden (ausser Campanien) heimisch 



96 W. Deecke 

war. Ohne mi endlich gehört hierher mit zugefügtem Fami- 
liennamen der Todten 

8) /arOial | vipial | s'alvis (Grabstein von Perugia, 
Fabr. C. I. n. 1905, t. XXXVII, vgl. P. Spl. p. 109; vipial 
steht seitwärts) u. andere. 

Ueber larOias (larOias) neben larOial, s. meine Etr. 
Forsch. I, p. 67, und die Beilage II zum ersten Bande meiner 
Neuausgabe von 0. Müller's Etruskern, p. 463. 

Der männliche Name uöiena ist neu, hat aber Verwandte. 
Der Stamm findet sich nämlich wieder in dem Ehefrauennamen 
utiesa auf einer Urne und einem Ziegel von M. Pulciano 
(Fabr. C. I. n. 867, ter u. u; t. XXXIII), und ist höchst wahr- 
scheinlich in lateinischer Umschrift erhalten im P'amilienna- 
men odie auf einem Ziegel von Cetona (ibid. n. 1018, bis, e; 
t. XXXIV). An der verschiedenen Stufe des Dentals ist kein 
Anstoss zu nehmen: so kommt der weibliche Vorname Oania 
(Öana) in lateinischer Umschrift als thania, tania und dana 
vor, und im Etruskischen selbst wechseln arn6 und arnt u. s. 
w.*) Demnach kann auch der Beiname Otho, den unter Andern 
der aus Ferentinum in Etrurien gebürtige und aus der weitver- 
breiteten etruskischen Familie der s'alvi stammende Kaiser L. 
Salvius Otho führte, verwandt sein, sowie noch näher der 
männliche Familienname otani in der lat. etr. Inschrift 

9) larthia- otanis (Urne von Chiusi, Fabr. C. I. n. 857), 
die fast genau unsere orvietanische Inschrift deckt. — Eine an- 
dere Weiterbildung liegt vor in 

10) lar- utilane I urial (Urne von Perugia, ibid. n. 1885), 
vgl. uvilane, patislane, ucrislane u. s. w.; eine dritte in 
11) ... lias': utimnal | aspesa: (Urne von Siena, ibid. 
n. 440, ter, c), vgl. velimna, recimna u. s. w. Der Namen- 
stamm ist demnach ziemlich weit verzweigt. 

n. II) Grabinschrift an einem Grabe auf dem Grunde 
von Braccardi, östlich von der Mancini'schen Nekropole, 
nach Körte's Copie, interpunctionslos, aber mit sicherer Trennung : 

12) mi laröias tramenas. 
Der Bau ist genau wie in n. I. Auch hier ist der Name tra- 
mena neu; der Stamm aber findet sich vielleicht wieder im 
Sclavennamen Örama im ersten Gol in i' sehen Grabe bei Or- 



*) Vielleicht auch ist das d von odie und dana nur ein entstelltes 
etruskisches * Q- 



Neugefundene etruskische Inschriften. 97 

vieto, also ganz in der Nähe (Fabr. C. I. n. 2033, bis, A, b). 
Zur Bildung vgl. numena, hermena, malamena, den la- 
cus Trasimenus und das vielleicht näher verwandte Öur- 
m(a)na, in lat. Umschrift thormena. 
n. III) desgl., aber interpungirt : 

13) mi lar^ia: hul;(enas: velöuruscles. 

Hier steht der Hauptname, derjenige der Todten oder Besitzerin, 
im Nominativ, wie in folgenden Inschriften: 

14) mi laröia amanas (Manc. Nekrop.). 

15) mi ara6ia araöenas (ebendort). 

15) mi larisa plaisinas (ebendort; ich ziehe diese Tren- 
nung vor wegen plaicane, plascnei u. s. w.). 
Ferner aus andern Gegenden: 

17) mi arunöia malamen^s' (Todtenkistendeckel von 
Siena, Fabr. C. I. n. 451, bis, c; t. XXVHI, vgl. Gl. I. col. 
1101, alterthümlich). 

18) mi laröia kurcenas' (grosser Grabstein von Arezzo, 
ibid. n. 467, ter; t. XXIX; ich ziehe die Lesung mit v statt p 
vor, wegen curvesa ibid. n. 161). 

19) mi larisa a%s (Amphora, orig. ine, im Vatican, ibid. 
n. 2609, t. XLIV), wo Corssen a/is las (I, 764); vgl. das 
grosse Grab der a;(u in Perugia (ibid. n. 1075—81). 

20) mi araOia velaves'nas' u. s. w. (berühmte clusini- 
sche Goldspange, ibid. n. 806, t. XXXII). Ich habe das letzte 
Wort nicht abgetheilt, da es zweifelhaft ist, ob man vel 
aves'nas oder vela ves'nas' zu trennen hat: im ersteren Falle 
wäre vel abgekürzter Genitiv des Vornamens des Gatten (wohl 
nicht des Vaters, s. Etr. Forsch. I, p. 48 ff.) für velus', im zwei- 
ten Falle vela Familienname der ara6ia, wie in einer perusini- 
schen Inschrift Fabr. C.I. n. 1830 (die Inschrift mit mi velaves'- 
nas bei Corssen I, 783 ist trotz II, 639 unecht). Die Entschei- 
dung ist schwer, da weder aves'na noch ves'na als Familien- 
name belegt, beide Formen aber möglich sind: jenes würde 
sich an avei (fem.), aveina anlehnen, dieses an vesi. Ich 
neige mich Letzterem zu, da ich in der interpunctionslosen In- 
schrift eine Abkürzung für weniger wahrscheinlich halte. Der 
Name ves'na ist dann vielleicht auch verwandt mit lat. etr. 
veisinnius (Gori II, 415, vgl. C. I. L. I, n. 1366, clusinisch), 
da e und ei nicht selten im Wortstamme wechseln, und dies 
wieder mit vis'nai, fem. (Fabr. C. I. n. 2327, ter, a; Sark. 

Beiträge z. Kunde d. ig. Sprachen. I. 7 



98 W. Deecke 

von Vulci), vgl. lat. visennius (Wilmanns Exx. Inscr. Lat. 
n. 135) u. s. w. 

21) mi malena laröia puruhenas, auf einem Spiegel 
einheimisch-italischer Fabrication, gefunden zu Sestino in Um- 
brien (Corss. II, p. 631). Der männliche Familienname pu- 
ruhena scheint zunächst verwandt mit dem Ehefraunamen 
purcesa (Fabr. P. Spl. n. 187, clusin.), da eine Aspiration 
des c durch das vorhergehende r leicht erklärlich ist ; auch der 
Vocaleinschub ist nicht selten. Entfernter verwandt sind viel- 
leicht pruciu, fem. pruciunia. Auch der Name einer die- 
nenden Göttin in phrygischer Mütze puri/ auf einem Spiegel 
von Cetona (Fabr. C. I. n. 1014, quat. , vgl. Corssen I, p. 
342) klingt an. Wegen des Lautwechsels vergleiche z. B. die 
dreifache Schreibung einer grossen perusinischen Familie acsi, 
ahsi, a;{si. Die Lautgruppe malena könnte vorgesetzter Fa- 
milienname zu laröia sein, verwandt mit malamena, ma- 
lave, malavinisa u. s. w. , nur wäre die Form wegen Aus- 
stossung des i etwas auffällig, grade wie vela in n. 20; Cors- 
sen trennt daher (nach Gamurrini Bull. d. Ist. 1875, p. 88) 
ma lena und erklärt ma- (etwa für *manal) -- manibus 
sacrum, lena für ein Substantiv mit dem Sinne von „Kunst- 
werk" oder „Grabgeräth". Dies passt aber durchaus nicht in 
die Construction. 

Der Name hul^ena klingt verwandt mit dem Dativ (?) 
6ul;(niesi, in der Inschrift eines von einer Schicksalsgöttin 
gehaltenen Diptychons in dem Grabe der vel/a (Tomba degli 
Scudi) zu Corneto (Fabr. P. Spl. n. 420, berichtigt durch 
Corssen I, p. 565; t. XIX, B, 5), da h auch sonst mitunter 
Schwächung von 6 zu sein scheint, wie in her in i neben 6e- 
rini; doch stört die Formähnlichkeit der beiden Buchstaben 
den strengen Beweis. Vielleicht bildete, wie im Lateinischen, 
der Laut f die Vermittlung, vgl. ferina (Fabr. C. I. n. 876). 
Dann könnte man als lateinische Umschreibung jenes obigen 
Namens (mit Anlehnung an eine bekannte römische Familie) 
fulctni betrachten, im Grabe der anei zu Perugia (ibid. n. 
1091). Ebenso findet sich der Stamm, ohne % oder c, direct 
mit n abgeleitet, wieder in den drei Formen: Ouluni (clusin. 
Aschentopf, Fabr. P. Spl. n. 231); fuluni oder fulni, lat. 
in einer bilinguis folnius, u. s. w.; und huluniesi (dat. 
fem.) in der Tomba dell' Orco, gleichfalls in Corneto (Lattes 



Neugefundene etruskische Inschriften. 99 

T. d. Orco p. 9 ff., vgl. Etr. Forsch. I, p. 33, n. 58); auch 
neben dem zu Grunde liegenden Beinamen fulu kommt wenig- 
stens hulu vor (Fabr. C. I. n. 230, vgl. Gl. I. col. 610). 

Das dritte Wort velöuruscles enthält offenbar eine nä- 
here Bestimmung zu hul/enas, und das schliessende s zeigt 
sich als Genitiv zeichen, wenn man die einzige sonst vorkom- 
mende ähnlich gebildete Form damit vergleicht, nämlich laut- 
nes'cle in der ersten Zeile der grossen Wandinschrift von 
Torre di San Manno bei Perugia (Fabr. C. I, n. 1915, nach 
Conestabile Monum. Perug. IV, t. IV, 3; vgl. Etr. Forsch. 
I, p. 81, n. 229), das offenbar Nominativ ist. Das Suffix -cle 
ferner ist in beiden Wörtern an den Genitiv gehängt, denn 
velöurus ist gen. des Vornamens vel6ur, und lautnes' gen. 
des Wortes lautni „Freigelassener", wofür in einer perusini- 
schen Inschrift lautnes vorkommt (Fabr. C. I. n. 1887, bis, 
b), in einer alten volterranischen lautunis' (ibid. n. 348); der 
Wechsel von e und i ist unbedenklich, ebenso der Einschub 
des u. Das Suffix cle selbst aber scheint verwandt mit clan 
„Sohn", dessen a in der Flexion in e übergeht, vgl. dat. clens'i; 
nom. oder acc. plur. clenar; dat. plur. clenarasi (Dee- 
cke Etr. Forsch. I, p. 34 ff.). Ich kann jetzt auch den gen. 
sg. clens' belegen, durch Vergleichung der beiden Inschriften: 

22) ar- sale* clan- nurziu (Sargdeckel von Perugia, 
Fabr. C. I. n. ITSlTTunT* 

23) fasti* crinti" | sales'' clens' | puia (Urne von eben- 
dort, ibid. n. 1653). 

Die erstere heisst „Arnth Säle Sohn, Nurziu", wo „Sohn" 
die Bedeutung unseres Firmenzusatzes iunior „der Jüngere" hat ; 
während (nurziu oder nurtiu (wie Vermiglioli n. 112 las 
ein Beiname" ist, wäKfsHTein'ncH"'" synonym mit nortinus in ei- 
ner lateinischen Inschrift vonBolsena(Noel desVergers TEtru-j 
rie et les Etrusques, III, n. 66) , abgeleitet von der gerade in 
Volsinii viel verehrten etruskischen Glücksgöttin Nortia, als 
deren Günstling z. B. Juvenal (X, 74) auch den aus Volsinii 
gebürtigen berüchtigten Sejan nennt. Dasselbe agnomen koraraF 
noch in einer clusiniscHen Inschrift vor 

24) Oana- titi- nnrziupif (Thonurne, Fabr. C. 1. n. 724), 
wo die letzten Buchstaben unsicher sind ; ich vermuthe , mit 
geringer Aenderung, nurzius' s d. h. „Tochter des Nurziu" (s 
— se/), wofür ich eine Reihe Analogieen beibringen könnte. 



100 W. Deecke 

Es heisst also n. 23 „Fasti Cvinti, Gattin von Säle Sohn". 
Demnach wird auch das Suffix -cle die Abstammung bezeich- 
nen, und lautnes'cle sich zu lautni ähnlich verhalten, wie 
libertinus zu libertus; velöuruscles aber wird heissen 
„des Sohnes des Velthur". Es ist das Suffix -des angehängt, 
da man sonst velfjurus als nachgesetzten Vornamen zu hül- 
fen as auflassen könnte. — Eine weibliche Form desselben 
Suffixes liegt vielleicht vor in Öuflöicla (auf einer Erzstatuette 
in Rom, Fabr. C. I. n. 2603, bis) neben ÖuplOas, ÖuflÖas und 
öufulöas' (auf Erzsachen von Cortona und Chiusi, ibid.n. 1054 — 5 
und 804). C or s s e n (I, p. 634 ff.) sieht hierin überall Götternamen f 
von der indogermanischen Wurzel [tu bh, tup „schlagen, stos- t 
sen, tödten", allein der Anhalt ist sehr schwach, und es kann] 
auch ein gewöhnlicher weiblicher Name vorliegen, verwandt mit | 
Öupites (Ziegel von Florenz, Fabr. C. I. n. 133, gen. masc.) [ 
und 8upit | ai (Bleitafel von Volterra, ibid. n. 315, in un- 
sicherem Zusammenhang). 

n. IV) Cippus aus der Mancini'schen Nekropole. Die 
Inschrift steht im Halbkreise um die Spitze herum und lautet 
nach Körte's Copie: 

tite : ecnate : turns 
Der Familienname ecnate, und davon abgeleitet ecnatna, 
ist etruskisch nicht selten (Fabr. Gl. I. col. 359, nebst Add. 
u. P. Spl.) und findet sich in Perugia (auch lat. etr. egnatius 
festus, Noel d. Verg. III, n. 27), Chiusi, Siena und Corneto ; 
eine Form ehnatial bei Fabr. C. I. n. 1688, bis. Derselbe 
Name kommt vielleicht auch in einer umbr. gallischen Inschrift 
aus Tuder (Fabr. C. I. n. 86, t. XXI) vor, wo die Lesung at- 
eknati mir immer noch wahrscheinlicher ist, als das Stokes'- 
sche ateknati (ßeitr. z. vergl. Sprachf. II, p. HO; III, p. 68 
u. 8. w.). Bekannt ist ferner die samnitische Familie der Eg- 
natii, aus der Gellius Egnatius stammte, der 296 a. Chr. 
die Etrusker zum Kampfe gegen Rom aufrief, was auf alte Be- 
ziehungen seiner Familie zu Etrurien schliessen lässt. Nach 
dem Socialkriege, in dem sie eine hervorragende Rolle spielten, 
finden wir die Egnatii als Ritter und Senatoren in Rom wie- 
der, und die von ihnen aus dieser und der späteren Zeit erhal- 
tenen lateinischen Inschriften sind zahlreich (Wilmanns Exx. 
Insc. Lat. II, p. 325 führt 21 Personen dieses Namens auf). 
Nach Plinius (N. Hist. XIV, 13 (14), 89j lebte aber schon zu 



Neugefundene etruskische Inschriften. 101 

Romulus Zeit ein Egnatius Mecennius in Rom; und eine 
patricische gens Egnatuleia wird von Cicero (Philipp. III, 
3 u. s. w.) erwähnt; auch kommt eine Freigelassene dieses Na- 
mens auf einer Inschrift vor (Wilm. Exx. I. L. n. 567). End- 
lich gehört hierher die apulische Seestadt Egnatia (abgekürzt 
Gnatia) an der appischen Strasse, die von dort bis Byzanz 
via Egnatia hiess. 

Der Beiname |turns ist ohne Zweifel identisch mit dem 
Namen des berühmten Rutulersl Turnus und dem Vornamen 
des von Tarquinius Superbus geto3teten Tuhrers der Ariciner 
•Turnus Herdonius (Livius I, 50 ff.). Ein Freigelassener 
(Turnus war unter den Flaviern ein angesehener Satiriker . 
(Schol. in Juven. I, 20). — Sollte der Name mit dem der ' 
etruskischen Aphrodite 'Tur an, neben der auch ein gleichnami- 
ger männlicher Gott vorkommt (Corssen I, p. 253— 4), ver- 
wandt sein? Die Mutter des Rutulers'-VSnilia erinnert an die 
VSnus, und seine Gegenüberstellung mit cfem Aphrodite-Sohn 
Aeneas erhielte so eine neue Beziehung. — An Verwandtschaft 
mit Tyrrhenus (Niebuhr Rom. Gesch. P, p. 17) glaube ich 
nicht, da die sprachlichen Bedenken zu gross sind. Ebenso- 
wenig gehört hierher der Beiname Turlnus (nicht Thurinus) 
der ursprünglich tusculanischen Mamilii (es. 239 a. Chr.) und 
des C. Octavius, des späteren Kaisers Augustus, der viel- 
mehr, wenigstens im letzteren Falle sicher, vom pagus Turl- 
nus bei Velitrae stammt (Ellendt de cogn. et agn. Rom. p.5). 

n. V) Desgl., 35 Ctm. hoch, Copie von Körte: 
lar8i" hersus 
Der Name des Gatten *herse oder *hersu, denn beide For- 
men lassen sich nach dem gen. hersus ansetzen, ist verwandt 
mit hersina (n. 4), gleichfalls aus Orvieto; dann aber auch 
wohl mit dem römischen Hersius (Wilm. Exx. n. 762, frei- 
lich erst aus der Zeit des Honorius und zu Kalama in Algier) 
und mit dem sabinischen Frauennamen Hersilia, wie die Ge- 
mahlin des Romulus hiess. 

n. VI) Desgl., 30 Ctm. hoch, Copie von Körte: 
casne 
Es ist wohl ein männlicher Familienname, wie dergleichen nicht 
selten isolirt vorkommen, namentlich in Wandinschriften neben 
der gemalten Person und auf Ziegeln zum Verschluss der Grab- 
nische. In Perugia sind zwei Gräber der casni (gewöhnlichere 



102 W. Deecke 

Form für casne, beides aus *casnie) entdeckt worden (Fabr. 
C. I. n. 1157 — 72 u. 1173 — 80); fem. casnia, gen. casnial 
(ibid. n. 1075—6); auf einem Aschentopfe soll nur casn ge- 
standen haben (ibid. n. 1963, nach Vermigl.). Ebenso steht 
auf einer Amphora von Viterbo (Fabr. P. Spl. n. 381) mit lat. 
Buchstaben nur casnio. Ein römischer Gentilname Casinia 
findet sich vereinzelt (Wilm. Exx. I. L. n. 485). 

n. VII) Desgl., 45 Ctm. hoch, südlich von Orvieto, dicht 
an den Mauern gefunden, Copie von Körte: 

lar6 : velza : pe 
Das pe halte ich für Abkürzung des Familiennamens der Mut- 
ter, wahrscheinlich im gen. auf -al; es giebt deren viele, die 
mit pe beginnen. Als Siglum des Vatervornamens dagegen ist 
pe nicht nachzuweisen. — Der Name velza erinnert zunächst 
an velzeis (Co n est. Mon. Perug. IV, p. 42 n. 21 = 349; t. III 
= XXIX, 10; gen. masc. mit seltenerer Vocalisation, wie an eis', 
aveis' u. s. w.), wenn die Lesung sicher wäre (Fabr. C. I n. 
1848, bis; t. XXXVII hat velzeis). Ferner schon liegt die 
abgeleitete Form velzinas'ia (ibid. n. 1843, Sargdeckel von 
Perugia), doch genügt dieselbe, um den Namenstamm velz- 
sicher zu stellen. Ob derselbe mit velc- (vel^-) oder vels-, 
zwei weitverbreiteten Stämmen, zu combiniren sei, lasse ich 
dahingestellt; doch vgl. Etr. Forsch. II, p. 96 ff. 

n. VIII) Vaso di bucchero (Krug), von mir im Sommer 
1875 in der Sammlung des Grafen Faina gesehen, von Körte 
beim Ingenieur R. Mancini (?). Die Inschrift läuft um den 
Hals und ist ohne Interpunction , die Abtheilung aber zweifel- 
los. Ich gebe unter a) meine Lesung, unter b) diejenige Kör- 
te's, die ich für weniger correct halte: 

a) mi ne mulvuneke laris numenas 

b) mi ni muivun.^e 1. ris numenas 

Das e und a fehlen bei Körte ohne Lücke, das k ist ganz 
undeutlich ; ich habe mir keine Unsicherheit notirt. Die Rich- 
tigkeit meiner Lesung wird aus folgenden verwandten Inschrif- 
ten hervorgehen: 

25) mi neviku muluevneke ar/)as'kamaiv, Aschentopf 
von Chiusi (Fabr. P. Spl. n. 234, vgl. S. Spl. p. 28); ich habe 
dabei die Trennung, wo sie unsicher ist, unterlassen. Corssen 
trennte und las anfangs (I, p. 790) mi nevi tumulu ev neke 
artas ka.maiv; später giebt er (II, p. 640), nach einer Re- 



Neugefundene etruskische Inschriften. 103 

Vision durch P. Nardi, kumulu und kamaia. Dass er das 
Wort muluevneke (ich vermuthe muluüeneke) verkannt 
hat, habe ich bereits in meiner „Kritik" p. 38 hervorgehoben; 
dadurch wird aber auch seine Deutung von nevi = mortua- 
rium hinfällig. Die Lesart -aia dagegen am Schlüsse scheint 
mir wahrscheinlich, und ebenso, dass in ar/jas' ein gen. fem. 
steckt, so dass areas' richtig sein kann. Zu der Construction 
mi ar«as' kamaia sind dann zu vergleichen: 

26) mi- velelias hirminaia, Frontinschrift der Manci- 
ni 'sehen Nekropole, von mir copirt. 

27) mi ramuöas kansinaia, schwarzes Thongefäss von 
Vulci (Fabr. C. I. n. 2184, bis; t. XLI, vgl. P. Spl. p. 111, 
nach Mommsen), wenn nicht -Öa skansinaia zu theilen ist. 

Ebenso findet sich der Genitiv eines männlichen Na- 
mens in: 

28) mi mukis' rapanaia, schwarze Thonschale von Chiusi 
(Fabr. See. Spl. n. 84; t. I). 

Ein weiblicher Nominativ dagegen begegnet in: 

29) mi laröa tartinaia, phallisches Thonamulet von 
Corneto (Fabr. C. I. n. 2333, ter). 

30) mi te« anteia tar^umenaia, schwarzer Topf von 
Chiusi (ibid. n. 808). 

Undeutlich und wohl arg verlesen ist: 

31) hacar(?)/arcanaia, aus dem Grabe der larc(a)na 
zu Chiusi (ibid. n. 501, bis, f, nach Lanzi II, 370 = 299, n. 
111, der auch die Art des Gefässes nicht angiebt). 

Man sieht, dass diese Art der Bezeichnung bei mi gleich- 
falls ziemlich verbreitet war, und auch hier findet sich sowohl 
der gen. wie der nom. der Hauptperson und einzelne dazwi- 
schen gesetzte Wörter. Die Deutung der Endung -aia wage 
ich noch nicht. Das obige kamaia hat schon Corssen (II, 
p. 640) combinirt mit camas (nom. masc, Fabr. C. I. n. 147, 
olla von Florenz). "~ 

Ich kehre zur Hauptinschrift zurück und gebe weitere 
Parallelen in: 

32) mi ni mulveneke vel8uir pupliana, campanisches 
Thongefäss, verloren, und daher nur die lateinische Umschrift 
erhalten (Fabr. C. I. n. 2614, vgl. Mommsen Unt. Dial. p. 
17 u. Note 23). Corssen hat hier (I, p, 546 ff.) aus dem 
richtig abgetrennten mulveneke einen Eigennamen Mulvini- 



104 W. Deecke 

cius gemacht, sicherlich falsch. Das auiFällige velöuir für 
velOur (nom. praen. masc.) zerlegt er in vel Öui r, sehr 
unwahrscheinlich. Der Bau entspricht n. 29 u. 30, nur dass 
hier ein männlicher Name im Nominativ steht. 

33) mi avi/cs' tite^ ... u^sie mulenike, Seiteninschrift 
an dem berühmten volterranischen Grabstein mit dem alter- 
thümlichen Kriegerrelief (Fabr. C. I. n. 355; t. XXVI). Die 
Lesung des zweiten und dritten Wortes ist erst durch mich fest- 
gestellt; noch Corssen (I, p. 775) liest aviivs' tite. In der 
Beilage II zum ersten Bande meiner neuen Ausgabe von Mül- 
ler's Etruskern (p. 443 ff.) weise ich nach, dass avile die äl- 
teste Form des Vornamens aule ist und belege die Form durch 
5 andere Stellen; es schliessen sich daran sehr interessante 
Folgerungen und die Neudeutung einer Reihe von Inschriften. 

34) mi ni kaisie öannursiannat mulvannico, schwar- 
ze Schale von Cervetri (Corssen II, p. 628; t. XXV, 2, nach 
Heibig). Das letzte, von Corssen selbst als undeutlich gege- 
bene, Zeichen ist sicher ein e; wo die Trennung zweifelhaft, 
habe ich sie auch hier unterlassen. Corssen's Deutung mit 
dem schliessenden Mulvanicus ist natürlich wieder irrig. 

Wir haben demnach ein Wort gewonnen, das von der äl- 
testen Form mulvannice theils zu mulvuneke, theils durch 
mulveneke (mulureneke, mit Vocaleinschub) zu muleni- 
ke sich abgeschwächt hat. Dies Wort scheint ein Nomen zu 
sein (kein Perfect auf -ce!), und zwar ein Adjectiv, das in 
n. VIII, n. 25, 32 u. 34 zu neviku (?), abgekürzt ne- oder 
ni- (nach Corssen I, p. 426 u. 546 = nipe, zu vi/tTco), ge- 
hört; in n. 33 zu einem in dem verstümmelten ... u'xsie ver- 
borgenen Substantiv. Jenes scheint demnach ein Thongefäss 
zu bezeichnen, dies einen Grabstein, und mulvannice u. s. 
w. mag etwa, „sepulcralis" bedeuten. Ueber weitere Combi- 
nationen an einer anderen Stelle. 

Der Name numena in n. VIII findet sich wieder in num- 
nas', gen. agnom. masc. auf einer perusinischen Grabsäule 
(Fabr. C. I. n. 1890; t. XXXVII, nicht numunas) und im 
gen. fem. numnal (Fabr. P. Spl. n. 371, manico di gutto 
aus Orvieto). — Endlich laris ist Genitiv von lar, vgl. Bei- 
lage II zu 0. Müller's Etruskern P, p. 461. 

Die Inschrift n. VIII würde also heissen: 

„Ich bin der Grabkrug des Lar Numena." 



Neugefundene etruskische Inschriften. 105 

n. IX) Roher Topf von grauem Thon; darin eingekratzt 
nach Körte: 

miwpial 
Diese Lesung scheint unmöglich. Ich vermuthe mi apial, wie 

35) mi- fuluial (Fabr. C. I. n. 354, schwarz gefirnisste 
Schale von Volterra; nicht f-uluial), und mit Vornamen 

36) mi öan^vilus fulnial (Fabr. P. Spl. n. 469, Spiegel- 
orig. ine.) u. s. w. Der weibHche Famihenname apia erscheint 
auch auf einer clusinischen Urne (Fabr. C. I. n. 579) und hat 
mancherlei Ableitungen und Verwandte. 

n. X) s'u6ina mit einem Namen im Genitiv findet sich 
auf einer Reihe zu Castel Rubello bei Orvieto ausgegrabener 
Geräthe von Terracotta und Bronze, nämlich verschie- 
denen Gefässen, einer Kanne, einer Pfanne, einer kleinen cista, 
einem Candelaber, einem Spiegel. Es wurde Hrn. Dr. Körte 
nicht erlaubt, sie genauer zu besichtigen und die Inschriften zu 
copiren. — Ueber s'uöina (su6ina), das schon etwa 40mal 
auf Bronzen gefunden worden ist, theils mit dem Nominativ, 
theils mit dem Genitiv eines Eigennamens, s. Corssen I, p. 
602 ff., und berichtigend meine Etr. Forsch. I, p. 52 ff. 

n. XI) Eine Amphora mit schwarzen Figuren, bei Man- 
cini, auf dem Boden eingekratzt ar , von links nach rechts; 
wohl Siglum des Vornamens arnö, vgl. 0. Müller's Etrusker 
P, p. 447. 

Viterho. 

Fünf cippi mit ebensoviel Särgen aus Terracotta, in ei- 
nem Grabe zusammen gefunden. Vier der Inschriften sind 
etrukisch, eine lateinisch. Das Grab ergiebt sich als das einer 
Familie rufre = Rubrius. 

n. XII) nach Körte's Copie; die Buchstaben sind flach: 
rufres-l-r-1 | XXXIUI 
Entweder ist hier statt 1-r- ohne Punct Ir zu lesen, oder statt 
r-1 das Wort ril „Jahr". Die Analogie spricht für Letzteres, 
da bei der Zahl des Lebensalters ril, abgekürzt r, fast nie 
fehlt, es sei denn, dass avil(s) oder dgl. dabei steht. Ferner 
ist grade in dieser Gruppe von Inschriften, mit r(il) und einer 
Jahreszahl, die Nachstellung des Vornamens, auch im Siglum, 
üblich , z. B. : 

37) aleöna- Ir | r- XXXXIIII (Fabr. C. L n. 2063) 



106 W. Deecke 

38) aleOnei- Oana-ril VII (id. S. Spl. n. 96) 

39) cumlnas- larö- velus-ril- LXXXIII III (id. C. I. 
D. 2106) 

40) cales : 18 : 16 | vala-ril X (ibid. n. 2102) 

41) vipenas : 1 : Ir | ril- XXXXII (id. S. Spl. n. 121) 

42) als'ina a s r XXX (Corss. 1, p. 285, ohne Angabe 
der Interpunction) 

und viele andere; vgl. auch unten n. XV. Es heisst demnach 
n. XII „Larth Rufre(s), 34 Jahre (alt)/' 

n. XIII) nach Abklatsch 

vel • rwfres | larisal 
„Vele Rufre(s), Sohn des Laris" 
n. XIV) Desgl.; nach Körte's Lesung: 
rufres | velöur | etrrs : 1 :? 
Die dritte Zeile ist leider undeutlich. An eters l[autni], als 
Umstellung von [lajutn eters (Fabr. C. I. n. 1935 = 1988, 
vgl. P. Spl. p. 109) ist nicht zu denken, da der dritte Buch- 
stabe kein e sein kann. Dagegen scheint mir der zweite ein 
a zu sein, und überhaupt die Lesung „larus" am wahrschein- 
lichsten ; hinter dem 1 : scheint mir nichts zu fehlen. Ich 
übersetze 

„Velthur Rufre(s), Freigelassener des Lar," 
wobei 1 für lautni steht, vgl. 

43) vel- sapu- au- 1 (Fabr. P. Spl. n. 170, b) 

„Vele Sapu, Freigelassener des Aule" 

44) 16 : arntni : creice : veizial ; 1 (Fabr. C. I. n. 593) 
„Larth Arntni, der Grieche, Freigelassener der Veizia" 

u. s. w., vgl. Beilage II zum ersten Bande meiner Neuausgabe 
von 0. Müller's Etruskern. Ebendort (p. 461 — 4) findet sich 
das Nähere über den Genitiv larus (laris, s. n. VIII) vom 
Vornamen *lar, im Unterschiede von larisal von laris, lar- 
6al und lar6is' von lar6. 

n. XV) Copie von Körte: 

lemni-rana | vil* XXXV 
Sicherlich ist 6ana und ril zu lesen, mit ganz geringen Aen- 
derungen; aber auch im Anfang vermuthe ich remni, da 
lemni ein sonst unbekannter Name, ohne Verwandtschaft ist, 
dagegen der Namenstamm remn- dreimal vorkommt: 

45) remne (Ziegel von Florenz: Fabr. C. L n. 204, vgl. 
Gl. I. col. 1537). 



Neugefundene etruskische Inschriften. 107 

46) 6ana estnal* remni . . (Fabr. S. Spl. 

n. 126, Aschenkiste im Louvre, aus Chiusi?). Corssen (II, 
p. 632) ergänzt [xvjestnal* remni [s']; ich denke eher an 
[c] estnal, da der Raum für den fehlenden Familiennamen der 
Todten sonst etwas klein wird; statt remni [s'] könnte man 
auch remni[sa] vermuthen. 

47) lat. etr. remnia anni (Fabr. C. I. n. 367, Urnen- 
deckel von Perugia) d. h. „Remnia, (Gattin) des Annius". Auch 
die ane = annius sind eine grosse etruskische Familie, vgl. 

0. Müller Etr. I», p. 475 u. 480. 

n. XVI) Copie und Abklatsch (leider undeutlich), in 
lateinischer Schrift 

q rubrius* \ • ( ' i mogos | • [a]nnos LVI 
Das t ist kaum richtig; allenfalls könnte man It" = lartis 
vermuthen, wie etruskisch oft 16* vorkommt (z. B. n. 40); im 
Anfange der dritten Zeile fehlt v = vixit. Zu mogos als ag- 
nomen ist zunächst zu vergleichen der in n. 28 vorkom- 
mende gen. masc. mukis', der einen nom. *muke = lat. *mo- 
gus voraussetzt. Abgeleitet davon ist mucetis' auf einem al- 
terthümlichen cippus von Volterra: 

48) -^a'suti' I "mucetis'* i cneunas' | lautunis'(Fabr. 
C. I. n. 348, vgl. Etr. Forsch. I, p. 54, n. 123) 

„Dies ist das Grab (oder Besitzthum) des Mucete, Freigelasse- 
nen des Cneuna." 
Hier haben wir den oben bereits (bei III) erwähnten Genitiv 
lautunis' von lautni, mit Vocaleinschub. — Der Namenstamm 
mogo scheint übrigens gallisch, wie denn der eben erwähnte 
*mucete ein Sclave, also möglicherweise ein Gallier war. 
Es findet sich nämlich auf der grossen genuesischen Tafel (C. 

1. L. I, n. 199, Z. 46) der Name Mogo Meticanio Meticoni f 
(es ist nom.), und daneben in einer Inschrift aus Weissenburg 
in Raetien (Wilm. Exx. II, n. 2867) Mogetissae Comatulli 
f Boio, sowie ein gallisches fem. Mogetilla (Zeus Celt. Gram, 
p. 7672, nach den Beitr. z. vergl. Spr. III, 353). Verwandt 
scheint auch Apollini Granno Mogouno (ibid. p. 34^, nach 
Orelli 2000) und deo Mogonti (ibid. p. 8063, brit. Inschr., 
nach Orelli 2026), womit vielleicht wieder der Name der 
Stadt Moguntiacum (auch Magont-) „Mainz" zusammen- 
hängt, der mit dem Moenus „Main" nichts zu thun hat. 

Der Name der Familie selbst nun, rufre, findet sich wie- 



108 W. Deecke 

der im gen. fem. rufrias (Urne von Perugia, Fabr. C. I. n. 
1211), ferner, mit Epenthese des i im gen. raasc. (des Gatten) 
ruifris auf der berühmten Bronzestatuette des Apollo, unbe- 
kannter Herkunft, in Paris (ibid. n. 2613; t. XLIV, vgl. Cors- 
sen I, p. 626). Dann aber glaube ich mit Sicherheit in der 
perusinischen Urneninschrift 

49) caia rusuria acris (Fabr. C. I. n. 1729; t. XXXVII) 
rufvria herstellen zu können: das v ist nämlich ganz deutlich 
und die Haken des s so stark gekrümmt, dass sie sich leicht 
zu f ergänzen, zumal ein Name rusuria oder gar rusvria 
sonst unerhört ist. Die Verstärkung eines f durch v aber findet sich, 
wenigstens in der umgekehrten Form, in demselben Stamme, in 
rufv- wiederholt (Fabr. P. Spl. p. 133). Im Umbrischen er- 
scheint sowohl ein Adjectiv rufro- „roth", als der gen. masc. 
eines Eigennamens Rufrer (t. Eug. VI, a, 14). Ebenso führte 
ein samnitisches Castell in Campanien den Namen Rufrae 
(Serv. zu Verg. Aen. VII, 739), und ein anderer dortiger Ort 
(bei Nola) hiess Rufri Maceria (Cato r. r. 135). Im Lande 
der Hirpiner aber lag eine Stadt Rufrium (Liv. VIII, 25). 
Auch römisch findet sich inschriftlich häufig eine gens Ru- 
bria (Wilm. Exx. II, p. 353, 2lmal), die seit der Zeit der 
Gracchen auch eine politische Rolle spielt (lex Rubria 122 a. 
Chr. über die Wiederherstellung Carthago's); einmal begegnet in- 
schriftlich auch Rufria (Wilm. Exx. n. 1211). — Der einfachere 
Stamm kommt etruskisch in den Formen rufe, raufe, rauhe, 
lat. etr. rufus, ruphus u. s. w. nicht selten als Beiname vor, 
und davon sind wieder andere Ableitungen ruvfi, ruvfni, ruf- 
linal u. s. w. — Dieser ganze Namenstamm ist zweifellos ita- 
lisch und gehörte in Etrurien den unterworfenen Umbrern an. 
n. XVII) Büste, deren Kopf fehlt; Hals und Gewandfal- 
ten sind erhalten. Auf der Rückseite steht nach Körte's Copie 

veltur- larö 
Hier ist veltur die seltnere Form des Vornamens für velOur; 
larO ist abgekürzt aus laröal, wie bei Corssen I, p. 1009, 
vgl. zu Beidem die Beilage II zu 0. Müller's Etruskern I^, 
p. 454 u. 462 ff. 

n. XVIII) Schale mit schlechtem schwarzen Firniss; im 
Innern nach Körte 

vente 
Es steht dies wohl für venete, einen häufigen etruskischen 



Neugefundene etruskische Inschriften. 109 

Familiennamen in Perugia (0. Müller Etr. I\ p. 476), Chiusi, 
Bomarzo, auch Beinamen (Fabr. C. I. n. 1893). Dieselbe Syn- 
cope, wie vente, zeigt bisweilen das fem. ventia (ibid n. 611, 
bis; 919, bis), sowie die Ableitungen ventnei, venOnei u. s. 
w. — Der Name bezeichnet ursprünglich wohl einen „Veneter", 
und auch römisch findet sich Yenetus als Beiname (Tacit. 
Ann. XV, 58; Wilm. Exx. n. 796 u. 2862). 

Castel Musignano. 

Im Garten befindet sich eine niedrige Basis von nenfro 
auf einer Säule (umgekehrt aufgestellt); ringsherum läuft, nach 
Körte, die Inschrift: 

n. XIX) tarnas* larö* larOal* satial' apa- hels'- 
atrs' 

Das a fehlt vielleicht auf dem Stein; wenigstens hat es 
Körte's Abschrift nicht; doch ist sein Ausfall wegen der son- 
stigen sorgfältigen Schreibung nicht wahrscheinlich, und einen 
weiteren Irrthum des Abschreibers werden wir unten kennen 
lernen. Unerhört ist sonst die Form laröl nicht, vgl. z. B. 
Fabr. P. Spl. n. 437 (Etr. Forsch. I, p. 15, n. 7; Müller Etr. 
P, p. 462). Der Name tarnas findet sich wieder auf einem 
grossen Sarkophag von Vulci, also aus der Nähe und offenbar 
derselben Familie angehörig, und zwar als gen. masc. tarnes 
und nom. fem. tarnai (Fabr. C. I. n. 2327, ter, b, vgl. Mon. 
Ined. VIII, t. XVIII). Ich habe über dies ganze Denkmal und 
die seltene Genitivform auf -es vom Masculinum auf -a in den 
Etr. Forsch. I, p. 26, n. 47 gesprochen. — Ebenso gehört der 
Name satial (gen. fem.) einer sehr reichen Familie von Vulci 
an, denn ihr gehörte das berühmte prachtvolle Frangoisgrab 
mit den schönsten bisher gefundenen Wandgemälden Etruriens 
(Noel d. Verg. III, PI. XXI— XXX ; Garrucci Tav. fotogr. delle 
pitture Vulcenti). Ueber dem Haupteingang nämlich steht: 

50) lar- saties- laröial* velsairs' (Fabr. C. I. n. 2167), 
und drinnen ist ein vornehmer Mann im Triumphatorenkleide 
neben seinem mit einem Vogel spielenden Knaben (arnza) ab- 
gebildet, mit der Beischrift 

51) vel- saties (ibid. n. 2166; t. XL). 

Ferner trägt die Leiste eines Grabhäuschens aus Vulci im 
Vaticanischen Museum die bisher noch nicht richtig gelesene 
Inschrift 



110 W. Deecke 

52) eca : iu6i : herins : saties : mancas (Fabr. C. I. 
n. 2181; t. XLI, wo zwei verschiedene Lesungen; vgl. Corssen 
I, p. 591, der herins erkannt hat, aber irrig satils liest). 
Hier ist (an einziger Stelle) der oskische Vorname Heren- 
nius (heirens, Enderis Osk. Form. n. XLII, 7) ins Etruski- 
sche herübergenommen, was innige Beziehungen der satie zu 
angesehenen samnitischen oder carapanischen Familien verrau- 
then lässt. In mancas sehe ich nicht einen Mutternamen, 
sondern Beinamen (vgl. lat. Mancia, Mancinus), so dass 
das Ganze heisst: 

„Dies ist das Grab (oder Besitzthum) des Herine Satie Manca." 
Möglicher Weise stecken die beiden Namen tarna und satie 
auch in einer arg verstümmelten Inschrift von Toscanella bei 
Fabr. C. I. n. 2131=2182; t. XLI, noch von Corssen (I, p. 
591) für verschieden gehalten, der einmal am Schlüsse tar[xna]s 
[l]artiu liest, einmal tar[sa]l[u]s sacniu, vgl. Etr. Forsch. 
I, p. 54, n. 121. Ich wäre geneigt zu lesen: 

53) eca* s'uöi* larfJal : tar[na]s' saiial 

so dass die Inschrift zu n. XIX in der engsten Beziehung stehn 
würde. — Im übrigen Etrurien findet sich diese Familie nicht 
— denn sati Fabr. C. I. n. 967 aus Chianciano ist Verstümm- 
lung von seanti, *seati (vgl. seate) — wohl aber ist die 
Weiterbildung satna, auch sa6na, in Perugia, Chiusi, Chian- 
ciano und anderwärts verbreitet. Römisch erscheint ein L. Sat- 
tius auf einer Inschrift von Cirta (Wilm. Exx. n. 2384), 

Der Beiname apa findet sich wieder auf einer Nischen- 
platte aus dem wundersamen Steingrabe von Cortona, Tan e IIa 
di Pitagora genannt (Fabr. C. I. n. 1040), und es sind_^von 
ihm eine Reihe FamiUennamen abgeleitet, wie apia (s, oben n. 
IX), apeina, apatrui, apaiatru u. s. w. 

Vergleichen wir endlich die beiden letzten Wörter hels'* 
atrs' mit n. 50, so ist statt ihrer wohl sicher vels'airs' zu le- 
sen. Dies hat Corssen (I, p. 333 u. sonst) als *velciarius 
erklärt = „Einwohner von Vulci", was ich aus mehreren, im 
zweiten Hefte der „Etruskischen Forschungen" p. 100 ff. entwickel- 
ten Gründen für bedenklich halte; doch gestehe ich, dass diese 
neue Inschrift, die einem tarnas diesen Beinamen giebt, also 
einem Manne aus einer sicher vulcientischen Familie, seiner 
Ansicht eine mächtige Stütze leiht. 

Die ganze Inschrift bedeutet also: 



Neugefundene etruskische Inschriften. 111 

„Larth Tarna(s) Apa, aus Vulci (?), Sohn des Larth und der 

Satia." 
Der doppelte Beiname stimmt genau zu der ältesten römisch- 
patricischen Naraengebung. 

W. Deecke. 



Zur lehre vom dativ. 

Delbrück hat als grundbedeutung des vedischen dativs „die 
neigung nach etwas hin" aufgestellt (K. Z. 18, 82. cf. 20, 223). 
Danach gilt ihm der sogenannte dativus terminativus als der 
älteste. Dieselbe ansieht hatte schon lange vor ihm Bollensen 
zur Urva9i p. 136 f. ausgesprochen, der p. 137 mit recht be- 
merkt, dass dieser gebrauch des dativs im ganzen selten bleibe, 
obwohl er der ursprüngliche sei. Auch Hattala hatte sich schon 
früher zu dieser meinung bekannt (cf. August Schleicher und 
die slavischen Consonantengruppen Prag 1869 p. 57). Neuer- 
dings hat Hübschmann die frage nach der grundbedeutung des 
dativs wieder angeregt und sie in anderem sinne als Delbrück 
entschieden. Nach Hübschmann (Zur Casuslehre, München 1875 
p. 214) ist der dativ nicht der „wohincasus", sondern der ca- 
sus des betheiligten gegenständes, des gegenständes, dem die 
aussage gilt. Indess Hübschmann ist von der richtigkeit dieser 
ansieht offenbar selbst nicht sehr überzeugt, wie sich aus ver- 
schiedenen stellen seines buches ergibt, z. b. p. 128. 136 f. 
213 f. Dass die indogermanische Ursprache keinen besonderen 
casus zur bezeichnung des „wohin" besessen haben sollte, ist 
an und für sich schon sehr wenig glaublich, und Hübschmann's 
annähme, dass der dativ bei verben des gehens und der beweg- 
ung angeben soll, wem das gehen gilt (p. 221), ist für die 
mehrzahl der fälle nur durch die gezwungenste erklärung halt- 
bar, namentlich in beispielen in denen der dativ zu verben 
tritt, die nicht mit einer praeposition verbunden sind, wie Raghu- 
vamga 12, 7: vanaya gaccha „geh in den wald". Im fol- 
genden gebe ich einige ergänzungen zu Hübschmann's buche 
und Delbrück's abhandlung über den dativ. Hübschmann hat 
bei seiner darstellung von Pänini's casuslehre (p. 143 f.) ein 
sütram ganz übersehen, das allerdings in der Laghukaumudi 
nicht steht, für den gebrauch des dativs aber eines der wich- 



112 E. Pischel 

tigsten ist: Pänini II, 3, 12: gatyarthakarmani dvitiyä- 
caturthyau ceshtäyäm anadhvani. Orterer: Beiträge zur 
vergleichenden Casuslehre des Zend und Sanskrit, München 1873 
p. 29 übersetzt dies: „Beim object der wörter, welche „gehen" 
bedeuten, steht der zweite (acc.) oder vierte casus (dativ) bei 
der bewegung, nicht aber beim wege." Diese Übersetzung ist 
aber ungenau; Pänini's worte besagen nur: „Das object von 
verben, welche „gehen" bedeuten, tritt in den accusativ oder 
dativ bei einer bewegung, mit ausnähme von adhvan d. h. 
ausser wenn das wort adhvan (weg) object ist. Wie von Or- 
terer ist das sütram im Kätantram II, 4, 24 gefasst worden. 
Der commentar sagt dort: anadhvaniti kim | adhväuam gacchati | 
panthänam gacchati | panthänam vrajati | mukhyo s tradhva 
grhyate | d. h. also: das wort adhvan steht hier als repräsen- 
tant (mukhyo) aller „weg" bedeutenden worte. Anderer an- 
sieht war aber Kätyäyana. Er sagte in bezug auf Pänini's re- 
gel (Mahäbhashyam II, fol. 381») : || adhvany arthagrahanam \\ 
Pataiijali: adhvany arthagrahanam kartavyam | iha ma bhüt \ 
panthänam gacchati | vivadham gacchatiti | Pänini hätte in der 
regel sagen sollen: „mit ausnähme von adhvan und seiner Syn- 
onyma; denn der dativ darf auch nicht gesetzt werden bei 
Wörtern wie pathin und vivadha, den synonymis von adhvan. 
cf. Kaiyata : | adhvany arthagrahanam iti | tenädhvaparyäyebhyo 
^ pi caturthipratishedho bhavishyati. | In der von Kätyäyana 
geforderten, im Kätantram adoptirten, weise ist die regel auch 
in der Siddhäntakaumudi P, 283 und bei Vopadeva V, 19 ver- 
standen. Kätyäyana fand an Pänini's regel noch mehr auszu- 
setzen; hier kommt noch sein zweites värttikam in betracht: 1| 
ästhitapratishedhaQ ca H Pataüjali : ästhitapratishedhag cäyam 
vaktavyah ] yo hy utpathena panthänam gacchati pathe gaccha- 
tity eva tatra bhavitavyam | Kaiyata: ästhitapratishedha iti | 
ästhita äkräntah san yadä panthä gamyate tadänadhvaniti pra- 
tishedhah | yadä tütpathena panthä äkramitum ishyate tadä 
bhavaty eva caturthi | Pänini hätte sagen sollen: „ausser bei 
einem wirklich betretenen wege" ; denn wenn man (bildlich) 
sagt: „er geht von einem abwege auf den (rechten) weg", so 
kann auch der dativ stehen, cf. auch Siddhäntakaumudi P, 
283. Im Shatkärakapraticchandakam wird gelehrt : yatra gam- 
yate tatra dvitiyäcaturthyau bhavatah [ tad yathä | nagaram 
yäti sädhuh | nagaräya yäti sädhuh | (Catalog der Berliner Sans- 



Zur lehre vom dativ. 113 

krithandschriften n. 762 p. 217). Den indischen gramraatikern 
gilt also der dativ als terminativus keineswegs als ausnähme, 
sondern durchaus als regel. Auch das klassische Sanskrit, des- 
sen werth für die syntax Hübschmann (p. VI) sehr erheblich 
zu unterschätzen scheint, kennt die construction der verba der 
bewegung mit dem dativ sehr wohl, wie die von Bollensen 1. c. 
p. 137 und von mir: de Kälidäsae (Jäkuntali recensionibus 
Breslau 1870 p. 58 gemachten Sammlungen beweisen. In allen 
diesen beispielen des reinen terminativus findet sich nur der 
dativ des Singulars und zwar vorwiegend nur von der a-decli- 
nation, so vanäya, grhaya, nilayäya, analäya, svar- 
gäya, nagaräya; nur RaghuvarpQa 12, 95 gatrave, 15, 21 
tasmai und Kumärasambhava 6, 1 vi^vätmane. In der be- 
schränkung auf den dativ singularis der a-declination hat sich 
nun der dativus terminativus in einem Sprachgebiete erhalten, 
das weder in der formenlehre noch in der syntax bisher die 
beachtung gefunden hat, die es in reichstem maasse verdient: 
im Pali und Präkrit. Den dativ im Päli hat Ernst Kuhn : Bei- 
träge zur Paligraramatik Berlin 1875 p. 70 f. genügend behan- 
delt. Unter den von ihm angeführten beispielen enthalten nur 
zwei reine terminative: Dhammapadam v. 174: sakunto jala- 
mutto va appo saggäya gacchati: „wenige gehen zum himmel 
wie ein vom netz befreiter vogel", und ibid. v. 311: sämaniiara 
dupparamattham nirayäya upakaddhati: „schlecht ausgeübtes 
asketenthum bringt zur hölle". Beide beispiele stehen in ver- 
sen ; wo der dativ sich sonst findet, ist er stets finalis, worüber 
später. Was das Präkrit anlangt, so lehrt Vararuci VI, 64: 
caturthyäh shashthi: „für den dativ tritt der genetiv ein*'. 
Wie überall, so ist auch hier Heraacandra genauer. Er lehrt 
III, 131 zwar dasselbe wie Vararuci, schränkt aber die regel 
durch das folgende sütram III, 132 sofort ein : || tädarthyaiier 
vä II : „wenn der dativ einen zweck ausdrückt, kann er stehen 
bleiben, oder der genetit dafür eintreten, jedoch nur beim da- 
tiv singularis". Mit ihm stimmt Trivikrama II, 3, 37 überein. 
Beide grammatiker hätten die regel auf den terminativ ausdeh- 
nen und auf die a-declination einschränken können. Ich habe 
sämmtliche bisher nachweisbare dative im Präkrit in der an- 
merkung zu Hemacandra III, 132 gesammelt, kann dort meine 
ansieht darüber aber nur andeuten, weshalb ich sie hier näher 
begründen will. Es scheint mir dies um so nöthiger, als kürz- 

Beiträge z. Kunde d. ig. Sprachen. 1. Q 



114 E. Pischel 

lieh Weber, auf gänzlich ungenügendes material gestützt, es 
unternommen hat, den dativ im weitesten umfange in das dra- 
menpräkrit der prosa, die (j!auraseni, einzuführen (Indische Stu- 
dien XIV, p. 290 ff.) *). Zunächst müssen wir festhalten, dass 
Hemacandra die regel nur für die Mähäräshtri d. h. das in 
Versen gebrauchte Prakrit gibt, das in den dramen sich nur in 
den gäthäs findet. Hier erscheint nun der dativ an zwei stel- 
len: ßalaramäyana 156, 14 und Karpüramanjari 27, 14. Am 
wichtigsten und interessantesten ist die stelle aus dem Bälarä- 
mäyana: rame vanäa calide pidusasanena (lies: calie 
und piu°) „als Räma auf geheiss des vaters nach dem walde 
gegangen war". Dies ist das einzige beispiel, wo ich den dativ 
noch als reinen terminativus im Prakrit gefunden habe. In der 
Karpüramanjari 27, 14 steht er final: nhänäa mukkabha- 
ranoccaäe. Die lesart ist hier aber nicht gesichert. Meine 
handschrift, sowie der in meinem besitze befindliche commentar, 
die ich beide Dr. Burnell verdanke, lesen: nhänävamukkäbha- 
ranujjalae (die handschrift: ^muttä°). Diese stelle fällt also 
vorläufig aus. Wenden wir uns nun zur ^auraseni, so erscheint 
in den ältesten und kritisch herausgegebenen dramen — von der 
^akuntalä sehe ich zunächst ab — der dativ als finalis nur an 

*) Mit welcher Sorgfalt und sachkenntniss der artikel geschrieben 
ist, aeigt schon, dass W. nicht einmal die regel Hemacandra's beibringt. 
Ferner heisst es p. 248: ,,Heraac. 3, 96 kennt zwar tuvatto, aber nicht 
tatto". In dem vollständig richtig citirten sütram wird nun tatto 
nicht bloss von H. erwähnt, sondern H. macht noch ganz ausdrücklich 
eine besondere bemerkung darüber : tatto iti tu tvatta ity asya valope 
sati. Ferner p. 263 soll bewiesen werden, dass sich in bezug auf den 
nominativ pluralis in -äo der feminina auf -ä die texte der bengal. und 
Devanägari recension der ^ak. „völlig die waage halten". Dass die for- 
men käo in der Qak. und Mälavikä, ferner gadäo in der ^ak. 39, 12 
(ed. Böhtlingk), savväo 86, 5 aggahidatthäo p. 78, 17 in keiner 
Devanägari-handschrift stehen, sondern lediglich auf correctu- 
ren Tullberg's und Böhtlingk's beruhen, wird in den kritischen 
arimerkungen von beiden herausgebern ganz klar und deutlich angege- 
ben, von W. aber natürlich nicht beachtet. Ferner p. 266 f. „Der den- 
tale anlaut von sattavanna liegt ausser D (sie) auch in nS vor, der pa- 
latale (chatta") entspricht allerdings der regel des Hern. 1, 265, doch 
heisst nach Hern. 1,49 das wort dann chattivanna." Nun lehrt Hemac. 
I, 49 ganz klar und unzweifelhaft, dass die Verwandlung des a in i zu- 
weilen (vä) eintrete, (eintreten könne), und er führt ausdrücklich an eben 
dieser, von W. citirten stelle, sowohl chattivanno als chattavanno an. 
Mit derselben Sorgfalt und sachkenntniss ist der ganze artikel geschrieben. 



Zur lehre vom dativ. 115 

einer einzigen stelle : Urvagi 6, 20 : tarn jevva vibudhavijaäa 
senämuhe nioedi „ihn gerade stellt er an die spitze des heeres 
zum siege der götter" (i. e. damit die götter siegen). So lesen 
hier alle handschriften und die Calcuttaer ausgäbe (1830) p. 

5, 3, während die dravidische recension p. 620, 2 ff. meiner 
ausgäbe die stelle anders wendet. Ist nun der dativ hier rich- 
tig? Die frage scheint mir nur dadurch entschieden werden 
zu können, dass wir nachforschen, welcher construction sich 
das Prakrit an ähnlichen stellen sonst bedient. Es liegt in der 
natur der sache, dass beispiele nicht gerade häufig sein wer- 
den. Urvagi 80, 17: phuUasamidhakusanimittam gadena . . . 
„durch ihn der nach blumen brennholz und gras gegangen war" 
i. e. um sie zu holen, nimittarn steht hier in allen handschrif- 
ten und der Calcuttaer ausgäbe; die dravidische recension hat 
p. 663, 20 das gleichbedeutende attham. Urvagi 84, 6: jä- 
dametto jjeva vijjägamanimittam . . . eso puttao ajjäe Saccava- 
die hatthe appanä nikkhitto; „der söhn hier wurde gleich nach 
der geburt von mir der ehrwürdigen Satyavati übergeben zur 
erlernung der Wissenschaften" i. e. um die Wissenschaft zu lernen. 
Es steht hier die Umschreibung mit nimittarn ebenfalls in al- 
len handschriften und der Calcuttaer ausgäbe , die ciraälasam- 
gamanimittam lesen; die dravidische recension liest p. 666, 20 
wie Bollensen, der dem scholiasten gefolgt war. Mrcchakatikä, 

6, 9 avasanimittam idha äacchämi; „ich komme hierher um 
(hier) zu wohnen". Mrcch. 16, 5: mama abbhuvavattinimittam 
via avavudam pakkhaduäraam; „die seitenthür ist geöffnet wor- 
den gleichsam mir zu gefallen". Mrcch. 69, 16: imäim däva 
kulaüttajanovavesananimittara viraidäim äsanaim ; „diese sitze 
sind zurecht gemacht, damit sich vornehme junge männer dar- 
auf setzen". Es steht also auch hier überall die Umschreibung 
mit nimittarn, nie der dativ. Im Apabhramga wird in der 
Mrcchakatikä zwischen vers und prosa ein unterschied gemacht, 
wie er in bezug auf den dativ zwischen Mäharäshtri und ^au- 
raseni herrscht. Mrcch. p. 133, 4 steht im verse der dativ : 
cäludattavinägäa kalemi kavadam navam; „zum verderben des 
Cärudatta sinne ich eine neue list aus", in prosa aber steht 
nimittarn: Mrcch. 116, 19 attano vinodananimittam kini pi 
gäi^Qam ; „zu meinem vergnügen werde ich etwas singen" und 
Mrcch. 127, 6 edag^a vaiicanänimittam evvam däva kalai^^am ; 
„um ihn zu betrügen, werde ich so handeln". Anders gestaltet 



116 E. Pischel 

sich die sache, sobald wir uns zu der anerkannt unechten scene 
wenden, die Nilakantha nach p. 177, 3 eingeschoben hat. Hier 
finden wir, bei Stenzler p. 327, 4, in der Calcuttaer ausgäbe 
qak. 1792 p. 381, 8, den dativ tilodaadanaa. Dies wird von 
vornherein gegen den dativ bedenken erregen. Ausser den schon 
von Lassen: Institutiones Präcriticae p, 299 beigebrachten bei- 
spielen für den dativ im Präkrit der prosa, habe ich in der 
anmerkung zu Hemacandra III, 132 noch folgende gesammelt: 
Karpüramaiijari 23, 10* suhäa devassa bhodu sarahisamärambho. 
BurneU's MS. hat hier: suhäa de surabhisamärambho (MS. 
sara°) bhodu; der commentator liest ebenso, hat aber nur die 
Sanskritübersetzung. Gegen ende des dramas kehrt suhäa hodu 
noch einmal wieder; 52, 5* tissä däva parikkhanäa nihido 
hatto (lies: hattho). BurneU's MS. liest: tissä dähaparikhkhinäa 
nihido haththo; der commentator hat: tasyä dähaparixanäya 
nihito hastas. Vrshabhänujä 12, 1^ jam ruccai piavaassäa; 55, 
29b asusamrakkhanäa tarn vi (lies pi) älihia, und 8, 24** vana- 
rakkhäe gacchamha ist ebenfalls der dativ gemeint. Alle diese 
beispiele stammen aus verhältnissmässig jungen und unkritisch 
herausgegebenen dramen. Ich könnte ihnen eine grosse zahl 
stellen entgegensetzen, in denen nimittam oder attham steht 
z. b. Viddhagälabhanjikä 151, 7» ra'idä a mae tuhävatthänive- 
danattham . . . duve siloä; diese stelle stammt also aus einem 
drama des Räja9ekhara, aus dessen Karpüramaiijari ich eben 
mehrfach den dativ anführen konnte. Räjagekhara lebte, wie 
das citat bei Hemacandra I, 166 beweist, jedenfalls vor Hema- 
candra. Mälatimädhavam 43, 15 devadärähananimittam . . . 
änaissadi; 83, 9 kallänasampattinimittam devadäo püjehi u. s. w. 
u. s. w. ; alle diese beispiele stammen aber ebenfalls aus unkritischen 
ausgaben und sind daher ohne beweiskraft. Eine stelle kann 
indess noch als beweisend herangezogen werden. Mälatimädha- 
vam 10, 14: tae vi ukkanthävinodanimittam mähavapaclicchan- 
daam älihidam „von ihr wurde zur Vertreibung der Sehnsucht 
Mädhava's bild gemalt". Hier haben auch alle von Lassen zur 
herausgäbe des ersten aktes des Mälatimädhavam (Bonn 1832) 
benatzten handschriften ohne ausnähme nimittam (p. 10, 4). 
Von 9 stellen, die sich in kritischen ausgaben im Präkrit in 
der prosa finden, haben also 8 nimittam, nur eine den dativ 
in der ^auraseni. Es wird also die eine stelle (Urv. 6, 20) 
unrichtig sein, nicht aber die acht andern. Wenden wir uns 



Zur lehre vom dativ. 117 

nun zu der Qakuntalä, die die meisten Schwierigkeiten bereitet, 
weil die Interpolationen und willkürlichen textveränderungen 
hier weniger handgreiflich sind, als z. b. bei der Urva^i. In 
der Devanägarirecension (ed. Böhtlingk) lesen wir p. 40, 18: 
asamsaam mama sariravuttantovalambhäa ajjä Godami ido evva 
äacchadi „ohne zweifei kommt die ehrwürdige Gautami hierher, 
um sich nach meinem befinden zu erkundigen". Böhtlingk will 
p. 203 uvalambhassa schreiben und so verschlimmbessern 
Monier Williams p. 129 und Burkhard p. 79. Auch die drä- 
vidischen MSS. haben sämmtlich den dativ; die bengalischen 
dagegen lesen sämmtlich nimittam p. 67, 2 meiner ausgäbe. 
Ebenso ist das verhältniss p. 41, 9. Hier lesen alle Devanagari 
und dravidischen MSS. paribhoaa, alle bengalischen p. 68,2 
meiner ausgäbe paribhoattham, Chezy paritosattham; 
Böhtlingk p. 204 wünscht den genetiv und Williams p. 130 
und Burkhard p. 81 haben ihn im texte. In der Mägadhi steht 
p. 74, 8 vikkaäa damgaante und auch alle dravidischen 
MSS. haben den dativ; Böhtlingk p. 245 ist auch hier geneigt 
den genetiv zu verbessern, den auch Burkhard p. 146 wirklich 
aufgenommen hat, während W^illiams p. 220 hier den dativ bei- 
behält. Die bengalischen MSS. haben p. 114, 11 auch hier alle 
attham : vikkaattham; cf. auch 27, 7. Es zeigt sich also auch 
hier wesentlich dieselbe erscheinung, die ich schon früher (Bei- 
träge zur vergleichenden Sprachforschung bd. VIII, p. 139) zu be- 
tonen gelegenheit hatte, dass die bengalische recension der ^a- 
kuntalä mit der Mrcchakatika und Urvagi in völligem einklang 
steht, während die beiden andern recensionen von diesen dra- 
men abweichen. Dass der dativ hier das spätere und unrich- 
tige ist, zeigt namentlich p. 43, 14. Hier haben die Devana- 
gari- und dravidischen MSS. den dativ gunavade, den auch 
W^illiams p. 135 beibehält, während Burkhard p. 84 den gene- 
tiv corrigirt. Dass der dativ hier grundfalsch und lediglich 
eine Sanskritisirung ist, bedarf kaum des beweises. Er steht 
hier weder als terminativ noch als finahs, die einzigen fälle, in 
denen seine zulässigkeit im Präkrit überhaupt möglich sein 
könnte; die bengalischen handschriften p. 71, 3 haben daher 
vollkommen richtig den genetiv: varassa anurüvassa. Da- 
gegen sind Böhtlingk und seine nachf olger sehr im irrthum, 
wenn sie auch an den 3 übrigen stellen den genetiv corrigiren 
wollen ; für den dativus terminativus und finalis ist der genetiv 



118 R. Pischel 

seiner natur nach nicht geeignet als ersatz einzutreten, mag 
ihn Hemac. auch zulassen ; die stelle des terminativs hat im 
Prakrit der prosa der accusativ und locativ, die des finalis 
die Umschreibung mit attham und nimittam übernommen. 
Zweifelhaft kann man über die zulässigkeit des dativs in der 
solennen grussformel sotthi bhode oder bhavade sein, die 
sich mehrfach in der Mrcch. und Urva^i findet. Der dativ 
könnte sich hier leicht erhalten haben , aber ebenso nahe 
liegt die annähme, dass die abschreiber ihn gerade hier aus 
dem Sanskrit übernommen haben. Ich neige mich zu der 
letzteren ansieht. Noch sind zwei beispiele aus der Malavika 
zu besprechen. p. 60, 11 liest Tullberg: niccadakkhinäma- 
siäa, Shankar P. Pandit aber (p. 90, 2) niccadakhkhinä mä- 
sia ; die bengalische handschrift liest daxinäsamae,die Te- 
luguhandschrift T hat verstümmelt nur nitta (sie), Käta- 
yavema liest niccadakkhinä mälaviä und übersetzt nityadaxi- 
nä malavika, Shankar P. Pandit's Teluguhandschrift (p. 155) 
dakhkhinanikkani. Man mag danach beurtheilen, ob Weber 
recht daran gethan hat, die form masiaa unbedenklich gegen 
die bengal. recension der ^akuntala in die schranken zu füh- 
ren; vermuthlich hält er seine conjectur in seiner Übersetzung 
der Malavika p. 102 note 123 niccadakkhinam masiaa, die ihm 
selbst früher nicht klar war, jetzt für unumstösslich richtig, 
was zu meinem bedauern die obige Zusammenstellung der Va- 
rianten nicht gerade übermässig bestätigen dürfte. Die stelle 
ist verderbt und kommt gar nicht in betracht. Anders steht 
es mit °lähaa Malar. 29, 18. Hier lesen alle Dev. und drä- 
vid. handschriften lahäa, die bengalische handschrift D aber 
°lahattham. Auch hier stimmt also die bengalische hand- 
schrift mit der Mrcchakatika ganz überein. Nach dieser dar- 
legung der thatsachen muss ich es andern überlassen zu beur- 
theilen, ob die Umschreibung mit attham „so recht die scho- 
liasten-erklärung für den dativ" sei und ob der dativ „in den 
ältesten draraen, in der Mrcchakatika und bei Kälidasa eben", 
eine besondere alterthümlichkeit sei, in „späteren stücken, wie 
z. b. gerade auch bei dem dänäya im letzten akt der Mrccb. 
eine dergl. dativform eine unbewusste" (natürlich: unbewusst, 
nicht etwa eine fälschung !) „moderne Sanskritisirung von sel- 
ten der Verfasser oder abschreiber" sei. Einmal soll also der 
dativ ein „wirklich berechtigter alter rest" sein, das andere mal 



Zur lehre vom dativ. 119 

derselbe dativ „eine nnbewusste moderne Sanskritisirung". Was 
ist er in der Karpüramanjari und in der Vrshabhänujä ? Wie 
kommt es dass nur die „scholiastenerklärung" mit nimittam, 
der dativus finalis nie, sich in der prosa der Mrcchakatikä findet? 
Wenn also der dativ als terminativus und finalis in der 
prosa sich im Präkrit nicht mit Sicherheit nachweisen lässt, so 
bleibt trotzdem die regel des Hemacandra ganz unangefochten, 
wie ich ja in der that einen reinen terminativ nachgewiesen 
habe. Auch mir gilt der dativ als eine alterthümlichkeit , wo 
er in versen erscheint, wie sich ja gerade in versen bekanntlich 
oft alterthümlichkeiten erhalten haben, die in der prosa verlo- 
ren gegangen sind. Man denke nur an den ganz erheblichen 
unterschied zwischen dem Pali der prosa und der verse ! Ich 
glaube also, dass der dativ im Präkrit und Pali, wo er sich in 
noch weiterem umfange auch in der prosa erhalten hat, ein 
lautes zeugniss für die ursprüngliche bedeutung des dativs als 
„wohincasus" ablegt. Die Übereinstimmung von Pali saggaya 
gacchati Dhpd. v. 174 und Sanskrit svargayotpatita bha- 
vet Urv. V. 72. mit den bekannten constructionen des Latein 
und Griechischen, wie it caelo und avarsivag oigavai xeiqctg 
etc., denen sich das Präkrit mit vanaa calie anschliesst, ist 
sicher ein von ältester zeit her überkommenes erbgut, das die 
dichter treu erhalten haben. Ich befinde mich also gegen 
Hübschmann und andere in Übereinstimmung mit Delbrück, 
Wilhelm (de infinitivi forma et usu p. 25) und Friedrich Mül- 
ler (Grundriss der Sprachwissenschaft I, 1, p. 119 mit anmer- 
kung **), indem ich als grundbedeutung des dativs die locale 
des „wohin" annehme. Aus dieser erklärt sich auf das vor- 
trefflichste und ungezwungenste der im Pali so überaus häufige 
dativus finalis. Ich führe nur wenige beispiele an, die die ent- 
wicklung des Casusgebrauches besonders deutHch zeigen: Jäta- 
kam 67, 28: ayarp dukkarakärikä näma bodhäya maggo na 
hoti „diese askese ist nicht der weg zum Buddhathum"; Jät. 
178, 30 tumhehi yuddhaya na gantabbam „du darfst nicht in 
den kämpf gehen". Ten Jätakas 8, 5 gocaräya nikkhamitvä 
„nach speise (auf raub) ausgehend", ebenso Mahävamso 44, 8 
gocaräya gate. Einen schritt weiter führt uns schon der be- 
kannte Spruch mit dem Buddha seine jünger aussandte : cara- 
tha bhikkhave cärikam bahujanahitäya z. b. Dhpd. 122, 4: „ma- 
chet euch auf euren weg, ihr priester, vielen menschen zum 



120 A. Fick und A. Führer 

heile". So oft der dativ auch im Päli vorkommt, überall steht 
er als terminativus oder finalis. Für das, seine stelle auch im 
Päli schon häufig vertretende, attham hat Childers s. v. at- 
tham genügende beispiele beigebracht, die nicht als „scholiasten- 
erklärung" abgethan werden können, sondern lediglich dazu 
beitragen die ursprünglichkeit und echtheit dieser construction 
im Prakrit der prosa zu beweisen. 

Kiel d. 21. nov. 1876. R. Pischel. 



Die suffixlosen Nomina der Griechischen Sprache. 

IL 
Zum sogenannten ja-Suffix im Griechischen. 

Aus dem im Verlauf der obigen Abhandlung p. 1 jff. ge- 
wonnenen Satz, dass jeder in der Flexion des Verbs erschei- 
nende Verbalstamm ohne Zutritt von Nominalsuffixen ohne wei- 
teres auch als Nominalstamm verwendet werden kann, ergibt sich 
ferner, dass eine lange Reihe von Nominibus, die nach der herr- 
schenden Theorie durch ein nominales Suffix Ja gebildet sein 
sollen, nur die nominalen Vertreter entsprechender verbaler ja- 
Stämme sind : nach der gewöhnlichen Ansicht soll z. B. in den 
Worten ciyiog , oxita , dyysXla , ßaaiXeia lo , la — jo , ja von 
dem JO der entsprechenden Verba atoinaL — ayj'o/iiai, oxitofiev 
= axidj'ojuev, dyyilXo^iBv = dyyeljo/iuv , ßaoiXevof^iev — ßaai- 
Xefj'o/itev ganz verschieden sein, in dem einen Fall soll ein no- 
minales Suffix ja vorliegen, in dem anderen ein abgeleitete 
Verba bildendes Element ja ; dass beide ursprünglich lautlich 
identisch waren, wird nicht geleugnet. Aber beide sind nicht 
blos lautlich, sondern auch ihrer Function nach vollständig 
identisch : dyyakia ist nichts anderes als das als Nomen flectirte 
dyyeXjo , das in verbaler Function in dyyeXjo-ftev erscheint; 
wir erhalten hier an Stelle der beiden Elemente, !des nomina- 
len Suffixes ja und des abgeleitete Verba bildenden ja ein ein- 
ziges stammbildendes Element ja , und die in den folgenden 
Gruppen enthaltenen , mit dem angeblichen Nominalsuffix ja 
gebildeten Nomina sind nur die nominalen Reflexe entspre- 
chender Verbalbasen und gehören daher zu den suffixlosen 
Nominibus. Es ergibt sich hier also das nämliche Verhält- 




Die suffixlosen Nomina der griech. Spr. II, 121 

niss , das oben in den Fällen des angeblichen a - Suffixes 
vorlag (vgl. ^QO-g, f^äxr] , ßoay.6-g neben eqa-f.iaL , (xäxs-tai, 
ßdoY-s-Te). Der weitere Nachweis liegt aucli hier in der ein- 
fachen Thatsache , dass fast überall neben dem nominalen ja- 
Stamm eine entsprechende Verbalbasis vorliegt. Wenn eine An- 
zahl nominaler /a-Stämme übrig bleibt, ohne dass sich ein ver- 
bales Gegenstück aufzeigen lässt, so liegt der Grund davon zum 
Theil darin, dass die Etymologie mancher der hierhergehörigen 
Nomina überhaupt noch nicht genügend aufgehellt ist, anderer- 
seits darin, dass einige der entsprechenden Verbalstämme schon 
früh verloren gegangen sind; endlich aber ist zu bedenken, 
dass, als die in Frage kommende Bildungsweise, besonders bei 
den abgeleiteten Verbis-Nominibus jenen ausserordentlichen Um- 
fang erreicht hatte, den die unten folgenden Uebersichten ver- 
anschaulichen werden, die Bildung selbst allmählich frei ge- 
worden ist, und dass man alsdann in Anlehnung an die mas- 
senhaft vorliegenden Muster das nominale Gebilde bisweilen 
schuf, das verbale Gegenstück aber nicht ausprägte: potentiell 
liegt freilich neben jeder nominalen eine verbale Bildung. 

Die folgenden Gruppen sollen zeigen, in welchem Umfang 
bis jetzt ein besonderes nominales ja-Suffix geleugnet werden 
muss. Zunächst geben wir die Beispiele primärer Nomina, ne- 
ben denen sich identische verbale ja-Stämme finden , geordnet 
n^h dem dem ja vorangehenden Laute : 
/ afi^.]l^]Ail^ßtof.ittL ==""'(S7w*TMÄ4ver ehren. 
I lO^-dürre: a^o-fiEV dörr^ös" "^"^.. 

xskccQvta krächzend: -/.elaQvto-iiiev lärmen. L w a,.<^^ 

(xvj^-g scl^ji^ig: jivl^fi^fiEV sc)ia^5'en. i / '•' ' *^ ''"'^^li&L» 

xo^rtbf Schnupfen: ahd. räzan (j.uej-tC-), vgl,, J»9«pr^* CXJ 

tayihip'Cja. krächzend : XaxsQv^-/ii6v krächzen. ^,. ■* 

Jtdtß (= fxäyyja.) Tei(^: aäßis^if^fißii,^;''^^ kneten. ^' J\/ 

jia^og (— f.iadjo-q vgl. f.iaot6-g) Brustwarze: vgl. lat. madeo. Q (^\ 
lob] Geruch: oCo-fuev riechen. 
^^iCa, Tce^og, rcediov : skr. pädya-le*). 

TtXdywg quer: TiXdto-fxBv = TtXayLO-uev. 
/^t&KWurzel : ahd. nft7»^-w. __.*—-—*"■ 

<Txt;ta (= Oüvdja) Brunst: oy.vLo-jxai (= axvdjo-inat). 



*) „71(^6- Fussgänger, das vielleicht unmittelbar zum altindischen 
pädyatai er geht, gehört" L. Meyer Vgl. Gram. II. 402. 



122 ^4/"^% A. Fick und A. Führer 

CortiCa ( — aTCiyyj'a) Fink: GTti^o-f^iev (— OTtLyyjo-i.iEv) pipen. 
Ä ■ i ^y^^^'^ (~ axiSjcc) Scheit: axito-f.isv (— o'^^iöjo-f.iEv) spalten. 

^\a)vta (—^cpvyj'a) Flucht: Ttecpvtöveg, \sit. fugio. 

ßdelXa ( =ßdeXja) Blutegel : ßöaXlo-f.iEV ( = ßöaXjo-/nev) saugen. 
_ /9-aXX6g {= -O-aXj'n-g) Zweig: d^äXXo-f-iEv {^= d^aXjo-f.iBv) blühen. 

""'****•- {y.etXiQy LieBösgabe : lit. m?/^^ idf-'-iiefe^ 

(.ivX\o-g Y^lva: i-ivXXo-^isv molQYQ (^ coire). 

•^ niXXa. Melkeinier: Basis TteXj'e- lat! pleo. 

(pvXXo-v Blatt : {pXoLO-[.iev — qtoXjo-iiEv schwelle vgl. lat.jTo/m-m. 
(.laiQct Hundsstern: /^lagio-^sv fiebern. 
"^^^agfii^^ßQ-g schiriftmernd : /LiaQJtm^o-f^sv ^«lynhH^n. 
""•mm ^legjtiiQto-g bedenklich: fiEQ!.ieiQO-f,iev sorgen. "^ ^., 
fLiolga Geschick: /nEiQO-iiiai. 
^^'''»»»mtTtEtQa Versuch, su-tteiqo-q: \a.t.ex-pe?'io-r. 
Oä>^^ ^^^i^^^!^«.§pitze : TtEi^ts^iEv dmTühJaQh^s^. ■m^^ 

^y ,^ ^"^OQfpVQoXj^ TtOQCpVQj'a): 7T0QCpVQ0-]hi> {— 7tOQrpVQJO-/ilEV). 

-r P i-> T öTTTfif^a Gewundenes, OTtslgov : gtceiqw (Gram.). ^ 

gteIqu, otsQEo-g = azsQQO-g : lit. \sfyrtu starr sein. ^'S.^^K^ 
ißrjxia Husten : ßrjooo-^isv ( = ßrjxJo-f.iEv) husten, y**^ 
tßvoao-g vgl. ß^aoa (— ßrjd-Ja) : lat. fodio. ■'' 








mettern. 
acerra (xccXv/itfia XEcpaXrjg yvv(xiv.Eiag Hes.) : aarzo-^iEV, lat. sancio. 
QL'Kia Fieberschauer: cpQiaao-iiiev. 
j Q ,/^ if\ ^^ccioyvvy (— aloyvvjrj): aioyvvo- f.iEv (= alaxvvj'o-^iEv). 
ocfxvva (— dfiivv/a) : af.ivvo-(.iEv (= a/nvvj'o-f^iEv). 
df.i(pig-ßaiva : ßaivo-f.iEV. 
evd^vva, Evd-vvo-g: Etä^vvco. 
yiXfvt] (— '/.XivjT]) : y.Xtvof.iEv (= -^Xivjo-^iEv). 
jiiavia, Svg-fxatva: /tialvo-f-tai. 
fioXvünrj^ Arsch: fioXifvo-iiiEv (— (.ioXvvjo-(.iBv). 
afeivo-geug: axEivo-f^iEv drängen. v,^^^ 

"*!!^i^ (^-'-«;ßptJ7^"-Quifl : 'tpQv'vo-f.iEv {Tt>^j^n-fi9tQ. 

dy.ov^ {— dyiovj'rj) : d'/.ovo-/.iEv' i=:^ dy.ovjn-(i&^. 
— OQEiri Fluch, dgalog verfluchend : dgao/iiai ( = dQajn-(.iai) fluchen. 
^''' -^Mt^i ß''^}^ gevv^altsam: ßido-fiev (= ßiajo-jUEv) zwingen. 



N 



Die suffixlosen Nomina der griech. Spr. II. 123 

a/ncpL-dea (-deja) Band: d/ng)i-d€o-f.iev {-6ejo-(.iev) umbinden. 

ellv6-g Schlupfwinkel: elXvo-fuv {-. eiXvjo-fiEv). 

^t;m, i9-üawolriechendesHolz: d-vio-(iev,d^vo^iev, vgl. latJ\«M5-/?o. 

Ttv^-Y-airi Scheiterhaufen: y.alo-/iiev (= yi.acjo-(.iev). 

y(.XoLO-g att. '/.htjo-g = yCkofjo~g : yileio-fiev, TiX^o-fiev (== xAe- 

fio-fxev, xXriJ^LO-(.iev). 
fiveia Erinnrung: f.ivto-i.i(Xi (= f,ivsjo-^ai). 
itXslo-g, sju-rrXeio-g : Isit. pleo/ germ. ßöj'a. 
7^f/^,Welde: Basis tto^ aus tiois in Troifujv ■= lit. pe'mü, yrco. 
Tzvö^^i^— mjfü-^) Eiter: ötarrvo-uev, vgl. skr. pß.y<t^te. \ 
q)loi6-g Rinde: cplolo-i-uv schwellen. ««.w,.«,^ 

X^a (= ;f£/«a)1iöfelej^ahd. <7i!W^^ klaffen lat. fovea 
XQua (Not) XQ^Xo-g dürftig, d-xQstö-^g: xQ^o-^iai. 

Aus den gegebenen Beispielen sieht man, dass das j des 
dem Nomen sowol wie dem Verbum zu Grunde liegenden Stam- 
mes vielfach im Nomen eine andere Behandlung erfahren hat 
als im Verbum: während es z. B. in ayiog , fiavia, fiveia zu l 
geworden ist, ist es in den entsprechenden Verbis a^oiuai, (.lai- 
vofiai, fiV€Of.iaL entweder mit dem vorhergehenden Consonanten 
verschmolzen oder in die Stammsilbe übergetreten oder gar 
ganz geschwunden. Meistens allerdings ist bei den primären 
Stämmen die Behandlung im Nomen und Verbum dieselbe 
{oxiCa : axiCio) ; bei den abgeleiteten dagegen , zu denen wir 
jetzt übergehen und bei denen die in Frage stehende Bildungs- 
weise ihren hauptsächlichsten Sitz hat, gilt die fast ausnahms- 
lose Regel , dass j im Nomen als t erscheint , im Verbum aber 
ausfällt ; nur in einigen wenigen Nominibus ist das j ebenso 
wie im Verbum ausgefallen (dtoged : dcoQ€o-f.iai , slkeo-g Darm- 
verschhngung eilf.o-f.iev, loxeo-g Hinterhalt: vctv-Xoxio-fiev). 

Zunächst folgen diejenigen abgeleiteten Nomina mit ihren 
entsprechenden Verben, denen consonantische Stämme und 
zwar Ij solche auf / zu Grunde liegen. Das im Nomen er- 
scheinende eia. (etov) = efia entspricht verbalem eve == e/je : 
ayyageia : dyyaQevto dyioteia : dyiatevo) 

ay-KLOTQeia : dyiiioTqevü) dyveia : dyvevco 

JtQog-, v7t-ayoQsia : TtQog-, vjt-ayoQevoi 
ayvqreia : dyvQTevio dyxtoteia : dyxiotevco 

TtQO- aytoyeia : -evoi dXatoveia : dXatovevofiai 

alr]TEi'a : dhjtevio dfia^eia : dfia^evco 

dv&Qaxeta : dvd^gayievw 



ÖC^ 



124 A. Fick und A. Führer 

dvd^QOj/reiog (rjiog, ion.) : dv^gtoTtevo^iai 
aQÖeia : agdwco dgeazEia : dgeoKsvw 

dgiateia : dgLorevo) dQxrela : dq^Tsvio 

TtaxQL-aQXBLOv : TtaTQtaQxevo) 

aarcakiela : do7taXievo(.icxi dotoTela : dowTEvofxciL 

drfXEVEla : dT/iisvsvcx) ßaf.ißay.eia : ßa/ißa-nevio 

ßaaileia, ßaalXeiog : ßaailevco 
ßiOTsia : ßiorevü) ßXayiela : ßXaxevio 

ßqaßeia : ßqcxßevü) yorjzela : yorjTsvo) 

yoveia : yovevco 

yqui-if-iaTeia, vjto- : ygaf-ifidTsvio, vxto-, 
yv/iivrjTsia : yvfxvr]tevw dairgeia : daiZQevo) 

daxpiXeia (Plut. so statt daiplXeta) : daipcXernftat, 
öex-arela : öezarsiti) 
ÖEOTtOTELa, deOTCOTELOg : öeotiotevo) 
dizTVEia : (ömTvevg) ÖLcpQEia : öupQSVO) 

dovXEia, öovXsLog : öovXeiho öwaaTEia : dvvaGxevto 
i(f-, Ttaq-, TtQo-, TTQog-, avv-EÖQEia, aw-idgiov : scp-, TtaQ-, 
TtQO-, Ttqog-, ovv-eÖqevü} 

ElXlüTELa : ElXtüTEVÜ) ElgiOVELa : ElQ(x)VEV0f4at 

STtiTtjÖEiog : ErtirrjÖEvo} STtLXQonEia : ertiTQOTiEVü} 

egyazEia : iQyavsvo/xai, egid^Eia : EQid^Eto) 

EQfxrjVEia : EQf^irjVEvo) riyE(.iovELa : rjyEfxovEvw 

rjVLOXEia : rjVLOyßvo) d^E^uGxela : d^E(.uöTEV(a 
■d-EQaTtela, 7t qo- : -d^EQüitivoj, ttqo- 

iyrjTsia : &r]T£vo) d^iaoEia : d^iaoEvo) 

d-Qi]GKEia : d^Qr]ay(,EV(x) ^giafißsla : d^Qiaf^ßEvo} 

d^WTtEia : d^cüTTEvo) laxQEia : laTQEVtü 

iSiütTELa : IdicoTEVo) lEQazsia : ugaTEvo) 

IXETEia : IXETEVO) UlJtEia, htTtELOg : IrCTtEVO) 

lyvELct : lyvEvoj -/.aXXiorElov : 'KctXXiaTEva) 

yiaTrrjXEia : ■/.amqXEVix) /.aquEia : xaQTiEvco 

TCEga/uEia, XEgd/iiEiog : AEgaf-iEvio 

xrjdEia, XTjÖELog : y.rjdevio '/.r^TtEia : nrjTtEvio 

'/.r^QvxEia : -^rjQvxEviü ^rjrEia : TirjTEVto 

y.ißdrjXELa : XLßdiqXEVijo ■Kif.ißLY.Eia : y.LinßixEVOfiat, 

'AivaLÖEia : xivaLÖsvo/iiaL nXaöeia : xXadEvio 

xpEvSo-ycXrjvEia : \pEvdo-KXrjTEVü) 

y.X(D7tEla : KXtortEvü) KoßaXEia : Y.oßaXEV(D 

x,oöofiEia : (Y.odo(.ievg) y.oXay.Eia : yioXay.Evco 



Die suffixlosen Nomina der griech, Spr. 11. 



125 



■KOl-ixpeia : xof.L\pevco 

nvßela : y.vßevio 

xvQTeia : xvQTev-r^g : zvqtsvq 

y.(üq)£ia : y.co(pevtü 

Xayvsla : Xayvevoj 

kaxQBLa : XarQi.v(ji} 

XEG^riveia : XeaytjVEvo) 

Xif^ßeia : Xif.ißetco 

kiravela : Inavevco 

Xoyeia : Xoysvio 

XoxELa, Xoxeiog : Xoxsvto 

(layeia : [AayEvoi 

liiad-rjtsLa : fxad^Tjrstoj 



XQVTtreia : Y.QV7ttevo} 
xvQisia NT. vgl. ■kvqlsvoj 

Xaßgeia : Xaßgevof^ai 
XajuvQELa : Xaf.ivQBvof^iai 
XaxccvEia : Xaxctvevofxai 
XrjGTeia : XjjOTtevio 
Xif-ivEia neben Xi(.ivevoig 
XixvBia : Xlxvevo) 
Xoyiazelcc : Xoyiarevo) 
jLiayyavEia : (layyavsvco 
IxayEiQSiOv : /naysigEim 
fiaisla : ^laiEvofiac 



f-iavTELU, {.lavTEloq, Ttqo-, vdqo-, xptjcpo-, ipvxo-/iiavTEla, j^avteiov, 
ipvxo-^aviEiov : fiavTEtOfiai, jtQO-i^avTevo/iiaL 



(MaOZQOTTELa : (.laOTQOTtEVU) 
(.lEOlTELa : flEGlTEVCü 

fivrjUTEla : f.ivr]GT€vco 
[xoGXELa : f.ioGX£vo} 
vEavLEia : vEavLBvo(.iai 
vrjGTEia : vrjGTEvo) 
:rtQO-vo/iiEia : 7tQo-vo[j.Evo} 

VVKTEQELa : VVXTEQEVO) 
^EVLTEia : ^EVITEVCÜ 



f.CEQlTELa : UEQlTEVOfiai. 

/iiEvaXXEia : /^isTaXXEvu 
ftOLXEia, f.ioixELog : (xolx^vu) 
f.ioxX€ia : ^oxXeviü 

VEOGGEia : VEOGGEVO) 

voS-Eia, vod^Eiog : vo&evio 
voGTjXELa : vogtjXevü) 
vvxeia : vvxevco 

^vXsla : (^vXevg) 



oÖEia : oöevo); s^-, evqv-, scp-, gw-oöelu : i^-, 8(p-, avv- 

OÖSVCO, EVQV-ÖdsLOg 
OLY-ETELa : olxETEVO} 6/iirjQELa : 6/^r]Q£V0J 

OTtXlTELa : bnXlXEVOi STt-OTtTEia : STt-OTtTEVtO 

i(p-OQEia : E(p-OQEVO) 

OQVLd-Eia, OQvid-Eiog : oQn^Evo) 

OGGEia : oGGEvo/iiaL oxEicc : oxevoj 

OXETEia : OXETSVIO 

TtatÖEia, TtaiÖELog, TTQO-rcmdELa : Ttaiöevio, Ttgo-Ttaidevta 
TraXXaxEia : 7taXXay.Evo/.iat 
TvagO^EVELa, Tcagd^svELog : Tcaqd-BVEVü) 

TtaZQiOVEia : TtaTQCOVEVO) TtELQaTELa : TtEiqaTEVO) 

TtEQlGGEia : TtEQlGGEVO) TtEGGEia, -ElOV '. TtEGGEVÜ) 

TtrjXa/nvösla, TtrjXa/nvdEiov : TtrjXafivÖEvo) 

TcXiv&Eia, -Eiov : ^rXivd^svw 

TtoXiTBia, Gv^-rtoXiTEia : rtoXitEvio, av/urtoXiTevü) 



126 



A. Fick und A. Führer 



nojitrrsia, rcqo-, OLro-Ttourcsia, Tto^iTteiov, ipvxo-Tto/iiTtelov : 

TCOf-inevio, 7TQO-7rof.i7teva) 
/tOQeta, Ttovto-, TtQO-Ttoqeia, nogslov : Ttogevco, tvovto-, tvoo- 

rcoqevto 
TtOQ&fiEia, -eiov : 7tOQd-(.is{io TtOQvsia, -slov : Ttoqvsvonai, 
TtQayfiaTEia : Ttgay/narevo^ai itgsoßsia, -eiov : nqeaßevoi 
TTQsaßvTEQeiov : rtgeaßvTevtt) 
Ttfjoßarela, rtgoßdreLog : TtQoßat&vo) 
TTQVTavela, -eiov, eiog : TtQvravsvto 
TtQcoreia, -slov, elog, rpiXoTtQcorsia : Ttgiotevo), cpiXo-TtQuyvevia 

TTVQsioV : TCVQSVÜ) TtVQaElU ', TTVQaeVü) 

TttoXsia, 7t(6letog : TtcoXevw Qaq)£iov : {Qctcpevg) 



QVTCUQia : QV7taQEVO(.lOil 

aayrjvEia : aayrjVEvo) 

aaXEia : aaXEi'co 

aidrjQEia : aidrjQEvo) 

GiTEia : aiTEVü) 

ayiacfEia, OY.aq)Elov : a^acpEtcD 



QTjTOQEia : qr^TOQEVO) 
QtüTtEloV : QCÜTrEVCO 

aaXaxcüVEia : (TaXayiCüVEvio 

aaTQaTTEia : aatgaTtEvo) 

aii-ißXrjiog : aiinßXEvcü 

a'AttXEia : axaXEvco 

ayiEXETEia : ayiEXETEvoj.iai 

aT/LigacpEia, oxiQacpElov : ay-igacpsvo) 

O'KvXav.Eia, oxvXa'KEiog : ffxtJÄaxft'co 

GxvXELa : axvXEvco axvjiivEiog : axvfivEvo) 

ayivTEia, ö'^vteIov, a^vtstog : oy-vtevu) 

afniXsla : afXiXExxa aocpiaTsia : aocpiaTEvco 

arißEia : arißEvoj 

OTQayyEia, atQayyElov : OTQayyEvco 

argavEia : oxqaxEvw 

aiio-, ETIL-; ovöTQaxEia : drto-, E7ti-, av-oxqaxEvio 

axQaxoTtEÖEia ; axQaxoTtsÖEVco atoQEia : ocüqevo) 

xaysia : xaysvco 

xa/uiEia, xat-UEiov, TtQO-xafiiELOv : xa/nLEvu), ^QO-xa/xietaa 

xagi^Eia, xaQixEiov : xctoi^Eviti xaq^rfiog : {xacpEvg) 

xafpQEia : xacpQEVo) 

xEnxovEia, xexxoveIov : xexxovevco 

XEv&ela : xEvd^Evo) XEQaxEta : XEQaxEvojuai 

XEQ&QEia : XEQO^QEVOjUat XEXVLXEia '. XEXVIXEVIO 

xi-d^aaeia : xL&aaEvo) xi&ijvEia : xiS^rjvEvto 

xiixrjXBla : xifirjxevo} xtx&tia : xixd^ivw 

XOf.lEloV : XOflEVü) 



Die suffixlosen Nomina der griech. Spr. II. 127 

To^sia : TO^svio TOQEia : xoqsvio 

TOQVEia : TOQvsvio TQajve^iTsia : TgaTTsCiTevio 

TQLTEiog : TQiTevü) TQog)elov : TQOcpevio 

TVf.ißeia, TVf.iߣing : TVfißevai tvquvveXov : TVQavvevco 

tvQeia : TVQevco vögsia, vÖqeIov : vÖQSvto 
VTcaTEia, vTtaTrjiog : vTratEvo) 
(paQ/iiaxEia, (pag/itaKElov : q^aQ^ia^ievo) 

7TQ0-, VTtO-cpt^TEia, 7TQOCf1]T€lOV l JtQO-, VTVO-fprjTEVO) 

q)X£ÖovEia : (pXEÖovEva) (pvyaÖEia : (pvyaÖEvio 

cpvTELa : q)VT£vo) cpioXEia, (pcolEog : (pcoXEvu) 

%(xkv.ELa, "/ah/.Eiov ; yaXv.Evt} lEqoEia : x^qoevcd 
Xi]QELa : x^QEVo) yrrjTEia, xrjXELog : (xrjTEvio) 

olvo-xoEia : oIvo-%oevü} X^?«^'«) XOQElog : x^Q^fa 

XV(.iEia : ;rj;^£Dfftg /wAe/a : xwA«t;w 

XCüVEia : %ft»'£i;w ipvxQiCc : ipvxQEVo^üL 

Hieran reihen sich II) diejenigen Nomina mit den gegen- 
überliegenden Verben, die von Stämmen auf Eg abgeleitet sind; 
im Nomen erscheint ek-lo = sia = Ja (letzteres seltener), im 
Verbum ek-je = ee : 

yi£VE-,x,Ev-ayyia : KEVE-ayyaco {yiEvayyi]g) 

Xijii-ayxlcc : XifiayxiO) 

dv-aiÖEii], alöolog : alöeofxai, av-aiÖEO/iiai 

aifxo)dia : ai^iiodsiü {aif.iiüörjg) 

Ttav-dxEia, Ttav-dxEiog : 7iav-aY.E0f.iai (lyg) 

TioXv-dvd^Ea : dvd^ioi {noXvavd^rjg) 

avt-, Öl-, 87t-, oXty-aQXEia, aiT-agy.ia : avT-, öi-, 87t-, oXiy-, 

aiT-aQY8(jü 
ccQrEfxia : agTEfuco {dQTE(.i^g) dasXyEia : aoEXyso) (doEXyijg) 

dxQEXELa : dTQEy.8C0 {dTQEKTjg) 

dvT-, öl-, d^v-, 7tEQi-, ovv-avyEia : dvx-, öi-, 7tEQi-avy8(o 

{dvT- u. s. w. avyiTjg) 
■Kaqrj-ßaQLTj : '/MQr]-ßaQ8co ^EO-ßXdßEia'n.-ia: ^EoßXaßeo) 

Ix-, 8V-Ö£ia, OLTO-ÖEia : 8/,-, 8V-Öio), OlTO-ÖEOfiai 

d^v-Ö8Qy.£La : o^v-öeqkecj o^v-öogxia : o^v-öoQy.8a} 

d-, oXtyo-ÖQüvia : d-, oXiyo-ÖQavEO) 

SflO-Ed^Via : OlMOEd^VEO) 

{-siÖEia) XrjQiüöia, oyiOTcoöla 7tivioöia, vcoöia, TtoXvEiÖEia u. 

-ia : XrjQwöko 
'/.aXXi-, dqd^o-, TtEQiaao-, 7toXv-, ovv-, xavTO-htEia : yiaXXi-, 

OQd-O-, TtEQiaao-, T(XVtO-E7tۆi 



128 A. Fick und A. Führer 

TtoXv-, TavTO-egyia : Tuvro-egyso) 

a-, d^vfi-, qtiX-rjdia : a-, d-v[.i-, cpil-r^dew 

avv-^d^eia, i^d^elog : vgl. d-r]d-£ii> 

rJQSi^ia : i^Qef.iio) ovv-rjQ^cpeLa : avv-rjQS(pea) 

xaT-ijcpeia : y.aT-rjrfiiü ciTt-iqxeLa : ccTTrjx^cü 

sv-d^ccQaeta : ev&aQüeco 

alaxQO-, TtoXv-, cpiXo-y.(iQdeia, s7tL-xiqdiog : alaxQO-, <piXo- 

v.sqöt(jo 
d~, TtoXv-v-rjöuct, ■/.rjdsLog, STti-xijdetog : d-y-rjöito 
«-, yvvaiy.0-, ötj/lio-, ^aXaaao-, iTZTto-, ox^n-, ttXovto-, x^^Q^~ 
•KQuria : a-, ywaiy-o-, drjfxo-, d^aXaaao-, iTtTto-, ox^o-, 
TtXovTO-, 7«fcßo-xpofTe'w {so/iiai] 
elXi-, ev-Y.QiveLa : sIXi-xqlvsco 
€v-, o^v-ldßeia : ev-, o^v-laßioixat 
XiTtaqia : Xirtaqeü) 

övg-, oipi-, TtoXv-, q)Llo~, xQ^f^^o-indd^eia : övg- etc. (xad-EO) 
do^o-, eqono-, Irtno-, (xovoo-, ortXo-, oqvlS^o-, aagyio-, xqixo-, 

Tvg)o-, XQ^^o-ixavia : do^o- etc. /navico. 
d-, STtt-, TtXrjfi-, vyQO'jiiiXsia : d-, im-, 7tXi]f.i-(t{;XEco 
övg-, ev-, rtQEv-j^tvEia : Svg-, ev-fAEvio) 
jtQO-firjd-eia : Ttgo-f^r^d^eo/nai 
avv-v£q)£ia, VTrsQ-vscpiog : aw-vecpio) 
ovEiöelr], ovEiÖELog : oveiöeIü) 

OQQiüdia : oQQiüöeio 

dvg~, ev-, inergio-, of.io-, 6/holo-, TteqL^, ttoXv-, tvqo-, TtQog- 
avfi-, TavTO-, TXrj-Ttdd^Eia : övg- etc. -rtai^io). 

d-, ev-7teid-eia : d-, ev-Ttei&eco. 

Tiiv&eia : Tterd-iio 

rtevia : Tteviw {Trevea-rrjg) 

Tteqi-, TiQog-TtEreia : TteqL-, TtQog-rteTrjg, aber TtQOTtejevo^ai. 

odoL-TiXavia : odoi-TiXaveo) 

izoXv-TtXiqd^Eia u. tot : TCoXv-7tX7]d^eio 

d-adqjEia cf. dTto-, dia-aa(fico 

aacprjveia : oacprived) 

d-, övg-, ev-, (piXev-aeßeia : d-, dvg-, ev-, (piXev-aeßaa) 

ad-Eveia, dad^evEia : da&EVf'co 

TteQi-axeXeia : rtsQi-axeX^g, cf. OAeXio) 

TteQi-aTtiqx^ia : 7teQi-a7t£Qx^(^ ev-otdd^eia : evoTad-eo) 

Xvat-, TtoXv-, avv-xeXeia, ttqo-, vrcEg-reXEiog, Nvic-riXiog : 
Xvai-, TtoXv-, avv-, tvqo-, vtteq-, vvy.xeXtui. 



Die suffixlosen Nomina der griech. Spr. II. 129 

rrj/^telEia, dtri^iiXeia : rtjinEXia), d-trjfieXia) 

d-TQei.ua : d-Tgefieto 

d-, övg-, ev-, avv-tvxicc : d-, dvg-, ev-, aw-rv^io) 

vrcegr^^, ttqiovo-, av(.i-(pdveia : vTteQrjcpaveü} 

d-ipudla : d-ipeiöeio 

TCQog-cpileLa : 7rQog-(pil€io{i]g) 

d-, 7Tolv-(fQadia : d-, 7toXv-q)Qadeoj 

odovTO-, oqd^o-, TtreQO-, Qito-, aaQXO-, tqixo-, v7t£Q-cpvia : 

oöovTO- etc. -CpVEO) 
d-ipevdeia : dipevdeio 
o^v-co7tia : o^v-coTteit) 
lücpeXeia, ETT-iocpiXsLa : locpeXio), tTC-ijütpeXtco 

III) Einige Nomina gehen mit ihren entsprechenden Ver- 
ben eigentlich auf o-Stämme zurück, die aber durch Einbusse 
des thematischen Vocals vor dem stammbildenden Je consonan- 
tisch auslautende geworden sind: 
dyyeXla : dyyeXXco (ayyelog) 
draad^aXia : dTaad^dXXco 
ßaoy.avia, lov : ßaay.aiv(o 
eigeaia : SQsaooi.iev {ßqex-jo-^ev) 
ex&Qia : sx^ccIqü) ycad^aQiog : xa^a/^w 

y,ü)ViXia : ^kotIXXcj {.laXayiia : ftaXdaaio 

fxaXd^ayiia : fxaX&daaoi (xaqTVQia : (xaqTvqonat 

(xeiXLXia, Log : fieiXiaao) [xeXavla : (.leXalvoi 

vavTiXia : vavTiXXofj.ai Ttaiöid : rtaito) 

nXrif.i(.ivQia : 7tXr]f.if.iiuQa} TtOLY-iXia : uoixlXXu) 

atwfivXia : aTCDfivXXo) Texfi^Qiov : rex^tm/^w 

oixcoifEXla : 6g)eXXio 

Die umfangreichste Gruppe der ya-Stämme umfasst die von 
o-Stämmen abgeleiteten. Im Verbura erscheint meist e-j'e, da- 
neben aber auch a-j'e und o-je, was bei der ursprünglichen 
Identität dieser Formen nicht auffallen kann; im Nomen er- 
scheint die volle Form e-ie (a-ie, o-ie) fast nur noch bei Neu- 
tris und bei manchen Adjectiven, während sie beim Femininum 
schon früh zu 7a zusammengezogen und dann zu la verkürzt 
wurde. 

dvÖQ-, TtaTQ-ayad^ia : dvdq-ayad^iio 
Xox-, vccv-, ^ev-, ovQ-ayia : Xox-, vav-, ^ev~, ovQ-ayito 
dvg-, ev-, noXv-ayqia, tioyqict : dvg-j ev-ayQeto, CcDygeo) 
Xiix-ayxovia, dyxoveiog : Xi(.i-ayxovioi 

Beiträge z. Kunde d. ig. Sprachen. 1- 9 



130 A. Fick tiiid A. Führer 

drifi-, vv(.i(p-, oyX-, Ttaiö-, if-Hj-, a/.lr]Q-, vÖQ-ayojyia, xöt-, 

7tQog-ay(6yiov, rraiö-, xjjvy-uyioyelov : dri(.i-, vv/mp-, oyX-, 

Ttaid-, ipvy-, o/.hjQ-, vdQ-ayMytw 
ddi]{.iovLa : ddri/novew 
döf-ioXia : ddfiol&to 
ddoksayla : ddoXsoytw 

d&Xiog, övg-, rgig-dd^hog, rtevt-dOXiov : dd-leco 
al&QLa, al'^Qiog, vtt-, dvg-aid^Qiog : alS^Qfio 
7Tokv-aijnla, öfi-aif-iiog : uolv-aififo) 
ahia, aiTLog : alreo) 
6u-aty(.iia, f.iev-aiyjiLog : oa-aix/^ieto 
dx.o}^ovd-la , d'/.oXovd^tco 

ylwaa-, yf.e(paX-, oöovt-, ttoö-, aiof.L~al.yia : yXioaa- etc. akytco 
jiivQ-y ^T]Q-akoicpia : f.wQ-, ^r]Q-aXoicpito 
df.iaQTLa : duaQTrj-oo) 
dunXa/ia : df-iTiXai^iq-ao) 
dvÖQia, dvdQELog, €v-, oXiy-, JVoXv-avÖQia, noXv-dvdqiov : 

dvÖQÖo), 6v-, oXiy-, TtoXv-avdqico 
dvefda, vrjve/xla, noXvvrjvefiia : vrjvefuo) 
dvd-Qa^iog : dvd^Qay.6oj 

drt-, oXiy-, 7CoXv-, (piX-avd^Qtortia : a/r- etc. avd^Qiortiojiiai. 
dvxalog, dvTiog : dvcdio 
dvvXla {dvrXda) : dvxXiio 
agyia, degyliq : dqyeo) 

(pLX-agyvQLa, dqyvQSog : (fiX-aQyvQ^co, dQyvQOco 
dQ&f.ua, agd^fiLog : dQÜ^/iiito 

dgiOfiiog, sv-, i-ier-aQi&fuog : dgidfiko, fv , avv- eicagid^iuea). 
ccQ-Mog : dgyJco 
rcuQ-aQia : Trag-agtcü 
jiiiai}-aQvia : fuad^-aQvAo 
avt-, yvuvaai-, hcTt-, fiov-, vav-, oXiy-, Tteii)-, jrevrrjyiovr-, 

TCoXm-, TCoXv-, ÖLT-, TQirjQ-, (fiX-, ^iXi aQx^cc, 7T.oXaf.idQ- 

X^iov, -eiog : avz- etc. agyno 
dartQiog : dareqoio 
avXuog, 7CQog-avl€Log, fteg-avXtog, ^tg-, ftov-, ofi-, ovp~aiXia : 

^vg-, Trgog-avXiio 
ovv-avXia : avv-avXto) 
(piX-avtia : (fiX-acT^.o) 

i'ipijX-uvxtvia, avyjviog, xar-, 7[agi-, v7i-avyht.og : vip-av^evtio 
(.leyttX-ai'xia : fityak-aiyjw 



Die snffixlosen Nomina der griech. Spr. II. 131 

ßavava/a : ßavavaico 

dvTi-, erteg-, i^egawo-, hd^o-, TterQO-, ro^o-, (pvXko-ßoXla, ßo- 
kalog, ßoXaiog, OTacpvXo-ßoXeiov, av/n-ßokaiov : ävri-,arces-, 
■KEQavvo-, XiS^o-, 71ETQ0-, To^o-, (fvXXo-ßoXioi 

Y.QStO-ßOQia : y.Q£lO-ßOQ€CÜ 

yrjQO-, TtOQVo-, xr]vo-ßoaxia, OQvido-, ttoqvo-, xV^o-ßoaxetov : 

yr]QO-, 7T0QV0-ß00Y.€U) 

a-, övg-, £v-, avf-i-ßovUa : xoivo-, 6f.io-ßovXf.io 
ßgöfiiog : ßQO/iua) 
ßqovTaXog : ßgovrccco 
yah]vaiog : yaXrjvoo) 

a-, €v-, öevt€qo-, öl-, -d^eo-, fir^TQO-, fiovo-, TtoXv-, avy-ya/nia, 
ayaf.uov,y.axnyay.iov öi/.ri, e.y-ya(.aog : ev-, ^ovo- etc. ya/neio 
yeiTovia : yurovtoi 
ytXoiog, q^iXo- ; yeXdw 
Ttokv-, sv-yr]Qia : ev-yrjQato 
Ev-, rcoXv-yXu)öaia : Ev-yXoiZTtoj 
dyvnirj : d-yvotio 

d-, EV-, tlOO-, TVaiÖO-, TCoXv-, TtQCüTO", lEY-VO-, tXeIO-, (flXo-, 

xpvxo-yovia : d-, ev- etc. yovEto 

L(0-, XoyO-, f-lvd^O-, OQ&O-, TtsCo-, TTETtXo-, TllVaAO-, TtXaOTO-f 

TtoXiTO-, GiXXo-, OKia-, \liEvdo-yQa(pia : tio- etc. yqcKpEO) 
fiiGO-, (piXo-yvvia, yvvaiog, TtoXv-yvvaiog : (.uao-yvvioi 
ßccQv-, EV-, ÖEiGL-, y.aKo-öaLfAOvia, dai^oviog : ßuQv- etc. SaL- 

filOVEtO. 

7tOiXo-da(.ivia : niaXo-danvibi 

TCEQL-dEaf.iLog, ÖEOf-iiog : 7tEQidEa(.i^oi 

aiTO-, ETCi-, Ttav-drj^Log : djio-, ettl-, TtaQEfti-drifXEO) 

öiöaaxaXla, eteqo-, xoQO-didaGy.aXia : ETEQOöiöaG/iaXEca 

diaKOvia : diaycnvew 

a-, EK-, TtaXiv-, TtQO-, Gw-dixia, ddixiov dixi], dixaiog : d- 

etc. öixEio 
naXiv-, G'A.oxo-öivi(x : gkoto-öiveüj 
TtoXv-öixpiog, dixpLog : öiipdco 
dcüQO-, EV-, xaga-, dnoxaga-, fcav-, TTQog-öoma, 7iavdoy.Elov : 

ÖCÜQO-, EV- etc. dOY-EW 

Ev-öoKifila : Ev-dov.i(iEOi 

döXiog : doXoio 

oiy.0-, TEix^-öo/iua, \do/iialog : olxo-, lELXO-dojxtia 



9* 



132 A. Fick und A. Führer 

^tera-, TtQog-doQrciog : doQTito) 

d-f dkXo-, kTEQO-, €v-, xaxo-, oqS^o-, ftav-, rtaqa-, cpiXo-^ 

xpevdo-do^ia : d- etc. So^ao) 
^evo-doxicc, VTCo-doxeiov : ^evo-doxso) 
öoxfuog : doxf^dco 
ÖQOfiaiog, iTTTto-, Xaf^Ttadrj-, öfno-, rtaXiv-, uqo-, niEQü-, raxv- 

ÖQOfxla, iTtTio-dQOjLuog : Xaf^iTtado-, öfxo-, 7taXiv-y raxv- 

d-dwaf-ua : dövvaf^etü 

(.leyaXo-, ttoXv-, (piXo-dioQia, dcoged, dvii-, (.lEyaXo-dioqeä : 
öcüQ€0^iai, dvTi-, fxvrjai-diüQSto 

fisXav-eifiovia : (.ieXav-Ei(.ioveo) 

l-M]Xia : ev-xi]Xrj-TeiQa (KrjUio?) 

sXevd-EQiog : EXsvd^eqotü 

(EQyicc) dya&o-y avzo-, Sr]/iio-, eqio-j ^av/uaro-, 'ieqo-, tavo-, 
KCMO-, XQEO-, Xelto-, Tzaido-, Ttavo-, TtrjXo-, Ttid^avo-, 
Ttiaao-, rtXaoTO-, TtXiv&o-, qadio-, taXaaio-, teXeto-, 
TEQttTO-, v7io-y <piXo-, xf^Xnio-, x^^QO-vQyla, TiXiv&o-, iriaoo-, 
XaXTCo-VQyEtov : dyad^o- etc. -vqyho; — ysiogyia, (piXo- 
yEDQyia, yEiogylov öIyj] : yEtogysco 

tQEOXtXia : EQEOXsXEVi 

EQTfj^ia, SQrjfialog : EQrjfAEio 

iaxdrwg : ioxcct^cco) 

evaiQElog, (piXsraiQia, log : ETaiQEio 

EvvaXog, ;{a;f<fit'v/a : Evvdo), ;fa,«£i'mu 

(XVQ-E\pia, [.ivQ-ixpiov : (.tvQEXpito 

Ev-, -/.azo-^rjXEiü : vgl. ^rjXrj-jmov 

^vyiog, ETEQO-j of.10-, av-tvyia, ov-, vrio-^vyiog : ^vyoo), eteqo-, 

•6(xo-y av-tvyf(o, vTto-tvyoM 
ofio-, qiiXo-^ioia : o/lio-, (fiXo-tioEio 
öfio-Ciovia, TTaQa-Coiviog : o/no-Cioveio 
riyE(.iovia, ^ys^öviog : ^yEf.iove(ü 
xvv-, Ttoö-, OTQar-y air-, x^Q VY^^^ vav-, arQaT-ijyiov, x^^QV 

yslov : xvv-, rtod-, olt-, atqaT-, x^Q~y vc(v-i]yEH) 
dXX-f dit-y Stj/h-, xax-, xar-, ^lanQ-, f.iEyaX-, vv/.t-, rtaq-, 

■rcQog-, avv-, vip-, ipEvd-rjyoQia : dXX- etc. -rjyoQtio 
(piX-rjdovia : <piX-rjdoviiü 
Ev-y o^v-y TtoXv-y q)iX-r]Kol'a : Ev-y q)iX-i]y.oiio 
dig-y ev-y fiiaxQ-rifiEQiay jitEa-rj^ßQia, Stg-, eq>-, xa^-, 7tav-7]!LU- 

Qiog : (Ji;g-, ev-tj^ieqeü) 



Die suffixlosen Nomina der griech. Spr. II. 133 

Ev-, (.isyaX-, v7t€Q-tjV0Qia : VTteQ-r^voQew 
iqTtavia : ^navlio 
riQE(.iatog : i^Qs^ieio 
TToXv-rjxict : Jyx*^^) Ttegi-rjxEto 
&avaTiog : d^avatöo) 

d-tQSlOg : d^EQElU) 

^EWQia, TtQO-d^ECüQia : d^Ewqho, rrgo-^Etügea» 

EV-^t]via : EV-0^rjvi(x) 

Xe^i-, OQViO^o-, tveCp-, TioXv-, cpiXo-^t]Qia, ^rjQEiog : A«^t-, 

OQVid^o-, qiiXo-d^rjQEü) 
Ttav-d^oivia : Tcav-d^oivho 
a-, ßaQV-, övg-, im-, ev-, fiay.QO-, o^v-, 6f.io-, qa-d^vfiia : d- 

etc. &vfii(jt) 
EV-, 7rQ0-&vf.ua : iv-, 7tQ0~&vf^i€0f.iai 
^VQoiog, TtQO-d^vgaiog, ^VQEog : d-VQOw 
\iiaiog : lf.idco 
lOTogla : Iotoqem 

Ev-Y.aiqia, Ttaga-xaigiog, xaigiog : EVY.aiQEio 
Aa-Aitt, dvE^L-, /iivt]ai-, xaiqE-y.axia : ävs^i-, ixvrjai-, xmQE- 

(piXo-KaXia : (piXoxaXio) 
'/,äjtviog : Y-anvECD 

d-, EV-, 7tay-, TtoXv-, TtQco'i-xaQTtia, TtEQr/idQxriov, iTti-'/.aQ- 
Tiiog : d-, SV-, TtoXv-, Ttquii-i^ciqnkia 

'/.aQTEQia : /.aQTEQElü 

d-yiEQaiog : xe^dw 
'jiEQavvEiog, log : TiEQavvoio 

'/.EQTOf^la, XEQTOf-lLOg l •^EQTOf.ieW 

Ti^XELOg, xijXEog : yirjXiw 
d-, vav-, 7tay-Y.Xriqia : d-, vav-yiXrjQEO) 
TiXoTtwg, nvQO-xXoTtia : V7to-'KXo7tEO(.iai 
•/.viTTEia, la : xviTtoo) 
'KOiviüvia : xoiviDvio) 
xoiQavia, TtoXv-xoiQavla : 'KOiQavio) 
TtQO-, ay.XrjQO-y.OLX La, yoitcuog : tiqo-, ayXrjQO-yoitiw 
ßov-yoXia : ßov-yoXiw 
TtEQL-, vTto-yoXmog : vgl. yoXTtöuu 

yrjQO-, voao-, oqeo-, rtaido-yoi-da, OQvid^o-, xoti/o-yo/xElov : 
yr]QO-, voao-, oqeo-, Ttaido-yof^eit) 



134 A. Fick und Führer 

(piXo-Y-Ofirtia : q)iXoKo/.i7tia) 

ßwXo-, 4^VQ0-, oxlo-, Ttiaao-, TtoXito-, tvoqvo-, x^fi^-'-to/r/a, 

TtetQoyiOTViov : ßcolo- etc. y-orcEO) 
TCO/t la : xoTCow TCOTtQSiog : y.OTtQeu) 

xoQvq)aiog : liOQVfpoü) -/.oaiLuog : -/.oauho 

d-, et-, (piXo-Y.oai.ua : d- etc. -/.oai-iiio 

eitL-HOVQia : 87tL-X0VQ£l0 

naXiy-y.oxia : 7taXiy-y,OTioj 

y.qvq>iog : vgl. >tQVCpr]-d6v 

Xif.10-, jii7]TQo-, ^svo-, Ttaiöo-, TtatQO-, T€y,vo-, TVQavvo-y.TOVLa : 
XijLio- etc. TiTOveo) 

YtvTtia, XvQO-, Qivo-XTV7tia : urv/tiio, Qivo-KTVTtdü) 

7ivx,Xiog : Y.vn,Xm[xev 

üvQiogy avy-nvQia : avy-xvQew 

7tiaao--K(avia : vgl. ytiaao-yi(x)vi]-tog 

Xai/iiagyla : Xai/xaQyeo) 

XaXia, XdXiog, xara-, jtqoXaXla : XaXiw, xara-, TtqO'XaXtco 

Xid-eiog : Xid^ow 

aei-, ataxQO-, axQißo-, df.iq)i-, drto-, dqxaio-, ßgaxv-, ysvaa-, 
yvü)f.io-, öiytaio-y di-, izvf-io-, ev-, xayio-, xoivo-, y.ov(po-, 
XsTtTO-, [xanQO-, /navaio-, /hstecoqo-, f.iixQO-, /.ivd^o-, ihcüqo-, 
o/^io-, OQd-Q-, TtaXiX-, Ttagado^o-, rcatp-, neqiavro-, Tte- 
QLaao-, Tti&avo-, 7tXaoto-, tvXo-ko-, tcoXv-, Ttgogofio-, 

ZCCVTO-, TQL-, TSgaTO-, TQ07V0-, VOTEQO-, VlpTj-, CplXo-, (fV- 

aio-, XQV^I-^^'f XQV^^^'i ^sv^o-, ipvxQo-Xoyia, fcsvTrjxoazo- 

Xoyiov, WQO-Xoyeiov, lov, Xoyiog : dei- etc. Xoyeio 
ctqyvQO-, daaf.io-f aiTO-, a7t€Qf.io-Xoyla : aQyvqo- etc. Xoyiw 
XoidoQia : Xoiöoqew 
vav-Xoxla, Xoxsog : vav-Xoxicn 
Xvxsiog : Xvycoofiat 
a-, Tteqi-XvTtia : vgl. dvzi-XvTtiu) 
/iiagavyla : /.laQavysü) 
Sta-, ix-, sTti-, TtQO-, 'TtQog-, ipevdo-, (.laQxvqia : dia- etc. 

^laQTVQso/iai 
/.idzaiog : (.lazdo) 
aiffi-, STti-, ^€0-, i^v(.io-, \7t7to-, Xoyo-, fiiovo-, vai-, vvxzo-, 

OTiXo-, TteCp-, Ttvy-, oxia-, av^i-, arpaiqo-, xeiyo-, ipvyo- 

(iiaxia . dipi- etc. (.laxiio 
yio)-, ef^i-, TToXv-, aiTo-, ariyo-, avf.i-j tql-, /w^o-, ifjiXo-fie- 

TQia, i^ihqwg : yeio- etc. /nergiio 



Die snffixlosen Nomina der griech. Spr. IL 135 

a-, xofxo-, 7tolv-f.irjxavia : d-, ycayin-firjxaveio 

fnifiia : /iiL/iUOf^iai 

fitaO^iog : f^aad^öio 

Ion-, iLie^uifii-, TQi-finiQia : loa-, fUEiiixpi-iiioiQeiü 

jiWiQawg ; f.ioiQdcü (.loixlog '- /iioi^dio 

fiovi'a, (.loving : /unvoco jiiovia, v.a(.i-(.ioviri : -fioveo) 

yeco-, avfi-f.ioQia, dii-fioQ('rj, rQiTr]-iii6Qiog, ^logiog : yeio-f-iogiio 

cptXo-fiovala, fiovoEiog : cpiXo-f^iovaecD, /novaoio 

^XE-, Ttaqa-, tvoXv-, aeiivo-, arixo-, (pilo-^ivS^ia : Ixb- etc. 

aiva-f^uoQLa : (nva-f.uoQtio NaQxatog : vaQy.dio 

(piXo-veiY-la : fpiXoveixia) veox/itta : vsox/heo 

vixalog : viTcdto 

(piXo-vr/.ia, ercL-vrAiog : rpiXo-vr/Mit 

aTto , dia-, fV-, e/rt-, sv-, xazo-, (.lera-, n/iio-, Ttaga-, tteql-, 

TToXv-, TtQO-, avv-, v7t6-voLa : djto- etc. voi(o 
a-, cyoga-, '/.Xtjqo-, olxo-, Ttaiöo-, Ttccqa-^ TtazQO-, Ttqo-, 

X£iQO-vo/^iia : d- etc. vo^isco 
avTo-, €v-, lao-vo^ila : avzo- etc. voi-ieo/iaL 
/iiaxQO-voaia : f.iay.qo-voaüo 
voTia, voTiog, lov : votlio 
TtQO-, (piXo-^evla, ^svLog : Ttqo-^EVHO 
odaiog, odiog : oödo) 
dvg-, SV-, Ttaliv-, rtXav-, TtoXv-, avv-odla, e*p-6diov : dvg-, 

SV-, TtaXiv-oösco 
oiAia, oly,sXog, dn-, Irt-, xar-, i^ist-, rtsqi-, avv-oiKia : oi^sto, 

drt- etc. OLY.ho 
s§-, 7TCCQ-, TtoXv-, rpiX-oivia, STtL-Ttaq-OLViog : s^-, rtaq-, no- 

Xv-OiVECO 

a-oxvia : vgl. o/,v£to, KaT-ouvsco 

(-oXma) vsioXxia, ^iipovXma, srpoXmov, 6X'/,aiog : vstoX^ho 

n(.ißQia, oiißgiog, E7t-6(.ißQLog, iit-, zar-, TtoXv-o^ißqla : 6f.i- 

ßgEto, €TC-, xar-OfißQEio 
ofirjQia : 6/iirjQ£iü 

SjuiXia, TtQog-of^uXla : o^uXeco, TtQog-Of^uXm 
of.i7iviog : cf. lit. peneli 
SV-, Ttav-, vTtEQ-OTrXia, EvorrXiog : sv-OTtXsa) 
OQ&iog : oQd^öio 
OQiog, Ecp-, fisO^-, ofi-OQiog, oftOQia : o^i-, TtQog-OQEiü 



136 A. Fick und A. Führer 

CTTt-, €v-, Ttolv-, ipevd-OQytla, oqxioQj ifJsvd-OQXiog : izti-, «iJ-, 
ipevd-OQziio 

7toXL-Oi)Y.ia : 7loXi-OQY.80) 

Cß-OQoq)ia, o[A,-, vn:-tüQ6(piog : o/n-ogocpio), OQOcpoo) 

n:av-6of.uog, Ttolv-oa/Aia : oa/iidof.iac 

ovQaviog, iv-, stv-, fusa-, VTt-ovqdviog : (.lea-ovqavio) 

oiz-ovQia, olx-ovQiog : olyiovQiw 

Svg-, Xitp-ovQso) : dvg-ovQeü) 

(-oxia) x«x-, x,kT]Q-, da-, qaßö-, ayttjrtT-, CKXTjQ-ovxla : ö^-, 

xax-, nXrjQ-, qaßö-ovxicü 
TtoXv-oxUa : 7ToXv-oxXeo(.iaL 
€v-, TtoXv-, v7t-oipla, STt-, vTt-oifJiog : ev-oxpiu 
TCaXa/iivalog : TtaXufivdo) 
TtazayeXov : rraTayso) 
ex-Ttdriog : iy.-7caT60) 

efi-j TtoXv-TteiQia, raXa-Tteigiog : t(.i-7tEiQm 
TteTtoi^la : cf. ftsTioid^tj-aig 
Jteqaiog : TtEgdo) 
TreTQolog : TtezQoio 

rav-, a-Krjvo-Ttrjyla, -JtrjLOV : vav-, a-Krjvo-Ttrjyho 
JtBQL-TiXdvLog, nXdviog : TtsQi-TrXavdio, TtXavdio 
TtXataywviov : TtXarayMviu) 
7tXr]&a)QLa : TcXrjd^coqiofxai 
ev-, o/iio-, raxv-nXdta : ev- etc. TtXoiu) 
TrXoKiog, TToXv-TtXoxia : -TrXoxio) 
TtXovacog, TtoXv-TcXovaiog, cpiXo-TtXovria : TtXovtico, tcoXv-, 

cpiXo-TrXovrio) 
Ttvev/ndriog : TtvetfiaTOfo 
Svg-, rtoXv-TCVOia : övg-rtvoiw 
o^v-, TtoXv-, TQL-7toöia, Tiaq-, Tteqi-, TtoXv-^ TtQO-rtööiog : o^v- 

nodio) 
eTti-Ttod^ia : STtTtod-iiu 
ayad-o-, dvÖQtavto-, yiXtoTO-, öeiTtvo-, ^^o-, v^at/zoro-, yiaivo-, 

Xoyo-, odo-, oivo-, ovo/naTO-, oxpo-, Ttaido-, TtertXo-, Ttrj- 

Xo-, TtlXo-, TtXLvd^O-y TtXovtO-, TtOQO-, OlTO-f TElXO-f T£XVO-, 

TEQaro-Ttoiia : dyad^o- etc. tcoUw 
TtOLvctiog : rtoivdw 

öixaa-, d^vt]-, ov€iQo-7toXia, ^vt]-7c6Xiov : diy,aa- etc. TtoXico 
TtoXif^iLog, s/ii-, 7tQO-7toXl(.iLog : TtoXejiiea), Ttgo-TtoXe^iiio 
Ttrjvoqia, fAvao-, (pLXo-TtovrjQia : juiao-, q)tXo-7tovr]Q6(o 



Die suffixlosen Nomina der griech. Spr. II. 137 

(.laraio-, f^uoo-, noXv-, oixo-, (piXo-novia : (.lataio- etc. Ttoviw 
oiXrj-TtOQÖia : ailrj-TtoQÖuo moXi-TtoQO^wg : TtOQd^ito 
(j.(xy.QO-, €v&v-, f.i€T€to(jo-, wüTO-, oöoi-, itsto-TtOQia '. ev^v- 

etc. TtoQecü 
«-, EV-7tOQLa : a-, ev-rtoQiio 

TTOQfpVQElOg, €0g : 7T0Q(fVQicü 

dvg-, Ev-TtoTf-da : dvg-, Ev-TtoTfiiio 

di'Kaio-, SV-, -KOLVO-y (,iaTato-, olxeio-, OQd^o-JTgayla : diy.aio- 

etc. TtQayiio 
7tQOT€Qaiog : TtqoTEQHo TtvKvala : ttvxvow 

TCvXaiog : nvXotii TtvQtovla : TCVQcoveof-iaL 

f.iovo-, TtavTO-TtwXia, SQto-, /novo-, oIvo-ttwXlov, /wqo-, navzo-s 

TtVQO-, QtüTlO-TttüXEloV l /LtOVO- CtC. TtOjXilO 

zaXai-TttüQia : raXaL-Tttoqiw 

alfio-QQuyla : aif.ioQQayi(jü 

'/,axo-QQag)li] : vgl. /irjxccvo-qacpiw 

o^v-QEyf-iia : d^v-QEy(xito 

/lEyaXo^qYifxovia : /iiEyaXoQQi](.iovi(x) 

Qod^wg, 6jno-, TtaXiQ-, TtoXv-qöd-iog : god^ito, Ofio-god^io) 

dvg-, €v-, TtaXiQ-, TtoXv-qoia : dvg-, ev-, /taXig-QOEco 

iao-QQ07tia : laoQQOTvia) 

«-, EV-, o/iio-QQvd^f-ua : d-Qvd^f.iiio 

d-, TCoXv-, cpt,Xo-aaQxla : a- etc. aagzico 

aEtqatog : asigdio 

oe/iveIov : 0E(.iv6(M : 

aid^QELog : aidrjQoct) 

a-, i-iovo-, oXiyo-, Ttaqu-, TtoXv-airla, STtiaitiog : d-, Ttaqa-, 

[xovo-, oXiyo-, ovo-oitiia 
OTiaXrjvia : axaXrjvöo) 
ofio-, naqa-, av-axrjvla, tveqi-, tvqo-, vTto-ontjviov : ofio-, av- 

axr]V€0) 
aytOTtia : axoTtso); l^vo-, olwvo-, oqvid^o-, naXiv-, 7taXf.io-, 

TEQttto-, iO(jo-OY.07tia, olwvo-, TtQo-, cüQO-oyiOTtiov : Ixvo- 

etc. 0710 7t SU) 
aoq)la, d-, (piXo-oocpia : d-, q)iXo-ac(psit 
aTtsiQcüa : aTtsigdio 

üTtsQ/isTog, Ttav-, 7toXv-07TEqf.da : Gitsqixoio 
OTtXrjviov : ojrXrjvoo) 
OTtovdslog : Ttaga-OTtovöso) 
jtaido-OTioQLa : Ttaiöo-OTTOQSO) 



138 A. Fick und A. Führer 

xevo-artovdla : /.evo-aTtovöiio 

TtoXv-arißla : arißeo) 

TtoXv-, TQL-GTiyJa : arixccm 

arnixeiov, dvzi-, Ttolv-, ov-aioiyla : aroixiio, dpzt-, ov- 

OTOLXtlO 

^rjXv-, vav-OToXla : ^rjXv-, vav-GToleio 

iXevOsQO-, £v-, d^qaov-, Xaßqo-, 7caxv-oxof.iLa, Tteqi-a'touLog^ 

rCQQ-axö^iLOv : eXevd-€QO-, ev-, d^Qaav-, Xaßqo-, rcayv-ato- 

jiieco 
(fiXo-Gtoqyia : rpiXo-aTOQyeto 
ev-aroxia : Ev-OTOxico 
ar^aTid, OTgariog : OTqaTÖio 
XuTio-OTqaxia, log : XuTto-otQariw 
üTQayyaXia : avQayyaXoto 
aTQOcpaios, OTgorpeiov, av-, rtoXv-, Gv-arqofpia : argoffsio, 

rjrio-OTQO(pew 
UQO-avXia : )eQO-ovXi(.o 
Xayo-, liirjXo-, ovo-, rexro-oq^ayia, acpayeXov : firjXo-, tuiqo- 

acpayeto 
d-, y.a'/.o-oxoXia, axoXalog : d-, 7.aKO-ffxoXeio 
Tavqeiog : TavQOCO 
d-racpia, xero-zdcpiov : y,EVO-Tarpi(o 
tv-, TToXv-, (piXo-TEAvia : sv-, iioXv-, rpiXo-Tey.veo) 
zeXevTalog : reXevtdio 
rcav-ZEvxia : TEvyiio 
TE(pQaiog : te(pq6o) 
€v-, '/.ano-, noXv-, cpiXo-, ipsvöo-tExvia, y.aAO-TEXviov dUr^ : ev-, 

y.aY,o-j cpiXo-TExveco 
Tif.uog : Tifidu), (piXozif-iia : cpiXo-Tif.iio(.i(xt 
didv/iio-, dvg-, TcaXiv-, TtoXv-, jtQiozo-, ouoXrfAo-, lEgaio-, lo/no-, 

(t)o-Toxia : diövfto- etc. ro/.ho 
a-, EV-roX/iiLa : d-, ev-toXjueco 
öixo-, yiaivo-, Xil^o-, ofirpaXo-, ogi^o-, QiCo-, QVfio-, axtro-, 

vXo-, ovv-xof.da, roj-iiog : diyn- etc. tof-dio 

a-, EV-, /ilOVO-, 71EQI-, 7CQ0XEIQ0-, OVV-, yElQO-TOVia, 7tEQl-x6~ 

vaiog, -TovELog : d- etc. tovho 
tqu/veIov : TQaTCEiü 

TtEQi-TQax^Xiog, ay.XrjQO-TQayjjXt'a : ayiXt]QO-TQaxr]Xi(t) 
XQayrjXLOLog : XQaxrjXidw 
^fjQO-, Ttaido-XQißla, 7t(xido-XQißE7ov : ^)]Q0-, Ttaiöo-XQißetü 



Die suffixlosen ^Nomina der griech. Spr, II. 139 

TQitalog : zgiTato oQd^o-XQixia : oqd^o-tqix^it} 

TQorraiov, aiog, 7iQog-TQ67taiog : tqojtaw 
■KCiy.0-, 6 (.10-, TTahv-, TtoXv-, vTto-tqoTtia : -/.a-Ko-, 6/no-TQ07t€u) 
et-, aQf.iaTO-, yrjQO-, Cwo-, Ititzo-, yttrjvo-, ^evo-, ogviS^o-, 

Ttaiöo-, 7volv-, Tttoyiovo-, rtojXo-, OKia-, Teyivo-TQog)ia, 

7tTcox,o-, x^iQO-TQOcpeiov : d- etc. rqücpiio 
TQOXCclog : TQOxdo) 
TCQO-TQvyawg, Tovyaiog : TQvydto 
trjlo-, areQvo-, x«;f<«t-, xoQOi-Tvrtia, x^^^o-, x<^,ucit-Tvrc6iov : 

trjXo- etc. TVTieoi 
Tvqavvia : xvQavvtia 
TVXatog : vgl. d-Tvxeio 
vögaiog : vöegdu 

ev-, Xeafj-, TtoXv-vögla, Xeiip-vdQiov : ev-, keiip-vdgiü) 
i(p-vfiviov : vjiivicü 
v7t€QT€Qla : VTteqteQta) 

d-, dyg-, TtoXv-vnvia, Ev-vnviog : a-, dyQ-VTtvsofiai, 
vOTBQCuog : varsQeto 
dÖYj-, dvdqiüTto-, ^too-, ^i]QO-, oipo-, tvixqo-, Ttotj-, itoXv-, 

oaQy.0-, TSKVO-, io(.io-q)ayia, TtQog-cpdyiov : dörj- etc- q)a- 

yeo) 
ßXaa-, dvg-, ev-, Ttolv-cprj^ua : ßlaa-, övg-, £v-fpr]/iieo) 
d-, dXXrjlo-cpd^ovia : vgl. d-(fd^6vr]Tog, hti-ipd^ovbü) 
cpd^OQia : (pd^oqiio, oixo-, 7taiöo-(p&OQia : oixo-, Ttaido-cpd^OQao) 
(piXia, cpiXiog : (piXeco, TtoXv-cpiXia : TtoXv-cpiXrj-xog 
(pl7jvag)la : q)Xr]vaq)i(o 
(pXvagla : cpXvaqlio 
oivo-(pXvyia : oivo-cpXvyeü) 
a-, vdqo-cpoßia : d-cpoßrjvog, vdQO-(poßico 
(uai-, ^evo-cpovla, v7io-(p6via, cpoviog : (.iiai-, ^&vü-(poveio 
IrtTto-ipOQßia, vo-rpoQßsIov, fpogßeid : htTto-cpoqßiio 
d-, dx^o-, €v-, doQV-, -/.avi]-, fitjXo-, (uad^o-, viyirj-, ^rjQO-, 

TtXrjQO-, 7CoXv-, aeXao-, Gidr^-, oyiacprj-, aTtcpavrj-, reXeri]-, 

vöqo-, xQ^oo-, ipr]q)o-(poQia, ix-, ^eofio-, naaro-cpoqiov, 

(pOQEiov : d- etc. rpogeio, cpoqho 
vo(.io-, OTiLöd^o-, 7ioXiTO-g)vXa}cia , d^r]aavqo-cpvXdy.iov , vofio-, 

aLTo-(pvXa'/.Eiov : vo(.io- etc. cpvXay.Ho 
dia-, ^evo-, o/iio-, ofioio-, o^v-, TtoXv-, Gvf.i-, xavzo-, tqaxv- 

cpwvia : öia- etc. (ptüvecu 
xdXytsLog, tag : x^^^^f^^^ 



140 A. Fick und A. Führer 

ey-, «TTt-, TCoXv-xEiQia, ytaxa-, v7to-xsiQiog, x^iQiog : ey-, iftt,- 

xeiQsio, xeiQoo) 
X^QOcciog : x^Q(^oio 
X^QCxiog : x^/Qoco 

oivo-y TtoXv-, xQ^'^o-xota, vöqo-, xQVdo-xoeiov : olvo- etc. xo«w 
Xokaiog, x^^i^og : yoKom 
axga-, o^v-xoUa : dy.Qa-, o^v-xoliio 
st€q6-, ojLio-XQOia : erego-, b(.io-XQolo) 
XQOvla, XQ^^tog, oliyo-xQovia, oliyo-, rrolv-XQOViog : vgl. ciw- 

XQOviio 
XQvaeiog, £og : x^üorow 
dvg-, TtoXv-, (pLko-xwQia, STti-, jcqog-xioqLog : vgl. dvg-xtoQrj- 

Tog, (piXoxwQStD 
7co6o-\po(pLa : ipoipsio 
xpvx^lov : ifjvxatü 

Xeirto-, i.uy.QO~, oliyo-^ cpiXo-ipvxicc : Xurto- etc. ipvxia 
(-lodia), xid^aq-^ 'KCüf-i-, fiel-, fiov-, rcaXiv-, Ttag-, Tcqog-, Qcttp-, 

TQuy-, vf.iv-, x^'Jt^/t-wfJm, codsiov : xtd^ag- etc. -i^dio) 
Ttegi-, TVoXv-wdvvia : Ttegi-iodwico 
sQy-, iTtTt-, oip-iovia, lovLog : egy- etc. tovsio, lovio} 
£7t-, STSQ-, d-e-, 6(.i-, Ttaq-, rtoXv-, avv-, (peQ-iovvf.ua, stv-, oft-, 

7taQ-(üvvfuog : S7t- etc. lovvfiEO) 
afißXv-, dvg-ü)7iia, vTt-coTTiov : dfißXv-, övg-corteofiai 
oXiy-, TtoXv-, axai-, oy.ev-, Tifi-toQia, ve-ioQiov : oXiy- etc. 

logiü) 
ye-, tOLx-, TVfiß-wQVxicc, aiörjQ-wQvxelov : ye-, toix-, rvfiß- 

toQVxecü 
Ev-ioxict : £v-uüxloi 

Als besondere Gruppe führen wir zum Schluss diejenigen 
Palle auf, in denen vor dem e-Je ein r erscheint, das im No- 
men vor la in der Regel in o verwandelt wird. 
UV-, dvg-, €v-aia&rjaia : öug-, ev-, i^av aia^tjtea) 
avaiaxvvTia : dvaiaxvvTäo) 
dvrjy,ovaTia : dvtjxovoteoj 
dvg-, ev-agearla : dvg-, sv-ageareio 
dv-, sv-aQfioozia : dv-, av-ageoTetü 
Xvxv-, xfi^-ttJ/^t« '■ x^f^-OTTTect; 
dftffi-, tTtL-, Tcarai-, ogei-, naqai-, tvqo-, vTtEQ-ßaaia, rtqo- 

ßaria, xara-ßdaiov, ■Kctzai-ßdoiog, jtoXv-ßäiuog : -ßateat 
£v-ßXdo%eia, la : ßXaarij-aio 



Die suffixlosen Nomina der griech. Spr. II. 141 

a-, o^v-, TtQO-ßXsipia : a-, o^v-, Xo^o-ßXemici} > 

/iivQO-ßXvaia : f.ivQO-ßXvt;ho 

yeqavo-, ev-, x^jvo-ßoata : ßoriio, ev-ßoTio(.iaL 

ßoMTia : ßoioreot anQO-ßvGTia : ccAQO-ßvaTuo 

a~yeXaaxia : d-yeXaoTsio a-yevorla : vgl. olvo-yevaztio 

TCQO-, (piXo-yviivaaria : (piXo-yvf.ivaaTSio 

yeio-, XQUo-, Ttav-öaiaia, Ini-daiaiog : •/.geio-dairstt) 

cpiX-EV-, ei-arco-du^La : (piXev-ösiKTiio (daxTiXo-öecxTeiü) 

deafcoaiog, (piXo-deonoTia : ÖEOTtoxiio, (fiXo-deaTcoteia 

avvrco-drjaia : ävv7To-dt]THo 

dmaio-, &€Qf^io-, /iuad^o-, olvo-, ttuv-, 7tQ0-, olto-, xQt^afio- 

öoTEio : dixaio- etc. dozeio 
a-dvvaria, a-övvaata : a-dwaxio) 
XcoTto-, Ttav-dvoia, XtoTto-dvalovdUi], lak, ßeXo-dvtia, hi-dv- 

aiog : TQcoyXo-dvTeto 
sv-sKTia, EV-, xa;f-, fxeiov-, oXiy-, nXeov-E^ia : ev- etc. eutscü 
sXaala : v. -rjXaaia 
ovo-, EV-EXTtiöTia : dvg-, Ev-EXrciaTiu) 
d-EXmia : d-EXmiio 
EfxEala : Sva-E/^ETsco 

dfj^-, huLÖ-, (piX-EQuoTia : naid-, (piX-EqaaTEio 
Ev-EQyEOia : Ev-EQysrsiü; vgl. dyEioQyijala, dXEiTOVQyijaice, rtEQL- 

EQyaoia 
a-avv-, Ev-avv-EGia : ow-eteco 

EV-, Y.VV-, od-, TTod-, rcQO-rjyEoia : y.vv-, öd-, 7Toö-r]yET€io 
oQ^iar-, ßo-, Csvy-, d^E-, l^v-, xcoTt-, Xe-, ^ev-, oIgzq-, ov-, 

TtOLV-, Qiv-, GTQar-, TQOx-rjXaaia, i/tfC-r]Xdaiog : dQfiav- 

etc. rjXaTEw 
dv-r]XELipia : vgl. cpiX-aXEiTCXEO) 
VTC-tjQEaia, vrc-rjQEOLOv : vji-yiqeteo) 
ßiaio-, £v-&avaaia : ßtaio-, dvg-&avaTEio 
a-, dyiovo-, ad-Xo-, d^EGf.10-, Xoyo-, vof.10-, vov-, ovofta-, Ttaq-, 

avv-, TOTto-, xELQo-d^Eoia, -/.ara-d^aaiov : d-, dyiovo- etc. 

^ETEIO 

Ev-&i^ia : Ev-{^iy.tE(o 

d-vaia, ßov-, tioo-d^vaia, lEQo-d^vaiov : ßov-, tioo-, lEQO-i^vtEia 

Xv/vo-xavTia : Xvxvo-KavtECü 

a-, ßgaöv-, dvg-, ev-, ■rtoXv-Y.ivrjaia : d-xivrjTiat 

a-xoXaoTia : dytoXaaTew 



142 A. Fick und A. Führer 

dnvQO-, ftSQO-, xaAAt-, xotvo-, v,vqio-, oo&o-Xe^la : a^vQO- 

XiyiTr]rog, ■/.aXXi- etc. Xsxrsco 
ßQaxvxava-krj^la : ßoaxvyMTa-Xrj-KTew 
axara-, dvÖQO-, dcoQO-, etil-, d^eo-, 7tqoöO)7to-%ri\pia, (loi^o- 

XrjTtTia : azara-, öcoqo-, ^€0-, TCQOOtoTto^Xi]7tvho 
d-, ev-loyiOTia : d-, tv-XoyiaTea) 
d-, CsGTO-, d-£Qf.io-, ilivxgo-Xovaia, -i^EQf-io-XovTia : a- etc. 

lovzeco 
Ev-Xvala : d^cgo-, XQEOi-XvTto) 
TiaTa-i^iioTiog : y.a'va-fj.BGToto 
d-f.ivriöTia : d-/iivr^aveo) 
dv'OQE^ia : dv-OQexvew 
d-OQiOxla : d-ogiaTeco 

avT-, src~, VTtSQ-oipla, VTtEQ-OTtvia, zaT-oifnog : avt-07tTEia 
a-, ßgadv-, övg-Ttstpla : d- etc. TtETtTsoj 
(piXo-TtEvazla : cpiXo-TtsvoTeco 
d-, övg-, ev-TtiGTia : d-, övg-Ttiareo} 
d-, dvÖQO-, ^coo-, &60-, i€QO-, ^ivd^o-TrXaGTia : Ccoo-, d-eo-, 

(xvd^o-rtXaotioi 
d-, ddia-, ^ao-TtvsvGTia : ddia-TtvevGvto) 
ax^aro-, yaXay.TO-, Xaßqo-, olvo-, oXiyo-, rcoXv-, gv(.i-, vöato-, 

vÖqo-, cpaQ^iay.0-, cpiXo-, xfjvxQO-TtoGia : dy.Qaro- etc. TiOTeu) 

d-, TtEQlGGO-, TCQWCO-TtQCX^ia : a-, TtEQlGGO-TTQaXTEO) 

dg-, ev-QtoGTia : dg-, ev-qcogteiü 

VEVQO-GTtaGTia : VEVQO-GTtaGTEO) 

dnO-j ÖLXO-, E7tL-, EQyETtL-, tvyo-, XlVO-, odo-, TVQO-, rCQtüTO-, 

XOQO-, ipvxo-GTUGia, d/to-y dTtgo-azaGiov öi^i], Ircrto- 
ovo-GxdoLOv, iGo-GTaGiog : djto- etc. GTavEiü 

dverti-GTQEXpla : dvEJTL-avQErtTho 

d-, ev-Gq)v^ia : d-Gcpvureo} 

E7tL-y VTlO-GXEGia ; Vgl. ÖVGava-GXETEO) 

q)t,Xo-Gu)/.iccTia : cpiXo-GCüfiaTEto 

d-, Ev-, XELTCO-ra^ia, XEiTto-za^iov dUt] : d-, ei-, Xehvo- 

xav-TEio 
d-zaga^ia : d-raga^TEü) 
d-, dvasv-TEv^ia : d-TEvxTEO) 
d-TiGia : dxitEti) 

\eqo-, Gvxo-q)ttvzia : tEQO-, Gv)io-q>avTEOj 
d(.i-, TtaQttL-, TtoXv-cpaGiTf] : vgl. lat. falenr : (fatog 
7tQ0-(pd^aGia : vgl. /.aTa-cpd^atEOf^aL 



Die suffixlosen Xomina der griech. Spr. II. 143 

(pleyiiiaaia, ?^£vxo-(pXsyjiiaTia : Isvyio-cpXeyftaTho 

a-cpQoviLOTia : a-cpQovTiOTf'io 

d-(pvka^ia : (xcpvXaATtio 

d-xccQLOTia : dxaQiortco 

d-eo-yioXiooia : d-to-xüXcortof-iaL 

TTolv-, fpiXo-yQi]/iiaTia : noXv-, (fiXn-yqt^f-iaiho 

d-, dvg-, rroXv-yqrjöcia : a-, dvg-yqrjGTho 

o^x-, GW-, v/t-cüf-ioaia, lak. iv-oj/novla : OQ/.-coiiiOTfa) 

yßLQ-ojva^ia : yuQ-cova'KTeo) 

Die vorstehenden Uebersichten sollen, wie S. 121 bemerkt 
ist, den Umfang veranschaulichen, in welchem Nominalstärame, 
in denen man ein besonderes nominales Suffix Ja bisher ange- 
nommen hat, nur als die nominalen Vertreter ihnen gegenüber- 
liegender identischer Verbalstämme zu betrachten sind. Absicht- 
lich haben wir die Untersuchung auf ganz sichere Gruppen be- 
schränkt, und die Frage, ob oder in wie weit überhaupt ein Nomi- 
nalsuffix Ja anzuerkennen ist, vorläufig ganz unberührt gelassen. 

Zu den drei, in der Abhandlung über das angebliche a- 
Suffix besprochenen und S. 19 zusammengestellten Typen, fü- 
gen wir nun einen weiteren, vierten hinzu: 

4. Verbalstämme auf Je werden als Nominalstämme ver- 
wendet. 

In allen hierhergehörigen Fällen ist die fable convenue von 
einem besonderen Nominalsuffix Ja zu verwerfen, da der Nach- 
weis schwerlich gelingen wird, dass die offen vorliegende und 
nicht zu bestreitende Identität der nominalen und verbalen Ja- 
Stämme nur scheinbar oder zufällig sei. 

A. Fick. 
A. Führer. 



Zur Lehre vom lateinischen Vocalismus. 

Wer lateinische Wortformen wie: 

apicem : apex, cavdicem : caudex, cimicem. : cimex, codi- 
cem : codex, corHrem : cortex, culicem : rulex, deyiticem : den- 
fex, fnrßcem : forfex. forpicem : forpex , fruticem : frutex, 
tUcem : ilex, imbricem : imbrex, irpicem : irpex, lahcem : la- 



144 Leo Meyer 

ieXf lauricem : laurex, müricem : mürex , paeKcem : paelex, 
paniicem : pantex, pudicem : pödex, pollicem : pollex, ptiUcem : 
pülex, pümicem : pümex, rämicem : rämex, rumicem : r*Amex, 
rupicem : rupex, scatüricem : scaiürex, silicem : silex, ulicem : 
ulex, verticem : Vertex, vindicem : vindex, vUicem : vltex, utri' 
plicem : ätriplex, arii-ßcem : artifex, aurificem : aurifex, car- 
ni-ficem : carnifex, mellißcem : mellifex, münißcem : münifeXy 
opißcem : opifex, pontißcem : pontifex, signißcem : signifeXf 
auspicem : auspex, exlispicem : exlispex, haruspicem : haruspex, 
indicem : index, jüdicem : Judex, ohicem oder objicem : ohjex, 
subicem : subjex, Ulicem : Ulex, simplicem : simplex, duplicem : 
duplex, triplicem. : triplex, qvadruplicem : qvadruplex, qvincu- 
plicem : qoincuplex, septemplicem : septemplex, decemplicem : 
decemplex , ceniuplicem : ceniuplex , sesqvipUcem : sesqviplex, 
multiplicem : multiplex, complicem : complex, supplicem : «mjo- 
jo/ea; ,• — bellicus : bellum, canticus, canlicum : cantum, caeli- 
cus : caelum, colönicus : colönus, dominicus : dominus, Galli- 
ens : Gallus, histricus : histrum, lustricus : lustrum, modicus : 
modus, pasticus : pastus, pairicus : patrem, publicus : populus, 
tenebricus : tenebrae, ünicus : «2«mä, väricus : »arMS, vilticus : 
villa, candicat : candet, Claudicat : claudus, crispicans : crt- 
Ä/)WÄ, fabrica und fabricai \ fabrum , fellicat : Jellal, nigri- 
cat : nigrum , övicat : oümw , pastillicat : pastillus , manica : 
mawMS , pedica : compedem , senica : senex , porticus : poria, 
mordicus : mordet, lüdicer , lüdicrum : ludere; beneßcus, 

blandißcus, calörißcus, candißcus, damnißcus, frtgorißcus, fü- 
mißcus, furtißcus, honorißcus, hosiificus, justificus, laetificus, 
länißcus, largißcus, lucrißcus, luctißcus, magnißcus, maleßcus, 
mirißcus, nidißcus, päcißcus, regißcus, saxißcus, somnißcus, 
spurcificus, superbißcus, täbificus, terrißcus, tristißcus, vastißcus, 
veneficus ; aedißcat, amplißcat, cänificat, felißcat, grätißcor, 
lüdißcor, modißcai, orbißcat, pürißcat, rümißcat, sacrißcat, 
signißcat, testißcor, velißcor : facere ; auspicat, auspicor, con- 
spicor, suspicor : specer e ; — aßß,cit, conßcit, deficit, eßicit, 
inficit, interßcit, oßicit, perßcit, praeßcit, prOßcit, reßcit, svßi- 
cit : facit ; allicit, delicit, elicit, illicit, pellicit, prölicit : ladt, 
allectum ; aspicit, circumspicit, conspicit, despicit, dispicit, in- 
spicit, intröspicit, perspicit, p^röspicit, respicit, retröspicit, suspi- 
cit, transpicit : specit ; abjicit oder abicit, adjicit oder adicit 
circumj'icit, conjicit oder conicit, dejicii oder deicii, disjicit oder 



Zur Lehre vom lat. Vocalismus. 145 

disicit , ej'icit oder eicii, injicit oder inicii, interjicit (oder in- 
terjacit), objicit oder ohicit, projicit, rejicii oder reicit. suhjicit 
oder subicit, träjicit oder träicit : j'acit ; amicii : jacit ; — ; con- 
ticet, obiicet, reiicet : tacet ; displicet : placet ; enicat (oder ge- 
wöhnlich enecai) : necat ; praesicat (oder gewöhnlich praesecat) 
: secai ; — ilicö oder illicö : locus ; difficul : facilis ; — centi- 
ceps : centum, cornicen : cornu-, liiicen : lituus, iuhicen : <MÄa,- 
misericors : miserum ; — dönicum : dönec; undiqve : unde ; — 

pepigii : pangit, ietigit : iangit ,• — remigem : remex; abi- 
ga : agere; prödigus : agere; indigus und auch mc^ep'e* : egere; — 
cldrigat, ßammigat, fümigat, gnärigat, inhümigat, lemgai, lili- 
gat, mitigai, nämgat, remigat, rümigat, venirigat, mtiliiigat : 
agere; — abigit, adigit, ambigit, exigit, inigit, prodigit, red- 
igit, subigit, transigit, prösubigit, iransadigit : agü; arrtgit, 
corrigit, dirigit, erigit, porrigit, subrigit oder surrigit, suberi- 
gü, exporrigit : regit; colligit, deligit, düigit, diligens, indili- 
gens, religens, seligit, praeeligit : legit ; — indiget : eget ; — 
äliger : äla, astriger : asirum, auriger : aurum, cläviger : cid- 
vOy corniger : cornu-; — indiges : indo = endo; — 

adipem : adeps , forcipem : forceps , principem : princeps, 
pariicipem : particeps , mancipem (neben altem mancupem) : 
manceps, münicipem : müniceps, vesiicipem : vesiiceps, deincipem : 
deinceps; desipem : deseps ; — aniicipat, mancipai und emancipat 
(neben mancupaf und emancupat) , participat : capere ; dissipat 
(neben älterem dissupai), obsipat ; — abripit, arripit, corripit, 
deripit, diripit, eripit, praeripit, pröripit, surripit : rapit ; accipit, 
concipit, decipit, excipit, incipii, intercipit, occipit, percipii, prae- 
cipit, recipit, suscipit : capit ; consipit, desipit, praesipit, resipit, 
subsipii : sapit; insipit : dissupat und dissipat; — ancipes : 
anceps , teriicipem : terticeps , occiput, sinciput : caput ; — äli- 
pes : äla , cornipes : cornu-, länipes : läna , octipes : octo , 
pinnipes : pinna, plänipes : planus; Marcipör : Marcus, Quin- 
pör : Quintus , Lücipör : Lucius, Publipör : Publius ; libri- 
pens : libra ; centiplex (neben centuplex) : centum; atriplex 
neben aTQ&q)a^ig; — 

regibus : regem , legibus : legem , ßöribus : ßörem , homini- 
hus : hominem; sensibus : sensu- , fructibus : fructu-, cornibus : 
cornu- , manibus : manu- , domibus : domu- , poriicibus : porti- 
cu- ; — caelibem : caelebs; intibum, intibus (neben intybum, 
intybus und intubum , iniubus) ; — adhibet , cohibet , dehibet, 

Beiträge z. Kunde d. ig. Sprachen. I. \Q 



146 Leo Meyer 

dirihei, exhibet, inhibet, perhibet, praehibet, prohibet, redhibei : 
habet; — Mulciber : mulcei ; — 

aqvilifer : aqcila , armifer : arma , arundifer : arundo, 

aurifer : aurum , bäcifer : bäca , cönifer : conus , fruciifer : 

fruciu-, laurifer : laurus , sagittifer : sagiita , sqvämifer : sqvä- 

mci , umbrifer : utnbra ; aurifex : aurum, carnifex (neben car- 

nufex) : carnem, opifex : opus, signifex : Signum; -— 

älitem : täles, ämiiem : ämes, caelitem : caeles, caespitem : 
caespes , cir eitern : circes , cocliiem : cooles, comiiem : comes, 
dtvitem : dives , 0qvitem : eqves , fömiiem : fömes , gurgitem : 
gurges , hospiiem : hospes , limitem : limes , mergitem : merges, 
milüem : miles, palmiiem : palmes, peditem : pedes, poplitem : 
poples , satellitem : saielles , sospitem : sospes , sVipiiem : stipes, 
tarmitem : tarmes , termiiem : termes , irämitem : trämes, tudi- 
tem : iudes, velitem : veles ; — capitis, ancipitem, praecipitem, 
bicipitem, tricipitem : caput; — antisiilem : antistes, praestitem : 
praestes, superstitem : super sies ; — agitat (alt agetat) : agens, 
fugitat : fugiens, indigitat neben indigetat, eqvitat : eqves, qvae- 
ritat : qvaerens, appelliiat : appellat, clämitat : clämat , crepi- 
tat : crepat , diciiiai : diciat , habitat : habet , rogitat : rogat, 
tolitat : volat ff.; paenitet; — amita, abamita, proamita ; fre- 
mitus : fremo, genilor : genetrix, abolitus : abolet, deliior : de- 
let , exercitus : exercet , licitus : licet , libitus : Übet , meritus : 
meret, monitus : monet; attonitus : tonat, crepitus : crepat, do- 
mitus : domat , veliius : ceiat , hälitus : hälat , spiritus : Spi- 
ral ff. ; — aeqvitäs : aeqvum , aeterniiäs : aelernum , anti- 
qvitäs : antiqoum , asperitäs : asperum , bonitäs : bonum , cae- 
citäs : caecum, Caritas : cärum, caslitäs : castum, noviläs : no- 
vum , veritäs : verum ff,; servilüs : sercum, antiqvitus : anti- 
qpum, funditus : fundum, hümänitus : humänum, peniius : pe- 
netrat, primitus : primum ff.; benigniter : benignum, düriter : 
durum, largiter : largum ff.; igitur ; — antestitit oder antistitit, 
conslitit , exstitit , iustitii , obsiitit , perstiiit , praestilit , pröstitit, 
reslitit, substitit, superstitit : stelit ; cogniius : nötus, nota; ad- 
ditus, deditus, diditus, editus, perditus, praediius, pröditus, reddi- 
tus, träditus, vendilus, creditus, conditus : datus ; creditor, conditor, 
venditor ff. : dator ; praestitus {xi&hQW praestätus) : slatus; insii- 
tor : Stator; irritus : ratus; inclitus (neben inclytus und inclu- 
tus)', compitum (neben competum); accipiter : petere ; Juppiier, 
Diespiter , Marspiler : pater ; — legilis , canitis , rumpitis ff., 



Zur Lehre vom lat. Vocalismus. 147 

legitö, canito, rumpitö ff., legite, caniie, rumpite ff,, legitur, ca- 
nitur , rumpitur ff., legitor, ca?iitor, rumpitor ff. : lego, legunt, 
lege, legor , legere; eritis : erö , erunt ; amähitis , docehitis ff. : 
amähö, clocebö ff.; amähitur, docehitur ff. : amähor, docehor ff.; 
legeritis, amäveritis ff. : legerö, amäverö ff.; — 

cecidit : cadit; — desidem, indesidem, ohsidem, praesidem, 
resident : deses, ohses ff'.; — albidus : albet, album; algidus : 
alget, äridus : äret, avidus : avet, candidus : candet, cupidus : 
cupiens , cuper e; fervidus : fervei, gelidus : gelat , horridus : 
horret, lücidus : lücet, madidus : madet, nitidus : nitet, placi- 
dus : placet, splendidus : splendet ff.; — addidit, dedidit, didi- 
dit, edidit, indidit, inierdidit, obdidit, perdidii, prodidit, reddi- 
dit , subdidit , trädidii , vendidit , condidit , er edidit : dedit; — 
accidit, concidit, decidit, excidit, ificidit, intercidit, occidit, pro- 
cidii, recidit, succidit : cadit; — assidet, desidet, dissidet, insi- 
det, obsidet, persidet (neben persedet), possidei , praesidet, resi- 
det : sedet; — oppidum : 7xedov\ qoadridens : qvadrum, qvat- 
iuor ; — indidem : inde; — 

cecinit : cmiit, ietinit (alt) : ienet , meminit : mens, men- 
tio ; — ßäminem : ßämen , sangvitiem : saugten (alt), pectinem : 
pecien, cornicinem : cornicen, liticinem : liticen, oscinem : oscen, 
siticinem : si/icen, tibicinem : tibicen, iubicinem : tubicen, agmi- 
nis : agmen, carminis : carmen, criminis : crimen, ßüminis : 
ßümen, lüminis : lümen, öminis : ömen, viminis : vimen, regi- 
minis : regimen, seminis : semen, süminis : sümen^.-, glütinis: 
glüten , ingvinis : ingven , ungvinis : ungven , pollinis : polten ; — 
cardinem : cardö , hominem : homö , Apollinem : Apollo , imä- 
ginem : imägö , marginem : margö , ordinem : ordd, originem : 
origo , iurbinem : turbo , virginem : virgö , libidinem : libido, 
cupidinem : cupidö , consuetüdinem : consuetüdö , lenitüdinem : 
lenitüdö , magnitüdinem : magnitüdö ff.; — glütinat : glüten, 
fulminat : fulmen , seminat : semen, grandinai : grando, ordi- 
nat : ordö\ — glutinum : glüten, terminus : iermen , asinus : 
asellus (aus asenlus) , femina : femella , geminus : gemellus, 
pägina : pagella; dominus : altind. damana-, „bändigend, über- 
wältigend"; bücina : ßvyidvt], mächina : f.ir]X(xv^, patina : Ttatd- 
vrj, trutina : zQVTavr]; Proserpina : nsQa€g}6vr]; cerrinus : cer- 
rus, cuprinus : cuprum, fäginus : fägus, laurinus : laurus; an- 
nöiinus , crastinus , diütinus , primotinus , pristinus , serotinus : 
altind. nutana- , „jetzig , plötzlich", prätana- „ehemalig , alt", 



148 Leo Meyer 

gvdstana- „morgig", hjäsiana „gestrig"; prötinus neben prötenm ; 
comminus , eminus; — destinat , obstinat, praesünat : Status, 
Stare; cuncticinus, fäiicinus, fidicinus, iibicina : canere; absii- 
nax, pertinax : tenaz; — accinii , concinit, incinit, intercinit, 
occinit, praecinit, recinit, succinit : canit; — ahstinet, atiinet, 
continet, detinet, distinei, obiinet, pertinet, appertinet, retinet, 
susiinet, iranstinet : tenet; eminet, imminet, pröminet : prömun- 
iürium; — Meine, haecine, höcine : hice, haece, höce; Jiücine : 
hüce , siccine : stcce , nuncine : *nunce ; — legimini, dicimini, 
amämini, docemini, dicämini, amemini, doceämini, dicebämini, 
amäbämini, doceremini, amäremini, amäbimini, docebimini, le- 
gemini, dicemini, legimini (Imperativ) ff. : Xeyouevoi, q)SQ6fX£voi., 
iTlXT^fisvoi, q)OQTqj,ievoL ff.; — 

anima , animus : ave/itog; lacrima (neben altem lacryma 
und lacruma) : ddxQV; docimen (neben documen), iegimen (ne- 
ben tegumen); aestimat (neben aestümai) und existimai (neben 
existumat) ; sepiimus (neben sepiumus) : "ßdo/iiog, altindisch 
sapiamäs, decimus (neben decumus) : altindisch dacamäs, vice- 
simus, tricesimus oder irigesimus , qvadrägesimus , qvinqvägesi- 
mus, ceniesimus, ducentesimus, millesimus ff.; multesimus; infi- 
mu8 (neben infumus) : altind. adhamäs „der unterste", iniimus : 
altind. äntamas „der nächste"; citimus (neben citumus) , extimus 
(neben extumus), ultimus, dextimus (neben dextumus), proxi- 
mus , mediozimus (neben medioxumus), maximus (neben maxu- 
mus) , minimus , plürimus , optimus , pessimus, altissimus, gra- 
vissimus, dulcissimus , celerrimus , pulcherrimus , facillimus , si- 
millimus ff. : altind. mahdttama- „sehr gross", dj'umättamas „der 
glänzendste", purutäma- „sehr viel", näidishthaiamas ,,der näch- 
ste" ff. ; finitimus , legitimus , maritimus (neben mariiumus) ; 
viciima; — apprimit, comprimit, deprimit, exprimii, imprimit, 
opprimit f perprimit (neben perpremii), reprimit, supprimit : 
premit; adimit , dirimit , eximit , interimit , perimit , redimit : 
emit; — legimus, dicimus, ferimus, capimus, inqvimus ff. (ne- 
ben volumus, qvaesumus, possumus), legimur, dicimur, capimur 
ff., ämäbimus, docebimus, ibimus, erimus ff., amäbimur, doce- 
himur ff., amävimus, diximus, legimus ff'., dixerimus, amäveri- 
mus ff. : Xiyo^EV, q)£QOfi€v, Tid^siiiev, dEl^ofiev ff.; — 

levirum : altindisch duivaram oder daivardm „den Bruder 
des Mannes"; satira neben satura; — 

similis ; ofxaXög , similat (neben gewöhnlichem simulat) , 



Zur Lehre vom lat. Vocalismus. 149 

humilis : xaf.iaX6g, x^^i^^^off, parilis : parem, disparilis : dis- 
parem , eqvila (neben eqvula) : egva , nübilus , nühilat : nühes, 
nübem , herhilis : herha • mügilem , pugilem , muiilus , pümilus, 
rutilus, jübilum, jühilat, sihilus, sibüat; Ventilat : ventulus; st' 
mila : Ifiahd; — agilis : agens , docilis : docens, facilis, fra- 
gilis, gracilis : cracens , hahilis : hahens, nubilis : nühens, üii- 
lis : idens , sterilis ; — altilis : altum, , clüsilis : clüsum , clau- 
suni , cociilis : coctum, ductilis : ductum, elecüUs : electum, 
fartilis : farium, fertilis : fertum, ßctilis : ßctum, ßssilis : fis- 
sum, fossilis : fossum, füsilis : füsum, missilis : missum, nexi- 
lis : nexum , pensilis : pensum , räsilis : rdsum , sculptilis : 
sculptum, sectilis : sectum, supelleciilis : lectum, sütilis : sütum, 
tactilis : tactum, textilis : textum, tonsilis : ionsum, tortilis : 
tortum, ülensilis , ßähilis i ßebilis , möbilis, nobilis, stabilis , in- 
siäbilis, vendibilis, credibilis, alibilis, regibilis, accüsäbilis, ad- 
jütäbilis, admiräbilis, amäbilis, commendäbilis , düräbilis, exdrä- 
bilis, laudäbilis, notdbilis, probäbilis, delebilis, horribilis, ierri- 
hilis ; — aqvätilis , ferräiilis , ßumätilis , hämätilis , saxätilis^ 
umbrätilis : dyQoteqog, OQSOTsqog; — transilis : salire; — ah- 
silit, assilit, circumsilii, desilit, dissilit, exsilit, insilit, prösilit 
(neben altem prdsulit), resilit, subsilit, super silit, iransilit : sali' 
und noch manche andre ähnliche neben einander betrach- 
tet, dem tritt ein weitwirkendes Lautgesetz entgegen, das das 
Lateinische in ganz besonderer Weise und namentlich zum Bei- 
spiel auch im Gegensatz zum Griechischen kennzeichnet: in 
mehrsilbigen Wörtern wird innere und insbesondere der vor- 
letzten Silbe angehörige Vocalkürze zu i geschwächt. Auf 
die Stellung des kurzen Vocales in vorletzter Silbe aber kömmt 
es dabei vornehmlich an. Allerdings findet sich jene Vocal- 
schwächung nicht selten auch in noch weiter zurückliegenden 
Silben, wie in superßcies : fades, diffidlis : facilis, ancipitem : 
anceps , adipisd : adeptus , inimicus : amtcus , inßtiärl '. faiert 
und kann mitunter durch Ableitungs- und Flexionssilben auch 
über noch mehrere Silben zurückgeschoben werden, wie etwa 
in infmtcissimörum (neben amtcus) , officiösissimörum (neben 
facere) , derartige Bildungen aber sind doch vielfach entschie- 
den auch nur durch Einwirkung solcher mit vorletzter Kürze, 
wie etwa collfgimus, colltgimur, colltgimim durch colligo, colli- 
gis, coliigit, colligunt und andere hervorgerufen und dazu tre- 
ten sie gegen diese letzten an Anzahl auch überhaupt sehr zu- 



150 Leo Meyer 

rück. Nur in Zusammensetzungen findet sich das weiter zu- 
rückliegende geschwächte i häufig, wie in agricola (: agrwni), 
terrigena (: terra) , da sich im Lateinischen die bestimmtere 
Regel herausgebildet hat, dass im ersten Gliede von Zusammen- 
setzungen jeder Grundformauslautende Vocal zu kurzem i ge- 
schwächt wird, während in der ersten Silbe von Nominalfor- 
men, die den Schlusstheil von Zusammensetzungen bilden, jene 
Schwächung fast durchgehend vermieden wird, wie zum Beispiel 
in centimanus (nicht etwa ceniiminus) oder centipedem (nicht 
ceniipidem). 

Corssen hat diese Lautverhältnisse in seinem Werke über 
Aussprache, Vocalismus und Betonung der lateinischen Sprache 
auch behandelt, in der ersten Auflage (Band 1, Seite 283 bis 
299) indess sehr kurz, in der zweiten (Band 2, Seite 255 bis 
334) ausführlicher, durchaus aber nicht in besonders glück- 
licher Weise. Er geht davon aus, dass der Vocal i eine „laut- 
liche Wahlverwandtschaft" zum t und d, n und s und zwar 
„am Entschiedensten und Ausgeprägtesten" zu den letzteren 
beiden Consonanten zeige, und erklärt diese Erscheinung damit, 
dass die Stellung der Zunge bei der Aussprache des Vocales * 
ähnlich sei, wie bei der Aussprache der angeführten Consonan- 
ten; bei der Aussprache des Vocales i aber bleibe „nur eine 
enge Rinne zwischen Gaumen und Zungenrücken und nur eine 
schmale Spalte zwischen Oberlippe und Unterlippe offen", durch 
die „der aus der Lunge durch die Stimmritze hervordringende 
Lauthauch" hervorströme, deshalb sei das i „schon vermöge 
seiner Entstehung aus den Sprachwerkzeugen der dünnste vo- 
calische Laut", als welcher er sich auch vielfach in den Wort- 
formen der lateinischen Sprache bethätige. Bei dieser schein- 
bar so gründlichen Erklärung bleibt leider nur völlig unklar, 
warum die in Frage stehende Lauterscheinung so vorwiegend 
lateinisch und fast gar nicht griechisch ist. War bei den Grie- 
chen „die Stellung der Zunge bei der Aussprache des Vocales 
t" nicht ähnlich wie bei der Aussprache des v, a, r oder d? 
oder war bei den Griechen jene „Rinne" minder eng oder jene 
„Spalte" minder schmal, als bei den Lateinern? 

Von S, 256 bis 262 giebt Corssen zahlreiche Beispiele ei- 
nes durch Vocalschwächung entstandenen inneren kurzen i vor 
folgendem n, schliesst dann aber zum Beispiel auch die Be- 
trachtung von Formen wie in (neben «v), Minerva (neben mens). 



Zur Lehre vom lat. Vocalismus. 151 

intus (neben svtoq), iingere (neben xiyyELv) und anderes unmit- 
telbar an. Bei der dann folgenden Begründung der „Wahlver- 
wandtschaft des Vokals i zu dem Zischlaut ä" handelt sichs 
aber auch nicht um ein einziges Beispiel von kurzem i vor ein- 
fachem inneren s, also in wirklich kurzer Silbe, worauf wir 
oben besonderes Gewicht legten, sondern um Bildungen wie 
canisirum, apiscor und andere. Dann wird, von Seite 289 an, 
die „Lautvervvandtschaft" des Vocales i zum i und weiter, von 
Seite 302 an, seine „Wahlverwandtschaft" zum d betrachtet 
und im Anschluss daran heisst es auf Seite 305 und 306, dass 
sich in der lateinischen Sprache, nachdem sie sich „auf diese 
Weise" (also vor n, s , t und d) durch das Umsichgreifen des 
i in Wurzelsilben und Suffixsilben, „aber besonders häufig in 
offenen nicht wurzelhaften Silben in und vor Suffixen, welche 
der Wortbildung und der Wortbiegung dienten", an „die Er- 
leichterung und Schwächung ihrer Wortgestaltungen durch jene 
Verdünnung der Vocale zu t" gewöhnt hatte, „eine allgemeine 
Neigung" entwickelte , „den auslautenden Vocal von Wortstäm- 
men zu i zu verdünnen, wenn an dieselben wortbildende Suf- 
fixe, Casussuffixe oder andere Wortstämme bei der Bildung von 
Compositen herantraten", ohne dass indess der geringste wirk- 
liche Beweis dafür beigebracht wäre, dass jene weitgreifende 
Neigung des Lateinischen, innere kurze Vocale zu i zu schwä- 
chen, gerade von den Wörtern mit innerem n, s, i oder d ih- 
ren Ausgang genommen hätte. 

Wie weit auch die Beeinflussung — die Bezeichnung der 
„Wahlverwandtschaft" statt dessen scheint uns sehr wenig zu- 
treffend — der Vocale durch nachbarliche Consonanten ent- 
schieden Statt gefunden hat, so kann man doch unmöglich die 
aus den zu Anfang zusammengestellten Beispielen hervortre- 
tende weitgreifende lateinische Lautneigung, in mehrsilbigen 
Wörtern innere und insbesondere der vorletzten Silbe angehö- 
rige Vocalkürze zu i zu schwächen, als durchaus nur von ihr 
abhängig hinstellen wollen, schon deshalb nicht, weil jene Nei- 
gung fast vor allen Consonanten im Lateinischen sich kund 
thut. Wir dürfen sie deshalb auch als ein besonderes Lautge- 
setz des Lateinischen bezeichnen, das heisst die von ihm ab- 
weichenden oder ihr widersprechenden Erscheinungen treten 
nur als Ausnahmen oder, mit andern Worten, als von minder 
weit wirkenden Lautneigungen abhängige Erscheinungen ent- 



152 Leo Meyer 

gegen. Diese Ausnahmen aber müssen wir auch noch im kur- 
zen Ueberblick betrachten. 

Vor dem h, das im lateinischen Inlaut aber überhaupt ein 
seltener Laut ist, findet sich die fragliche Schwächung nicht, 
und so stehen atirahii, contrakii, pertrahii neben trahit, ävehii, 
devehit, convehit neben vchit. Auch das / ist im lateinischen 
Inlaut, wenigstens in einfachen Wörtern, ein sehr seltener Laut; 
dass es aber in Zusammensetzungen häufiger vorkömmt und da 
auch das i vor sich aufweist, zeigten oben aufgeführte Bildun- 
gen wie armifer, aurifex und die übrigen. Zu den Consonan- 
ten, die im lateinischen Inlaut nur vereinzelt auftreten, gehört 
auch das J , vor dem ausserdem fast nie Vocalkürze vorkömmt, 
wodurch es denn auch in Bezug auf das in Frage stehende i 
seine Ausnahmestellung einnimmt. Inlautendes o ist häufiger, 
hat die Schwächung innerer Vocalkürze zu i aber auch nie 
neben sich und so stehen zum Beispiel ingravat , praegravat 
neben gravis, elavat neben lavat, concavat neben cavus, elevai, 
relevai neben levai, expavet neben pavet, renovai neben novat, 
femer ahavus, atavus, proavus, iritavus neben avus, die letzte- 
ren Formen noch insbesondere, weil fertige Nomina, die an 
den Schluss von Zusammensetzungen gestellt werden, überhaupt 
fast nie jene Schwächung zu a zu lassen. 

Auch der Zischlaut ist in Bezug auf das geschwächte i 
hier noch als Ausnahmelaut zu nennen, aber nur deshalb, weil 
s zwischen Vocalen im Lateinischen überhaupt gemieden wird 
und nur in sehr wenigen Ausnahmewörtern vorkömmt: Wörter 
wie cerasus, cerasum, peiasus, Pegasus und ähnliche tragen da- 
her in ihrem inneren a sowohl als ihrem s zwischen Vocalen 
durchaus unlateinisches Gepräge und kennzeichnen sich als 
Fremdwörter. Altes zwischen Vocalen stehendes s vmrde im 
Lateinischen nach einem sehr weit wirkenden Gesetze regel- 
mässig zu r. In Bezug auf das innere r ist dann aber noch 
besonders hervorzuheben, dass es in Bezug auf die Schwächung 
innerer Vocalkürze zu i eine der wichtigsten Ausnahmen bildet: 
die oben angeführten lemrum , bei dem der Lateiner vielleicht 
einen näheren Zusammenhang mit mr vermuthete, und satira, 
das als entstanden aus satura gilt, stehen sehr vereinzelt und 
in der Regel tritt inlautende Vocalkürze vor lateinischem r als 
e entgegen. So im Perfect peperit {parere) , in den Infinitiven 
wie legere, dicere , capere , in Conditionalformen wie legerem, 



Zur Lehre vom lat. Vocalismus. 153 

legeres, leg er et , legerent , in den Perfectoptativen wie legerim, 
legerls, legerit, legerint, in den Plusquamperfecten wie legeram, 
leg er äs , legerat , {legerajit, in den Perfectfuturen wie steterunt, 
öderunt , locäverunt , in passivischen zweiten Singularpersonen 
wie legeris , dtceris, caperis, amdberis. doceberis und den impe- 
rativischen legere , ülere , capere ; ferner in numerus , umerus, 
Uterus , generum , socerum {fiy.vQ6v) , vesperum , puerum , cume- 
rum, adulterum ; jugerum ; arceram, cameram {y.af.idQä), cume- 
ram , hederam , litteram , materler am , operam , pateram , tesse- 
ram , viperam ; numerat , adulterat , deliberat ; asperum , gibbe- 
rum , creperum, miserum , lacerum, liberum, properum, prospe- 
rum, qverqverum, perperum, perperam, tenerum, ceterum, dex- 
terum, posterum, iterum, exterum, alierum, superum, inferum, 
nüperum , inter'im ; asperat, lacerat, liberal, properat, mäcerat, 
blaclerat, blaterat, miserel ; Tiberim ; aggerem (agger), asserem, 
cancerem, carcerem, unserem, gibberem, acipenserem, passerem, 
procerem, laterem, iuberem, Mulciberem, äerem, aetherem, mu- 
lier em ; aggerat ; aceris (acer), ciceris, cadäveris, papäveris, la- 
seris, piperis, sileris, sisei^is, süberis, tüberis, überis, rerberis, zin- 
giberis, iteris (alt iwc ilineris) ; verberat, tüberat, exlüberat; cine- 
rem (cinis), cucumerem, pulverem, vömerem (vomis neben vömer) ; 
Cererem {Ceres); Vener em {Venus); aceris {acus) , foederis 
{foedus), funeris, generis , glomeris , holeris {oleris) , lateris, 
müneris , oneris , operis , ponderis , rauderis {röderis , rüderis) 
„Erzstückchen", rüderis ,, zerbröckeltes Gestein", sceleris, side- 
ris , ulceris , velleris , visceris , vulneris ; venerat, vener or ; gene- 
rat, glomerat , müneral, onerai , operor , ponderat, considerat, 
desideral, ulceral, vulnerat ; lolerat, moderal, moderor, recupe- 
rat ; celerem {celer), paiiperem {pauper), überem {über); pübe- 
rem {pübes), impüberem, veterem {cetus) ; lemere ; celerat, übe- 
rat, exüberal, velerat, invelerat, temerat, conlemerat; — puer- 
pera {parere) , signiferum {ferre) , pestiferum ff. ; armigerum 
{gerere), cornigerum, mörigerum ff.; ferriterum {lerere); impe- 
rat {parat), vituperat, aeqviperat ; dejerat {j'ürat), pejerai ; pot- 
eram {eram), pnterat, poterö, polerit ; aperit, operit, conserit, 
deserit , congerit, afferuni , atterit , conqveri, comperit, reperit, 
commeret , demeret ff. 

Neben den ungeschlechtigen Formen auf us im Nominativ 
hat sich neben dem inneren r der Casus mehrfach auch der 
Vocal festgesetzt, so in decoris {decus) , dedecoris , corporis, 

Beiträge z. Kuude d. ig. Sprachen. I. 11 



154 Leo Meyer 

facinoris, faenoris (doch faenerat), frigoris (doch frigerai), li- 
ioris , nemoris , pecoris , pectoris, penoris , pignoris (doch auch 
pigneris und pignerat), stercoris, temporis (doch iemperai), ter- 
goris , und ebenso in decorat , dedecorat , corporat , stercoraty 
tergorat. Ausserdem findet sich solches inneres o neben r in 
adoris {ador) , marmoris (marmor) , aeqvoris (aeqvor); eborts 
(ehur) , femoris (femur^ , jecoris {j'ecur) , röhoris {röhur , alt 
auch rohor) ; ferner in arhorem (arbor , älter arbös) , leporis 
(lepus) , memorem (memor) nebst immemorem und memorat, 
ancora (neben ayxvQa) und ausserdem in Zusammensetzungen 
wie affore {fore) , afforem ff. und dem alten adorit (neben 
orior). In manchen Formen hat sich vor dem inneren r auch 
ein kurzes u festgesetzt , so in furfurem {furfur) , gutturem 
(alt; später ist guttur nur ungeschlechtig) , iurturem , vulturem 
(alt auch oolturum), murmuris, fulguris, sulphuris oder sulpu- 
vis und auch in murmurat und fulgurat , wo offenbar überall 
der je vorausgehende Vocal assimilirend einwirkte, wie der 
nämliche assimilirende Einfluss zum Beispiel auch nicht zu verken- 
nen ist in anatem (anas), alacer, alapa, celeber, segetem (seges), 
tegetem , heb eiern , ieretem , vegetus, veneius , vehemens , sepelit, 
Seneca, upupa und anderen Formen. Neben purpura undjowr- 
purat liegt der innere dunkle Vocal schon im griechischen 
itoQcpvqä vor; weiter aber sind hier noch zu nennen augurem 
(augur) und augurat , lemures , Ligurem (Ligur , alt Ligus), 
Tiburis [Tibur), Anxuris (Anzur) und die ad jecti vischen cicu- 
rem (cicur) nebst cicurat, saturum {satur) nebst saturat, camu- 
rum {camurus) und gnäruris und ignäruris. Ausserdem gehö- 
ren noch die desiderativen Verba auf turit in der dritten Per- 
son des Singulars hieher, von denen aber nur esurit und par- 
turit etwas häufiger auftreten; sonst begegnen mehr vereinzelt 
zum Beispiel noch moriturit und peiUurit bei Cicero, habituri' 
und scalpturit bei Plautus, empturit bei Varro, micturit bei Ju- 
venal, cenäturit und cacdturit bei Martial. Nur sehr wenige 
Formen bieten kurzes a vor innerem r und unter ihnen sind 
mehrere deutlich als Lehnwörter gekennzeichnet wie nectaris 
{vt'AtaQ), barbarus {ßäqßaqog) und hilaris oder hilarus (~ tXa- 
Qoe), denen sich auch wohl noch anschliessen baccaris (unge- 
schlechtig oder weiblich mit gleichlautendem Nominativ) oder 
baccharis, solarem (salar) „Forelle", farfarus (neben farferus) 
„Huflattich" und supparo- (männlich oder ungeschlechtig), „Klei- 



Zur Lehre vom lat. Vocalismus. 155 

dungsstück, Stück Zeug". Dann sind noch zu nennen Jübarem 
(jubar in der classischen Zeit nur ungeschleclitig) und der Name 
Caesarem (Caesar), der kaum echt lateinisch ist, wie zum Bei- 
spiel auch der Flussname Aesarem (Aesar) vom lateinischen 
Gebiet weit ab liegt, und ausserdem wohl nur noch Zusammen- 
setzungen, wie imparem (impär), comparem, supparem, apparit, 
apparat, comparat, separat, circumarat. 

Bezüglich des inlautenden / konnten oben zahlreiche For- 
men angeführt werden, die der allgemeinen Regel entsprechend 
die vorausgehende Vocalkürze als i zeigen, daneben aber hat 
sich doch in noch weiterem Umfang im Lateinischen die Vor- 
liebe des inlautenden / für unmittelbar vorausgehendes kurzes 
u zur Geltung gebracht, und in dieser Weise hat sich nament- 
lich die grosse Menge der Verkleinerungsformen gestaltet, wie 
agellulus, äfiulus, calculus, capitulum, catulus, circulus, Joculus, 
lectulus, modulus, nidulus, nnmmulus, prätulum, rämulus, regu- 
lus ; acidulus, acütulus, albulus, äridulus, argütulus, audäculus, 
barbätulus, bellulus ; aetätula, animula, arcula, aqvula, arenula, 
ärula, bdcula, barbula,ßammula,guüula,nucula, serrula; ferner 
anserculus, acriculus, angviculus, articulus, avmiculus, carbunculus, 
colliculus, corpusculum, ßusculus, fonticulus, fräterculus, genicu- 
lum, Jiomunculus , lintriculus , münusculum , Musculus, osculum, 
testiculus , tuber culum , ungviculus , uiriculus, vasculum, vulticu- 
lus ; anicula, anaticula, arätmncula, arbuscula, assentäiiuncula, 
auricula, clämcula, diecula, mätercula, nävicula, niibecula, par- 
ticula, qvaestiuncula , sedecula, specula, sucula. Bei unmittelbar 
vorausgehendem i oder e tritt durch assimilirenden Einfluss 
dieser Vocale an Stelle des u neben dem l ein o entgegen, so 
in : aheolus, aräneolus, argenteolus, ätriolum, aureolus, balneo- 
lum, calceolus, capreolus, cäseolus, filiolus, gladiolus, Kgneolus, 
malleolus, ostiolum, plleolus, praediolum, sväviolum; actuäriola, 
ardeola, argütiola, bestiola, hracteola, fasciola , nauseola, Tul- 
liola, viola, viriolae. Mehrfach findet sich dieses o statt des u 
auch bei vorausgehendem v, wie in clävola (oder clävula) , las- 
civolus , parvokis (neben parvulus) , Scaevola , servolus (neben 
servulus) , valvolae und auch in frivolus , das den Verkleine- 
rungsformen äusserlich gleich steht. 

Mit den Verkleinerungsbildungen haben noch manche an- 
dere grosse äussere Aehnlichkeit , ohne doch in ihre Reihe mit 
hineinzugeboren, so: aesculus, angulus, bäjulus, bibulus, bübu- 



156 Leo Meyer 

lus, caerulus, capulus, credulus, crepnlus, ßgulus, garrulus, ge- 
mulus, gerulus, legulus, oculus, patulus und pröpatulus, pendu- 
lus, populus, pöpulus, qoerulus, sedulus, slridulus, tinnulus, tor- 
culus, tremulus, iitulus, vitulus ; singulus ; ridiculus, anniculus ; 
clanculum ; opulens ; aemulus , cumulus , famulus , Stimulus, tu- 
mulus ; discipulus ; consulem ; amiculum , baculum , cingulum, 
coägulum , coculum , dilüculum , excipulum , Jaculum , jugulum^ 
sabulum , simpulum , speculum , spiculum , strägulum , tegulum, 
vinculum ; cöpula , cräpula , epulae , ferula , infula , inula, ma- 
cula, meniula, merula, nebula, papula, pergula, rabula^ regula, 
scapulae, scandula, secuta, specula, tabula, tegula, tippula, trä- 
gula, ungula; ßstula, Pustula, ptisula; ferner Verbalformen wie 
ambulat , aemulor, bäjulat , cöpulat, cumulat , ejulat , Jaculor, 
maculat , populat , simulat, speculor , ululat , väpulat , postulat, 
ustulat; petulans ; consulit. Weiter sind hier anzureihen auch 
noch zahlreiche Bildungen auf bulo und bula, culo und cula, 
die mit denen auf altes tra aufs Engste zusammenhängen, wie: 
acetäbulum , fmidibulum und infundibulum , ignitäbulum , inci- 
täbulum, incünäbulum (nur in der Mehrzahl gebraucht), latibu- 
lum , päbulum , patibulum , prostibulum, rutäbulum, sessibulum, 
stabulum, tintinnäbulum, türibulum, vectäbulum, venäbulum, vo- 
cäbulum, vestibulum ; fäbula, fibula, sübula ; — adminiculum, 
cenäculum , crepitäculum , cubiculum , curriculum , deverticulum , 
ferculum, gubernäculum, hibernäculum, habitäculum, incernicu- 
lum, jentäculum, mlräculum, operculum, öräculum, periculum, 
perpendiculum , piäculum , pooulum, pugnäculum, receptäculum, 
redimiculum , retinäculum , sarculum , saeculum , senäculum, 
spectäculum , spiräculum , südiculum , tabernäculum , umbräcu- 
lum , vehiculum , verriculum und everriculum ; noväcula , tendi- 
cula , indücula , subücula , verttcula, und neben ihnen auch 
mehrere Verbalformen , wie fäbulor , fibulat , päbulor ; admini- 
culat, sarculat. Auch in entlehnten Formen hat sich bisweilen 
das w vor dem / eingedrängt, wie in pessulus (neben Ttdaaa- 
log), paenula (neben cpaivoXtjg), scopulus (neben axoTteXog), 
stranguläre (neben OTQayyaXovv) , während zum Beispiel Dae- 
dalus und Italus ihr un lateinisches Gepräge wahrten. 

Von reduplicirteu Perfectformen zeigen das innere u vor l 
pepulit (neben pellit) und das alte tetulit (neben tollil) ; von 
zusammengesetzten Verbalformen occulit und die Perfecta ap- 
pulit, comptdit, impulit ff., attulit, abstulit, contulit, detulit ff. 



Zur Lehre vom lat. Vocalismus. 157 

und percuUt (neben percellit). An sonstigen Zusammensetzun- 
gen sind hier noch zu nennen ahstulat , opiiulor und das alte 
opitulat , exsulem nebst exsulat und praesulem , insula (neben 
svaXog) und manipulus, falls letzteres wirklich hierher gehört. 
In der Regel aber ist vor dem inneren l in Schlussgliedern von 
Zusammensetzungen die alte Vocalkürze unversehrt geblieben, 
wie in pröpalam, pröpalat, depalat, aeqvivalet, praevalet, con- 
calet, intercalat, congelai, egelat und insbesondere wo sichs um 
den Vocal o handelt, wie in accolii, circumcolit, incolit, accola, 
incola, agricola, commolit, emolit, immolat, benevolus, malevolus, 
indoles, suholes, adolei, subolei, abolet, assolei, insolens, co?idolet, 
advolat, ävolat, evolat, altivolus, edolat, interpolat, depolii, repo- 
lit, interpoUs. 

Auch unter den Wörtern mit innerm m oder n finden sich 
manche, in denen sich nicht das kurze i neben jenen Lauten 
entwickelte, sondern andere kurze Vocale ihre Stellung behaup- 
teten. In hiemem wurde das e durch das unmittelbar voraus- 
gehende i geschützt, in veJiemens wirkte, wie schon oben her- 
vorgehoben wurde, vocalische Assimilation und ebenso vielleicht 
auch in cucumis und cucuma. doch kann in diesen letzten bei- 
den Formen auch eine gewisse Vorliebe des m für nachbar- 
liches u mitgewirkt haben, die in verschiedenen Formen ent- 
gegentritt. In letzterer Beziehung sind insbesondere zu nen- 
nen: die Verbalformen volumus, nölumus, mälumus, qvaesumus, 
possumus und zum Beispiel insumus (Lucrez 3, 1080), während 
doch die meisten ersten Pluralformen auf imus ausgehen, wie 
legimus, ferimus, tundimus. Die superlativischen und Ordinal- 
zahlformen auf mo, in der Regel timo (simo), und mehrere ähn- 
liche haben in älterer Zeit neben ihrem suffialen m noch kur- 
zes u, wie optumus (später optimus), maxumus (mazirmis), Jus- 
iissumus (j'ustissimus) , pulcherrumus {pulcherrimus) , minumus 
{minimus) , plürumus (pMrimus) , extumus {exiimus) , intumus 
{intimus), infumus {inßmus), septumus (sepiimus), decumus {de- 
cimus) , postumus , dextumus {dextimus), medioxumus {medioxi- 
mus) , proxumus {proximus) , qvoiumus (= altind. katamäs), 
citumus {citimus) , ullumus {ultimus). Neben ihnen sind auch 
noch zu nennen : maritumus (neben maritimus) , aestumat {ae- 
sitmat) und exisiumat (exlsiimai) , autumat , aediiumus {aeditu 
mus) und aeditumor, documen (später docimen), tegumen {tegi- 
men) , incolumis (alt auch ificolomis) , lacruma {lacrima) nebst 



158 Leo Meyer 

lacrumat (lacrimat) und auch coniumax, in welchem letzteren 
das m allerdings kein suffixales ist. So weit in diesen Formen 
in der classischen und späteren Zeit neben dem m das i an 
die Stelle von u eindrang, geschah es durch die Mittelstufe ei- 
nes Vocales, für den Kaiser Claudius bekanntlich ein neues 
Zeichen in das römische Alfabet einführen wollte und der un- 
serem ü nicht sehr fern gestanden haben wird. 

Die Wörter calamus (= adXainog) und ploxemum (CatuU 
97, 6) sind durch ihre inneren Vocale als Lehnwörter gekenn- 
zeichnet; sonst finden sich andere kurze Vocale als i neben 
innerem m so gut me nur in zusammengesetzten Formen, wie 
circumdamus , adamal , deamat , atiamen ; — aggemit , circum- 
gemit, congemit; affremit , circumfremii , confremit, defremit, 
infremit ; coniremil, coemit, concremat, semicremus, ßammicre- 
mus, immemor ; — contomit, devomil, eoomii, pruvomit, revo- 
mit, flammwomus, ignivomus, edomat, praedotnat, angvicomus, 
auricomus, flammicomus , glaucicomans ; — inhumat. 

Unter den Wörtern mit innerem n bildet das vereinzelte 
j'uvenis mit seinem kurzen e eine beachtenswerthe Ausnahme; 
wo sonst kurze Vocale neben dem n dem Uebergang in i Wi- 
derstand geleistet haben, handelt sichs um Zusammensetzungen, 
von denen die folgenden hier aufgeführt sein mögen: accanit, 
occanit, fälicanus (neben fäticinus), omnicanus, commanet, ema- 
net , intermanet , permanet , remanet, angmmanus , centimanus, 
antecanis ; — advenit, antevenit, connenit, decenit, ecenii, inve- 
nit, per venu, advetia, convena, alienig ena, alienig ena, alienig e- 
nus , amnigena , ßammigena , Gräjugena , indigena, caecigenus, 
caprigenus, caeligenus , bigener, congener, degener, angviienens, 
arcitenens , sigtiiienens , praeietier , eätenus , häctenus, illätenus 
qvälenus (neben qväiinus) , mediäienus , pröienus (neben pröii- 
nus), prögener, persenex, eienifn ; — admonet, conunonei, emo- 
net, praetnonet, assonat, circumsonai, consonat, dissonat, abso- 
nus , circumsonus , clärisonus , consonus , horrisonus , personus, 
armisonus, attonat, contonat, delonat, intonai, perionat, allito- 
nans , altitonus. 

Mit innerem i sind in Bezug auf den ihm vorausgehenden 
kurzen Vocal als von der allgemeinen Regel abweichende For- 
men ausser den schon oben genannten analem , segelem , tere- 
iem und einigen anderen zu bemerken noch die alterthümlichen 
indigelat (neben itidigitai) und agelat (neben agitat), ferner 



Zur Lehre vom lat. Vocalismus, 159 

arhitum und arhutus mit ihrem inneren u und dann noch eine 
Reihe von Bildungen, in denen wegen eines schon vorausgehen- 
den i nicht i, sondern der Vocal e sich zu dem t gesellte, wie 
ahietem, parielem , arietem nebst arietat; hietat; anxietds , du- 
hietäs , ebrietäs , impietäs und pietäs , insatietäs und satietds, 
medietäs, nimieius, proprietäs, saucietäs, sobrietäs, societäs, va- 
rietds. Die meisten Wörter mit anderen kurzen Vocalen als 
dem " i vor ihrem inneren t gehören wieder in das Gebiet der 
Zusammensetzungen, so compali (bei Späteren), abnatat , anna- 
tat, denatat, enatat ff.; dispaiet (bei Späteren), interpatet, sup~ 
patet, bipatens, perlaiet, praescatet, satisdatus, interdatus, svä- 
visator, Anticaiö, affatim; appetit nebst appetö, competit nebst 
competum (gewöhnlich compitum), expetit, impetit nebst impetus 
und impetem , repetit , oppeiit , suppetii ; praepetem , perpetem ; 
agripeta, altipeta und altipetax, hercdipeta, lucripeta; emeiit; perpeit 
(neben/?a^?); circumsteiit, interstetit, supersietit ; interpretem nebst 
interpretor ', indigetem; transfretat; — compotit, compotem, im- 
potent; impotens, antepotens, arcipotens, armipotens ff.; annotat, 
denotat, enatat ff.; circumrotat , birotus; — concutit , decutit, 
discutit, excutii ff., die neben dem einfachen qvatit wohl zu- 
nächst für -qoitit stehen in ähnlicher Weise wie unser kommt 
oder kömmt für qvimmt; amputat, deputat, exputat, interpuiat, 
supputat; computat, deputat, disputat, exputat, imputat, perpu- 
iat , reputat ; confutat; defrutat; delutat; intercutem; dirutus, 
obrutus; sicutt. 

Auch nur in sehr wenigen einfachen Wörtern mit innerem 
d finden sich unmittelbar vor diesem Laut andere kurze Vo- 
cale, als i, so dass u in pecudem und tutudit. Das innere a 
in parada deutet auf unlateinischen Ursprung, ebenso vielleicht 
auch in exedum und unedo das innere e, dessen Kürze aber 
gar nicht erwiesen ist. Für cuppes (Plautus Trinummus 239) 
darf man Casusformen wie cvppedem ohne Zweifel nicht an- 
setzen. Was dann weiter noch an Formen mit anderen kurzen 
Vocalen als dem i vor dem inneren d hier aufzuführen ist, be- 
schränkt sich wieder auf Zusammensetzungen, so; retrograde, 
supergradi (neben supergredi) , praegradat ; congradus , herbi- 
gradus , apissigradus , tardigradus , transvadat (bei Späteren) ; 
commadet; — adedit , ambadedii , ambedit , comedit (nebst co- 
medö ö\ ; circumdedit, satisdedit; aggredi (neben gradi) und alt 
auch aggredit, antegredt, circumgredi, congredi ff. ; circumsedet, 



160 Leo Meyer 

persedet (neben persidet), supersedel; assedö, pröseda, domiseda; 
compedem, prvpedem; compedit, expedil, impedit und alt indu- 
pedit, iiiterpedit, perpedit, praepedit; impedal; repedat, tälipe- 
dai; bipedetn, qvadrupedem, aempedem, aeripedem, dlipedem ff.; 
hipeda , ceniipeda , decempeda , mUipeda , mullipeda ; scrüpeda ; 
omnimedens; — affodit, circumfodit, confodit, defodit ff.; com- 
tnodus nebst commodat, dummodo, qvömodo; — coniudit; exiu- 
dit ff.; depudet, dispudet, suppudei, impudens; erudii. 

Ausser den schon früher genannten alacer und Seneca, ne- 
ben denen vielleicht auch noch der mythische Name Falacer 
als Beispiel vocalischer Assimilation angeführt werden darf, sind 
an Wörtern mit innerm k (c) noch hervorzuheben ahacus {nQ- 
henaßa^), das durch sein inneres a als Lehnwort gekennzeich- 
net ist, die seltenen ebriacus und miliacus^ die griechischen 
Bildungen wie jyAtaxog, y,VQi(xY.ög, Ttlovaiaxög nachgebildet 
wurden, und volucer, in welchem letzteren das innere u unter 
Einwirkung des nachbarlichen l hervorgerufen sein wird. Sonst 
noch anzugebende Wörter mit anderen kurzen Vocalen als i 
vor ihrem inneren k (c) ergeben sich als zusammengesetzte, g*^ 
interjacit (gewöhnlicher interjicit), praejacit, superjacit; adja- 
cet, circumjacet, interj'acet, praejacet, subjacet, super Jacet; com- 
placet, perplacei; permacei; concacat; adaqvai- supervacat; per- 
macer ; allicefacil, ärefacit, calefacii, commonefacit ff. ; — in- 
secit; asseqvi, conseqvi , exseqvi , inseqvi , obseqvi ff.; conseqve, 
bubseqva , odöriseqvus , pedtseqvus ; desecai , dissecat , ezsecat, 
praesecat (selten praesicai) , resecat ff.; faeniseca, faenisecem; 
enecat (auch enicat), internecat; seminecem; apprecor, compre- 
cor, deprecor, imprecor; addecet, condecet, dedecet, indecet; de- 
decus ; infreqvens , perfreqvens ; duodecim , tredecim ff, ; altrin- 
secus , circumsecus , exirinsecus , forinsecus , inirinsecus , utrim- 
qvesecus ; — concoqvit , decoqvii , discoqvii , excoqvit ff. ; praeco- 
qvem, praecoqvum ; ailoqvt, colloqi^i, eloqvi ff.; blandiloqvus und 
blandiloqvens , breviloqvens, confidentiloqous, dociiloqvus fi. ; fal- 
siloqvaz, maliloqvax; addocet, condocet, dedocei, edocet ff.; ad- 
vocal, convocat ff.; plüricocus, ünivocus; innocens; ablocat, col- 
locat, elocat, oblocat; consocer ; reciprocus und reciprocat; — 
reducem, träducem; educat. 

Neben innerem g findet sich kurzes a in asparagus (= 
aOTtaQuyog), apage (= aTraye), attaghi {— ccTTaytjv), campagus, 
harpagö (neben aQrcäyrj) , pelagus (— Ttilayog) und anderen 



Zur Lehre vom lat. Vocalismus. 161 

Formen, die so als Leimwörter gekennzeichnet sind, kurzes u 
vereinzelt in pupvgit (neben pimgö), ausserdem ist es auch nur 
eine Reihe von Zusammensetzungen, in denen andere kurze Vo- 
cale als i vor dem inneren g ihre Stelle haben; die folgenden 
mögen hier genannt sein: circumagii, per agil, praeter agil, re- 
tröagit , salagit ; arenivagus , circumvagus nebst circumvagor, 
ßuctwagus, monikagus, noctinagus ff.; evagor, pervagor, super- 
vagor; confragm, fluclifragus, foedifragus, naufragus und 7iä- 
vifragus , saxifragus , calcifragus ■ naufragat; — circumtegü, 
contegit, deiegii , ititegit, ohtegit ff.; allegii, iniellegit, neglegit, 
perlegit, praelegit, relegit, suhlegit, translegit; aqvüegem, aqoile- 
gus (bei Späteren), deyiUlegiis (nur bei Plautus), fätilegus, flori- 
legus, friigilegus, sacrilegus, sortilegus, turilegus ; elegans ; inte- 
ger; congregem, segregem; aggregat, congregat, disgregai, segre- 
gat; ahnegat, denegat, pernegal, suhnegat ; — abrogat, arrogat, 
corrogat, derogat ff.; — aufugif, confugit, defugit, diffugit, ef- 
fugit; defugat und ejfugat (bei Späteren); lierifuga, larifuga, 
lücifuga, per fug a , nübifugus ; conßuges; hijugis und bijugus, 
decemjugis, muliijugus und multijugis , dejugis , injugis , conj'u- 
gem; adjugat, conjugat, dejugat. 

Von den Wörtern mit innerem p fallen mit den ihm un- 
mittelbar vorausgehenden kurzen Vocalen alapa und upupa, 
wie schon oben hervorgehoben wurde, unter den Gesichtspunct 
der vocalischen Assimilation; wo sich sonst andere kurze Vo- 
cale als i vor innerem p finden, handelt sichs wieder nur um 
Zusammensetzungen, so sind zu nennen: antecapit; urbicapus, 
incapax; pinnirapus; semicaper ; — astrepit oder adstrepit, cir- 
cumstrepit, conslrepit, insirepii^ interatrepit, obstrepit, persirepit; 
concrepat, discrepat, increpat, percrepat, recrepat; cauricrepus, 
perlerricrepus, pilicrepus ; intepet; abnepus, pronepös; — inopem; 
peropus; — dissupat (neben gewöhnlichem dissipat); discupit, 
percupit; legirupa; asttipet, circumsiupet, consttipet; desujjer, in- 
super. In mehreren von cap {capere) ausgehenden Bildungen 
hat sich unter unverkennbarem Einfluss dieses Lippenlautes an 
die Seite des p ein kurzes u gedrängt, nämlich in aucupem 
nebst aucupor und aucupat, mancupem (neben gewöhnlichem 
mancipeiri) nebst mancupat (neben mancipat) und emancupat 
(gewöhnlich ematicipat), nuncupat, occupat und p)raeoccupat. 
Der selbe Einfluss des p zeigt sich in qvadrupes (neben qvadri- 
pes) und noch mehreren Formen mit der Consonantenverbin- 

Beiträge z. Kunde d. ig. Sprachen. 1. 12 



162 Leo Meyer Zur Lehre vom lat. Vocalismus. 

düng pl, wie lonupUs, centuplez , qvadruplex und qimdruplus, 
sescuplex und sescuplus , ociuplus und andere. 

Vielleicht liegt ein gleicher Einfluss des h vor in iüubat, 
dessen inneres u aber wohl eher wurzelhaft ist, und in intubo- 
(neben i?iiibo- und i?itybo-) und dem Namen Caeciibus. In co- 
luber wurde das innere u wohl wie in dem schon früher be- 
sprochenen Volmer durch Einfluss des vorausgehenden l her- 
vorgerufen ; in celeber entstand das innere e ohne Zweifel un- 
ter assimilirendem Einfluss des nah vorausgehenden Vocals und 
ebenso vielleicht das innere kurze a in cäcabat, während das 
erst spät auftauchende cänaba in seinem inneren a das Kenn- 
zeichen des Lehnwortes trägt. Dass eine Anzahl von pluralen 
Dativ-Ablativen von Grundformen auf u vor ihrem Suffix bus 
den dunkeln Vocal wahrten und an seiner Stelle das i ganz 
oder doch in mehr oder weniger weitem Umfang vermieden, 
wird auch in nächstem Zusammenhang mit jenem Einfluss des 
b stehen; zu nennen sind in dieser Beziehung arcubus, acubus, 
qvercubus, iribubus, ferner artubus (neben artibus), lacubus (ne- 
ben lacibus), partubus (neben pariibus), portubiis Tneben porti- 
bus), specubus (neben specibus), verubus (neben veribus), genn- 
bus (neben genibiis), tonitrubus (neben toniiribus). Wo sonst 
noch andere kurze Vocale als i vor innerem b sich finden, ste- 
hen sie in zusammengesetzten Formen, wie in cmiehabet, post- 
habet; affaber und malefaber (bei Späteren) ; — approhis nebst 
approbat, comprobai, improbat nebst improbus , reprobat (bei 
Späteren); conglobata — accubat, decubat, excubat, tticubat nehst 
incubö, occubaf, recubai, secubat; collubet (neben coUibet), per- 
lubet; innubus, pronuba , subnuba; subrubet nebst subruber; 
alicuhl, neulrtibi , sicubi , utrubi (oder utrobt). 

Manches Hesse sich noch hinzufügen, namentlich in Bezug 
auf die Geschichte jener inneren Vocalkürzen und dann zum 
Beispiel auch in Bezug auf ihr über die vorletzte Silbe noch 
weiteres Zurückliegen; das Gegebene mag aber hier genügen, 
ein Lautverhältniss zur Anschauung zu bringen, das in der ei- 
genthümlichen Färbung dos lateinischen Vocalisn)us einen sehr 
wesentlichen Bestandtheil bildet. 

Dorpat, den 6ten December [24. nov.] 187ß. 

Leo Meyer. 



163 



Miscellanea. 



1) Schwan und Taube. 

In seiner Preisschrift „Ueber den Zusammenhang des letto- 
slavischen und germanischen Sprachstamm.es" S. 50 Note 7 be- ,.^^. 

merkt R. Hassencamp „die Litauer hätten die Namen zweier I 
Vögeln vertauscht", da htauisch gulbe „Schwan" = a\\^sf^Q^ '"'"^ 
kf^ ,,Ta^^i&*' und litauisch h^rlmij;^ (lett. bat'ä4is) „taube" =r*~ / / 
altsiav. 11^»<i[/ „^Ct«5;aii**v.§icli ergebe Die Verwechslung dieser U'l/|>t^ 
zwei Vögel haben indessen nicht die Litauer sich zu Schulden 
kommen lassen, sondern dieselbe ist sehr alt, da sie auch die 
Osseten und Armenier Rennen. Im Ossetischen bedeutet näm- 
lich Dig. t??*^ , Tag. \o^^öi2 „eine Taube grosser Art" — lit. 
baläncFis, und ml ArmeniscKeiT lautet der Ausdruck für Schwan : 
karap, welches aus älterem garahy garh = litauisch gulbe ver- 
schoben ist. I 

Wien Oktober 187G. ]f. Müller. 

2) aYylr^ i). HC^^ 
^^^ihf) Gläu^, ScmJlMatlgr, alyh]EiQ glänzend, strahlend füh- 
ren bei unbefangener Betrachtung auf eine Wurzel UV glgj 
schimmern, die auch in lett. vifet (d. i. v-if-ei) glänzen, schim- 
mern, vifilüi {vifolüt, mfulüi) flimmern, glänzen, vifuU Flittern 2), 
vifulfU mit Flitter putzen, vifns flimmernd enthalten ist. — Zu 
erwägen ist , ob diß so .^wonnene Wurzel ig auf Jag beruhe ; 
zu dieser gehören ahjx, a^sJEs»vlit. ?S«<^ Eisscholle , pl. ?^ini 
Ti*eibeis (nach Nesselm. Wbch. S. 2y), yi^j y^'4*Jreibeis (nach 
Kurschat Wbch. IL 235) ^), lett. Ufy EissseJ^ollen , treibendes 
Eis, germ. Jikan, ßkula *) (vgl. Fick^ I. 730, IIL 31). Das 



*) Das Wort ist in verschiedener Weise von Brugmann Stud. VII. 
314 und Curtius Grundz.^ 137, 631 besprochen. 

2) visuii in ülmanns Wbch. S. 343 ist Druckfehler. 

^) Möglicherweise ist y^fta^^^s^us ndd. f^-'^ntßljn^ 

*) So , oder j^h«^ , Je%nla muss man als gerili. ansetzen ; anlauten- 
des ./ schwand lautgesetzlich Tm nord. und i oder e erlitt „Bf^ohung". 
Uebrigens legt -ndä. Jokel, j'okele (Schilletund Ijibben II. 409) die Ver- 
mutung nahe, dass die von Fick zu an. ^ol^- jöÄMZgestellten german. 
Worte aus dem nord. entlehnt seien?'^""*"'"*^"^'^*^ ^^ ' -■~^^.^,,:^^^'^y.^^..^■•=. 

12* 



164 Miscellanea. 

Eis wäre als „das flimmernde, glänzende" sehr passend be- 
zeichnet, vgl. noch lett. üdens savißjis „das Wasser ist etwas 
gefroren", eigentlich „flimmernd, glänzend" (Ulmann Wbch. s. v. 
vißt). Das Nebeneinanderliegen der Wurzelformen ig und Jag 
fände ein Analogen an ug und vag (Fick I. 206) u. a. 

)as vielbesprochene home'^»y7rtO;-jtnild , gütig, sanft, lin- 
dernd\( j^TTto-dw^og freundlich s|endend; deckt sich genau mit 
lit. o/)«-s (alt auch äpu-s), oder vielmehr mit den\ in der Fle- 
xion dieses Adjectivs erscheinendes! Stamm opia-. ' Opus bedeu- 
tet nach Nesselmann Wbch. s. v. '^weichlich, zerbrechlich"^ ei- 
nige Nuancen dieser Bedeutungen äjnd Im altlit. nachzuweisen. 
In der Bretkenschen Bibelübersetziitig finden sich die Rand- 
glossen: 1) „zart apus dailus iaunas\ zu II. Sam. 3. 39 efch 
fchitai efmi prafias 2) „(mulkus dailus opus" zu kudas I Chron. 
23. 5 3) „^abnus dailus apus^' ebenfall^^ zu kudas das. 30. 1 
4) apus zu g^afzus (zart) Jes. 5. 7. kxik diesen Glossen bez. 
den in ihnen \enthaltenen Synonymen von \&pitis jergeben sich fü^ 
dieses die Bedeutungen „zart, zierlicht^ ^^la/^^h aus „zart 
auch sonst ,,mi\d" entwickelt (vgl. skr.\mH<<^weich^art,- 
zärtlich), so ist Üie Zusammenstellung von ^m^ und opus 
begrifflich gerechkertigt. 

Weitere Verwante dieser Wörter kenne ich liur im griechi- 
schen: riTcedavög schwach, hinfällig, gebrechlich , das eine Er- 
weiterung der zu Grunde liegenden Wurzel mit da voraussetzt; 
iJTtlalog bösartiges Fieber, ursprünglich adj. (zu nvQSTog) mit 
der Bedeutung „hinfällig machend, abzehrend"; 6/rlo- in oftlo- 
TEQog, OTcXöxaxog (zart), jung ; \ anakog zart, weich ; endlich wol 
auch ^jtavla Mangel, Entbehrung ^}. '""'" 

4) Zu SS. 41 ff. dieses Bandes. 
Zu meinem Aufsatz „Mythologisches im altlit. Texten" habe 
ich einige Nachträge zu machen. Das Wort stahas Abgott ist 
in der Bretkenschen Bibelübersetzung noch an einer zweiten 




*) Nur wenn man den Zusammenhang dieser .Wörter mit 7\niog 
leugnet, ist man berechtigt, das letztere mit Aufrecht KZs. 5. .359 if. zu 
skr. dpi , dpja zu stellen. — Aj^dere P]rklärungen haben gegeben : Ebel 
KZs. 4y447 (52i?*^ yg\.l0>frpius) , Pictet das. 5. 42 (vgl. ^v .^%i(j^)«effa\ 
ydn^a) , D}ifff^er das. 12. 24 {l^niog verständig, vgl. v^Tiiog). Sie sind 
SEUumtlich unzulässig. 



Miscellanea. 165 

Stelle nachzuweisen: atfifpirimas eft Stahu meldimas ir abrofu 
flufzba I. Sara. 15. 23, Das Wort findet sich nach Geitler 
Lit. Studien S, 111 auch noch in späteren, ostlit. Texten. — 
Das Wort elkas steckt wahrscheinlich in den von Geitler S. 79 
angeführten Wörtern: auka, aukininkas, aukuras (auko kalnais 
arba aiko-kalnais). Ueber den Uebergang von al in au im lit. 
s. „Beiträge zur Gesch. d. lit. Sprache" S. 73. — Das Wort 
siulpas mit der Bedeutung „Strahl" findet sich im Psalter von 
1625 : fchäuk tawa ftulpus 144. 6 , vgl. Dmhhceffei graüde ir 
ftulpmoo das. 77. 18. ,,.- 

5) MessB^iß. ßi&ßr]. 
Eine Erklärung des messapischen,,. Wortes ßioßr] {ßiaßriv 
ÖQSTravov cif.i7tEXor6i.inv XeyovüLiMiGGciTTLOL Hesych.) lässt sich 
finden, wenn man das zweite ß als aus g entstanden betrachtet 
(sei es durch die Mittelstufe gv, oder durc^ Assimilation an das 
anlautende /?)^^^^^/ff5'^entspricht genau gi*. j^J25«5'^m ^g^*«^^»' 
Messer. — Die Vertretung von cp durch ß kann nicht aufikllen,^ 
denn cp fehlt dem messapischen Alphabet (Mom^sen UD. S. 48) 
und dass messap. h griechischeraf (jP, ig. hh regelrecht entspre- 
che, zeigt ganz deutliclij^gi;^V'^(= oltila Mommsen UD. S. 70), 
das unzweifelhaft mit ahd^^^^. habitatio /erwant ist und zu 
der Wurzel hhü gehört. ' / 

6j Skr. gap. 
Fick hat Vgl. Wbch.3 I. 518 zu der Wurzel 
halten als einzigen arischen Vertreter derselben arm 
fesslen gestellt. Da indessen nach Hübschmanns Untersuc 
KZs. 23. 5 ff. das Armenische — wenn auch Hübschmann die- 
sen Schluss dort nicht gezogen hat — zu den europäischen 
Sprachen zu stellen ist, so fällt der einzige anerkannte arische 
Vertreter jener Wurzel hinweg. Ich glaube indessen an sein 
Stelle einen anderen setzen zu können. „Yaska pw^nt Nir.S 
21 (vgl. Naigh. 3. 29) das Wort repa das männliche (rlied und! 
bemerkt dazu : gepali gapate spr^atikarmano d. h. „Qepah kommt] 
her von dem Verbum gap welches berühren bedeutet". Die Be- 
merkung ist auffallend, denn ein gap berühren kommt nirgends 
vor ; trotzdem ist sie nicht kurzer Hand zu verwerfen, denn ein 
cap „berühren" verhält sich zu'dQm gewöhnlichen! g< 
^«aj^ (5?a/7ai^^''^^h,'TE!?l^?»,Si;j^wui^^^ sekti nacE etwas 

reicht, greifen zvl sekti schwören, lat. m!Si^^ehmen zu gr 





166 Miscellanea. 

oftw/LH schwören (Fick a. 0, IL 41) und aus cap „schwören" 
ein cap „berühren" zu erschliessen, ist um so berechtigter, als 
auch bei den Indern der Fluch mit feierlicher Berührung ver- 
bunden gewesen zu sein scheint (vgl. abhishahga und J. Schmidt 
Vocal. II. 499) i). Da sich das letztere nun an der angeführ- 
ten Stelle findet, so verdient dieselbe alle Beachtung und es ist 
nicht zu kühn, das Verbum ^ap schwören mit der Grundbedeu- 
tung „nach etwas reichen" zu europ. kap zu stellen ^). In ih- 
rem Anlaut stimmen die beiden Verba nicht überein , aber eu- 
rop. k steht mehrfach arischem c gegenüber, vgl. europ. pcku, 
arisch pacu u. a. 

7) Germ, vrisan- Riese. 

Dass ^nj,>^, aJ^df^aJ^tf, risi des as. wrisilik (wrisilik gi- 
werk Hei. 1397) wegen nicht zu got. *rßi^^ sich erheben ge- 
stellt werden dürfe, hat bereits J. Grimm Mythol. 492 bemerkt. 
Zur Erklärung bieten sich dagegen ungezwungen skr. värsht- 
yarhs, värshishtha Compar. und Superl. eines varsha- der Stamm 
des Positivs Hesse sich auch anders ansetzen r^^^^och, gross 
lang", varshman Höhe| \sJL_yerrüca^'i\\i. vpt'g^^^ Obere, ksl. 
^•^«Ä^^^lfeH^^bti^CFicks li. 669; J.^hfiiidt Vocal. II. 19). 

Nach diesen Zusammenstellungen könnte man vrisan-, 
vrisja- erklären als „der hohe, grosse, lange". Diese Erklä- 
rung würde jedoch etwas matt sein. Eine andere bietet sich, 
wenn man daran denkt, dass germanischer Glaube sich die Rie- 
sen als Bewohner der Berge und Felsen dachte (vgl. die Be-^ 
nennungen berghüi, hraunbüi bei Jac. Grimm a. a. 0. S. 499). 
Vrisan- (vrisja-) könnte dem entsprechend ursprünglich den 
„die Höhen,' "Berge bewohnenden" bedeutet haben und Kürzung 
eines Compositums vrisu-büan- sein. Ueber derartige Kürzun- 
gen vgl. Gott. G. Anz. 1876 S. 1373 und u. iamie. 

8) Nhd. tann, ianne. 
Dem nhd. Wort tann entspricht mhd. tan Wald, Tannen- 
wald, mndd. dan Tann, Wald. Dass die Bedeutung „Tannen- 

^) Eine andere Wurzel cap steckt in fd'pa „was lliessendes Wasser 
mit sich führt", ^äpehi „angeschwemmtes Schilf u. dergl." ; sie erinnern 
an lit. szapas Halm, Ilachel j)!. szäpai „der Rückstand, den eine üeher- 
schwemmuiig auf den Feldern zurücklägst". 

'^) Grassmann Wbch. 0. 1378 zieht an. hefnu rächen, strafen zu 
cap; indessen die Bedeutungen beider Verba stimmen doch zu wenig 
überein. 



Miscellanea. 



167 






wald", welche an unserem iatin klebt, und die das mhd. ian 
zeigt, unursprünglich ist, ist leicht zu beweisen. Tatm hängt 
unzweifelhaft mit tarnte, ahd. ianna zusammen. Dieser Baum- 
name hatte ursprünglich nicht die specielle Bedeutung „abies", 
sondern eine allgemeinere, wie daraus erhellt, dass ahd. ianna 
nicht allein durch „abies", sondern auch durch „quercus" glos- 
sirt ist (Graff V. 428j. Diese allgemeinere Bedeutung kann nur 
,, Waldbaum" gewesen sein, und folglich muss, den Zusammen- 
hang von tanne und iann vorausgesetzt, dieses ursprünglich 
„Wald" bedeutet haben Erst nachdem ianna ausschliesslich 
die Bedeutung „abies" angenommen hatte, erhielt ian die Be- 
deutung „Tannenwald". 

Was das formelle Verhältniss von ianne zu iann betrifft, 
so betrachte ich ahd. ianna als Kürzung eines vorauszusetzen- / /\yu«AAA 
den Conipositums ianna-boum „W'aldbaunr', das im mhd, {ian- 
houm Lexer II. 401) neu gebildet ist und wieder neben der spe- 
ciellen Bedeutung („abies"; die allgemeinere und ursprünglichere 
f„Waldbaum") zeigt. 

Aus der Vergleichung von mhd. ian (tannes) und mndd. 
dan (dannes) ergibt sich eine Grundform danna- die sich völ- 
lig mit gr. \diü}.ivo-g dightes,, Buschwerk , Gesträuch , Gebüsch 
deckt. — Neben jenem danna- könnte auch äamma- vörkom- ' 
men; ob sich dieser Stamm in dem von Schiller und Lübben 
Mndd. Wbch. s. v. dan angeführten Dative dämme (in eneme 
dämme) erhalten hat, wage ich nicht zu entscheiden. 

Ueber die griechischen Verwanten von &tt(.ivog hat in sei- 
ner umfassenden Weise Ahrens Ueber die Göttin Themis II. 
(Programm des Lyceums zu Hannover, Ostern 1864) S. 26 ff. 
gesprochen. Von germanischen hebe ich noch die von Fick 
Vgl. Wbch. 3 III. 148 unter dimma zusammengestellten Wörter 

hervor. \^)'lj"^ 

9)lNdd. man. , * 

Die in der niederdeutschen Sprache viöt^gbrauchte Partikel 
man — hier in Göttingen hört man dafür hMß.g' Mant— „nur" 
findet sich in derselben Form und Bedeutung schon in den äl- 
teren ndd. Dialecten, so in mnddT""'^?««^. mS^s^md im afries. men 
und mo^ma. Die Lexika geben ausser der Fedeutung „nur" 
auch andere^ etwas abweichende Bedeutungen an; dass aber 
„nur, allein" die eigentliche Bedeutung der angeführten Parti- 
keln sei, wird jeder bei sorgiältiger Prüfung der in ihnen an- 



168 Miscellanea. 

geführten Belege leicht erkennen. — Ich hebe besonders den 
mndd. Gebrauch von men, man zur Verstärkung des Imperativs 
hervor, der des weiter folgenden wegen beachtenswert ist; er 
findet sich ebenso im modernen nd^. — Was die neben men, 
monna stehende(a^ PartikeAi^^/jT ,,nur, ausgeffsojiderti, a^bpj^ 
betrifft, so nehme ich an, daassieT durch 'Vermen^ung von men 
mit were, wera, wara „sondern, aber, ausser", das von v. Richt- 
hofen s. v. richtig erklärt ist, entstanden sei. — Das ndd, man 
erscheint endlich auch im altnord. in der Partikel nema (= «e- 
man), wie K. Hildebrand in seiner scharfsinnigen und umfassen- 
den Besprechung dieses Wortes (Ueber die Conditionalsätze und 
ihre Conjunctionen in der älteren Edda, Leipzig 1871, S. löff.) 
überzeugend nachgewiesen hat. 

Was die Etymologie von man betrifft, so hat Hildebrand 
a. a. 0, es dem hd. wan gleichgestellt i) , worin ich ihm indes- 
sen nicht beitrete. Denn einerseits ist der Uebergang von w in 
m in den german. Sprachen verhältnismässig so dürftig bezeugt ^j, 
dass man gut tut, mit ihm nicht zu operiren, andrerseits ist er 
innerhalb der german. Grundsprache, der man unz^ifelhaft an- 
gehörte, vöHig beispiellos. Id^telle man (St|«^m mana-y^M 
gr. (.lovo-g, ep. fiovvo-g (SJafmm /iiovfo-)'^ymii dem Gdn'auch 
des adv. /iiövov stimmt n^n besonders Jli so fern üloerein, als 
auch jenes verstärkend zum Imperativ tritt. 

Indessen nicht nur im griechischen, sondern auch im litaui- 
schen findet sich ein Reflex des ndd. man. Ich meine die 
— mit yVusnahme einer Stelle, an der d«n;^ptativ steht — nur 
beim Imperativ vorkommende Partikel m5^k^ (minaü), über 
welche Schleicher Glos. z. Donal. p. 233 gSprochen hat 3). 
Er übersetzt das Wort mit „durchaus, ja", ebenso jetzt Nessel- 
mann (Glos. z. Donal), welcher »i/?2^^frühäK,(Wbch.) ganz un- 



^) Vgl. Höfer Germania 15. 81. 

2) Die wenigen mndd. Fälle der Art hat Lübben Mndd. Wbch. III. 
S. 1 zusammengestellt. Das einzige Beispiel, welches er dort für den Wech- 
sel von tn mit b anführt, ist nicht zutreflbnd,' denn bat und met sind 
etymologisch verschieden. Bet gehört mit ahd. bit (Müllenhoff u. Sche- 
rer Denkm.2 n. LXVI z. 23 u. 24), mhd. bit-, bat- (in bitalle, betalle) zu 
äol. Titöä (Wackernagel Ad. Handwbch. 85a, Führer de dialecto boeot. 
S. 40); met mit ahd. mit zu gr. fiträ. 

") Ich kenne das Wort nur aus Donalitius und der von Schleicher 
a. a. O. citierten Stelle seines Lesebuches p. 140. 



Miscellanea. 169 

richtig die Bedeutungen „durchaus nicht, ja nicht, beileibe" bei- 
legte, "^"^ch Kurschat endlich (Deutsch-Lit. Wbch. s. v. ja) 
dient min^M^ zur Verstärkung der Warnung oder Ermahnung. 
Er führt an : 'mvfmik^ saugökis und minäu ri'uzmlrszk. Wie man 
hier auch die bedeütung „nur*' annehmen kann, so an allen 
anderen zu belegenden Stellen. Begrifflich steht also der Zu- 
sammenstellung von minäu mit fiövov und man nichts im Wege; 
eben so wenig formell. Welcher Casus in minäu vorliegt, lässt 
sich nicht erkennen; es erinnert an taczaü, Jaü, hau. 

Wenn Schleicher in minau einen verkürzten Imperativ, etwa 
von minavöti gedenken annehmen wollte, so ist dagegen einzu- 
wenden, dass eine Verkürzung von minav6k(i) zu minäu doch 
zu stark ist, um ohne Aveiteres behauptet werden zu dürfen, und 
dass die Bedeutung „vergiss nicht, denke daran" zu wenig in 
minäu hervortritt, als dass man annehmen müste, es habe sie 
jemals besessen. 

Die weitere Verwantschaft der besprochenen Wörter vgl. 
bei Curtius Grndz.3 n. 475. 

' . 10) arvl^ü}. 

i^Tt-gta^bedeutet ursprüä^ij^ „beengen, beängstigen", pas. 'A 
„beengt, ängstHt^i sein , werden"*1i^dweiter „verwirrt, betäubt 
sein , erschrecken^NLQheu werden", jt-p^.^ das schon Hesych 
atvteo^ai zu (xrunde legte ^\ , liegt demselben begrifflich fern, O 

ebenso skr. tu/ schlagen, stossen, sclniellen, zu dem Sonne KZs. . 

12. 297 arvteod^ai ziehen wollte. l^ivOio ist in a und Tt-Cw zu" 
zerlegen (vgl. o. S. 69 d-refißw 2)) ; tiIco ist aus Hfsyyuo ent- 
standen (part. aor. pas. anx^sig 11- 6. 468) und auf das eng- vi., 
ste verwant mit germ. (p^rt»^'pt^^^diökt, cTil5k^|Fick3 III. 133), 
ksl. iq(/a afflictio, anxietas, angor (l^lck^ Iti. 576), lit. pmrl^$^ 
(oder -tegui? e oder ^' aus ^) hinter einärÄder (vgl. an. /^Ä^r 
in der Bedeutung „eng, ne'b©a.,.eina!tti€J^'J, pra-tega {oder -i egal) 
Knieriemen der Schuster (ksl. J_^^o Riemen), niieTS.ittrrj^doii 
contorquere, contrahere, constringere , /?/;//? (^«ji^ fortius'^aslrinT"' 







^) Leo Meyer macht miÄr freundlichst darauf aufmerksam, dass 
schon Benfey Allgemeine Monatsschrift 1854 S. 38 u-ri^ß(o zu skr. [ava-) 
damhh gestellt hat. 



170 Miscellanea. 

gere cingulum vel frenum (Hübschmaiin K. Beitr. 7. 462), — 
Die Annahme einer yflvafig , gr. Tßeyy rechtfertigen Ficks Zu- 
sammenstelhingen ; wer an ihr Anstoss nimmt, mag a-rrCw aus 
Toyyuü erklären. Die Etymologie bleibt trotzdem dieselbe. 

Adalbert Bezzetiberger. 



11) Zur Erklärung der Tabula Bantina. 

V. 20 ff. Avt soaepis censiomen nei cehnusi clolud malud 
in. eizeic vincter , esuf comenei lama iir pr. meddixud lovtad 
praesentid , perum dolum mallom , in. amiricatud allo famelo 
in. ei. sioom, paei eizeis fust, pae ancensto fast, tovtico estud ^). 
Der Sinn der Worte esuf lamaiir wird durch „caput dimi- 
nuatur" zweifellos richtig wiedergegeben, aber di^ Etymologie 
von lamaiir scheint nicht erkannt zu sein. {Z)hi^^i?>v^t III. sg. 
conj. praes, pass. eines Verbumv.;^gjw?^5^jbrechen, aufhören ma- 
chen", oder III. sg. praes. ind. (in conjimctivischem Sinne ver- 
wendet wie sakarater Weihinschrift von Agnone Z. 21) eines 
^ y . Verbs lamaum von gleicher Bedeutung 2^. Mit la^nrnn odertste 
V/^y" j^jftaum ver\^ant sind gr. vcohiue^sJ== (ini2-o%^Ps^ unaufhörlich ' 
y^'O^undjDreuss.yAwli^^^ V^ Wbch!^"Tir'^52). 

'"'' allo ist nicht lät>, alia^f, sondern got. alla (oder *«/« ?), 
vgl. altirT^I^J»»^ , cambr^- ijorn. arem,_. Ö^,^/2!^mnis (Vgl. Wbch.i 
1. 499); oHd fa^ivtip ist'''^8o,^,^^das'''^!^»^e Veri!?is^^''. in. ist 
jdie geläufige i\.bbreviätur für'-'VM'm , n. mü" eiiuo , vgl. (suvad) 
'eiiiv. —leiliuvad. Dem alh^.J^ fuM^lo) parallel steht sivom ~ 
"umBr." '^evö)n^€~gr.l anfagmeii', g^^\ , "'*• — " 

FüTTie Richtigkeit ^"seTDeuTüng spricht der Zusammen-^ 
hang : wer sich nicht hat censiren lassen\an esuf und eitua, f 
soll so gestraft werden, dass sein esuf gebrochenun^^eine ei- 
tua insgesammt dem Volke verfallen sei. 





*) Selbstverständlich muss das V der Tabula Bantina als v gelesen 
werden, wo es nach Ausweis der übrigen oskischen Denkniäler als v ge- 
sprochen ist: Formen, wie attt, siiae, foutico entbehren jeder Gewähr. 
^) Anders wird die Form lamutir aufgefasst von Bugge KZs. 22. 415, 
^) Mommsen UD. 247 stellt nllo =rr illa; es ist indessen nicht recht 
glaublich, dass dasselbe Wort im osk. *alliis , im l;it. olli/s , ille , im 
umbr. iilo- gelautet habe. 



Miscellanea. ^ 171 




12) Osk. umbr. vorsus, lit. varsjms. \ 

Forsus „das nationale Ackermass dqr'^Osker und Umbrer, 
von 100 Fuss ins Geviert, entsprecheiid dem griechischen Ple- 
thron" (Moramsen UD, 260) ist aps" *vorsius entstanden und i 
entspricht genau dem lit. varsias „ein Pfluggewende, eine Strecke \ 
auf dem Acker nach deren Bestreichung mit dem Pfluge man 
umwendet, die Länge der l'^rchen und Rücke, auch als Wege- 
mass gebraucht" (Nesseljjfänn Wbch. s. v.). Das diesen Wör- 
tern zu Grunde liegende envo^.l^varsta ist von der W urzel vart 
wenden gebildet up^ bedeutet ursprünglich „Wenidung"7^ dann 
„den zwischen awei Wendungen (mit dem Pfluge) liegenden 
Raum". Varsiü ist in die Reihe der sprachlichen Belege für 
den Ackerbad der ungeteilten Indogermanen Europas aufzu- 
nehmen. / 

13) Umbr. |5^/?a.^ 7 
Das Verbum bifia, für welches schon Aufrecht und Kirch- 
hofi" USD. p. 37 die Bedeutung „sehen, schauen" erschlossen 
haben, und das von Bücheier Populi Iguyini Lustratio (Bonn 
1876) noch präciser und richtiger durch (,j,nuntiare" übersetzt 
ist (z. B. 48 combißatu nuntiato, 52 conbijiansiust nuntiaverit) 
beruht auf einem Thema bhudhja , gebildet aus y^bhudh , zu 
der vielleicht auch die latein. Namen Fufius und Fußdius ge- 
hören. 

14) T6Q€/.lVßl/. 

Zu der im ital. reich ent;Mteten y^m'^,^jiJro]i^jJrabs^a\- 
ken, umbr. trebeit aedifica^äf, osk. iriibnm BauwerkW'^Kymr. 
ireb Dorf, lit. iroba Geb|kride scheint das äichierisc^ teQe/.ivov, 
TiQa(.ivov Halle, Gern^^ zu gehören, das demnajjii'für Heqsßvo- 
stünde und Laut fäi^ Laut dem umbr. iremn^, das schon Auf- 
recht aus treb;^ erklärte, entsprechen^^rde. Auf slav. Ge- 
biete ist vep^^nt ksl. iremü, rus. tereßffu aus *lerebmü ; die Zu- 
sammens^ung von iremü mit jr^ef.ivov rührt schon von Mi- : 
klosick^ (Lex.) her, '^ » 

-^ 15) TTccd^vrj — q)ttTvrj Krippe zu yfßad^. 

cpatvrj — dial. 7tdö^vr] Krippe bedeutet eigentlich „Vertie- 
fung", wie daraus erhellt, dass die Vertiefungen im Tafelwerk 
ebenfalls mit diesem Wort bezeichnet werden. Damit ist denn 
auch die Etymologie der Wörter gegeben : 7tad^ = rpar in Ttad^vr] 
= cfdTV7] entspricht der Wurzel ßaS^ in ßa&vg, ßevd^og, ßod^gog, 



172 Miscellanea. 

vgl lat. fodio u. s. w. ^ Ttad^ =■ ßaO^ wie Ttvd^ in /tv^-/^^v = ßvd- 
in ßvd-og. ^ . .«„ ■ — "--^ "" ' 

16) Lat. rSiits Sraidc, ksl. rozga Zweig zu lit. re^i^^n^^W^ 
^Wie Bezz^berger^ 0. S. 68 dargethan, gehört skrTrt^t zu 
lit. r^^*// ßeeljten, bestricken, binden, schnüren. Es wäremif- 
fallend, wenn em so wichtiges altes Verb sich nicht auch sonst, 
wenn auch nur in Ableituji^n erhalten hätte. Zweifellos ge- 
hört hierher lat.^'^Ti^H^* Striclv^*il|das demnach für resc-ti-s 
steht, wie pasior Tv^-p^c-tor. Den Eauten nach gehört hier- 
her auch ksl. rozga palmes, doch vermag ich nicht anzugeben, 
ob mit rozga ursprünglich eine Ruthe, Rebe zum Binden von 
Reiserstricken bezeichnet wurde. 

17) Armen, neghem, glukh, Ihuz, isarr. 
Angeregt durch die schönen Arbeiten Hübschmanns, der 
meines Erachtens zweifellos die armenische Sprache als den 
äussersten Vorposten der europäischen Gruppe dargethan hat» 
gebe ich im Folgenden einige armenische Etymologien, welclie 
ebenfalls auf europäischen Character deuten. 

neghem premo, affligo, neghuthiun afflictio, angustia (nach 
Hübschmanns Transscription nelem) weist auf eine Grundform 
'*nerem , denn armenisches gh ist regelrechter Vertreter eines 
ursprünglichen r, vgl. astgh = dotiqQ. Dieses ^nerem findet sich 
genau wieder im lit, neriti, ner-ii einziehen, einschlengen, einfä- 
deln, wozu z. B. germanisch nar-va- eng = englisch narrovo. 
Im Griechischen zeigt diese Wurzel sich als laq neben vaq, 
vgl. vaQMOV dozöv Hesych. neben Xagycog, XaQxiov und vcxQva^- 
iCLßiOTog Hesych. neben laQva^ i). — Nebenbei bemerkt, das 
gleichlautende Wurzelwort zum ursprachlichen ?iar der Mann, 
Mensch lässt sich sehr wohl durch folgende Zusammenstellung 
gewinnen : s]sir.'fiar-manSch^z, Spass, su-nara^ü-nr-ta erfi'eulich,» 
_zend, Jßt^raJJk[Qe^ßur'^az\i stellen sich im litjisjpä^^iMf 
Begierde -«fia das abgeleitete nari zürnen , in nirsnzürnen, 
närsa-s Zorn. Die Grundbedeutung aller dieser Wörter ist eine 
und dieselbe, sie lässt sich etwa durch O^vf-ielad^ai, imd^v/ueiv 
ausdrücken. Besonders schön stimmt lit, nöra-s zum zend. 
hunara Tugend ^), demnach wörthch „der gute WilTe". ~~^ " 

') Vgl. XCxvov neben vCxXov, lit. nPknti, Biigge Curt. Stud. 4. 335. 
') [Auch zu ved. ndrä^dmsa, zend. nav't/öcaiilia ,,dor den (göttlichen) 
Willen verkündende"? B.] 



Miscellanea. 173 

Armenisches gluhh Kopf kann sehr wohl für galu-ka stehen. 
Fassen wir dann weiter galu als galva, so haben wir die letto- 
slavische Bezeichnung des Kopfes: lit. gahä — ksl. glava. 

thuz die Feige scheint mir identisch mit tv-/.o-v , altgrie- 
chisch und dialectiscli für atyiov Feige, doch vermag ich die 
armenischen Lautumgestaltungen nicht genau zu begründen. 
Das armenische_/ÄS<|j'^^jpi!ii^rkenne ich wieder im preussischeiL— 
garrian Baum. Dazti g^iör^n weiter lit. glre Wald und die 
griechisch-dialectischen Wörter ßaqve(f dtvdqa und ßdagor ÖQveg, 
öevÖQu beide bei Hesych ;7arwa Baum findet sich in Sanskrit- 
lexicis, ob es vorkommt weiss ich nicht. 

18) Kiaaa Heher, Gelüst zu lit. geidzü. 

xlaaa heisst Heher und Gelüst, besonders Gölüst der 
Schwangeren. Es ist kein Grund, in -ulaoa zwpt' verschiedene 
Wörter zu sehen; der Heher ist als der lüsfce'rne, begehrliche 
Vogel gut bezeichnet. Die ältere Form iöC yielaaa, das erhellt 
aus der hesychischen Glosse :\X£iöjff^-'''x/ö'(ra. ^d^covsg. et isty^ 
vor Doppelconsonanz zu / contr^^Mrt wie z. K. in rQiay(.aide,K& 
für TQeia-TiaL-ÖEKa. Die Grujmform xelaaa lässt sich nuijk^ver- 
schiedentlich auflösen, i]»efner Ansicht ist sie nach Atialogie 
von yuaaög Epheu zuL^-behandeln. Wie Windisch (Cirrtius Stud. 
Vn. 184) gezeigt^-fiat , steht maoog für y-id^-jo^ — xt^-jo-g 
und gehört ziv^iner Wurzelforra x«^ = X^^.-^ssen, vgl. lat. ^ \ 
hed-era Egheu. Zu dieser selben Wurzelfprrh Ksd- gehören bei- (>£^*vV^ 
läufig befnerkt die drei Bechernamen /^avßiov {= y,idjvq)iov), / , / 
xi]d^i g und mod^tüv , alle drei demna^eh als „fassende", als „Ge- *""^ ^^ 
fasse" benannt. Lösen wir also,-*äch der Analogie von xiaoog 
unser y,sTaaa auf, so erhalten x<ir als Urform yisid^-ja = %ELd^-ja 
und dieses yiSL&ja stimmt vollständig mit dem Mt.Qßit^ff^ 
(^e^*»lr)"1)egehren , verlangen , wünschen , sich gelüsten lassen. 
Wir dürfen demnach ein europäisches gheidhja- begehren auf- 
stellen, eine Weiterbildung von ghaja begehr^ mit dhä thun, 
vgl. lat. m-hiäre. .^Dazu gehören auch goth. ^o^ZSiißMangel, 
.imd.. ahd.j^^^hd'.^'t?^«^ ..,^...^.-^-.«^..= 

Bedenken Könnte erregön, dass diese Erweiterung sich bei 

den Südeuropäern sonst nicht nachweisen lässt; allein die ganz 

parallele Erweiterung des ursprünglichen ffha begehren durch 

^dha lie^t im Griechischen deutlich genug vor in ^arf'w, yaTi^ia, 

XrJTog die nach griechischen Lautgesetzen der Reihe nach für 



174 Miscellanea. 

Xa-d-id}, %a-d^ito) (vgl. eQE&lCco zu sged^co), %i}-(^o-g stehen. Mit 
%rj-d^o stimmt ganz genau , wie mir Bezzenberger mittheilt , lit. 
güda-s {goda-s, sly^gädor^m gaduii, gadoii Iliob 27. 8 ivif der 
Bretkenschen JBiDelüb,^etzung) , Habsupfef , ß^ewwv^f Greizj^ 
demnach dürfen wir auch die Basis, ^a-ö?iw3f, ghär^ia begelji^ 
als bereits europäisches Gebilde aufstellen. Auch das gefinani- 
sche gada- gut ist wohl als das begehrte, begehrenswerthe zu 
denken; a/a-^o-g ziehe ich jedoch lieber zu aya-f-iai Dagegen 
lakonisch '^aaio^, ^ccKLog gut, edel steht für xaS^iog und stimmt 
,in der Bedeutung zum germanischen gada- gut. A. Fick. 



A 






f9) Nhd. garstig. / 

Nhd. garstig hpslich, widerlich i), mhd. garst/%i. m. ran- , 
ziger, stinkender (Jeschmack oder Geruch 2), \<?«rÄ/ ranzig, ver- 
dorben schmeckeiiid oder riechend, garstic , gestio ranciduly«, 
rancidus, garsUkeit, gerstikeit rancor (Lexer^Khd. Wbch. s.Xv.), 
ahd. gersti i^a'ncor, mndd. garst, g ar stich ,ßarster ich , g^terich 
ranzig, stinlcend, bitter von Geschmack (^'ch bildlich gßbraucht 
gasterige/hochfart u. a. vgl. Schiller /l. Lübben M^Üd. Wbch. 
s. v.),/nndd. garsterich, galsterich ^y, an. gersta j^m.&[i belästi- 
gen, jjlagen, ^er5/r sauer, mürrisch*) beruhen /sämmtlich auf 

^) Vgl. darüber L. Meyer KZs. 20. 305, wo der von andrer Seite 
(s. das Grimmsche Wbch. s. v.) angenommene Zusammenhang des Wor- 
tes mit „gähren" mit Recht als unmöglich bezeichnet ist. 

ä) Eigentlich „Ekel, ekelhafte Beschafienheit", vgl. lat. taediiim in 
der Bedeutung „ekelhafter, ranziger Geschmack, Geruch". 

') Ueber die hier stattgefundene Entstehung des / aus r durch Dis- 
similation vgl. meine Arbeit „Ueber gegenseitige Assimilation und Dis- 
similation der beiden Zitteriaute in den ältesten Phasen dfes Indogerm." 
Ich benutze diese Gelegenheit um einige Verselicn in ihr zu berichtigen. 
Zunächst bitte ich den Artikel aftarhringu S. 40 zu streichen, da diese 
Form von Graff IV. 1167 hypothetisch angesetzt ist, um das Bib. 8 er- 
scheinende aftarringa zu erklären. Dieses ist einfach eine durch Anleh- 
nung an rmg gebildete Nebenform von aftarlinga, ebenso wie das S. 42, 
namhaft gemachte silbarringa für -linga. — Sodann muss zu S. 43 nach- 
getragen werden , dass mhd. morier auch schon im mhd. mortel neben 
sich hat, und endlich ist die S. 42 vorgeschlagene Erklärung von reldcu- 
lichonti durch rehtatrichonti unzulässig; in jenem ist vielmehr eher reht- 
Cdlirhnnti (cf. got. galcikon) zu erkennen. 

"*) Engl, ghastly, agha.st, welche Cleasby-Vigfusson s. v. gerstu hier- 
her stellen, gehören wol eher zu mndd. gre-ne Schauder, Grausen u. s. w. 
das auch lautlich an lat. horrere erinnert. 




Miscellanea. 175 

garst- unangeneliny^uwider (resp. einem Verbum oder Substan- 
tivum von entsprechender Form und Bedeutung), welches sich 
auf das engste^anscldiesst an ht. grasüs widerhch, ekelhaft, 
grasiimas , ßft-am Ueberdruss , grhti überdrüssig werden , Ekel 
empfinden/" Aus der Zusammengehörigkeit dieser Wörter ergibt 
sich einpi^'nordeurop. yfghars oder ghras Widerwillen empfinden / 
oder erregen. jZu ihr stelle ich auch lat. ?^5ij^_§*«i|j£^tolze 1 
Veraclitung (eigentl. „das vornehme Ekeltun"7v§V/^]^S^m in \ 
gleicher Bedeutung). Die ursprüngliche Bedeutung von fasius \ 
hat sich in fastidio, fastidium erhalten; ich betrachte das er- \ 
stere als Compositum von fasiu- und -dio (vgl. au-dio), aus ] 
fasiu-dio entstand fastidio , aus dem das Nomen fastidiu-m ! 
entnommen wurde. Dieses dehnte nach Analogie von fasii- 1 
giu-m, vestigiu-m sein erstes ^,• der gedehnte Vocal drang dann 1 
aus dem Nomen auch in das Verbum. • 

Andere Etymologien des lat. fastus haben aufgestellt Cors- 
sen KZs. 11. 423 und Ausspr. I. 141 (zu>kfC3lö*-'g5g&»^ 
Froehde KZs. 18. 315 {fastus verwant mit fastigium) , Breal 
KZs. 20. 79 (zu skr. dharsh gr. -d^Qaavg). Ich muss es meinen 
Lesern überlassen zwischen diesen Etymologien, unter denen 
die Froehdes die beachtenswerteste sein dürfte, und der o. auf- 
gestellten eine Entscheidung zu treffen. 

Strassburg, 8. Nov. 76. Fr. Bechtel. 



Zu dem Nekrolog i'iber Hi. Haug. 

Nachdem ich bisher es vermieden habe, mich über irrige 
Angaben zu äussern, die sich in mehreren theils zu Haugs Leb- 
zeiten, theils nach seinem Tod erschienenen Lobreden finden 
und mein Verhältniss zu ihm entstellen, glaube ich aus Anlass 
des Nekrologs in diesen Beiträgen S. 70 ff", einige Worte sagen 
zu sollen. 

Haug liebte es sich als Autodidakten darzustellen. Das 
war er höchstens bis er in das (jrymnasium zu Stuttgart ein- 
trat. Auf der Universität hat er bei mir sieben Semester ge- 
hört und jeden Vorschub erfahren, den ich damals einem Schü- 
ler gewähren konnte. Er hat aber in seiner gedruckten Auto- 
biographie nicht für gut gefunden meinen Namen zu nennen 
(vgl. Justi Abfertigung des M. Haug. Leipzig 1868 S. 14). Ich 
habe während seiner Studienzeit bei Collegen um Stipendien 



176 E,. Roth Zu d. Nekrolog über M. Haug. 

für ihn gebeten und zuletzt durch Fürsprache beim Minister zu 
der Gewährung einer Reiseunterstützung mitgewirkt. 

Wenn ich ihm abrieth sich ohne weiteres in die akademi- 
sche Laufbahn zu werfen, vielmehr ihm zusprach, dass er — 
wie es früher sein eigener Plan war — die Prüfung für Lehr- 
stellen erstehe, so wird jeder diesen Rath gewissenhaft finden, 
der weiss, dass Hang ganz mittellos war. Dadurch war aber 
sein krankhaftes Gefühl verletzt. Als er von Göttingen zurück- 
kehrte, suchte er mich nicht auf. Ewald schrieb mir damals, 
dass ihm Haugs Arbeit über eine (ratha, welche in der Zeit- 
schrift d. d. m. G. erschienen war, verunglückt vorkomme, und 
wünschte, dass ich Haug auf den richtigen Weg weise. Ich 
versprach es zu thun, sobald Haug sich mir vorstelle. Das 
wurde dadurch bewirkt, dass Ewald ihn einen Brief an mich 
bestellen hiess, und ich sagte ihm meine Ansicht über seine 
Exegese, die heute niemand vertheidigen wird. Haug aber 
konnte das nicht ertragen, wandte sich gänzlich von mir ab 
und scheint nun bei sich die Ansicht ausgebildet und später 
an seine Freunde weiter verbreitet zu haben — der Mythus 
kommt erst nach einer Reihe von Jahren vor — dass ich seine 
Habilitation in Tübingen verhindert habe. 

Ich lese diese Behauptung in dem Nekrolog zum dritten 
Male. Nichts desto weniger kann ich mich nicht erinnern, dass 
er mir auch nur die Absicht einer Habilitation mitgetheilt hätte, 
noch viel weniger hat er wirklich einen vorbereitenden Schritt 
gethan. Und wie mit dieser Angabe, so steht es noch mit 
manchen anderen in jenen Darstellungen. 

Mein Urteil über Haugs Leistungen, das allerdings von 
demjenigen seiner Verehrer weit abweicht, habe ich hier nicht 
auszusprechen. Ich habe zu seinen Lebzeiten jede Polemik mit 
ihm vermieden und ihn selbst aus Anlass eines seiner Ausfälle 
wissen lassen, dass ich, wenn auch er es vergessen hätte, mich 
immer erinnern werde, wie lange er mein Schüler gewesen sei, 
und in keinen Streit mit ihm eintrete. Das habe ich gehalten, 
so zahlreich die Gelegenheiten waren, sein selbstgefälliges Auf- 
treten zu strafen. Ich hätte es darum billig gefunden, dass die 
laudatores die Schonung anerkennen und nicht den Hingeschie- 
denen auf Kosten lebender verherrlichen. 

R. Roth. 



177 



Die Entstehung des st und ss im Lateinischen. 

Es ist bekannt, dass mit Ausnahme des Sanskrit die indo- 
germanischen Sprachen in der Wortbildung das Zusammen- 
stossen zweier dentaler Verschlusslaute vermeiden und daher 
Dentale im Auslaut von Wortstämmen vor den mit einem Den- 
tal anlautenden Suffixen in den Spiranten des gleichen Organs 
übergehen lassen. Vgl. u. a. Bopp Vergleichende Grammatik 
§ 101 f., Pott Etymologische Forschungen II ^ 60 f., Schleicher 
Compendium §§ 139. 148. 157. 173. 182. 191. 202, Curtius 
Erläuterungen zur Schulgrammatik p. 35, wo der Grund dieses 
Lautwandels sowie der physiologische Vorgang, durch welchen 
der Sibilant erzeugt wird, treffend dargelegt ist. Der häufigste 
und für das Lateinische allein in Betracht kommende Fall ist 
der, dass ein ^-Laut mit folgendem i zu si wird. Es ist die 
gewöhnliche Annahme, dass dieser Lautwandel, der in den 
übrigen bezeichneten Sprachen ein durchaus geläufiger utid re- 
gulärer ist, sich auch im Lateinischen „in nicht geringerem 
Umfange" finde, nur „in versteckterer Weise", insofern ein 
grosser Teil auf solchem Wege entstandener st in Folge einer 
weitergehenden Lautzerstörung zu ss und dann nach langen 
Vocalen und Diphthongen zu s geworden, dass also Formen 
wie zum Beispiel quassus casus fessus usus durch die Mittel- 
stufen "^quasius * castus *festus ^ustus aus *quai-tus *cad-tus 
*fet-his *ut-ius entstanden seien. Ich bin an dieser Auffas- 
sung, die ich früher geteilt habe, seit längerer Zeit irre ge- 
worden und zu der Ueberzeugung gelangt, dass die ältere Er- 
klärung der angeführten Formen, nach welcher dieselben viel- 
mehr die Mittelstufen ^quat-sus *cad-sus *fet-sus "^ui-sus vor- 
aussetzen, die richtige ist. Mein Hauptbeweis für diese An- 
sicht stützt sich auf die Beobachtung der Entstehung des st in 
den historischen Formen. Ich untersuche daher im Folgenden 
zuerst den etymologischen Ursprung der tatsächlich vorliegen- 
den s/, stelle dann zweitens fest, in welchem Umfange ss (s) 
aus st hervorgegangen ist, und versuche endlich auf Grund der 
gewonnenen Resultate' die angeregte Frage zu entscheiden. 

Beiträge z. Kunde d. ig. Sprachen. I. 13 



178 F. Fröhde 

I. 

Die Entstehung des st. 

Das lateinische st im Inlaut der Wörter entsteht 1) in 
Uebereinstimmung mit dem Altbaktrischen , Griechischen, Sla- 
vischen, Litauischen, Germanischen, Keltischen aus d-t-\-t, 
2) wie in allen Sprachen aus s-\-t. 

1) st = d-t ■\-t. 
Aus einem ^Laute ist das s der Lautgruppe st hervorgegangen 
in folgenden Fällen: 

1) in Bildungen mit den Suffixen tro ira tri und den zum 
Suffixe tor gehörigen Suffixverbindungen iri-c und tri-na, d. h. 
mit den Suffixen, die mit ir anlauten. Diese Entstehung des 
st ist anzunehmen für folgende Wortformen: 

castrum 
aus cad-trum von W. caJ =skt. chad „decken, umhüllen, ver- 
bergen" (Corssen Beiträge p. 372); formell entspricht skt. chat- 
tra- n., dessen Bedeutung „Sonnenschirm" aus der allgemeine- 
ren „Schutz, Schirm" individualisirt ist. Das Suffix tro er- 
scheint zu tri geschwächt in procestria ; Paul. Epit. p. 225 M. : 
procestria dicuntur, quo proceditur in muro. Aelius procestria 
aedificia dixit esse extra portam. Artorius procestria, quae 
sunt ante castra. Vgl, Corssen a. 0., der nur darin irrt, dass 
er in der Erklärung der Worte des Aelius Stilo procestria at- 
tributiv mit aedificia verbindet, während dieses vielmehr zum 
Prädicat gehört ; vgl. Gloss. Labb. : procastria oiy(.r]fxai;a tzqo 
naqsfxßoXrjg. 

calamistrum calamister 
vom gleichbedeutenden gr. xaXa^lg st. zaXa^ud-, indem an 
den griechischen Stamm das lateinische Suffix trat wie in an- 
deren Fällen bei Corssen Beitr. 370. In diesem Worte ist also 
das instrumentale Suffix tro an einen Nomiualstamm getreten. 

claustrum 
aus claud-trum von claudo. 

frustra frustrari 
neben fraus St. fraudi- W. frud. Dass das d in diesen Wör- 
tern zur Wurzel gehört, beweist das altlateinische Particip 
frausus in den Verbindungen frausus stet (Plautus Asin. 2, 2, 



Die Entstehung von si und ss im Lat. 179 

20) \md l/raustis erit (Paul. Epit. p. 91), welches ein Präsens 
*fraudor voraussetzt. Wenn also fraus zu gr. ^gavio gehört, 
wie man gewöhnlich annimmt, so muss man mit Curtius (KZ. 
II 400) das d als Wurzeldeterminativ fassen wie in claudo tendo 
fundo u. a. Für sicher kann ich jedqch diese Erklärung nicht 
ansehen, weil sich in ags. ^?g»te% ^,brebli^", aItMs/a^a^»5ijo^r 
„Verbrecher" eine mit der lateinischen frud\^\\\g übel^stim^'^^ 
mende germanische Wurzel hrut zeigt, mit der dieselbe schon 
von Pott Etym. Forsch. ^ II 61 verbunden wird. Aehnlich ge- 
hört das mit fraus gleichgebildete laus. St. laudi- zu W. rud^ 
Secundärbildung von ru (KZ. 22, 548): ein Suffix. ^^» gibt es 
nicht. ^*" 

plausirum y^ 

aus plaud-trum W. plud. Potts Herleitutfg des Wortes von ^ 
plaudo , so dass der Wagen seinen Nanfen vom „Knarren" er- / 
halten habe (Etym. Forsch. IP 273) ,. Verwirft Ebel (KZ. 7, 228/ 
mit Recht, da weder plaudo eigentlich „knarren" bedeutet nodh 
das Knarren ein wesentliches Merkmal des Wagens ist. ^jÖer- 
selbe führt das Wort zurück^ auf W. plu in skt. plavate ^4chif- 
fen", plava- m. „Schiff" ud^d deutet es als ein Werkz^g zum 
Fahren. Gleicher Ansipht ist Corssen (Beitr. 412), ^r das s, 
welches Ebel als epenthetisch betrachtet, für d(^ Rest des 
neutralen Suffixes 'b« erklärt, wie es auch in Itmrum ßusirum 
und anderen Bildungen erscheine. Eine bessere' Erklärung der 
Form wird gewonnen, wenn, wir auf die mit d weitergebil^ete 
Wurzelfortd ö^^ in lit. plüdyii „ob^auf schwimmen", 2^^.flio- vÜt^ 
zan , siMii. Ayija v'ehoäfe zurückgehwi. ZÄ ihr gehört aliiyßaustr 
n. „Schifir' (Sveinbibrn Egilsson^Lex^-' poet. s. v.), mit 4em sich 
plq/üst/um formejif völlig deckx upd durch Ansetzuii^ des Mit- 
tfelhegriffs vehicülum auch |}^riMich vereinigen läsgrt. 

rasirum , / 

aus rad-trum von rado. In rastellus wie in calamisier castel- 
lum rostellum u. a. ist das e Svarabhakti, wie auch diese Un- 
tersuchung herausstellen wird. 

rostrum 
aus rod-irum von rodo. 

Vor dem aus iro (verschieden von dem instrumentalen tro; 
vgl. Leo Meyer Vergl. Gr. 2, 546) abgeschwächten Suffixe tri 
ist ein /-Laut zu s geworden in den Stämmen 

equestri- pedestri-. 

13* 



180 F. Fröhde 

aus equet-tri- pedei-iri- von eques pedes. Das e der Nomina- 
tive equesier pedester ist ebenfalls Svarabhakti wie in ager ca- 
per u. a. Aus *equesiros wurde * equesier os , dessen Endung 
dann abfiel wie in socer u. a. Dasselbe gilt von 

paluster 
aus palud-ter von palus St. palud-. 

Vor den Suffixverbindungen /r?-c und ^n-w« ist s aus ei- 
nem Dental hervorgegangen in 

estrix (Plautus) aus ed-trix. 

defensirix (Cicero) aus defend-irix. 

plaustrix (Non. p. 150) aus plaud-irix. 

possestrix (Afran. bei Non. a. 0.) aus possed-trix. 

assestrix (Afran. bei Non. p. 73) aus assed-trix. 

persuastrix (Plautus) aus persuad-trix- 

tonstrix (Plautus) aus iond-irix. 

tonstrina aus iond-trina. 
In diesen Wortformen kann die Entstehung des s aus ei- 
nem ^Laute nicht zweifelhaft sein. Der Grund, weshalb die 
Sprache hier von ihrer sonstigen Weise, d-t-^t zu behandeln, 
abwich (vgl. clausus tonsor u. s. w.), liegt auf der Hand: die 
Lautverbindung sr wurde im Lateinischen vermieden (Corssen 
Vocalismus I ^ 182) ; wollte man also den Dental der Wur- 
zel nicht völlig ausstossen, so blieb kein anderer Weg, als ihn 
in den Sibilanten zu verwandeln. Es ist aber klar, dass man 
sich auf diesen Fall der Entstehung des st nicht berufen darf, 
um den Uebergang der Dentale in s auch vor ^-j- Vocal zu 
beweisen. 

Da so die Bildungen mit den mit tr anlautenden Suffixen 
in der vorliegenden Frage eine besondere Stellung einnehmen, 
so empfiehlt es sich, hier sogleich diejenigen Fälle zu behan- 
deln, in denen das s vor diesen Suffixen ursprünglich ist, so- 
wie auch diejenigen kurz zu verzeichnen, in denen der Ursprung 
desselben noch der Aufklärung bedarf. 

Das s ist ursprünglich in folgenden, Wörtern: 
flauster '"v.^^^^ ^"-^^ \ 

von Ws^^in uro (Curtius^skundz. ^ n. 010) ;\d. lett. [öM«/nfc- 
mas „Osfeü^ jßuslrinsch „Ostwhni^, ags. |e!^3'*^^^^^" (Fick 
Wörterb. I o'Hii^ 

castrare 
von einem nominalen Stamme Castro- = skt. gastra- n. m. 




Die Entstehung von st und ss im Lat. 181 

„schneidendes Werkzeug, Messer"; \^.\gasati „metzgen" (KZ. 
23, 310). 

hausirum 

von haurio aus *hausio — ^lin. i^^j^a/ (!Fl!^c KZ. 22, 384). Auf- 
fällig ist allerdings das von Anfen^an constant erscheinende 
h des lateinischen Wortes, welches so singulär dasteht (Corssen 
Sprachkunde 120). 

lustrum „Sühnopfer". 
Corssen (Beitr. 410) leitet das Wort von luo „spüle" in der 
Weise ab, dass er zunächst von dieser Wurzel ein Neutrum 
*lus aus ^iovos nach Analogie von Jus aus *jovos von W. j'u 
construirt, an dessen Stamm dann das Suffix tro getreten sei. 
Dieser Erklärung steht, voij Ariderem abgesehen, der Umstand 
entgegen, dass das von lusiru^t^ wie auch Corssen annimmt, 
augenscheinlich abgeleitete Y^hum^sirch^ mit seinen Compo- 
sitis sowie die von diesen unmöglich xu tröcnenden Adjectiva 
illustris und subluslris sich solcher Herleitung nicht fügen. 
Lustrare bedeutet nicht allein „durch Sühnopfer reinigen", son- 
dern auch „besichtigen , mustern", /collusirara ausser „durch- 
mustern, betrachten" auch „beleuchten", und dieser Begriff tritt 
in illustrare illustris sublustris so deutlich und ausschliesslich 
hervor, dass eine Ableitung der ganzen Wortsippavon luo völlig j 
unmöglich wird. Nun liegt in altn. Ij'ös n. „Licht" /^!^B^.,lßuchtejaiy 
eine.'Wutzfcl lus „leuchten" vor, die Bugge (KZ. 20, 14) aus luc-s 
iit 4ltbaktr7'raoMsÄ;^a, ahd. //(?^*«?2 „leuchtend" entstanden an- 
nikij^t. Zu dieser Wurzel gehört nicht nur illustris (Lottner 
KZ. 7,186, Curtius Grundz. No. 88), sondern auch lustrum. 
Aus der Grundbedeutung des Leuchtens konnte sich die des 
Reinigens leicht entwickeln (vgl. 2i\in. skirr „glänzend, hell, 
rein, schuldlos", loX. candidus glänzend, weiss, lauter, rein" 
und daraus die desSühnens. — No\x>lustrum „Sühnopfer" ist 
^lus^ma^^ko^Q , P'fSstze, schmutziger Aufenthalii^ .,„ 
, trennen und, mit" Corssen (Beitr. 411) aus /j<i»-hefzüTeiten ; vgl. 
\lutttm, gr.\XiJ^QOv lvpf4x{s. u.). ^"""^ 

/^ -mestris in se-mestris hi-mestris u. a. 
aus *-mens-tris ^-mensi-tris von mensis (Corssen Beitr. 414). 
' Nemestrinus 

von einem verlorenen *nemestris , welches sich zu nemus (Cors 
sen a. 0.) verhielt wie gr. ogiategog zu ogog. 




182 r. Fröhde 

* 
pislrina pistrinum 
von pinso W. pis. 

supposirix von pono W. pos, 
telluster von tellus. 
transtrum 
„Querbalken", welches doch wol durch Antritt des Suffixes 
tro an die Präposition Irans entstanden ist. 
ustrina ustrinum von uro W. us. 
industria 
aus ind-ustria, ahd, ustri industria ustinön fungi (Fick Wör- 
terb. I 512). Als Wurzel mit Fick us „brennen" anzunehmen, 
verhindert die altlateinische Form indostruus bei Pauli. Epit. 
p. 106: industrium antiqui dicebant indostruum, quasi qui, 
quidquid ageret, intro strueret et studeret; denn <; entsteht im 
Lateinischen * nicht unmittelbar aus u. Vielleicht stammen die 
"Wörter von äs „sitzen", wie sedulus assiduus von seder e. 

Es folgen endlich diejenigen Bildungen mit der Suffixform 
s-iro s-iri, in denen die Entstehung des s controvers und zweifel- 
haft oder völlig dunkel ist. Hierher gehört zunächst eine grössere 
Zahl von Stämmen auf es-iro- es-tri-, die den Eindruck gleichar- 
tiger Bildung machen, und für die man daher auch nach einer 
einheitlichen Erklärung suchen muss. Ich gehe aus von 

Sequester sequestra 
„vermittelnd", die ich mit Corssen (Beitr. 414, Nachtr. 138) 
aus dem Participalstamme sequenti- durch Antritt des Suffixes 
tro ira, welches hier wol das Comparativsuffix ist, wie in ma- 
gister, minister, sinister, entstehen lasse. Zweifelhaft aber 
scheint mir , ob dieses *sequenti-tro- durch die Mittelstufe *se- 
quent-tro- zu ^sequenstro- und dann zu sequestro- wurde, oder 
ob das t sich zunächst zu s assibilirte und das so entstandene 
*sequensi-tro- sich weiter zu sequestro- gestaltete, wie ^semen- 
sitris zu semestris. — Ist nun die vorstehende Erklärung von 
Sequester richtig, so wird man auch der folgenden der Adjectiva 
campestris terrestris 

Fanestris segestre 

lanestris (spät) sihestris 

rurestris vallestris (spät) 

welche eine Angehörigkeit meist an Oertlichkeiten bezeichnen, 
eine gewisse Wahrscheinlichkeit einräumen müssen. Die ver- 
schiedenen Ansichten über die Bildung dieser Wörter beurteilt 



Die Entstehung von st und ss im Lat. 183 

Corssen Beitr. 413 ff. Er selbst erklärt sie für Ableitungen 
von Adjectiveri auf -ensis, die ebenfalls eine Ortsangehörigkeit 
ausdrücken. Ich weiche von dieser Erklärung, nach der die 
genannten Bildungen jüngeren Ursprungs sein würden, da ja 
die Endung -ensis erst aus -eniius entstanden ist ( Corssen a. 0. 
483), nur insofern ab, als ich an diese ältere Suffixform an- 
knüpfe. Das Suffix ento- sehen wir im Lateinischen häufig an 
nominale o-Stämme antreten ; vgl. Forentum Laurentum Grumen- 
tum von den Stämmen foro- lauro- grumo- (Corssen a. 0. 470), 
gracilenlus von gracilo-, violenius von violo- in violare, lucu- 
lentus von luculo- in diluculum , luiulenius von luiulo- in luiu- 
lari, fluenium von dem nur in Compositis erscheinenden y?Mo-, 
cruentus von einem verlorenen cruo- = ahd. räo- u. a. Auf 
solchen Stämmen basiren die auf endo- (wie Hortentius , umbr. 
Huri eniius) , das durch die Mittelstufe ensio- {Horie?isius) in 
der Regel zu ensi- (horiensis) wurde. So führen also die Stäm- 
me campensi- valletisi- auf ^campenio- ^vallento-. Indem nun 
an diese Stämme das Suffix tro trat, entstanden '^campenii-iro- 
'^callenii'tro-, die sich in derselben Weise zu campesiri- val- ■ 
lestri- gestalteten , wie '^sequenii-tro- zu seqtiesiro-, — Segestre 
. bedeutet „Däokft^voii15 tf i» tt«4 ^der Fellen, Umhüllung, Emballage h 
di^ Waaren, Kleid aus Fellen" und ist gleicher Wurzel mfü / 
mgt^%. gr. ff o^Hk .o^fy^.jdie Fick (Wörterb» I 224) mit skt. 
«a)|jC^)^S«anhäDgen", 5?:^^^^leid , Rüstung", lit. segiü verbin- 
det. NeSen der Form sepesire findet sich auch segesiria und 
segesira. Diesem nun gleicht 

[mollestra \ sr.Y-^-\ 
welche^ nur durch -^ul. Epit*^ 135 überliefert iSi^^ moUestr^ f 
dicG^nt pelles o^illas^*'*syjibus gäi|fta,s extergebant. l^a«. Wort ] 
verhä^'^sich zu giv]^^«^ o g^^'^yiie^s^^ lanestris zu lana. — 1 
Den Eindruck "gleiclier Bildung machxauch f 

fenestra 

Corssen (Beitr. 409) leitet dasselbe von einem verlorenen Neu- 
trum "^fenus her »welches einem ebenfalls nicht vorkommenden 
griechischen "^cpdvog entsprechen soll. Wenn, wie es wahr- 
scheinlich ist, das Wort zu (paivo) gehört (vgl. cpMoriJQ • 
d-vQig bei Hesych. und cpavojrtrjg), so wird man es nach der 
^Analogie der eben besprochenen Formen am einfachsten auf 
einen etwa dem griechischen q>av7J entsprechenden Nominal- 



184 F. Fröhde 

stamm zurückführen. — Noch grössere Schwierigkeiten bieten 
der Erklärung die Substantiva 

monstrum flusirum lustrum („Pfütze"). 
Corssens Erklärung des s in diesen Formen (Beitr. 409) ver- 
wirft Osthoff (KZ. 23, 313) mit Recht; ich muss selbst die Mög- 
lichkeit eines Neutrums "^monus von monere, wie es Corssen 
construirt, bestreiten, da von abgeleiteten Verbis derartige Neu- 
tra niemals vorkommen, wie ich ein ander Mal zu zeigen ge- 
denke. Auch dem im Vorhergehenden selbst noch auf fenesira 
angewandten Erklärungsprincipe wollen sich die vorstehenden 
Formen nicht fügen. Osthoff (a. 0.) bringt eine neue Erklä- 
rung des Suffixes -siro- in diesen Wörtern in Vorschlag. Er 
vermutet, dass zufolge der falschen Analogie von rasirum ro- 
slrum castrum clausirum hausirum sich im Sprachgefühl das 
Bewusstsein einer selbständigen und mit t7'o- functionsgleichen 
Suffixgestalt siro- ausgebildet habe. Da derartige Formüber- 
tragungen sich im Lateinischen wie in anderen Sprachen viel- 
fach finden, wie ja auch die oben erörterte Suffixverbindung 
lento- ein selbständiges Suffix geworden ist, so würde mir diese 
Erklärung probabel erscheinen, wenn sie Wörter jüngeren Ur- 
sprungs beträfe und nicht so alte wie monstrum und lusirum 
jedenfalls sind. Es kommt dazu, dass sich durch folgende Er- 
wägung wenigstens noch immer eine Möglichkeit zeigt, das s 
als etymologisch berechtigt zu erklären. Es scheint mir näm- 
lich gar nicht notwendig, die genannten Substantiva von den 
daneben stehenden Verbis unmittelbar abzuleiten; sie können 
auch auf erweiterte Wurzelformen zurückzuführen sein, wie sie 
von Wurzeln auf n und u sich zahlreich finden. Für mo«-| 
istrum bietet sich eine solche in gr. /.isvd-^Qt] (bei Hesycn7| 
durch cpQovTig erklärt), ksl. mqdrü cpQOvi/iiog, got. mundretK 
axoTtog, mundon a-KOJtelv. Zu dieser Wurzelform würde mon- 
strum ganz wol gehören können (vgl. d^av(A.a \on ^sdof-iai) 
und auch mustricula (Corssen Sprachk. 189) würde sich leicht 
fügen. Flustrum lässt sich an die griechische Secundärwurzel 
cfXvd (Curtius Grundz. No. 412) anknüpfen; eine andere mit 
Dental erweiterte Wurzelform liegt in mhd. blödem vor; Schmidt 
(Vocalism. II 270) hält es auch für möglich, dass cplifw aus 
*cpXi'atü entstand und sich mit mhd. brausen deckt. Von luo 
ist allerdings eine derartige Secundärform nicht nachgewiesen. — 
Verschieden von diesen Bildungen ist 



Die Entstehung von si und ss im Lat. 185 

capistrum 
Gegen Corssens Ansicht (Beitr. 370), dass dieses Wort von.,j»«ff^^^ 
^/jtif^GQfäss*^ abgeleitet sei, spricht schon der von Osthoff (KZ. 
23, 315) aus dem Unterschiede der Bedeutungen hergenommene 
Grund; sie ist völlig unhaltbar deswegen, weil dieses capis St. 
capid- f., wie der Accusativus Pluralis capidas (Lucilius bei 
Priscian I p. 251 H.) beweist, .Lehnwort ist und dem griechi- 
scheii oy,(xq>ig hi. axa.j^i-t?- f entspriclji- (KZ. 13, 452), wie 
capisteriutn , welches Corssen (Naehtf.z95) ohne Not verändert, 
dem von ax.aq)ig abgeleiteten öxacpiöTrjQiov ; über p = (p m 
Lehnwörtern vgl. Corssen Voc. 1 13. Auch Osthoffs Ansicht (a. 0.), 
dass capistrum durch den Antritt der auf falscher Analogie 
beruhenden Suffixform -stro- an den Präsensstamm capi- ent- 
standen sei , ist unmöglich , weil das i der Praesentia wie capio 
niemals in die Wortbildung übergeht, vgl. captus captura cap- 
ior captrix occupare capulus „Griff", capiio captiosus cap-io ca- 
pesso capax ; über das Eindringen der präsensbildenden Ele- 
mente in die lateinische Wortbildung gedenke ich bei anderer 
Gelegenheit zu handeln. Ich selbst weiss eine probabele Er- 
klärung der Form nicht zu geben und nehme, bis Besseres 
gefunden ist, an, dass es in der Tat ein nach Analogie von 
lapis cuspis cassis gebildetes ^cajns von capio in der Bedeu- 
tung „Halfter" gegeben habe, von dem capistrum abgeleitet 
ist wie calamistrum von xaXa(.iig. Das Suffix tro- ist aller- 
dings ursprünglich primär (Osthoff a. 0. p. 314); einzelne Ab- 
weichungen von der Regel werden sich jedoch nicht in Abrede 
stellen lassen ; ähnlich ist das demselben Gesetze folgende Suf- 
fix bro- hulo- , welches ich mit Leo Meyer und anderen für 
identisch mit tro- halte, in sessibulum turibulum candelabrum 
(Leo Meyer Vergl. Gramm. II 359) an Nominalstämme getreten. 
Völlig unklar sind colustra glastrum ligusirum sowie die 
Bildung der zahlreichen von Adjectiven und Substantiven ab- 
geleiteten Nomina auf aster astra astrum wie claudaster ful- 
vaster surdaster oleaster pinasier puUastra falcastrum u, a. ; zu 
ihnen stimmt in der Bedeutung rapisirum bei Colum. 9, 45, 
das vielleicht nur auf falscher Ueberlieferung beruht. Histrio 
ist nachj^jv. 7, 2 etruskischen Ursprungs und kommt daher 
niclht in Betracht, noch weniger Sie griechischen Lehnwörter 
astrum ancistrum canistrum oestrus ostrum palaestra casteria 
baptisterium aplustre u. a. 



186 F. Fröhde 

Es bleibt somit eine ansehnliche Zahl hierher gehöriger 
Bildungen unerklärt; für die vorliegende Frage ist es glückli- 
cher Weise gleichgültig, ob ihr s primär ist oder nicht, denn 
dass s-tr- im Lateinischen aus d-t-\-ir entsteht, ist hinlänglich 
erwiesen. 

2) 5^ ist aus d-{-t entstanden in den zu edo gehörigen 
Formen 

est estis este estote estur. 
Auch hier ist der Grund, weshalb die Sprache die beiden 
zusammen stossenden ^-Laute nicht wie sonst in ss wandelte, 
klar : die Personalendungen waren fest und characteristisch und 
konnten daher nicht verändert werden. Nach diesen Formen 
wurde dann auch das Particip comestus gebildet, welches sich 
vereinzelt (bei Varro, Cato, Val. Maximus, Cael. Aurelianus, 
während bei Cicero pro Cluentio c. 62 comesus überliefert und 
zu lesen ist), für das gewöhnliche und in guter Sprache aus- 
schliesslich gebrauchte comesus findet. Es gehörte dem Vul- 
gärlatein an und wird von den Grammatikern verworfen; vgl. 
Diomedes p. 362 K. : Participia esus, unde comesus et come- 
dendus, non comestus et comesturus, ut vulgus existimat. Auch 
heisst es stets esus amhesus adesus ohesus. Vgl. darüber Neue 
Formenlehre der lat. Sprache II 443. Comesiura beruht auf 
falscher Lesart bei Cato r. r. 157, 1. Wo sich comestor, wel- 
ches zuweilen angeführt wird, finden soll, weiss ich nicht. Es 
ist demnach auch dieser Fall der Entstehung des st besonderer 
Art und darf nicht als Beweis angeführt werden, dass in clas- 
sischen Wörtern d-\-t zwischen Vocalen zu st wird. 

3) st ist t-^t entstanden in 
Segestc 

dem Namen e^er Saatgöttin bd Plinius 18, 3, 2: Hos ^im 
deos tunc maxin^ noverant S^m^^Hß a serendo, Se^^aras^ 
segetibus appellab\iit, quarum s^üulachkin Circo videmus. Der 
Name kommt sonstXnicht vor, do^i ist an der Richtigkeit der 
Ueberlieferung nicht zu zweifeln. Wir haben also hier in der 
Tat ein Beispiel für den Uebergang eines ^-Lautes vor t m s 
zwischen Vocalen; dasselbe steht aber nebst dem rusticalen 
comestus vereinzelt da. Denn alle die anderen Beispiele, die 
man für den gleichen Uebergang noch angenommen hat, wie 
aestas aestus castus crista cusios frustum fastus infestus fustis 
subleslus masticare pestis u. a. , beruhen auf unrichtiger oder 



Die Entstehung von st und ss im Lat. 187 

unsicherer Etymologie und sind, etwa mit Ausnahme von ae- 
stus , keineswegs allgemein anerkannt. Sie werden im Folgen- 
den zur Sprache gebracht und entweder durch richtigere Er- 
klärungen beseitigt oder wenigstens auch durch anderweitige 
Gründe erschüttert werden. An dieser Stelle behandele ich nur 
noch einige Fälle, in denen möglicher Weise der Uebergang 
eines t vor i in s stattgefunden hat, aber nicht zwischen Vo- 
calen. Es sind dies 

1) die Ad jectiva a^res^w coelesiis domesti-cus, denen o-Stäm- 
me zur Seite stehen. Die verschiedenen Erklärungsversuche 
kritisirt Corssen (Beitr. 415). Sicher scheint mir, dass das es 
in diesen Wörtern dasselbe ist wie in campestris und den übri- 
gen gleichartigen Formen ; haben wir also diese richtig aus 
"^campenti-iris u. s.w. erklärt, so müssen wir consequenter Weise 
agrestis aus "^agrenii-iis hervorgehen lassen. Ob aber zwischen 
beiden als Mittelstufe '^agrent-tis oder *agrensi-tis liegt, vermag 
ich nicht zu entscheiden. — Gleicher Bildung ist modestus, 
welches von modus- stammt; denn neben diesem ein Neutrum 
*modus zu construiren, ist misslich wegen des o anstatt des in 
einem derartigen 5-Stamme zu erwartenden e. — Auch molestus 
möchte nicht anders zu erklären sein ; denn dasselbe von möles 
abzuleiten, hindert schon der Unterschied der Quantität des 
Wurzelvocals , ganz abgesehen davon, dass von Nominibus wie 
moles Adjectiva auf -esttis sonst nicht vorkommen. Das Wort 
liihrt auf einen Stamm molo- = gr. /noXo-, welches neben 
fxwXoQ in alten Lexicis angeführt wird. 

2) die Substantiva potesias und egestas. 

Corssen erklärt Voc. II 214 mit Bücheier (Grundriss der 
lat. Decl. 63) potesias als Ableitung von potius , wie majestas 
von majus. Allein der Bedeutung nach passt das Wort weit 
besser zu potens als zu potius „vorzüglicher, lieber, mehr" und 
nach der angeführten Analogie wäre überdies *potiestas zu er- 
warten gewesen. Ich halte daher die frühere Ansicht Corssens, 
dass potestas aus ^potentitas entstanden ist, für richtig. Ebenso 
sehe ich keinen Grund zur Erklärung von egestas mit.Bücheler 
ein Nomen *egor zu construiren; vgl. Corssen a. 0. ' ■ 

3) die Ordinalzahlen auf esimus , älter ensumus. 

Die Vergleichung von vicesimus mit skt. vimgaiitama- lehrt, 
dass die Endung esimo- aus "^'entitomo- entstanden ist. Um von 



188 F. Fröhde 

diesem zu jenem zu gelangen, lassen sich folgende Entwicke- 
lungsreihen denken: 

enti-iumo- : ent-tumo- : ens-tumo- : ensumo- 

— ensi-tumo- : ens-iumo- — 

— ent-tumo- : ent-sumo- — 

— en-tumo- — 

Ein Kriterium für die Entscheidung sehe ich nicht. Die erste 
Entwickelungsreihe Avird von Bugge (KZ. 8, 36), Schleicher 
(Comp. § 241), Fick (Wörterb. I 218), Corssen (Voc. II 1018) 
angenommen und hat altbaktr. tngägfema, gr. €ly,naT6g für 
sich; die dritte hat Corssen (KZ. 3, 247) aufgestellt; die vierte 
ist vom lateinischen Standpuncte aus die einfachste, da sowol 
der Ausfall der Silbe ii durchaus regelrecht ist (s. u.) als auch 
die Assibilation des t von tumo- nach dem Nasal. — Ebenso 
wird es nicht nötig sein, für 

4) utensile 
aus *utent{-iile mit Bugge (a. 0.) erst eine Mittelstufe *uten- 
stile anzusetzen ; nach lautgesetzlichem Ausfall der Silbe ii (vgl, 
die zahlreichen Adverbia von Stämmen auf ento- anti- enti- wie 
luculenier constanier prudenter u. • a.) wurde einfach utensile. 
2) st = s-\-t. 

Zwischen zwei Vocalen entsteht das st im Lateinischen re- 
gelmässig durch den Antritt der mit t anlautenden Suffixe to 
ta ti tu tor und der auf diesen beruhenden Suffixverbindungen 
an nominale und verbale Wortstämme, die auf s auslauten. 
A. Von nominalen «-Stämmen sind abgeleitet: 
1) mit dem Suffix to fem. ta: 

fasius angustus 

Jusius arhustum 

rusti-cus faustus aus ^favostus 

funestus confoedustus (Festus p. 41) 

honestus venusttis 

Majesta ' vetustus 

scelestus 
tempestus 
Nicht mehr vorhanden sind im Lateinischen die entsprechenden 
Nomina von \ 

augusius von '*augus = skt.^^'as^Fick W.lL.X.S4}i^\ 
fidusius (Festus ,p. 89) von ^fidus, das sich zu fides ver- 
hielt, mQ plebes sedesKciedes u. a. zvL.TtX^d-og edog ald-og; 



Die Entstehung von si und ss im Lat. 189 

vgl. Joh. Schmidt Voc. II 366 A. So verbinde ich jetzt auch 
res unmittelbar mit gn XQ^^S, welches schon bei Homer „Ge- 
schäft, Angelegenheit, Sache" bedeutet (KZ. 22, 252). Cors- 
sens Ansicht, dass fidustus eine Superlativform sei (Voc. II 549), 
ist gewiss unrichtig , da das Lateinische derartige Superlativ- 
formen nicht kennt; die Erklärung des Verrius Flaccus nötigt 
zu solcher Annahme nicht. 

ungustus von *ungus = skt. arikas „Biegung, Krüm- 
mung" (Fick Wb. I p, 7). 

2) Von solchen Adjectiven sind weitergebildet mit dem Suf- 
fix tau-: 

honestas venustas 

majestas vetusias 

pesestas (Festus p. 210) • 

tempesias 
Nach der Berechnung Pauker's (KZ. 23, 157) kommen un- 
gefähr 96 o/o der überaus zahlreichen Substantiva auf täti- von 
adjectivischen Stämmen her. Da nun die Ausstossung der er- 
sten von zwei gleichlautenden Silben im Lateinischen ungemein 
häufig ist (Leo Meyer Vergl. Gramm. I 281; Fick KZ. 22, 98 f. 
371 f.), so hat es nicht das mindeste Bedenken, in den ange- 
führten Substantiven den gleichen Ausfall anzunehmen, wo- 
durch Uebereinstimmung mit dem Gesetze hergestellt wird; 
vgl. auch luculerUas neben lucule7itilas , voluntas für ^volunti- 
tas. Dass neben honestas honestitas besteht und in angustitas 
des Ausfall nicht stattgefunden hat, bildet keinen ausreichen- 
den Grund gegen die aufgestellte Erklärung. — Da nun der- 
artige Substantiva niemals von Verbalstämmen abgeleitet wer- 
den, sondern ausschliesslich von Nominalstämmen, so kann 
auch aestas nicht direct von der Wurzel aed ausgegangen sein. 
Aufrecht (KZ. I l^l) und Pauker (a. 0. p. 157) lassen es wol 
richtig aus '^aesti-tas (vgl. fruciifer) entstehen , obgleich es al- 
lerdings kein Beispiel gibt, in welchem an einen Stamm auf 
tu das Suffix täti- getreten wäre. 

3) mit dem Suffix iiiti- ist gebildet das einzige 
tempestus 

welches Varro de lingua lat. 7, 51 aus den Augurbüchern an- 
führt. Ein kürzerer Stamm tempesiu- zeigt sich in tempestuosus. 

4) mit den Steigerungssuffixen tero- und limo- sind ge- 
bildet 



190 F. Fröhde 

magisier minister sinister nosier vester 

sinistimus (Paul. Epit. p. 74) 

solistimus (Festus p. 298). 
Vergl. Corssen KZ. 3, 277 f.; Voc. II 549. Corssen fasst auch 
die Namen Antistius und Aniisiia sowie die Formen praesto 
und praestus (Grut. 609, 4) als Superlative , gewiss unrichtig ; 
denn weder hat die lateinische Sprache derartige Superlativfor- 
men, noch ist eine solche Erklärung von Seiten der Bedeutung 
irgendwie überzeugend. Antistius steht vielmehr für *Aniisti- 
iius und stammt von antistes St. antistet-, indem das erste ti 
nach dem eben angeführten Gesetze ausfiel. Ebenso ist prae- 
stus aus *praesiitus *) gekürzt und bedeutet in Verbindung mit 
fui eigentlich „ich habe mich gestellt", daher „bin zur Stelle, 
bin gegenwärtig, bei d^r Hand"; vgl. sistere „zur Stelle brin- 
gen, Jemanden herbeibringen, stellen, so dass er gegenwärtig 
ist", sisti „sich stellen" ; die Präposition prae hat in diesem 
Compositum dieselbe Bedeutung wie in praesens. 
5) mit anderen Suffixen: 

pristinus von prius. 

Ligusticus Ligustinus (vgl. Ligures). 

Ostia ostium von os. 
Unklar sind arista Atrista (von Corssen Voc. II 549 als Su- 
perlativbildungen gefasst) genista lanista locusta (vgl. AäxfVj^g) 
mustela clandestinus (nach Corssen Voc. I 462 aus *clam-dies- 
tinus entstanden). 

Primär ist das s auch in folgenden von indeclinablen Stäm- 
men abgeleiteten Wörtern, die hier angeführt sein mögen: 
crastinus, hesternus, posterus, posticus, postumus (vgl. pone aus 
"^posne), intestinus , Sestius (== Sextius). — Masturbare fasst 
Benfey (Wurzellex. II 35) als Entstellung des griechischen fia- 
azQorttveiv; nasturtium wird aus *nasitortium erklärt; se- 
stertius entstand aus '*semis-tertius. 

B. Von Nominal Stämmen sind abgeleitet 
1) mit dem Suffix to fem. ta: 

a) die passiven Participia von Verbis, deren Stamm auf s 
auslautet : 

hustus postus (Neue Formenl. II 435) 

depstus questus 

*) Aehnlichen Ausfall zeigt umbrisch andersisin r^ latein. intersistitn 
(AK, p. 82). 



Die Entstehung von st und ss im Lat. 191 

gestus tostus 

haustus ustus 

pistus *gustus in gustare (W. gus). 

Nicht ursprünglich wurzelhaft, aber primitiv ist das s auch in 

mistus pastus dis-pestus 

für *misc-tus *pasc-tus *dis-perc-sc-tus 

Vergl. Corssen Beitr. 396 ff. 

b) folgende zu Adjectiven gewordene Participia gleicher 
Eptstehung : 

"^ castus = skt. gästa- nasta- von W. gas „in Zucht, in 

Schranken halten" (KZ. 23, 311). Gegen die Verbindung des 
Wortes mit gr. Ku^agog spricht auch das von demselben nicht 
wol zu trennende castigare. 

^ I festus von 'Vf.fes — gr. ^£g in d^iaaaa&ai u. a. Vgl. 
Curtius Grundz. * p. 509. Die griechische Schreibung des Eigen- 
namens OrjoTog beweist, dass das e in dem Worte lang ge- 
sprochen wurde. Etymologisch berechtigt ist die Länge des 
Vocals nicht; sie beruht auf usueller Aussprache wie in Uctus 
lectito und vielen anderen Participien und Frequentativen bei 
Gellius 9, 3. Vgl. Corssen Voc. I 448. 

infestus mani-festus = skt. dhrshta- von W. dharsh. 
Vgl. KZ. 18, 314, wo ich diese Erklärung begründet und be- 
sonders auf die Congruenz der Bedeutungen von infestare „feind- 
lich behandeln, angreifen, beunruhigen, verderben" und skt. 
dharshayati „sich an etwas vergreifen, über Jemand kommen, 
beunruhigen, verderben" hingewiesen habe; vergleicht man fer- 
ner dharshana- n. „Angriff, Mishandlung", ädhrshti- f. „An- 
tastung, Angriff", dharshaka- Adj. „angreifend, über etwas her- 
fallend" mit infestus a) activisch „feindlich behandelnd, an- 
greifend, beunruhigend", besonders in Verbindung mit Wör- 
tern wie exercitus signa, die infesta heissen im Augenblick 
des Angriffs auf den Feind, b) passivisch „feindlich behandelt, 
angegriffen, bedroht, beunruhigt von Feinden", so wird man 
zugeben müssen, dass die Uebereinstimmung der lateinischen 
Wörter mit den altindischen hinsichtlich der Bedeutung eine 
vollkommene ist. Der Begriff des Kühnen, Verwegenen, 
der sich in vielen zu derselben Wurzel gehörigen Wörtern zeigt, 
scheint von der Vorstellung des Losgehens auf den Feind abstra- 
hirt. Manifestus bedeutet „mit der Hand angegriffen, hand- 
greiflich" und fügt sich meiner Ableitung ohne jeden Zwang. 



192 F. Fröhde 

Die Ansicht Breal's (KZ. 20, 79) , dass die Wurzel dhars in den 
europäischen Sprachen das a erhalten habe, ist wenig begrün- 
det. Das Verbum lautet lit. dr^'sti, das gotische gadars ist der 
Form nach Präteritum, dessen regelmässiges Präsens *gadairsa 
lauten würde. Im Griechischen zeigt sich die Schwächung in 
aeol. d^SQGog sowie in den Eigennamen OsQairtjg Qsqolti- 
Ttog QEQöilo%og t4 Xi&sqorjg; wenn dagegen in d^dqoog 
d^qdoog das a erhalten ist, so erklärt sich diese Abweichung 
aus der im Griechischen auch sonst hervortretenden Neigung, 
in der Umgebung von q das « zu bewahren (vgl. Curtius Stu- 
dien 8, 329). Das Adjectiv &Qaavg aus *d-Qavavg = lit. 
drqsus (Schmidt Voc. I 31) kommt für diese Frage überhaupt 
nicht in Betracht; vgl. lat. de usus levis pinguis neben daovg 
klaxvg Ttct%vg. \ 




suh-lestus 

„schwach, gering" (Festus p. 294: sublesta antiqui dicebant 
infirma et tenuia) von W/ /a« == germ.'/a« in got, lasivs dod^s- 
vYjg, altn. lasinn „schwach", ags. läsest last „der geringste". 
Mit den deutschen Wörtern verbindet Fick (Wb. II 453) ksl. 
loh „mager, dürftig", \iiJ liisas „mager, gering". — Die Ansicht 
Lottner's (KZ. 7, 185), dass suhlestus gleich lassus sei, ist dem- 
gemäss unrichtig. 

heben maereo Qniser. jl n letzterem ist die Verwandlung des s in 
r zwischen den beiden Vocalen aus demselben Grunde unter- 
blieben wie in Cerealis pruina ver (aus *veser) und frio, welches 
sowenig von gr. xqIo) wie dieses von skt. gharshati getrennt 
werden kann; während aber in diesen Formen das s ausfiel, 
blieb es in müer, um das seltsame *7nicr zu vermeiden, stehen. 
Ebenso zu beurteilen ist caesaries = skt. kesara- (Fick Wb. 
I 51). 

mustus : j 

„jung, frisch, neu" vom Wasser und vom jungen Weine. Fick 
Wörterb. I 180 verbindet das Wort mit skt.\ modate „lustig, 
fröhlich sein , sich freuen", mudita- „erfreut , froh", mudra- 
„lustig, fröhlich", zend. maodhana- „Lust, Lüsternheit", lit. 
mudrüs „munter, flink, beherzt" u. a. Dieser Erklärung wi- 
derstrebt nicht nur das st, sondern auch die Bedeutung, die 



Die Entstehung von st und ss im Lat. 193 

von der der verglichenen Wörter doch sehr abweicht. Eine ei- 
gene Erklärung vermag ich nicht zu geben *). 

vastus; vgl. alts. wösti , ahd. wuosii (P'ick Wb. III 308). 

c) folgende Substantiva: 

Costa „Rippe" = ksl. kosti „Knochen" (Curtius Grundz.* 
p. 209); die Wurzel ist unbekannt. 

crista „Kamm der Vögel". Eine sichere Erklärung des 
Wortes kenne ich nicht. Corssen (Voc. II 549) fasst es als 
Superlativbildung, Walter (KZ. 12, 389) als Ableitung von W. 
Card in cardo , gr. x^adaw u. a., indem er auch an v-ogvöog , 
erinnert; leichter Hesse es sich mit got. hrisjan vermitteln. l'\ 
Vielleicht ist es einfach mit cirrus „Haarbüschel" zu verbinden. rvIfVV 

crusia von W, crus = gr. yinvg in x^vaTalXog kqv- 
GTalvco y(.Qvog für ^a ^ va o g undKaRn. hrus in hrj'ösa ,, schau- ^, „ ^ 
dern", ahd. rosa crusta (Fick Wörterb. I 540, JohT Schmidr~*~"^^) 
Voc. II 340). 

frusturn 
„Stück, Bruchstück", woher frustare „zerschmettern", von W. 
frus = gr. S^Qvg in ^Qavo) für "^d-Qavaj'o) (vgl. avio für 
*avajü) von W. us) = got. ga-drausja7i xaraßdlXsiv, Causale 
zu driusan „fallen"; vgl. us-drusts „rauher Weg", schott. drush 
fragmenta, ahd. kithrusit quassatus (Graff Althochd. Sprachsch. 
V 264). Das Sigma tritt hervor in d^Qavo(.ia „Bruchstück" 
Tsd-Qavo f^iai id-Qav ad^r]v S^gavarog, während d-gavQog 
i^QavXog sich leicht aus *^QavaQ6g *d-QavaX6g erklären 
(vgl. TQTjQog aus ^TQSGQog). Mit den griechischen Wörtern ver- 
binden frusturn auch Walter (KZ. 12, 413) und Corssen (Beitr. 
183). Zusammenhang von d^qavoi und gadrausjan vermutet 
schon Fick Wörterb. I 121; derselbe betrachtet die Wurzel 
dhrus mit Recht als eine Weiterbildung von dhru dhvar. 

hasta =■ got. gazds St. gazda- ■kIvtqov (Graff a. 0. II 
255). 

Hostus 
römischer Vorname , von derselben Wurzel wie hostis , Hosti- 
lius ; davon Hostius (Corssen Beitr. 221). — Das homonyme 
hostus „Ertrag des Oelbaums" ist dunklen Ursprungs. 



*) Wörterb. II 194 stellt Fick das Wort zu mnscus , hält also die obige 
Ableitung wol selbst nicht für sicher. 

Beiträge z. Kunde d. ig. Sprachen. I. j^ 



194 F. Fröhde 

testa 
„Ziegelstein, Backstein, irdenes Geschirr, Schaale, Scherbe, 
Schaaltier", von W. ters in gr. TSQüo/nai, lat. terra terrenus 
(Corssen Beitr. 396). 

usta 
„Zinnober", von W. us in uro. 

Vesia 
von W. ves — gr. feg in eoTta (Curtius Grundz. n. GIO). 

Cisia und cosium sind aus dem Griechischen entlehnt.] 

d) folgende von solchen Stämmen weitergebildete Wort- 
formen : ^ V 

aestimare f /*<? 

von einem Stamme aesio- , W. is; vgl. got. jaisian, ahdl era l 
(Fick Wörterb. I 29). ^ ~ — I ^ 

cusios 
St. custo-d wird von Curtius in seiner Abhandlung über die 
Spuren einer lateinischen 0-Conjugation (vgl. Grundz. p. 260) 
auf ein ausser Gebrauch gekommenes Verbum '^cmio-ere zurück- 
geführt, welches auf einen Stamm cusio- weist in der Bedeu- 
tung „gehütet". Ihm entspricht got. huzda;:_djQaav^6g , ahd. 
Jiori (Grimm Myth.2 922; Lottner K'L%JS2). Die Wurzel cus 
betrachtet Corssen wol mit Recht als Secundärbildung von sku 
„schützen" mit dem häufigen Determinativ s. 

masticare 
erklärt Corssen (Sprachk. § 215) aus *mand-H-care , Denomi- 
nativum von einem Adjectivstamme mastico-, der mit dem Suf- 
fix CO von einem nach Analogie von pestis vestis gebildeten 
Stamme '^masii- aus '^mand-ti abgeleitet sei. Corssen übersieht 
das griech. (.idaxa^ St. fxda'caii- nebst fnaoTixäco von /<«- 
adoinaL, welchem das der späten Volkssprache angehörige und 
augenscheinlich entlehnte lateinische Wort entspricht. Anders 
verhält es sich mit dem alten masucius, welches in der von 
Corssen bezeichneten Weise entstanden sein kann, wenn auch 
nicht muss; vgl. griech, fiaavvrtjg „Schmarotzer", (.loaavviü 
„kauen" bei Hesych. r" 

pastillus pastillum 
Vgl. Pauli. Epit. p. 121 : pastillus forma panis parvi utique de- 
minutivum est a pane. Corssen Voc. I 424 leitet die Wörter 
nebst panis von W. pä in pasco ab. Ist diese Etymologie rieh- 



Die Entstehung von st und ss im Lat. 195 

tig, so wird man das s in derselben Weise zu erklären haben 
wie das von pastus pasiio pastor (s. o.). 

pastinum 
„Hacke", woher pasiinare „beackern" von W. pas in ksl. pa- 
chati arare, poln. pachac „graben" (Fick Wörterb. I 672). Zu 
derselben Wurzel gehört päla „Spaten" für *pas-la, Bildung wie 
pilum aus '^pis-lum, vilis aus "^oeS'lis von W. ves in venalis „feil". 

pistillum 
ist wol Deminutivum von einem verlorenen *pis-tmum oder 
*pis-tulum von W. pis ; denn von *pistrum würde nach der 
Regel vielmehr "^pistellum gebildet worden sein. 

2iosiulare 
aus "^posc-tulare von posco ; ähnlich gebildet ist usiulare. 

Pustula ^^^ *-*'*^ * III III - — / 

von W. pus in uit. »^i«w „blasen", puste „Blase" irra. (Curtius "ipiA-/ 
Grundz. No. Gb^^r" """'tis-*''^ "------.^-«. 

Unerklärt sind bestia und fistula. Für letzteres hält Cors- 
sen (Sprachk. § 110) an der Herleitung yoji ßndo trotz Bugge's 
Bedenken (KZ. 19, 443) fest. Für mich hat dieselbe auch ab- 
gesehen vom st nichts Ueberzeugendes. 

2) mit dem Suffix ti und den darauf basirenden Suffixver- 
hindu ngen : 

castigare l 

vom Stamme casti- = skt.; gästi- „Bestrafung, Befehl" von W. 
gas „zurechtweisen, strafen mit W^orten" (KZ. 23, 310). 

fasiigare 
von fasti = skt. hhrshti- „Spitze, Zacke" (KZ. 18, 315). Auf 
demselben Stamme, möglicher Weise aber sich an ein von dem- 
selben abgeleitetes Verbum *f astire anschliessend , beruht fasti- 
dium, Bildung wie custodia von *custoere. lieber die Wurzel 
s. unten. '" — -— ««-™«.. 

confestim festinus 
führen auf einen Stamm festi-. Ist derselbe, wie Corssen (Bei- 
träge 182) annimmt und auch mir nicht unwahrscheinlich ist, 
mit infestus gleicher Wurzel, so identificire ich ihn mit skt. 
dhrshti- in ädhrshti- „Antastung, Angriff". Der Begriff der 
Eile hat sich dann aus dem des Angreifens, Anfassens, 
Zufassens entwickelt; vgl. Cato bei Gellius 16, 14: qui multa 
simul incipit neque perficit, is festinat. 

14* 



196 F. Fröhde 

fiistis \ 

habe ich (Beitr. zur lal YA. p. 3) mit got. gazds xivTQov, nlhd. 
gerte „Rute, sceptrum" Verbunden; gleicher Ansicht ist AscoH 
(KZ. l7, 343). MögHch i^t diese Etymologie nach Bedeutung 
und Form. Auch würde der Unterschied des Vocals die Iden- 
tificirung der Stämme fusii- und gazda- nicht hindern, da sich 
von den meisten masculinen z-Stämmen im Lateinischen teils 
beweisen teils wenigstens wahrscheinlich machen lässt, dass ihr 
i aus o geschwächt ist. *) Ich halte aber meine Erklärung 
nicht mehr für richtig, einmal, weil dem got. gazds lat. hasia 
entspricht, sodann weil die Verdunkehjng des a zu u vor st in 
Wurzelsilben (Bugge in Curtius' Studien IV 346) sehr selten 
ist (Corssen Sprachk. p. 188), endlich weil sich auch andere 
Möglichkeiten der Erklärung bieten. Ich Erinnere besonders an 
gr. d-vQOog, von dem Benfey (Wurzell. I 593) mit Recht an- 
nimmt, dass es ursprünglich nichts als einen Zweig bedeutet 
habe; wahrscheinlich war es wol die knotige\Weinrute. Mit 
diesem S^vQOog lässt sich fustis aus '^furstis „Zweig, Knoten- 
stock, Prügel" sehr wol vereinigen. \ 

gestio gestire von gero W. ges. 

hostis — got. gasts , ksl. gosti . 
Dazu hosiia hostire Hostilius (Corssen Beitr. 217). 

misiio mistim 
aus *misc-tio *misc-tim oder auch aus mixtio mixtim wie Sestius 
aus Sextius. 

Prae-nes-te , 

erklärt Corssen Voc. II 216 als eine Superlativform von *prae- 
no- , welches von /?rae abgeleitet sei me pronus yow pro . Prae- 
neste bezeichne die auf steilen Felsen gelegene Stadt als die 
„hervorragendste". Eine solche Superlativform aber wäre noch 
seltsamer als die oben erwähnten auf *isto-; ich suche viel- 
mehr in der Silbe nes die Wurzel was von griech.lvatw aus 



*) Vjfl. «K^ =r skt. alc&^a- m., äinU aHsa (auch lrt>s<^K^nd 
aJvSfH^i\.);yilenti (auch lit. daiiti-) = skt.(ianta- m.; ^juMtirS" gr^x^,^^,, 
Hi.'^caujÄS; ^f>^ts = x5%ttfv6s, lit. kalw^is; /e>»4s (vasis^^nus ' Ii&Ü^on. p. 
544) ^«^.^'>j<;^>£ ; mensis = skt. mk^Si- ; I jidftitZ^ Tnessa^hs,gW'osvS«^cj.v 
= got. fisfca-; to7-ris = altlat. torrus (SorW zu AeiTi-'J2, 298); mtffuis = 
lit. nagas, skt. iiakha- m. Die Suffixe li mi vi sind nach Bopj) (Verjjl. 
Gramm. § 939. 948. 840) aus In vtti na geschwächt. Anders urteilt über 
die Sache G. Meyer Zur Geschichte d. indogerm. Stammbildung p. 28 ff. 




Die Entstehung von st und ss im Lat. 197 

^vdaj'o) und deute das Wort als „das hochbewohnte, das hoch- 

liege nfle r — - - -^ 

ostigo 
„Räude" steht wol für "^ousügo und stammt von W. us. 

pastio aus pasc-tio von pasco. 

pestis 
Alle bisher gegebenen Erklärungen dieses Wortes^ (von potior 
pedo perdo 7r6'(>^w) scheitern schon an der be^_Festus^p.__210L/ %^ 
überlieferten Form f)esesias y= pesiilentia , diö anzuzweifeln (r^w^ 
nicht der mindeste Grund vorliegt; sie erweist die Ursprüng- 
lichkeit des s von pestis. Ob etwa dieselbe Wurzel in griech. 
irrif.ia „Verderben", welches vfie pestis auch von vej;derblichen 
Personen gebraucht wird, enthalten (vgl^>^iTiir^v2ugSÄil" für 
'*Qvaf.ia), oder ob dieses vielmehr mit skt. päp-man- gleicher 
Bedeutung zu identificiren sei, mag hier nur gefragt sein. Das 
griechische Wort zu Ttevd-og oder zu 7tao%ü) zu ziehen, hin- 
dern Form und Bedeutung. 

postis 
von pono aus '^'posno wie deguno aus ^degus-no. Gegen die 
Ansicht, dass pono ein Compositum von sino sei, sprechen fol- 
gende Gründe : 1 ) die Wurzel von sino kann , wie sivi siius be- 
weisen, nur si sein, wie die von Uno li, die von cio, ivi itum, 
quivi quitum ci i qui ist. Von dieser Wurzel si konnte wol 
ein Perfectura auf ivi ii (vgl. desii) stammen, aber nimmermehr 
ein solches auf ui, sowenig wie jemals von den angeführten 
Wurzeln oder von Verben der ^-Conjugation wie audio Perfect- 
formen auf ui gebildet sind. Wenn wir neben sapui salui u. a. 
sapivi salivi finden, so ist nicht jenes aus diesem entstanden, 
sondern es ist dies ein Schwanken zwischen zwei verschiedenen 
Conjugationsweisen, wie es das Lateinische auch sonst zeigt 
(Osthoff Forsch. I 96). Eben dasselbe gilt von posui und dem 
in der älteren Sprache häufig vorkommenden posivi. 2) Das 
von pono doch nicht zu trennende postis weist durchaus auf 
eine Wurzel pos , und in impomenta würden wir bei jener An- 
nahme gar eine Wortform haben, die aus zwei Präpositionen 
und zwei Suffixen bestände, während die Wurzel gänzlich aus- 
gefallen wäre. 3) Auch die Form der Präposition macht Schwie- 
rigkeit: die Präposition skt. prati , griech. ^Qoq, kret. Ttoqti, 
umbr. pert erscheint im Lateinischen in den Verben portendere, 
porrigere , porricere , pollingere , polliceri , pollucere , pol- 



198 F. Fröhde 

luere , possidere (Corssen Beitr. 88) ; nach der Analogie des 
letzten wäre für das entsprechende Compositum von sino die 
Form ^possino zu erwarten gewesen; dieses müsste sich nun 
noch weiter zu '*posino '^posno pono gestaltet haben, ohne dass 
für den starken lautlichen Verlust in phsui auch nur Ersatz- 
dehnung eingetreten wäre. Endlich 4) ist auch die Bedeutung 
jener Annahme nicht günstig; denn wie man die sinnliche Be- 
deutung von pono „setzen, stellen, legen" mit der von sino 
,, zulassen, dulden, dass etwas geschieht" vereiniggja^will , ist 
mir unklar. Ueberdiös ist die Etymologie vojxsf^ noch nicht ^V 

gefunden; denn Corssen's Identificirung der Wurzeln si und sa (j 

(in sero saius) ist nach Laut und Begriff verfehlt, und auch 
der von Fick (Wörterb. I 225) vertretenen Herleitung von skt. 
Sanofi „geben, gewähren" kann ich besonders wegen der laut- 
lichen Differenz der beiden Wurzeln nicht zustimmen. Mich 
hat die Bedeutung von dem mit sino sehr wol vereinbaren 
siius zu einer Vermutung geführt, die ich noch kurz andeuten 
will. Situs *) heisst „gegründet , gelegen (von Orten) , wohnend 
(von Personen und Völkern), ruhend, ruhig liegend besonders 
von den Todten (vgl. Cic. de leg. II 22 : siti dicuntur ii, qui con- 1 
diti sunt), und stimmt in seinem Grundbegriffe genau zu skt, | 
W. kshi „weilen, wohnen, sich aufhalten besonders mit dem 
Nebenbegriffe des ruhigen oder ungestörten oder verborgenen ^ 
Verweilens, ruhen" = gr. xrt in xt/Cw ev^f^ff^isvog iJH^ff^ 
gelegen". Die Wurzel skt. li:shi betracht^,<f6n mit Fjfik^s aus 
skißS^stiSinden , nehme aber an, wie es Fick früher auch tat, 
da^s die Umstellung der Consonanten in dieser Wurzel wie in 
der verwandten ksha und in kshan schon in indogermanischer Zeit 
erfolgt ist; denn es wäre ein seltsamer Zufall, wenn sich ge- 
rade in diesen nämlichen Wurzeln ursprüngliches sk im Ari- 
schen in ksh und im Griechischen in xr verwandelt hätte, wel- 
chem auch in xe-ariov indogerman. ks gegenüber steht. War 
aber die Wurzelform ksi schon im Indogermanischen vorhan- 

k den, so musste sie im Lateinischen, welches den Anlaut A;«ll 

\ nicht kennt, zu si werden; ebenso im Germanischen, aus dem 

higher gehören alts. ^e^^wj^ „Wohnsitz", ahd. 5lWw5(^,Anbauer",^ 

sidMmn „siedeln" u. a., oie zu sitzen lautlich niefit passen. 

^üch lat. quies , ^^^...h^^^ila , ksl.^&t>«<^>>,ruhen" gehen ,_^je^ 

*) l^as von Fick a. 0. mit smli verglichene skt. ava-sita- gehört doch 
wol zu W. sd Praes. si/ati. 



f 



u\. 



Die Entstehung von st und ss im Lat. 199 

Fick (Wb. I 233) erkennt, auf die Wurzel ski zurück. Da aber 
dem lateinischen (ju, wenn es aus einfachem Ä--Laut entstanden 
ist, mit wenigen Ausnahmen im Sanskrit c gegenüber steht (A. 
Kuhn KZ. 2,390; Grassmann 9, 11 ff.; Ascoli Vorl. p. 55 f .) , so 
darf man auch für quies im Sanskrit die Wurzelform ci erwarten. 
Diese suche ich in ci-ra- Adj. „langwährend, vor langer Zeit 
bestehend", Iciram „lange, vor langer Zeit", cirayati „lange 
machen, zögern, säumen"; vgl. got. lÄö>i|^«„zögern\unterlas- 
sen", alts. \ht^ „dauernde Zeit", mhd. mt^t „vormaiä*'^ iilitl. 
vj^Hmid „in voriger Zeit, vor Zeiten", i.iQ«^ == andauernde 
Zeit.^^ Ist nun die gegebene Erklärung von sttus richtig, so 
lässt sich auch sino ungezwungen mit demselben vermitteln: 
sino bedeutet eigentlich „sich ruhig verhalten, wenn etwas ge- 
schieht", daher „etwas ruhig geschehen lassen, ruhig zulassen", 
ganz so wie quiesco zuweilen gebraucht wird; vgl. Cic. ad Att. 
7, 9, 2-. /quiescat, repa- ladduci ad Interregnum j — Die Wurzel 
posj^ porio pos(is''impomenta vermag ich mit Sicherheit in an- 
deren Sprachen nicht nachzuweisen ; das letztere deckt sich for- 
mell mit Ttw(.La BTtid^sf-ia, doch gehört dieses wol zu W. pd 
^^ahren"; Lottner stellt (KZ. 5, 240) mit Zustimmung Cors- 
sen's (Nachtr. 247)«o5^e^zu ahd. fasif; skt. paß^^ n. „Be- 
_hausung^,..St?dP'"fr\,Haus und Hof, Wohnsitz" lässt sich auf 
Qm&'^VL pas mit der Bedeutung von pono zurückführen (vgl. 
Widman- familiä) ; auch wäre gr. 7raaju*$'''^äulßnh€ilfe7^or^ 
saäliiHwiTtTemselben zuj;gjxuM§ö»'?"''55r^nb Vermutung (KZ. 22, 262), 
dass die W. pos m gr. rcoiiio enthalten sei, muss ich wegen 
der Form STtolßtjk in einer Inschrift von Olympia (E. Curtius 
Archäolog. Zeitung 1876 p. 48) jetzt verwerfen. 

quaesiio von quaero. 

questio von queror. 

restis „Seil, Strick" 
steht nach Fick o. S. 172 für resc-ii-s; vgl. skt. räjju Strick, 
Seil, lit. regzti flechten (Bezzenberger o. S. 68). 

tesiis „Hode"' von iexo. 

testis 
„Zeuge" aus *tersiis ; vgl. osk. tristamentud = iestamenio (Cors- 
sen Beitr. 5). ,' ^ ■ --,=..^-.*.-,«-. > ^ ^ ''"la-«^ 

tri^ SMS, *trisß^= lit. iir^^ßffskt. irshta- (Fick ,WiJf| 
I Jl^;<roh^^>fJ^mi^t^c. II 36?).-'" " '^"- ^ ^ 

ustio von uro. '" 



200 F. Fröhde 

loestis W. ves (Curtius Gruiidz. No. 565). 

InesUbttlnm 
beruht auf einem Siammei vesii- = ^tjL j)w^_jj,WoJh^ (Fick 
Wörterb. I 217 III 301). "Uä"3äs Suffix bulo auch in sessthu^ 
lum und turibulum an Nominalstämine angetreten ist, so lässt 
sich gegen Corssen's Ansicht (Beitr. 361), dass eben dasselbe 
in vesiihulum geschehen sei, nichts einwenden. Trotzdem ziehe 
ich es vor, das Wort aus '^vesti-stihulum zu erklären, so dass 
es „Platz des Hauses" bedeutet. 

vesiigare führt nach der Analogie von faiigare fastigare 
castigare auf einen Stamm vesii- , der avoI mit Fick Wb. II 247 
aus '*versit- zu erklären und von verro W, vers abzuleiten ist. 
3) mit dem Suffix iu: 

jaestus 
Wenn dieses Wort, wie m§ja allgemein annimmt, zu skt. W. 
indh, gr. ai&(o, lat. aetfes gehört, so wird die Fintstehung sei- 
nes si aus d-\-i zugegeben werden mHgs^n; denn das Suffix iu 
ist in der Regel primär. Es würde so' aestus das einzige ge- 
läufige Wort der klassischen Sprache sein, in welchem st, ein- 
geschlossen von Vocalen , aus ^-Laut -f- 1 hervorgegangen Aväre ; 
denn das die übrigen für diesen Lautwandel angenommenen 
Beispiele keineswegs für sicher gelten können, glaube ich im 
Vorhergehenden gezeigt zu haben. Unter solchen Verhältnisren 
ist ein Zweifel an der Richtigkeit auch dieser Etymologie ge- 
wiss gerechtfertigt, um so mehr, wenn sich eine andere bietet, 
die, in begrifflicher Beziehung ebenso gut, die Annahme der 
lautlichen Anomalie nicht nötig msidity^^-^^esj^ßg-^zeichnet er- 
stens das Fluten, das Wogen, die unruhige Bewegung des Mee- 
res, im Besonderen die Flut, die mit der Ebbe wechselt, bei 
Lucrez auch die Ausströmungen der Erde, das magnetische 
Fluidum u. dgl.; es wird zweitens gesagt von unruhigen Be- 
wegungen des Geistes, dem Schwanken in der Entschliessung, 
der Aufgeregtheit der Seele in der Leidenschaft , ganz wie ßuc- 
tuare , sowie von dem Drange der Seele nach etwas, der Ta- 
tenlust, insofern sie den Geist in Unruhe versetzt u. dgl. mehr; 
es wird dann drittens übertragen auf die wallende Hitze , die 
Ausströmungen der Glut des Feuers und der Sonne (vgl. ßueiiia 
flammarum). Ebenso wird jäÄS^fftrfe gebraucht vom Wogen des 
Meeres, von unruhigen Seelenerregungen und dem Ausströmen 
der Gluthitze; brennen im eigentlichen Sinne wie ardcre fla- 



Die Entstehung Ton st und ss im Lat. 201 

grare heisst es nie (vgl. Virgil Aen. 2, 751): propiusque aestus 
iiicendia volvunt) ; aestuare desiderio (Cic. ad Fam. VII 18) ist von 
flagrare desiderio (Cic. ad Att. V, 11) und ardere desiderio 
(Cic. Tusc. IV 17) wesentlich verschieden: während diese Aus- 
drücke den Grad , die Stärke der Sehnsucht bezeichnen , bezieht 
sich jenes auf die durch den Affect hervorgerufene Unruhe. 
Alle diese Bedeutungen aber lassen sich nach mehrfacher Ana- 
logie auf den Grundbegriff der unruhigen Bewegung zurückfüh- 
ren; vgl. ^Vivzoi dhü skt.dhimoti „schütteln, sich rasch hin 
und herbewegen", i^y^zimarJjRauch", gr. ^vvo) „stürmen, eilen", 
d^vto „stürmen, brausen, wogen (von Fluten), in leidenschaftli- 
cher Erregung sein", rvcpto „brennen, sengen", Pass. „rauchen, 
schweelen, glimmen", got. us-dauds „eifrig", ahd. iunst ,, Sturm, 
Andrang", Wot<w „Dampf, Rauch"; W. bhar hhur in skt. hhu- 
rati „zu.cken''^, bhuranyaii ,,in unruhige Bewegung versetzen", 
hhürni- „aufgeregt", gr. noQ(pVQio (pQsaq, got. brumia brinnan 
(Curtius Grundz. No. 415; Fick Wb. I 163), ferner in griech. 
cpXvcü, \&X. ßuo u. a. (Job. Schmidt Voc. II 270); W. spar in 
skt. sphurati „zucken, zittern", gr. OTtaiQio ftdlXco, mhd. 
sprcBJen „sprühen, spritzen", Ttiint^rmi u. a. (Schmidt a. 0. 
271); W. var in skt. ürmi- Welle, ahd. wallan „wallen", got. 
valvjan „wälzen", vulan „sieden", ksl. varu „Hitze", _ahd. walnjk 
„Hitze, Glut" u. a. (Diefenbach Wörterb. II 180; Fick Wör- 
terb. I 213). So können nun auch aestus und aestuare sehr 
wol von einer Wurzel mit dem Begriffe der unruhigen Bewe- 
gung ausgegangen sein. Ei^e solcl:\e bietet sich in ^tߣ;;^|^"- 
„stürzen, eilen, aestuare" j 6?s^v^glutreft4e As?^*q|,' (Grimm 
Gramm. IL 754), skt. ishyaii „in schnelle Bewegung setzen",/ 
^^MÜ „enteilen", i^kmin adj. „treibend, eilig, stürmisch" (von j 
den Winden), eshana- n. „Drängen" u. a. • 

castus / 
„Ritus, religiöser Brauch" von skt. W. cäs in gdsana- „Lehre, 
Glaube, Religion" u. a. (KZ. 23, 311). 

^jfastus y y \ 

„Stolz" von ^.-Ä?;^^ vgl. ahd.^ 

Äarmi^^stärr emporstehen", häM. ^ar^ew (g^roan. Grund|piTO 
bavmtjan) „sich brüsten^<'^^|^^. Äamm^^^Stolz , H^ftimut"^ 
Bre'al (KZ. 20, 79) glaubt in /as^ws -^^nkteinisgheh Vertreter 
der W. dhars zu erkennen; auch in diesem Falle wäre das s 
primitiv, doch sehe ich keine Möglichkeit, den Begriff von 




\ß^%lk 




X\ 



0/ 



>iMp V 



202 F. Fröhde 

fastus fastidium fasiidire aus dieser Wurzel zu gewinnen , denn 
fastus ist der Stolz, der sich zeigt in der Abneigung und der 
daraus hervorgehenden Zurückziehung von anderen. 

fesluca 

„Grashalm, wilder Hafer, Gerstentrespe" habe ich Beitr. zury 
lat. Et. p. 3 zu got. gazds, alts. ^er^ „Rute" gestellt, Viel- 
leicht aber wird das Wort richtiger auf die eben erwähntej 
Wurzel hhars bezogen *) ; vgl. dig^TVhKd fru^i«iiti spica, herba. 
Unmittelbar einleuchtend ist die Ursprünglichkeit des s in 

gestus gustus mistus pastus quaestus qucstus testu (vgl. 

testa) ustura. 
Unerklärt ist ßstuca „Schlägel" (vielleicht zu mhd, geisel fla- 
gellum). Caestus „Gurt, Kampfriemen" wird bei Paul. Epit. 
p. 45 für identisch mit cestus St. cesto = gr. TfieoTog erklärt 
und ist in diesem Falle entlehnt. 

4) mit dem Suffix tor : 

haustor mistor pastor pisior quaestor ustor 
deren Entstehung an sich klar ist. 



\m J-f ^ 



r 
II. 

Die Entstehung des ss. 

Von den verschiedenen Entstehungsweisen des lateinischen 
SS kommen für die vorHegende Untersuchung nur zwei in Be- 
tracht, nämlich 1) die aus st und 2) die aus d-i-\-i. 

1) SS (s) = s-\-t. 

Aus ursprünglichem st ist ss entstanden 
1) in folgenden zu Präsensstämmen auf -ns und -rs gehöri- 
gen Ableitungen mit den mit i anlautenden Suffixen: 
censum census censor 
cursum cursus Cursor cursim cursito 




W(\/)i^ 



pinsum 

versum von verro aus *verso. 
Neben censor steht osk. censtur und skt. Qasiar- „Züchti- 
ger". Curro nehme ich mit Anderen ,"*wie"'t)sthoff (Forsch. 

►) So auch Fick Wörterb. II 169. 



i^iri 



Die Entstehung vou st nnd ss im Lat. 203 

I 152), aus *curso entstanden an. Das pinsum vorange- 
hende *pinsium hat sich andrerseits zu pistum gestaltet; da- 
gegen ist es nicht nötig pisare aus '^pinsare auf *pinstare zu- 
rückzuführen; ebenso stehen pisum „Erbe", wie auch griech. 
TtiGov TtLGoog zeigt, und piso „Mörser", Piso Nom. propr. 
für ursprüngliches.^ *pinsum '*pinso. Wenn versus „Furche, 
Vers", umbr. l?mM«"-<AK. 423), wie Curtius (Stud. VI 269) an- 
nimmt und wol möglich», ist, obwol die Bedeutung „Wendung 
im Tanze, Pas" (vgl. azQoq)^) der Ableitung von verfo günsti- 
ger ist, von verro stammt, so muss es für ^verstus stehen, da 
rs im Lateinischen unursprünglich ist (Leo Meyer KZ. 22, 540). 
lieber die Etymologie von verro vgl. Curtius a. 0.; ohne davon 
zu wissen , bin ich (KZ. 22, 266) auf denselben Gedanken ge- 
kommen. — Die Zusammenstellung von dorsum ,, Rücken" mit 
gr. öeiQTj diqrj ist aus mehrfachem Grunde bedenklich (Leo 
Meyer a. 0. 537 f.); wäre sie sonst zweifellos, so würde sich 
dorsum aus "^dorstum erklären lassen. Auch die Erklärung der 
Endung ensumus in den Ordinalzahlen aus zunächst vorherge- 
hendem '■^enstumus und noch mehr die von utensile aus '^iiien- 
siile ist, wie oben gezeigt wurde, unsicher. Richtig dagegen 
ist Fick's Herleitung von 

vesica 
aus vensica (Lachmann zu Lucrez VI 130) von einem Stamme 
vensii- — skt. vasii-, ahd. wansü- (Wörterb. I 210). 

In diesen Fällen schlug die Sprache von den beiden We 
gen, die ihr offen standen, um die ihr unbequemen Lautver- 
bindungen nst und rst zu beseitigen, den ein, dass sie das t 
dem vorangehenden s assimilirte und dann das eine s aufgab, 
während in pistum tosium u. a. n und r ausgestossen wurden. 
Es ist also dieser Fall der Entstehung des ss aus st augen- 
scheinlich besonderer Art. 

2) in folgenden derartigen Ableitungen von Stämmen, die 
auf s auslauten, bei vorhergehendem langen Vocal: 

hausurus 
Diese Form des Particips findet sich bei Virgil Aen. 4, 383 
und an zwei Stellen des Silius (Neue Formenl. II 460); sonst 
lautet dasselbe hausturus in Uebereinstimmung mit dem Supi- 
num haustum. 

adhaesus adhaese haesurus 
Das Substantiv adhaesus St. -haesu- gebraucht nur Lucrez und 




204 F. Fröhde 

ist wol von diesem gebildet; atlhaese „stockend" steht bei Gel- 
liiis 5, 9; haesus dagegen kommt in der Literatur nicht vor 
und wird nur von Diomedes (p. 367 K.) angeführt. Das geläu- 
fige Frequentativum haesiio aus *haestüo zu erklären, empfiehlt 
das s; vgl. jedoch quaeso neben quaero. — Sicher vom Prä- 
sensstamme gebildet ist visüo (vgl. agito u. a.), denn ein Su- 
pinum visiim ist von viso nicht vorhanden. — Fick (KZ. 21, 8) 
stellt caesius zu lit. skaisias „hell, klar, glänzend" und setzt 
ein bereits ,,der europäischen Einheitssprache angehöriges" 
skaisias aus ^skaidh-ias an. Wäre diese Erklärung richtig, so 
würde sie einen schwer wiegenden Grund enthalten gegen meine 
Ansicht über die Entstehung von Formen wie laesus. Allein 
das von caesius nicht zu trennende caeruleus (Benfey Wurzell. 
II 151) deutet auf Ursprünglichkeit des s , da ein aus d -\-t 
entstandenes s niemals in r übergeht; auch ist die Wurzel von 
lit. skaisfas skaidrus im Lateinischen durch candeo vertreten 
(Joh. Schmidt Voc. I 97). — Zweifelhaft ist ferner, ob jnisula 
aus pustula entstand, oder ob beide neben einander bestanden 
wie rallum aus '^rad-lum und rastrum- denn s zwischen Vo- 
calen ist ohne ersichtlichen Grund auch erhalten in nasus ca- 
seus quaeso und blaesus — altn^ kleiss (Bugge KZ. 19, 433). — 
Endlich sind hier zu erwähnen' /;/av«.9 ■p/'/na pusio „Knabe", für 
die sich verschiedene Möglichkeiten der Erklärung bieten. Das 
s in diesen Wörtern muss wurzelhaft sein, da es ein primäres . 
Suffix so im Lateinischen nicht gibt /(caM£a und pausa bedürfen [ 
noch der Aufklärung) und das Suffix to nacÜ Tocalen stets ' 

-erhalten bleibt. Weber (KZ. 5, 235) identificirt pusus mit skt. 

i pum sa- „Mann" /nur in Compositis wie mahäpumsa- „grosser 
Mann"), vföln&r (pmnsa mn i „einen Sohn habend". Gegen diese 
Erklärung ist nicEtseinzuw enden; der Unterschied in der Be- 
deutung wäre derselbe wie im deutschen (£M/^<7e neben lat. ju- 
venis. Es kann aber auch püsus dem altindiscÜen pushia- Par- 
ticip der Wurzel push *) „gedeihen, aufziehen, ernähren" ent- 
sprechen (vgl. adolescens) oder endlich der Vocal ?/ Steigerung 
des u dieser Wurzel sein (vgl. z. B. poshya- aufzuziehen, zu 



*) Zu dieser Wurzel gehört skt. p^'^fip»- n. „das Aufhlühen, Blüte, 
Menstrualblut", mit dem ich lat. ;;;/io- in pubens „blühend, strotzend, 
mannbar", pubesco ,, heranwachsen , reifen, mannbar werden" identificire ; 
ein ursprüngliches Suffix bo gibt es nicht. 



Die Entstehung von st und ss im Lat. 



205 



ernähren). Eür die letzte Auffassung spricht pausülus bei Nov. 
&I Ribb. und das auf Inschriften öfter vorkommende Posilla, 
das doch wol mit Fusilla identisch ist. 

3) in den Superlativen auf -issimus aus -isiimus , welches 
noch erhalten ist in solistimus und sinisiimus (Schleicher Com- 
pend. § 23G). 

4) in den Formen : ossis (Gen.) ossu ossum osseus 
verglichen mit oozeov, skt. asthi (Curtius Grundz. No. 213). 

Fick a. 0. I 504 erklärt auch assis aus *asiis und identi- 
ficirt es mit preuss. asti- „Ding, Wesen, Handlung" VÖTl ' W." 
US, formell ansprechend, doch bedarf das Verhältnis der Be- 
deutungen noch der Aufklärung. Derselbe Gelehrte bezieht 
cossus „Holzwurm" auf W. /cas in skt. kashati „schaben, krat- 
zen", lit. kasü „grabe", und vergleicht skt. kashkasha- „ein 
schädlicher Wurm", vgl. auchi y.4' (Gen. x^o'g aus *>ctaoc,') „Holz- 
wurm". Das Wort kann aber ebensowol7'\vörä1lf" mich der Herr 
Herausgeber dieser Zeitschrift aufmerksam macht, mit lit. kändis 
„Milbe" zu lit. kandü „beisse" gestellt werden. 
2) SS = d-i-\-i. 

Aus ^-Laut -}- 1 ist ss entstanden 

1) in folgenden mit den ^Suffixen von noch vorhandenen 
auf einen ^-Laut auslautenden Verben abgeleiteten Formen : 



casus 


ausus 


tn-census 


arsum 


cessum 


caesus 


infensus 


morsus 


esus 


clausus 


ßssus 


orsus 


fassus 


cusus 


fressus u. fr esus 




fessus 


ßsus 


/usus 


versus 


fossus 


laesus 


pre-hensus 




f/ressus 


lusus 


mansum 




messis 


nisus 


mensus 




missus 


plausus 


pansus u. passus 




osus 


rasus 


petisus 




passus 


risus 


pransus 




quassus 


rosus 


scansum 




sessus 


suasum 


scissus 




visus 


taesum 


sensus 




di-nisns 


irusus 


spo?isus 






usus 


tensum 






vasum 


tonsus 

tusus u. tunsus 





206 



F. Fröhde 



Hierher gehören auch russus aus *rud-ius (KZ. 14, 433) und 
Jussus (a. 0.) von W. ju-dh , Secundärbildung von j'u „binden" 
mit dem geläufigen Wurzeldeterminativ dh (vgl. audeo gaudeo 
ardeo u. a.); denn /wm aus *jus-hapsi zu erklären, ist schon 
deshalb unmöglich, weil ein solches Perfectum von habeo nicht 
existirt ; auch würde jus habere schwerlich bedeuten könen „für 
Recht halten". Den Formen mit einfachem s in der zweiten 
und ersten Columne gingen solche mit ss voraus, die zum Teil 
noch erhalten sind (Corssen Voc. I 209); auch für die der 
dritten und vierten Columne muss, wenigstens theoretisch, eine 
solche Vorstufe angesetzt werden. 

2) in folgenden Wörtern gleicher Entstehung, für welche 
die entsprechenden Verba im Lateinischen nicht mehr vorhan- 
den sind: / 



assus 
aus *ad-tus von W. ad 
bei Hesych. 



gr. a 



U) 



111 







casa 
aus "^cad-ta von W. idg. skad „decken" (Corssen Beitr. 448). 
Auffallend ist allerdings die Kürze des Wurzelvocals , da sonst 
in ähnlichen Bildungen {esus ösus visus casus) Ersatzdehnung 
eintritt. 
'' cassis 

„Helm" aus *cad-tis von derselben Wurzel (Corssen a. 0. 449); 
vgl. got. hilms, lit. szdlmas = skt. carman- „Schirm, Schutz, 
Decke", cudo, dessen d, wie der Genetiv cudonis und das Ge- 
nus beweisen, wurzelhaft ist (wie das von udo = ovd(6v\ von 

( cassis i 

„Jägergarn" aus *cat-tis von W. cat in catena , goti hintan 
„fangen". ~ 

crassus 
aus *crat-tus = ksl. crüsiü von W. erat in cräies, got. haurds, 
gr. y.vQxoQ u. a. (Fick IvZ. 19, 254). 

frausus 
aus *fraud-tus von W. frud in fraus (s. o.). 

grossus 
„dick" = skt. grathita- „geballt, knotig, dick" (Fick KZ. 19, 
254). Ob mit diesem Worte grossus „unreife Feige" identisch 



Die Entstehung von st und ss im Lat. 207 

sei (vgl. gr. dxqäq axsQÖog „wilder Birnbaum und Frucht des- 
selben"), lasse ich dahingestellt sein. 

lassus 
aus *lad-tus von W. lad in lit. Uidmi „lasse", got. lats „lass", 
latei „Verdruss", laijan „aufhalten", ahd. gilezzen „verzögern, 
beunruhigen, quälen, verletzen", rahd. letze „Abschied, Ende", 
got. letan dquevat, fra-letan ccTtoXveiv , and-letnan dvaXveiv. 
Ich verbinde diese Wörter mit skt. ardaii, ved. rnaiti „in Be- 
wegung der Teile geraten , sich auflösen", caus. ardayati „in 
Unruhe versetzen, peinigen, verletzen". Aus dem Begriffe 
der Trennung in die Teile ergeben sich die Bedeutungen der 
deutschen Wörter ohne Schwierigkeit. In got. lats, lat. lassus 
ist die Bedeutungsentwickelung ähnlich der in fatisci „ausein- 
andergehen, matt werden", woher fessus „matt", und in griech. 
Ivea&ai {yvla, yovvaza, aipsa); besonders genau stimmt ahd. 

gilezzen in seinen Bedeutungen zu ardayati. In der Form 
schliesst sich got. letatz an das ved. rnatti, zu dem es sich ver- 
hält wie ßekan zu plango , gredus zu skt. grdhnu- nehva zu 
nancisci u. a. (Schmidt Voc. I 44). 
lausus 

aus Haud-tus von W. rud in lit. raudöti „wehklagen" u.a. (KZ. 

22, 548). 

lessus 

aus *lei-ius von W. rat in ratati „brüllen , heulen , wohklagen" * 

(KZ. 22, 547). 
nassa 

aus *nad-ta von W. nad in got. nati „Netz" (Fick Wörterb. 

646). 

passus 

wol aus '^pad-ius und wie passim zu pando gehörig, es kann 

aber auch zu itaTog „Schritt" oder zu W. päd „ge hen" gehören. 
passer ] jO-^AÄ^"^ 

aus '*pat-ter von W. pat „fliegen", in skt. patatra- n. „Flügel", ^ ■■ J 

patatri- „Vogel". 

pessum - ,»#? 1 

„zu Grunde" = skt. pattum Infin. von padyate „zu Falle kom- |\ Xf^ 

men", ksl. padq „falle" (Fick Wörterb. I 660^ 

spissus / / '^^ /'-"^ 

aus *spit-tih%Ao\\ W. spit in hiJ spib^^'^rä.nge" fFick KZ. 19, v)'4Sl32 



t3 



253). 



/ 




208 F. Fröhde 



m))i^ 



suasum 
Festus p. 302 : suasum colos appellatur , qui fit ex stillicidio 
fumoso in vestimento albo. Pauli. Epit. 111: insuasum ap- 
pellabant colorem similem luteo, qui fiebat ex fumo^ stillici- 
dio. Curtius (Stud. V 243) verbindet das Wort mit 5H^Äi£^Ä«r-| 
dus , got. svarts , indem er ein mit sordeo vergleichbares^ *Äwar-] 
deo construirt, dessen Particip '^suarsus sich nach Analogie von- 
"prösä rüsum zu suasus gestaltet habe. Ist diese Erklärung rich- 
tig, so steht suasum für '^suard-ium^ vielleicht aber gehört das 
Wort zu ahd. sut*4<in „verbrennen" J sh^a „Dampf von Ver- 
branntem", rahd. sttfi^m „Dampf"< vgl. gi\|ctr^?g~^i7yerbraiint, 

schwarz" u. a. "^^S-T^G %' ~~ — «.«—«—-*—• 

tussis f^O^-^-^^^r^^ii^^ 

aus *lud-iis von W\ iud = germ. t^Hl in^tn. .^oto ,A^»eti^' 
( Bezzenberger , Gött.~~üel. Änz. 1875 p. 28?^. Andgrs Fick 
(Wörterb. I 95), über dessen Wurzel ius „husten" Bezzenberger 

a. 0. zu vergleichen ist. ^ "' 

Einige, wie es scheint, hierher gehörige Formen mit ss 
sind etymologisch noch nicht aufgeklärt und mögen daher über- 
gangen werden. 




Das Resultat der vorstehenden Untersuchung ist demnach 
'folgendes : 

1) si ist aus d-t-\-i entstanden in zwei Fällen von besonde- 
rer Art, die eine eigene Beurteilung verlangen. 

2) st zwischen zwei Vocalen ist in den historischen Formen 
mit Ausnahme des selten vorkommenden vulgärlateinischen 
comesius und des nur einmal erwähnten Namens Segesta nicht 
aus d-t-\-t hervorgegangen, sondern ursprünghch; die Beispiele, 
die man für jene Art der Entstehung angeführt hat, können 
nicht für sicher gelten und sind mit Ausnahme von aestus, das 
aber ebenfalls eine andere Erklärung zulässt, nicht allgemein 
anerkannt. 

3) SS ist aus st = st in der Umgebung von zwei Vocalen 
entstanden nur in den Superlativen auf issimus und einigen ver- 
einzelten Wortformen ; im Uebrigen ist das si stehen geblieben. 

4) d-t-\-i wurde regelmässig zu ss und dann nach langem, 
selten nach kurzem Wurzelvocale sowie bei vorhergehendem n 
oder r zxk s. 



Die Entstehung von st und ss im Lat. 209 

Ich versuche nun auf Grund der gewonnenen Resultate die 
Frage zu entscheiden, ob diese zuletzt erwähnten ss eine Mittelstufe 
st voraussetzen , oder ob sie durch Assibilation des t der Suffixe, 
die dann die Assimilation des Dentals der Wurzel zur natürli- 
chen Folge hatte, hervorgegangen sind. Für die erste An- 
nahme spricht der Umstand, dass die meisten indogermanischen 
Sprachen den Zusammenstoss zweier Dentale durch die bezeich- 
nete Dissimilation vermeiden. Angenommen nun, das Lateini- 
sche wäre wie in den unter 1) bezeichneten Fällen auch hier 
der nämlichen Weise gefolgt, so fragt es sich weiter, in welche 
Zeit wol die Entstehung des st zu setzen sei. Es sind zwei 
Möglichkeiten vorhanden: entweder erfolgte dieselbe in der Pe- 
riode des Sonderlebens der lateinischen Sprache oder sie fällt 
in voritalische Zeit. Ich erwäge zunächst diesen letzteren Fall 
und frage weiter: welcher Periode der Sprache gehört dann 
die Entwickelung des st an? Indogermanisch kann sie nicht 
sein, denn das Sanskrit hat sie nicht; im Eranischen also ist sie 
jedenfalls selbständig erfolgt. Ueber die Zeit von der Sprachtren- 
nung bis zum geschichtlichen Auftreten der einzelnen Sprachen 
herrscht keine Uebereinstimmung der .Ansichten. Gesetzt, es hat 
eine europäische Einheitssprache gegeben, so würde man, wenn 
man die Wandelung von d--^t zu st für voritaHsch hält, die- 
selbe in diese Periode zu setzen geneigt sein können. Fick tut 
das nicht, wenn er in seinem Wörterbuche als europäisch an- 
setzt Formen wie karita kraita (I p. 525) padti (p. 661) pad- 
iana (a. 0.) skaidhia (p. 815) u. a. , ist also der Ansicht, dass 
in dieser Periode d-t^t noch erhalten war. Ist aber diese An- 
sicht richtig — und ich wüsste nicht, was ihr entgegenstände 
— so ist auch im Keltischen, im Slavodeutschen und im Grä- 
coitalischen , um Fick's Stammbaum festzuhalten, die Entste- 
hung des st unabhängig von einander und von den arischen 
Sprachen vor sich gegangen. Weiter dagegen setzt Fick für 
das Slavodeutsche Grundformen an wie karsta (II 322) mesta 
(p. 430) rusta (p. 445) versta versti (p. 465) u. a., ebenso für 
das Gräcoitalische karsto (II p. 54) skisto skisti (p. 266), er- 
kennt also diesen Sprachperioden die Entwickelung des st aus 
/-Laut-j-^ zu. Welche Gründe Fick zu diesem Verfahren be- 
stimmt haben, weiss ich nicht; ich sehe keinen und nehme 
daher an, dass im Gräcoitalischen der /-Laut noch erhalten 
war. Diese Ansicht wird dadurch bestätigt, dass es eine An- 

Beiträge z. Kuade d. ig. Sprachen. I. 15 



210 F. Frölule 

zahl italischer Wortformen gibt, die dafür sprechen, dass aiicii 
im Oskischen und Altlateinischeu der /-Laut noch unangetastet 
war. Es sind dies folgende : 

osk. oiliiuf 
(Cippus Abellanus Z. 40. 43) = lat. usio. Vergl. Bugge KZ. 
22, 432. Wie man auch über das Suffix des Wortes denken 
möge: sicher ist wol, dass es mit t anlautete und dass das / 
der Wurzel (in altlat. oitier) \or demselben erhalten war. 

lat. mallus 
= skt. maiia- von W^. mad in madeo , gr. (.laöaw, also für 
'^mad-ius (Fick Wörterb. I 170). 

altl. adgretus egrelus 
nach alter Schreibweise für adgrettus egrettufi aus '*(idgred-his 
'*egred-ius. Vergl. Corsseu Voc. 1 209. 

portenium ostenlum 
für '^'portend-lum *ostend-ium von portendo osfendo (Corssen a. 
0.). Ebenso sind wol mit Corssen die Participia rnfen/us af- 
ientus aufzufassen, obgleich sich diese auch auf die kürzere 
Wurzelform teyi {zeivLo) zurückführen Hessen. 

credo 
aus ^'cred-do — skt. craddadhämi (Bopp Glossar). 

exfuti " ~"' — — "- u .-^--'^ 

für '^-exfad-ti ^ eßusi (Pauli. Epit. 81 , wo meritd für mersat 
verglichen wird). Dagegen scheinen futis fulio futilis fulare 
auf die kürzere Wurzel fu — gr. xv zurückzugehen. 

millo 
Bildung wie ßcr/o ncclo u. a. (Pauli KZ. 18, 3(3) ist entweder 
mit Lottner (KZ. 7, LSG., Pauli (a. 0.), Fick (Wörter!). 17 10) 
zu lit. 7nelu , ksl. 7/?<?/'r^ „werfe", oder mit Pott (Et. Forsch. I 
253) zu ags. smildii. „werfen", altfrics. sjnUn zu stellen. Für 
letztere Auffassung si)riclit die altlateinischo Form cnsmlUo 
(Paul. Epit. p. 07), die anzuzweifeln kein (Jrund vorliegt. 
smil-to entstand in diesem Falle aus '^smid-to wie mailns aus 
*mad-ius. 

ceilo. 
wird von den (irammatikern als Imperativ gefasst \ Neue For- 
menl. II 480) uiul stcilit also, wenn diese Auffassung richtig ist, 
für ^cedite. 

Andere I'alle der /\rt sind zweifelhafter. Corssen liillt 
Sprachk. § 11 an seiner KikUirung von r.idlus aus ■'^rud-tilus 



Die Entstehung von sl und ss im Lat. 211 

fest, vielleicht mit Recht; sie hat zwar ihr Bedenkliches (Bugge 
KZ. 20, 7), doch lässt sich nicht verkennen, dass auch die 
Vermittelung mit gr. IxQvoög, lat. lütum lüteus lutea „Berg- 
grün" (Bugge a. 0.) von Schwierigkeiten nicht frei ist. Viel- 
leicht ist die von Curtius (KZ. 2, 335) ausgesprochene Ansicht, 
dass sich im Lateinischen „doch eine oder die andere Aspirata 
in eine tenuis verwandelt hat", wie es ja auch im Germani- 
schen zuweilen der Fall ist (z. B. in got. greipan), richtig. — 
Wenn vHrum zu tidere gehört (Bopp Vergl. Gramm. III 197; 
CorssenBeitr. 368; Curtius Grdz. No. 282), so steht es für *mW- 
irum; (vgl. jedoch ags. väd, ahd. weit „Färbepflanze", loeitin 
„bläulich"). Das tt des von Pott (Etym. Forsch. I 230) zu got. 
vindan gestellten vilta lässt sich auch anders erklären i Pauli 
KZ. 18, 22). 

Die angeführten Wortformen scheinen mir darauf hinzu- 
deuten, dass im Altlateinischen /-Laut vor t noch erhalten 
war. Es ist also nun der zweite der oben gesetzten Fälle zu 
erwägen und zu fragen, ob es wol wahrscheinlich sei, dass 
d-t-^t während des Sonderlebens der lateinischen Sprache in 
den bezeichneten Wortclassen zunächst in st und dann in ss 
übergegangen ist. Gegen diese Auffassung habe ich folgenden 
gewiss gewichtigen Grund geltend zu machen. Wäre d-t-\-i zu- 
nächst in st übergegangen, so würde es höchst auffälhg sein, 
wenn dieses st sich weiter zu ss entwickelt hätte, während 
doch das ursprüngliche st mit wenigen Ausnahmen stehen blieb. 
Es ist ein vielfach zu beobachtendes Verfahren der Sprache, 
dass Laute und Lautverbindungen, die, wenn sie ursprünglich 
sind , Veränderungen unterliegen , doch, wenn sie secundär sind, 
sich behaupten. So ist zum Beispiel urspüngliches s zwischen 
Vocalen entweder ausgefallen oder in r übergegangen, dagegen 
wird ein secundäres s der Art weder jemals ausgestossen noch 
in 7' verwandelt. Handelte es sich also um die Annahme, dass 
die ursprünglichen st zu ss geworden, die secundären dagegen 
verblieben sein sollten, so wäre dagegen nichts zu sagen; allein 
der umgekehrte Fall widerspricht dem sonst wahrnehmbaren 
Verlaufe lautlicher Entwickelungen. Man könnte einwenden, 
dass auch im Altirischen (z. B. in ßss scientia sess sedes mess 
Judicium von den Wurzeln fid sed med) und im Germanischen 
(in got. vissa mipinssei gaqiss ganiss us-stass , ahd. muosa aus 
'^vÄt-da '^mt-tei '^qip-pi '^vid-fn '^stad-pi^ ahd. ''^^■miioz-ia) das 

15* 



212 A. Biclonstein 

so entstandene si weiter zu ss geworden sei: allein hier be- 
schränkt sich diese Entwickelung auf einige Fülle, während sie 
im Lateinischen eine grosse Classe von Wörtern ergriffen hätte, 
ohne dass die Mittelstufe sl , von dem wenig beweisenden co- 
mesius abgesehen, zu erweisen wäre. Das Bedenkliche einer 
solchen Annahme wird noch erhöht durch folgende Erwägung. 
Ging d-t-\-t zunächst in st über, so besass die Sprache zu ir- 
gend einer Zeit Doppelformen wie castus ( = castus und casus) 
festus {— festus \xn^ fessus) lastus (— suh-lestus und lassus) 
vastus (= vastus und in-vasus). Wäre es nun nicht ein selt- 
samer Zufall, dass von diesen Doppelfornien gerade diejenige, 
deren s erst aus t entstanden war, ihr st weiter in ss verwan- 
delte, da doch die zu castus festus sublestus vastus gehörigen 
Verba verloren waren ? 

Alle Schwierigkeiten fallen weg, wenn wir an der früheren 
Erklärung der Entstehung dieses ss festhalten und annehmen, 
dass sich in den bezüglichen Formen zunächst das t der Suf- 
fixe assibilirte. Die Richtigkeit dieser Auffassung wird dadurch 
bestätigt, dass auch nach Gutturalen , Labialen, nach n und / 
die nämliche Assibilation stattfindet (vgl. laxus mersus lapsus 
mansum pulsum u. a.), w^enn auch nicht in gleichem Umfange. 

Liegnitz, 

F. Frohde. 



Ueber Umlauts-Erscheinungen im Lettischen. 

In meinem Werk „Die lettische Spruche nach ihren Lauten 
und lärmen" L p. 17o ist ein kurzer Paragraph dem Umlaut ge- 
widmet, wie er im Lettischen erscheint. Dieser §.117 macht ei- 
gentlich nur auf eine einzige, allerdings sehr regelmässige, aber 
doch nur in gewissen engen (lautlichen) Gränzen auftretende 
Unilauts-Erscheinung aufmerksam, d. i. die Anähnlichung des 
e über reine (nicht-mouillierte) Consonanten hinweg an nach- 
folgende breite, offene Vocallaute (a, breites, offenes e, u) durch 
Uebergang zu ä *) und an folgende spitze, geschlossene Vo- 



*) Ich erlaube mir hier von der bcriptio vulgata und vun der wissen- 



Heber Umlautserscheinnngen im Lettischen. 213 

callaute fi, e) durch Uebergang zu der spitzen, geschlossenen 
Aussprache: e. Beispiele finden sich für dieses Unilautsgesetz 
Lett. Spr. I. §. 21. 22. p. 3ü if. und brauchen hier nicht wie- 
derholt zu werden. 

Bei Gelegenheit von Studien über die lettischen Dialekte 
habe ich nun ein anderes, wenigstens local geltendes, recht 
umfassendes Unilautsgesetz entdeckt, welches werth ist beach- 
tet zu werden. Es erklären sich daraus eine Menge an ande- 
ren Orten vereinzelt vorkommender Vocalwandlungen , die sich 
nun leicht unter dieses Gesetz subsummieren lassen. Jedoch 
dürfen wir, wie schon gesagt, keinesweges das sofort zu be- 
leuchtende Umlautsgesetz auf die ganze lett. Sprache ausdeh- 
nen. Es handelt sich um ein räumlich kleines Gebiet und des- 
sen Dialekt. 

Schleicher erwähnt in seinen verschiedenen Werken meines 
Wissens nirgends einen im Lithauischen vorkommenden Umlaut. 
Dass dieser also der lith. Sprache fremd ist , darin liegt auch 
wieder ein Beweis dafür, dass das Lithauische auf einer relativ 
älteren Entwicklungsstufe steht als das Lettische. Das Letti- 
sche hat bereits weitere Wandlungen an sich erlebt und wenn es 
nun mehrfache Umlautung zeigt, so. können wir mutatis mu- 
tandis an das Gothische denken, das noch kein kurzes, aus a 
umgelautetes e kennt, und an das Althochdeutsche, das etwa 
seit dem 7. Jahrhundert mehr und mehr Umlautungen des a 
zu e durch folgendes i zu zeigen beginnt. 

Die ersterwähnten lettischen Umlauts-Erscheinungen am e 
(Lett. Spr. L §. 20—22) finden sich hauptsächlich im soge- 
nannten mittleren Dialekt, dem herrschenden Zweige des Nie- 
derlettischen, dessen Bereich nördlich bei W^alk in Livland an 
der Gränze der Esthen beginnt und sich dann südwestlich über 
die Wolmarsche und Wendensche Gegend zu beiden Seiten der 
livländischen Aa hinzieht, dann die beiden Ufer der unteren 
Düna von Lennewarden bis Riga, dann ganz Semgallen, d. h. 
die Mitauische, Bauskesche, Doblensche Gegend umfasst, und 

schaftlichen Orthographie meiner „Lett. Sprache" Berlin 1863 abzuwei- 
chen, und weil es hier so practisch erscheint, die I;aut-Nuancen auch 
dem Auge deutlich zu machen, ä resp e (letzteres nach dem Vorgang 
A. Schleicher's in der Lith. Gramm.) für (breites resp. spitzes) e zu 
schreiben; ia ie für das vulgäre ee (,,Lett. Spr." i oder e); üa, (üe), 6a, 
(öe) für das vulgäre o („Lett. Spr." u, ö). 



214 ' A. Bielenstein 

dann auch noch in das alte Kurland hineinreicht, nördlich bis 
Tuckum und Kandau und südlich über die Windau und über 
die Ambotenschen Berge zur Grobinschen Gegend hin. Dieses 
so in grossen Zügen bezeichnete Gebiet des mittleren lettischen 
Dialekts, der die Literatur beherrscht und Kirchen- und Schul- 
Sprache überall geworden ist, hat westlich neben sich Ueber- 
gangs-Gegenden , deren Sprache zur Küste hin sowohl bei Li- 
bau, Windau, Dondangen, als auch am Rigischen Meerbusen, 
namenthch bei Salis, immer ärgere Destructionen, namentlich 
der Endungen, zeigt in Folge der Mischung lettischer Strand- 
Ansiedler mit den früher da sesshaften nun lettisierten Kuren 
und den zum Theil noch vorhandenen Liven, die beide zum 
finnischen Stamme gehören. 

Ein anders geartetes Uebergangsgebiet begränzt den mitt- 
leren Dialekt nach Osten, das ist in Livland das Quellgebiet 
der Aa und das ganze Land zwischen Adsel an der Grenze der 
Esthen und dem Dünaland zwischen Kreuzburg und Lennewar- 
den. Dazu gehört in Kurland die Friedrichstädtsche und Ja- 
kobstädtsche Gegend zwischen dem Tauerkalnschen Forst und 
der anderen Taille, die das Gouvernement Kurland durch nörd- 
liches Eindringen lithauischer Gränze bekommt. 

Von diesem Uebergangsgebiet östlich, also in Livland: die 
Kirchspiele Oppekaln, Marienburg, Schwaneburg, Lubahn, in 
Witepsk: die drei Kreise des polnischen Livland, Rositten, Lu- 
zin, Dünaburg, in Kurland : der lUuxtsche Kreis, — i-epräsentieren 
den hochlettischen Dialekt, der ebenso Einflüsse des Rus- 
sischen und Polnischen erfahren hat, als wie der nordwestkuri- 
sche, Tahmische, und der Salissche Dialekt Einflüsse des Li- 
vischen (Finnischen). 

Den mittleren Dialekt nennen wir nieder lettisch und 
vergleichen ihn mit dem niederlithauischen (zemaitischen), wie 
den hochlettischen mit dem hochlithauischen. Eine fast gerade 
Linie, deren Anfang im Norden zwischen Walk und Adfel an 
der Grenze der Esthen ist, und deren Ende südlich bei Kowno 
auf den Njemenstrom stösst, scheidet das Hochlettische und 
Hochlithauische einerseits- und das Niederlettische und Nieder- 
lithauische andererseits. 

Diese Andeutungen über die lettischen Dialektgrenzen wer- 
den für das Folgende genügen. 

Begeben wir uns nun nach Livland in das Quellgebiet der 



lieber ümlautserHcheinungen im Lettischen. 215 

Aii, (las, reich an Hügeln nnd Seen, durch hervorragende Hö- 
henzüge fast nach allen Seiten so umschlossen wird, dass die 
Aa einen weiten F)0gen nach Osten, Norden, Südwesten ma- 
chen muss, um endlich ihren Weg zum Meere zu finden. Es 
sind dort die Kirchspiele von Alt- und Neu-Pebalg. Hier in 
der Mitte und auf der höchsten Höhe von Livland, in dem 
dialektischen Uebergangsgebiet zwischen Niederlettisch und 
Hochlettisch finden wir viele Eigenthümlichkeit in Sitte und 
Sprache. Es ist hier ein ganz eigenartiges Volk nach Wuchs 
und Streben. Und was seine Sprache anlangt, so ist's, ich 
möchte sagen , eine Insel , in manchen Stücken niederlettisch, 
in manchen Stücken hochlettisch, aber auch wieder von allen 
Nachbaren ring.s umher sich unterscheidend durch völlige Ori- 
ginalität- 

Hier nun herrscht auch eine eigenthümliche Vorliebe für 
den Umlaut bei folgendem i (ie und e) und derselbe findet sich 
mit sehr grosser Regelmässigkeit. Dieser Umlaut zeigt sich 
nicht blos bei der Aussprache des e, sondern bei allen Vocal- 
lauten. In engeren Grenzen bewirkt dort auch u resj). a Um- 
laute. 

Ein folgendes i oder ie da) oder 6 wandelt durch 
seinen Einfluss ein vorhergehendes 

1) a zu ä oder ai, 

2) ä zu e (breites zu spitzem e), 

3) la zu ie, 
üa zu üe, 

6a zu öe oder öi", 

4) u zu üe oder üi. 

, 1) Beispiele. Langes ä vor i wird langes a: 
inaz*^ajs*1äK4ß_äzIta^j<«^Predige^^ neben m ä^U^(icHs^hr&)»i 
a'H^'f/'^alii^J^iege^^ äf^u.cGen. S. v. alNi|Jj^a- 

nis I. Jänis (Johann); ' trapTt f. träpTt (treffen), neben 
träpu (ich treffe); bralis f. brälis (Bruder) neben bräia 
(Gen. S.). '~--' 

Kurzes a vor i wird kurzes ä: 
bäfnlza f. bafnlza (Kirche); gänlbas f. ganibas (PI. 
tant. Trift) neben ganu (ich treibe, hüte ~ das Vieh — ); 
mäldTjäs f. maldljäs (er irrte sich) neben maldäs (er irrt 
sich ; päti f. pati (ipsa) neben pats (ipse); wäri f. wari (du 



216 A. Bielenstein 

kannst) neben waru (ich kann); äfäritis f. äfarTtis (De- 
min. V. äfars See); rädits f. radits (creatus) neben radu 
(creo); säzTju f.' sazTju (ich sagte) neben saku (ich sage); 
dräwinieki f. dfawTnieki (Bienenzüchter); pä-liku f. pa- 
liku (ich Wieb)*) neben pa-läwu (ich Hess los); sä-dl'Twöat 
f. sa-dlTwöat (zusammenleben) neben sa-püt (verfaulen); män(i) 
f. man (mihi) neben mans (meus). [Die unzweifelhaft um- 
gelautete Form man (im) wirft ein interessantes Licht auf die 
allgemein giltigen Dativformen tew(im) (tibi), sew(ira) (sibi) 
(cf. die Genitive tewis, sewis, Accus, tewi, sewi), in denen 
wir nun auch ein Recht haben werden einen Umlaut anzuneh- 
men, zumal nicht blos im Lith. die Formen mit a vorkom- 
men, sondern auch im Lett. cf. westkur. taw, saw.] 

Langes a vor e wird langes ä: 
mazeja f. mäzeja (er konnte, verstand) neben mäku (ich 
kann, verstehe); flies f. fäles (N. PI. Kräuter, Arzeneien) 
neben fälu (Gen. PI.); dalderis f. dälderis (Thaler). 

Kurzes a vor e wird kurzes ä: 
räwet f. rawet (jäten); lldf mälei f. lidf malai (bis zum 
Rande) neben mala (Rand); Andrejs f. Andrejs (Andreas); 
inCompositis: ät-nesu f.r^-T VQg^^( ich trug herbei) neben 
at-näzu (ich kam herbei). **" x V/*^" 

Bei diesem in Pebalg geltenden Umlautsgesetz ist es ganz 
indifferent, ob vielleicht in der Vergangenheit vor dem umlau- 
tenden i ein a vorhanden gewesen und nun verloren gegangen, 
wie z. B. solches der Fall ist im Nom. PI. der männlichen a- 
Stämme, wo -i aus -ai entstanden, oder bei der gleichlauten- 
den Adverbial-Endung -i aus -ai. In andern, in den meisten 
anderen Gegenden ist ein solches verloren gegangenes a noch 
durchaus nicht aus dem Gefühl des lettischen Volkes geschwun- 
den, und wenn es auch nicht mehr selbst unmittelbar da ist, 
so zeigt es sich in seinen umlautenden oder Umlaut verhin- 
dernden Nachwirkungen. In solchen Adverbien oder Plural-No- 
minativen wird ein vorhergehendes e allgemein breit (ä) — also 



*) Hier und in vielen anderen Fällen macht sich die Umlautswirkung 
in Compositis von einem Theil des Compositums auf den anderen hinüber 
geltend, wie das bei dem althochdeutschen Umlaut niemals sich findet. 
J. Grimm, deutsche Gramm, ed. 3. I. p 75. 



Feber TJmlautserscheinungen im Lettischen. 217 

doch in Anähnlichuiig an das folgende ausgefallene a — ausge- 
sprochen, aber nicht spitz (e), denn der Einfluss des Endungs-i 
ist durch das ausgefallene a paralysiert. Man spricht also all- 
gemein:dali (Söhne, geschr. deli) wegen der früheren Form dalai 
und lati (billig, geschr. leti) wegen der früheren Form latai 
und nicht deli oder leti (cf.Lett. Spr. I.p.43). Hier in Pebalg 
aber hindert solch ein historisches a die Umlautungswirkung 
durchaus nicht; der Dialekt zeigt sich also in diesem Stück 
gerade wieder als eine jüngere Sprachentwickelung, sofern die 
Erinnerung an oder, sollen wir sagen, das Gefühl für das ge- 
schwundene a (Bindelaut oder Stamm-Auslaut) bereits ganz ge- 
schwunden ist. Cf. warti f. wärti (PI. tant. Nomin. Thor, 1^ 
Thorflügel) neben wärtus (Acc. PL); w^di f. waü^^i (Wör- 
ter) neben wärdus (Acc. PL); läbi f. labi (Adv. gut) neben 
Habs (Adj. gut); smälki f. smalki (Adv. fein) neben smalks . . 
(AdJ. feinj; -wisadi f. wi>Ä>4,i (Adv. auf allerlet■•■A*t)^eböBs,^^3^ 
wisä'tls (Adj.). 

Aehnlich ist es bei den Dativen Plur., deren Endung -iem 
aus älterem -eimis oder -aimis entstanden und wo die Wand- ' 
lung von a in ai, ie vielleicht schon an sich ein Umlaut sein 
dürfte (?). Cf. ;rSl!ii^ f. ralT&mJ{den Rädern, -dem Wagen) 
neben ratus (Acc. PTl; wartiem, wardiem f. wärtiem, 
ward iem u. s. w. 

Neben der Umlautung des a zu ä finden wir eine andere 
in ai, die vielleicht die ältere ist, wenn a die Verschmelzung 
von a und i ist. Freilich hierüber lässt sich streiten. Im Alt- 
hochdeutschen finden wir meines Wissens schon in den ältesten 
Urkunden e für a vor i und nicht ai i). Im Lettischen scheint 
mir aber eine Thatsache beachtenswerth und vielleicht massge- 
bend. Während nämlich die Umlautung von a zu ä fast aus- 
schliesslich auf den Thalkessel von Pebalg im Herzen Livlands 
sich beschränkt, so hat die Umlautung zu ai eine viel weitere 
Sphäre, namentlich nach Südosten zu bis zur Düna (Koken- 
husom, Kreuzburg); aber auch in der Mitte und im äussersten 
Westen Kurlands finden wir einzelne schöne Beispiele dieses 
Umlauts. In Sjuxt (Mittelkurland) sagt man taini f. tani 
(Loc. S. zu tas iste); in Neu-Autz (Südkurland) firg-gainis f. 



1) [ai findet sich als Bezeichnung des durch i umgelauteten a; vgL 
Scherer Zur Geschichte der deutschen Sprache S. 144. B.] 



218 A. Bielenstein 

firg-ganis ( Pfercleliirt ) ; in Sackenliausen\ (am Libauschen 
Strande): pai-rTt f. pa-rTt(u) (übermorgen); -spa in is f. spa- 
nis (Eimer, Spann) *). Was bedeuten diese vereinzelten 
Umlautsfalle? Sind es Reste von früher allgemeinerer Umlau- 
tung? Es ist mir fraglich, ob in irgend einer Sprache ein in 
Mode gekommener Umlaut wieder aus der Mode gekommen ist 
oder kommen kann? Sind es die Anfänge von einem sich erst 
bildenden Umlautsgesetz in Gegenden, wo es bisher so nicht 
geherrscht? Sind es hergeschneite Flocken? Ich wage nicht 
darüber zu urtheilen 

Südöstlich von Pebalg ist die Regel, dass wenigstens die 
älteren, überhaupt noch dialektisch redenden Leute, die noch 
weniger die nivelliei'enden p]inflüs§e der Volksschule erfahren 
haben, sprechen: maf2r54«4.s f. mäzTtratj'&>,4P^6^^g6^) neben 
iiT?f?Hi^ch lehre); pa wairtiem f pa wärtiem (durchs Thor) 
neben wärtus (Acc. PI.); kairinät f. karinät (wiederholt 
anfassen, necken); gaidiem f. gad'iem Jl^ai. Vi. von /^acls 
Jahr; neben gadus (Acc. PL); Mairgiete f Margrete (Mar- 
garethe); in Compositis: sai-siet f sa-siet- (zusammenbinden). 

Nur ein besonderer P'all des allgemeinen Umlauts-Gesetzes 
ist es, wenn in einer und derselben Sylbe, in dem Diphthong 
ai das a durch das nebenstehende i zu e sich wandelt. Cf. 
leime f. laimö (Glück); mäzTteis f. mäzitais oder -tajs; 
lei f lai (dass, damit). 

2) Verlassen wir nun das Umlaut-erfahrende a und kommen 
nun zu dem Umlaut-erfahrenden e, welchen Laut der Lette in 
breiterer Gestalt (wir schreiben ihn dann hier ä) und in spitze- 
rer Gestalt (wir schreiben ihn dann hier c) hat, so finden wir 
die entsprechenden Anähnlichungen , nur immer um einen 
Schritt weiter abwärts auf der, ich möchte sagen, schiefen 
Ebene. Wandelte sich das a umlautend zu ä, wie wir oben 
sahen, so nun ä zu e und e zu ei. Eine weitere Anähnli- 
chung ist nicht mehr möglich, es müsste denn Angleichung 
eintreten. 

Für die Umlautung von ä zu c finden sich in Pebalg un- 
zählige Beispiele in der Flexion der nominalen a-Stämme, wo 

*) Ganz unerhört .sind in Kurland auch nicht die Fälle von Umlautung 
des a zu ä. En sehr altes Beisjjiel ist der Bauerhofs-Niime Gäncii 
(PI. tant. von dem Sing ganelis, Demin. zu gans Hüter, Hirt). Cf. 
pytädfina, Deniin. von pjtaga (Peitsche). 



Heber TTmlautserscheinungen im Lettischen. 219 

der im Nom. und Dat. PI. ausgefallene Stamm-Auslaut -a- durch- 
aus keine schützende Nachwirkung mehr ausübt, die sonst in 
dem herrschenden Niederlettisch überall vorkommt. Cf. täws 
(Vater) Gen. S. täwa, N. PI. tewi, Dat. PI. töwiem; g räks 



(Sünde), Gen. S. gräka, Acc. S. gräku, N. PL greki, Dat. 
PI. grekiem. Bemerken swerth ist in letzterem Beispiel, wie 
das ausgefallene a (Stamm-Auslaut) den Umlaut nicht hindert, 
aber doch noch das k vor der sonst nothwendigen Wandlung 
in z bewahrt (cf. Lett. Spr. 3, 112. 114) und seine ehemalige 
Existenz in der breiten Aussprache des ä im Nom. S. (gräks 
f. gräkas, täws f. täwas) immer noch offenbart. 

Die Umlautung von e zu ei kommt vielleicht nicht so sehr 
in Pebalg vor, als in anderen Gegenden. Ich habe sie in Ru- 
jen gefunden (an der Grenze der Esthen, westhch von Walk), 
und ich muss dann damit vergleichen die oben erwähnte That- 
sache, dass gerade auch die Umlautung von a zu ai sich in 
weiteren Kreisen findet als die von a zu ä. In Rujen hört I 
man in CjM9npositis:^-^'eideti f. sedct (sitzen); sjy^-iT^ij 




f. sw^dien^fSonnta'g, Feiepfag); peiz(i) f. pez(i) (hinter, 
nachj; eist(i) f. est(i) (essen). Ebenso hört man bei Dohlen 
in Mittelkurland den Bauerhofs-Namen Tezes (PI. zu d. Nom. 
S. "Tö^i^ so aussprechen, dass man ihn kaum von Teizes und 
T^&i«^ unterscheiden kann. 

3) Bei den eigenthümlich-lettischen unächten Diphthongen ia 
(ea), üa (6a) (in der scriptio vulgata: ee und o oder oh, in 
Bielenstein lett. Spr. je nachdem der Ton gestossen oder gedehnt 
ist : i , e und ü , ö) wird von dem Umlaut naturgemäss nur das 
zweite Element (a) betroffen, welches eben zu ä oder e sich 
wandelt. Uebrigens geht auch diese Erscheinung über die Gren- 
zen von Pebalg hinaus. Mit grosser Genauigkeit und Allgemein- 
heit findet man sie namenthch in Rujen. So lautet denn zum 



Nom. S. 


d. Acc. S. 


d. Nom. PI. 


d. Dat. PL 


miats (Pfahl) 


miatu 


mieti 


mietiem 


tiaws (dünn) 


tiawu 


tiewi 


tiewiem 


ziats (hart) 


zia tu 


zieti 


zietiem 


lüaps (Vielj^ 


lüapu 


lüepi 


lüepiem 


V^^^%^J^\xp^ 


küaku 


küeki 


küekiem 


i^*53'«^tJ<»f'Ü'^ 


püadu 


püedi 


püediem 


.,.,._._..->^ >p- 




(Demin. 


püedins f. 


1 




puadinsch 


Töpfchen). 



A 



220 



A. Bielenstei'n 



Ebenso in Coinpositis: nüa-gäja (er ging fort), aber 

"'ii^ e - iiair.t 4itörfe«i^»»^^^ 
nü&-pirkt (abkaufen) 
n ü e - 1 i k t (hinlegen). 

In Pebalg und noch mehr "nach Südosten zu gestaltet sich 
das öe (Umlaut von öa) oft zu öi, cf. öitriem f. oetriem 
(Dat. PI. V. oatrs, lat. alter, franz. autre); käpöisti f. käpo- 
esti (PI. Kohl) neben dem Acc. käpöastus. 

Erwägen wir, dass bei obigen Wandlungen ia in der Um- 
lautung zu le dem i um einen Schritt näher gerückt ist, und 
dass auch in Pebalg schon noch eine weitere Entwickelung, 
noch eine weitere Assimilation des ie zu T sich findet, cf. 
säimnTze f. säimnieze (Wirthin, Hausfrau) und cf. die En- 
dung des Dat. PI. masc. -im f. -iem(i), z. B. dorblm f. dor- 
biem v. dorbs, niederlett. darbs Arbeit), während aber ohne 
umlautende Einflüsse ia intact beharrt, z. B, in saimniaks 
(Wirth, Hausvater), so könnte man versucht sein anzunehmen, 
dass im Hochlettischen das unendlich oft statt ia vorkommende 
T eben in Folge von Umlautung entstanden sei. Doch erklärt 
die Umlautung an folgendes i allein den hochlettischen Voca- 
lismus in diesem Stück keinesweges. Um nur eins zu nennen, 
I so ist dort noch hinzugekommen die Rückwärts- Assimilation 
des a in ia an (^las vorhergehende i. Cf. diws f. diaws 
(Gott), ^Tna f. idiana (Tag)., fj;firsr^f^^jj>ilf^( pT f. 

Ipia (bei). Hiernach berichtigt sich die Behauptung in meiner 
Lett. Spr. I. §. 55, 1, b. p. 96. " ^^ " 

4) Gehen wir weiter zu dem Umlaut des u, so findet sich 
bei demselben durch Einwirkung eines folgenden c ein dem u 
nachhallendes e und durch Einwirkung eines folgenden i ein 
dem u nachhallendes i; so, dass ue und ui nicht wie ein 
einheitlicher Laut, sondern wie in der Mitte durchgebrochen 
klingen; und nur vielleicht bei mehr als zweisilbigen Wörtern, 
wo die Aussprache der ersten Wortsilben nothwendig an Ge- 
nauigkeit verliert, dürfte man den aus lie oder üi weiterhin 
sich entwickelnden Mischlaut ü hören. 

Es ist sehr merkwürdig, dass wie das ai aus a und das 
ei aus e, so das ui aus u weit über die Grenzen des Pebalg- 
schen Thalkessels hinausgeht, namentlich nach Südosten bis 
Kokenhusen , Lubahn und in einer gewissen Weise auch weit in 
das ächte Hochlettische von Witepsk. 



lieber Umlautserscheinungen im Lettischen. 221 

So lautet also zwischen Pebalg und Kokenhusen: upe 
(Bach): üepe oder auch üipe; püse (Hälfte): puese oder 
auch püise; pa rudeni (im Herbste): pa rüedeui oder auch 
pa rüideni; üdens (Wasser): üedens oder auch üidens; 
dur(w)is (PI. t. Thür): düiris; tupijti (Kartoffeln); tüipitti 
oder sogar tüpini; kuugi (N. PI. v. kuXgs HQrr): lrH4ngi>^,,_^^ 
in Compositis: üf-siet (aufbinden): viir-siet; bei längst"zu- 
vor ausgefallenem oder abgefallenem Endungs-i: but(i) (sein): 
büiti, in Witepsk: biut(ij; mum(i)s (nobis): müims. 

So viel über die umlautende Macht des i (e) in Pebalg 
und Südostlivlaud. Der ächte Hochlette in Marienburg und 
Witepsk ist meist dagegen unempfindlich. Das a namentlich 
wählt er auch statt des e vor i möglichst breit, z. B. auch in 
maita f. meita (Mädchen), welches der Niederlette streng 
unterscheidet von maita (Aas); in Compositis: na-gribu f. 
ne-gribu (ich will nicht; — oder verdumpft das ä (a) selbst f/^ 
zu ö (o), cf. mözitajs f. mäzitajs (Prediger); lobi f. labi \A 
(gut Adv.). 

Der Niederlette kennt die umlautende Macht des i wohl, 
aber heute in der Regel nur die spitzende Wirkung auf vor- 
hergehendes e, das zu e wird, aber mit feiner Einschränkung, 
wo einst vorhanden gewesenes, jetzt ausgefallenes a noch nach- 
wirkt (cf. Lett. Spr. I. §. 21). 

Die regressiv umlautende Wirkung eines u beschränkt 
sich nicht auf die Gegend von Pebalg, sondern findet sich weit 
und breit in Nordlettland (Walk) und nach Osten bis in's reine 
Hochlettische jm Diphthong au , wo den^ das a zu o verdumpft 
khngt. Cf. lO^ücs f. laH^s (F^) ;/ ougscha f. augschä 
(oben); Dougawli^f. DaugWwa (Dß/a); koudlTte f. kaud- 
iTte (Getreide-Schoberchen); iouns f. launs (böse); ^*>^§t^lSw 
JUi^, ,(wa??lft«4^ nou f. nau oder naw(a) (ist nicTii) rVoiT 
f. sawu (suum, Acc. S.). Im Süden, namentlich in Kurland 
spricht der Niederlette rein au: s^Nde (^StrtfHjß) u. s. w. ohne 
Verdumpfung. \. ^**"'**'*'<*.^ 

Die umlautende Wirkung des a macht wesentlish nur 
auf vorhergehendes e sich geltend, das dann breit (ä) lautet, 
wie in Pebalg, so im ganzen Niederlettischen. 

Noch vieler genauer Forschungen bedürfte der hochletti- 
sche Vocalismus, um festzustellen, wie viel von den dort vor- 
kommenden Vocalwandlungen auf Umlaut zurückgeführt werden 



222 G. Meyer 

kann, wie viel aus anderen Ursachen erklärt werden muss. 
Es scheint zwischen dem Niederlettischen und Hochlettischen 
ein Vocalverschiebunggesetz obzuwalten, ähnlich dem Conso- 
nantenverschiebungsgesetz , das J. Grimm in dem Gothischen, 
Althochdeutschen, Mittelhochdeutschen nachgewiesen hat. 

A. Bielenstein. 



Die Praesentia auf -ojvwf.u. 

Innerhalb der mit Nasalsuffixen gebildeten Präsensstämme 
bilden eine zusammen gehörige Gruppe die Verba auf -tu^ft/a, 
deren richtige Erklärung, wie mir scheint, bis jetzt noch nicht 
gefunden ist. Von diesen Verben ist nur twvvv(.u bei Homer 
nachweisbar, qc6vvvj.ii ist bei Hippokrates, otqwvvv^il bei atti- 
schen Schriftstellern belegt, xQojvvvfu und x(jövvvf.a kennen wir 
erst aus nachchristlichen Quellen und atovvvo) Tgtovrito gar blos 
aus Grammatikeranführungen. Genauere Nachweisungen sehe 
man in Curtius' Verbum 1 , 1G5 f. Leo Meyer Vgl. Gramm. 
1 , 444 erklärte ohne nähere Andeutungen xQ^^^^f^^ ^^^ 
XQ(öo-vv(.ii, t(jüvvvf.ii aus Ccüavvfti, xc6vvv(.u aus %cijovv(xl. Für 
^covvviiiL hat eine auf g auslautende Wurzel allerdings ei- 
nige Wahrscheinlichkeit; denn das altbaktrische und slawolet- 
tische kennen eine Wurzel jus (zd. jaohh JüqIö, ksl. pojasü 
pojasad, \\i. Justi jusia Y'ick 1, 183), dem ein griech. t,ioG- 
wol entsprechen könnte, und darum haben sich Curtius und 
Fick a. a. 0. der Ansicht von L. Meyer angeschlossen. Auch 
für x^6vvv/iu und xQf^^^^^'^'t ist Curtius geneigt, „da beide Verba 
im Passivaorist a haben", in dem ersten v die Metamorphose 
eines Sibilanten zu vermuten. In den übrigen verdankt nach 
seiner Ansicht das doi)pelte v seine Existenz vielleicht nur der 
Analogie von twvvvui. Wesentlich anders äussert sich Schlei- 
cher Compendium ^ G8; er recurriert auf eine 'zweite Steige- 
rung' von V zu w wenigstens für ^wvvvfti und x^^vvvfu {ou öv 
— urspr. üu av), die aber bekannthch überhaupt für das grie- 
chiscbe unerweislich ist. Ich habe in meinen Nasalischen Prä- 
sensstämmen die Schleichersche P^rklärung nicbt unbedingt ver- 
worfen und bin deshalb mit Hecht von Clemm in Fleckeisen's 



Die Praesentia auf -t6vvuf.ii. 223 

Jahrbüchern 1875 S. 437 getadelt worden. Aber auch dessen 
Zurückführung auf (j-Stämme (Cof-og- von W. ja , gof-og- W. 
Qv , xf>f-os- W. x^-) > „welche dann durch die Mittelstufe twog 
Qwog x(x)og hindurch die vorhandenen Praesensformen leicht er- 
klären und durch das g in der Tempusbildung unterstützt wer- 
den", ist unhaltbar, denn diese Stämme haben sonst in nichts 
einen Anhalt. Es wird daher gestattet sein, nach einer andern 
Erklärung Umschau zu halten. 

Alle jene Verba haben das Gemeinsame, dass sie sich mit 
Leichtigkeit auf Wurzeln auf u zurückführen lassen: 

Cc6vvv/iu auf \N.ju, sk. jii-nüti , ved. jwaäti j'auti , lit. 
jdutis Ochs. Vgl. Lovod-tü. toiwvoiyo) Hesych., das gewiss auf 
*to£0&co und weiter auf %Oß-€a^ü} zurück geht. 

Qi6vvvi.li gehört samt Qoj/iir] und dem homerischen Qt6of.iai 
zu W. Qv sru , es genügt hierfür auf Curtius Grdz. * 355 zu 
verweisen. 

OTQ(jövvv(.a stellt sich zu der von J. Schmidt Vocal. 2, 286 
für das Deutsche, Slawische, Lateinische und vielleicht auch 
das Altbaktrische nachgewiesenen, aus star entstandenen W. 
stini, zu der ahd. strao, got. straujan, ksl. struna Saite, o-slru- 
Jaii zerstören, lat. struere instrouxi gehören. 

XQiovvv/iu geht auf eine griechische Wurzel XQ^~ zurück, 
die auch in xQavco oberflächHch berühren, ritzen vorliegt; dass 
-QV- auch hier aus -ar- entstanden ist, machen xqciio und 
XQccLV(o wahrscheinlich, vgl. J. Schmidt Vocal. 2, 289; die aus- 
sergriechische Verwantschaft dieser Formen ist freihch noch 
zweifelhaft. 

Xcijvvvui gehört natürlich zu x^ X^^i ^i^ bei Herodot und 
Thukydides gebräuchliche Praesensform %ow steht zu ;fwvyt7a 
wie LÖto (Lovod^cij) zu tc6vvv/LU, aber auch das homerische x^o- 
f^iab ich zürne gehört hieher (Pott WW. 1, 2, 784j, wie QÜof-iai 
zu Qiövvv/iu, eig. ich crgiesse mich in Zorn. 

TQtovvvtü zu der in tqvw aufreiben, %Qavf.i(x Wunde vorlie- 
genden W. trti aus iar (J. Schmidt Voc. 2, 267). 

Giovviü) endlich, vielleicht bei seinem späten Auftreten nur 
eine Analogiebildung, erledigt sich doch auch unter diesem 
Gesichtspunkte, denn Gcog odog wird doch wol für *oafog ste- 
hen und auf eine W. av- zurück zu führen sein, mag man 
diese nun mit Brngman Stud. 4, 156 Anm. (dem sich Mangold 
Stud. 6, 198 anschliesst), mit W, sku- bedecken identificieren 



224 G. Meyer 

oder nicht. Die homerischen Praesentia aoio und aiöio gehören 
natürlich dazu. 

Wie man sieht, erscheint das auÖallende w unserer Prae- 
sentia auch in gcoofiat xojoi-iai aioio Als eine durchaus ent- 
sprechende Bildung gehört zu letzterem nXcovi von W. TtXv 
(ttXsiü), bei Homer und besonders bei Herodot sehr gebräuch- 
lich. Ich meine aber noch einige andere ganz analoge Prae- 
sensbildungen nachweisen zu können. Hesychios hat atoovto. 
lüQficovTO. T^QxovTO , was ein Praesens ffcJw gibt, das sich zu 
W. öv [k'aavTo] ebenso verhält wie jclioco zu rrkv ; Xioovto bei 
Kallim. Min. 73 gehört zu einem Praesens Aww, das zu homer. 
koto steht wie x^o/nac zu ;(ow, wie awio retten zu aow; wegen 
der daneben erhaltenen Form lovoj ist dies von ganz beson- 
derer Bedeutung. 

Die homerischen Formen ßwoavti. M 337 E7rißM00(xai 
et 378 ß 143 so wie die bei Herodot zalreich belegten dvs- 
ßcoaa ßwoat ßcoaag d/ußwaag ßsßco/iiava eßcoaS^r^v sßioaaTO 
erklärt man gewöhnlich aus Contraction aus ißorjaa ßorjGo- 
ftat u. s. w. (z. B. zuletzt Merzdorf Stud. 8, 221). Als Pen- 
dant dazu weiss man aber nur 6ydwx,ovTa anzuführen (denn 
die Formen von voito werde ich auch anders erklären), wo das 
o) durch die Analogie von oütcö hervor gerufen sein kann *). 
Die Formen gehen vielmehr auf eine Praesensbildung ßiuco oder 
ßoio für ß&f-o) zurück. Wurzel ist gu, diselbe aus der mit 
erhaltenem Guttural yodio yoog hervor gegangen ist, das nur 
in der Bedeutung sich differenziert hat (Aufrecht KZ. 1, 190). 
yofo- fungiert auch als Praesensstamm im homerischen yoov 
Z 500 für l'yoßo-v, das man gewöhnlich fälschhch als Aorist 
fasst (Curtius Verbum 2, 15). yodw wie ßodco sind denominale 
Weiterbildungen, die sich zu yoto ßoio verhalten ganz wie lat. 
bovare zu boere. 

Auf ßioaag reimt sich Herodot's svvtiaag (1,8G); dazu fer- 
ner vwadfuvog Theogn. 1298. Kallim. Frg. 345 (Hesych. : vw- 
adfi€vog. xöravojj'aag). vwaato Apoll. Rhod. 4, 1409. vwaaoi^ai. 
ala&eax^tti, ivd^v^irj^vaL. vevojTai, h vio tyu, Hesych., als so- 

*) Kaum darf als Aiialogon hiezu gelten das seltsame 
ii^ )^y sßSttixitJVTbiTrig einer ionischen IJustrophedoninschrift 

^iiJSTidTH'l^ aus Paros, die im yidrivaiov 187G S. 4 mitgeteilt ist. 



Die Praesentia von -(ovvvfxi. 225 

phokleisch bezeugt im Etym. Mgn. 601, 20 (Frgm. 191 Dind.) ; 
das Particip brauchte nach derselben Stelle Anakreon (Frgm. 
10); vevioy.a hivioro bei Herodot. Dazu vergleiche man noch 
aus Hesychios viüf.ia. v6rjf.ia und viöiiaxa. ercl rcov VTtotvyloiv 
xa. yvwQiafiaTa, und besonders das homerische dyvcoaaaxs t// 25. 
Alles dies ergibt ungezwungen ein Verbum vtoco oder vow, ur- 
sprünglicher yvcoco, das sich zu voog vovg ganz ebenso verhält 
wie Tthüio zu irrXovg. Aeolisch yvoeo), attisch df-icfiyvoeco ccyvoiu) 
ayvoia haben den vollen Anlaut ebenso bewahrt wie jenes 
dyvtüoaaxs. Als Stamm ergibt sich yvofo-, durch Steigerung 
hervorgegangen aus yvv- griu- aus ursprünglichem gan- (zd. 
zan, lit. zinöti wissen, got. ^kann). 

Was nun die Erklärung des w in twvvv(.a sowol wie in 
jtlmo) und den übrigen betrifft, so kann darüber kein Zweifel 
bestehen, dass es aus ursprünglichem ov hervor gegangen ist, 
dass wir also z. B. ein ttXovü) neben tiXIoj aus *7rAfit;w anzu- 
setzen haben, wie uns lovca gradezu erhalten ist. Für home- 
risches TcXwouv u. ä. könnte man versucht sein gradezu tvXov- 
oiEv zu schreiben und das w aus einer misverständlichen Trans- 
scription des alten Alphabets herzuleiten, wenn nicht die zal- 
reichen neuionischen Formen dagegen entschiedene Einsprache 
erhöben. So werden wir auf eine mit der Umsetzung des zwei- 
ten Teiles des Diphthongen in die verwante Spirans und deren 
Schwund in Zusammenhang stehende Verdumpfung des ov ge- 
führt, wie sie ähnlich schon Gurtius Grundz. ^ 565 angedeutet 
hat. Wenn wir Brugman Stud. 4, 160 folgen, so läge hier ein 
Beispiel der sogenannten Ersatzdehnung vor : ^rtlof-w zu rtXwüi 
nach Ausfall des /. Dieser Auffassung widerspricht aber das 
doppelte vv in den Form.en auf -cövvviAi, die wir zum Ausgangs- 
punkte unsrer Untersuchung gemacht haben. Aus %ov-vvf^u, 
das gebildet ist wie ddy.-vv-f.u mit Steigerung und Nasalsuffix, 
konnte nach der Brugmanschen Erklärung nur Ccovvf-u werden. 
Es ergibt sich daraus, dass die Längung des ersten Bestand- 
teiles des Diphthongen während oder nach der Umsetzung von v 
in /, aber jedenfalls noch während des Fortbestehens von / 
statt gefunden hat, so dass aus urspr. tov-vv(.u zunächst Cw/- 
vvf.u und dann mit Assimilation Lwvvvf^n hervOr gegangen ist. 
Dieselbe Lautentwickelung haben das nicht blos dorische ßwg 
(11 238 ßtöv Schild) aus ßovg, tco^og Suppe aus W. j'u (Gur- 
tius Grundz, * 611), vielleicht "TTwAogTohlen Vf. pu (Gurtius 

Beiträge z. Kuude d. ig. Sprachen. I. 16 ' 



226 G. Meyer 

288") durchgemacht ; ip^pog Thor vergliche- sich dann doch mit j 
sk. l^n f^Hj-s stumpfsinnig^^^ßföde, wo die Länge auf Steiger^ungi 
zuriicF g^k^ kann (vgl. yimQa^vei. Tca^aytOTtTei. juaivsTUL^ 
Hesych.). 

Wir können indessen vielleicht noch einen Schritt v^^eiter 
gehen. Wenn wir die herodoteischen Formen d^cov/na neben 
^av/iia, €/Li£iovTOv oeiovrov ewvtov für if-iavTOv asuvrov savrov 
betrachteli, so scheint es klar zu sein, dass sich hier ein Ue- 
bergang von au in ou vollzogen hat (vgl. hiefür OvhäTai CI. 
Attic. 231, 7 neben ^vXiätaL 226, 13 u. ö.). Warum schrieb 
man nun aber nicht d-ovi-ia hieovxov u, s. w. ? ov, das ja im 
Griechischen , wenn auch nicht in allen , so doch in sehr vie- 
len Fällen ursprünglich einen diphthongischen Laut bezeich- 
nete, war sehr früh zu monophthongischer Aussprache verengt 
worden; wollte man also ein wirklich diphthongisches ou be- 
zeichnen, so griff man zu dem Ausdrucke mittels lov. Die Un- 
terdrückung des zweiten Teils dieses Diphthongen lag in Folge 
des grösseren Nachdrucks , den man der Differenzierung von ov 
wegen auf die Deutlichmachung des ersten Teiles legte, sehr 
nahe; vermutlich ist so das delphische {wrwv für avTcov (Cur- 
tius Ber. der sächs. Ges. d. Wiss. 1864, S. 226), das lakoni- 
sche coTCü für avTov (Inschrift im l4^i]vaiov 1, 255) entstanden, 
ebenso das herodoteische xQtofxa für rgav/na auf dem Wege von 
TQwvfua, wie Herod. 4, 180 in zwei Handschriften und bei Lu- 
kianos de dea Syria c. 20 steht , während andrerseits auch ^t5- 
f.ia ^cüficcLio sich bei Herodot mehrfach geschrieben findet (Bre- 
dov de dial. Herod. S. 142). Herod. 3, 86 ist fast einstimmig 
öiacpioayio} überliefert, 9, 45 diacpavoy.io ; letzteres erweist sich 
durch 7it-(pav-o/.co q>avog als das ursprüngliche, -cptoaxo) also 
durch cpo)va/.(x} aus <fovay.co. Endlich erwähne ich noch den Ac- 
cusativ "jPwxtovg, der in einer kretischen Inschrift der Stadt 
Rhaukos CI. 3051, 3 vorkommt (Hey de dialect. cret. S. 9.). 
Nach solchen Analogien könnte man annehmen, dass aus Cov- 
vv-f.u zunächst twv-vv-f^iL und dann Ctof-wia t(j^vvv(.u hervor- 
gegangen sei. Das für die Aussprache irrelevante doppelte vv 
nach dem langen Vocal blieb stehen wie in lesbisch fiijvvog — 
attisch firjvog, aTi^lXt] = az^lr] aus ^araX-va. 

Um übrigens des lautischen Verhältnisses zwischen 7cXcüa) 
und Tclto) u. s. w. mit einem Worte zu gedenken, so scheint 
es sicher, dass die Formen mit ov sich au nominale Bildungen 



Analogiebildungen der neugriechischen Declination. 227 

angelehnt haben, da die Abstufung von € in der Verbal- und 
o in der Norainalbildung nicht blos aus der griechischen Laut- 
lehre sicher steht. Das a endlich in der Tempusbildung eini- 
ger Verba auf -wvvvf^u erklärt sich wie in eßcoo&rjv einfach als 
Analogiebildung und beweist nichts für ursprüngliche g-Stärame. 

Prag 10. Januar 1877. 

Gustav Meyer. 



Analogiebildungen der neugriechischen Declination. 

Herr Emile Legrand, der verdienstvolle und unermüdliche 
Herausgeber mittel- und neugriechischer Texte, hat in der Re- 
vue critique vom 2. December 1876 meine Ausgabe des Ge- 
dichtes Imberios und Margarona, Prag 1876, einer Besprechung 
unterzogen, für die ich ihm zu Danke verpflichtet bin. Einige 
der Ausstellungen, die er an von mir aufgenommenen liCsun- 
gen machte, würden sich erledigt haben, wenn es mir vergönnt 
gewesen wäre, mich über die von mir bei der Gestaltung der 
Orthographie und Accentuation befolgten Grundsätze ausführli- 
cher auszusprechen. Leider wird es mir für geraume Zeit nicht 
möglich sein, meine Beschäftigung mit der Sprache dieser mit- 
telgriechischen Literaturproducte fortzusetzen, und darum möge 
es mir gestattet sein, wenigstens an dieser Stelle auf zwei von 
Legrand hervor gehobene Einzelheiten kurz einzugehen, die auch 
ein weiteres sprachwissenschaftliches Interesse beanspruchen 
dürfen. 

Legrand tadelt es, dass ich V. 34 und 290 xaW^ot statt 
xdoTQr] geschrieben habe. Es war mir nicht unbekannt, dass 
•/.doTQTj die in modernen Ausgaben mittelgriechischer Gedichte 
recipierte P'orm ist, obwol die Handschriften und alten Drucke 
schwanken. Aber ich weiss eine Form ycdargr] nicht zu erklä- 
ren. y.dGTQOv ist die gewöhnliche mgr. Bezeichnung einer festen 
Stadt; ein Plural y.(xoTQOL davon erklärt sich als Analogiebil- 
dung nach den Masculinis, und ebenso ist das von Legrand 
angeführte divÖQiq vielmehr devögoi zu schreiben. Ebenso ra 
ccoTQOL Sterne Apollon. v. Tyr. 435. tcc nXovxoi Sachlik. 2, 
102 vom Ntr. to nXovTog Florios 1870. t« (.drqoi Machaer. 
Chron. 122, 3. Wo y.doTQot als Accusativ vorkommt, erklärt 

16* 



228 G. Meyer 

sich das aus der im Mgr. nicht seltenen Verwendung des No- 
minativs für die übrigen Casus, worüber W. Wagner in der 
Note zum Belisarios (Hamburg 1873) V. 4 einige Nachweisun- 
gen gibt, die sich leicht vermehren lassen, z. B. avÖQsg re 
xal yvvaixeg als Accus. Flor. 55. rrjv /rXi^fjrjg d-etoQiav voll von 
Schönheit Flor. 129. f^iovoyevfj ^vydTr]Q Apollon. 6. vtto tov 
TtavroKQccTWQ Flor. 1781 (1783 als Accus.), tov ava^ Apoll. 52. 
■KriQvyia dvay,QdCiov Apoll. 154. Tfjg eavrov d-v/dzriQ Apoll. 304. 
tov jVQlyx.r]xp Apoll. 353. rrjg d/toQog Imberios (Wiener Ver- 
sion) 205. d-vydzrjQ als Accus. Imber. 239. 251. 695. xbv nav- 
TOKgdTtoQ Irab. 500. 679. 775. 806, TrarrjQ, vio) y.(xl ayiov Tvvsvfxa 
Imb. 776. Was den Uebergang des Geschlechtes von xdotQa in 
AdotQOi betrifft, so vergleichen sich ausser den angeführten Plura- 
len noch (pOQog aus lat. forum, Syntip. 87,4 (Eberhard), nach 
Ausweis von tov qpöqov Apollon. 477 an| Schluss eines politi- 
schen Verses vielmehr cpöqog zu betonen; ovavlog Stall aus lat. 
^stßßulum Imber. 548 (Wagner);' 6 deiTtvog Apoll. 234; tov ne- 
Idyovl^o^. 317. Metaplasmen des Geschlechtes sind über- 
haupt in diesen Producten nichts seltenes; instructiv ist für un- 
sern Fall besonders xrjg d-aldoGov Imber. 482 Wg. , Chronik 
des Machaeras 56, 4. 112, 3. 11. 132, 29. 309, 20. 311, 7. 
(Sathas), Apokopos 393 (Legrand), Physiol. 112 (Legrand), 
ganz vergleichbar dem tu yidoTQot, t« ttIovtoi. Aehnlich ist 
auch Tjyg vviiTov Bustron. Chron. 428, 2 u. ö. did vvk.tov Ma- 
chaer. Chron. 301, 10. Dem bereits angeführten ro 7cXovTog 
stellt sich zur Seite t6 ervaivog Flor. 1406, to ÖQoaog Machaer. 
Chron. 87, 30, t6 OTolog 126, 1. 

Eine ganz ähnliche Analogiebildung, aber von bedeutend 
weiter greifendem Einflüsse, hat sich im Plural der weiblichen 
Nomina der sogenannten ersten Declination vollzogen. Man 
findet in der Grammatik der griechischen Vulgärsprache von 
Mullach S. 153 im Plural von ?y yXcoooa Nomin. ai (gem. 9y) 
ylioaaaig Acc. ralg ylwooaig. Was zunächst den Nom. Plur. 
des weiblichen Artikels betrifft, so ist das factische Verhältnis 
das, dass ai eine gelehrte Neubildung der Schriftsprache ist, 
während die Ausgaben von Vulgärtexten der Aussprache gemäss 
fi schreiben. Das ist eine Form, die absolut unverständlich 
und unerklärlich ist. Es kann, glaube ich, kein Zweifel dar- 
über bestehen, dass vielmehr zu schreiben ist o/, d. h. dass 
die Form des männlichen Artikels au die Stelle des femininen 



Analogiebildungen der neugriechischen Declination. 229 

getreten ist. Diese richtige Orthographie hat bereits Nikolaos 
Sophianos in seiner ersten Grammatik der griechischen Volks- 
sprache angewendet, vgl. S. 37 der Ausgabe von Legrand (Pa- 
ris 1874): Tj ev&eia tcjv TtXrj&vvTr/Mv , or tj yeviy.t] xal doriKrj, 
Twv ' 7] alriaTiTit], raig, ohne dass diese in Bezug auf den Nomi- 
nativ vollständig richtige Bemerkung für unsere neueren Texte 
fruchtbar gemacht worden wäre. Die Erscheinung selbst ist 
übrigens nur die Erweiterung einer bereits im Altgriechischen 
im Dual des Artikels hervor tretenden Neigung, die masculine 
Form für die feminine zu verwenden. Kühner Griech. Gramm. 
I 464 A. 3 weiss nur zwei Beispiele von rd anzuführen , nämlich 
Soph. Ant. 769, wo indes Dindorf rw d' ovv xoga Tcöd' schreibt, 
und Aristophanes Ritter 424. 484, wo Meineke und Dindorf 
ebenfalls tco /.oytova statt des überlieferten xa, aufgenommen 
haben. Ein Beispiel der Genitiv-Form ist Soph. Cid. Tyr. 1462 
xcav ö' äd^Xiaiv oiüTQmv ze nagd^svcTiv s/tialv. Cobet Var. lect. 
69 ff. geht, gewiss mit Unrecht, soweit überhaupt bei Prono- 
minen, Adjectiven und Participien die Endungen -a und -aiv 
verbannen zu wollen. Der neugriechische Dialekt der Terra 
d'Otranto hat die besondere Form für das Femininum erhalten, 
rase, i (oi), fem. e (ai) , s. Morosi Studi sui dialetti greci della 
Terra d'Otranto (Lecce 1870) S. 118; in Martano und Calimera 
ist das weibliche e ins Msc. gedrungen (a. a. 0. 101, wo die 
Erscheinung aber unrichtig erklärt wird), während das Bove- 
sische i für beide Geschlechter verwendet (Morosi in Ascoli's 
Archivio glottologico IV 1 p. 36). 

Ueber den nominalen Nom. Acc. Plur. yXcoauaig lehrt Mullach 
a. a. 0. S. 152 folgendes : „Die Endungen des Nom. und Voc. 
Plur. auf -ai sowie des Accusativus auf -ag werden in die des 
alten Dativs auf -aig, auf äolische Weise, soweit dies den Ac- 
cusativ betrifft, verwandelt". Ich glaube aus dieser völlig un- 
klaren und unwissenschaftlich gefassten Regel dies als die An- 
sicht Mullach's entnehmen zu können: der Accusativ der weib- 
lichen a-Stämme im Ngr. ist die äolische Form dieses Casus 
auf -aig, diese Accusativform ist dann auch auf den Nomina- 
tiv übertragen worden. Der letzte Vorgang würde nichts sonst 
unerhörtes sein, um so mehr der erste, denn es ist nicht ent- 
fernt abzusehen , woher diese äolische Form ihren Weg ins 
Neugriechische gefunden haben sollte, zumal die Masculina 
ganz gewöhnlich rovg dv&Qiortovg flectieren. Diese Flexions- 



230 G. Meyer 

weise des Masculinums steht auch der Annahme entgegen, dass 
die Form des Dativs auf den Accusativ und Nominativ über- 
tragen sei, eine Annahme, die übrigens auch sonst jeder Ana- 
logie entbehrt. Es ist mir nicht zweifelhaft, dass wir Nomin. 
und Accus, ylwaosg zu schreiben und hierin eine Formübertra- 
gung von den consonantischen Stämmen zu erkennen haben. 
Die Veranlassung hiezu mag daran gelegen haben, dass der 
Nom. und Acc. weiblicher consonantischer Stämme Formen wie 
Nom. yXtüGaa, Acc. yXcoaoa(v) ganz gleich geworden war: ij 
yvvaixa, ttjv yvvaly(,a(v), rj vvYxa tyjv vmTa{v), also auch wie 
OL yvvalxeg ol vvxTeg nun ol yXwaaag. Der Acc. Plur. wird 
auch bei den consonantischen Stämmen dem Nom. Plur. gleich 
gebildet; Belege, die mir massenhaft zur Hand sind, mag ich 
bei einer so gewöhnlichen Sache nicht unnütz häufen und ver- 
weise darum blos auf Mullach. 

Das umgekehrte hat statt gefunden in dem Nomin. Plur. 
vvKzat, Dat. vvxzaig, der im Syntipas 71, 7. 6 steht: der Nom. 
Sing, vvxra hat den Plural in die Analogie der damals noch in 
alter Weise flectierten a-Stämme gezogen. Natürlich bleibt nun 
auch nichts andres übrig als den Acc. des Artikels nicht raig, 
sondern reg zu schreiben. Was die Form betrifft, so glaube 
ich, dass sie erst von der Analogie der Nominalformen, mit 
denen sie verbunden zu werden pflegte, nachgezogen worden 
ist, d. h. dass ursprüngliches Tag yvvalyisg, rag vvKTsg, rag 
yXioöaeg zu reg yvv. u. s. w. geworden sind. Der Dialekt der 
Terra d'Otranto zeigt ganz entsprechend es für tes (msc. us = 
tus); in der nominalen Form glösse für Nom. und Acc. ist s 
abgefallen. 

Obwol es nicht meine Absicht ist, das Wirken der Analo- 
gie in der Gestaltung der neugriechischen Flexion weiter zu 
verfolgen , kann ich mir doch nicht versagen noch auf ein schla- 
gendes Pendant zu meiner Auffassung von ol yXwoasg hinzu- 
weisen. Der Nom. Sing, eines e-Stammes wie q)vaig war durch 
den Schwund des auslautenden g lautlich vollständig gleich ge- 
worden einem Femininum auf -y nach der ersten Declination 
wie ToXfirj; kein Wunder, dass er nun weiter so flectiert wurde 
wie dieses. Daher z. B. Gen. T^g cpvGtjg Flor. 1119. xrjg no- 
Xrjg Apoll. 829. Machaer. 119, 4. ^vdycoXrjg Imber. 237. dvd- 
UTaarjg Apoll. 781. TtagaTtovearjg Flor. 978. z^g ra^^/g Ma- 



Analogiebildungen der neugriechischen Declination. 231 

chaer. Chron. 59, 27. vTtoi^eor^g 210, 10. dvvd/iir]g 345, 21. 
Tijg rtioTrjg 390, 24, 

Acc. Plur. dvayuaosg Imb. 143, ^Xlipsg 194. 688, evTqi- 
Ttiotg 521. jtctQaTtöveösg 687. Flor. 1077, dyavaycrrjaeg Imb. 
688. sTtagaeg Flor. 1119, Tcagaöiaßaaeg 1302. XQrjoeg Mach. 
Chron. 65, 20. y.QioBg 121, 12. 

Ob man den Nom. und Acc. Sing, -rj -rjv oder -i -iv 
schreibt, bleibt sich gleich; im ersteren Falle hat ein vollstän- 
diger Uebergang in die Jj-Declination statt gefunden (Wagner 
schreibt z. B. iy d-Xlipr] Flor. 846; Sathas in der Chronik des 
Machaeras 60, 22 rd^rj, 102, 18 taga^r], 9b, 11 dvarjv, 390, 
25 TtiGTrjv, aber 132, 7 oqs^i., 264, 14 ttiotl, 62, 7 XQtjoi). 
Der nämlichen Anziehung von Seite der ersten Declination un- 
terlagen die Nomina auf -xrjg. Stamm -ttjt-, deren Nominativ 
nach Verlust des g ebenfalls auf -rj auslautete; daher Ttjg veo- 
trjg Imber. 8, xrjv veörtjv Imb. 656, rrjv vaozi] Flor. 1612, ek 
T/jv Ttollrjv xpvxQotrjv Apoll. 387 (dagegen ibqaLOTrjTccv Imber. 
303. 656). 

Soviel zur Rechtfertigung meiner Schreibungen ol ^ligeg 
und reg xi^veg. Legrand meint, „une innovation de ce genre 
ne peut manquer d'echouer pour une foule de bonnes raisons 
qu'on nous dispensera d'enumerer". Ich möchte ihn doch dar- 
um bitten; ich glaube nicht, dass sie gegenüber der im Vor- 
stehenden entwickelten sprachgeschichtlichen Erklärung der 
fraglichen Formen stichhaltig sein werden, von der ich hoffe, 
dass sie Legrands Abneigung gegen diese Endung -£g zu be- 
siegen hilft. 

Prag 11. Januar 1877. 

Gustav Meyer. 



Zum s-Suffix im Griechischen. 

Nach einer meines Wissens bis jetzt allgemein angenom- 
menen Auffassung — vertreten z. B. von Schleicher, Compen- 
dium 3 S. 453 ff. — giebt es im Indogermanischen ein bereits 
ursprachliches Nominalsuffix -as , welches an die Wurzel an- 
tretend neutrale Nomina actionis (im Sanskrit und Latein In- 
finitive), seltener Nomina agentis bildet. Diese in ihren Grund- 



232 A. Fick 

zügen aus der indischenden Grammatik herstammende Lehre 
enthält zwei schwere Fehler, denn 1. ein Primärsuffix -as exi- 
stirt im ganzen Bereiche der indogermanischen Sprachen nicht, 
sondern nur ein suffixales -s und 2. dieses -s tritt nicht an 
die „Wurzel", sondern an einen der in der Flexion des Verbs 
erscheinenden Verbalstämme. 

Dieses Verhältniss der s-Stämme zu den entsprechenden 
Verbalbasen liegt am anschaulichsten im Griechischen vor, auf 
das ich mich daher in der folgenden Beweisführung beschränkt 
habe. Trennt man hier nach der üblichen Ansicht z. B. in 
a-teiQEg, Ttiaog, ev-arad^ig, OTtiod^o-vvyig das eg, og als ver- 
meintlich suffixales Element ab, so erhält man in den Rück- 
ständen T€iQ, Tteg, avad- und vvy nicht „Wurzeln", sondern 
das reine Garnichts, wogegen sich bei der richtigen Ablösung 
des -g die Verbalstämme reiQS-Tac (Präsens) , Tteao-vTog (Aorist 
Act.), orad-e-vTog (Aorist Pass.), vvyä-vtog (Aorist Pass.) er- 
geben. 

Nach dem Vocal, welcher als Auslaut des Verbalstamms 
vor dem antretenden g erscheint, ergiebt sich die Gliederung 
der e-Stämme in Nomina auf -a-g, -o-g, -e-g, letztere weitaus 
überwiegend an Zahl. 

Die Mehrzahl der Noraina auf g hat das entsprechende 
Verbalthema noch neben sich; es gehen dieselben auf den Prä- 
sensstamm, fast ebenso häufig auf die Aoriststämme, weit sel- 
tener und zweifelhafter auf den nicht reduplicirten Perfect- 
stamm. (Mit H. und A. ist das Vorkommen der Wörter bei 
Homer, resp. den Attikern bezeichnet.) 

I. Nomina auf -a-g. [JiCi/lii^,' 

/S|D^*C^c; A. Götterbild gehört mit ßgo-TO-g geronnenes Blut zur 
Wz.ßQs — /iieQ, vgl. sskr. mür, mnr-di geronnen (= ß^ö- 
T0-), mur-ti Festwerden, Form, Gestalt, Bild, mur chaii 
(Präsensstamm) fest werden, gewinnen. — Mit dem Ausgange 
x(x-g vgl.^js*'-^. omci- verwunden neben ovtr]- = aJid^^P^^ 

^^^_^^;d.;»-Yerwunden.. --■"'' .,_ '"'^ 

ylQct^'^^. Ehre, Ehrengeschenk zu ysQct' jähren, auch jn ysQtf- 
QO-g, vgl. grdrle-s , ^r^^^i-s (worin grq aus ^erä). 

yrjga-g H. AKer: ytjqa altern, yrjQa-vaL. 

difxa-g H. Gestalt. Vgl. £v6/nr]Tog (dfii] aus demä). 

dsTta-q H. Becher, „Ze»t)iwier", vgl. äet^rör-'fin. ,^. 

■■ " ^ ^' ■ ■■"■ ' 



Zum s-Suffix im Griechischen. 233 



kshuj 





Y.v£(pa-g H. Dunkel scheint mit sskr. kshaj) , kshima f. Nachi^ 
identisch. ^«* ^ 

'/.Qea-g, XQSßCc-g H. Fleisch = sskr. .gravis. 

3?lS<5^g H Vlie^*Ts*Mäglleicht mit sskr7c7h»mj^ell, Haut zu ver 
/.^^ g^en. . ^^^^ , , { 

! A€?»«^g"l$iißpe vgl. Ai5ip(r-/<£j'^.sd!a!en. 

ovda-g H. Schwelle vgl. sda-cpog, eÖE-d-lov. 

asßa-g H. vgl. aeßo-fiai, Geße-ad-ai. 

oela-g H. Glanz vgl. osla-yko, ndd. schwalken. 

ay-ena-g H. vgl} oxercd-o) bedecken. ., i 

<W^-& H.^chemßlr^. Block vgl. V/)a^-g Blmk. 

zr^fBk;C H. Zeibhen vgl. r^'S^g de^itHch. 

Zu beachten^ist, dass der Ausgang a-g nur hinter Liqui- 
den, Labialen und vereinzelt r, ö vorkommt. 

IL Nomina auf o-g giebt es nur zwei, die beide ihre verbale 
Basis noch neben sich haben : 
aldwg H. Scham .- aYöo-f.iat, aid6-f.iEvog H. ^^ 
r^htg H. kwg A.ccvcog Aeol. d. i. «Jiio-g Jklt5rgenröthe 

d. i. avßö- anzünden.»,..vgl. lit. ausz-ti tagen. Daa^luter des - 
o iu aviiog bezeugt lat. am^öra , welches auf «wsos = avuog 
beruht X„^^ ^^ 

01^ /al^wg H. ein g enthalte und dem lat. .^ffl* gleichzu- 
setzen &^ o^ier ob es dem sl avischen i^e/ca gleiche, ist hier 
nicht zu untersuchen. ,_-.—- 

IIL Weitaus die Mehrzahl der Nomina auf -g beruht auf 
verbalen Stämmen, welche auf e und o auslauten; sie zeigen 
daher auch diese Vocale vor dem antretenden g. Geordnet sind 
die folgenden Verzeichnisse der -£-g-Stämme nach dem Tem- 
pusstamme, an welche das suffixale g gefügt ist. 

A. Nomina auf -e-g, neben welchen die genau entspre- 
chende Verbalbasis im Griechischen selbst noch nachzuweisen ist. 

1. An Präsensstämme ist g getreten in: 

d-üQ-a/e-g H. dva-afe-g H. v7t£Q-afe-g H. : dfe-vteg, ar]fti. 

ai d-o-g Bra.nd: ald^o-fisvog brennend. 

a^f^i&^lii. Kummer \,^Lr^l€yeL-v6-g H. drt-rjleye-ajg H. rück- 
sichtslos: d?Jyo-f.t8v sich kümmern, Rücksicht nehmen vgl. 
lat. 7iec-legere. 

dkd-o-g Heilung, dv-, dva-, ev-aX^i-g: dld-e-ro wurde heil. 



Cr^' 



234 A. Fick j 

vt]liT€-g H. unsträflich , besser vrjlEtg^-g (aus vr^f^£iT£-g) : vgl. 

^ dXoLxri Frevel, germ. //Ma^'-'^iten , Aorist' aA«r£'-a^«fc). 

ev-aXde-g gedeihend, spät: aldo-f.tat gedeihen, spät. 

av-, e§-, S7t-, xar-, TtQoo-dvxe-g A. : dvTO-/iiai. --^yt. ßC-w 

veo-aqde-g H. frisch bewässert: agda-rai, ccgöo-fisvog. 

dxd^o-g H. Last, dvÖQ-ax^e-g : dyßn-/iiat bin belastet. 

ccxo-g H. Kummer : ayß-f.iaL bin bekümmert. 

ßXdßo-g A. Schaden, d-ßkaßi-g A.: ßldßs-Tai, ßlaße-ig. 

ßXeno-g A. Blick: ßlino-f-itv blicken. 

dQTi-ßQEx-sg , olvo-ßQsyJ-g ■• ßQSX^-rat netzen. 
( ßgid^o-g A. Wucht, Itii-, v/rsg-ßgid^i-g A. : ßgid^o-f-iev wuchten. 

ye/iio-g A. Last, Ladung: yiiw-it€v voll sein. 

sv-ykirpa-g, 7tQtoTO-ykv(f€-g: yXvg)e-T€, yXvrpe-ig. 

yQd(po-g Schrift, dgzi-yQuqie-g, av-ygacpt-g : yqdcpo-i-isv, ygafpe-ig. 

d-, drco-, kv-, TtQOG-f vTto-öetg A.: deo-(.ieVy dio-f.iaL bedürfen. 

o^v-d€QX€-g Hdt. 7toXv-öeQ'/.8-g : d£qx,6-Tai. 

öfQO-g Haut: 6iQ0-(.iev häuten. 

S7ti-ösvs-g H. nachstehend: eni-devE-xai nachstehen. 

7iav-dExi-g allaufnehmend : öexs-ad^ai aufnehmen. 

dfi(pi-dQV(p€-g H. zerkratzt : djio-ÖQvcpoL H. 

Ed-o-g A. Sitte: ed^o-vxeg gewohnt. 

eido-g, J^Eiöo-g A. Ansehn, d-eo-feidi-g H. : el'ÖE-Tai, J-EiÖE-rai. 

S7ti-fEix€-g H. d-fEix€-g H. /iiEvo-ßEiy.€g H. : impf, ei/.e, J-eIke H. 

elEyxo-g H. Schimpf: iXeyxo-fiEv beschimpfen. 

«Axog H. Wunde = lat ulcus: EXxo-f^sv (?). 

EQEvd^o-g Röthe, sQEvd-eg roth : iQ£vd:o-{.iEv röthen. 

vip-EQE(fE-g H. vgl. S7t-, d/.i(p-, xar-, vifj-rjQSifE-g IL: egEcps-TE 
bedecken. Dazu wahrscheinlich auch das späte e^rpo-g Haut. 

Evxo-g H. Ruhm : Evxo-juai, 

^X^o-g H. Hass: Ex^s-a&ai. 

ÖL-Exs-g, TtQoa-Exs-g, avv-EyJ-g A. : t'x^-r«, tx^-xai. 

rjdo-g H. Lust, d^vfi-rjöi-g H. (.lEXi-rjÖE-g H. : fjöo/itai, rjÖE-xai. 

d-dXno-g A. Wärme, dva-d^aXTiE-g H. : d^dX7to-(.iEv wärmen. 

XvQO-d-EXyi-g leierbezaubeit : d^eXyE-xai. 

avxo-d^EXt-g freiwillig: ^eXe-xe wollen. 

d^EQO-g H. Sommer, Ka-i^EQt-g sehr heiss: i)-eQE-oi^at brennen. 

dvo-g H. Rauchopfer, Weihrauch: i)vo-(.iEv opfern. 

TtEQL-xäE-g , 7cvQL-'/.äE-g und TtvQi-xaia-g : xaw = xatw brennen. 

xagcpo g A. trockner Halm, Reisig: y.aQcpo-vxEg, ■/.c<Qq)E-a&at dör- 
ren. 






Zum s-Suffix im Griechischen. 235 

«wo-JteAe'-g Hdt. auf eignes Geheiss: zff7«-rat heissen. 
Ksüd^o-g H. Schlupfwinkel: v.ev^o-(.iEv bergen. 
'/.rjdo-g H. Sorge, lad^L-xrjöe-g H. : x^do-i^iai, Krjöe-im sorgen. 
Kvvo-g Krätze (Hsd. Eöen): xvvo-fiev kratzen, 
a-, ev-, loo-y.Qai-g -gemischt : y-qüe — xegdo-f^iat. 
afig)i-, iy,-, etil, 7ieQE~y.Qei.ii-g: yQEina-fiai , ^Qs/nä-fisvog. 
yvo-g Schwangerschaft: y.vo-[.iev. 

vvKTi-Xaf.i7tE-g Simouides, TtvQi-'ka^iTts-g : IdfiTtE-te glänzen. 
ETto-g A. Schale: Xe7to-(.iEv schälen. 
lix^-S H. Lager: XeiE-xai • yo^Läxai Hesych., vgl. goth. Ugan 

liegen."""^ ~^ 
l^d-o-g, dor. ka^o-g Vergessen, d-ltjd-e-g unverhohlen, wahr 

H. : l^d^o-f-iEV, Xd^o-f.iEv, Xe-Xrj^E. 
d-^ieXi-g A. 7tXri(j.-(.iEXE-g A. : fisho, ia.eXel. 
Ef-i-i-iEVE-g beständig H. : f.ieve-TE bleiben. 

f.irjdo-g H. Rath, 7tvyi-/.ir]dE-g H. : (.irido-fxaL, f.irjÖE-taL rathen. 
vif.io-g H. Weide: vE[,io-fiEv, ve(.iE-TaL weiden. 
d£QO-vr]X€-g , dXi-vt]XE-g: vriXE-f-iEvai. 

no^f'-g H. trag vom Esel, „unbekümmert", vr]-oi^€-g : o^f^e-ad^ai ^ 
'" sich kümniern. / 

ox^-g U.Wäi^n, sxEa-q)t Hesych., vgl. lat. vehere ,( goth. mgan 

lit. vezH. \ 

d-,~'dm-, ev-TVEid-e-g A. : TtEi&E-ad-at. 

Evrj-TVEXE-g sich wohl befindend: tteXei, iteKev werden, sein. 
d-TtEvd^E-g unbekannt, unkundig: TiBv^E-xai. 
TtXexo-g A. Geflecht: Ev-7iXEy.e-g H. : 7tXEy.o-f.iEv, TtXEye-rai. 
TtXfjd-o-g H. Fülle: olvo- TiXiqd^s-g H. TCEQL-TtXrjd-E-g H. : TtX^d^o- 

(XEV, Tti-TzXrjd-E. 
Ttvlyo-g A. Erstickung, Hitze: rcviyo-fXEv ersticken. 
d-7ivEE-g athemlos: 7tvE0-(.iEv. 

aQl-TtQETTE-g H. EK-TtQETTE-g H. /HETa-TtQETtE-g H. : TlQtnELV , 6X-, 
IXEXa-TtQETtELV. 

QEyyo-g\ gsyxo-g das Schnarchen: QEyyo-j.iEv, QEyxo-f-iEv schnar- 
chen. 

QEO-g A. Welle, iv-QQEfe-g H. : QEO-fiEv, gefE-re. 

d-, E7ti-, £TEQO~QQ£JiE-g A. : QETtE-TE umschlagcn. 

d-, dva-, EV-, ^EO-GEße-g A. : aeßE-rai. 

od^ivo-g H. EQi-o&EVE-g H. EVQv-ad^Eve-g H. : ad^ivo-VTEg, l-ad^svE. 

dvEfio-ayETii-g H., d- , hti-, nEQi-ayETte-g : aKETtE-rai, azETto- 
(.lavog. 




236 A. Fick 

aTiEiQO-g Hülle , £v-a7tEiQs-g : gtieiqio wickle (Gramm.). 

a-OTtEQxi-q H. TteQL-öTtsQyJ-g A. : GTtSQxw, a7ttQx6-f.iEvog. 

oxsyo-g A. Dach, ev-arsys-g : OT^yo-f-iev. 

oxELvo-g H. Enge: OTeive-rai wird enge. 

d-ategye-g A. lieblos: at^gye-te lieben. 

dgyvQO-, ßio~ , v^Ilo-, TtaTQo-arsQ^-g A, -beraubt: azsQs-o^ai 

beraubt sein. 
at^cpo-g A. Kränzung, Afitxo-, neqi-, 7toXv-oreq)s-g : GTecpe-Te 

kränzen. 
ETti-OTecpi-g H. : ErtiöTscpEiv H. 

sv-aTQ€(p€-g H. ETti-OTQEcpe-g A. : oigicpe-ad^ai, htLOXQScpE-oiyai. 
d-TEiQs-g H. unverwüstlich: rEiQE-od^ai aufgerieben werden. 
y.vY.Xo-tEQS-g H. rund (eigentlich kreisgebohrt) : vgl. xiqE-tQov 

Bohrer, e-toqov aor. lat. tere-s iis rund, iere-re, tere-hrum. 
d-TEQ7tf-g H. ör^f-io-, ovo-, EV-tEQTts-g : TSQ7t€-TE erfreuen. 
TEvxo-g H. vEO-TEv^s-g H. neu bereitet: TEvxo-f.i£v, tevxo-vto. 
Tfi^yo-g Furche: r/n^yo-iiiEv schneiden. 
d-TQEf.is-g A, ruhig : tqs/lie-te zittern. 
Ev-TQETTi-g A.: TQ87tE-o&ai sich wenden. 
dXiO-, dvef.10-, dnaXo-^ dio-, Iv-, ^a-, vdaro-TQE(ps-g H. : tqs- 

q)E-od^aL. 
Ev-TQExs-g A. bewandert: iQsyE-TE laufen. 
TQtxo-g A, Fetzen : zQvx6-[.iEvog aufreiben. 
cpsyyo-g A. Glanz: (fsyysi, cpiyyE-Tai glänzen A. 
d-cpELÖs-g nicht schonend: cpEidE-ad^ai schonen. 
TTQO-q^Egi-g H. vorzüglich , e/n-, tceql-, 7tQoa-(f£Q€-g A. : cpsQS-TE, 

(piQE-Tai. 
ta-q)XEyi-g H. dsi-, ^jiu-, Tivgi-cplsys-g : (pUyE-Te, ffXsyE-Tai. 
XQElo-g, XQ^^S H. Bedarf, Schuld: ;f(>so-»'r«f , 7()f£-ff^at vgl. 

reus res (nach Fröhde). 
d-xpEyi-g A. tadellos: xpSys-od^ai. 
xpEvöo-g H. Lüge, ipEvd^-g H. falsch, cpilo-iliEvös-g H. : xptvdo- 

(.laiy xjjEvÖE-Tai. 
rpvxo-g H. Kühle : xI>vxo-/,iev hauchen , kühlen. 

Lautliche Differenz zwischen Nomen- und Verbalstamm ist 
eingetreten in 
d-^ElXi-g H. zusammengedrängt y.ovi-aaXog: eI'XX(ü, ElXX6-/ii€vog 

(für i/EXj'io). Vgl. auch IXXio lXX6-f.iEvog. 
yST^xo-g Fellj Vliess : 7t€Uo-/.iEv scheeren. 
tifisvo-g H. : ziftvo-fiEv schneiden. 



Zum s-Suffix im Griechischen. 237 

2. Durch Antritt von g an Aorist- (resp. Futur-) Stämme 
sind gebildet: 

d-aye-g, d-j^äye-g H. unzerbrechlich: s-fäyrj H. dys-ig. 

avd--äd€-g A. selbstgefälhg : döslv gefallen, säde. 

dXe-g, dls-g zusammengedrängt Hdt.: falfjvai, dXs-ig zusam- 
mengedrängt. 

7iQ0-aXe-g H. jäh (vorspringend): alr]-Tai, aXe-tai conj. H. 
dXs-ad-ai springen. 

7tiaa-aXL(p£-g, f.uXT-i]XL(pi-g Hdt. dv-rjXig)s-g : i^Xifprjv vgl. dX- 
rjXicpe. 

ri/ii-aX(p€-g A. Preis einbringend, kostbar: tjXcpov, aXcpoi. 

d^vfx-ccQE-g A. herzgewinnend: vgl. dge-ad-ai gewinnen, oder zu 
dgi-OMO vgl. dqE-Tiq. 

Ttod-cxQAe-g H. agyio-g A. avT-agiis-g A. zu dq^E-to (ursprünglich 

kein a-Stamm) ^ \at.-arce-o, vgl. a^x£-ro-g. 
[agbs^ A . a>«^inn , Nubi^n: dQÖ-firjv, dge-oS^ac zu. tctQvvf^ai ge- 



innen. 



[ubi^n: UQO 





/vr]fxs§T^>i:E. unfeldbar (= vrj-aus^H;^ vgl. «/ta^r^qs «/f- 

ai^io-ßaq)s-g A. TtoXv-ßacpe-g A. [.teX(X(.t-ßacps-g : ßa<p^vai , ßd- 

cpe-ig. 
ßiXo-g H. 6^v-ßeXs-g H. : /^«Xe in xa-C^A« • xareßaXe Hesych. , 

vgl. ßeXe-i-Lvov, ßsXo-vi], ßoXo-g, ßoXrj. .,— -^ 

d-ßXaavE-g, sv-ßXaare-g -keimend: E-ßXaore. 
•yivo-g H. öio-yevs-g H. evrj-yeve-g H. : yeve-ad-ai,, i-yevs-TO. 
d-dcc€-g A. unkundig : öafjvat, dae-ig. 
d^vf-io-daxE-g H. daxo-g \. : dayJeiv. 
ddo-g H. Fackel, i^ui-öas-g H. d-eoTte-öas-g H. : ddrjxai conj. 

aor. H. 
d^axo-g Auge, £t'-(J^ax€-g A.: «-d^axo-v. 
«do-g H. Sitz: vgl. y.ad--8dovf^iai, goth. seV«/?, sskr. sada-ihas, 

sad-ant , sddas Sitz. 
lao-Cvye-g, ^aXXi-^vye-g A.: "Qvyrjvai, Cvye-ig. 
bf.t-riysQS-Bg H. versammelt: dyeQs-a&ai. 
^dXo-g H. dficfi-d^aXe-g H. : d-dXov aor. (?) vgl. &aXe-d^(a. 
dia-d-avi-g H. dqxL-d-avs-g A.: ^ave-eiv. 
d-idi-g unsichtbar Hsd., d-TTQO-tds-g : lösiv , Ttgoidelv. 
ovo-, Irtvo-'Kai-g : yiafjvai , xuE-lg. 

doQi-xav€-g A. ?roAf-xaj'£-g A. : «-xavfi-rfi, xavfiTv tödten. 
(Jfff-, fclAt-, 6v-y.Qiv£-g A. : äqivs-io, /.Qivs-ea&ai fut. 



L 



238 A. Fick 

d-, STti-, heQO-, xuTa-, 7t€QL-y,Xtv£-g : '/.aTe-'KXivr]v , xaTayihvi]- 

ooi-iai A. 
€v-kaßs-g A. f.iEao-laßi-g A. : Xaßeiv, laßs-a&ai. Vgl. d/ii(pi- 

Xacpi-g ? 
fr/.-XL7ti-g A. Ek-Xmi-g A. : EyXiTTEiv, kXXirtslv. 
udd^o-g A. Lernen, Lehren, d-, dva-, ev-, TtoXv-, cpiXo-i-ia&i-g 

A.: s-i^ct&o-v, (.lad^slr. 
yvvaL-^avi-g H. weibertoll, dy.QO-, d^so-, d^vQOO-, \TC7to-[j.av6-g 

A. : f.iavrjvai, ^lave-ig. 
six-fxaTti-iog H. rasch : (.larthiv H. 

Tta/Li-iLuys-g A. a-, ititzo-, tcoXv-, ov^i-^uys-g: fiiyrjvai, {.nya-ig. 
OTtiod-o-vvys-g von hinten stechend, spät: s-vvyrjv, vvys-ig spät, 

zu VVOOO). 

7tQ(jüT0-7T.ays-g H. erst gefügt: rtdye-v^ rcaye-ig. 

Ttdd^o-g H. alvo-7tad-4-g H. : sTtad-ov, ndd^e. 

dLa[.i-7tsqi-g durch und durch H. : vgl. Ttaigio, dva-TcaQs-lg, tco- 

QO-g, ksl. pire-ti fährt. 
du-Ttevi-g H. 7tahfj.-Tcez^-g H. yoj'ü-, jtsQi-, tt^o-, rcQoa-TtEre-g 

A.: e-rrsTO-v dor. fiel. 
ex-7rAa/«-g, xara-7rAaye-g entsetzt: «x-, xcfra-irAay^i'afc sich 

entsetzen. 
cpQEvo-nXrjyi-g A. den Geist schlagend: nXr]yrjvai, TtXrjye-lg. 
sv-7iXvvs-g wohl gewaschen H.: TtXvvico fut. 
7iEQL-7tvlyi-g zum Sticken: Ttvtyrjvai, ^vlys-ig. 
■yLaxa-rccvxi-g, 7teQi~7tTv%£-g : e/iTvyriv oder vgl. tctvx^. 
aif.io-^Qayi-g A. a-, (Jt/o-, jcsqi-, ipvxo-^Quyi-g, dva-qayi-g: qü- 

y^vai, Qaye-ig. 
sv-QQücpi-g H. wohl genäht: Xivo-qqacps-g k.: Qatprjvai, qacpe-ig. 
drif.io-^qL(p£-g A.: QKprjvai, gicpe-lg. 
yiaTa-QQv^-g A. herabfliessend : qvfjvai, qve-ig. 
d-aivi-g H. ungeschädigt, oivo-g A. Schaden: zu otvofxai (fut. 

alvov(.iaL kommt nicht vor). 
a-^dcpo-g A. Schiffsbauch, ßad-v-öY.acpi-g A. ytaza-axag^^-g A. 

vergraben: xaTaoxaq)F]vai. 
d-axeXs-g H. 7r£^t-axeAe-g dürr, hart: axEXov/nac Hesych., vgl. 

axfAfi-TO-g. 
axt;Ao-g (t;) Haut Theoer.: 8-axvXi]v ayivXrjvai. 
TtoXv-artEQi-g H. : arteqi-ü) fut. 

aii-iavo-y ÖEifxaxo-, (XEXE-atuyi-g A.: a-atdyrjv, hti-oiayt-ig. 
d-OTaXi-g, tv-ajaXi-g A. : E-aTaXrjV, avaXt-ig. 



Zum s-Sul'fix im Griechischen. 239 

d-OTQacpi-g (aargaßig Pind.): argacpfjvai, OTgacpe-lg. 

OTvyo-g A. Abscheu, ßgoro-aTuys-g, ^eo-arvys-g A.: k'-arvyov 

hasste. 
ai/j.aTO-, avTO-, veo-ocpayi-g A. : s-a(pdyrjv. 
d-avQ€-g (t?) ungespült, unrein: s-avQr]v, avQS-ig. 
a-acpaXs-g H. dgi-ocpale-g H. : acpaXrjvai, acpale-ig 
yvio-, SV-, ipvxo-zaxe-g : raxrjvat, raxe-/fi^ 
cdq)o-g H. das Staunen: s-tatpov raqxjov. \#v'W^^ 
Tsxo-g H. Kind: i-Tey.o-v, TE^e-od^at. \ J * 

d-, ev-, i/.-T€ve-g A. dXi-, ßvgao-, axoivo-TEve-g: tevoj, revov- 

uai fut. vgl. revo-vreg Sehnen part. aor., rovo-g. 
iv-TQiße-g A. d-, iao-, rcaXiv-, TtegL-tgißi-g : s-TQißr]v, rgißa-ig, 
TQvcpo-g H. Bruchstück: ÖLa-TQvcpi-v zerbrochen H. 

dvTL- ÖOVQl-, KSVTQO-, TtaXiV-, XELQO-TVTCS-g, OXEQVO-TVrtS-g A. : 

e-TVTCO-v, TVTzrjvaL, Tvne-ig. 
a-, dva-, erti-, ev-, xa^-o-j TtaXiv-, TtQOO-xvxi-g A.: e-Tvxo-Vy 

Tvxe. 
TiqXe-cpave-g H. a-, dta-, Sfii-cpavi-g A.: cpavrjvai, cpave-ig. 
evQv-cpve-g H. Ttgoa-cpvi-g H. avro-, v7teQ-(pvi-g A. : q)v^vai, 

q)ve-ig. 
xdvo-g ' xdofÄa^ d-, dxQO-, dgri-xccvi-g : e-xccvo-v. 
Xtjitvo-, oivo-, v7t€Q-xc(Qf:-g: /a^^vat, /cr^fi-Zg. 
8^-, Ttav-, TtQO-, cpQEv-wXe-g A.: diXe-ro, dTt-oXi-a&ai. 

Lautliche Differenz ist eingetreten zwischen 
vrj/ii€QT£-g {= vrj-a(.iEQT8-g) H. und d(.iaQZ€-Eiv (^dfiEQTE- kann 

Präsensstamm sein). . .-r / 

T^iiayo-g A. Schnitte und öi€-Tf.iayE, Tj^idyEv {tEfiaxE- lässt sich i , 

auch als Perfectstamm denken). | 

Reduplicirten Aoriststämmen liegen gegenüber die nicht re- 
duplicirten Nomina : 
f:TEQ-aX'K€-g H. : dX-aX'^s. Vgl. dXx^. 
ETto-g, fE7to-g H. df^iagzo-fETtsg H. i^dv-fE7ce-g H. : fEi7tef.tevai 

= fE-/E7tE-j.lEVai. 

^gade-g H. d-, dgi-q)gaöe-g H. : TtE-cpgads-^EV, 
öl-, dovg-, Y.Evvg-, Ttod-rjVE'ÄE-g H. aor.: EVEyY.E = av-EVExe vgl. 
lit. neszii, ksl. nes(^. 

Vom Stamme des aor. pass. auf d^E ist gebildet: 
fü-(jra^«'-c," H. wohlgegründet, a-orra^f-g unstät : E-GTud^n^v, ota- 
d-E'ig. Vgl. avai^E-go-g. 



240 



A. Fick 



/X.^' 






Indem -g an Aoriststämme auf -ae tritt, entsteht der Aus- 
gang -ao-g in: 
akoo- H. Hain vgl. aXfia Hain zu al nähren in av-al-ro-g, dl- 

daivu), aX-ds-TO , lat. alere, al-mu-s , al-tu-s. 
a\po-g H. Gelenk, Glied: axpag H. rjXpE. 

/(TOTy^-^U^. Abscheu, Hass yg\. /mao-drjf^wg (wie oqao-tQiaivrjg zu 
oqao-f.uv aor,), /.uaico H. : Wz. /lut vgl. sskr. wfniii^^fein- 
^ denT^l^iwt'^yi, a'-rnUkLla un^^eirnzt. 

/ (ivao-g A. Abscheu zu (.iv Mund, Augen schliessen, /nvaav H. 
nsoo-g A. Fall, ßaqv-Ttsaf'-g A. : e-Tceoo-v fiel. 
Ttloo-g H. Au, Wiese: s-TTlae tränkte. 

cpäqöo-g Hdt. Abtheilung vgl. lat. foruli, lit. bdra-s Abtheilung 
u. s. w. ^a^w pflügen (aufreissen) bei Gramm. 
3. Auf Perfectstämmen beruhen : 
Trolv-yrjd-s-g H. yrjd^o-g Freude : ys-yrjd^e freut sich (praes. yrj- 

rjS-o-g H. gewohnter Aufenthalt, a-, et-, v.ay.o- , of-io- , gvv-, 
XeiQO-rjd^s-g A. : euod^e (— 'i£-n/w,9-£ B. "/«^■e) ist gewohnt. 

SfjL-d^rjle-g H. veo-O^rjM-g H. : rs&rjlß blüht. 

£i;-^^£-g H. ^vi.i-rJQS-g H. xalyi-rJQE-g H. : ccQrjQcög gefügt, pas- 
send. 

ev-Ttrjys-g H. fest: TtE-nriya ist fest. 

TTpayo-g A. Geschäft: Tte-TVQaye. 

Qiyo-g H. Kälte, Frost: e-^qiys. 

'/.ar-ioQvxs-fffOi H. : oq-coqvxs. 

av-iüds-g H. dtff-wjfi-g H. ; od-iode. 

B. Die genau entsprechende Verbalbasis ist im Griechi- 
schen nicht mehr nachzuweisen bei den folgenden c,*-Stämmen : 

ayyo-g H. Gefäss , vielleicht zur Wz. lat. unge-re , sskrt-wayl 
andkti, anja-nt schmifer©«,J^ft*ei6hen , vgl. lat. figulus zu 
dhigh, ßngere. ^^ 

H. Thal, Bucht vgl. sskr. dhkas n. Biegung, Krüm- 
mung, ankha-ya umklainmern, W. ac. 

A. Ver^iw^ing, heiligu SlLü<,^ aCopt^t, vgl. sskr.'yay" 
verehren, ydj'a^, '^tffifi^ veWkc£nd. > 

ccyf>-c A. Schuld. 





(aus j'arca),- 
Das Sta^mve, 



■ i ii f II <— >.. 




Zum s-Suffix im Griechischen. 



av^fhhg H. Bmme vglNm'^y^ A. :s^a:.ändmnii\. Krsü 

a-ß^iU-$ bei Sappho vgl. ^^Ö'/f^lMI^ Wt.'tökiu vokii vefsfcft^en. 
ßev&o-g H. Ttokv-ßevd-s-g H. verhält sich zu ßä&o-g, wie Vra- 

^o-g: e-'.ra^o-v zu Ttevd-o-g: Tti-novd^e, vgl. lat. yww(/w«? 
y^£i;-/o-c; Most; ein Verbalstamm yXvy. hat bestanden, vgl. yXv~ 

^ig, yXev^Lg Most; ykevxs- scheint Präsensstamm. 
sv-deleyj-g andauernd vgl. dohx6-g, ksl. dir ff ü lang 
Ö£o-g H. Furcht, d-ddes-g H, = d-dj^ejeg: vgl. dsi-dto^ dte 

fürchtete, vielleicht aus Ö£i€, öfsie, vgl. zend. ! dvae-tha 

Furcht, lieber die Contraction von €l zu i vgl. jetzt G. 

Meyer in dieser Zeitschrift S. 81 ff. 
d-devxs-g H. rücksichtslos (?) vgl. h-övyiitog und lat. düce-re. 
örjvo-g H,,,,£ath (nur pl. drjvsa) = sskr. ddrnsas n. vgl. daöae, 

ßetl^aiy drjw. 
lo-6vE(fE-g H. dunkel vgl. dv6cpo-g. 
eyxo-g H. Lanze zur W. eyx — vsx stechen vgl. ksl. na-7ioziti 

s^ se infigere, nozr Messer, nTzq nts-ii penetrare, niza-ti 

trp,nsfigere, ahd. nagan nuog nagen u. s. w. 
f>^ö"-g.,.Hr Wolle vgl. «i'-s^o-g zu , sskf 7 j^rtfS/.häf , vara-ii be- I ^ 

deckt; besser vielleicht zu lit. j^^ijiaijü]»^' 
da-EXyk-g schwelgerisch vgl. sXeyalvco Et. M. i 

'L4a-avÖQog, lAoi-ZLfiog zu ad gefallen. 
Vlo-g, filo-g H. Sumpf, eigentlich „Biegung, Einsenkung" vgl. 

faXe-lg gekrümmt, lat. vallts Thal. 
sqsßo-g H. vgl. goth. riqis , sskr. rdjas , vgl. sskr. rajant Nacht, 

raja-ya färben. 
Vq'AO-g, fsQxo-g H. Geheg, sv-SQyts-g H. : vgl. oquo- in TtoXi- 

oQ/J-cü, fOQiio-g Eid (= Einhegung). 
VaO^o-g H. Kleidung vgl. sa^^-g rog : sad^rj-uivog gekleidet, 

f-vQo-g H. Weite zu evqvg vgl. sskr. vdra-s Weite, vara-te um- 

schliesst. 
tevyo-g H. Joch, Gespann vgl. lat. jügera, (s-Kevy-fuvog) , ved. 

yoj'a-te. 
du(f-rjv.e-g H. zweischneidig, rava-r^-Ks-g H. langschneidig, B. 

«/* vgl. äxo-vT-sg Wurfspiesse, eigentlich Particip, oder 

'"" Basis rj^ce vgl. ccKrjxs pf. in dii^xoa^' dxtour], 

ev-riM-g H. wohlwollend vgl. ^vg\ sskr. ai'rt-//, pf. af« begün- \ 

stigen, lieben, dvas n Gunst. n-.--«!-*-— --^ 

Beiträge z. Kunde d. ig. Spraction. I. J.7 



Üppig sein, vgl. 



242 A. l-'i.k 

Lhr-}]ve-g H. abgünstig, /rooo-7jvt-g H. günstig, geneigt: vgl. an. 

a/ina an lieben, ahd. unnan uu onda , as. gi-unnan, nhd. 

<j-önnen , an. äst Liebe -- alitl. anal Gunst. 
öcö-, rtoXv-, viU-r]ys-g H. 7]X0-g A. : vgl. rixrj, lat. vcigor , ved. 

väca-ti rauschen, brüllen. 
d^af.ißo-g H. Staunen fügt sich niclit in die Flexion von \tTaq)ov 

^tQOo-g äol. QsQOi-Xoxog H. d^aQOO-g H. ^Qceao-g H. : vgl. sskr. 

d/i rs/ia-?it , dh rsha-mäha , da-dharsha . 

It^n-g H. Schweiss wohl mit G. Meyer o. S. 92 ~ ufeidog zu 
nehmen, dann — lat. sildor (für stoidos-) oder vgl. ved. 
sis/wid-äna? 

y.dlhj-g H. Schönheit, TtsQi-KalXe-g H. /.alli-d^Qi^ U. Zu 
(rrunde liegt ein Präsensstamm xaAAt = zaA/6, derselbe, wel- 
cher im sskr. kalya wohlauf, noch deutlicher im ved. kalyäna 
schon, welches offenbar Particip ist, erscheint; von /.aX-Jt, 
y.alXe regelrecht yiällo-g, ~y.aXlk-g, '/.aXlo-vi], wie ijöo-g, 
-t]de.-g, rjdo-vrj zu ^öo-^iai. 

ki'-y.(xf.i7T8-g II. vgl. y.ä(.inT(x)j in dessen Flexion die Verbal form 
AUfiTte- nicht erhalten ist. Ebenso: 

Af:lvq)o-g /V. Hülle . zu ^aXimTco. 

■/.XbfO-g H. zu xAüw vgl. \i^\. slovq heisse: dovo Wort, sskr. 
grdvas Ruhm, "~ 

■K^jTTts^A. Diebstahl ztisij;A£/rrf'j, vgl. l-i-t. i c^^^;(?. 
ixgtJ^^sÄ. Grausen^ x^t'£-^o-g grausS^, für xQv^ör-g vgl. Ttava- 
i T«tVc(VS£<;ff-raA/t?)§v Das Verb isrv erhalten iik an-i/w^^v/ 

I — Jiraus hru^wi //roAmw" -plaudern, gra'Hsen. \ \ 

Xa^o-g A. Fetzen_jgLlat. /aw?»'^ j Ince-r, ihee-rä-rf!. Das Verb 
ist noclTmcht nachgewiesen. "' '^' 

Xißö-g A. Flüssigkeit, <povo-Xi.ßt-g A. vgl. X&ißu), Xniß)], l;it. 
deAiImcre. Xiße scheint Aoriststamm zu Xtiße. 

Xl/co-g A. fett, aXuce-g vgl. Xirra wohl ni(-lit mit uXtcfs salben 
identisch, sondern für /Atx.-«, vgl. irisch ßiuch - cnnibr. 
guihjp madidus (— vllquo-s). 

iho-, a-/iiaQt-g A. schwer, leicht zu nehmen mit uc<q)^ Hand 
zu i.iaQ fieiQüiiai bekommen. 

itixro-g das Suchen: aävrjg 2 sg. ]>raes. bei Tbeocrit ist zwei- 
felbaft. 

fiii^ea ion. ^-=^ u/jöta H. S'-.ii;ini vgl. ksl. ?/i(ido lludc; das Verb 
ist ueö scliwellen und lässt sich wieder herstellen aus ut>^tu : 



Zum s-Suflix im Griechischen. 



243 



praes. /.iste, f^irjöta: pf. ^it/urjöe, das part. pf. pass. ist er- 
halten in (.lea-To-g voll. Vgl. (.latö-g, uaa-ro-g, lat. madeo. 
fievo-g H. dva-/iievs-g H. vgl. {.li-f-iovs, vecl. manä-mahe, manas 

Sinn. 
f-itQO-g A. Theil vgl. ubqe in e'fijuoQe, /^lOQO-g. 
(xtlo-g H. Glied ist vielleicht aus Xs(.iog entstanden, wie Uavov 
/aus viy.Xov, dann vgl. an. lim-r m., ags. lim pl. leomu_ n., 
/ engl. /wiÄ Glied. Zum an. limar pl. f. Baumzwejge, ags.jf 
/^_^m Baum zweig würde schön f-iEliri Esche stimmen; Stamm-T 
verb ist preuss. lim-twey brechen. * 

7rQ0-jiir]d-e-g A. vorbedacht verhält sich zu /.lavd^dvio s/xaS^ov 
{fiemid^e) wie Irjd^ng, a-Xrjd^e-g zu Xav&ävo) sXad^ov Xelrji^e 

ui]-KO~g H. ovQavo-f.ifjX£-g H. zu /.lan-Qo-g. 

f-irjxo-g H. vgl. /nrjxcc-v)] H. neben {.läyya-vov, vgl. sskr. mamha- 

mäna, mamha-na^ 
vi(fo-g W.' y.eXai-vE(p€-g H. B. vecpe in V£q)i-Xi], ovv-vivoq)e ist 

bewölkt. 
|?i;s<^ H. vgl. ^tVr^TgÖ^Ä^^aiaw^ ->^^^^^ N. '^Cx n )^J^ 
olöo-g Geschwulst vgl. olda-w :. nü^. etzS^esc^l^j^^il ^^A/^O 
vToXsfxe-g H. unablässig — vtj-olsfiE-g zu preuss. lim-twey 

brechen. 
ov€ido-g H. vgl. ved. a-nedi-ya (für a-neda-ya) — sskr. anedya 

nicht zu tadeln. 
ocpelo-g H. Nutzen, olyi-coq)6l€-g : zu 6q>eXXiü, dessen Aorist 

ocpeXeiv mit ocpeXalv , dem Aorist von ocpeilio, zusammen- 
gefallen wäre. 
7Civd^o-g H. vrj-Ttsvd^i-g H. vgl. rteioojiiai ■= jcevi^-ao^ai, Basis 

jcevO^e in itt-rcovd^s. 
.itff^^k. penis, ■fttiL^;T£no-^ — sskr. pasas , vgl. lit. ^??»i^ö/^</ 

coiret*~- '*""- '^ 

7tl(xT0-g A.Breite vgl. TrAaTt'-c;: sskr. />rä/Ärt-s n. Breite, pratha- 

ie , pf. pa-prathe sich ausbreiten, 
^a/.o-g H. fga-Kog äol. ßganog Lumpen : vgl. qrjöaio , Qccaaco zer- 

reissen, schmettern, qayfjvai, qayeig (mit y = -/), 
^'jy^S, fQfjy(>Q H. Laken, Decke : Q^yyvfit, fqrjye nur in I- 

Qi'yxo-g A. Schnauze, Rüssel, Schnabel, Fratze wohl zu 

^/yyw. 
oÜk(a-^J^ Schild 2l>»«a;44£j w (ouy,-jioyi:wi^iii^i 

17' 



2. 



244 A. Fick 

aa(p£-g H. vgl. lat. sape-re zu sapio , ahd. anl-seffian. (In 

sape-re , face-re sind wohl mit Curtius Aoriststämme zu er- 

^-~ kennen, wie in pare-7ites neben pario). 

lisiQO-g H. Zeichen, ,.Himmelszeichen vgl. zegcc-g, TQä-v6-g deut- 

I lieh, crjQetü,^.\\t.ia7^m sprechen. 

arc€0-g H. = OTtano-g Höhle vgl. lat. spiri-tu-s sph'ä-re , ksl. 

pacha-ii hauchen, 
oclcfo-g A. Masse, Schaar vgl. OTKf-Qo-g {oTsißio). 
aTV7C0-g A. Stock vgl. aTvcpe-liUo (?) , lat. siup-rare , sskr. ship 

siumpali stossen. 
TUQßo-g Angst H. , d-Tagßi-g U. vgl. as. mod-ihraka f. Herzens- 
kummer, ags. ihracian angst sein, sskr. tarja-ti drohen, 
schmähen, erschrecken. 
jiyo-g H. Dach, Gemach vgl. azeyog : avsyw, lat. ter/ere, irisch 

iep, iech n. Haus. 
laixo-g H. Mauer, vgl. Tolxo-g Wand, germ. diga-n kneten. 
TsXo-g H. Vollendung, Ziel vgl. TtU-iyio, itle-Tri. — tälog 

Schaar H. m \^ ^^ ^ 

u-Tfimt-g IJ^^^Hnverdpaiif^ vgl. \^,)^icß>^^r^^ßi9r^ 
\J ^u-g H. gesund, ßasis vyie — ßsyej's = lat. vigeo. 

^ J!^o-s Wasser Hsd. vgl. ksl. voda t Wa^eAsskr. uda-ka. 

[yäeo-g H. Gewand vgl. (fagt-TQri, ahd [5*^^^^ 
I Oder gleichen Stammes mit (pdgaog r *) X^y 
I «i;-X6^£-e A. dva-xeqs-g A. leicht-, schwer zu iiÄhmen vgl. ^-j 
XSQO-VT-og, x^'^Qf^S, X^'^Q, ^Vw hdras nehmen, hdra-ti nimmt, 
tcc-xQfji-g H. vgl. t-xQcte anfallen H. 

C. Die griechische Sprache besitzt unter ihrem Erbgute 
mehrere Bildungen auf -c, welche gleichstämmigen Adjectiven 
auf v-g gegenüber liegen. So gleicht doysa- in h-agy^g dem 
zend. arezah/i, während aQyv in ägyc-QO-g, äoyv-ipo-g dem lat. 
0»^V\M.'*'^'**'.'^".^ ' «^«7"-^'^*» wie dem ,ßskr. drju-na entspricht; evqog : bv- 
Qv-g vgl, sskr, vdras Weite: urü vdriyams weit; r^dog, f-ieXi- 
iqötg : i^dig vgl. sskr, prd-svädas liebhch: svädü; h-rjtg : rjvg 
vgl. sskr. äoas Gunst, gallisch avi- , gotli. aci- gut; Ttkdrog : 
fiXaxvg vgl. sskr. prälhas Breite, prlhü breit, ra/og : xaxvg 
vgl. zend. iaeanh Lauf, sskr. läku. Dieses Wechselverhältniss 



*) fDoederlein Hom. Glos, stellt if^uQo? vielleicht richtiger zu (fü()€u ■ 
vifttCvtiv. nXfxfiv {lle.s,) , vgl. auch iett. buras , biirves kleine Segel, lit. 
burpelis „Segelbenetzer'' {-jjelis zu j)ilti giessen). B.J 



Zum s-Siiffix im Griechischen. 245 

ist in den übrigen Sprachen kaum beachtet worden, im Sanskrit 
sind sogar lautliche Differenziirungen eingetreten zwischen vd- 
ras : urü, präthas : prthü; die griechische Sprache hat, so 
weit wir sehen , selbständig — doch vgl. auch lat. pecus oris : 
pecu, während densor, albor u. s. w. zunächst auf densere, al- 
bere beruhen — den Typus evQog : evQvg systematisch durch- 
geführt und geleitet durch die Analogie von wenigen ursprüng- 
lichen Fällen der Entsprechung von g- und t-Themen, neben 
fast jedem f-Stamm ein entsprechendes Abstract auf -g geschaf- 
fen , wie die folgende Uebersicht zeigt : 

alTtog, aiTtei-vo-g H. : aiTtv-g H. jäh. 
alaxog H. Schande : aloxv-vio H. 
ev-a^ye-g B-. : agyi: in agyv-QO-g, agyi-ffo-g H. 
ßdd-og, dyxL-ßad-i-g H. : ßadS-g H. 
ßccQog A. olvo-ßaqt-g H. : ßaqv-g H. 
ßqddog A. : ßgaövg H. langsam. 
ßgccxog A. : ßqaxv-g H. kurz. 
ßQli>og A. : ßQiH-g H. (ßgid^to). 
ydvog A. : yävv-fxai H. 
yXvÄOg {= yXti'Xog) : ykvxv-g H. 
ddaog A. : öaov-g H. dicht. 

sQvog FI. : {iQvv — ) ooru-TUL, vgl. oginevog Schössling. 
6VQug li. : €VQv-g H. breit. 
i^dog H. fielt-rjöe-g H. : ^Sv-g IL 
h-TjHg H. : '^v-g^ €v-g H. 
d-aQöog H. : d-^aac-g H. 
•/.ÜQTog, xQarog H. : XQarv-g H. 
ö^og A. Essig („Schärfe") : o^v-g H. scharf. 
Itdxog B. Dicke : yra^J^-g H. ^j^jj/ -—-'*— *^'»' 
/rAarog .\. : rcXarv-g H. breit. 

TQtoßog A. : TTgiaßv-g H. /| (1 

trraxog ganz spät, Nardenart : atäxi-g H. Aehre. Yf/*'v''5 

rdgixog A. : raQxv-io H. 
TttQcpog H. : xaqcpv-g H. dicht, 
ra/og H. : raxt;-g H. 
y^ro(J-wx)^g H. : wxt'-g H. 

Diese Bildungen konnten, soweit sie speciell griechisch 
sind, um so leichter geschaffen werden, als die Basen auf «, 
deren die Stämme auf -e-g bedürfen, in der Flexion der v- 



V'T! 



246 A. Fick 

Stämme hervortreten vgl. rmi-feg u. s. w.; ebenso schuf man 
mit Anschluss an e- resp. o -Stämme 'KdlXo-g H. , TtsQi-jtalXi-g 
aus aaXXi- (— xaXje-), vifjo-g A. Höhe aus vipi, vifj6-a€, und 
•KVQO-g A. Macht aus xr^o = sskr. cü'ra in a-xvQO-g, Ob diese 
Bildungen nach dem Sanskritschema als primär oder secundär 
zu bezeichnen sind, steht dahin; die aus der Sanskritgramma- 
tik stammende Unterscheidung von Primär- und Secundärbil- 
dungen ist nur ein vorläufiger Nothbehelf, den man fallen las- 
sen kann, wenn man in den Geist der ig. Nominalbildung et- 
was tiefer eingedrungen ist. 

Der Analogie von xdXXog, xvQog, vxpog folgen rrrjQog : nrj- 
Qo-g, alxxog Ekel : ffix;fo-g, alcpXog Verstümmlung : aupXo-g, 
(pfJQog Ohrendrüse (satyrhaft) zu! (pi^Q Satyr, meist späte und 
schlecht bezeugte Wörter. " 

D. Zwischen den Stämmen auf -s und den suffixlosen auf 
-a- besteht ein uraltes Wechselverhältniss , welches darauf be- 
ruht, dass man aus jedem Verbalstamm auf -a das Abstract, 
resp. Adjectiv auf s mit derselben Leichtigkeit bilden kann, 
mit der man den Verbalstamm ohne Suffigirung als Abstract 
resp. Adjectiv verwendet. So giebt der Verbalstamm yuga = 
tvys die Stämme juga-m und Jugas gen. jugasas, griechisch 
Lvyöv, ev-^vyrjg, ksl. igo gen. izese, und es scheint durchaus 
nicht wunderbar , dass ein auf dieser Leichtigkeit beide 
gleichwertige Bildungen aus denselben Verbalstämmen zu 
vollziehen beruhendes uraltes Wechselverhältniss zwischen a-s 
und a-Stämmen bestanden habe, ohne dass hierbei an „Ver- 
stümmelung" zu denken wäre. Auf ein solches uraltes Ver- 
hältniss weist Manches: so liegen im Sanskrit usha und ushds, 
Jara und jards u. s. w. neben einander; im Slavischen wech- 
seln die a- und a-Ä-Stämme wiederholt in der Flexion, am 
deutlichsten aber tritt die Beziehung zwischen den beiden 
Stammbildungen im Griechischen hervor, hier jedoch so, dass 
mit wenigen Ausnahmen die Stämme auf -g jüngere Wechsel- 
formen von a-Stämmen, besonders von Femininen auf a sind. 
Alt sind möghcher W^eise yXrjvog neben yX^vt]^ wovon es sich 
auch im Sinne scheidet, dgiog neben ra dgia vgl. ksl. dreves-, 
rjxog : i^xv ^S^- ^^^- ^^ffor, (pQlKog : g)Qix^ vgl. lat. frigtis ; alle 
übrigen scheinen jünger, sind wenigstens fast durchweg jünger 
bezeugt als die Formen auf o, rj, wie die folgende Uebersicht 
zeigt. 



Zum s-.Snffix im Griechischen. 



247 



y^^^^ H. SchäH^ück : j'A^j^ H. 
'diipog\3i)ursi spät neben dixpa H. 



Pupülle, vgl. KhiH-od. 



gl. /CQO-v(0Tirig 



^ ^.itW"^ 



k 



dqlog H. pl. ta ögia vgl. ksl. drevo , gen. drevesc und dreva. 

riyog A. dva-rjysg H. : j^/iy vgl. lat. vägor, sskr. vä\,ati. 

■/.duTcog Seeungeheuer vgl. -Adf^irttj Raupe 

X^(.ißog Kahn : ls(.ißo-g m. Kahn. 

Xiojtog Gewand neben Iwrcrj H. (Ae'/rw). 

mxog A. Vliess : vd/r^ H. Vliess (zu vccGoot). 

vd/tog A. Waldthal : vdroj H. Waldthal. 

praeceps. 
v'r/iog selir spät neben vlxrj H. Sieg. 
TtXddog spät neben nXddrj, /cXaödo). 
jcXiyog sehr spät neben 7cXiydg interfeminiuin : TtsjtXtye. 
QiTtog Hdt Matte : qiip H. 
alyog spät neben ff^^vy Schweigen. 
O'KTivog, G'/.m>og Zelt : axrjv^ A. 
ffxr/rocj, ay.0Tsi-v6-g A. : ffxoro-^' m. H. 
au^rpog spät neben ovQcptj, avqrperog. 
cdyyog. spät -ijßben zdyyrj rancor. 
xdqayng A. neben Taoayjj Verwirrung. 
rrjTog spät neben rj^Viy Mangel , irjzdiü. 
TQvyog, d-zQvyeg spät neben Tqvytj. 
vdog Wasser Hsd. vgl. ksl. voda. 
v(pog Ä. Gewebe : vcpi], vcpdia. 
fpQ7'/.og spät neben cfgUrj : 7tscpi/,&. 
yXidog (oder xXldog'?) : x^fdrj, /Atdaw. 

Einigeniale liegen neben ganz jungen -c;-Stämmen nur Verba 
auf dco, aus denen man dann wohl den a-Stamm entnahm. 
So in 

l-idöog ■ ipiXio&Qov : ^addto 

jivöog nachattisch : (.ivödio A. 

mdog nachatt. : olddcj 

ocpQiyog spät, Strotzen : acpQiydio. 

Dagegen sind die a-Stämme tXeyyo-g, yteXado-g, reyt] und 
OTtyr] jünger als die g-Themen ro sXeyyog, /.eXadti-vo-g , ziyog 
und otiyog, wie man aus dem Mangel der Vocalumfärbung 
ersieht. 

In der Coniposition sind die y-Stämme vielfach ganz deut- 
lich Vertreter von a-Themen. So schon bei Homer in: 



248 A. Fick Zum s-Suffix im Griech. 

ETT-aqtis H. vgl. ofM-aqtfi-ü}. 

y.€ve-avx€g H. vgl. avxeco A. 

yalKO-ßatig H. vgl. ßaro-g. 

vrjXeEg H. sXBeL-vo-g H. vgl. ikeö-g H. 

tv-eqyäg H. : sqyov H. Werk. 

dva-7tov€og gen. H. : /rovo-g H. mit Beibehaltung des o, das 

in einer ächten alten g-Bildung nicht ara Orte wäre. 
€VQV-7tvXsg dw H. : TtvXy] H. Thor. 

ev-xQoeg H. neben svxQOog, fieXay-xQoisg H. neben f.i6kav6-xQOog. 
Während man unter den homerischen eben verzeichneten 
mit o-Stämmen wechselnden Themen noch ileeg- und avxeg- für 
alt halten kann, sind in den folgenden Compositis die g-Stäm- 
me durchweg jünger als die o-Themen : 

t7t-avayy.ig Hdt. notwendig : dvdyxr]. 

e^-avysg A. XQ^^'^^y^g • ccvyi] H. 

dv-a(pig A. sv-ag)ijg : dcprj A. 

'/.akXi-diveg A. tvsqi-, TtoXv-öivtg : öivrj H. 

sv--KOf,udsg Hdt. : xojiiidr] A. 

öia-, nara-, 7tQOG-y.oq8g : zopog. 

ri(.a-^ TtoXv-f-isd^ig : (.Ud^rj. 

d-f.i6TQsg spät : /ntvQov. 

\ao-7taXig Hdt. di;(T-, «t;-7raA£g : rtdXr^. 

Ev-7tQVfxvig A. : 7tQv(.iva. 

d-oaXig unbewegt : adXog. 

i^Xio-GTißsg, viq)o-atißeg A. : ajißog. 

Xid^o-f vsvQO-OTtadsg : vgl. STti-aTtddrjv. 

TtoXv-artad^ig dicht gewebt : aTtdi^rj, 

tv-rexv^O-iara spät : rex^rj. 

dva-, €v-, TiQOO-cpiXig A. : <piXog. 

ßov-xavdeg spät : x«>'<5oy (vgl. Frohwein in Curtius' Studien 
I, 114). 

o^-wTteg spät neben o^v-a)7c6g : W7r*y, orttDita. 

A. Fick. 



F. Fröhde Etymologien. 



249 




^1 



Etymologien. 

1) pilare. 

Das Lateinische besitzt zwei Verba pilare, die etymolo 
gisch verschieden sind: pilare „festdrücken" und pilare 
„rauben, plündern". Beide sind gräcoitalisch , wie folgende 
Vergleiche lehren. Was das erste betrifft, so entsprechen sich 
pilare „festdrücken" und gv.'n iXtio „(\\c\ii zusammendrücken, 
verdichten, filzen", pilalus „dichtgedrängt, dicht" (z. B. agmen 
pilatum) und ^rtAj^Tog. Das Verbum ist abgeleitet von dem 
Stamme nlXo-, in \2X. pile-us und gr. TrtAog „Filz. 'Dass mit 
letzterem pilus „Trupp, Heeresabteilung" identisch ist (Fick 
Wörterb. II 151), bcAveisen die Verbindungen pilatim exercitum 
ducere, pilatum agmen (vgl. gr. Xlri von fiTAw). Als Wurzel 
dieser Wörter betrachtet Fick a. 0. pis in skt. pinashii pidaie 
(aus *pisdaie), gr. TtTiooo) Ttistto aus "^maijoi (Curtius Ver 
bum I. 235). Die zu derselben Wurzel gehörigen ^at. \j^um\ 
„Stengel zum Stampfen, Mörserkeule, Spiess" un d pila ,^lörser 
Pfeiler" sind wol erst auf lateinischem Sprachboden entstanden 
Von diesem pilare völlig verschieden ist pilare „berauben, 
plündern" in compilare, expilare, suppilare, pilatriz. Von den 
Synonymen spoliare depopulari praedari u. a. unterscheidet sich 
expilare bekanntlich dadurch, dass es immer ein'Leermache_n^ 
Auslej^ren bezeichnet. So ergibt sich seine Id^atifat mit gr. 
i||^>ii^^.,^,4rähl machen, bgi^fSben", abgeleitet^örf r^/t^'g ,,naßfetf 
kahl , l^Är**T Das latein. p steht dem griech. xp gegenüber wie 
m pdlpare parus pulex pilus vergjiiohen mit ipjjJ.Mfp'afif^ x pdq 

il.iv IIa dor, ifjikog ~ miXog. 1 '-"^ 

Wie zwei pilare, so müssen, wie mir scheint, auch zwei 

fllum geschieden werden, von denen das eine „Faden, Faser", 

das andere „Gk^alt, Bi^ing, (xättiißg" bedeutet. Denn wie 

sich zwei so verscniedene Begriffe mit einander vereinigen sollen, 

tyerma,g ich nicht zu erkennen. Dagegen stimmt das zweite 

ßlum m seinen Bedeutungen genat^ überein mit^^^w^^,- vgl. 

Jilum mulieris, corporis, oraiionis (d. \ Form, Darstellungsart), 

\mrgo filo liberali und figura muliehris , \oris , oraiionis , homo 

\tenusta ßgura. Es scheint mir hiernach , S^ass ^^m „Gestalt" 

;Hus '^ßglum zu erklären und zw. ßngo zu ziehen ist' 



"L 




250 F. Fröhde 

2) Qhf.lß(0. 

Die Wurzel varj bildet im Sanskrit die Praesentia varjati 
und vrnakti. Die erste Form reflectiren gr. Etqyio, got. vri- 
kan , zu denen sich lat. urgeo aus * norgeo verhält wie mulgeo 
zu d(.UXya) u.a. Die nasalirte Präsensform ist bisher nur im 
Germanischen nachgewiesen; vgl. mhd. renken „biegen, wenden", 
ags. vrenkan „Ränke machen", die auf ein ablautendes germ. 
vrenkan führen = skt vrnakti „wenden, drehen, aus der ur- 
sprünglichen Richtung bringen, ablenken vom Wege", wozu 
tarjana- n. „das Vermeiden, Vernachlässigen". Dieselben Be- 
deutungen zeigt gr. QEi-ißio „drehen, im Kreise bewegen", Pass. 
„umherschweifen, nachlässig handeln", wozu Q^:f^ißc6dr]s „nach- 
lässig". Formell decken sich Qef.ißovoi und vrnjanti völlig; 
denn der Abfall eines Spiranten im griechischen Worte ist von 
vornherein wahrscheinlich (KZ. ''12, 264 ff.), ß und/ entspre- 
chen sich ganz regelrecht (vgl. Qaißog), vor ß aber musste' 
selbstverständlich f.i für v eintreten; vgl. oxa^ißog =r skt 
chanja- und ähnlich ntf.i7ttog = skt. pahcaiha-, rcifJ-Tcelog 
„wackelig" (Beiwort des Alters) = skt. cancala- „beweglich" 
von cal „schwanken, wackeln". 



3) fuscina. 

fnaciria „dreizackige Gabel" kann ursprünglich nur ein In- 
strument zum Stechen fi^deutet haben, denn der Begriff der 
Dreiheit hat in dem Woke offenbar' keinen Ausdruck gefun- 
den. Ebenso bezeichnet gnech. cpäayavov „Schwert, Messer, 
Dolch" ein stechendes Werkzijug. Da nun ay im Griechischen 
scliwerlich ursprünglich und a^ch in /niaya) aus o/. hervor- 
gegangen ist, so möchten wol \ie beiden Wörter zu identi- 
ficiren sein. Als Wurzel bietet siöji die von lat. fodio , ksl. 
hosli „stechen". \ 



Germ, vrisan-. 

\ Altn. n'X, ahd. nVV haben, ^^e altSv «;yv>K^//; u-ibwg" 
zeigtvjmlautenä^s o verloren. Der sich so ei-gebende ptanhn; 
vrisan-^"^ völlig eongruent rfiit skt. vrsimn- „gewaltig, Igross,^ 
männlich",""* welches ganz wie noch heutig „riesig" vonlAllem' 

\ 1 



Etymologien. 251 

gebraucht wird, \va.s sich durch gewaltige, kräftige Erschei- 
nung auszeichnet, vom Männchen des Tiers (Hengst, Stier, 
Löwe, Eber), von leblosen Dingen, die durch Grösse hervor- 
ragen, wie dem Wagen der Götter, Indras Armen, svana- u. a. 
und von den (iöttern. Die Herausgeber des Pet. Wörterbuchs 
weisen die üblicJie Ableitung des Wortes von W. varsh „reg- 
nen" mit Recht zurück und nehmen vielmehr Zusammenhang 
an mit vaHIimanr „Gipfel", va^r^kishia „der höchste, grösste" *). 
Aus dem Griechischen ziehe ich hierher //?^t (stil tov ^ßiäXot /'> 
Hesych.) aus fqig *in ßQirJTtvog „gewaltig schreiend" vom />}t^ 
Ares (II. 13, 521), ßgLaocQ/narog vom Wagen des Ares (Hes. • /: 
Scut. 441), ßqidio „stark sein", ßgiagog „stark, gewaltig", 
.B(l"^a§«w§*^J^^«^,g[e'*>^ „mit gewaltigen. Armen". 

Möglich Wenigstens ist es, dass auch die Eigennamen .^jß^id et c; 
Bgiarjtg .hierher gehören, die auf einen Stamm Bqiao- zu- 
rückführen (Leo Meyer o, p. 20 H'.). Ist diese Annahme rich- 
tig, so würde Bqloo- mit dem Eigennamen Vrshna- unmit- 
telbar verbunden werden können; vgl. d^qaavg : dhrshnus, 
Y.vo6g : lat. cunnus. 

5) Germ, heugan. 

Mit dem altind, hhujati biegen lässt sich got. biuggn '/,(x/.i- 
Ttrsiv, so schön es in der Bedeutung zu demselben passt, ohne 
Annahme lautlicher Anomalie nicht vereinigen, denn die germ. 
W. bug setzt indogerm. hhugh voraus, welches im Sanskrit zu 
*buh geworden sein würde, während skt. bhuj nur aus bhug 
hervorgegangen sein kann (A. H(ovelacque) Revue de linguistique 
6.368, Hübschmann KZ. 23, 388). Im Griechischen haben wir 
nach Analogie von Tvsid^io jciv^og icsvd-SQog ytrjxvg 7Tv&- 
f.iv^v Ttvvd-dvo/iiaL Tväyxv — hahu- Superl. bamliishta- für 
ursprachliches bhugh die Wurzelform ttd/ zu erwarten; sie er- 
scheint in TtTv^ St. TtTV'x aus *7tvx (vgl. TtTiaaio TtxEqva 
nxr]aGOi u. a.) nebst seinen Ableitungen TtTvaow mv'^ig 
7txvyi.ia u.a. Tlrv^ bedeutet 1) ,, Falte, Schicht, Lage, Tafel", 

*) So erweist sich die oben S. 1(J6 dargelegte, mir erst nach Abfas- 
sung dieses Artikels bekannt gewordene Ansiclit Bezzenberger's , dass 
vrisun- mit diesen Wörtern gleicher Wurzel sei, als richtig; hingegen 
lässt sich die Deutung der Riesen als ITöhenbewohner, so schön sie der 
germanischen Vorstellung entspricht, mit meiner Annahme, dass die 
Stämme vrisan- und vrshmt- identisch seien, nicht wol vereinigen. 



•2 A. Bezzenberger 

{wie nhd. böge bogen (Papier) „plagula, eigentlich gebogenes, 
gefaltetes, zusammengelegtes Papier" (Grimm Wörterb. II. Sp. 
219), 2) „Windung, Krümmung eines Gebirges, des Meeres, 
Schlucht", vgl. altn. hogi „Biegung", nhdi Bucht des Tales, des 
Meeres (Grimm, a. 0. Sp. 483). Das vonT TTf t'^ abgeleitete 
nrvooio aus '^Jtxvyjto wird besonders vom Falten der Klei- 
der gebraucht; vgl. Bucht „eine Biegung im Kleide" (Grimm a. 
0.), bügeln, Bügeleisen u. a.; mv^ic, erklärt Hesych. durch 
■/.äuiptg. So zeigt sich in den verglichenen germanischen und 
griechischen Wörtern völHge Congruenz in Wurzelform und 
Bedeutung. 

F. Fröhde. 



Vermischtes. 
1) Zur Lehre von der Reduplication im Litauischen. 

J. Schmidt Vocal. II. 499 betrachtet lit. caweris , väivaras 
das Männchen vom Eichhörnchen als reduplicirt, wie duL-dällw, 
naL-cpäöOio , tcol-jivvw, was ich für nicht richtig halte. Vai- 
ceris darf nicht von mcere (Nesselmann W^bch. S. 87), owerie 
(Geitler Lit. Stud. S. 99) ^j getrennt werden; die Grundform 
beider Wörter kann nur vqverja- sein, deren q einerseits zu a, 
o {vovere, lett. täveris, vävere) , andrerseits zu ai wurde {vai- 
veris, väivaras), vgl. bruiszis aus brtf,szts (preuss. brunse), träi- 
sza aus trqsza (Nesselmann S. 112, vgl. tr^szos Geitler a. a. 0. 
S. 40 Z. 50). Jene Grundform anzunehmen, ist um so not- 
wendiger , als vaiveris neben vovere nicht anders beurteilt wer- 
den darf, als väivaras Heidelbeere (lett. vaivarim Porsch) ne- 
ben voüöras (lett. väveraji) , deren Grundform vqvoras erhalten 
ist (Geitler a. a. 0. S. 120). 

Wir finden hier dieselbe Reduplication, wie in skr. j'anjap- 
yale, dimdahiti, pamphulyate , gr. 7Ti/^i7tQr]/ia, nif.i7tXrjfA.i u. a. ^) 
Sie ist im Lit. in noch einigen Wörtern aiizunehmen, nemlich 
in: gogilöti hastig fressen (aus gqgiloti, vgl. skr. gal verschlin- 

*) In owerie ist v vor o eingebüsst . wie in otceriksztis und ojns; eben- 
so ist V vor ü eingebüsst in ouszus (= vaszas) und oiistai (*t:nsfai) (Geit- 
ler a. a. 0.). 

*) Die Beispiele, welehe man früher angeführt hat. um diese Redu- 
pi icationsweise im Lit. nachzuweisen , sind mehr als zweifelhaft. 



Vermischtes. 253 

gen); vaivolas Hirte (Geitler a. a. 0. S. 119); gaigo in gaigo- 
czus Kostmäkler (Nesselm. S. 243) , altlit. gaigoii an etwas mä- 
keln, das ich als Intensivum des Wurzelverbs ghä (Fick ^ I. 
575) betrachte, vgl. skr. ha verschmähen (in jihäsati er will 
verschmähen PVV. 7. 1591); vakoriksziis (daneben vnveriksztis, 
oweriksziis) Regenbogen (Geitler a. a. 0. S. 119) neben ord- 
rykszte. Vaivoriksziis beruht auf der durch Prothese eines v 
entstandenen und demnach späten Form '*vordnkszü's (voras fin- 
det sich bei Schleicher zu Donal. S. 338, vgl. Kurschat Gram. 
§ 1004); die in Rede stehende Reduplicationsweise ist also im 
Litauischen sehr lange lebensfähig gewesen, oder ist es noch. — 
In allen bisher angeführten Wörtern enthielt die Reduplications- 
silbe den anlautenden Consonanten des der reduplicirten Form 
zu (jrunde liegenden Wortes und a-j- Nasal; dieses a ist zu- 
weilen zu e geworden, das sich mit dem folgenden Nasal zu ^ 
verband und weiter in e oder e überging, vgl. pepala (oder 
pepala?) Wachtel (Nesselm. S. 285; Nom. PL piepalas Bretk. 
II. Mos. 16. 13) neben preuss. penpalo und lett. pdipala : alt- 
lit. giegals Taucher, preuss. ^e<7«/w neben lett. gaigale eine Mö- 
wenart, \\t. gaigals Enterich; endlich auch preuss. tceware, ksl. 
veverica (aus venv-) neben vaiceris, vovere s. o. 

Ausser der besprochenen Reduplicationsweise kennt das 
Lit. nur noch die andere, einfachere, nach der die Reduplica- 
tionssilbe durch den anlautenden Consonanten der nicht-redu- 
plicirten Wortform -\-e (bez. eine Umgestaltung von e) gebildet 
wird, wie in szeszelis Schatten = skr. gicira Kühle, dedervine 
Hautflechte neben skr. dadrü Hautausschlag. 

2) Zend. urcäta. 

Roth hat in seiner kürzlich erschienenen Abhandlung „lie- 
ber Yagna 31" (Tübingen 1876) zend. urväta treffend zu skr. 
pratd gestellt. „Die Schreibung urvä im Anlaut, metrisch ein- 
silbig, ist noch nicht erklärt". Auch ich vermag das anlau- 
tende urv für or nicht mit Sicherheit zu erklären und erinnere 
nur an die altfries. Wörter ruald, rueka, in-ruesze ifiir n:rald, 
icreka, in-wresze , vgl. Jak. Grimm bei v. Richthofen Altfries. 
Wbch S. 11G4), die vielleicht zur Erklärung jener Schreibung 
dienen können. — Skr. vraid bedeutet nach dem Petersb. Wbch. 
„Wille, Gebot, Gesetz, vorgeschriebene Ordnung, Botmässig- 



254 A. Bezzenberg-er 

keit, üeliorsam, Gebiet, Beruf, Amt, gewohnte Tätigkeit, 
Pflicht, Gottesdienst, Regel, Gelübde" u. a. Alle diese Bedeu- 
tungen beruhen auf den beiden „Gebot" und „Verpflichtung" 
(„Verabredung"), die auch zend. urcäta (nach Justi: „Ueber- 
einkunft, Lehre, Gesetz") zeigt. Die Wurzel beider Wörter ist 
nicht var ,, wollen", sondern cur „sprechen", und urväia ent- 
spricht ganz genau dem griech. qr^xo- vgl. qr^tä verabredete Be- 
dingungen, kypr. fqijzal Verabredungen, Vertrag, fQt]Tdof.iai \ 
ich verabrede, verpflichte mich (Deecke und Sigismund in Cur- * 
tius Stud. VII. 247) und^A|r^a Verabredung, Vertrag, Ueber- 
einkunft, Gesetz (in der letzteren Bedeutung nur von den un- 
geschriebenen Gesetzen des Lykurg gebraucht). Neben der 
Wurzelform jzqi] liegt im Griech. /qs in s^Qsd^riv, elqeS-rjv; an 
diese schliesst sich skr. ( vraicf an , das demnach nicht ganz 
genau mit urväia übereinstimmt, obgleich beide unter einer 
Grundform vartd- sich wol vereinigen Hessen. — Ist das be- 
merkte/richtig, so muss die Zusammenstellung von ^vAvratd 
mit gv.\ioQTri (Fick Vgl. Wbch. ^ I. 211) zum mindesten für 
unsicher gelten. 

3) Zend. urvaeza. 

urvaeza findet sich nur in dem ana^ Xsyojuevov urcaezC- 
maidhya Yt 17.11, das von Justi durch „mit schlanker Taille" 
und von Spiegel (Avestaübers. III. 168) durch „mit schlanker 
Mitte" zutreff"end übersetzt ist; eine Etymologie von urvaeza- 
ist, so viel ich weiss, bisher nicht aufgestellt. Es beruht nach 
meiner Meinung auf ^vraeza- — gr. qaißog krumm, gebogen, 
bes. einwärts gebogen = got. vraiqs ayioXiog (Fick a. a. 0. III. 
308)^); kaintno urvaezumaidhydo sind demnach „Mädchen, de- 
ren Mitte (sehr) (einwärts) gebogen ist", dh. die eine schlanke 
Taille haben. Ganz ebenso bedeutet skr. natamadhyadega ei- 
gentlicli „die Mitte des Leibes gebogen, gekrümmt (vertieft) 
habend", dann aber „mit schlanker Taille", vgl. Sucruta II. 
483 Z. 5 ff. : 

pi\natyayeshu vikatorunitambavatyah 
pinonnatastanabharä n a t a m a d h y a d e g a li j| 
praudhah striyo 5 bhinavayauvanapinagätryah 
sevyäcca pancavishaya,ti(;-ayasvabhäväh j 

^) iJJy von J. Peters Gotisclio. Conjectiireii S. 9 vorgescUlaf^fiii«.- Aeii- 
derutig- von vraiqs in vraips halte ich für unnötig-. 



V^ermischtes. 255 

unxieza- weist auf grundsprachliches vraighi zurück, wäh- 
rend gaißog und vraiqs auf vraiga berulien (Hühschraann KZs. 
23. 387). Die letztere Form ist nach Ausweis von skr. vrj 
{vrndkti), gr. gsfißto, germ. wenhan (Froehde o. S. 250) die 
altertümlichere; urvacza- schliesst sich an sie an, wie haeshaz 
an skr. hhishaj {hhishdkti) (vgl. Hübschmann a. a. 0. S. 395). 

4) Karisch ßavda, ytXav, yiaaa, lydisch-thrakisch ßaadga. 

Das^Njer Name '"^r karischen Stadt ^^^f^ßavöa die Wörter 
ala Pferd uhd /?«»'()« Sifeg,^^enthalte , wie Steß^ha,nus v. Byzä'Bz 
(ed. Westermann'- p. 30) angibt, ist mir sehr zweifelhaft, da 
l4Xaßavöa von den karischen Städtenamen ^!AXivda , KaXvvöa, 
Kvllavdog, ^aßgavöa, ^rjip^fiavöog, von Tllyivda, dem Namen 
eines karischen Demos, von den lykischen Städtenamen ^4qv- 
■/.avöa, Q()vavda, Olvoavda, dem pamphylischen Stadtnamen 
^L^ajtevöog und dem lykaonischen Stadtnamen ^aqdvöa, die of- 
fenbar alle suffixales -vd- enthalten, kaum getrennt werden 
darf. Die Ueber lieferung der Wörter oÄ« und ßdväa bleibt 
deshalb jedoch zu Recht bestehen und ich stimme de Lagarde :. 
bei, wenn er (Ges. Abb. S. 269) smi Grund dieser W^örter denl' 
semitischen Character der karischen Sprache bestreitet, wenn ">' 
ich auch ßdvöa 3,^ber zu zend. vainti , vanant als zu npers. 
band in devhand , zend. handa (Justi Zendspr. s. v.) stellen 
möchte. 

Für die indogerm. Herkunft der karischen, oder, wie viel- 
leicht richtiger gesagt wird, der lelegisch-karischen Sprache 
(vgl. Deimling Die Leleger S. 27) spricht auch das Wort^*Ä!ßy, 
das Stephanus v. Byzanz unter ^iovdyybXu (vgl. Qmyyel^ über- 
liefert und durj&b"/^a(T/Af'« übersetzt fde Lagarde a. a. Q.). Es 
gehört u»5;\veifelhaft zu lit. Q^ti^i (alt auch g^l^-tffKÖnnen, 
verjaiögen, ffcilß/ms ein Mächtiger, ein grosser llerr, ks\. mleffiu 
magnus (Fiök V^l. Wbch. ^n. 551). IVIit diesem y§^v ist viel- 
leicht identisch, /iaAj^*^das ph^ygi^che V^lovX^^^S ^ -^ ^^^i^ii i^'fi^ 
Lagarde a. a. OTS. 285], ^veTches ^fedocli von Fick (Die ehe- 
malige Spracheinheit der Indogermanen Europas S. 412) zu ksl. 
dpi^7 mäjp*<praestantior gestellt wird. Jedenfalls lässt die 
'^ehnlictikeit jener Wörter die Möglichkeit einer nahen sprach- 
lichen Verwantschaft der Phryger und' Karer als nicht undenk- 
bar erscheinen und deshalb ist es nicht gefa'Een, karisch aovav, 




256 A. Bezzenberger Vermischtes. 

das Steplianus v. Byzanz durch rmpov übersetzt, als kovav 
aufzufassen und zu lat. cuvea (vgl. darüber Fick Vgl. Wbch. -^ 
II. 62) zu stellen, da k im Phrygischen als k erscheint (Fick 
Spracheinheit S. 413) i). ^ 

Karisch ylffua (yiaoa xfj Kaqiov (finsvf] U&og f^Qm^verai. 
y.ai vvv Toy4 TiXaKiodeig xat (.lala-Ku^ug ?u&ovg y'ipim XfyoiGi. \ 
de Lagarde a. a. 0, S. 269) isfc-'älid. /mhd. kis ^^%. \ 

Die lydisch-thrakische Bezeichnung IL^^" xixmv oder einer \ 
Art von y^ixiäv. ßaactqa. (ßaaoaQa vgl. de Lagarde a. a. 0. SS. 
271, 278) ist aus /aardga, ^aaxqa entstanden und entspricht 
genau skr. vdslra Gewand, Zeug, vgl. an. vesl schützendes 
Oberkleid. ,, ""?Sc^-^^ 

f)) (Üälay^. j 

0aXay^ in seiner doppelten Bedeutung „Schlachtreihe, 
^Reihe oder Glied der Schlachtoji'dnung" (davon übertragen 
„Glied" überhaupt) und „FIoJ*«tS2mi3är^(dann, weil Holzstärame 
als Walzen benutzt wurden, übertragen „Walze, Rolle") schliesst 
sich auf das engste an an an. ß<fl/& „fealken" (SchsidewäH^) 
und „Abteilung, Haufen" (vgl. Cleasby-Vigfussön Icelandic^Engl. 
Dictionary s. v.) und gehört mit ihm unzweifelhaft zu der o. 
S. 68 von Fick aufgestellten ^hhalg (ßlccTtTto sufßdmen, bdlkr). 
Mit (fdXay^ aus "^(pläy^ v^leichen sich hinsichtlich seiner Bil- 
c|ung zunächst ^estislimd. W(?>h4i (Cleasby-Vigfusson s. y.planki), 
nuHj. ih^dd. blande Plaitk^, dicm^Brel^L Bohle , die nicht mit 
planki, ptanke , die aus lat. planca entlennt sind, zusammen- 
geworfen werden dürfen. 

Als Reflexe der ^bhalg sind wol auch lit. balzmasy bal- 
zena , balzino P^ggbalken , Eggscheide und die von Fick Vgl. 
Wbch. ^ II. 752 unter balz stützen aufgeführten Wörter zu be- 
trachten. 



*) BiQtxvvrni geliört nicht zu skr. hhrdc (Fick S. 412) , sondern steht 
für fQfxvvTia^ vgl. Gott. G. Anz. 1875 S. 1325 N. Meine dort ausge- 
sprochene Vermutung, dass in ABAZlAA[AKIO der Name der gross- 
phryg. Landschaft Aßaatrii stecke, nehme ich zurück, da nach einer 
freundlichen Mitteilung meines Collegen Niese 'AßaaCridog Strabo XII. 57ß 
fehlerhaft für l^ßueirid^og steht (vgl. Franz Fünf Inschriften und fünf 
Städte in Kleinasien, Berlin 1840, S. 26 Anm. 5). 

Adalbert Bezzenberger. 



257 



Die Etruskischen Zahlwörter. 

Die etruskischen Inschriften, in denen nachweislich Zahl- 
wörter vorkommen, sind folgende, nach den Fundorten ge- 
ordnet. 



Toscanella (Tuscania). 

1) Zwei Elfenbeinwürfel, cubisch, 23™" gross, 1848 von Se- 
condiano Campanari ausgegraben, später im Besitze des 
Herzogs von Luynes, jetzt in dessen Sammlung im Medaillen- 
cabinet der Nationalbibliothek zu Paris (n. 816 u. 817). Die 
folgenden Diagramme habe ich zuerst durch die Güte Isaac 
Taylor 's bekommen; dann hat im Herbste dieses Jahres mein 
Freund und College Dr. Blaum auf meine Bitte während eines 
Aufenthaltes in Paris selbst eine Copie der Würfelinschriften 
genommen. 

a) n. 816. b) n. 817. 





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2) Inschrift eines Travertinsarkophags aus dem Grabe der 
Vipinana, das 27 grosse Särge enthielt, jetzt im Britischen 
Museum. Auf dem Deckel ruht ein Mann. 

vipinans : s'eöre : velöurfus] : meölasial : Öan/vilu : 

avils : eis : cealx^s 
Fabr. C. I. nT 2108; t. XXIX, nach Conestabile Spicil. See. 
p. 14, t. IV^; vgl. Deecke Etr. Forsch. I, p. 23 ff., n. 19. 

Beiträge z. Kunde d. ig. Sprachen, i. 18 



258 W. Deecke 

3) Inschrift am Deckel eines Sarges aus demselben Grabe, 
vipinanas : vel : cla|nte • ultnas : la6al clan j 
avils : XX : tivrs ; s'as 

Fabr. ibid. n. 2119, nach See. Campanari Tuscania II, 7; 
t. I, n. 13, verbessert P. Spl. p. 113; vgl. Corssen I, p. 701 ff. 

4) Inschrift einer Aschenurne, vielleicht aus einem Grabe der 
Ceise. 

laröi • ceisi • ceises • velus • velisnas • ravnöus • 

sex i avils • s'as • amce • uples 
Fabr. C. I. n. 2104, nach See. Camp. Tuscania ibid. n. 14; 
vgl. Corssen I, p. 699 ff.; Deecke P^tr. Forsch. I, p. 22, n. Iß. 

Volci. 

5) Eingehauene und roth ausgemalte Inschrift am Deckel ei- 
nes grossen Nenfrosarkophags aus dem Grabe der Tute, in ei- 
nem Magazin des Fürsten Torlonia zu Castel Musignano. 
Auf dem Deckel ruht ein Mann. Rohe Arbeit. 

tu/es • s'eöre • laröal • clan pumplialx ' velas • 

zilax«uce | zilc ti • purts'vavct« * lupu • avils • ma/s * 

zaörums 

Fabr. C. I. P. Spl. n. 388, nach Heibig Bull. d. Ist. 1869, 

p. 172 ff; vgl. Corssen I, p. 663 ff.; t. XIX, 1; Deecke Etr. 

Forsch. I, p. 19, n. 10. 

6) Eingehauene Inschrift am oberen Rande eines ähnlichen 
Sarkophags aus demselben Grabe, am gleichen Orte verwahrt. 
Das Relief der Vorderseite zeigt den Todten als Staatsbeamten, 
in der Toga, auf einer Biga stehend; zwei Lictoren mit Bün- 
deln gehen voran, zwei Diener folgen. An der rechten Seite 
zwei Hornbläser. 

tute : lar6 : anc : farOna/e : tute : arnöals : lupu : 
avilsesals : cezpal/als | haOlials : ravnöu : zilynu : 
cezp z purts' vana : 6unz. 
Fabr. ibid. n. 387, nach Hei big ibid. p. 173 ff,; vgl. Cors- 
sen I, p. 746 ff; t. XIX, 2; Deecke Etr. Forsch. I, p. 28, 
n. 48. 

Corneto (Tarquinii). 
7> Eingehauene Inschrift in meist eckigen und alterthümli- 



Die etruskischen Zahlwörter. 259 

Buchstaben auf einem Nenfrosarkophag aus dem Grabe der 
Aisina, von der Gräfin Bruschi 1873 aufgedeckt. 

velöur laröal • clan j pumpualclan • lar6ial | avils . 

ceal/Is • lupu 
Fabr. C. I. See. Spl. n. 112, nach Ed. Brizio; vgl. Corssen 
I, p. 659 ff.; Deecke Etr. Forsch. I, p. 20 ff*., n. 14. 

8) Eingehauene und roth ausgemalte Inschrift ähnlicher Art 
am Deckel eines Nenfrosarkophags aus demselben Grabe. 

larO • avles • clan | avils hu6s • | muvalxls • lupu 
Fabr. ibid. n. 115, nach demselben; vgl. Corssen I, p. 662. 

9) Schwarzaufgemalte Inschrift eines Sargdeckels aus demsel- 
ben Grabe (Fabr. ib. n. 116; Cors. ib.). 

larö : larÖial : avils : huös : lu[p]M 

10) Inschrift eines Sarkophags von Poggio del Castelluc- 
cio, 1854 gefunden, jetzt im Garten Falgari, der Gräfin 
Bruschi gehörig. 

a«icne . . «eltna : turefnesi- 

övas I avilscis • muval/l . . . 
Fabr. C. I. n. 2335, d, nach Hübner Bull. 1860, p.l48, n.3»>. 
Die erste Zeile ist jedenfalls arg verlesen. Die Inschrift des 
Deckels s. Fabr. ibid. c, nach Hübner ibid. 3* ; vgl. Deecke 
Etr. Forsch. 1, p. 16 ff., n. 8. 

11) Eingehauene Inschrift am oberen Rande (nach Fabretti 
am Deckel) eines schwarzgrauen Peperinosarkophags aus dem- 
selben Grabe, an gleichem Orte verwahrt. Auf dem Deckel 
liegt ein Mann. Die Vorderseite zeigt in flachem alterthümli- 
chem Relief den Todten auf einer Biga, begleitet von einem 
geflügelten Dämon; vorn 8 Männer, hinten 2. 

larö • arnOal ' plecus : clan : ramOasc : apatrual : 
eslz • I zila^nöas ; avils : öunes'i : muvalxls: lupu 

Fabr. ibid. a, nach Hübner ibid. n. 1; vgl. Corssen I, p. 

552 ff., der ramöasv und Öuns s'i liest; Deecke Etr. Forsch. 

I, p. 17, n. 9, wo auch über das Verhältniss dieser Inschrift 

zu derjenigen des Deckels von n. 10 gesprochen ist. 

12) Inschrift am Deckel eines grossen Sarkophags der Villa 
Averardi. 

laröi einanei • s'eöres • sec • ramOasurus'la | ec- 
natial • puia • larOl • cuclnies • vel6[urus] | avils • 
huöscelxls 

18* 



260 W. Deecke 

Fabr. C. I. P. Spl. n. 437, nach eigener Copie; vgl. Corssen 
I, p. 660 ff.; Deecke Etr. Forsch. I, p. 15 ff., n. 7. 

13) Schwarzaufgemalte Wandinschrift des Grabes der C ei- 
sin i, 1735 entdeckt. 

ramöa " matulnei • se^ ' marces * matulwa[s] . . . . ) 
puiam • amce • se6res ceis[in]ies • cisum • tarne 

[ra] . u I laf . . . nasc • matulna sc • cla- 

lum • ce s • ci clenar • m • | a avence-lupum* 

avils[' m]axs • meal/lsc • eitvapia • me .... 
Fabr. C. I. nT^MO, nach G^ori Mus. Etr. III, cl. II, t. VII, 
n. 3—4 und Maffei Osservaz. letter. V, p. 310, t. III; vgl. 
Corssen I, p. 704 ff., der Z. 3 afuna und ceisies ergänzt, 
Z. 4 afuna und mene (?); Deecke Etr. Forsch. I, p. 31 ff., 
n. 56. 

14) Schwarzaufgemalte Wandinschrift neben dem Zuge eines 
reitenden Feldherrn in einem 1864 von der Gräfin Bruschi 
entdeckten Grabe. 

Oui • ciei • a.utniaö : | vel • velus'a • avils | eis • 

zaörmisc | s-e . . . r : auis'a 
Monum. InedTVIU, t. XXXVI, vgl. Brunn Ann. d. Ist. 1866, 
p. 422 ff. — Das Grab scheint nach andern Inschriften einer 
Familie ap(u)na gehört zu haben, deren Name vielleicht auch 
in der ersten Zeile obiger Inschrift steckt. Statt clÖi lasst sich 
su6i vermuthen. Die vierte Zeile ist ganz dünn und fein und 
theilweise unleserlich geschrieben. 



Viterlio und Umgegend. 

15) Erhabene Inschrift eines grossen Sarkophags aus dem 
Grabe der Churchle, jetzt, nach dem Tode des Hrn. Lat- 
tanzi, im Besitze des Hrn. Franc. Bomba in Vetralla. 
Auf dem Deckel hegt ein Mann, in ein Tuch gehüllt, ein Hünd- 
chen in der Hand. An der Vorderseite ein ReHef von zwei 
Cestuskämpfern mit zwei Dämonen und einem Seedrachen: auf 
der rechten Schmalseite ein Mann zu Ross. 

Iar6 : xur/Jes : arnOal ^uryles : fJanxvilusc : cra- 
cial I clan : avils : ciemzaörms : lupu 
Fabr. C. I. n. 2071, nach JohTFo rchhammer bei Henzen 
Bull. 1853, p. 184, und Orioli Album XIX, 173; vgl. Cors- 



Die etruskischen Zahlwörter. 261 

sen I, p. 656 ff.; Deecke Etr. Forsch. I, p. 8 ff., n. 1 ; im 
Herbst 1875 von mir revidirt. 

16) Aehnliche Inschrift aus demselben Grabe, ebendort ver- 
wahrt. Der Mann auf dem Deckel ist bekränzt, am Oberkör- 
per nackt und hält einen zerbrochenen Becher in der Hand. 
An der Vorderseite zwei Männer, mit zwei Tritonen kämpfend. 

arnö : -/urcles : larßal : clan : ram6as : wevtnial : 
zilc : parxis : amce | marunu/ : spurana • cepen : 
tenu : avils : maxs semcpal/ls lupu 

Fabr. ibid. n. 2070, ebendorther p. 183; Orioli p. 173; vgl. 

Corssen I, p. 703 ff.; Deecke Etr. Forsch. I, p. 11 ff., n. 2; 

im Herbst 1875 von mir revidirt. 

17) Eingehauene Inschrift am Deckel eines Sarkophags von 
Nenfro aus dem grossen Grabe der Alethna bei Viterbo, das 
über 40 Särge enthielt. 

aleönas • v • y • öelu : zilaö • parxis | zila8 • ete- 

rav • clenar . ci • acnanasa |»lss'i • zilax'^u • ce- 

lus'a • ril XXVIIII | papalsea • acnanasa • VI • ma- 

nim • arce • ril LXVII 

Fabr. ibid. n. 2055; P. Spl. n. 111, nach Bazzichelli bei 

Orioli Bull. 1850, p. 92 ff.; vgl. Corssen I, p. 677 ff., der 

clenarci und li (?) statt VI liest. Im Herbst 1875 von mir 

revidirt. 

18) Eingehauene Inschrift auf der Brust eines auf dem Deckel 
eines ähnlichen Sarkophags liegenden Mannes, der eine Trink- 
schale in der Hand hält; aus demselben Grabe. 

arnö • ale6n|as • ar • clan • ril | XXXXIH • eitvatat 

mera • s'arvenas | clenar • zal * arce • acnanasa • 

zilc • mar|unuxva • ten8as • e8l • | matu • manimeri 

Fabr. ibid. n. 2056, ebendorther p. 40 u. 92; vgl. Corssen 

I, p. 682 ff., der marvenas und clenarzal liest. Im Herbst 

1875 von mir revidirt. 

Orvieto (Volsinii?). 

19) Schwarzaufgemalte Wandinschrift auf dem Gewände ei- 
nes Knaben im ersten Golini 'sehen Grabe, demjenigen der 
Leinie. 

vel • leinies : laröial * Qura * arnöialum ( clan ve- 
lusum : prumaös' • avils • sewqps' | lupuce 



262 W. Deecke 

Fabr. ibid. n. 2033, bis; par. 6 (D), c, nach eigener Copie; 
vgl. Co n est. Pitture murali a fresco e suppellettili scoperte in 
una necropoli presso Orvieto p. 44 ff.; Corssen I, p, 649 ff., 
der ruka und 8es6s liest. Im Herbst 1875 von mir revidirt. 



Perugia. 

20) Der grosse Travertincippus (Fabr. ibid. n. 1914; t. 
XXXVIII; Conest. Mon. Perug. IV, p. 511-35; t. I, n. 1; 
Corssen I, p. 881 ff., t. XXII) der Velthina und Afuna 
scheint an drei Stellen Zahlwörter zu enthalten, von denen die 
erste allerdings etwas zweifelhaft ist. Die Inschrift ist einge- 
meisselt und roth ausgemalt, und steht auf zwei Seiten (Au. B). 

a) naper sranczl Öiifalsti • v (A, 15)- 

b) elöina hutnaper • penezs' (A, 16) 

c) hen • naper • cicnlhareutus'e (A, 24) 

In allen 3 Fällen steht 'naper dabei, das auch A, 5—6 mit 
dem Zahlzeichen XII vorkommt. Im Herbst 1875 von mir re- 
vidirt. 

Volterra. 

21) Inschrift auf zwei Seiten eines würfelförmigen Tufsteins 
vom Eingange eines Grabes, wo er von Thonsachen umgeben 
stand, jetzt im städtischen Museum. 

tites'i : caleis'i 
cina: es': mestles 
huö : naperlescan 
letem : 8ui 
aras'a : 6entma 
selaei : trecs 
öens'i : meuaöa 

Fabr. ibid. n. 346; t. XXV, nach eigenem Abklatsch; vgl. 
Corssen I, p. 618 ff. Im Herbst 1875 von mir revidirt, wo- 
bei ich zweifelnd letes'i und 8ens'i angemerkt habe. 



Wörter mit Zahlenbedeutung hat man ferner in folgenden 
Inschriften zu erkennen geglaubt, oder könnte sie wenigstens 
darin finden. 



Die etruskischen Zahlwörter. 263 

22) Inschrift an einem sculpturgeschmückten Sarkophag aus 
dem Grabe der Alethna zu Viterbo (vgl. n. 17 u. 18). 

. . . ? av [le • ale] 6wa« [ajrneal cla[n •] öanxvilusc * 
ruvfial • zilax[nuce] j . . . ? spurc6i • apasi • svalas* 
marunu/va cepen • tenu • eprönevc • eslz te • • j 
epr8weva • eslz 
Fabr. ibid. n. 2057"; P. Spl. p. 111, t. X B, nach Bazzi- 
chelli; vgl. Corssen I, p. 665 ff.; Deecke Etr. Forsch. I, 
p. 12 ff., n. 3. — Ob im Anfange der ersten und zweiten Zeile 
etwas fehlt, ist zweifelhaft. — Zu elsz vgl. n. 11, und esals 
n. 6 

23) Fragment einer Inschrift von einer arca bisomos aus 
Bomarzo, einst bei Hrn. Basseggio zu Rom, jetzt verloren. 

zilaxnce avil • si 
Fabr. ibid. n. 2432, nach See. Campan. Giorn. Accad. CXIX, 
325; vgl. Corssen I, p. 676. — Da vielleicht avils zu lesen 
ist, so kann der als i gedeutete letzte Strich auch einer Ziffer 
angehört haben, so dass gar kein Zahlwort vorläge. 

24) Inschrift eines Sargdeckels mit Mannesfigur aus dem 
Hauptgrabe der Geicna (Caecina) zu Volterra, im dortigen 
städtischen Museum. 

ceicna • a • [tjlapuni • avils' . . 
Fabr. ibid. n. 309, nach eigener Abschrift. — Lanzi Saggio 
II 2, p. 356, n. 47 las avils • s' . . Der Punct ist jedenfalls 
undeutlich, aber es heisst sonst stets avils. 

25) Inschrift am Deckel eines grossen Sarkophags aus Cor- 
neto, im Garten Falgari, der Gräfin Bruschi gehörig (vgl. 
n. 10—11). 

pumpui : larbi puia laröal : cislevsijnas av/es'la 

sex sewiinal öaan/vilus 
Fabr. C. I. See. Spl. n. 107, nach Ed. Brizio; vgl. Corssen 
I, p. 801 ff.; t. XIX, B, 4, der avies'la und seviinal liest; 
Deecke Etr. Forsch. I, p. 21 ff., n. 15. — Corssen hat eis 
von levsinas getrennt und sieht darin dasselbe eis wie in ei- 
nigen der obigen Grabinschriften (= lat. hie, „hier"); Fa- 
bretti hat clevsinas, vgl. Deecke Kritik p. 12. Ich erin- 
nere an xisvlics' (Fabr. C. I. n. 1922). 

26) Schwarzaufgemalte Wandinschrift in der Grotta delle 
Iscrizioni zu Corneto, neben einem Bilde des Priapus (?). 



264 W. Deecke 

civesanaraatvesicalesece ' ewrasvclesvas • fes- 
öixvaxa 
Fabr. C. I. n. 2301, nach Kell er mann Bull. 1833, p. 60, 
n. 27; dagegen t. XLII, nach Mus. Etr. Vatic. I, t. CHI; vgl. 
Corssen 1, p. 533 ff., t. XVI, 1, in der jetzigen Gestalt, wo 
civesan im Anfange und x^ a,m Schlüsse verblichen sind. 
Auch hier sieht Corssen dasselbe ci; vgl. Deecke Kritik 
p. 12. 

27) Inschrift auf dem Deckel eines grossen Sarkophags von 
Poggio del Castelluccio, im Garten Falgari, der Gräfin 
Bruschi gehörig (vgl. n. 10 — 11; n. 25). Der Sarkophag 
selbst mit flachen und alterthümlichen Reliefs trägt eine zweite 
Inschrift (Fabr. C. I. n. 2335 "). 

cawnas : larQ • laröals' : atnalc • clan an • s'uöi 
lavtni : zivas • ceri)(M | tesamsa s'uöiö atrs'rc • es- 
cunac • alti • s'wöi timun8 zivas murs'l XX 
Fabr. C. I. n. 2335, nach Hübner Bull. 1860, p. 148, n. 2» ; 
vgl. Corssen I, p. 559 ff.; t. XVII, 1, der canpnas liest, 
tesam sa trennt und in letzterem dasselbe Wort, wie s'as in 
einigen der obigen Grabschriften erkennt. Vgl. auch Deecke 
Etr. Forsch. I, p. 28 ff., n. 49; Kritik p. 12. 



Dass nun aber auf den Würfeln und in den Grabschriften 
u. 2 — 21 wirklich Zahlwörter (in den unterstrichenen Wör- 
tern) vorliegen, ist in meiner Kritik „Corssen und die Sprache 
der Etrusker" hinreichend nachgewiesen worden. Es ergiebt 
sich dabei, dass die Angabe des Lebensalters, die auch in Zif- 
fern nicht häufig ist (etwa 130 mal, meist aus Südetrurien), in 
Zahlwörtern sehr selten vorkommt, nämlich nur 16 mal (dar- 
unter einmal gemischt, n. 3), und zwar nur in der Südwest- 
ecke des eigentlichen Etruriens, in dem engen Dreiecke zwi- 
schen Vulci, Viterbo und Corneto; nur einmal begegnet etwas 
weiter nördlich in Orvieto eine Wandinschrift mit dem Lebens- 
alter in einem Zahlwort (n. 19). Von jenen 15 Inschriften fer- 
ner sind nur 2, aus Corneto (n. 13 u. 14), Wandinschriften, 
die übrigen stehen an grossen Sarkophagen und Aschenkisten, 
meist sorgsam eingehauen , mehrfach mit alterthümlich eckiger 
Schrift. Aus jener selben Gegend stammen auch die beiden 
Würfel, sowie die 3 Inschriften, in denen ein Zahlwort mit 



Die etruskischen Zahlwörter. 265 

clenar „Söhne" verbunden ist (n. 13; 17; 18), endlich die 
beiden mit zil/nu : cezpz (n. 6) und eslz • zilaxnöas (n. 
11); auch 8unz (n. 6) und das doppelte eslz (n. 22) gehören 
dahin. Ausserdem finden sich sichere Zahlwörter nur auf je 
einem Denkmal aus Perugia und Volterra, mit dem Worte na- 
per verbunden, von Corssen (I, p. 495) als „conditivum" 
erklärt, zur indogermanischen Wurzel nabh „verhüllen" gehö- 
rig. Im Allgemeinen also waren die Etrusker in schriftlicher 
Anwendung der Zahlwörter sehr sparsam, wie denn auch die 
beiden Würfel neben Hunderten anderer mit Augen versehener, 
in etruskischen Gräbern gefundener, ganz isolirt stehen. 

Gehen wir zur Deutung über, so bezeichnen die Wörter 
auf den Würfeln, etruskisch alphabetisch geordnet 

ci, zal, hu6, 6u, ma^, s'a, 
zweifelsohne die Einer von 1 — 6; die schwierige Frage aber ist, 
in welcher Reihenfolge. Die Würfel selbst geben darüber kei- 
nen Aufschluss. Wären sie wenigstens parallelepipedisch, 
so könnte man eine von dem Chefingenieur der Stadt Bologna, 
Caval. Ant. Zannoni, dem hochverdienten Entdecker der dor- 
tigen Nekropolen, gemachte Beobachtung verwerthen, wonach 
bei den 6 bisher aufgefundenen parallelepipedischen Würfeln 
aus dem etruskischen Bologna, wie ich mich im Herbst 1875 
selbst überzeugt habe, die Zahlen 1 und 2 auf den kleinsten 
Seiten stehen, 3 und 4 auf den mittleren, 5 und 6 auf den 
grössten. Oder fehlten zwei Seitenflächen, wie bei vielen rei- 
henweise verbundenen etruskischen Würfeln, so würde man 
nach deren Analogie wissen, dass dies die Flächen mit 2 und 
5 wären. Nun aber sind die Würfel cubisch und vollständig: 
die Zahlwörter aber stehen in allen Diagonalen ohne jede Ge- 
setzmässigkeit, auch bei beiden Würfeln verschieden, so dass 
kein Anfang zu entdecken ist. Als einziger Anhalt könnte be- 
trachtet werden, dass, wenn man die Würfel so nebeneinander 
legt, dass in beiden ma/ in der zum Schreiben natürlichsten 
Diagonale steht, nämlich von rechts oben nach links unten, 
die sämmtlichen übrigen Flächen sich in Bezug auf die in ih- 
nen enthaltenen Wörter decken; aber die Richtung entspricht, 
wie die obigen Diagramme zeigen, auch nicht bei einem einzi- 
gen Worte, und selbst in dieser Unregelmässigkeit ist kein Ge- 
setz zu entdecken. Legt man dagegen die W^ürfel so, dass ir- 
gend ein anderes Wort in beiden die gleiche Richtung hat, so 



266 W. Deecke 

entsprechen sich nicht einmal die übrigen Wörter, die Unre- 
gelmässigkeit ist dann also noch grösser. Dennoch ist es wohl 
dieser Anhalt gewesen, auf welchen hin, wie Dr. Braun in 
in der Sitzung des archäologischen Instituts zu Rom vom 7. 
April 1848 (Bull. p. 73) mittheilte, Domenico Canipanari 
zuerst den Versuch einer indogermanischen Ableitung jener 
Zahlwörter gemacht hat, indem er may = l setzte. Es heisst 
dort p. 74 in Bezug auf die Würfel: ora il sign. Dom. Cam- 
panari ha fatto l'ingegnoso esperimento di porli a compara- 
zione con altri dadi antichi, dove i numeri trovansi indicati 
con occhj numerici, e ponendo il „max" col n. 1, il „8u" ha 
corrisposto perfettamente al n. 2 del medesimo dado, e cosi il 
„zal*' al n. 3, ed il „hu8" al n. 4, mentre „ci" = 5, e „s'a" 
= 6 venivano a stare sui fianchi precisamente come presso gli 
altri dadi antichi. Hiernach bot sich von selbst die Combina- 
tion von ma/ mit griech. /^la, wozu ich selbst noch, mit feh- 
lendem i, ,«a-x«AAa (neben di-KElXa) und fuo-vv^ hinzufüge, 
während das x dem k von sansk. e-ka, dem c von lat. uni-cus 
verglichen werden kann, auch dem y von etr. rumax = Ro- 
manus, cusiax = Cosanus u. s. w. zu entsprechen scheint (0. 
Müller Etr. P, p. 501); ferner entspräche 8u mit doppelter 
Lautverschiebung dem Stamme des sansk. dv-a, lat. du-o; zal 
wäre aus *tar als vermuthetem Stamme von sansk. tr-i, lat. 
tr-es entstanden, vgl. ter-tius, ter-ni, wobei t entweder 
durch Aspirirung, wie im Germanischen, oder durch Assibili- 
rung (durch die Mittelstufe s) in z übergegangen wäre; huö 
enthielte mit einfacher Lautverschiebung beider Consonanten 
den Stamm von sansk. cat-var, lat. quat(t)-uor, wobei die 
Verdumpfung von a zu u keine Schwierigkeit macht; ci wäre 
der Rest von lat. qui-nque, vgl. qui-ni; s'a derjenige von 
sansk. sa-s, lat. se-x, vgl. se-ni. So bestechend dies Alles 
auf den ersten Blick scheint, so schwer sind die Bedenken, die 
sich bei näherer Prüfung erheben. Aehnliche Verstümmlungen, 
wie sie hier angenommen werden müssen, gehören nur Spra- 
chen spätester Formation an , wie etwa dem Neupersischen ; die 
Lautverschiebung ist vollständig unregelmässig; der Uebergang 
von t in z, von r in 1 ist etruskisch durchaus nicht sicher 
nachgewiesen, viele kleinere Bedenken gar nicht zu rechnen. 
PjS bleibt daher wahr, was ich in meiner Kritik p. 27 behaup- 
tet habe: „Eine Sprache mit den Einern max, Öu, zal, hu 6, 



Die etruskischen Zahlwörter. 267 

l 

ci, s'a ist nicht italisch und gehört, wenn 

sie überhaupt indogermanisch ist, einem weit abliegenden Zweige 
an". Ich hätte auch sagen können „steht weiter vom Urindo- 
germanischen ab , als irgend eine bisher mit Sicherheit aus die- 
sem abgeleitete Sprache gleichen Alters". Man vergleiche nur 
die altceltischen oder altitalischen Zahlwörter mit den Urfor- 
men des Etruskischen, und der grössere Abstand dieser indoger- 
manischen wird klar hervortreten. Dies hat auch Corssen 
wohl gefühlt, wenn er, um seine Hypothese der nahen Ver- 
wandtschaft des Etruskischen mit den übrigen italischen Spra- 
chen aufrecht zu halten, zu seiner verzweifelten Deutung jener 
6 "Wörter als einer Widmungsinschrift des Künstlers gegriffen 
hat, wobei er die Campanari'sche Reihenfolge unbesehens 
beibehielt; vgl. meine Kritik p. 8 ff. — 

Nun aber muss ich, nach sorgfältigster Umsicht, die 
Grundlage des Ganzen, nämlich die obige Behauptung Dom. 
Campanari's vom Entsprechen anderer antiker Würfel, 
durchaus bezweifeln. Es ist mir weder durch Autopsie, noch 
durch mündliche oder schriftliche Erkundigungen gelungen, in 
irgend einer Sammlung Italiens oder des übrigen Europa's auch 
nur einen einzigen antiken Würfel aufzufinden, der die Zahlen 
so geordnet enthielte , wie Campanari angiebt und bei seinem 
Deutungsversuch voraussetzt, dass sich 1 und 3, 2 und 4, 5 
und 6 auf den entgegengesetzten Flächen gegenüberständen. 
SämmtUche griechische und römische, sowie die meisten etrus- 
kischen Würfel beobachten die in der Anthologia Palatina 
(XIV, 8) angegebene Anordnung 

e^ ev, rcivTE ovo, TQia riaGaga xvßog sXavvei, 
die auch bei den modernen Würfeln sich behauptet hat, dass 
nämlich die Zahlen der entgegengesetzten Seiten zusammen im- 
mer die Summe 7 ergeben. Nur in Etrurien findet sich , zwar 
nicht gleich häufig, aber doch auch nicht selten und an ein- 
zelnen Orten überwiegend , eine andere Art Würfel , auf der die 
Zahlen so vertheilt sind, dass die auf einander folgenden sich 
gegenüber stehn, also 1 und 2, 3 und 4, 5 und 6, mit den 
Summen 3, 7, 11. So haben diese Anordnung von 19 bolog- 
neser Würfeln mindestens 13; sie findet sich auch bei Würfeln 
von Marzabotto (Gozzadini Relazione di un' antica necropoli 
a Marzabotto p. 39; t. XIX, 15), und ich habe sie namentlich 
im Südwesten Etruriens, in Orvieto, Viterbo, Corneto beob- 



268 W. Deecke 

achtet; bei parallelepipedischen Würfeln scheint sie sogar re- 
gelmässig zu sein. Man kann diese Anordnung vielleicht als 
die ältere, specifisch etruskische ansehn, die nach und nach 
von der griechisch-römischen verdrängt wurde. Den einzigen 
Versuch aber, einen Würfel nach Campanari's System zu 
belegen, hat Fabretti in seinen Appunti epigrafici p. 10, 
Note 2 gemacht, wo er für einen solchen Würfel aus Pompeji 
Rieh Dict. des antiqu. rom. s. v. tessera citirt. Beim Nach- 
schlagen von Rieh aber ergiebt sich, dass derselbe im Texte 
überhaupt nur die gewöhnlichen griechisch-römischen Würfel 
kennt, deren entgegengesetzte Seiten 7 ergeben, und dass die 
Abbildung eines Würfels von Herculaneum (nicht Pompeji), 
die er giebt. 



1^ 

1 • 


;~\ 


. . 



von Fabretti offenbar falsch gedeutet worden ist, indem un- 
ten 6, hinten 3, rechts 2 zu denken ist, so dass ein gewöhn- 
licher Würfel vorliegt. Demnach muss Campanari's ganzer 
Deutungsversuch so lange als vollkommen unsicher gelten, bis 
ein Würfel der verlangten Art wirklich nachgewiesen wor- 
den ist. 

Eine zweite Deutung • der etruskischen Zahlwörter hat 
Isaac Taylor versucht, und zwar aus dem uralischen oder 
tschudischen Sprachstaram, zuerst in den Etruscan Re- 
searches 1874, Chapt. V, p. 155 fi'., dann in einer kleinen 
Schrift the Etruscan language 1876, p. 4 ff. Die von mir 
in meiner „Kritik" p. 4, Note * gegebene Reihenfolge ist nur 
diejenige, in welcher er die Zahlwörter bespricht; als Resultat 
dagegen stellt er hin 

max, ci, zal, s'a, 6u, huö. 

Seine Vergleichungen sind leider etwas unmethodisch und 
gehen nicht immer auf die nachweisbare Grundform zurück: 
doch kann ich das in dieser Zeitschrift nicht ins Einzelne ver- 
folgen. Nach meinen Untersuchungen sind die uralischen 
Grundformen 

ak, kak, kal-m, nal-ja, vat, kvat, 

von denen offenbar kak aus akak= 1-f-l, kvat aus akvat = 



Die etruskischen Zahlwörter. 269 

l-j-5 entstanden sind. Berührungen mit dem Etruskischen zei- 
gen sich nur bei 2, 3 und 6; denn bei 1 kann weder in ak 
Abfall des anlautenden m, noch in max Vorschlag eines m 
angenommen werden. Aber auch bei den andern Zahlwörtern 
ist sowohl der Abfall der Endconsonanten, wie die Lautver- 
schiebung auffällig und unregelmässig. Für 6u ferner muss 
man schon zum andern Zweige des Uralo-Altaischen , zum Ta- 
tarischen hinübergreifen, wo mongolisch tab-un, teb-un, 
tew-un = 5 ist, zu vergleichen mit mandschuisch tof-o-khon 
= 5. Endlich s'a findet sein Analogon nur ausserhalb jenes 
Sprachstammes, in den jedenfalls nur in höchst entfernter Ur- 
verwandtschaft mit ihm stehenden Sprachen der in raschem 
Untergange begriffenen Jenis sei er Sibiriens. So ist die Wahr- 
scheinlichkeit einer Verwandtschaft mit dem Tschudischen 
um kein Haar grösser, als mit dem Indogermanischen. Was 
aber die Hauptsache ist, auch Taylor's Reihenfolge beruht auf 
dem noch nicht nachgewiesenen C am panari 'sehen Bezeich- 
nungssystem. 

Wie leicht aber solche etymologische Aehnlichkeiten täu- 
schen, davon mag eine Deutung aus denJjenis^ei'^chen, mit 
der ich mich lange trug, eine Probe geben. Die Ordnung wäre 
danach . 

I hu6, ci, 6u, s'a, zal, max, 
und ihr wü/den entsprechen die jenissei 'sehen Grundformen 

hut, ki-n, tu-ng, sa, %al, ah. '>«>*> 

Hier ist die Uebereinstimmung viel grösser, als bei jenen bei- 
den ersten Vergleichungen, und doch habe ich auch diese auf- 
gegeben, da auch sie auf Campanari's Anordnung beruht. 

Da demnach auf dem bisher eingeschlagenen Wege nichts 
zu erreichen ist, müssen wir einen andern suchen. Ich gehe 
daher von den übrigen Inschriften aus. Da zeigt sich zu- 
nächst, dass ci und zal nicht — 1 sein können, da sie beide 
mit dem Plural clenar „Söhne" verbunden vorkommen, ci 
zweimal (n. 13 u. 17), zal einmal (n. 18). Auch s'a heisst 
schwerlich „ein", denn erstens scheint auch in tivrs (= *ti- 
vars?) ein Plural zu stecken (n. 3) und zweitens wäre dann 
laröi ceisi (n. 4) im zweiten Jahre gestorben, während sonst 
bei Kindern unter 4 Jahren das Alter niemals angegeben ist, 
vgl. Fabretti Osservationi paleografiche e grammaticali C. I. P. 
Spl. p. 243, Note 1. — Ferner kommt, wie ci und wahr- 



270 W. Deecke 

scheinlich zal (n. 20, c u. a), auch hu 6 (hut) zweimal (n. 20, 
b u. 21) mit dem Worte na per vor, das demnach, wie auch 
sein schliessendes r anzuzeigen scheint, gleichfalls wohl ein 
Plural ist, wie es sich denn unverändert auch mit der Ziffer 
XII findet (Fabr. C. I. n. 1914, A, 5—6). Auch wäre, nach 
dem Zusammenhang der Stellen die Einzahl bei naper schwer- 
lich durch ein eigenes Zahlwort ausgedrückt worden. Die ein- 
zige Inschrift, auf der naper sonst noch vorkommt,, stammt 
von einem, jetzt leider verlorenen, Stein neben dem Thore San 
Severo in Perugia, nur handschriftlich überliefert in doppelter 
Zeichnung und Copie des Architecten San Gallo (Fabr. See. 
Spl. n. 90; t. I) 

.... susinal 
.... naperi 
Es ist dies offenbar ein kleines Fragment einer grösseren In- 
schrift, an allen Ecken verstümmelt, und wenn Fabretti (ibid. 
p. 19, Z. 10) das schliessende i als die Ziffer 1 deutet, so ist 
dies durchaus unwahrscheinlich. — Endlich ist von max schwer- 
lich der Zehner muvalxl (n. 8; 10; 11) oder mealxl (n. 13) 
zu trennen, in welchem, wenn auch die Umgestaltung des Ei- 
ners noch unklar ist, die Endung -(a)lxl jedenfalls „-zig" be- 
deutet. Nun wäre aber eine Bildung der einfachen 10 aus der 
Eins mit der Endung der Decaden unerhört und ist auch im 
Etruskischen kaum denkbar. So bleibt für die Einzahl nur 6u 
und dem widerspricht nichts. — Heisst aber 6u „eins", so muss 
das gegenüberstehende Zahlwort hu6 „zwei" oder „sechs" be- 
deuten. Da aber der Todte in n. 9 nur huO Jahre alt geworden 
ist, so ist es nach Obigem wahrscheinlicher, dass hu6 „sechs" 
ist. Auch sprechen folgende zwei Gründe dafür, c i == 2 anzu- 
setzen : erstens sind 6 u == 1 und c i die beiden einzigen unter 
den 6 Zahlwörtern, die mit einem folgenden Zehner noch an- 
ders verbunden erscheinen, als durch blosse Aneinanderrückung 
oder die dem Zehner angehängte Conjunction -c „und", vgl. 
meine Etr. Forsch. I, p. 1 ff. ; 31 ff., nämlich in 

öunes'i : muval/ls (n. 11) 

ciemzaörms (n. 15). 
Nun sind es bekanntlich die beiden ersten Zahlen, die in einer 
Reihe von Sprachen theils durch Addition, theils durch Sub- 
traction in eigenthümlicher Weise mit den Zehnern sich ver- 
binden, vgl. lat. unetvicesimus, duodetriginta u. s. w. 



Die etruskischen Zahlwörter. 271 

Im ersten Hefte meiner Etr. Forsch, ferner (p. 35) habe ich in 
Öunesi eine Dativbildung vernmthet und glaube in der Ver- 
bindung eine Additionsforni zu sehn; vgl. wegen des ilexivi- 
schen n 6u-n-z in n. 6. Dann wird ciemza6rms eine Sub- 
tractionsform = lat. duode- sein; vgl. die Addirung in eis • 
zaörmisc (n. 14). Zweitens begegnet in cezpz (n. 6) ein 
höherer Einer, der 8 oder 9 heissen muss, vgl. den Zehner 
cezpalxals (ibid.). Da nun auch in ceal/l (n. 2 u. 7) und 
in cel^l (u. 12) das i von ci als e erscheint, so liegt die 
Wahrscheinlichkeit vor, dass im Etruskischen die 8 durch Sub- 
traction der Zwei von der Zehn gebildet ist, wie in manchen 
andern Sprachen, z. B. im baskischen zortzi = 8, neben be- 
deratzi = 9 und bat = 1, fast durchgängig in den tschudischen 
Sprachen u. s. w. Ist aber ci = 2, so ist sein Gegenwort sa 
= 5 , und es liegt das gewöhnliche griechisch-römische Bezeich- 
nungssystem vor. Für die Vertheilung von ma/ und zal un- 
ter 3 und 4 bietet vielleicht einen Anhalt der cippus von Pe- 
rugia (n. 20), »wo erst 12 naper genannt werden, später hut 
= 6 und ci = 2, so dass der Rest in z(a)l = 4 stecken 
würde. Auch ist wahrscheinlicher, dass mit za6r(u)m = 40 
eine neue Bildungsform der Zehner beginnt, als dass es als 30 
zwischen ceal/ 1 = 20 und muval/.! — 40 eingeschoben wäi-e; 
50 und 60 fehlen leider noch; dagegen schliessen sich 70 und 
80 wieder an die Bildungsweise von 20 und 30 an. Es ist 
nämlich wohl unzweifelhaft, dass semcp (n. 19) — 7 ist, sera- 
cpal^l (n. 16) = 70; cezpal^al — - 80 ist oben erwähnt. 

Bei Angabe des Alters der Todten erscheinen die Zahlen, 
sowohl Einer, als Zehner, regelmässig mit angehängtem -s , ein- 
mal -is (in za6rm-is-c n. 14). Da auch das stets vorher- 
gehende Wort avils, in dem der Begriif „Lebensalter" stecken 
muss, dieses s zeigt, so ist es höchst wahi-scheinlich nicht, wie 
Taylor meint, das Ordinalsuffix , sondern ein Casuszeichen, 
und zwar des Genitivs, dessen Bildung durch -s und -is sicher 
steht, vgl. z. ß. 0, Müller Etrusker I^, Beilage II die Vor- 
namen, und clens', gen. von clan, s'exis' von s'e/, P- 442; 
502 ff. — Der Genitiv avils erklärt sich dann wie lat. aeta- 
tis „im Alter", der Genitiv der Zahlwörter aber, wieder von 
avils abhängig, entspricht dem deutschen „von so und so viel 
Jahren". Das mitunter vor avils stehende oder dem Zahl- 
wort folgende lupu (lupum, lupuce) muss dann heissen 



272 W. Deecke 

„starb". Man wird auf diese Weise überall oben zu einer be- 
friedigenden Deutung kommen. In n. 3 ist die Zahl der Le- 
bensjahre durch eine Ziffer gegeben, und es folgt tivrs : s'as, 
wahrscheinlich „(und) von 5 Monaten". Ich glaube nicht, dass 
ein so kleiner Abschnitt , wie 5 Tage, angegeben worden wäre; 
nach Wochen aber wurde schwerlich gerechnet. Dem so ge- 
wonnenen, in den Inschriften angegebenen Alter widersprechen 
die mehrfach auf dem Deckel der Sarkophage ruhenden Ge- 
stalten nicht. Der lar6 x^^xle (n. 15), nach meiner Deutung 
von ciemzaOrms 38 Jahre alt, wird zwar von Fabretti als 
uomo vecchio bezeichnet, erschien aber mir und meinem 
Reisebegleiter im Herbste 1875, wo ich noch in za6r(u)m eine 
viel höhere Zahl suchte, also mein Urtheil eher zum Gegentheil 
disponirt war, als ein Mann von höchstens 30 Jahren; während 
arnö /urcle (u. 16) in der That alt schien, so dass sem- 
cpalxls — 70 passte. Wie unsicher übrigens diese Schlüsse 
aus den Deckelfiguren sind und wie wenig sich die im ersten 
Hefte meiner Etr. Forsch, (p. 9 u. 19) ausgesprochenen Hoff- 
nungen auf entscheidende Resultate durch Autopsie erfüllt ha- 
ben, darüber vgl. 0. Müller Etr. 1 2, p. 439 ff. — Die einzige 
erhaltene Wandfigur mit Zahlinschrift (n. 19) zeigt einen Kna- 
ben, zu dessen Alter semcps' = 7 recht gut passt. 

Endlich erscheint auch mehrmals ein angehängtes z, näm- 
lich in 8u-n-z (n. 6), eslz (n. 11 u. 22) und cezpz (n. 6). 
Die daneben stehenden Wörter scheinen theils Verba zu sein, 
theils Ehrenämter zu bezeichnen , so dass ich die Vermuthung 
wage , das angehängte z entspreche im Sinne dem griech. -axtg, 
dem deutschen „-mal". 

Die so gewonnenen Zahlwörter sind demnach folgende: 

= 8u; dazu Öunes'i (Dat.) und Öunz (einmal) 

~ ci, Gen. eis; dazu ciem- ^= lat. duode- 

— may, Gen. mays 

= zal, verkürzt geschrieben zl (n. 20, c), Gen. esals; 
dazu eslz (viermal j. Der Vorschlag des e ist räthsel- 
haft; der Wechsel von z und s nicht unerhört (Deecke 
Kritik, p. 10). 

= s'a. Gen. s'as 

= hu6, einmal hut (n. 20, bj, Gen. huös 

= Gen. sem 'f s 

■ ■= cezpz (achtmal) 



Die etruskischen Zahlwörter. 273 

20 = Gen, cealxls, einmal celyls 
30 — „ muvalxls, „ meal^ls 
40 = „ zaörums, zaörmis, za6rms 
70 — „ semcpal/ls 
80 = „ cezpal/als. 

Vom Indogermanischen abweichend ist die Flexion sämmt- 
licher Einer und Zehner; auch die Endung -al/al, -al/l ist 
eigenthümlich genug und klingt nur schwach an litauisch -lika 
an; räthselhaft ist endlich auch die Bildung von za-6rum. 
Ueberhaupt sehe ich keine Möglichkeit einer etymologischen 
Verwandtschaft der gewonnenen etruskischen Zahlwörter mit 
den indogermanischen. Ebensowenig aber stimmen sie zu den 
semitischen, koptischen, baskischen, uralo-altaischen , jenisseii- 
schen u. s. w. — sie stehen vollständig isolirt, wie die Ver- 
wandtschaftswörter und die wenigen sonstigen sichern Vocabeln. 



Nachtrag zu p. 257, n. 1. Nach einem Briefe Bunsen's an 
Lepsius (Arch. Ztg. VI, p. 375), auf den Hr. Dr. Körte 
mich aufmerksam macht, stammten die Würfel vielmehr aus 
den Ausgrabungen der Fürstin von Canino um Vulci und 
sind von ihr erst an See. Campanari verkauft, durch den 
sie zunächst nach England kamen, wo Bunsen sie sah. 

TV. Deecke. 



Semitische Lehnworte im älteren Griechisch. 

lieber semitische werte im Griechischen sind bisher mei- 
nes Wissens zusammenhängende Untersuchungen nicht angestellt. 
In Gesenius' Geschichte der hebräischen spräche und schrift 
findet sich S. 66 ein Verzeichnis hebräischer resp. phönizischer 
Worte, welche ins Griechische übergegangen (hier mit G be- 
zeichnet): diese liste, deren quellen weiter nachzugehen wol 
nicht nötig ist, hat Renan, Histoire generale et Systeme com- 
pare des Langues Semitiques (1855) S. 192— 194 (2. ed. 1858 S. 
203—204} mit einigen änderungen aufgenommen (R). Andres 
findet sich einzeln in Gesenius' Thesaurus und Handwörterbuch, 

üoitrUge z. Kunde d. ig. Sprachen. I. 19 



274 A. Müller 

ferner in Benfey's Griechischem Wurzellexikon (1839 — 42; B): 
darauf scheint Victor Hehn, Kulturpflanzen und Hausthiere 
(2. Aufl. 1874; H) etwas zu sehr sich verlassen zu haben i), 
dessen bezügliche stellen ich wegen der culturhistorischen fol- 
gerungen anführe. Seit Gesenius und Benfey ist wesentlich neues 
fast nur durch de Lagarde hinzugefügt worden; einiges in den 
Gesammelten Abhandlungen (1866) verstreut (La), einiges in den 
Rehquiae iuris ecclesiae antiquissimae graece (1856) S. XXVI, 
XXXVII, XLVII (Lr), einiges in den Anmerkungen zur grie- 
chischen Übersetzung der proverbien (1863) S. VIII (Lp); da- 
neben ist mir nur noch bekannt, was Fleischer zu Levy's Wör- 
terbuch angemerkt und was Fr. Müller bei Kuhn, Zeitschrift 
X 267 über eUcpag, 319 über olvog, und Beiträge II 490 über 
^ig)og, ravQog, qööov gehandelt hat , sowie die bezüglichen 
stellen aus Schröder, die phönizische Sprache (1869; Sehr.). 
Es dürfte sich lohnen, dies zerstreute material einer Zusam- 
menstellung und genauen betrachtung zu unterwerfen: wirklich 
neue funde habe ich nur wenige, meist nicht einmal sichere, 
zu verzeichnen; wer nicht über die umfassende gelehrsamkeit 
und die scharfsinnige combinationsgabe eines de Lagarde ge- 
bietet, wird sich auf diesem und ähnlichen gebieten immer mit 
der bescheidnen, hier aber hoffentlich nicht ganz undankbaren 
rolle des commentators begnügen müssen. 

Was nun den meinem commentar zu gründe zu legenden 
text angeht, so habe ich denselben nicht auf das durch die 
Überschrift dieses artikels abgegränzte gebiet beschränkt. Es 
zeigt sich nämlich schon bei oberflächlicher durchsieht des 
oben angegebenen materials, dass die bisherigen combinationen 
ziemHch unsystematisch nach äusserer klangähnlichkeit , ohne 



^) Von R. V. Raumers indogermanisch-semitischen ctymologien habe 
ich nur die einsehen können, welche in seinen Gesammellen sprachwis- 
senschaftlichen Schriften (Frankfurt a/M. 18G3) S. 494 ü'. stehen. Man 
wird nicht misbilligen, dass ich ihn auch, wo er entlehnte werte an- 
führt, bei Seite lasse: der verdiente mann war hier eben in ein labj'rinth, 
-geraten, in welchem der vermeintliche Ariadnefaden seiner methode ifin 
/ nur immer mehr irre führte. — Nöldechens programm „Semitische 
I Glossen zu Fick und Curtius*-- (ilG[gcrel)urg 1876, ein zweiter teil für 
1877 angekündigt) berührt sich hie und' da mit unserem Thema (z. B. 
bringt auch er ^6y;(r) mit wy~\ zusammen), war aber nicht in diese Ar- 
beit hineinzuziehen, da-€f*'e8' auT' wüfzetvergleichungen abgesehen hat. 



Semitische Lehnworte im älteren Griechiscl^. 275 

Zugrundelegung bestimmter regeln bezüglich der einander ent- 
sprechenden laute vorgenommen sind. Ist dies der standpunct, 
von dem ausgegangen werden muss, um überhaupt erst einiges 
material zusammenzubringen, so versteht es sich ebenso von 
selbst, dass möglichst bald versucht werden muss , das zunächst 
blos scharfsinnig erratene in einen gesezmässigen Zusammen- 
hang zu bringen : die geschichte der etymologie ist ein fortlau- 
fender beweis für die gefährlichkeit jenes äusserlichen Verfah- 
rens, an welchen hier nur erinnert zu werden braucht. Um 
nun nicht eine reihe von gesezen, aber doch einige beobach- 
tungen über die erscheinungen festzustellen, welche die aus 
dem semitischen Sprachgebiet ins griechische übergehenden 
Worte zeigen und die wenigstens einen vorschmack der krite- 
rien geben können, welche hier bei fortgesezter forschung je- 
denfalls ans licht treten werden, müssen wir das spärliche ma- 
terial möglichst zu ergänzen streben. Aus diesem gründe wird 
es gerechtfertigt erscheinen, dass ich mit ausnähme einiger 
ganz unhaltbarer combinationen i) nicht nur die alten lehn- 
worte, sondern auch spätere fremdworte und selbst einige glos- 
sen in die folgende liste aufgenommen habe ^j : zur Orientierung 
darüber sind jedem wort einer oder einige namen von Schrift- 
stellern, bei denen es zuerst vorkommt, hinzugefügt. Ich habe 
diese aus der neuen Pariser ausgäbe von Stephanus' Thesaurus 
entnommen, wo die genaueren citate an den betreffenden stel- 
len zu finden sind (sp. = spätere, lexx. = alte lexicogra- 
phen). Die namen der griechischen buchstaben besonders mit- 
anzuführen habe ich für überflüssig gehalten. 

1 aßqa^ gesells^p^afterjjö^-f'^avjja^'iSI^aand. = aram.nnan 

^ L 




2 aQQaßojv h anseid Isaeus = hebr. I^O^fy Unterpfand \ 
G.'^B I 101. X' ^ 




^) Dazu gehört auch Gese nius' €X(fog := ^bü; J. Schmidt in Kuhn'a 
Ztschr. 22, 316. """" "" '' ' ' '""^ 

^) Dagegen fehlt unter den zur vergleichung herangezogenen dialecten 
das Assyrische, dessen ich nicht kundig bin. Vielleicht wird man mis- 
billigen, dass ich trozdem diese Untersuchung zu führen gewagt habe: 
aber die resultate der Assyriologie sind im detail, wenn gesichert, so 
doch jedenfalls nicht soweit anerkannt, dass man sie zu vergleichenden 
betrachtungen wie die vorliegende heranziehen könnte. 

19* 



276 



A. Müller 



,.>^" 






3 ccQTtr] sic.h'M dichter vonJJesiod ab; Lugiatlf Aelian = hebr. 

y nnn schwß.rf Lp VIII. ^--•'^ 

4 ßaloai^ov Theophrast, spp. == 1;^ Dü;:3 La 17, 8. 

5 ßdaavog pH^ierstein Find. Th'feqgn. (später üfeßrtragen) 

= h. >j;n (das land) Basait'sß II 65; vonW ]ns 
prüfen Lr XLVII; eränisch La^4, 35, vgl^Sur- 
tius Griech. Etym. 4. Ausg. s. 430. 'X,, ^ 

6 ßmd^s3im. krng llerodot, Xen. — vielletQht s^Öii^sch, ~ h. 
- \ ^^aWjasÄ? La 212, 4. "■: 

7 ßoi^^ traHJje 'llieophr. (aber ßöiiQvodcoQog 
— 'Tob o/^(payt^ Lp VIII.V 



Aristoph.) 

er Hero3i94i, yavXog kal^ffahrFei^chiff 
"ba? vgL V-V^^ä ölkrug7*^enfallsS^n 
der^undun^Ss.. ^-**., \ ^*v 

10 yoiö Schwarzkümmel, koriander Dioscor. app. = h. 

,..ii> La 57, 10,.. 

11 dß/e€g schK.ßib.ta'fel Eurip., Aristoph. - riSo tüX; — sei^, 
-^ colimNje ein^^^uches. -,^ \ *^ 

12 1^^ el^^holz'Herodot = "h. 'll^^h^ass. R 192 

i3ja>s^p]|J5;;;^^^ 

14 jhx^og etn getretrkymasV LXX**<2 Kön. 6, 25), Geop., 

X. Lex\. =: h. 3|^Säss. B II 157. ,^ 

15 Mi^ eiTR-^c^Herodot = h. ^^h^^as'SrfKl^S 'Ö-^l, 

16 xaxy^ßrj (-og) ^tapf Aristoph. u. a. kom., semitisch? La 

50 anm. 2. 

17 y.dfir]kog Aesch., Herodot = h. hm R 193. 
f 18 '/.dvva röhr Aristoph. = h. nsp^ R 192. 

19 xa(TC«^)4^ Hei^M, spp. =->h»,^y/Sp, R "^^3. 

20 >ußd*^og ufSriHiJ^ Find. = ai-am. -j/ uCj.:-. [kdb] lü^n 

> VlII>v , I ^ ■ \ 

21 -Avßwxog schrank Aristoph. =(h. r:api|k asten Rödiger in 

Ges. Thes. s. v.; EwaM" heb/ Gramm. § 47 c S. 
i23'anin. 3 der 8. ausg.; Fleischer in Ber. der^k. 
Sachs. Ges. ,d.. . Wiss. 1866 T^IO flr ~XXXVir '' 

22 x/(5a^T>tt^of^f^K^i'bai^ Phife>4Qseph. , Menjiq^. Leg, 

inD krönenH*|vy phoenN^iörterb 

8...,^, aber vie1t|^cht persisi^^hOt- 207, 13. /^ 

23 xmJrfjtMoiipv zT^TT^HerodSr^tti&tot. ^'*Tr>.;.i32tP^:^i.J^^^ 

24 x/>Kf?aein saHßninstrument, LXX, Joseph. =h. "^1^^1194. 




25 Kl 



Semitische Lehnworte im älteren Griechisch. 



277 



u^cdikf^ strassenräuk^i'nbemocrit bei Stobaeus„Jdf. y4 y'^ /? 

'-^ h. y hh^ PÄ^en R 194. ^^'^ (Zlci^i;^ 

26 xtfTw zimmt Dioscor. — rr^p. Sehr. 126. V -"'^ 

27 irMt^v sa'tri^ Hom. vielleicht,^ = h.'^^i^g'^^^utue (?) Arnos 5. 
" 26 La 03, 3L ^^^^^ 

28[x/Jh^g'lisw. Ta^g Ä'ntipater epigr. in Anth. Pal., Hero- 

\ ^ dian., Eultath. =r syr. ioab^o [k'lüb] dass. R 193 

[auch h. i^W]- .».«»»'-'^ 

29 xt;;e«j'o?rkümmel Ari^oi)h. = h. ]i733 R 192, H 181. 

30 TtvTtccQiaaog cypresse Hom. — -\5ä ein nadelholz (?) R 

192; = h. -iDb pech B 11 148 (nach v. Bohlen). 

31 TLVTtQog cyperbaum, henna Dioscor. = h. *^tb R 192 

Sehr. 134. 
,32_JLaog.Y0lk = DNb Lp VIIL _„ r ^<' 

33 Actl^-eTn (niilcl>')fias3JJ©8fcli;^^^^.U^ 

34 )^jlqv (AiyJ'öfWJHerod. Iir^ip7. 112 %,Aristot.;-sfin^ = 

^ U'bimijf^ = ar. ^^lJcJHiad_an] odm^j^S1> [ft%,n]. 

35 Xißavog, XißavcoTog weihrauch ""Herod. III 107, Eurip., 

Aristoph., Plat. :^ h. lip\ dass. R 192. , 

36 Xig, Xkov löwe Hom. = h. uj'^b, ar. v^a-J [leit] dass.| Pott 

_J.I^2 8^1262 B H 1; "= N^?b löwin B II, x. Vgl. 

n'^ef." ■■""" ■" ' "^ ■^"■■""""■^'" 

37 loyyr} lanze Pind., Aesch. = h. riHh dass. Lp VIIL 

38 jLiayaöig ein Saiteninstrument Xen. = h. nbriT: dass. 
r LrSXXSHI. ., 

39 -lißv^i^Eia, 
'^ '^^"^ ""'' ^^ -^— " ^^^ 

weicfi>^i^achs''''l^«5|toph,, Demosth. =h. ubtj mör- 
(1 R ly^t- La 25üS4J; Ewald a. a. o. anm. 1 
(dagegen Dietrich in G. iHdw. s. v., Sehr. s. 30 a. 
1, Curtius 327). 

41 (.lavöalog riegel Artemid. = h. b^5>273 dass. Lr XXXVII. 

42 ^lävdqa bürde, stall Soph. (fragm.), Callim., Eratosth. — 

kloster, spp. kirchl. = ar. ,>02;s? [mahdar] ort der 
anwesenheit (h. -ii2n vorhof) Lr. XXXVII. 

43 jiiavdvrj, pavövag mantel LXX, Themist, u. a. spp. = b. 

n73 Lr XXXVH; La 209, 8. 

44 (.lagoiTtog sack, tasche Xen. lexx. Lp VIIL 



Jß4Af\ 






^ 



40 ^aU 



^ 



^K 



*) das citat 128 bei Stephanus wie in Pape's Wörterbuch ist irrige. 



278 A. Müller 

45 fiaoTQ^^g kuppler, /naargörteveiv prostituieren Xen. 

^^Semitis petitum: näm <^yui^\ [istä'rab] (cuiusj 

parl^ipium est v-jjüIas^ [musta'^rib]) obscoene lo-/ 

^ — quutus^^st, appetivit marem" Lr XXVI. „ 

{46 f.i(xxcciQa schlactitmesser Hom., schwert = h.\n-ir)73 

^^ dass. Lr XXXVII; umgekehrt (?) R 195. 

47 ^dyiij^ saal Hom. zir-ii^ "ini wO%a-Äß^Lr "XXiJ^VIL 

48 fxiaaßog Joch zu u-aj*^i£ ['asäbj, syr. wo^i:. ['sab]l[^usam- 

^ man) binden „dubitans" Lr XXXVII— VIII. 

49 fihaXlo^^ e r g w e r k Herod., 'Thuc. , m e t a 1 1 spp. zH'-i),,^ Vtaa 

sclt=Hiieden R 193 („peut-etre"). "*"" 

50 fiha^a {(xar.) faden, (rohe) seide spp. = chald. ND^.q): 

usw. (umkehrung von pu372T Ges. Thes. s. v.) Hit- 
zig, s. Fleischer zu .Levy's chald. Wb. II, 568»; 
mit arab. y*>Xxct [i'takas] umkehren, jj^lXc 
fikas] verglichen von Lr XXXVII. 

51 f.ivä mine Xen. = h. n?» dass. R 193, Levy phöniz. Wb. 

/ 52 jW?^i?<2a my^^;he Säl^^o, Hippocr. = h. t^ („forme ara- 
^-^ ^ me^eN^^^dass. R 192. ^ 

53 väßXag {vavXag u. a^^tti.) ein Saiteninstrument Soph. 

(fragm. bei Plut.), Euphorion (bei Ath.), Joseph, 
spp. r= h. baa dass, (eig. schlauch) R 194. Vgl. 
La 265, 207^-^""' ■"■"'"■""''■ 

54 vbxiortov eine salbe, resp. öl Hippocr. = h. nob5 (tro- 

pfen? vgl. unten) R 193. 

55 VLTQOV laugen salz Sappho = h. -in: dass. R 192, Ewald 
^ a. a. 0. 

56To^9'»*^lleinwand Hom. = h. 'p&?<K(2L^ 193, Ew9Ms^a. 
^^., H 147. 508. 

57 olvog wein Hom. = aeth. (DJß^[, ar. qJ^ [wein] dass. 

Müller (Kuhn's Ztschr. X 319) H 67, dagegen in- 
dogerra. La 276, 1. Vgl. Curtius 393. 

58 ovog esel Hom. = h.\]iUN eselin B I 123, H 502. 

59 7i'2?7T>f.4els, hifg^ dicK'ter von Hoiilei;^ab; Aehan >^olyaen, 

LTücian = a^NiSi» [fag'g'] brei'tr^.bergstra^e Lr 
XXXVIL ■ ' "%. "^ 

60 TtaXäd^rj marmelade Herodot, spp. = h. inbST, aram. 
]Z\!::ii.ci> [debeltä,] feigenkuchen G 66 (zweifelnd; 
bestimmt im Hdwb.). 



Semitische Lehnworte im älteren Griechisch. 



279 





= aräBo« N5 



61 [TtdlXa^, 6 junger mann, ^ mädchen (nur Ammon. u. 

lexx.)] TtalXaycig kebsweib Hom. spp. naXXa.Y.ri 

dass. Her. usw. = h. ■vD^b*'? dass. G Lr XXVI; 

/ .. umgekehrt (?) R 195. ' ' 

62 kfiffd^og stei^-zlmfei brettsp.i^T iBoph. fragm.i vielleicht 
V i^^^.,.,^/^' araraf nd''D ^sf ein, /täf eichen ^Fleischer zu 

63 7r()a(Toy "tauch ÄristopH. , Theopr. = aram. l-^o^ ar. ^\S 

[karrät] dass. Lr XXXVII; Fleischer zu Levy Ch. 
Wb. I 428 b. ' ~- 

64 Qccßdog rute, stab Hom. usw., peitsche Xen. = h. nab 
^-\ Ochsenstachel Lp VHI. ^ /'s, 

^65 Q%nv bergg^i^f^l Hom^^j.,;M3irgebirgeJkfta =1 araS;^. ]] 
ry^C^^ris] hauj><^pfel J^P'VtfL {^ 

66 Qoiä (Qoa) granatapfel Her., Aristoph., Plat. = h. '\"^J2' 

dass. B II 372 H 515. 

67 aäyi'Aog (dem. aazniov; Aristoph. auch aaxrag) sack Xen., 

Aristoph. = h. p'q dass. R 193 H 61. 

68 aa/iipi^mj einN^iteninstrument Arist 

^R 194?^ 

69 a^g motte Aristoph., Menand., Aristot, = h. DD dass. R 

193. ' ^ : 

70 o^ip eine giftschlange Aristot., Nicand. = h. nii, ar. I 

Lj^vto [dabb] eidechse. „„. ^ 

71 alyXog eine persische münze Xen..= h. bp.u: La 199,15. 

72 ai^sQa beraus,chendes get^,änk Eusel>*^u. a. spp. (bes. 

**" kirchl.) =i 1). -i5"q dass.'''-B,, 193. 

73 oiiivQig (und verschiedene nebenformen, z. b. a/j^iQig) smir- 

gel Dioscor. = h. "T'Wuj dorn, diamant R 193. 

74 aovaov lilie Diosc. bei Ath. = h. )\dw dass. R 193. L-"-"^ 

75 avy.diJ.Lvog maulbeerbaum Amphis, Theophr. = h. fiüp.üj 

R 193. 

76 Tid^aißwaacü bauen, nisten Hom., Nicand. (nähren Ly- 

cophr.) „parait venir de uJai" [hon ig] R 193. ^ 

77 vßQig frevel Hom. usw.==h. rriäS'. Übertretung Lp VIII. i,„m^r 

78 macüTtog Theophr., LXX, Dlosc.^"=' hTjiiTN R 192. 

79 cpmog tang, schminke Hpm. usw. = Tr"!]nD schminke 
-'"'" R 192 Sehr.' 134. 

80 xf'^^ßdv^ galbanumharz Hippocr. , Theophr. = h. naabn. 

R 192. 



lA 



280 A. Müller 

81 ;caf>'tüvcg (xcißbiveg , ;{ai;wv£g, xavwveg) gerstenkuchen 

\ LXX, lexx. ==-. h. ]x^_ R 193 B II 195. , 

82 xj^^a^o^ Schlupfwinkel Umn., Ap. Rhod.\Lycophr., m\ 
pt«osa erst von AristoK, an = ar. ^»^^^[choram]: 
Fr^4^g s. V.: petraeN^issuras rupWrasque 
habeüt.es Lr XXXVIL ^_.,^ --V 

83 x^rtJv Unterkleid Hom. usw. =in3n37l(nebenl nahs) dass 

R 193 H 60. 144 La 256713^ 

84 x^rffog gold Hom. usw. = hebr. y^in dass. [phöniz. y'^n 

Ztschr. d, D. M. G^ML131]R 192 H 61. 487. 
Ausserdem erwähnt G 66 einige mass und gewicht bezeich- 
nende glossen, welche nur die griechischredenden Juden auf- 
genommen haben, z. b. 

85 aUlog (h. bpuj). /^ 

86.x3^(h.N^" jJry^ 

87 adrov (aram. sriND = h. riNC, s. G. Hdwb.), auch \ m^^i^ 
rr^Nabu^g. ' ' 

SolcKSr finden^ch abec. auch unter den bisher aufgeführ- 
ten verschiedene, wie aus den beigefügten schriftstellernamen 
sich ergibt. Sie werden später wo nötig eingeklammert er- 
scheinen. 

Hierzu füge ich einige worte, welche zwar entschieden in- 
dogermanischen Ursprungs sind, sich aber gleichzeitig auch im 
Hebräischen finden, also entweder in das Griechische durch 
semitische Vermittlung eingedrungen sind, oder doch vermöge 
ihres gleichzeitigen Vorkommens in beiden sprachen für die 
feststellung der einander entsprechenden laute mit herangezo- 
gen werden können i) : 

89 dydlloxov aloe = skr. agaru („dans les dialectes vul- 

gaires aghil" R), hebr. D-^briN R 194, La 11, 1. 

90 ßdelXa (Hesych.), ßöilliov (Diosc. , Galen.) ein harz ■— 

skr. udükhala (od. ulükhala), h. nbna La 20,2; 
r X anm.2; = skr. madälaka R 194 (nach Lassen). 

91 ßrjQvXXog = skr. väidürya; erst aus dem Griechischen 
aram. billor La 22, 5; r X a. 2. 

92 xa^TroÖTrgk.^inernn^re'i^L^JW^ lin^-fti^es ßegefh^ 

*) Dazu sind worte wie na^dSeiaog , naoaac'cyyrjg nicht zu brauchen 
s. La 77, 28 ff. 210, '6i ff. — obwol mir die gleichstellung von naqü^n- 
aog mit dem arabischen plural farädis 211, 3 nicht möglich erscheint. 





Semitische Lehnworte im älteren Griechisch.. 281 

skr. '^»a^päsa/^^am. oe'-^s 

94 liaß^aviog (-i'a) weites gefaS^ beclieV „scheint Ihir 

eine zusammenziehung von Itnavaravant und durch 
semitische Vermittlung den Griechen zugegangen, 
weshalb das t fehlt" La 215, 16. 

95 vccQÖog == skr. nalada, h. -rn.; R 194. 

96 TZQOvvizog läufer: „ob das von B[ochart] h[ieroz.] I 794 

zu dem von ihm sicher falsch ausgesprochenen 
p:TiD [pers. parwanah diener] gestellte 7tQOvviy.og 
wirklich dazu gehört , mögen andre entscheiden , die 
Wahrscheinlichkeit ist durchaus nicht dafür." La 
77, 26. 

97 aaTtipELQog Theophr. , Diosc. = skr. ganipriya, h. 

aram. -i-ic^c resp. J^I^asib [sappil] Lr X 
V R 193- ■ '■ -sJ 

98 a/iia^öog (jiia^rtji^g) — skr. ma?1*Jl^ta, h. np;*«^, Lr X, 

>gl. G. Hd^""Üilrtt»8^.6, ^^ ' '"-"• 

Endlich die von Fr. Müller behandelten worte zweifelhaf- 
ter herkunft: 

99 ܀(pag Kuhn's Ztschr. X, 267. 

100 ^ig)og Beitr. H, 491. 

101 ravQog ebd. 491 (s. auch Ewald, hebr. Gr. § 48 c s. 123 

a. 1 der 8. ausg.). 

102 Qodov ebd. 493. 

Um zu sehen , wie viele von diesen soi-disant Semiten wirk- 
lich die ahnenprobe bestehen können, wird es zunächst nötig 
sein, eine anzal vollkommen sicherer beispiele herauszulesen. 
Als solche werden wir nur die ansehen können, bei denen die 
entlehnung durch besonders frappante Übereinstimmung des lau- 
tes und der begriffe, durch den mangel einer angemessenen in- 
dogermanischen etymologie, oder auch dadurch gesichert wird, 
dass die bezeichnete sache auf semitischem boden erwachsen 
oder wenigstens ganz bestimmt durch Semiten weitergetragen ist. 

Hier sind anzuführen ßäkoai^ioV ßvaaog (yolö) sßevog 
laamg (xaßog) y.a/,irjlog Kccvva xaoaia y^ivvdjucovov (xt- 
vvga) ytXcüßog (KOQog) y.vuivov xvTtQog {Xevyrj) krjöov, A?y- 
davov lißavog, XißavtoTog f.iva uvqqu vaßXag vltqov aay,- 
Y.og oa(.ißvxrj oä7tq)£iQog (adrov) {oUsqu) (aUXog) {aov- 



282 A. Müller 

aov) avTid/iiivog voowTtog yaXßavr] xav{v)6iveQ ßdeXXa, 
ßdskhov y.(xQ7taaog vagdog. Bei keinem dieser worte wird ein 
zweifei möglich seiu; wir sind also berechtigt, sofern wir in 
ihnen bestimmte consonanten einander regelmässig entsprechen 
sehen, diese correspondenzen unserer weiteren Untersuchung 
wenigstens im wesentlichen zu gründe zu legen. Es finden sich 
aber in den genannten Worten 

ß — ■2 V = 3 

y = a (s. aber k) tt = c 

d =: 1 Q = "^ 

t=i (7=:otou3i2 (auch aa) i (vaatOTtog) 

X — p :i D T — r\ 

A = b. f/) = B 

i« =^ » X = n 3 

das heisst: im allgemeinen entsprechen sich die einzelnen buch- 
staben genau, wie die Ordnung in den beiden alphabeten es 
erwarten lässt. Doch sind dazu noch einige bemerkungen zu 
machen. 

Man ist gewohnt, hebräischem n in eigennamen ein grie- 
chisches d-, dem u ein r entsprechen zu sehen: Ewald i) aber 
hat darauf hingewiesen, dass ursprünglich vielmehr das umge- 
kehrte der fall sei, und de Lagarde ^j dazu eine reihe weiterer 
belege geliefert, durch welche die sache für das n vollkommen 
ausser zweifei gesezt wird. Für ü = -^^ hat sde Lagarde nur 
üb^. = /iiccXd^a, Ewald neben diesem noch ]ntV == "^^Ät^v^ : 
beide etymologien sind angezweifelt, doch erscheint fein d- z. b. 
auch in dem punischen namen 0o^7ra^=nDnu und in xiod-cov 
= ibp^^)^ ^em namen des zweiten hafens von Karthago. Auch 
kann diese correspondenz dem nicht auffallen, der mit Curtius*) 
in den griechischen aspiraten wirkliche aspirierte explosivlaute, 
nicht Spiranten sieht, da erstere ohne zweifei den emphatischen 



*) Hebr. Gramm. § 47 c anm. , S 123 a. 1 der 8. ausg. (andeutungs- 
weise z. b. schon in der 3. ausg. von 1838). — lieber die Schlüsse, wel- 
che die Semitischen dialecte in betreff' der ausspräche des Griechischen 
an die band geben, entsinne ieh mich vor längerer zeit eine abhandlung 
von Renan als Separatabzug aus einer französischen Zeitschrift gesehen 
zu haben; leider ist sie mir jezt nicht mehr zugänglich. 

2) Abhh. 255, 28 ff. 

■) Schröder 171 a. 28; 127. 

*) Gr. Etyra. 4 ausg. S. 416 f. 



Semitische Lehnworte im älteren Griechisch. 283 

lauten der Semiten mindestens näher standen, als die lezte- 
ren i). Ganz ähnlich verhält es sich mit der darstellung des 
hebräischen d, welches in älterer zeit überall als x erscheint ^j, 
später wenigstens in der mehrzal der fälle durch 7 ausgedrückt 
wird 3), in welchem man doch zunächst geneigt wäre den Ver- 
treter des hebräischen n zu suchen. Aber dieser laut muss den 
älteren Griechen von ihrem / weit abweichend und unbequem 
erschienen sein: fast in allen älteren phönizischen namen ist 
er bei der umsezung in griechische laute einfach übergangen *), 
ja nicht einmal durch einen spiritus asper angedeutet ^), und 
dem entsprechend fehlt n einfach auch in einigen späteren Wor- 
ten wie ßdiXXa = nbin. Immerhin lässt sich nicht läugnen, 
dass eine ganz stricte regel für alle diese vier fälle sich nicht 
festhalten lässt. Semitischem ü entspricht t in dem alten na- 
men TvQog 6), umgekehrt d- dem n in dem schon bei Xenophon 
vorkommenden Gdipanog; xltlov zeigt neben dem regelmässi- 



*) Ueber die umkehrung des ursprünglichen Verhältnisses s. La 256, 
14 ff. 

^) Ewald a. a. o. 

^) Vgl. in obigem Verzeichnis xav{v)ü)Vfs, spätere eigennamen wie 
Mä^^og, ^läjußh/o;. Schliesslich zeigt sich solche erweichung sogar in 
fällen, wo x = n gewesen war, wie ^Afj,ilx^9 = lifiCXxag bei Appian. 

■*) Die beispiele {'Avvwv, Llvvißag, 'AjjLtlxag usw.) s. bei Schröder s. 
85 ff. — Da im Lateinischen in diesen namen überall ein h, stellenweise 
sogar ch erhalten ist, genügt die nachweisliche neigung des späteren 
Phönizischen zur Schwächung der kehlhauche nicht für die erklärung 
dieser thatsachen. 

*) Bei 'leQbifiog, 'leqöfißakog wird die erinnerung an das griechische 
IsQÖg mitgewirkt haben. 

*') Ich kann nicht mit Schröder (S. 111) annehmen, dass das r in die- 
sem Worte, wie in dem pflanzennamen äxiQ-{aCnTri u. a.), neben s ss st 
ts z tz einer der mangelhaften versuche sei, den eigentümlichen semiti- 
schen laut Säde , der dem Griechischen und Lateinischen abgeht zu um- 
schreiben. Die älteren Griechen wenden, wie die obigen beispiele zei- 
gen, ohne umstände aa oder, vorzüglich im anfange des wertes, ff an, 
und es wäre ganz unerfindlich, wie sie auf den einfall hätten kommen 
sollen j zwar ■j'iij ZcSayv, aber «^i» TvQog zu sprechen und zu schreiben. 
Andrerseits zeigen die phönizischen inschriften selbst stets »^jj; woraus 
mir aber nur zu folgen scheint, dass die Griechen den namen zuerst durch 
(indirecte) aramäische Vermittlung (vgl. unten fivQQo) müssen kennen ge- 
lernt haben. Gern stüzte ich diese Vermutung noch weiter durch de La- 
garde's ansieht (Abhh. 255, 32), dass die buchstabennamen alipa ßTJra 
usw. „gar nicht daran denken phoenicisch zu sein, sondern syrischen 



284 A. Müller 

gen ausdruck des n durch x für s bereits das % ^), welches an- 
drerseits in xalßävri für n eintritt, wie es sich auch in dem 
weit älteren, freilich gegen das Punische übrigens stark verän- 
derten KaQxrjdiüv und in dem doch gewis schon lange vor Ly- 
kophron in dieser form gebräuchlichen Ildxvvog zeigt. Sogar 
k ist für den rauhen kehlhauch angewandt worden in Qdipaxog 
= nODn. Im allgemeinen werden wir aber daran festhalten 
können, dass in älteren worten n = r, t: = ^, d = x ist, 
n einfach wegfällt. 

Keinem zweifei unterliegt die doppelte Vertretung des a 
durch / und x, die an kein bestimmtes gesez gebunden er- 
scheint. 

Auffällig ist wieder das verhalten des d. In fast allen äl- 
teren Worten entspricht ihm mit grosser regelmässigkeit 7t; 
nur im buchstabennamen al(pa und in oaTicpeiQog, wo die Ver- 
doppelung, resp. die geschlossene erste sylbe selbst nach spä- 
terer semitischer ausspräche ein 7t erwarten Hesse, ist ein cp, 
das dann auch in %ovq>q)OLQ (= chüfis, yp/n) bei Dioscorides ^) 
sich findet, ebenso in vielen eigennamen bei den LXX ^). 

Alle Zischlaute werden einfach durch a ausgedrückt, nur 
erscheint für das schärfere 2t wol oo. Dass in voawTtog ein aa 
das doch sehr weiche t zu ersezen bestimmt ist, wird seinen 



character zeigen". Aber es scheint mir nicht allein nahe zu liegen, das 
schliessende « derselben mit Schröder S. 30 — 31 als griechischen zusaz 
anzusehen, sondern direct dagegen sprechen die namen fxv ^ vv , tav, wel- 
che aramäischartig vielmehr fxvfxcc (oder eigentlich fiTf^tt), vvva, rttvcc 
hätten lauten müssen. Ganz ebenso ist z. b. 2:dQanTa = nD'^22. — lie- 
ber 13"^ = kijö-ov s. unten. 

^) Auch Xvä = 3>;D soll schon Hecataeus gesezt haben, Sehr. S. 6; 
man würde daher nichts erreichen, wollte man die semitische herkunft 
anzweifeln oder statt /^vnäv die ionische form xc&wv (vgl. zu fivQQa 52) 
heranziehen (s. die analogen fälle bei Krüger, dialect. formenlehre §4,1.3; 
Curtius Etym. S. 416). — Jenes Xvä, 'O^vk übrigens mit *om^ zu com- 
biniren (H 517) ist ein gradezu abenteuerlicher gedanke, mit dem auch 
B II 109 nicht ernst zu machen wagt; eine wenigstens methodischere 
ableitung des griechischen namens (von 7ID oder 1''^) hat de Goeje in 
den Abhandlungen der Holländischen Gesellschaft der Wissenschaften 
vorgeschlagen und durch hebräische eigennamen u.a.m. zu stüzen versucht, 
s. The Academy, May 14, 1870, p. 218. 

3) Sehr. 131. 

") Ewald S. 123 anm. 1. 2. 



Semitische Lehnworte im älteren Griechisch. 285 

grund in der kürze des ersten vocals haben, der den accent 
auf sich gezogen hatte. 

Wenn der stärkste aller semitischen kehlhauche von den 
Griechen meist vollkommen übergangen wird, so kann man sich 
nicht wundern, dass von einem versuche zur nachahmung der 
laute n und s» nirgends die rede ist; es genügt, auf eßsvog und 
xaoola hinzuweisen. 

Was die vocale angeht, so erklärt sich das meiste ganz 
einfach, sobald wir einige der eigentümlichkeiten der phönizi- 
schen ausspräche berücksichtigen: da ist es begreiflich, dass 
hebräischem o der massoretischen Überlieferung v entspricht 
{kvtcqoq, y.vTtccQioaog, mviga), dass hebr. s'wä mobile öfters 
durch einen kurzen vocal dargestellt wird (xitcov, Xißavog: an- 
ders yiXcüßog, ßdälla, die später herübergekommen sind), dass 
nicht nur hebr. hireq (rfnpp), sondern auch sere (gesteigert 
aus i) ebenfalls als v erscheint {vaatorvog), dass das zweite a 
von gamal zu e herabgedrückt ist {■Kdf.ir]Xog) , dass statt der 
endung -an das -6n auftritt ixavwv) ^). Bei ganz späten ent- 
lehnungen ist natürlich nicht sowol die phönizische als die ita- 
cistische ausspräche zu berücksichtigen {yoid, Xsvyog). 

Im allgemeinen zeigen also die griechischen formen ziem- 
liche genauigkeit in wiedergäbe der semitischen laute, beson- 
ders wenn man statt der sog. segolatformen der traditionellen 
hebräischen ausspräche bei werten wie vaßXa{g), vltqov die ur- 
sprünglicheren einsylbigen bildungen (nabl statt nebel) zu 
gründe legt. Hie und da finden sich freilich ausnahmen, die 
wir indes zum teil erklären können. Wenn z. b. hebräischem 
db griechisches Xrjdov, Xrjdavov gegenübertritt, so wird die 
griechische form eben nicht dem Hebräisch-Phönizischen , son- 
dern dem Arabischen entnommen sein, das sein lad an (oben 
no. 34) nicht, wie z. b. ...LJb balasän, erst wieder aus dem 
Griechischen zurückerhalten haben kann, da schon Herodot 
Xccdavov gradezu als arabische glosse anführt (III, 112); auf 
die von r;:hb abweichende vocalisation von Xißavog wird der 
name des gebirges von einfluss gewesen sein. Doch ist da 
manches irrationale zuzugeben, dem wir wenigstens nicht mehr 
nachkommen können, wie das eingeschobene 1 in ßdXaaf.iov = 



^) Sehr. S. 98. 121. 125. 126 ff. — /awojr könnte freilich auch syrisch 

sein. 



286 A. Müller 

cüJä (etwa basm) oder die form v.vf.uvov neben -jiTa^D mit auf- 
gäbe der Verdopplung und ändrung der vocalisation ^j. Letz- 
tere ist überhaupt veränderlicher, als das consonantische ge- 
rippe der Wörter, dem gegenüber die vocale im Semitischen 
bekanntlich eine weit untergeordnetere rolle spielen als im In- 
dogermanischen: grade in dieser beziehung ist es daher nicht 
zu verwundern, dass die Griechen sich die Wörter hie und da 
durch einschieben von vocalen und änderung des tons mund- 
recht zu machen suchten [sßevog, oaf,ißvy.Yi ^ lalßävrj, oindf-u- 
vog, was mit den fällen wie xitcov sich berührt). Doch dürfen 
wir, glaube ich, aus dem bisherigen wenigstens den schluss 
ziehen, dass bei der aufnähme semitischer worte in das ältere 
Griechisch mit einer gewissen regelmässigkeit verfahren worden 
ist, von welcher abzusehen nur in solchen fällen unbedenklich 
sein wird, wo die entlehnung durch besondere gründe andrer 
art sicher gestellt oder doch äusserst wahrscheinlich gemacht 
wird. Legen wir diesen saz, der sich nachher noch durch zwei 
gesichtspuncte sachlicher art ergänzen wird, der folgenden be- 
trachtung des restes unserer ersten liste zu gründe, so gewin- 
nen wir für unsere resultate einen grad der Sicherheit, welcher 
durch die gefahr, in einigen wenigen fällen stark entstellte 
wortformen zu verkennen, mir nicht zu teuer erkauft scheint 2). 

[L Sßga = mnn würde ^ch laut und bedeutung genau 
übereinstmjmen ; der besser bezeugte spir. lenis (= n s. ob. s. 
283) wäre ä^nach jedenfalls richtig.^ Doch beweist, wie mir 
Dr. Bezzenber^r bemerkt, die analogiKdes lateinischen deli- 
cata Lieblingsskiavin , dass auf aßgog zuHickzugehen und das 
wort mit\Fick (KuHn\ Ztschr. X^H, 216) fü^.makedonisch zu 
halten ist.7'~"*^ — '^ \ '"" 

2. ccQQußcüv ist als semitisch von Gesenius reclamiert, von 
Renan in seiner liste übergangen worden, während Benfey es 
festhält. Ich glaube, mit recht; es ist mit Ges. Hdwb. s. v. 
als ein terminus technicus zu betrachten, dessen entlehnung 
nahe genug liegt , die laute wie die bedeutung unterstüzen eben- 
falls diese annähme. 



^) wenn man nicht eine von der hebräischen verschiedene form vor- 
aussezen will: aber auch aram. und arab. ist kammün. 

*) Eckige klammern bezeichnen in der folgenden liste, dass die se- 
mitische herkunft durch die genauere Untersuchung ausgeschlossen er- 
seheint. 



Semitische Lehnworte im älteren Griechisch. 287 

[3. (xQTtrj kann ich nicht = S'^n halten. Abgesehen vom 
Spiritus asper , auf den ich kein gewicht legen will , ist tt = a 
nicht zu rechtfertigen; ausserdem ist das wort, wie dies nicht 
selten vorkommt, ausschliesslich älteren dichtem und der spä- 
testen prosa eigen. Fremdwörter aber darf man in der alten 
poesie (die komiker natürlich ausgenommen) nur da suchen, 
wo entweder mit einer fremden sache ein fremdes wort früh- 
zeitig gemeingut des ganzen volkes geworden und der fremde 
Ursprung vergessen war, oder aber der dichter einen beson- 
deren zweck mit solcher auffälligen abweichung vom ge- 
wöhnlichen verband; wie wenn Aeschylus ein wort wie ßaX^v 
anwendet, welches eben zu seinem g)XaTrö&QaT gehört. Bei 
den Alexandrinern und noch späteren, dichtem wie prosaikem, 
würde ein solches bedenken natürlich nicht stichhaltig sein. 
Ueber die indogermanische etymologie s. Curt. 264.] 

[5. ßäaavog kann weder zu dem lande Bas an gehören, 
denn man sieht die Verbindung nicht ein, noch aber zu V^na, 
da n = ff unerhört ist. Ich war in folge dessen geneigt, mich 
der späteren ansieht Lagarde's anzuschliessen , nach welcher 
das wort eränisches lehnwort ist ; aber Prof. Fick erklärt es nach 
einer freundlichen privatraitteilung Dr. Bezzenberger's = ßd^d'- 
ffavo-g unter vergleichung von lith. bandyti probieren, prüfen; 
-aavo- ist da Suffix = preuss. -sena-.] 

6. ßUog halte auch ich für semitisch, trotzdem die ver- 
gleichung mit dem geminierten h. baq-büq nicht sicher ge- 
nug ist. 

[7. ßoTQvg stimmt schon wegen der bedeutung nicht zu 
nob, auch ist das r für o unzulässig.] 

[9, yavlog und yavlog habe ich zweifelnd zur y' ba ge- 
stellt; ich würde bestimmteres wenigstens über das erstere (s. 
s. 300 unten) aufzustellen wagen, wäre nicht skr. gola vor- 
handen. So bleibt nichts übrig, als ein eigentümliches zusam- 
mentreffen zu constatieren oder sich auf semitisch-indogerma- 
nische Sprachvergleichung einzulassen.] 

11. öeXzog identificiere ich ohne bedenken mit hebr. nbn. 
B II 199 „wegen der ähnlichkeit mit der form dieses buchsta- 
bens (//) ist nach ihm benannt deArog" usw. Das ist die alte 
erklärung des Eustathius, der (Steph. Thes. s. v. öelxatTov) 
sagt -Kai tÖ zrjg dslzov ds ovof.ia o/noicog avcodsv ycareßi] onl 
Tcov öeXtcütcöv ßißXiwv rjrovv sx tcov xara dilza 7txvoaoj.isvcüv 



288 A. Müller 

yQa(pwv, aV xvQLcog diXtoi zaXovfiEvai dq)rj:iav xdlg voteqov ßi- 
ßXioig ^XrjQOvoi^rjaai ToiavTrjg y.}.^0£cog und weiter wg yccQ dsk- 
Tog öia tÖ öeXtwxov oxfjf^ia. Aber diese etymologie ist so nicht 
wahr, denn von ursprünglich „dreieckig gefalteten" büchern ist 
doch sonst nicht die rede, kann auch nicht wol die rede sein, 
da eine solche form zweckwidrig wäre. Ausserordentlich nahe 
liegt dagegen der vergleich einer schreibtafel mit einem tür- 
flügel, wie denn die ähnliche bedeutung seite (eines buches) 
für das hebräische wort ganz unzweifelhaft ist: also wird öiX- 
fov nicht von öeXia erst auf griechischem boden abgeleitet, 
sondern wie der eigentlich ja allerdings identische name des 
buchstaben mit der sache zugleich von den Phöniziern ent- 
lehnt sein. 

[12. sßevog 16mn von dem hebr. D^ann nicht wol getrennt 
werden :, dass aber "H^zteres ein semitisches wort wäre , kann ich 
nicht annehmen, da^s auf eine passende y nicht zurückzu- 
führen ist^ Es wird alsia seinen plaz in der zweiten liste fin- 
den müssen.] >, 

[13. Von Xaortig gilt dasselbe, üs^,^ (mit ä der 1. sylbe) 

ist eine den hebräischen sprachgesezen widersprechende bil- 

dung, für die eine befriedigende erklärung innerhalb der se- 

/mitischen sprachen nicht zu geben ist;^siia£h_ß^I ^^^ wäre es 

^ȊgypMsch, wovon ich nichts verstehe.^ 

loS^dog ist als semitisch von Benfey in anspruch genom- 
men, voW Curtius 137 bezweifelt worden, ich sehe nicht wes- 
halb: lautN^nd bedeutung passen vorzüglich und eine indoger- 
manische etyi^ologie fehlt, da das allein entsprechende ksl. 
ka di zu einer ^chen doch nicht genügt. '**'^ ■■"■-■.--n-,«-. ..._.„, 

^16. xaxxa/?jy mit de Lägard e für semitisch zu halten liegt 
um so näher, als ganz dasselbe wort dem alten namen Kar- 
thagos :3DD entspricht i). Wie freihch lezterer, so viel an ihm 
herum erklärt ist ^), mir noch in tiefem dunkel zu liegen 
scheint, so habe ich auch für den gleichlautenden topf^ nichts^ 
stichhaltiges beizubringen. Das chaldäische '"2'^'i;> stammt erst 
wieder aus dem Griechischen. 

[20. y(.ißdr]Xog ^mbinirt de Lagarde geistreicliVmit der ara- 
mäischen, resp. altsetaitischen y kdb (hebr. kzb, ^w-ab. kdb). 
Beweisen lässt sich niötits, aber die Vermutung bleiÖt, da die 




^) Sehr. 105. ^) ebd. a. 1. 




Semitische Lehnworte im ^^eren Griechisch. 289 

Umstellung des 2. tind 3. radicals keinen ^j^toss bietet, neben 
den etymologien bei^Sßnfey II 158 und Curtibssl53 immerhin 
möglich; die form wäre\natürlich nur durch aramäische Ver- 
mittlung zu erklären. \^ 

[21. xißcoTog mit n^n zusammenzustellen scheint mir un- 
möglich, trozdem Rödiger, Ewald, Fleischer und de Lagarde 
diese ableitung empfehlen. Ob, wie indogermanisches k zu t 
werden kann, so hier der umgekehrte Wechsel möglich ist, will 
ich nicht entscheiden, aber nir selbst erscheint als ein ar- 
chaistisches und seltenes wort (für das ächthebr. ■;t~>n), von 
dem kaum anzunehmen ist, dass es im gebrauche des gewöhn- 
lichen lebens gewesen sein könnte; chald. «mn-^n (im syrischen 
fehlt das wort!) ist jedenfalls lediglich als ein solennes wort 
aus dem Hebräischen herübergenommen, und ganz denselben 
character zeigt das weiter zu den Arabern und Aethiopen ge- 
drungene täbüt, täbot; grade umgekehrt aber gehört y.ißo)r6c 




lediglich der spräche des gewöhnlichen lebens an, bis_die LXX 
(und danach auch der Syrer) es zur übersezung des hebräischen 
Wortes anwenden. Einer ableitung direct aus dem Aegyptischen 
würde ich aus diesem gründe wenigstens nicht widersprechen, 
semitische Vermittlung halte ich für äusserst unwahrscheinlich. 
S. auch Renfey II 324, wo wenigstens die heranziehung von 
jo/Jtö'fg' usw. beayhtung verdient.] y 

[22. xldagig/ ist mit de Lagarde ^,ls persisch an/usehei 
das phönizische verbum ist denominativ, eine allgemein senjiti- 
sche y nicht/ vorhanden.], ' ,' / 

[23. v.Lvv(x(.uovov stammt, unzweifelhaft zunächst aus dem Se- 
mitischen: mehr aber kanik auch aus Her. III, ill i) nicht 
gefolgert werden. Auch diesVird eins von jenen wörten sein, 
auf welche Fr. Müller 2) als aVf „fremdlinge" aufmerksam ge- 
macht hat, die „zum grösstenVheile nach dem geiste'der je- 
„desmaligen spräche so geschickt verarbeitet sind und ih ihre 
„Umgebung so gut hineinpassen, \dass es schwer wird, \ den 
„fremden gast im einheimischen kWde zu erkennen und^als 
„solchen zu behandeln". Semitisch ist "J'^^Sf? keinesfalls, wohV 
es stamme, weiss ich nicht; eine indische etymologie s. bei^^ 
Benfey H 157.] " \ ' 

^) G. Hdwb. s. V. ]lW:p; die dort gegebene etymologie ist nur ein 
notbehelf. 

2) K. Beitr. II 490. 
Beiträge z. Kunde d. ig. Sprachen. I. 20 



290 A. Müller 

[25. yii^dXXr]g „qui signifiait pirate dans la haute antiquite 
„grecque (voir l'mscription de Teos, dans Boeckh, Corpus 
„ins er. graec. no. 3044), me parait venir de bb^ (praeda, 
„praedator) par un redoublement analogue a celui de Tcd^ai- 
„ßwaoco; le son chuintant aura passe au son k, d'apres une 
„analogie tres-familiere au sanscrit: on comprend du reste que 
„le nom des pirates et de la piraterie soit venu des Pheniciens." 
Diese deduction Renans (193) scheitert sofort daran, dass se- 
mitischem uj ausnahmslos einfaches a entspricht (s. ob. s. 284) ; 
auch wird die analogie von Tid-aißcoaoaj mit der semitischen 
herkunft desselben zugleich hinfällig; s. u. s. 298. Benfey II 
161 stellt es zu y ^tt^--] 

26. xiTTiü zeigt nicht nur die spätere ausspräche der ur- 
sprünglichen femininendung a, sondern auch r statt ö, was 
aber in dem buchstabennamen Iwra ebenso der fall ist. 

[27. xiwv möchte ich mit h. -jt^s schon deswegen nicht com- 
binieren, weil lezteres'aTra^ leyofxevov, also jedenfalls ein selten 
gebrauchtes wort ist, abgesehen davon, dass auch die bedeu- 
tung in zweifei gezogen wird und sich mit der griechischen 
nicht genau deckt.] 

30. yivTiaQLOOog wäre besser als zu lor) zu -12:1 zu stellen, 
wenn für lezteres die bedeutung „nadelholz" sicher stände. 
Auffällig ist auch das schhessende -laaog; selbst wenn es als 
griechisches suffix unanstössig sein sollte, pflegt doch ein sol- 
ches nie in dieser weise an ein semitisches wort gehängt zu 
werden. Andrerseits möchte ich auch nicht gradezu beide worte 
zu trennen wagen. 

[32. Xaog mit cjtb zusammenzubringen halte ich für unstatt- 
haft; in den beiderseitigen -j/y stimmen eigentlich nur die an- 
fangsbuchstaben überein. S. auch Curtius 364.] 

[36. Ebenfalls unwahrscheinlich ist die gleichung Xig, Xiwv 
— ijjfb, vi^-J [leit]. Pott und Benfey scheinen mir zu überse- 
hen, dass das schluss-g von Ug als nominativendung mit dem 
radicalen r nicht wol in parallele gestellt werden kann; lezte- 
res aber einlach zu ignorieren wäre gegen alle analogie. Auch 
hat Benfey II x diese ableitung selbst wieder aufgegeben und 
hebr. N-^r^b = Xef- herangezogen. Aber a = c und die ein- 
fache weglassung des schliessenden i ist doch unzulässig; will 
man dagegen die beiderseitigen yy in Verbindung bringen, so 
tritt das aus dem rahmen dieser arbeit heraus.] 



Semitische Lehnworte im älteren Griechisch. 291 

[37. l'öyyri = nah ist nicht zu halten ; keiner der bei- 
den hier vorausgesezten lautübergänge lässt sich nachweisen, 
denn in dem umgekehrt entlehnten ß^Qv?dog = -nbn haben 
beide liquiden lediglich den plaz getauscht, und n?: = yx bleibt 
stets bedenklich, wenn es auch allein vielleicht die Verwerfung 
nicht motiviren würde.] 

[38. fiiayadig = n'bnTa scheitert an dem sonst unbelegten d 
— b und y = n; eins von beiden würde sich vielleicht noch 
zugeben lassen, beides zusammen nicht.] 

39. /iiayyaveia = rtr:;:» : die begriffe stimmen allenfalls, 
aber das hebräische wort hat doch eine zu stark specificierte 
bedeutung. Ich würde jedenfalls ein starkes fragezeichen da- 
neben sezen. 

40. Um fiald^a streiten sich Indogermanen und Semiten, 
und leztere haben es zum teil schon aufgegeben. Jedenfalls 
ist die Sache zweifelhaft, so gern ich mit der schreibtafel (s. 
oben zu 11) auch deren wachsüberzug für die Phönizier recla- 
mierte. 

[41. ^avdalog scheint mir doch nicht zu 'bn:>3ö zu gehören. 
Das griechische wort ist spät und hätte also aus dem Aramäi- 
schen kommen müssen , wo es aber nicht vorhanden ist, ausser- 
dem ist das eingeschobene d und a für ü auffällig.] 

[42. Arab. m ah dar würde der bedeutung nach allenfalls 
zu dem späteren fidvöga kloster, sonstige ableitungen der y 
"ii:n noch besser zu der älteren bürde stimmen, und dass das 
wort nur im Arabischen wirklich in der form mit vorgeseztem 
m erscheint, wie dass vor ö ein v eingeschoben ist, wäre kein 
absolutes hinderniss. Aber d = (jo :£. halte ich für unmög- 
lich; in dem einzigen freilich auch zu verwerfenden beispiele, wo 
ein solches i: vorkommt, wäre es auch im Griechischen ein a ^). 
Auch ist ixävdqa wenigstens in der einen bedeutung ein altes 
wort, dessen entlehnung aus dem Arabischen nicht wol ange- 
nommen werden kann ^) ; aus dem Hebräisch-Phönizischen wäre 
aber unter allen Umständen nur a, nicht d zu rechtfertigen. 
Semitisch wird es nicht sein; ob es überhaupt ein fremdwort 



^) S. zu no. 70. 

^) Vgl. zu no. 3 ; XriSavov s. 277 ist als name eines ganz bestimmten 
südlichen productes doch anders. 

20* 



292 A. Müller 

ist, oder nach Benfey II 44 mit (.idvdalog zu ymad gehört, kann 
ich nicht beurteilen.] 

[43. Das späte jnavdvi] mit h. i7o gleichzustellen ist deswe- 
gen nicht rätlich, weil lezteres im Aramäischen fehlt, wo die 
y 173 eine ganz andre bedeutung hat i) ; auch bliebe das v uner- 
klärt, während das v nach aram. lautgesezen ohne anstoss wäre, 
de Lagarde's argument „^72 a LXX semper per /navövag red- 
ditur" Hesse sich auch dahin erklären, dass eben wegen der 
äusseren ähnlichkeit beider wörter f.iavdvag stets zur überse- 
zung von -i73 gewählt wurde. Eine andre erklärung weiss ich 
freilich nicht.] 

44. (xäQOLTCog bezeichnet de Lagarde als „deutlich semiti- 
schen Ursprungs" und in der tat legt nicht nur die form mit 
dem vorgesezten 12, sondern auch die ganze übrige gestalt des 
Wortes nahe dem zuzustimmen. Nur will es mir nicht gelin- 
gen, ein semitisches etymon zu finden. Derivate der y w2ia)j 
rsf passen eventuell nur sehr gezwungen, solche von y jsxmh 
rs'f gar nicht. Man wird daher das wort vorläufig nur in die 
reihe der des semitismus verdächtigen stellen können. 

[45. De Lagarde's combination scheint mir ebenso geistreich 
als unhaltbar. Das wort müsste wegen der specifisch arabi- 
schen zehnten, im Nordsemitischen gar nicht vorkommenden form 
direct aus Arabien nach Griechenland gewandert sein, was bei 
seinem alter und der art seiner bedeutung unmöglich angenom- 
men werden kann, auch passen die begrifie nicht einmal ober- 
flächlich zu einander.] 

[46. Die einander gradezu widersprechenden experimente, 
die seit alten zeiten mit m372 = /.laxaiga angestellt werden, 
können schon deswegen nie zu einem resultate führen, weil 
bekanntlich die bedeutung dieses hebräischen aTta^ Xeyof^ievov 
eine durchaus zweifelhafte und bestrittene ist; auch triff't hier 
wieder zu, dass das wort jedenfalls ein ganz seltenes und also 
der übertragu^ in eine fremde spräche schwerlich ausgesezt 
war.] 

[47. /usyaQov yoitsuiiyag abzuleiten 2)\^g seine bedenken 
haben, aber einen zusaimnenhang mit y -ii:» rfe^ustellen dürfte 
noch schwieriger sein, ^«ar haben wir h. -)W2 ä^enthalts- 



*) Vgl. zu no. 41. 
2) Curtius 329. 




Semitische Lehnworte im älteren Griechisch. 293 

ort, auch ^^hnun^, aber das/^timmt nicht zu dem bßgrin 
von f.iiyßi^v , der^nmer im ge^nsaz zur einfache]i--wö!in8tätte 
de^-^ossen^j^al, dan^.'-'aen palast bggeiclinet Auch das 
a spricht ge^en die id^atificierungj^.,..,.--'''''''''^ 

[48. liigaaßog würde ich nicht einmal dubitans auf y 'sb 
in der bedeutung binden zurückführen. An eine wurzelver- 
wandtschaft kann doch nicht gedacht werden, und eine semiti- 
sche ableitung durch 73 mit einer irgend hieherpassenden be- 
deutung fehlt; ebenso freilich bisher eine indogermanische ety- 
mologie.] 

[49. jiisTaXXov kann man aus dem gründe nicht mit h. büTj 
combinieren, weil diese y nur schmieden (eigentlich lang 
machen, ausdehnen) heisst, also hier gar nicht passt.] 

50. De Lagarde's /ndra^a = arab. (etwa) mu'takas ist 
so unmöglich wie 45: auch die form mit eingeschobenem t ist 
specifisch arabisch und die bedeutung passt gar nicht, denn 
(j^jCä heisst umkehren und dass ein ^_JJic. grade ein strick 
ist, hat mit dem eigentlichen begriff der y nichts zu tun. Das 
richtige bietet Fleischer an der citierten stelle. 

51. uvä ist selbstverständlich das hebräisch - phönizische 
wort. Aber die form ist eigentümlich; man erwartete nach 
dem Hebräischen /iidvrj oder /ndvva (vgl. xccwa). Vermutlich 
hatten bereits die Phönizier das vielgebrauchte wort zu nDTa 
verkürzt, dem lat. mina gut entsprechen würde. Die ionische 
form ^ivea trägt zur aufklärung nichts bei; vielleicht stammt 
das wort direct aus dem Aegyptischen (B II 368). 

52. (.ivQQu ist eine äolische form ; die lonier und späteren 
sagten a/nvQvr] i), vgl. of-iägaydog; über dies vorgeschobene ö, 
insbesondre den zeitpunct seines eintretens habe ich nirgends 
etwas gefunden ausser etwa bei Curt. 526 den saz, dass „fremd- 
wörter ihre eigenen wege gehen". Ich wage daher auf den weg, 
den das wort etwa genommen hat, aus der formverschiedenheit 
der dialecte keinen schluss zu ziehen, obwol die jedenfalls nur 
dem Aramäischen entsprechende form ebenfalls bemerkenswert 
ist. Mit Hehn 514 (.ivqqa usw. und f^vQzog zu identificieren 
sehe ich keine berechtigung. 

54. vhcoTtov = nsb: wäre an sich ganz ansprechend; frei- 
lich kommt lezteres im Hebräischen nur als eigenname vor, 



^) Herod. VII, 181. 



294 A. Müller 

aber man könnte das wort ohne anstoss auch auf aram. |.2i4,u 
n6tä,fä zurückführen. Bedenklich ist aber immerhin das t: = 
r in einem so alten worte (s. ob. s. 283); ich wage nichts be- 
stimmtes zu behaupten. 

55. Ueber die spätere nebenform Xltqov s. Curtius 443. 
Dass das wort ursprünglich semitisch sei, ist mir wieder sehr 
zweifelhaft; die etymologie G. Hdwb. s. v. genügt nicht. S. zu 
no. 23. 

56. Die Verbindung 'Q^^'H'n ]ni:2i<, in welcher das hebr. wort 
Prov. 7, 16 allein vorkommt, legt bei dem mangel eines semi- 
tischen etymons nahe, an ägyptische herkunft zu denken, doch 
vermag ich nicht anzugeben, ob sich dort ein ähnliches wort 
findet. Gegen die gleichstellung spricht, dass auch "jnuN ein 
arta^ Xeyof.iEvov ist; doch kommt es im Chaldäischen als strick 
wieder vor, und ist also wenigstens kein grund zu vollständi- 
ger ablehnung vorhanden, obwol alles fraglich bleiben muss. 

[57. oivog wein wird mit gleicher bestimmtheit im Griechi- 
schen und im Semitischen als lehn wort bezeichnet; aus lez- 
terem saze zieht Hehn die schönsten culturhistorischen folge- 
rungen. Aber sprachlich ist die sache unmöglich, denn eine 

hebräischem -^ii, arab. ^^.*, [wein], äth. (D^*?! [wein] ent- 
sprechende ^ y^ wäre die einzige begriffswurzel in sämmtlichen 
semitischen sprachen, die mit ii anlautete ^), könnte also nur 
angesezt werden, wenn gar keine andre möglichkeit der erklä- 
rung vorläge. Es ist also jedenfalls an einer indogermanischen 
etymologie festzuhalten, an welcher, habe ich hier nicht zu 
beurtheilen.] 

58. Obwol selbst Curtius 404 den indogermanischen Ur- 
sprung von ovog aufgibt, kann ich mich doch nicht ohne wei- 
teres entschliessen , das wort einfach vom hebräischen iin« 
(ähnlich auch in den andern dialekten) herzuleiten, welches 



^) äthiop. G)^irifci. [waital] caprea (J'o()z«? ist schwerlich semiti- 
schen Ursprungs; Dillmann Lex. aeth. s. v- hat gar kein etymon dazu; 
Praetorius möchte es mit /TIA, (V "'bü) combinieren, durch Metathese 
der Wurzel und präfigiertes zu w geschwächtes m, eine Bildung wie 

amhar. (l)j^,aji\ Stier für ^^J^/j,Xmi äthiop. mit präfigiertem t 

l'^/^ 2. 5 doch bezeichnet er mir diese ableitung wenigstens als 
nicht ganz sicher. 



Semitische Lehn w orte im älteren Griechisch. 295 

mit lateinischem asin- parallel stände. Für den Übergang ei- 
nes semitischen t in s haben wir kein einziges beispiel; dass 
man nicht das masc. mTsn herübergenommen hätte, wäre zwar 
ebenfalls auffällig, aber doch erklärlich, ev. schon wegen des 
den Griechen unbequemen n (s. oben s. 283). Da freilich die 
entlehnung in uralter zeit stattgefunden haben müsste, könnte 
man auch eine stärkere lautliche differenz gerechtfertigt finden, 
aber behaujDten lässt sich darüber jedenfalls nichts. 

[59. De Lagarde's combination von Ttdyog und ^ halte ich 

für unmöglich aus den zu no. 3. 42 erörterten gründen, sowie 
wegen der höchstens ganz oberflächlichen ähnlichkeit der be- 
deutungen.] 

[60. Die alte Zusammenstellung von rcaXad-i] mit nbn, so 
nahe sie durch die identität der bedeutung gelegt wird, ist 
doch lautlich unmöglich, nicht nur wegen des vorausgesezten, 
nirgends sonst nachzuweisenden Wegfalls eines anlautenden d, 
sondern auch wegen der unzulässigkeit der gleichung /r = n.] 

61. naXXa^, TtaXlaY.ig usw. bieten für eine rationelle er- 
klärung grosse Schwierigkeiten dar. Jedenfalls müssen sie mit 
hebr. u3^Ve identificiert werden; nur fragt sich, ob die griechi- 
sche, ob die hebräische form für ursprünglicher gelten soll. 
Zunächst ist TtälXa^ auszuschliessen, das lediglich um unhalt- 
barer etymologien willen von späteren grammatikern (zuerst 
überliefert es Ammonius) gebildet erscheint; die älteste, bei 
Homer ausschliesslich auftretende form ist Ttallay-ig. Da scheint 
nun die reihe Ttallamd- aram. -npb"'C , hebr. ujabo nach re- 
gelmässigen lautgesezen auf ein ursprünglich semitisches plgt 
hinzuweisen; dann wäre das auch ziemlich alte TtoXkav.r] durch 
eintreten einer andern femininendung für das den lezten radi- 
cal ersezende -ic, später gebildet. Dagegen spricht, dass sonst 
stets die griechische endung erst hinter dem lezten radical des 
semitischen wortes antritt; auch ist das chaldäische Nnpb"'D 
nach Levy's Wb auf einen kreis hebraisierender texte be- 
schränkt und liegt daher die möglichkeit einer entlehnung aus 
dem Hebräischen nahe genug. Ich würde nichts desto weniger 
an die richtigkeit der ersten annähme glauben, da u):jbQ schon 
in der Genesis vorkommt, also ursprünglich griechisch kaum 
sein kann; aber acht semitisch ist es gewiss ebenso wenig. 
Dr. Bezzenberger schreibt mir darüber : „Tra^Aax»^' , TcaXka.Y.'ig 



296 A. Müller 

u. s. w. glaube ich aus dem indogerm. erklären zu können ; 
es ist durch secundär-suffixales k aus nalla- = jvadXa- wei- 
tergebildet und dieses gehört zu der y bhadh verbinden, ge- 
sellen vgl. die wurzelhaft verwanten skr. bandhu u. a. Ver- 
wanter, Freund, bandhu-ka Bastard, bandha-ki liederliches 
Weib (vgl. begrifflich noch lit. draiigas Gefährte, Gesell, 
draugalas das. und ßuhler, draugalauti in Gemeinschaft le- 
ben, ehebrechen). — Die Etymologie ist aber kühn und ich 
will mich nicht auf sie steifen". — Stammt es aus Kleinasien? 

[62. TteoöOQ mit Fleischer aus dem Aramäischen abzuleiten 
scheint mir nicht ganz unbedenklich, da das griechische, übri- 
gens sehr alte wort nicht nur die steine, sondern, wie Ttaa- 
aov, auch das brett im spiele bezeichnet und, da die fünftei- 
lung des lezteren noch bei den Griechen feststeht, für dieses 
Benfey's erklärung durch Tcivze vorzuziehen sein dürfte, sofern 
nicht etwa vom indogermanischen standpuncte einwendungen 
dagegen zu machen sind. Dann wäre das zusammentreffen mit 
Vcoa usw. zufällig.] 

[63. Die semitische etymologie für rtQcxoov hat sich Hehn 
merkwürdiger weise entgehen lassen , da er s. 173 auf Benfey 
II 100 sich zu beziehen scheint. Und doch wäre bei der häu- 
figkeit der Verwandlung von k in tt die erklärung möglich, 
wenn nicht durch die frühere form *7t(XQOov = lat. porrum 
die indogermanische herkunft gesichert wäre (Fick ^ H, 146).] 

[64. Qaßdog stimmt mit nnb besonders dem buchstabenna- 
men Xdßda, Xdfxßda gegenüber zu wenig überein, als dass es 
seinen plaz hier behaupten könnte.] 

, [65. Ein wort, das einen berggipfel bezeichnet, aus dem 
semitischen abzuleiten, scheint mir a priori bedenklich ^)\ aus- 
serdem ist die anwendung des syrischen \m.»'i eine durchaus me- 
taphorische, der gewöhnlichen für haupt gegenüber im Sprach- 
gebrauch weit zurücktretende — wer würde ein wort für gipfel 
aus dem griechischen xaQrjvov erklären wollen, nur weil ogacov 
yi(XQr]va vorkommt? Lautlich wäre die sache möglich; vgl. 
Curtius 378.] 

[66. Umgekehrt hätte goa aus 'jia-i aus sachlichen gründen 
viel für sich, aber die lautverhältuisse passen nicht, denn die 
ganze ähnhchkeit besteht im gleichen anfangsbuchstaben. Zwar 

*) Vgl. zu no. 77. 



Semitische Lehnworte im älteren Griechisch. 297 

meint Benfey, / für m sei eine sehr natürliche Umwandlung; 
man müsste aber positive belege dafür erwarten , um zustimmen 
zu können. Auch ist die gemeinsemitische Verdopplung des m 
zu beachten, die doch nicht ohne weiteres bei seite gelassen 
werden darf.] 

[68. aaf-ißvyo] hat ein correspondirendes wort nur in ftoao 
oder 'nto, das sich ausschliesslich im 3. kap. des buches Daniel 
findet. Ich glaube nun bestimmt, dass es da, wo es zwischen 
den unzweideutig griechischen worten D"^nip und "j-^nnaDD steht, 
auch als griechisches fremdwort zu erklären ist, da es allen 
versuchen, ihm eine semitische etymologie aufzudrängen i), spot- 
tet, die bedeutungen der y "jno und ihrer derivate auch nicht 
den geringsten anknüpfungspunct für eine solche bieten. Für 
das griechische wort ist die deutung doch wol auf kleinasiati- 
schem boden zu suchen , auf welchem ich aber die führung an- 
deren abtreten muss.] 

[69. a^g hat nur eine ganz äusserliche ähnlichkeit mit DD 
und den entsprechenden worten der übrigen dialekte; der grie- 
chische stamm erscheint als as- oder ar^z-; ein aea- dürfte 
schwerlich zu rechtfertigen sein.] 

[70. ai]ip = ni: v_Lto zu sezen, würde ich nicht wegen des 
arabischen (jis^wol aber wegen der Verschiedenheit der bedeu- 
tung beanstanden: ai]ip ist nach Aristot. &av/ii. äyiovajLi. 164 
(p. 846^ 10) eine bösartige giftschlange , Si: (J^ eine unschäd- 
liche eidechsenart.] 

[71. oiyXoQ muss doch wol mit deLagarde, trozdem es eine 
persische münze bedeutet ^), zu h. bpu) gestellt werden, das 
als aUkog (no. 85) später auf anderem wege nochmals er- 
scheint. Das ungewöhnliche y — p erklärt sich besonders bei 
einem von den Griechen mitten in Asien gehörten worte leicht 
durch die von alters her schwankende ausspräche des lezteren 
consonanten.] 

[73. S mir gel und Diamant können schwerlich durch das- 
selbe* wort bezeichnet werden. Die lautverhältnisse würden 



^) Besonders schön ist die des sonst gewis höchst achtungswerten v. 
Lengerke, der z. st. den namen a fidibus perplexis et implicatis 
ableitet. Also die neuste flügelconstruction mit gekreuzten saiten — 
oder was sonst?! 

2) S. Lag. Abhh. 238, 10. 



298 A. Müller 

allenfalls stimmen, aber a/iivQva, a/naoaydog sind geeignet, das 
a von fremdwörtern , die mit a/ii anfangen, zu verdächtigen.] 

[74. Ob h. aram. "[UJity, neupers. j^yw^^ wirklieb ein ursemiti- 
sches wort ist?] 

[75. Ueber die zwischen avKditivog und av/,6f.ioQog = üTopttJ 
eingerissene Verwirrung s. Hebn s. 334, der, wie es scheint, 
einer anregung Benfey's (I 442) folgend das -iv- auf die hebr. 
pluralendung -im (besser also phöniz. -in) zurückführt. av-Kov 
selbst für semitisch zu halten (B a. a. o.) fehlt die berech- 
tigung.] 

[76. TLd^aißiöooo) möchte Renan als semitisch ansehen; mit 
unrecht, denn einmal ist das wort ein homerisches aita^ Xeyo- 
(.iBvov 1), zweitens wäre es das einzige verbum, welches aus 
dem semitischen ohne nominale Vermittlung herkäme , drittens 
stimmen die laute nicht vollständig überein und endlich ist die 
reduplication bei einem lehnwort nicht zu rechtfertigen.] 

[77. vßQLg = rr^ay wäre lautlich möghch , dagegen spricht 
aber eine durchgreifende sachliche rücksicht. Unter sämmtli- 
chen hier verzeichneten worten wäre dies das einzige wirklich 
abstracter bedeutung: nun lehrt aber nicht nur eine selbst 
oberflächliche einsieht in die ausserordentliche Selbständigkeit 
und die lebendige productivität des Griechischen, sondern ganz 
einfach ein blick auf die in ihm erscheinenden lehn- und fremd- 
wörter, dass es sich hier stets um ganz concreto dinge han- 
delt, welche, als ungewohnte erzeugnisse fremder länder auf- 
fallend, ihren fremden namen mit sich brachten: alles, was 
darüber im obigen hinausging, waren wir schon aus anderen 
gründen zu verwerfen genötigt. Steht einiges wie das s. 287 
erwähnte ßaXriv herrscher scheinbar schon auf der grenze, 
-^"fTigr^g^^^ffSSr^in solcher würdename noch etwas anderes, 
als ein ganz abstracter begriff wie frevel — im gebrauch des 
gewöhnlichen lebens war jenes aeschyleische wort ausserdem 
gewis nicht; das unter no. 39 besprochene, übrigens selbst sehr 
zweifelhafte ^layyaveta aber wäre als eine art terminus techni- 
cus zu betrachten (vgl. aggaßcov, das auch kunstwort ist). Le- 
diglich aus diesem gründe, der eben nur für das Griechische, 
für dies aber ganz und voll gilt, glaube ich troz des fehlens 

^) Natürlich gebrauchen es spätere gelehrte dichter in nachahroung 
der homerischen stelle; sie waren sich aber so wenig wie wir klar darü- 
ber, was das wort eigentlich bedeute. 



Semitische Lehnworfce im älteren Griechisch. 299 

einer befriedigenden erklärung für vßqig de Lagarde's feine 
combination ablehnen zu müssen i).] 

79, Für cpv'/.og kenne ich nur die sehr zweifelhafte etymo- 
logie Benfey's II, 109: es ist gewis das nach laut und bedeu- 
tung genau übereinstimmende "^id, das zwar auch kein sicheres 
etymon hat, aber seinerseits schon wegen seines frühen Vor- 
kommens nicht aus dem Griechischen herstammen kann. Ob 
es wieder einer der „fremdlinge" ist? (s. 289). 

81. Die hebräische form sichert die Schreibart xavcoveg. 

[82. x^qai-iog kann wiederum als ein altes poetisches wort 
nicht mit dem arab. ^ sS. (nicht ^ ^ Freyt.) combiniert wer- 
den, welches ausserdem ein seltener ausdruck ist.] 

83. Gegen die semitische herkunft von %itiov darf man bei 
der frappanten Übereinstimmung von laut und bedeutung sich 
schwerlich aussprechen. Ob man pftrwv oder m^cov oder ein 
noch älteres *xi^wv zu gründe legt, ist nach s. 284 anm. 1 
unerheblich. 

84. XQ^^^S ist wie das lezte so auch ziemlich das zweifel- 
hafteste wort dieser ganzen reihe. Es gibt indogermanische ety- 
mologien dazu (B II 197 — 8; Curtius 204) und man hat es 
aus dem semitischen (yi"in,) abgeleitet. Was gegen die erste- 
ren etwa spricht, kann ich nicht beurteilen; vom semitischen 
standpuncte ist gegen das leztere etwa nur die gleichung n = x 
einzuwenden, deren möglichkeit wir jedoch s, 284 oben wenig- 
stens als ausnähme zugeben mussten ; auch die anlautende doj)- 
pelconsonanz würde durch vergleichung von (^va 51 gerecht- 
fertigt werden können. Ich möchte mir daher nicht erlauben, 
eine entscheidung geben zu wollen. 

85. aUlog s. 71. 

Als sicher semitische lehnwörter älterer zeit (etwa bis zu 
den LXX) können somit nur bezeichnet werden dgQaßwv ßaX- 
aa/iiov ßvaaog deXrog ndöog y.äf.irjXog yiawa '/.aoala xiv- 
vafxiovov %vf.uvov yivndqiooog Xrjd{av)ov Xißavog (.ivä fivQ- 
qa vccßXag vItqov acxKxog alyXog ov/.df^iivog voaiü- 
Ttog (fvinog xaXßdvr] x^rvjv; mehr oder weniger,, unsicher 
sind f-iayyaveia f-iägoiTiog veziOTtov cd^ovrj ovog TtaXXamg 



^) Wer trozdem die ableitung für möglich halten sollte, dem em- 
pfehle ich als eine andre nicht weniger ansprechende dvia = n'IN. 



300 A. Müller 

XQvaog, und auch von der ersten reihe sind vielleicht einige 
noch als „fremdlinge" auszuscheiden. 

In bezug auf den Ursprung der nun folgenden worte, wel- 
che sicher schon im Semitischen lehnworte sind, habe ich mich 
begnügen müssen zusammenzustellen, was ich bei andern fand, 
und füge dem hier nur noch wenige kurze bemerkungen hinzu. 

93. yifjßog scheint wegen des rj doch nicht durch das he- 
bräische, sondern auf anderem wege nach Athen gekommen zu 
sein, k^dov — ti'b darf man nicht anführen ; s, s. 285, 

94. Ich habe de Lagarde's ansieht wörtlich angeführt, da 
mir selbst die sache sehr zweifelhaft erscheint, doch masse ich 
mir kein bestimmtes urteil an. 

96. De Lagarde's zweifei sind gewis sehr begründet. 

97. Die aramäische form "T'DTsq ist, wie die bezüglichen 
Artikel in Levy's Ch. Wb. zeigen, selbst erst wieder aus dem 
griechischen adf.i(p€iQog entstanden, kann also nicht als beweis 
dafür dienen, dass das wort durch die Aramäer zu den Grie- 
chen gekommen sei. 

98. Das f.1 in af-idgaydog gegenüber hebräischem n lässt 
eine semitische Vermittlung nicht sehr annehmbar erscheinen. 

Oben s. 289 haben wir der vortrefflichen bemerkung Fr. 
Müller's über die „fremdlinge" uns rückhaltlos anschliessen kön- 
nen. Ob er im einzelnen mit dem, was er über die hieher ge- 
rechneten worte s. 98 — 101 gesagt, überall das rechte getrof- 
fen hat, darf ich nicht zu beurteilen wagen. • Nur in bezug auf 
arabisch wä-y« = griechisch ^icpog möchte ich rein vom semi- 
tischen standpuncte aus bemerken , dass eine ganz befriedigende 
etymologie des arabischen wertes innerhalb des Semitischen 
selbst von Fleischer zu Levy Ch. Wb. II nlO^^ gegeben ist. 
Das princip seiner darlegung ist aber jedenfalls sehr richtig, 
so wenig man aus den von ihm selbst hervorgehobenen gründen 
hoffen darf, es im detail je sehr fruchtbar werden zu sehen. 
Freilich dürfte den gleichen vorwnrf auch unserer Untersuchung 
der nicht ersparen , welcher das winzige resultat mit dem dazu 
gemachten aufwände vergleicht. Und ich bin gewis der erste, i 
der zugesteht, dass durch geschickte benuzung des vorbände 
nen gemeinsemitischen Sprachmaterials hier noch mancherlei | 
erreicht werden kann, was mir entgangen ist. So kann es z. | 
b. wunderbar erscheinen, dass von den in ziemlicher zal er- 
haltenen griechischen schiffsausdrücTcen, die zum grössten teil 

i 



Semitische Lehnworte im älteren Griechisch. 301 

noch unerklärt sind, nicht ein gutes teil auf phönizische wortel 
'-zurückzufuhren sein sollte: und der art mag es noch mancher- 1 
r- lei geben. Ich muss das gelehrteren und scharfsinnigeren über- 
lassen: aber ich glaube, grade auf diesem gebiete, auf welchem 
die unsichersten combinationen zu den weitgreifendsten cultur- 
historischen folgerungen führen können — und wer wollte dem 
culturhistoriker einen Vorwurf daraus machen, wenn er auszu- 
nuzen sucht, was ihm der Sprachforscher bietet? — grade auf 
diesem gebiete ist ein bescheidener versuch berechtigt, wenig- 
stens annähernd einmal festzustellen, was man sicher weiss, 
was man nicht sicher weiss und was man sicher nicht weiss. 
Halle a|S. 

August Müller. 



Homerische %a und i«/mt. 

Im dritten Bande des Philologus, von Seite 5 bis 8, findet 
sich unter „Homerischen Studien" von Georg Curtius ein Auf- 
satz über 'iy]^i - u(.iai, der nun also nahezu dreissig Jahre 
alt geworden ist, in dieser Zeit wohl mehrfachen Widerspruch, 
wie zum Beispiel namentlich von Pott, erfahren hat, von sei- 
nem Verfasser aber noch neuerdings mit dem Bemerken an- 
geführt ist, dass was Pott darin als „ausser Acht gelassen" be- 
zeichne, alles „wohl erwogen" sei. Der kurze Inhalt des Auf- 
satzes ist: das homerische %iq[.u „entsenden, werfen" hat voca- 
lischen Anlaut und fast immer anlautendes kurzes t, %Eixai 
„streben, wünschen" aber fast immer gedehntes i und conso- 
nan tischen Anlaut; trini ist reduplicirt, lautete zunächst yyiy^ut 
und schliesst sich an altindisches Ja „gehen", dem die Redu-- 
plication die causative Bedeutung ,, gehen machen" verlieh, die 
dann das ganze Verb ergriff. Auch u(.iaL ist reduplicirt, in 
ihm aber erzeugte die Reduplication „im bunde mit den me- 
dialen endungen" aus der Bedeutung „gehen" die des ,,Stre- 
bens". „Der Vocal der Reduplicationssylbe wurde gedehnt" 
und da die Verdopplung im Medium noch „eine fühlbarere 
Kraft" hatte als im Activ, hielt sich hier die Länge und der 
consonantische Anlaut noch im homerischen Dialekt. 



302 Leo Meyer 

In allen diesen Ausführungen und was ihnen weiter zu- 
gefügt ist, findet sich so gut wie gar nichts, das vor strengerer 
Kritik Bestand haben könnte. 

Das altindische ja „gehen" fiectirt im Präsens sehr ein- 
fach jdmi „ich gehe", jä&i „du gehst", juti „er geht" und 
so fort und daneben bestehen durchaus keine reduplicirten For- 
men , die einem griechischen i'jy^ta (als zunächst für ßjrii.iL) zu 
Grunde liegen könnten, vielmehr sind solche, und zwar zuerst 
von Bopp in seiner vergleichenden Grammatik, rein aus der 
Luft gegriffen und ohne jede Berechtigung construirt. Dem 
griechischen %öT7]f.u dagegen, das Bopp und nach ihm Georg 
Curtius zur Vergleichung heranzieht, steht allerdings auch im 
Altindischen ein aus der Wurzelform sthd „stehen" durch Re- 
duplication — wenn auch mit untergeordneten lautHchen Ab- 
weichungen — gebildetes Präsens gegenüber : tishthämi „ich 
stehe", iishthasi „du stehst" und so weiter. Das griechische 
iGTr]fa (für OiOTTq(.u) und das mit ihm übereinstimmende, wenn 
auch in die o-Conjugation hinübergenommene, sistö zeigen nun 
allerdings — im Gegensatz zum Altindischen — die Causativ- 
bedeutung „ich mache stehen, ich stelle", das aber berechtigt 
doch in keiner Weise, nun solche Bedeutungsveränderung für 
alle beliebigen andern Verba mit reduplicirten Präsensformen 
weiter zu construiren: die nächstvergleichbaren dldtüf.u = alt- 
indisch dddämi „ich gebe", TlS-i]/iic — altind. dddhämi „ich 
setze, ich mache", *ßißr]iiu (homerisch ßißdvr- „schreitend") = 
gigämi (für gigämi) „ich gehe", dLdi]f.a „ich binde" {didtj „er 
band" Ilias 11, 105), 7ti(.i7iX7jf.ii — altind. piparmi „ich fülle", 
7iii.i7tQri(.u „ich verbrenne", bibo — altind. pibämi (für pipämi) 
„ich trinke" und andre , die durch alle activischen Formen we- 
sentlich die gleiche Bedeutung fest halten, zeigen das ganz 
deutlich. 

Wenn Georg Curtius aber zur weiteren Begründung seiner 
Anschauung bemerkt, dass die neue Causativbedeutung, obwohl 
sie gewiss mit Hülfe der Reduplication erzeugt sei, bei iaTi^/ni 
nicht bloss an den reduphcirten Formen hafte, sondern sich 
auch weiter über die aus der schlichten Wurzel gebildeten zum 
Beispiel OT^aw, eotiqoa erstrecke, so ist dagegen zu sagen, dass 
die beiden Beispiele wenig glücklich, das heisst nichts bewei- 
send, gewählt sind. Schon Buttmann (§. 113, 3) hebt hervor, 
dass in mehreren primitiven Verben Futur und erster Aorist 



Homerische irji^i und i€f.iai. 303 

des Activs der causa tiven, zweiter Aorist aber und Perfect, na- 
mentlich zweites Perfect des Activs, der immediativen, und 
zwar hauptsächlich der intransitiven Bedeutung den Vorzug ge- 
ben, und giebt als Beispiele savrjv „ich stellte, blieb stehen" 
neben eaTt]aa „ich stellte" [az^aco „ich werde stellen"], ecpvv 
„ich ward" neben sipüaa „ich zeugte" [fpvao) „ich werde zeu- 
gen"] , sßrjv „ich ging" neben sßrjoa „ich brachte, stellte wo- 
hin" [ßriow „ich werde gehen machen"], edvv „ich ging ein" 
neben edvoa „ich hüllte ein" [dvoo) „ich werde einhüllen"], 
hcLOv „ich trank" neben trcloa „ich tränkte", eoßriv ,,ich er- 
losch" neben eaßeoa „ich löschte aus" [aßeaco „ich werde lö- 
schen"]. jMit solchen Verben aber, die nach ganz bestimmten 
Tempusformen den Wechsel von transitiver und intransitiver 
Bedeutung hervortreten lassen, lässt irj/iu, das vielmehr in al- 
len seinen activen Formen deutlich die eine Bedeutung „sen- 
den" erkennen lässt, durchaus keinen unmittelbaren Vergleich 
zu, und Georg Curtius war ganz unberechtigt, im Anschluss 
an das Obenangeführte so kurzhin fortzufahren (Seite 8) „So 
ward w[urzel] 1 rein transitiv und hiess entsenden". 

Noch weit minder glücklich aber, als in der Behandlung 
des activen njiii erweist sich Georg Curtius in dem Versuch, 
das mediale homerische iefiat „ich wünsche, ich begehre" ety- 
mologisch zu erläutern, wie es von mir auch bereits in der 
Kuhnschen Zeitschrift (21, 353—355) darzulegen versucht ist. 
Er glaubt, aus der Wurzel jä ,, gehen" sei ebenso wie irjf^L 
auch das Medium ief-iai, ,,aber auf eine völlig selbständige 
W^eise" hervorgegangen. Die Reduplication habe im Allgemei- 
nen intensive Kraft, die nicht selten, wie zum Beispiel in tl- 
Tvoy.of.iaL, lilalofiai, eine desiderative Kraft erzeuge, und so 
habe im Griechischen die Reduplication in le/nai (jljstiiaL) im 
Bunde mit den medialen Endungen gewirkt, um aus ja ,, ge- 
hen" ein „Streben" zu machen, während sie im Activ eine cau- 
sative Geltung bekommen habe. Der Vocal der Reduplications- 
silbe sei gedehnt, wie in den altindischen Intensiven und zum 
Beispiel im griechischen vrjvecü. „Hier im Medium hatte die 
.Verdoppelung noch eine fühlbarere Kraft als im Activ, deshalb 
hielt sich hier die Länge und der consonantische Anlaut noch 
im homerischen Dialekt. Spuren eines anlautenden j — mag 
das nun selbst gesprochen oder in einen kräftigen Hauch über- 



304 Leo Meyer 

gegangen sein — kommen auch sonst vor, am deutlichsten vor 
wg = skr. j'äi'^. 

Es würde zu weit führen, auf all das viele und überviele 
Bedenkliche in diesen Ausführungen von Georg Curtius des 
Näheren wieder einzugehen, es genüge zu betonen, dass die 
vorgetragene Lehre über ein homerisches j, die sich einzig auf 
die beiden ganz und gar unsicheren Etymologieen von wg und 
ui^iüL stützt, alles Mass von Willkührlichkeit überschreitet. 
Wie wenig Werth die Zusammenstellung des homerischen tog 
„wie" mit dem nur selten auftretenden altindischen jät „in so 
weit als, so viel als; so lange als, seit" hat, habe ich schon 
bei Kuhn (21, 351—353) nachzuweisen versucht. Da das ho- 
merische ü)g „wie", wie Immanuel Bekker (homerische Blätter, 
S. 204) mit Recht hervorhebt, sich „meist digammirt" verhält, 
also in eigentlich homerischer Form fiog lautet, da weiter die 
pronominellen homerischen fs, fol, feo, fog und so fort, auf 
einen alten Pronominalstamm dritter Person sva-, der zum Bei- 
spiel auch im Lateinischen se (aus sve) , sihi (für sve-hhi) , suus 
erhalten wurde, zurückzuführen, da zu diesem Pronominalstamm 
ferner die gothischen adverbiellen sva „so" und auch sve „wie" 
gehören, welches letztere also auch in seiner Bedeutungsent- 
wicklung jenem wg genau entspricht, so ist vielmehr nicht zu 
zvfeifeln, dass wg „wie", also homerisches /wg, auch altanlau- 
tenden Zischlaut besass und aus ursprünglichem svät hervor- 
ging. Da gothisches e altem ä entspricht, weiter aber nach 
gothischem Lautgesetz alte auslautende Dentale aufgegeben wer- 
den, so kann jenes sve „wie" dem homerischen /wg ganz ge- 
nau entsprechen. 

Als besonders bedenklich in der Ausführung von Georg 
Curtius über u(.iai darf aber die Bemerkung gelten, dass sich 
hier im Medium „die Länge und der consonantische Anlaut 
noch im homerischen Dialekt" gehalten habe, weil darin „die 
Verdopplung noch eine fühlbarere Kraft als im Activ gehabt" 
habe: darin werden rein formale Verhältnisse mit denen der 
innern oder der Bedeutungsentwicklung in einer Weise durch 
einander gewirrt, die mit allen bekannten Sprachwissenschaft- , 
heben Resultaten im Widerspruch steht. Viel mehr kann jede 
vorsichtigere und strengere Betrachtungsweise das homerische 
%e(.iaL „ich strebe" mit seinem entschiedenen consonantischen 
Anlaut und der Dehnung seines i und das active 'irj(.u „ich 



Homerische 'irif.u und i£f.iai. 305 

sende" mit seinem entschieden vocalischen Anlaut und der 
Kürze seines anlautenden i nur als gar nicht mit einander zu- 
sammenhängende Wörter ansehen. Immanuel Bekker hat in 
seiner letzten Homerausgabe (Bonn 1858), was er in Bezug auf 
jenes dig „wie" noch nicht wagte, bekanntlich u/itai und was 
dazu gehört mit anlautendem /, also /Uiiiai, geschrieben und 
zwar mit vollem Recht, in so fern nämlich als seine Schreibung 
des Digamma im homerischen Verse überhaupt als berechtigt 
gelten darf. Die ältesterreichbare griechische Form jenes is/Liai, 
lautet nach allem, was der homerische Vers uns bis jetzt ge- 
lehrt hat, unzweifelhaft fte/^iai. 

Was nun aber die weiter zurückliegende Geschichte oder 
die Etymologie dieses alten fUf^iai „ich strebe" anbetrifft, so 
nöthigt nichts, wie bei ttj/ni auch dort an eine reduplicirte Prä- 
sensform, also dann altes fl/efiac zu denken. Vielmehr wird 
uns vielleicht der Vergleich des homerischen öi€/naL auf den 
rechten Weg leiten. Allerdings kommen von beiden Verben 
bei Homer zufälliger Weise nicht dieselben Verbalformen vor, 
und es lässt sich daher eine durchgehende Uebereinstimmung 
ihrer Bildung nicht mit voller Sicherheit behaupten. Die be- 
achtenswertheste Uebereinstimmung zeigen aber doch zum Bei- 
spiel das singulare fürai (Ilias 12, 68 und Odyssee 2, 327) 
und das plurale öUvTai „sie laufen fort" (Ilias 23, 475) und 
dann auch wieder die Pluralform des Imperfects flevvo (Ilias 
13, 501 = 16, 761) mit ihrem inneren e. Die übrigen P'or- 
men, die von jenem zum Vergleich herangezogenen Verbum 
bei Homer vorkommen, sind der Infinitiv dUoO^ai, der Ilias 
12, 304 auch „fortlaufen" sagt, sonst (Ilias 12, 276; 18, 162; 
Odyssee 17, 398 und 20, 343) aber „forttreiben, jagen" bedeu- 
tet, die Conjunctivformen duo/.iac (Odyssee 21, 370 und Ilias 
5, 763, an welcher letzteren Stelle f^iäxrjg «^ ccTtoduo/iiai zu 
schreiben sich mehr empfiehlt als s^a7todiojf.iai, wie Bekker be- 
vorzugt), dh]Tac (Ilias 7, 197; 15, 681; 16, 246; 22, 189 und 
22, 456) und öitovrai (Ilias 17, 110) und die Optativform dl- 
oiTO (Odyssee 17, 317), welchen letzteren allen nur die Cau- 
sativbedeutung „forttreiben, jagen, scheuchen" innewohnt. Von 
dem zugehörigen Activ findet sich nur iv-dUoav „sie hetzten 
an" (Ilias 18, 584 vof.nif£g . . yivvag) und öiov „ich lief" (Ilias 
22,251), statt welches letzteren Bekker nach einer abweichenden 
alten Ueberlieferung giebt öieg „du triebest, du jagtest". 

Beiträge z. Kunde d. ig. Sprachen. I. 21 



306 Leo Meyer 

Von ffead-ai, das aber in dieser Infinitivform selbst nicht 
vorkommt, begegnet am Häufigsten und zwar über vierzig Mal, 
das Particip fli/navo-, weiter vierzehn Mal die Imperfectform 
/feto, und dann noch ausser den schon oben genannten fiezai 
und ftavTo die Dualform des Imperfects fUod-rjv {l\\Sk^ 18, 501; 
23, 718 und Odyssee 3, 344) und das Imperativische ffead^e. 
Das letztere findet sich nur Ilias 12, 274, wo aber statt des 
unrichtigen dlla TTQoaoco 'ieod^E der Ausgaben, wornach also 
isad^s weder gedehnt sein noch Digarama vor sich leiden wür- 
de, zu lesen ist dXlä tcqooco flead-e, wie ja das tiqooio statt 
TtQoaow bei Homer sich auch noch findet Ilias 17, 598: ßXrJTO 
yaQ (x)f.iov dovQi, TCQÖao) Tergafiiusvog alfei, Odyssee 9, 542: trjv 
ÖS TtQoaco q)eQS %vua und Odyssee 21, 3(59: atxa rcqöao) cpsQe 
TO^a. Wegen jener metrischen Störungen aber bei cead^e, wie 
Georg Curtius oben (3, Seite 6) vorschlägt, an el/iu „ich gehe" 
zu denken, verbieten schon Parallelstellen, wie Ilias 13, 291: 
TtQÖOGOi fJ€f,ievoio und Ilias 16, 382: TCQÖaGoi fU/iievoi. Unser 
Verbum fteod^at hat durchweg gedehntes l und selbstverständ- 
lich ist es daher nicht enthalten in Ilias 4, 77 : tov de xe noX- 
Xol ccTiö OTtLvd-rJQsg uvzai „Funken fliegen" und Odyssee 22, 
304: xal f.i€v x sv Tteöiqf vacpea nxcoaoovoai %evxaL „Vögel flie- 
gen". Das anlautende / von fteaü^ai ist bei dem häufigen 
Auftreten seiner Formen im homerischen Verse über und über 
deutlich und nur ganz vereinzelte Verse scheinen dagegen zu 
sprechen, so ausser dem schon angeführten Ilias 12, 274, der 
sich leicht richtig herstellen liess, noch Odyssee 2, 327: sttsI 
vv TC£Q '^lexat alvcog, wo möglicher Weise zu lesen ist eTisl vv 
ye /texai, Ihas 18, 501: aftcpco d' Mod^rjv sul fiaxoQL rceiqaQ 
eXiod^ai, neben dem der ebenso beginnende Odyssee 3, 344: 
«f^iq^io fiead^rjv -/.oiXrjv hrl vrjfa vteod-ai jenes störende S' noch 
nicht bietet, Odyssee 10, 246: ovöi xi s-MfccoO^at dvvavo fhcog 
i€f.i€v6g TCEQ und Odyssee 14, 142: ovöe vv xiov ext xöaaov oöv- 

QOfiat, lt/.l€v6g 7t€Q. ' ■- ^ X^ 

tCl (Ai "H/ i "^^^ oben angezogene\^^Ä«t^r>>Jaufchv ^2^"^^^ 
^^^ I Frii li unmittelbar an das altindiscne^VÄ^ege^^L das, wieuträss- 
mann's vortreffliches Wörterbuch ausweist, an dreizehn Stellen 
im Rgvedas begegnet, denen allen, da die Verbalform über- 
haupt nicht ülierviel begegnet, auch hier ein Platz gegönnt sein 
mag. Es wird vorwiegend von mythischen Wesen gebrauclit, 
so vom Sonnengott Sürjas 7, 63, 5 : jäirä cukrm amrlds gätüm 



Homerische fvy/a und lef-iai. 307 

asmai cjainds nd dijann änu aiii pathas „wo die Unsterbli- 
chen ihm die Bahn machten, geht er wie ein Adler fliegend 
den Weg entlang"; vom Agnis 0, 4, ö: ätigigds nä dt Jan „wie 
Au^idshas (?) fliegend"; vom Götteraar 4, 27, 1: gatdm mä pü- 
ras ajasis arakshan ddha cjainds gacdsä ms adtjan „hundert 
eiserne Burgen bewahrten mich, dann als Falke mit Schnellig- 
keit flog ich heraus"; vom Donnergott Pardshanjas 5, 83, 7: 
udantdiä pdri dtjä rdlhama „mit wasserreichem Wagen flieg 
umher"; vom Brhaspatis 10, 103, 4: pdri dijd rdlhaina „flie- 
gen umher mit dem Wagen" ; vom Sömas 9, 3, 1 : aishd dai- 
vds ämartias parnavis iva dij'ati ahhi dräunäni äsddani „die- 
ser unsterbliche Gott fliegt wie geflügelt zu den Kufen sich zu 
setzen"; von den Wassern 2, 35, 14: apas ndptrai ghrtdm dn- 
nam vähantis svajdm dikdis pdri dijanti j'ahvis „die Wasser, 
dem Sohne fette Speise bringend, umfliegen aus eignem Antrieb 
mit Gewändern, die rasch strömenden." Am Häufigsten aber 
erscheint di von den göttlichen A9vinen („den Berittenen") und 
ihren Rossen gebraucht, so 5, 73, 3: jidri anja nahushd juga 
mahnä rdydnsi dljaüias „zu andern benachbarten Stämmen 
durchfliegt ihr mit Herrlichkeit die Lufträume"; 5, 74, 9: ar- 
väctnu vicaitasd vibhis ^,jainä iva dtjalam „nahe herbei, ihr 
Weisen, flieget mit fliegenden (Rossen) gleichwie Adler"; 8, 26, 
6: dasra lii vigcam änushdk makshubhis paridijatkas „denn 
ihr wunderthätigen umflieget das All ringsherum mit raschen 
(Rossen)"; 8, 5, 8: jäibhis iisräs parävdlas divds vigvdni rau- 
cana iri'ns akiii'n paridijatkas ,,mit w^elchen (Rossen) ihr die 
drei Fernen [grossen Welträume] , alle Lichträume des Himmels, 
die drei Nächte [dunkeln Räume] durchfliegt"; 7, 47, 4: dmdsas 
jdi t'äm üpa ddcüshas grhdm Jucam dtjanti bibhratas „die 
Rosse, welche euch beiden zu des Opferers Hause bringend 
fliegen"; 1, 180, 1: rdthas j'dd väm pdri drndnsi di'Jat „wenn 
euer Wagen durch die Luftmeere fliegt". In sehr wenig glück- 
licher Weise versucht Georg Curtius in seinen Grundzügen mit 
dem altindischen di „fliegen" die griechischen öeidoi „ich fürch- 
te", däog „Furcht", deiXög „feige", ÖEivög „furchtbar" zusam- 
menzubringen, so dass also der Begriff des „Fürchtens" aus 
dem des „Fliegens" hervorgegangen sein müsste, während für 
die genannten Wörter aus der homerischen Spruche schon längst 
ein altanlautendes 6f, wie es in neuerer Zeit durch die inschrift- 
lich Namensform JFENI^ aufs Beste bestätigt worden ist, 

21* 



308 Leo Meyer 

erschlossen war: ein genau entsprechendes altindisches dm be- 
gegnet, so weit unser Blick reicht, nirgends. 

Ganz in der selben Weise wie das homerische öUadai „lau- 
fen, fortlaufen" an das altindische di „fliegen" schliesst sich 
nun ohne Zweifel jenes homerische ftead^at „streben, verlan- 
gen" an ein altindisches vi, und in unverkennbar nah ver- 
wandter Bedeutung findet ein solches sich in der That, wie 
eine Anzahl von Stellen aus dem Rgvedas wieder veranschauli- 
chen möge. Es heisst 7, 6, 3: pra pra fä'n ddsjüns agnis m- 
väja „gegen die Feinde drang Agnis vor", wie ganz ähnlich 
Ilias 13, 291 : TVQoaato fuj^&vow (.istä rcQOficcxtov J-oaqiaTvv 
„vorwärts strebend in das Getümmel der Vorkämpfer" oder iL 

12, 274 : dXXa Ttgoaco fiead-a „strebet vorwärts" oder iL 16, 382 : 
TtQoaaa) fis/nsvoL „vorwärts strebend" von den Rossen, oder iL 
15, 543: TtQoaoio fis/^uvr] von der Lanze. Weiter mag ange- 
führt sein 1, 105, 7 : idm mä viunti ädhias vrkas nd Irshndgam 
mrgdni „mich fallen an die Sorgen gleichwie ein Wolf die dur- 
stige Gazelle"; 5, 30,4; vdishi id dikas Judhäjai bhujasas cid 
„du (Indras) stürmst allein auf mehrere zum Kampf"; 10, 28, 
9: vdjat naisds vrshablidm Qucuvänas „es greife an das Kalb, 
grossgeworden, den Stier"; 5, 44, 7: vditi dgrus gdnivän vdi 
dti sprdhas „er (Sürias) stürmt unvermählt beweibt über die 
Feinde hinaus"; 9, 71, 1: vditi druhds rakshdsas „er (Savitä) 
eilt los auf feindselige Rakshas". Wie bei Homer die Verbin- 
dungen mit dem Infinitiv geläufig sind, wie Odyssee 4, 823 = 

13, 426 und 14, 282: fu/iievoi yiTEivai, Ilias 20,469: /u./nevog 
Xiaasad^ai, Odyssee 1,58: fUfiavog .. ymttvov .. vofjaai, Odys- 
see 15, 201: fiefitvog cpi?JeLV , Ilias 16,383: furo yccQ ßaXeeiv 
und sonst, so verbindet sich auch vi mehrfach mit dem Infi- 
nitiv, wie 8, 61, 5: vdili sldulavai amhiam „er eilt zu preisen 
die Mutter"; 8, 4, 17: vdimi ivd pthhann rngdsai, vditni Hdu- 
iarai äghrnai „ich eile dich o Pushan zu erstreben, ich eile 
(dich) zu preisen, o Strahlender", 1, 141, 6; jdd ... purushiu- 
tds mdrlam gdnsatn vigoddhä väili dhd'jasai „dass der vielge- 
priesene (Agnis) zu dem sterblichen Sänger allezeit eilt zum 
Trinken". Mit homerischen Verbindungen wie Odyssee 3, 160 
und 9, 261: folnade fief.i6vni, Odysse 19, 187: J^iif.ievov Tq^t- 
rjvÖE, Ilias 8, 313: /it^iavov 7CTolE^i6vde , vei'gleichen sich ve- 
dische wie 6, 2, 10: vdishi hl adcanjatd'm dgnai hdutd ddmai 
vigum „du eilest (strebst), o Agnis, als Opferpriester in der 



Homerische trjf^ii und %E(.im. 309 

opfernden Menschen Haus", 6, 15, 14: dgnai jdd adjd vigds 
adhcarasja hautar patakagaucai vdis „Agnis, wenn heute zu 
den Menschen, o Opferpriester, hellleuchtender, du eilst" und 
andre. Besonders häufig wird vi von dem „verlangenden Ei- 
len" zum Opfer gebraucht, das dann auch gradezu in das „Ge- 
niessen" übergeht, wie 8, 11, 4: d?iti cid sdniam dha j'agndm 
mdrtasja ripdus nd üpa vaühi ,,zu dem wenn auch in der Nähe 
befindlichen Opfer des bös gesinnten Menschen eilst du nicht" ; 
7, 82, 7: jdsja dnivä gdchathas vithds ddoharam nd idm mdr- 
tasja nagatai pdrihvriis „zu wessen Opfer ihr beiden Götter 
kommt und verlangend eilt, den erreicht nicht eines Sterbli- 
chen Nachstellung"; 4, 48, 1: vihi hduträs dvitds „eile zu 
Opfern, die noch unangerührt sind"; 5, 11, 4; agnis nas j'ag- 
ndm üpa vaiiu sddhujä „Agnis eile herbei zu unsern Opfern 
gradesweges" ; 10, 61, 4: vildm mai jogndm d gatam mai dn- 
nam „eilet ihr beiden zu meinem Opfer, kommt zu meiner 
Speise"; 6, 60, 15: titarfi haitjdni d gatam pibaiam saumidm 
mddhu „eilet zu den Opfern, kommt, trinkt den Somasaft". 
Mehrfach steht das vedische vi auch ganz ohne Zusatz, so 5, 
46, 8: Uta gands viantu daivdpatnU . . . vidntu daivis „und 
die Götterfrauen sollen heran eilen", „heraneilen sollen die Göt- 
tinnen"; 1, 180,6: prdishat vdishat vdtas nd siiris „er erfreue, 
er eile herbei wie der Wind, der Herrliche"; 10, 114, 1: divds 
pdjas didhishdnds avaishan . . . daivds ,,des Himmels Milch 
verlangend eilten herbei die Götter"; 7, 42, 1: prd krandanüs 
nabhaniasja vaiiu „vorwärts dringe das Rauschen unseres Lie- 
des". Das participielle abhivitä „erwünschtes" begegnet 7, 27, 
4, und die Superlativform des Particips, vitdiamäni havj'd „die 
erwünschtesten Opfer" 7, 1, 18. 

Die Quantitätsverschiedenheit des l von d/sod^ai und J-te- 
ad^ai bei Homer im Vergleich mit der Gleichförmigkeit jener 
altindischen di und vi ist von untergeordneter Bedeutung und 
beruht ohne Zweifel nur auf einer gewissen Verschiedenartig- 
keit ihrer Flexion, gleichwie auch die oben angeführten Fle- 
xionsformen von di und vi mancherlei, wenn auch grade von 
jenen griechischen Verben abweichende , Verschiedenheiten 
zeigten. 

Was nun noch die Etymologie des auch im späteren Grie- 
chisch immer sehr lebendig gebliebenen irj/Lu anbetrifft, so ist 
zunächst in Bezug auf sein Aeusseres zu bemerken, dass, wie 



310 Leo Meyer 

an eine Zugehörigkeit zum altinclischen ja ,, gehen", also eine 
Entstehung aus j'ijri^ii durchaus nicht gedacht werden kann, 
so auch der Gedanke an ein etwa auch ihm zukommendes altes 
anlautendes / durch die homerische Sprache entschieden aus- 
geschlossen bleibt, dass man also dazu gedrängt wird , die Ent- 
stehung seines anlautenden harten Hauches aus altem Zischlaut 
zu vermuthen. Da nun aber die ganze Formenbildung von 
%rii.a genau der von TLd^r]f,ii entspricht, so kann man, wie zu 
letzterem die griechische Wurzelform als i^£, die altindische 
aber als dhä anzusetzen ist, nicht wohl anders, als seine grie- 
chische Wurzelform als e aufstellen und ihr gegenüber ein alt- 
indisches sä. 

Die Bedeutung tritt in ihrer sinnlichen Ursprünglichkeit 
am deuthchsten in homerischen Wendungen heraus, wie Ilias 
16,736: fjyie d^ i^siad^ievog (jterQov) „er warf" oder „er schleu- 
derte den Stein, sich stemmend", Odyssee 9, 538 : tcoIu /neitova 
lafav dfsiqag r^y. sTTidivijaag „einen viel grösseren Stein hob 
er auf, schwang und warf ihn", vom Polyfem, von dem es 
auch schon vorher Vers 481 hiess lyxe „er warf" und dann 
wieder Vers 499: roaaov yccg irjaiv „so weit wirft er"; Ilias 3, 
12: oaov T £7tl Xafav itjolv „wie weit man einen Stein wirft"; 
Ilias 16, 608: STrl Mr]Qi6vr^ doQv xdXxeov fjxev „warf den Speer 
auf Meriones"; Ilias 1, 382: rjyts ö" sn ^AqyBtOLai xamv ßsXog 
„(Apollon) warf auf die Argeier sein verderbliches Geschoss" 
und ähnlichen, und dann zum Beispiel auch in den homerischen 
Ableitungen rj^uov „(Speer-)werfer" und T]^ia „{ Speer-) wurf", die 
beide nur je einmal einander sehr nahe stehend vorkommen, 
nämlich Ilias 23, 886: xa/ q^ 7jf.ioveg dvögsg dviatav „speer- 
werfende Männer erhoben sich'* und 23, 891: rjf.iaatv ercleo 
dgiGTog „im Speerwurf warst du der erste". 

So dürfen wir also dem griechischen %a gegenüber ein 
altindisches sä mit der Bedeutung „werfen, schleudern" ver- 
muthen, und solches finden wir in der That, wenn auch nicht 
mehr als lebendige Verbalform, so doch in den unmittelbar zu- 
gehörigen Bildungen säjaka- „zum Schleudern bestimmt" m. n. 
„Wurfgeschoss , Pfeil", sdinä- f. „Wurf geschoss, Wurfspiess", 
prd-sita- „dahin schiessend" und prd-siti- f. „Zug, Strich" ; 
„Anlauf, Andrang"; „Schuss, Wurf, Geschoss". Das Böhtlingk- 
Ilothsche Wörterbuch nimmt als Grundlage zu diesen Wörtern 
eine Wurzel si „schleudern" an, zur Annahme einer solchen 



Homerische trjf^it. und %e(,iaL. 311 

Wurzelform aber mit dem Vocal i nöthigt durchaus nichts. 
Die angeführten Bildungen konnten sämmtlic von einer Wur- 
zelform sä ausgehen, wie ja auch sthili- f. „das Stehen, das 
Verbleiben, Standort" und sthitd- „stehend, befindlich" und 
siajuka- ,, ständig, dauernd" von sßiä „stehen" ausgingen, 
Jdtd- (zunächst für dhild-) ,, gesetzt, gelegt, befindlich", ,, zu- 
recht gemacht, erspriesslich" und -hiti- (zunächst für -dhiti-) in 
daivd-hiti- „göttliche Ordnung" (Rgvedas 7, 103, 9) und das 
nur von Grammatikern angeführte dhdjakd- „setzend" von dhd 
,, setzen", -päjikä „trinkend" in tdila-pdßkä- f. ,, Schabe", ei- 
gentlich ,,Oel trinkend" von pd „trinken", dhdind- f. „milchen- 
de Kuh" von dhd ,, saugen, trinken" und staind- ,,Dieb" von 
einem sid mit dem Particip sldjdnt- ,, verstohlen". 

Genau in der selben W^eise wie dem griechischen iGTrjf.(i 
(für Giarrj/Lu) das lateinische sisio, stellt sich dem griechischen 
ir]/iu das lateinische sero ,,ich säe" gegenüber, worin der Zisch- 
laut zwischen den Vocalen nach lateinischer Weise in r über- 
ging und dann das im Lateinischen vor r unbeliebte i durch e 
ersetzt wurde. Die Bedeutung des „Säens" konnte sich ohne 
Zweifel aus der des „Werfens" sehr leicht entwickeln, auffällig 
erscheint dabei nur, dass sie sich durch die gleichbedeutenden 
altbulgarisch sej'alt, littauisch seit, gothisch soian und unser 
säeti als schon seit sehr alter Zeit an der Wurzelform sä haf- 
tend ergiebt und doch nicht im Griechischen irj^a deutlich vor- 
tritt. Wir haben darin eine Erscheinung, wie sie ähnlich in 
der Entwicklungsgeschichte der Bedeutungen gar nicht selten 
entgegen tritt : da der engere Begriff des „Säens" im Griechi- 
schen durch OTCtiQEiv übernommen wurde, gewann in %rj(.ii (al- 
orjfu), wie früh sich in ihm auch schon die engere Bedeutung 
des „Säens" entwickelt haben mochte, doch wieder die noch 
ältere des ,, Werfens" die Ueberhand, aus der sich dann auf 
dem speciell griechischen Boden die ganze reiche Bedeutungs- 
fülle entwickelte, wie wir sie in 'i'rj^u und den zahlreichen von 
ihm ausgegangenen Bildungen bemerken. 

Dorpat, den 11. März [27. Februar] 1877. 

Leo Meyer. 



312 A. Fick 

Die suffixlosen Nomina der Griech. Sprache. 

III. 

Es wäre befrenidlich, wenn die im Griechischen so belieb- 
ten verbalen Präsensstämrae Co = djo nicht ebenfalls, dem 
allgemeinen Principe gemäss, dessen Darlegung uns hier be- 
schäftigt, ohne Weiteres als Nominalstämme fungirten. Da 
nach der allgemeinen Regel das / des Präsensstammes im iden- 
tischen Nominalstamme als t erscheint, so muss das dem Ver- 
balstamme auf ^w = dj'io entsprechende Nominalthema dio lau- 
ten, und so finden wir denn auch im Griechischen Nomina, 
meist Adjectiva auf öio (aÖLO, idio, odto), welche dieselben 
lautlichen Elemente enthalten wie die Präsensstämme auf tto, 
atcü, ito), otcü. Dass nun auch hier die ursprünglich lautglei- 
chen Nominal- und Verbalstämme wirklich identisch sind, zeigt 
die griechische Sprache dadurch an, dass in einer grossen An- 
zahl von hierhergehörigen Fällen neben den Nominalstämmen 
auf ÖLO noch die entsprechenden Verbalstämme auf to) liegen, 
wie die folgende Uebersicht zeigt. 
aÖLO — a^o in: 

StTtladiog doppelt : dinlätw verdoppeln. 

dix&ddiog vgl. TgL^i^ädLog zu öix^cc : vgl. dixäCco zu dixa. 

avy~xonddiog Hesych. : avyx.oiTdCio. 

^QVTtTccding : xQVTczdUo erst spät bezeugt. 

lißdöiov Aue : Xißd^co triefen vgl. Xißdtovoa yrj feuchtes Land. 

luokrtdÖLog, Mokytadia : ^lolTtd^io. 

oy.Xadia • oyiXaaig Suid. : oy.XdCco. 

ctTto-artdöiog vgl. dva-ö7tdtovOiv ' dvaaTtagdoGOvaiv Hesych. 

azdÖLO-g vgl. di-ardCto. 

XBL[.iddiog überwinternd : xfi^i^'^Ctu. 

XEijudÖLOv Winterlager : x^H^^^^' 

a7t-q)döiog ausgebrütet : STtciidtio ausbrüten. 
iSio = 1^0 in: 

dve/Liidiog vgl. dveitiito). 

7tQ0-aQiaTiÖLng (jtXovg) vor dem Frühstücken : dgiaTttofiat 
frühstücke. 

nqn-yaaTQiöiog vgl. yaOTgiCw. 

dno-duTCvlÖLog : dEi7tvl^o(.iac. 



Die suffixlosen Nomina der griech. Sprache. TU. 313 

im-doQTtidiog : i7tidoQ7Ti^oi.iai. 

STTi-, Ttaga-, VTieQ-d^aXaaoidiog vgl. xara-^aAarr/tw. 

87tL-d^lOQ(XY.idL0V Vgl. €7rid^WQaX.lCo^ai , 7tEqL-d^lOQaY.itlt}. 

STti-xaQTtidiog : xaQTti^co. 

y.a7tvQLdia Art Kuchen : xaTtvQlCo) schwelgen. 

87ti-, vito-y-oknidLog vgl. xoXTtitu) ginen Busen bilden. 

xovQiöiog : y.ovQito) jugendlich sein. Vgl. y.ovQit6(AEvog • v^e- 

vaiovjLuvog Hesych. 
Xrjldiog erbeutet : Xr]i^o^iai erbeuten. 
voacpidiog getrennt : vooq)itoi trennen. 
ETti-vcoriöiog auf dem Rücken : sTtivioTi^o) auf den Rücken 

nehmen. 
olxidLog, SV-, xar-oi-aidiog : omito), ev-, xaT-oim^o). 
OQd^Qidiog früh : oQd^QiCio früh sein. 
TtixQiöiog bitterlich : TtiyiQitijo. 
TtQOfKidiog : TtgomiCco ausstatten. 

TtQOOTEQvidiov Brustpanzer, Brustkissen : Ttgoa - azsQvl^ofiat 
an die Brust drücken, vTto-aTEQvH^w unter die Brust 
nehmen. 
E7ti-, TCQO-aTTjd^ldiog vgl. ex-, arto-OTt^d^itio. 
QTqldiog, gadiog leicht : Qr]iC(o, qalta) leicht machen. 
vTto-GaQ'Kidiog unter dem Fleische vgl. aagul^to. 
Ev-TEixidiog : EVTeixlKojLiaL. 

vTtvidLog, Ecp-VTtviÖLog einschläfernd : V7tvit.a) einschläfern. 
Ey-XEigidiog : ey-xEiqitio. 
EyxELQidiov Griff, Dolch : EyxEiQitfa. 
odio ~ oto erscheint nur in 

aQ/iwdio-g passend : aQ/ii6to) füge, passe. 
ßXvdiov ' vyqov, tiov bei Hesych. : ßXvto) ist wohl primär, 
ebenso -kIvölov ' rciXayog Hesych. : xAü^w. 
Während in allen bis hierher aufgezählten Fällen dem ver- 
balen Co ein nominales ölo gegenüberliegt, ist in einem einzi- 
gen lakonischen Nomen das urspüngliche djo ebenso behandelt, 
wie im identischen Verbalstamme, nämlich in 

ai-/,i6da lakon. Schande : aiyf.iLofi£v (würde lakonisch alxid- 
öof.iEg lauten). Lobeck Prjf.iatiy.6v S. 262. 
Das Verhältniss von oxidöeLOv Schirm zu axid^co beschat- 
ten ist nicht ganz klar; einige Bildungen auf dto wie rcav-av- 
öij], axaöing, yaiiojLidding, ey-zdöiog, d/n-q^ddiog gehen zunächst 
aus Verbaladverbien auf öov, drjv hervor, welche selbst nicht 



314 A. Fick 

abzulösen sind von der Verbalbildung auf d, tio ; sie bilden 
gewissermassen Aoriststämme zu den (J- Verben, deren Präsens 
djo = to) und deren allgemeiner Stamm d ist; ebenso verhält 
sich v.o(.iLdri zu '/.of-utco: es ist mit einem gedachten Aorist- 
stamme y-Ofiiörj-vai identisch. 

Die übrigen Präsensstämme virerden nur vereinzelt nominal 
verwendet. 

Zu Stämmen auf va gehören: 

7ttüXo-ddfivi]-g, TO^o-dafivog : dcaivrj^d, dä/nva-inai. 

'/.qrif.iv6-g : kann auch mit '^Q^/iivrjf.u parallel sein. 

v€XQ0-7tfQva-g Leichenverkäufer : TtsQvd-g. 
Zu Stämmen auf ve, vo: 

OQOo-ddxvrj „Keimnager", Erdfloh : ddy.vio beisse. 

TQi-da-/.vog Art Auster, Dreibissenauster : däv.vo). 

iTiavo-g hinlangend : iy.dvo) (ä). 

■/.eQXvrj Falk, xegyro-g Heiserkeit : Y.tQxvto bin heiser. 

ttIvov Bier, alqo-Ttivov Trespensieb : Tcivw. 

VTio-raf-ivo-v Zauberkraut : rd/iivco. 
Zu Präsen^ämmen auf^vt;; 

dyvv-g Be^ftiböiss Et. 

ravv-fi^dr^g : ydvv-jiiai. 

ihvveg Rasttage : iXivvw. 

"EQLVvrS Desae^r, Enthaj^ : fqtH^ zürne. 

(]j/vi!f>5Y^v?^TCBiekehleT*5ia^'-i^7«* 

f^uvv-ioQiog vgl. /iiivv-d^to, \sL^."mtnub, sskr. mtnu = tnina. 

Tavv-^urjg, Tavv-cploLog , ravv-cpvXXog : rdw-TOi. 
Mit einem reduplicirten Präsensthema ist identisch 

lOTo-g Mast, Webstuhl : lozd-vm vgl. sskr. iishiha : iishtha- 
ii, -dada gebend, -dadha setzend, daddtiy dadhdli. 
Zu Präsensstämmen auf axo gehören : 

aQEoy.o-g : dgiazw gefallen. 

ßooy.6-g : ß6oy.o-f.iEV. 
Wahrscheinlich auch dLOv-og {diTieiv) und (pv-oy.a vgl. q)v-0(x, 

letzteres Aoriststamm, vgl. nhd. Bausch, Beii-le. 
Einen Präsensstamra auf to enthält nur: 

a-KTjTtTO-g Windstoss : ayiij/tTco sich worauf stürzen. 
ßXaaro-g Keim gehört zum Aorist eßXaarov, der durch Antritt 
eines ursprünglich präsentischen to an ßXai)^ (vgl. ßXo)d^-Q(-g) 
entstanden ist. 




Die suffixlosen Nomina der griech. Sprache. IV. 315 

IV. 

Auch der allgemeine oder kürzeste Verbalstamm, welcher 
vor dem a des Futurs und Aorists sowie in einigen Formen des 
Perfects erscheint, kann nominal verwendet werden. Diesen 
kürzesten Stamm nennt man nach indischem Vorgange beim 
starken, nichtabgeleiteten Verb ,, Wurzel" und die mit diesem 
Stamme identischen Nominalstämme werden daher ,, Wurzelno- 
mina" genannt; die Inder freilich nehmen mit schauerlicher Con- 
sequenz auch hier ein Suffix, nämlich das Suffix Null an. Wenn 
auch im Ganzen wenig auf die Benennung sprachlicher Erschei- 
nungen ankommt, falls nur das Wesen derselben richtig erfasst 
ist, so ist doch gegen die Bezeichnung „Wurzelnomen" Ein- 
sprache zu erheben , weil dadurch wesensgleiche Bildungen aus- 
einandergerissen werden. Es wird nämlich im Griechischen und 
auch sonst der allgemeine Verbalstamm nicht bloss der star- 
ken, sondern auch der abgeleiteten, denominalen Verba ohne 
Zutritt weiterer Suffixe als Nominalstamm verwendet, und -diese 
mit allgemeinen Denominalstämmen identischen Noraina stehen 
zu ihren Verbalbasen in demselben Verhältniss wie das soge- 
nannte Wurzelnomen zur ,, Wurzel" oder dem kürzesten Stamme 
des starken Verbs. So enthält z. B. yecü-fihQrj-g Feldmesser 
in seinem zweiten Theile den allgemeinen Stamm des Verbs 
f.isTQhü messen , wie derselbe in /.isTQTj-ato, i-juer^rj-aa, (xergr^-rog 
erscheint, gerade so wie 2tv^ den allgemeinen Stamm azvy 
hassen (z. B. in t-azv^a) enthält. Wir zerfallen daher die 
Darstellung des mit dem allgemeinen Verbalstamme identischen 
Nomens in zwei Abtheilungen: 

1. Nomina, welche mit dem allgemeinen Stamme starker, 

2. Nomina, welche mit dem allgemeinen Stamme schwacher 
(abgeleiteter) Verba identisch sind. 

Mit Wurzelvocal a : 

dXy.1 dat. : aXx in s/t-aX^ig vgl. aAzjy , «AaAxe. 

al-g Salz, Meer : ak salzen in dv-al-zo-g = lat. in-sulsus, 

al-f,ir] vgl. lat. salm-acidus , lat. sallere^ salsus. 
däi dat. Schlacht : daB. vgl. sskr. abhi-däs (oder daß). 
daQ'ueg * ösa/iiol Hesych. vgl. daQX-(.iäg ' ögaxindg Hesych. : 

ÖQü^aa^ai , dedQayf.ievog. 
öga^ Kog Handyoll : öqd^aG&ai, öedgayf-iivog. 
Cch^xlefes^gl. ' Sg ^gy^rmen. IJjj'^n^ÖBw^ 



316 A. Fick 

€7tl yiaQ vgl. xagt], zend. ^are = gara Haupt, Herrschaft. 

YXayyl dat. (vgl. ■^Xayyri) : xAa/^w, hlay^a. 

i^ixga^ : X€XQd^of.iai. 

zrXif^^läche ■ : -lett. plak-t fläch^v^ferdeh;' : 
m^^^Ai: scheu vgl. i'7tta'/.ov (lat. conquexi nach Fröhde, oder 

/\^vgl. armen, phach-num fugio?). 
\0aQ^''^^.~ aiqh, FleiscTf; -etymologisch dunkel. 

ardysg Tropfen : arä^e. 

OTQay^ Tropfen : lat. stringere, 

(fdip ßog wilde Taube wohl zu rpaß = cpeß in cpeßo(.iaL. 
In Compositis : 

ßagl-ßa-g Tragg. = vavßdrrjg : ßd-/ii€vai, l'ßä. 

öi-TtXa^, zQL-nla^ vgl. lat. duplex, triplex : 7rA«x flechten, 
TtAfix-ro-g, Ttkax^vm. 

At'XO-ffTT«? , odvvO'G/rdg : dva-ondtoj Hesych. , OTtdaag, i- 
O7taa-^£vog. 

dia-o(pd^ Riss, Kluft : acpdzzw == aq)d^w, eigentlich auf- 
schneiden oder schnüren? 

veo-acpa^ yog frisch geschlachtet : Offd^ai, oq)ay.-r6-g. 

drto-cpQdg (^fiiQu) dies nefastus : qiqdtio, cpgdoag, Jte-q^qad- 
(.Uvog. 
Mit Wurzelvocal ö: 

ßlä^ xog schwach vgl. ßltjx-QO-g = dßlrjXQog, dßXrjx-(J.(jJv ' 
df.ißXvg Hesych. Bezzenberger vergleicht lit. blöga-s 
.schwach. 

qd^ y^gWeiü^ere vgl. ^5J§v.Ijra,ube , laC 



TXiq-7i6Xtf.iog , dt>¥> Tla-Ttökeuog ^ TtoXv-rka-g : TXrj-/ii€vai, 

s-rXa-v, rXd-g. 
ipdg = iprjQ Staar : ipaLQU). 
Mit Wurzelvocal e: 

dvrjQ g. dviqog : nar wollen vgl. lit. nora-s Wille, zend. hu- 

nara Tugend. 
dat^Q Stern vgl. sskr. siar, zu otsq in azfQ-vov, OTQa-To-g, 

az6Q-vvf.li, lat. ster-no 
'Ariq Herz aus x«^(J vgl. lit. szirdis, armen, siri, lat. cor cord-is. 
xQf^ ein Vogel : x^exw XQe^ag xpex-rog. 
aziQOip blitzend vgl. d-ozQdyt-zo) , oziXTt-vog. 
cpXiip ßog Ader wohl zu (fXeß schlagen: lat ßag-rum, genn. 

hiecan bleuen. 
(pQtveg zu (f)Q€v = (fqav in oa-q>Qaivo/nai oder zu 9?^« in 



Die suffixlosen Nomina der griech. Sprache. IV. 317 
oa-q^Qt-ad^ai ; cpQs heisst „scheiden". Vgl. f.i€Td-(p(}evov, 

€V-(pQÖvt]. 

X^Q-OQ g- Hand : vgl. x^Q-^o-g, sskr. har-mi hr-t. 

XQhtip ein Fisch : xQ^f^^^o/xm. 
In Corapositis: 

■KUTCö-ßlaip (Hermes) : ßXixpag, ßlsTt-tc'g. 

S^ea- Gott in i^ea-cpatog : &€a-aaad^ai, TtoXv-d^eoTog. 

ßov-yilsip : Y-lexpo), s-y-Xaipa. 

sni-xe^ praegnans, KaXXi-te^ : re^of-iac, ve^aa&aL. 
Mit Wurzelvocal jy: 

ß^,^ yP'i Husten : ßr]^co, sßrj^a. 

d}]^ xog Holzwurm : d>]^ofiai dedr^y/usvog. 

d^^Q Thier vgl. cp^g Unthier vgl. ksl. zverf Thier (also //jy^ ?) 

xj^^ xog Seemöve vgl. sskr. kä'ka Krähe. 

K^Q Ker, Verderben vgl. xeiQio yiegaltio. 

a^ip fauliges Geschwür, Art Schlange : a^ipo), earjips, ae- 
atjTtcog. 

ocpiq^ y.6g Wespe vgl. öcpriy.6o) schnüre und aq)iyyü) 2(piy^ = 
■ , <P/^^ Olalov OQog. -^^ 

Z^V^gßl ==?v4at. her, 4t ^ vgl. lat. hir^tu-^, lit. zer-iis 

^.^^rbü, kratzen. ■^-- 

In Compositis: 

f46o6-df^rj : ö/ntj-Tog gebaut. 

oag)v-rj^ : a^at eäye. 

SQi-r]Qsg pl. neben iQitjQog : ag-fievog, aQ-rjQ-iög. 

TCQoa-iyrj — TiQoaO^eaig Gramm : d-t]-/ii€vac. 

veo-O-Yj^ neugewetzt : &ri^o) d^rj^ag Te&rjy^iivog. 

dvvi-rtr]^, yXayo-Ttrj^ Lab, did-TTrj^ : rtiq^to Ttrj^ai TTJ^/^e/g 
Ttirtriye. 

ßov-TiXrj^, dficpi-rcX^^, xaia-ytlrj^, oIotqo-tcX^^, Ttaga-Ttli]^ : 
ETtlrj^a, 7rk/rl)]yf.iai. 

dTto-Tf-iTj^ : er/iüj^a. 
Mit Wurzelvocal o: 

dlo^ {— dfXo^) — avXa^, wla^, coX^ Furche vgl. evXdyia 
Pflugschaar : /iXxtü, J-'A^w. 

aoQ^ Schwert vgl. doQTi]Q Schwertgehenk : deg&eig. 

ßovg gy'^Qcog vglT^i^tj-J^Ä , irisf'h -4(4^^ 

Jo^.Ileh vgl. ösdogKiog. -— «h^, 

dto Haus (= do/ii) : töiLina baute (a-de^i-aa). 

e/toifj Wiedehopf vgl. lat. upiipa. 




318 A. Fick 

■^q6v.a^ xpoxfg (vgl. x^oxjy) ; kqs^io. 

OTii , OTta Stimme : fen vgl. lat. vox , vocäre , armen, gochel, 
sskr. vak-tave , uk-ta. 

7C0vg Jtodog vgl. lat. pes, sskr. päd, pai-tave , a-pad-ran. 

JTQO^ Vgl. TtEQY.-vog fleckig. 
. ay,6Xo\p Pfahl vgl. lat. scalp-tum. 
\GT£j^ oip blit zen d vgl. d-OTQo cTVTCD, GTcXn-vo-g. 

cpXo^ vgl. scpls^a, acp'ks'KTog. ■" ■ •— ^ 

yid^cjv g. %d-ov6g ist etymologisch dunkel. 

Xovg g. %o6g Schutt vgl. %£v-i.ia, 8-%eva. 

In Compositis: 

avÖQ-anodov : arcoöo verkaufen. 

aid'-oip, oiv-oxp, vcoip (va-oip) : oipofiai, oiparo, ortTog. 

y,aXa-vQOip vgl. QOTtalov, oinw QSipco e'^qeipa und xaXd-f.iri, 

xAa-g. 
di-cpQO-g „zwei einlassend" : (pQS-g, ela-q^Qsg lass ein. 

Mit Wurzelvocal co: 

yXoJx-sg vgl. yXü)%iv, yXcoaaa, yhqyjuiiv = ßXrjyiov Polei. 

dfitü-g, v7t6-dfiiog : df^irj-O^eig, d8df.irif.iavog, döf-irfcog. 

d^w-g Schakal vgl. d-covaaco schreien. 

d^(üip Schmeichler : ^coTt-zio, Tt-d^rjTta. 

Kkiod--eg = KaTa-xXcod^ag : '/.Xwd^ in ETt-ixXcoaa {'/.Xwg-tqov). 

^Xioip Dieb vgl, xXeTCXLo y-XsTt-TÖg, xXaTt^vai, lat. clep-si. 

■Kviüip vgl. xtvwTrfirov. 

x^wj/; Sichel vgl. lett. zirpe Sichel, zerjm zi'rp-t scheeren = 

lit. kerpü kirpti (J. Schmidt Vocal. II. 368). 
X(a\p = XiOTti] vgl. XsTtio sXsifja eXänrjv. 
TCQCü^ Tropfen vgl. sskr. prshat Tropfen, /re^x-vo'-g fleckig. 
TtTh:^ scheu : TtTioaooi {Ttrixm-Jio). 
öcü§ Riss : sQQioya, s^Qcoyojg. ■. 

^h»^== ^a|^S4;;^be vghN^t. racefnm ; oder zu ksl. ffrozdü, 
"^^„^^gf^yz-nü Traul5&? ^v \. 

^tüip Reisig vgl. qdßöog ,^Q&7ft^. 
aviojip p]ule : axf'ifjofiai spähen. 
TQOJ^ (Nager) Wurm : TQi6^of.iat , y.aT€-TQco^a. 
TQw^ Loch (vgl. T(ji6yXrj Loch) : TeTQioy-/iuvog, TQion-Tog. 
cp'jLQ Dieb — lat. für vgl. (psQstv y.al dyeiv, lat. ferre atque 

agere. 
elg üTia : o\po(.iai, oncorca. 



Die suffixlosen Nomina der griech. Sprache. IV. 319 

In Compositis: 

Ttaqa-ßXtoxp : ßXsipio ßXeTt-Tog. 

&)]QO-duo^ : ditü^cü aölco^a. 

d7io-(jQW^, d-QQi6^, dia-QQio^, xaTa-QQtü^ : sQQCüytog, 

xvai-io-TQO}^ : TQio^ofiai, xarirQio^a. 
Mit Wurzelvocal t: 

aig : r]igcc, ai^aaa. 

doniq öog : vgl. aircidrjg ausgedehnt. 

doxliy'^, oarhy^ Ringel vgl. OTlayylg, lat. stringere , ovqoy- 
yvXog, lit. stulgüs länglich rund. 

d^Qi'^ g. TQiyog Haar. Etymologisch dunkel. 

^Qiilj Ttog Holzwurm. Ebenso. 

I^ g. hog Käfer. Vielleicht = t/x = iy/., vgl. nhd. Engerling. 

lifj g. Irtog Wurm. Vgl. lipai schädigen. 

■Kt'g g. yciog Wurm. Vgl. sskr. M-Ia, zend. kae-ta Wurm. 

xvlda acc, Nessel : xv'iQio^ yivioto, e'Avioa. 

TiTiösog zu IxTig öog Wiesel. 

'/.ovLg öog Niss : ags. hfiilu , nhd. Ntss. Zu xviCo). 

y,Ql Gerste aus aqlö^ vgl. xqlS^^, hordeum. 

Xiip ßog Nass vgl. Xißog, Xißätio, lat. de-lihuere. 

vi(pa acc. Schnee = lat. nicem, lit. stiig-ti schneien. 

TtXi^ Xog Schritt : dia-TckTiXiy^e. TtXlao^iaL. 

Tivi^ yog Ersticken : tivi^o) eirvi^a. 

Qig g. Qivog Nase : irisch srön Nase, srenim sterto. 

qiip Ttog Flechtwerk : lit. verp-ti spinnen. 

oyivLTCeg^ = '/.vlrtsg y^mm. Ameise. 

oy.vi\p = o-/.VL7r6g Knicker : ksl. s/cqpä. 

OTixcc, ariyeg, aiixccg Reihe : JvsQi-ari^ai Hesych. 

acpLy^ = 2(piy^ : tocfiy^a, aq^iyz-T^g. 

Gyiöa acc. Spalt, Fetzen : gxlöu) oxio-d^eig, sayiGfitvog. 

TQiy^ ein V<'gel : tqiUo xsrQiyojg. 

cpqi^ y.6g Schauder : ecpQi^a 7TtcpQiy.a. 

tpiyög gen. Bröckchen : vgl. ipcoxco. 

ipiösg pl. Tropfen : ipiUo xpi^o^ai. 
In Compositis: 

v.OQvd^-di^, TToXv-di^ : di^aaa. 

vfj-ig {vrj-fiö) : fiö-f.i6v. 

X&Q-viip : x^QVtiparo. 

d^icpi-TiXl^ : TtXiaao/iiai, öia-neTiXix^. 

dXo-TQllp, oi'AO-TQilp, TCeÖO-TQllfj l TQtlpa), TeTQL(.lU£VOg. 



320 A. Fick 

Mit dem Wurzelvocal ol nur: 

oXy.ade neben olxovde vgl. el'^tü etjcw. 
Mit dem Wurzelvocal ai: i ""v 

<^at|"~ÄT©gÄ,^ ah»^eV?Siiege Vgl. zend [ izaena^ von Fell. 

aiyeg dorisch Wellen vgl. sskr. ej sich bewegen, zucken. 

■Kax-aidv^ opßqog Platzregen : af^t'affw, aYd-vy-fia, ald^vK-TtJQ. 
Mit dem Wurzelvocal v: 

dkdXvy^ vgl. Xvy^ Xvto). 

yQv Mucks (für yqvy) vgl. yQvtw, yqv^aL. 

yvTTeg Geier vgl. ai-yv7ti6g „Ziegengeier". 

yQv^) Greif vgl. yguTcdviog, yQvrtaivto krümmen 

l^i^^iiS Fisd^*JE;gd^J[it/^ä«^M 

Ivy^ em Vogel : IvCto i=\j:ivyyjci)) schreie. 
J^kvda acc. (zu yiXvdtov) : y,h'tco y.Xvaaio v.i%XvGxaL. 
V. .^^'V' '^^^ ' iXdxiavov : -kvvco, y.vv-f.ia. 
Jky^r\- dvTi-TiQv gegenüber (für -xt'(»), vgl. dvteytvQoa begegnete, xvq 

V aai. Vgl. deßOrtsnamen .^vrt-xy(»a. 

ii^^ Luchs vgl. Ijt. /M^Hiüt nhd. l^lj^^ (pl- Luchse). 

iA!i?>jfc^as''SiAJ3^.ke n^^ t^ 

^vg g. jt/vog Maus vgl. Isii. fnJls zum Verb sskr. mush rau 
ben, stehlen. / x 

rvxa acc. vgl. ved.| nak Nacht.\ 

ovv^ Nagel vgl. germ. nagan riög , nhd. nagen. 

OQV^ yog Spitzhacke : ögvoaio ngv^ag wgvye. 

oq)Qvg Braue zu q>Qv = q>vQ , vgl. lit. bruvis , sskr. bhrü 
Braue. " 

Tttvy^ ein Vogel. Etymologisch dunkel. 

rttv^ Falte : Tczvaoo) mt'^ag 7tTvx.Tng. 

nvya acc. zu Ttvyx] Steiss. Etymologisch dunkel. 

.5ri;^ : eOTv^a hasste. 

avg = lg vgl. lat. svs , ahd. sit , zend. hu. 

TQvya acc. Most. Vgl. TQvyto erqv^ev. 

q)vyade : ^tsq^vy^itvog. 
In Compositis : 

VTio-ßgvxcc unter Wasser vgl. dva-ßißqvxe. 

TiQto-ßvg kret. TtQBi-yvg, worin yv = /Jv = yj-a vgl. yiya- 
^ev, yv-vrj — böot. ßavd. 

sy-yvO-i = ^yyvg, fy-yvi^sv vgl. yaitiov (für ye/rtov wie ^e?- 
d^QOv == Qe/d^QOv): lit. gan-ii bekommen. 

öl-tv^ vgl. lat. con-juz , sskr. yuj-mahe, yuk-ta. 



Die suffixlosen Nomina der griech. Sprache. IV. 321 

e7t-r]Xvg, vl-tjXvg vgl. ijlvoig, iX^lv(.i€v. 
avy-xXvg : -/.XvCco i^Xvooco y.sy,lvoTai. 
di-Tttv^ : TtTvaaco Ttrv^ag. 
af^i-TCv^ Stirnband vgl. 7rvy.-v6-g. 
olvo-cpXv^ : (flvto) (pXv-K-raiva , lat. fluc-tus. 
TtQoo-cpv^ : 7tEcpvyfj.{iVog. 

Intensivstämme enthalten : 

ßdßa^ : ßaßcttü), ßaßav.rrjg. 

Xailaxp Sturm vgl. laLxprj-QO-g. 

XdXaysg die grünen Frösche : XuXcttoi XaXdyr]. 

7tof.t(p6Xv^ Blase vgl. (pXv}c-Taiva , (pXvn-vig. 
Zu Stämmen auf a gehören 

ayrj Staunen : aya-/iiai. 

aqrj Unheil : dgrj-fxEvog. 

aQTtt] Sichel, Falke, dqTtd-Xayog „Hasenraffer", ein Jagdge- 
räth : dQTtd-i.uvog. 

ysXo-g Lachen : ysXa lachen. 

€QO-g Liebe, Begehr : ega-^iai, SQa-Tog. 

axsrrr] Schirm : axsTtdco^ vgl. ansTtag. 

Durch die Erkenntniss des Princips, dass jeder in der Ver- 
balfiexion erscheinende Verbalstamm auch als Nominalstamm 
verwendet werden kann, werden drei bisher ganz falsch auf- 
gefasste Bildungen klar: 

idvv-Tara von Id-vv dem allgemeinen Stamme des Verbs id^v- 

viü, z. B. in Idvv-d-rjv. 
(padv-TUTog : e-cpadv-d-rjv. 

cpiX-rEQog, (piX-razog : (piX in cplXai, aor. (== cpiX-aai) vgl. 
(piX-TQov, welches ebenfalls von (ptX lieben in (flXai ge- 
bildet ist. 

Werden die Stämme starker Verba auf t] als maskuline 
Nominalstämme verwendet, so müssen diese selbstverständlich 
auf fj-g auslauten , und zwar wird dieses r]- dialectisch mit a- 
wechseln müssen, weil eine Declination mit wechsellosem t] im 
Griechischen bekanntlich nicht existirt. So sind gebildet : 
ßvQO0-diipr]-g Gerber : dsiprj-aag. 
av&-eipr]-g, (nvQ-siprj-g , Ttav^-siprj-g : eip^-aco, sipfj-aai, 

eiprj-d^eig. 
vipi-7t€zr]-g , dor. vipirterag, imv-rthrj-g : ttsxi] fliegen in 
TtEvri-oonaL. 

Beiträge z, Kunde d. ig. Sprachen. I. 22 



322 A. Fick 

Ebenso werden die Stämme abgeleiteter Verba auf ä, rj 
bebandelt, wenn sie als maskuline Nominalstämme fungiren. 
Es erscheinen dieselben nur im zweiten Gliede von Compositis. 
So in: 

TTQoa-airrj-g Bettler : alrrj-aai. 

(xTjTQ-, TtatQ-aXoia-g Mutter-, Vaterschläger : j^Ao/j^-ff«, äXoa- 

aai. 
fxiad^-aQvr]-g : aQv^-aaaS^ai. 

TisQ-avlrj-g Hornbläser, TQirjQ-avh]-g : avXrj-aai blasen. 
SQi-ßqvyrj-g brüllend : ßQVxaof-iai brülle, ßQvx^-^f^iog, ßqv- 

f.ir]Xcevo-, Ttgayf-iaTO-dicpri-g : diq)d(o suchen, dLcprj-TioQ. 
evQv-Y.6ag : ycoäv = y.o£iv, sxorjaa. 

ßvOOO-, ySCO-, GLTO-lilETQrj-g : fAEXQiq-OO), (.lETQrj-GaL. 

EQL-^vY.rj-g brüllend : /iivKcco^ai (xvY,ri-d^f,i6g. 
sv-vcoua-g, i7t7TO-vc6^ia-g : vtofirj-aai. 
dXlavTO-, avTO-, f.ivQ0-7tu)X^]g : rtcüXfj-aai. 
avXo-TQVTtrj-g Flötenbohrer : TQVTtfj-aaL , TQV7tr]na. 
yvvamo-f SQr]/iio-q)ila-g dor. : (piXij-aco. 
avdgaTtod-, ßo-, TeX-covrj-g : tdv^-aaad^ai. 

Die Ansicht, wonach in -avXr]-g, -fieTQtj-g, -vco^ia-g ein 
besonderes suffixales a enthalten wäre, das dann also an avX, 
(.lexQ, vco/,1 (!) angetreten sein müsste, bedarf keiner Widerle- 
gung. Ueberhaupt sollte man im Griechischen gar nicht von 
maskulinen a-Stämmen sprechen. Es sind fast nur Composita 
und das a hat in denselben mit dem Maskulincharacter gar 
nichts zu schaffen, sondern gehört dem Verbal- oder dem No- 
minalstamme an, welcher den zweiten Theil des Compositums 
bildet. Bei einigen Compositis kann man in dem Schlusstheile 
ebensowohl Verbal- als Nominalstämme auf a erblicken, wie in 
alvo-ßia-g : ßia, ßido), yMXXi-ßoa-g: ßod, ßodto, XaßQ-ayoQtj-g : 
dyoQi], dyoQrj-aaad^ai, oQvid^o-^rJQa-g : i^r]Qa, ^rjQdo^iai, woge- 
gen in OQao-TQiaiva-g, dytov-d^x^Sj döo-Xfoyjj-g, ccioXo-fiiTQrj-g 
die Femininastämme TQtaiva, agy^, Xiox^j, f^iiTQi] ja gar nicht 
zu verkennen sind. 

Das einzige alte Wort, worin ein überschüssiges a enthal- 
ten zu sein scheint, ist das homerische avQv-ona {ort Stimme), 
allein es hat gar kein Bedenken, ein altes Verb fojta- rufen 
= lat. vocd-re anzunehmen. 



Die suffixlosen Nomina der griech. Sprache. IV. 323 

Die Nomina auf dg, idg entspringen aus den Verben auf 
«Cw, latio in der Art, dass deren allgemeiner Stamm, welcher 
ad-, laö- lautet, ohne Weiteres nominal verwendet wird. Dies 
wird dadurch bewiesen, dass neben einer grossen Zahl von No- 
men auf dg, Lag Verba auf atio, latio liegen. Diese Verba von 
den Nominibus herzuleiten, geht nicht an, weil das Nomen in 
der Mehrzahl femininales Adjectiv ist und auch sonst dem Verb 
gegenüber eine verengte Bedeutung zeigt , wie die folgende Zu- 
sammenstellung lehrt : 

df-iaQxdg Verfehlung : aßgord^w. . 

ßa^-xidg Bakchantin : ßaxxiduo =: /Jax^fit'w. 

ßkrjyd^ f. blökend : ßXrjxdtco blöke. 

'^QOf-udg bakchantisch : ßgo/nLa^o/iidlT 

yeveidg Bart : yeveidtco, dor. yeveidaöo) Bart bekommen, ye- 
vsLov Bart. 

/myögjn, f. nackt, -gö'übt : yvuvdCo'fläi nackji.^.»b'eh. 

^iX^g Hälfte : dixaCw halbiren. 

ödpxqQ Reh : döQxdUo bliekß. 

ö-vd^^'^eiheit : Svdlü verdoppeln; acudvdg gepaartjuiU^^t^ii- 
^0^-« sich paaren. 

sd^eigdösg Haare : s^sigdCco behaart sein. 

eQrj!.idg die Einsame : sQr]/nd^io einsam sein. 

SQivdg die wilde Feige : SQivdtco. 

fQfidg f. : fQ/iidCio, 

€vdg f. bakchisch, Bakchantin : evdtoi. 

evidg f. bakchisch : svidl^io. 

Xa/^iai-evvddeg (oveg) : evvdCof^ai. 

rjXidg f. sonnig : ^hd^co sonnen. 

^Idg f. Ionisch : YaCw ionisiren, laari. 

tx/fchkg^ f. N"äs^ : Ixpd'Co) iiet/cn (spät). 

llkdg Seil , Stricte : llXd'Cw zusammenbinden (Spät). 

iTTTidg f. adj. : IrcTtdCofiai, reiten, geritten werden. 
j y.aaa'kßdg Hure : ■KaoaXßdto) huren. 
/ xjyxc'g f. schmähend : zjyxo^w schmähen. - 1/, 

KQef-idg hängend vgl. y.Qefiaa-&£ig. 

xvyiXdg f. : xtxÄaCw runden. 

Xaiyidg Hure : laiyidCco huren. 

Xevxdg f. hell : AefxaCw hell sein. 

7tQ0-Xif.ivdg Vorsumpf : XqivdCio Sumpf bilden 

hyjidg (tto«) beleckt : A/x/mLw belecken. 

22'* 




324 A. Tick 

Xirtdg ein fetter Vogel : Xinäto} fett machen. 

"ftifmg f. blökend : fir]xdt(o (spät) = jur^xccouai. 

/.iiydg m. f. gemischt : /niyd^ofiai sich mischen. 

ökzdg (vavg) Lastschiff : öl-adCco schleppen. 

Ttevrdg = nefXTtdg Fünfzahl : Ttefirtatio abfünfen. 

7tQ0Y.äg — nqn^ vgl. neQ-Kcc^cü dunkel werden. 

Qs^ißdg f. schweifend, irrend : Qs/ußdCco in der Irre umher- 
führen. 

Qod-idg f. rauschend : god-idCco rauschen, Qod-iog : Qo&t'ai, q6- 
^og. 

axidg Schattendach, Schirm : aKid^co beschatten. 

GTißdg Streu : OTLßdtto feststampfen, schichten. 

TQoxdg Rennschuh : zQOxd^co rennen. 

cpwXdg f. im Hinterhalte : (pcoldCco im H. liegen. 

XaXifxdg Hure : xalLfxdtiu) trunken, brünstig sein. 

XELf-idg f. winterlich : xeif-idto), xsL^d'Oiofxai. 

xpexdg Tropfen : rpay-dtco sprühen. 

xpidg Tropfen : xpidtco. 

Einige Nomina auf dg stellen sich zunächst zu Verbalad- 
verbien auf adrjv, adov, welche ursprünglich Nomina sind (vgl. 
ßaöov : ßddog) und jedenfalls mit den Verben auf at/ca zu dem- 
selben Systeme gehören. So 

d/iioißdg : dfioißadov , ercauoLßaöig. 

i/iißdöag Schuhe : i/iißadov. Vgl. ßi-ßdt/u), ßißdod^wv (ßi- 
ßad-d-tov). 

d(.ißoXdg, if.ißoXdg : df.ißolddr]v. 

ÖQOf-idg, 7t€QL-, Gvv-dQOf-idg : ÖQO/iiddr]v, f^ETaÖQO/udörjv. 

Xoydg : koydörjv. 

TtaQuardösg Pfosten : Ttaquatadov. 

7tXo'/.dg : TteQiuXo-Adörjv. 

GTToqdg : onoQadrjv. 

OToXdg : STtiarolddrjv. 

OTQOcpdg : eTti-OTQOcpdörjv. 

(pogdg : cpogadr^v. 

Die Nomina auf lg sind die nominal gebrauchten allge- 
meinen Stämme der Verba auf l'Cco. In einigen Fällen könnte 
man allerdings zweifeln, ob nicht das Verb auf lOo erst aus 
dem Nomen auf lg erwachsen sei, wie denn zweifellos darclCo) 
von danlg stammt, allein meistens zeigt die Bedeutung des 
Nomens deutlich genug, dass das Verb auf t^w als Basis zu 




Die suffixlosen Nomina der griech. Sprache. IV. 325 

betracliten ist, wie z. B. yoyyvUg runde Rübe von yoyyvXl^to 
runden , dv^^gaytig Bratfisch von dvd^Qaxi^co auf Kohlen braten 
abzuleiten sind, weil das Nomen eine specialisirte , das Verb 
die allgemeinere Bedeutung hat. So ordnen sich denn: 
dy-jialig Armvoll : dyy.alitofxai in die Arme schliessen. 

dy-Avlig ein Jagdgeräth : dyxvXlCofxai fortschleudern. 

axavS^ig dornig : d^avd^i^a) dornig sein. 

dxQig Heuschrecke : aKQiUo ' ciy.Qoßavew. 

aXf-ivgig Salzigkeit : äXiivglCo) salzig sein. 

dvd^gaxlg, aTtardga^lg Bratfisch : dvd^Qaxlta), ccTtavd^Qaxito) 
auf Kohlen rösten. 

ccTtoixig TtoXig : ccTtoimtw. 

ccTtoTTVQig Bratfisch : drtoTCVQito) auf Kohlen rösten. 

dqyvQig Silbergeschirr : dQyvQitjio. 

idoxaQig Spulwurm : doKagitco zappeln. 

'tt^tg P^ufist : dz^^oj dijijsten. . 

ßavKidsg elegante WeTbS-scBxiTfe T /^ai'x/Cw coquettirei 

j^/g Pf^l , Senkblei : d-aqoßü^tco vtm-^E^iljB^ej!;^ 

yalaxrlg {Tterga) : yaXaKTita) milchig sein. 

diTtXoig Mantel : öittXoi^io doppelt nehmen. 

eiaoTtxQig Spiegel : eiaoTtxQiCto spiegeln, eXaoTtTQOv Spiegel. 

eXnig : eXiti^o) (eA/rw). 

s^(x)(.ug Unterkleid : e^cof.uto) den Arm bloss haben. 

ETtioTO/iug = (poqßeid : tTtLOiof-dtco den Mund verschliessen. 

STticpvXllg Nachlesetraube : eTticpvXXito) nachlesen. 

kzaiQig Hetäre : kzaigitco sich gesellen; buhlen. 

Ev/Li€vidsg Eumeniden : euj-ievi^o) geneigt machen. 

iSQig Priesterin : isglUo weihen. 

iXXig f. die Schielende : erc-LkXiCa) blinzeln. 

lovlig ein Fisch : lovlito) Milchhaare bekommen. . m 

'Itüvig die ionische : '/wv/Cw ionisiren, 'icona-tL //i/i I 

xß^Jörrg LineaTT xavon^o>--öach der,Ricfttschnjtir..Äa'clien. {/Vsp^ 

ytagdaf-ug kresseähnliches Kraut : xagdaf-iiCco wie Kresse sein. 

'/.azatyig Orkan : -/.aTaiyil^w herabstürmen. 

kyy.evTQig Stachel, Sporn : ■KevtQitw stacheln. 

7iivva/niüf.ug schlechter Zimmet : xivvafi(of.ä^io dem Zimmet 
ähnlich sein. 

xXi^ig Schlüssel : ulrjiKto vgl. lat. claude-re. 

XsTtig Schale : Xertito) schäle, Xsrtog. 

Xr]ig Beute : Xr]l^of.iai erbeuten, gewinnen. 



326 A. Fick Die suffixlosen Nomina der grieoh. Sprache. IV. 

XoTtig Schuppe : XortlCco abschälen. 

f.isQig Theil : usgitco theile, i-isQog. 

juvQig Salbenbüchse : (.ivQitü) salben. 

vottg Näss^^ : voTitm. bene^eü: 

TtizQig Bitte rkraut : Trtx^/^w bitter sein. 

QiTtig Fächer : giTziCo) anfachen. 

Qodlg Rosenpulver : qoöIi^o} wie Rosen duften, aussehen. 

axaXlg Hacke : oy.aXitw, da-/.aXtCoj behacken. "" 

ö'/.aQLg = daxaglg Spulwurm : axagitco = doytagiKoj zappeln. 

OToXig Falte : OToXito) bekleiden. 
ftpoQTig (vavg) Lastschiff : cpogtiteod^m laden. 
i^Qvoig Goldgeräth : xQvaitio goldig , sein. 

ipccXig Scheere : ipaXito) abkneifen, ipdXXu) rupfen, zupfen. 
Bei avXig, iXTtig, omg sind die Formen avXi-^ eXrti-, oTti- 
und avXiS-, sXmd-, OTtid- zu scheiden; das d der letzteren 
stammt zweifellos aus den Verbalstämmen avXltojLiai, iXTtltw, 

Auch die deminutive Verwendung von id, idtov erklärt sich 
durch Zurückführung auf die Verbalstämme id, ito). Die Verba 
auf lCw haben nämlich auch die Bedeutung „dem gleichen, 
das nachahmen", z. B. ^SioxQaTitio den Sokrates nachahmen. 
Demnach bedeutet das Deminutiv ^iOTcgaTidio-v, lautlich mit 
aa)}iQaTit,o- identisch, „ein Ding, welches den Sokrates nach- 
ahmt, ohne ihm ganz zu gleichen", d. i. ein kleiner Sokrates. 
Das deutsche Deminutivsuffix t beruht darauf, dass wir im 
Deutschen den griechischen auf atw, tCw entsprechende Verba 
auf tj'a besitzen. 

Das hier in seinen Grundlinien dargelegte Princip der 
Verwendung der Verbalstämme als Nomina liegt auch der Bil- 
dung der sog. besonderen Feminina zu Grunde, deren Wesen 
darin besteht, dass die Sprache zur Bezeichnung des weiblichen 
Geschlechts zu den nächst liegenden secundären Verbalstämmen 
greift, wie man ja schon daraus sieht, dass die Feminincharak- 
tere la, aiva, lö, ad, lad der Reihe nach den Verben auf yw, 
aiviü, i^io, atco, latoj entsprechen. Doch erfordert dies eine 
besondere Darstellung. 

Göttingen 22. April 1877. 

A. Fick. 



Etymologien, 327 

Etymologien. 

avilla. 

Das nur bei Paul. Epit. p. 14 überlieferte und durcli 
agnus receniis partus erklärte avilla pflegt man als Deminuti- 
vum von ovis anzusehen. Dieser Annahme steht ein doppeltes 
Bedenken entgegen. Erstens wäre es doch sehr merkwürdig, 
wenn sich in dem abgeleiteten Deminutivum das ursprüngliche 
a erhalten haben sollte, während es in dem Stammworte so- 
wie in sämmtlichen sicheren Ableitungen von demselben nicht 
nur im Lateinischen, sondern auch im Griechischen zu o ver- 
dunkelt erscheint. Curtius (Berichte d. K. Sachs. Gesellsch, d. 
Wissenschaften 1864 p. 20) rechnet mit Recht den gemeinsa- 
men Besitz des o und 6 zu den Kriterien, aus welchen wir 
auf eine engere Verwandtschaft des Griechischen und Lateini- 
schen schliessen dürfen, und ich stimme ihm ganz bei, wenn 
er Formen wie das Zahlwort octo , die Wurzel gnö „erkennen" 
neben gen gnä „zeugen", ok „sehen", Wörter wie ov>is, potis, 
ocom in dieser Vocalisation für specifisch graecoitalisch erklärt. 
Wäre nun aber avilla, welches doch eine speciell lateinische 
und erst auf lateinischem Sprachboden entstandene Bildung ist, 
von OVIS abgeleitet, so müsste auch dieses in einer älteren Pe- 
riode der lateinischen Sprache noch *avis gelautet haben und 
die schöne Uebereinstimmung zwischen o'ig und ovis auch im 
Vocale wäre verloren. Zweitens aber wird das Wort nicht 
durch ovis, sondern durch agnus erklärt; der Urheber der 
Glosse hat es also jedenfalls. nicht als zu ersterem gehörig an- 
'gesehen, sonst hätte er wol ovis gesetzt. Es ist nicht der min- 
deste Grund vorhanden, an der Richtigkeit der alten Erklä- 
rung zu zweifeln; vielmehr ist avilla das ganz regelrechte De- 
minutivum von agnus (Masc. und Fem.) oder agna. Wie näm- 
lich von Signum iignum pugnus u. a. die Deminutiva sigillum 
iigillum pugillus stammen, in denen das i Svarabhakti ist, so 
würde das entsprechende Deminutivum von agna zunächst 

*agilla lauten müssen. Nun aber gehört agnus, wie gr.\a/j.v6g 

aus ^dßvög beweist (Walter KZ. 11, 429, Fick 20, 175^7^ ' 
denjenigen Wörtern, deren g jene Affection erfahren hat, die /» s 
zwischen Vocalen im Lateinischen regelmässig durch v reflectirt 



328 Etymologien. 

wird (A. Kuhn KZ. 10, 290, Ascoli Vorles. p. 96), und es ist 
somit das v von avilla in vollkommenem Einklang mii^dem 
Gesetz. Mit agimuk^xmdt. d(.iv6g vergleicht Fick richtig ksl.'^a^M^ 
„Lamm", jagftf«^^ „Lämmchen" ; dagegen müssen ksl. jazino 
„Fell" und skt. ay/io^ „Vltes^, wenn sie auch zu derselben 
Wurzel gehören mögen, gesondm werden, denn skt. j = ksl. 
z weist auf g^ (Hübschmann KZ. 23, 23), das im Lateinischen 
und Griechischen nur durch das reine g reflectirt wird. Da- 
gegen entspricht dem lateinischen gv (nur nach n) oder v 
(zwischen Vocalen, im Anlaut vor Vocalen und zuweilen nach 
r), selten b (im Anlaut vor Vocalen) = gr. /?, selten d, im 
Slavolettischen nur g, nicht ksl. z, lit. z (== ursprachlich g^) : 
üiWs tJ^>is^gr. jTfcßg, got. qius , altir. 1Wm^ cymr. W^ — 
lit. gytat> XX 

vmar^ gr. ?^^#|^Hi — ^^^- 9^^^^'> ^^' ^^e^*- 

hos gr. /^oiJg^'^'^SK^j^,,,;:-:; ksl. gove^do..^,. 

boere bovare gr. ßoäio — ksl. govorü Iß-ogvßog. 

uva — lit. üga. 

servus servare — lit. sergu (Joh. Schmidt Voc. II 76). 

ßalavog — lit. gile. Im lateinischen gla?is ist die Af- 
fection vor 1 aufgegeben wie vor n in agnus, vor r in gravis 
neben gr. ßaqvg, nach r in vergo neben urvum und in tergo, 
wenn ich dieses (KZ. 23, 312) richtig mit gr. Tgißw identifi- 
cirt habe; den secundären Guttural zeigt auch got. ihair-k-o 
TQv/iiaXiä. 

aeol. ßavä, att. yvvrj (aus ^yfavrj), got. qino qens^ altir. 
ben — altpreuss. ganna. 

ßiog — lit. gij'e „Faden". 

ßXirtio — ksl. glipati. 

ßqicpog deXcpvg ddeXcpog — ksl. zreh^. 

got. qairnus , ahd. chwirna — lit. girna. 

_ jgot: naqaths ( lat. nudus aus, *novidus wie prudens aus 
pnopidensf)^ lit. nßi^aß^f ^^\. n6gu/' 

Hiernach werden "^ wir also ksl. yJö[i5^»a_Jjicht unmittelbar 
mit Jagnp^ gr. d/iivog, lat. agnus avilla zusammenstellen dür- 
fen. Es ist diese Lautentsprechung in den beiden g ebenso re- 
gelmässig wie die parallele in den beiden k; Ausnahmen sind 
selten. Keine Abweichung von der Regel der letzteren, nach 
welcher slavischem s lit. sz, arisches (^ gegenüber liegt, ist ksl. 
slama = gr. KaXä/iirj, lat. culmus, ahd. halam ; denn skt. 



Etymologien. 329 

kalama- ist aus dem Griechischen entlehnt (Fiele Spracheinheit 
p. 76); der ächte Vertreter jener Wörter ist im Sanskrit viel- 
mehr gara- m. „Rohr", garamaya- „aus Rohr gemacht" 



annona. 

annona hat zwei Bedeutungen: es bezeichnet 1) den Er- 
trag, die Ernte an Dingen verschiedener Art, wie Salz {annona 
salaria) , Wein, Most, besonders aber, ganz dem deutschen 
„Ernte" entsprechend, an Kornfrüchten, Getreide {annona fru- 
meniaria) ; '2) den Getreidepreis, wie sich denn die Begriffe 
„Ertrag, Lohn" und „Preis" öfter berühren. Was die P'orm 
betrifft, so zerlegt sich das Wort leicht in anno-na und ist 
eine Bildung wie patro-nus neben patro-cinor u. a. Das dop- 
pelte n entsteht im Lateinischen entweder' durch verschärfte Aus-^ 
spräche wie in pannus = dor. ^j^^ogjoä^r — und das ist das 
Gewöhnliche — durch Assimilation wie in penna aus altlat. 
pesna. Dass diese zweite Entstehungsweise auch für annona i 
anzunehmen ist, beweisen got.; asans „Erntezeit, Sommer, Ern- 
te", ahd. am „Ernte", amen amön „ernten, erwerben, verdie- 
nen, die Frucht von etwas geniessen", arnöi „Ernte", got. as- 
neis, ahd. asni „Löhner". Es ist also wol annona aus *asno-na 
mit dem Suffixe na von einem dem ahd. amön aus ^asnon ent- 
sprechenden schwachen Verbum abgeleitet und enthält dasselbe 
6 wie aegrotus custos u. a., in denen Curtius Derivate von ver- 
lorenen Verbis der o-Conjugation erkennt. — Schwierig ist die 
Frage, ob auch annus, welches formell zu annona stimmt und 
in nachaugusteischer Zeit vereinzelt die Bedeutung desselben i 
hat, gleichen Stammes sei. Ist sie zu bejahen, so muss annus] 
aus *asnus erklärt und als „Sommer" gedeutet werden, wie jaf 
z. B. das dem altindischen samä „Jahr" entsprechende zend. 
hama „Sommer" bedeutet. Mir scheint indessen Fick's Zusam- 
menstellung von annus und got. aihn wegen der völligen Con- 
gruenz auch in der Bedeutung vorzuziehen (Corssen Sprach k. 
p. 39); die Stämme *alno- und "^asno- fielen im Lateinischen 
zusammen. \ 

Ein anderes Beispiel für lat. tm aus sn ist cunnus , wel- \ 
ches ich mit Aufrecht (KZ. 9, 232) und Curtius (Grundz. N. | 
83 c) zu gr. y,vö6g y,vad-og und lit. kuszys , neben welchem | 
sich freilich auch kuzys findet, stelle. Der Stamm *cusno- ent- \ 



a 



330 Etymologien. 

spricht dem altind. m^hia- in JmSh«iaii „rei^^j^ zei«^issen"\ 
(vgl. rima\axiG(xa). Mit^iesem Stamme lässt sicfe aber^uch 
"KVGog identificiren : der Nasal trat zunächst in das Innere des 
Wortes und fiel dann vor a aus, wie in(,^9*^^^t;g.5^^ 
sus = skt.'^'^Ä«^^« (Joh. Schmidt Vocal. I 31); in xvaaa- 
Qog, welches von'^x^og nicht getrennt werden kann, steht 
dann oa für va. So erklärt sich die Erhaltung des'a zwischen 
Vocalen. Möglich ist aber auch, dass zvaog aus *yivaj6g 
(und demgemäss yivaoaQog aus -/.vaj'aQog) zu erklären und 
mit dem litauischen Worte zu identificiren ist (vgl. skt. ku- 
shyaii). — Eine andere Erklärung von xvaog, die, was dieses 
allein betrifft, ganz untadelig ist, gibt Fick Wörterb. I 52. 

quacius. conquinisco. 

Bei Isidor Or, 20, 2, 35 findet sich folgende Erklärung: 
quactum quasi coactum et quasi coagulatum. Es muss sich also 
quacius in der ungefähren Bedeutung von coactus „zusammen- 
gedrängt" in der Literatur gefunden haben. Ich vermute, dass 
das Wort das Particip zu cotiquexi conquinisco „zusammenkau- 
ern", ocquinisco „sich niederbücken, sich ducken" ist, welche 
eine Wurzel quac enthalten. Dem lateinischen qu gegenüber 
ist im Griechischen in erster Reihe 7t zu erwarten. Ich ver- 
binde daher die lateinische Wurzel quac mit der griechischen 
Trrox in eTvray.ov z a r a /rr'jftn^ oj „sich niederducken", Ttroja- 
oo) „sich furchtsam hinduckeu, sicli fürchten, sich iaerum drü- 
cken" (vom Bettler), ytr^h^ mw^ ,,furclitsain, schücktern", 
TCt>»qog „BÖi|ler". Ueber m aus tc vgl. A. Kuhn KZ. 11, 
310, Ööfftius (jh^idz. * p. 489. Im Sanskrit entspricht dem 
lat. qu = gr. tt in der Regel c; ich ziehe hierher das Particip 
cakita- ,, furchtsam, erschrocken" und das zusammengesetzte 
kuiicaka- „eine Art Bettler", welches nach Analogie von huti- 
cara- „eine Art von Asketen, die von Hütte /u Hütte betteln 
gehen", bedeuten wird „sich in Hütten herumdrückend", vgl. 
alloTQiovg ol'xovg Tirwooeiv (Hes. Op. 397). Mit cotiquinisco 
vergleicht Eick Wörterb. I 535 nhd. Äwei:e«--'ÄoC;^git.,.^,;ttf^Ujbe»' 
der Bedeutung^iach trefflich stimmt, jibör im Wurzelauslaut 
abweicht; .-^gl. niederl. hukk&i^i'%c[vNeA. huka, oXin. hpIainH 
„nie|^Ärg^)ogen , kjiiumm". — Neben ma-/. besteht im Griechi- 
schen eine kürzere Wurzelform 7t xa in 7te7tTr]iijg „hinkauernd, 



Etymologien. 331 

sich zusammenduckend"; k ist also wol Wurzeldeterminativ wie 
in TtqctGGVi aus *TCQd-y.-jo} (vgl. TTQ^aaeiv yiiXevd^ov, odov, 
aXcc wie Tteqdto tiÖvtov, aXa u. a., Tregalvo); Curtius Grundz.'^ 
274), lat. facto jacio fulcio ulciscor = epi;xw aus *i-fQvxa}, 
oder die Wurzel kak beruht auf alter Reduplication. 

ßoXßog. 

Die labiale Media ist in den indogermanischen Sprachen 
ausser in einigen schallnachahmenden Wörtern aus anderen 
Lauten hervorgegangen (Grassmann KZ. 12, 122 ; Curtius 
Grundz. '^ p. 291). Von den sechs Beispielen, die Curtius (a. 
0.) für gr. /!? = idg. b anführt, sind drei Schallwörter; in dem 
reduplicirten ßof.ißvUg = lit. humbulys ist nach Ausweis von 
altn. hulla ebullire, ahd. folla bulla in aqua, folliculus, lat. 
follis (Schmidt Voc. II 225) die Media nach dem Nasal aus 
der Aspirata erweicht wie in vielen anderen Beispielen bei Cur- 
tius Grundz. * p. 515 ff.; zu derselben Wurzel gehört lit. hulh 
(Schmidt a. 0.) und also wol auch skt. huli f. (Fick Wörterb. 

I 151); die Entstehung des ß in ßqaivg und lat. hrevis lässt 
sich nicht erkennen, da sichere Verwandte in anderen Sprachen 
fehlen Das sechste von Curtius' Beispielen ist ßoXßog, das er 
mit la^tßulbus und \Qtt.J)Ufnbuls ^^KnolW* verbindet. Von die- 
sen Wörtern muss aber jedenfalls das lettische mit Fick (Wör- 
terb. II 179) ausgeschieden werden, da es ja offenbar mit lit. 
humhulys „Steckrübe, Wasserblase" zu dem oben erwähnten 
ahd. polla ,, Bolle" zu stellen ist. Das lateinische bulhus kann 
entlehnt sein wie lit. bulbe buhis ,, Kartoffel"; aber auch, wenn 
man es für urverwandt hält, verhindert es nicht die folgende 
Erklärung von ßoXßog, welche das erste ß aus y entstanden 
annimmt; denn übereinstimmend zeigen das Griechische und 
Lateinische b für g auch in ßovg bos , ßoäio bovare, ß(x'/.VQOv 
haculmn (Curtius Grundz. ^ p. 6o) und in ßqaövg ßagöiOTog 
„trag, schwerfällig, stumpf", lat. bardus „dvaia&rjrog , ßgadvg, 
a(pQ(ov, ßXä^ (Gloss. Labb.), dumm, einfältig" (Fick Wörterb. 

II 177), die ich mit skt. yac?a* „empfindungslos, stumpf, dumm, 
einfältig", Jadakriya „trag, saumselig" verbinde, indem ich 
Entstehung des lingualen d aus rd annehme wie in gadayitnu 
neben gardayitnuy nadaka = gr. vaQ&r]^ (Fick Wörterb. I 
126), khodaii „hinken" verglichen mit got. halin (Fick I p. 47) 



332 Et3'^mologien. 

u. a. Dagegen ist blaesus , welches ich Bugge folgend oben S. \ 
204 unrichtig für lateinisch gehalten habe, griechisches Lehn- 
wort, ebenso balneum — ßaXavelov, welches auf einen Stamm 
ßaXavo- führt = skt. garana n, „das Bespritzen", galana adj. 
„rinnend" von W, gal = germ. quäl in ahd. quillti „quelle". 
Ueber den Ursprung der ß von ßoXßog gibt Auskunft altn. i 
köifr „Pfeil, Klöpfel der Glocke, keulenartige Wurzel, Wurzel- 
knolle", wozu ahd. cholbo „Ballen, Kolben"; letzteres führt 
weiter zu lat. glohus „Ballen", welches ich für den wahren Re- 
flex des europäischen Stammes golbha- (germ. kolba-, gr. *yoA- 
q)0-) im Lateinischen halte. — Verwandt mit globus ist glomusx 
„Knäuel", woher glomerare „ballen, zusammendrücken", glo-\ 
(meraie glomerosus ,jgedrängt"; dieses weist auf eine Wurzel! 
glam ■= germ. klatn in ahd. chlemman aus klamjan „zusam-l 
mendrücken" u. a. 

Neben Jada findet sich Jala , wie neben nada nida guda 
kadamba — nala nila gula kalamba ; gewöhnlich verbindet man 
mit jada lat. gelu , ahd. chuoli, indem man Uebergang von 1 
in d annimmt. Ob diese Annahme statthaft ist, weiss ich 
nicht; A. Kuhn, der KZ. 13, 79 (vgl. Möbius a. 0. 14, 277) 
den Uebergang von 1 in d behandelt, bringt Beispiele aus dem 
Sanskrit nicht bei. 

F. Fröhde. 



Uterus, Xav'Kavia, (pwXsog, -\/ li, Xaivog, aita, yiTtov, (fvXayiog, 

710QV&-, aiol , d'/iovio und dxgodoinai, y tvar drehen, y tvar 

fassen, f-iiraXXov, ocpaXäGOO), vannere, veiog. 

Lat. Uterus ist aus gvoterus entstanden durch Abfall des 
g vor V und Contraction der Silbe vo zu u , genau wie lat. 
uter aus cvoterus = oskisch pul ovo- --. nÖTEQog = goth. hva- 
ßar hervorgegangen ist. Mit uterus = gvoterus decken sich 
nach Laut und Bedeutung goth. qißra- in laus-qipra- und 
sskr. Jathdra Bauch, Mutterschooss *). 

Xavviavia Kehle gehört zum lit. pa-laukys der Kader un- 



*) [Die ansprechende und zweifellos richtige Zusammenstellung von 
jathdra und uterus findet sich schon — wo sie leicht übersehen werden 
kann — bei Leo Meyer Vgl. Gram. I. 38. B.] 



Etymologien. 



333 



ter dem Kinn, die Wamme des Rindes. Das Stammverb ver- 
mag ich nicht anzugeben. 

cpcoleö-g Schlupfwinkel, Versteck der Thiere gehört zu- 
nächst zu (pcoleco und mit diesem sammt cpioXäg : cpcolä^o) und 
(pcolevco zu einem StammAvorte qxalo- , dem ganz genau an. hol 
n. Wohnstätte und noch näher in der Bedeutung bmli n. Auf- 
enthalts-, Zufluchtsstätte, namentlich von Thieren entspricht. *) 
Zu bhava in der Bedeutung wohnen. 

Eine europäische Wz. (// biegen ist anzusetzen wegen Xt- 
H'qv Hafen (eigentlich „Bucht"), lei-fnwv Wiese (= Niederung 
wie lit. lankä Wiese), hdtof.iai biege aus, \a.t.{li-fuus Krumm- 
stab, (gebogene) Zinke (vgl. tnor-tuu-s) , li-mu-s schief, schräg, 
vielleicht auch liquis , ob-Uquus , die doch nicht wohl zu lak 
biegen (lat. lacus, lacicna, laqueiis) gehören können. In Nord- 
europa stellt sich zu unserem li lett. lei-ja das Thal, die Nie- 
derung, lei-jsch niedrig gelegen. 

Dem griech. Xaivo-g in laivo-xsiQ • GY-XriQo-xeiQ mager- 
händig entspricht genau lit. lama-s schlank, vom menschlichen 
Körper. Zu Grunde liegt eine europ. Wz. li schwinden, ab- 
nehmen, wozu weiter gehören: XT-fno-g Hunger, Xoi-fiö-g Pest, 
lat. le-tum Tod, lit. lei-la-s dünn, Idi-ba-s zart, mager vgl. ksl. 
libivü dass. und mit s weitergebildet Xolo-d^o-g der letzte, lit. 
lystu lys-ii abnehmen, mager werden, l'esas mager. 

Mit lett. aita Schaf ist lautHch das ved^ £(a, womit ein 
reichlich Milch gebendes, schnelles Thier bezeichnet wird, iden- 
tisch. Man versteht unter etd eine Hirschart, vielleicht ist das 
asiatische Wildschaf, Argali, zu verstehen, dann hätten wir in 
aitd eine ursprachliche Benennung des Schafes neben avi-s. 

xtiov Säule ist von Keiio spalte nicht zu trennen. Hat 
nun G. Meyer (in dieser Zeitschrift S. 82) Recht, x«/w auf sM 
zurückzuführen, so gewinnen wir für y.tiov eine genaue Paral- 
lele im Deutschen, falls wir nur bedenken, dass mit ^tiov ur- 
sprünglich jedenfalls nicht die künstlerisch ausgeführte Säule, 
sondern jeder Pfeiler, Stender, Pfahl bezeichnet worden ist. 
Es ist dann y.twv (für ayceiwv) = mhd. schie f. Pfahl zur Um- 
zäunung, Zaunpfahl, nhd. Schweiz, die Scheie dass. 

q)vXayiö-g Wächter, wovon (pvXdoGio: q>vXa^, erklärt sich, 



*) Die obige Zusammenstellung wird jedoch hinfällig, wenn die Iden- (A/lAi^ 
tificirung von böl mit ags. botl (Cleasby-Vigfusson s. v. böl) richtig ist. 



334 Etymologien. 

wenn man sich erinnert, dass d vor k im Griechischen spurlos 
ausfallen kann, wie z. B. in yiaaeka lakonisch für xa^-etJAa, 
worin sXa = sola dem lat. sella für sedla sowie dem goth. 
sitla- entspricht. Setzen wir demnach (fvXaxö-g als (pvö-lay.og 
an, so erkennt man in -laywg eine Suffixverbindung, wie in 
TtaX-Xaxog, xpvkXa^, ähnlich der lateinischen 'Endung in petul- 
cus, hiulcus, huhulcus. cpvd entspricht ursprünglichem bhudh 

/wie d^vy in ^vyaTrjQ einem ursprünglichen dhugh. Das alte 
Verb bhudh zeigt in mehreren Sprachen die Bedeutung „wa- 
chen" so im sskr. 4üMä erwltehen , huddjia ergeht, zend. lud 
erwachen , caus. erwecken , m^^undih^2ichQ , ludmti weclt«c^ 
ksl. ßüileti wabi^n, Buditi S^fec^ft. Mit lit. bulhii^ wäfeligam | 
mag cpoXvg (für cpvXvg (pvd-Xvg) näher zusammengehören, das 
als eine Eigenschaft der Hunde angegeben wird. 

■KOQvd- in '/.E-y.OQv&f.itvog , ircTto-y.OQvaz^g , zoQvg Helm 
heisst rüsten und steht nach griechischen Lautgesetzen für kv- 
Qvd^ = y.Qvd-. Scheinbar entspricht genau ags. hreödhan hroden 
ornare, onerare, woher ahd. hrust, nhd. rüsten. Allein nach 
dem Vernerschen Gesetz entspricht hreodha- unverschobenem 
kreuta- und Vertretung von x durch d^ im Griechischen hat 
Bedenken. Vielmehr liegt eine gemeinsame Basis kru zu Grun- 
de, erhalten im lit. kruvä Haufe, krdu-ii\i2i\\ien, laden, packen, 
fleihen, vgl. ags. hreödhan belasten, beladen, welches die 
Grundbedeutung ist. Aus kru ist xoqvd- = zvgvd- = XQV-d- 
durch dha thun, gerra. hru-ßa- — kru-ta- durch ia weiterge- 
bildet. Die ältere Buchstabenstellung kur ist im ags. hyrst 
Rüstung, hyrsien rüsten, wie im griech. y.oQ&vg (für ycvQ-d-vg) 
Haufe (vgl. lit. krdu-ii häufen, krucä Haufe), xoq&vo) erheben, 
■/.OQÖvXrj Beule erhalten; die Bedeutung ,, häufen" ist auch in 
■KOQv-öög Haubenlerche zu erkennen. 

Ags. ^^l — SiW.^äHkU dirus gehörfc«^um arriSf^. l a/!em 
hasse, das a^ÖH. HübschmannNj:ichtig zu latS^e gesteHi ist. 
Eine europ. Wz. ärf hassen scheiitfe damit gesicneH, """^t 

uY-ovo) und ä-KQodo(.Lai hören stehen zu einander wie 
die alten Eigennamen l4xd-örj/iiog und l4xQ6-örjf.iog; beide sind, 
dieses mit dyia- scharf, jenes mit d/.QO- scharf zusammenge- 
setzt; im zweiten Gliede enthalten beide ovg Gehör vgl. vrj- 
■Kova-xiiü. Eine ebenso kühne alte Composition liegt in oa- 
cpQt-ai^at für dd-cpqe aus od riechen und (pQE, (pqav wahrneh- 
men (scheiden), das auch in (pQiveg, ^t£zd-q)Q£vov , €v-q>Q6vr], 



Etymologien. 335 

cfga^co u. s. w. vorkommt. Die Vergleichung von ccKQnfdofiac 
mit sskr. cru ist ganz verkehrt, dieses heisst auf europäischem 
Boden Jdu. 

Auf die Basis ivar, tru d r e h e n^xgehen mehrere Nomina 
in der Bedeutung „Quirl, Rührlöffel", nämlich toqvvt] (für rv- 
Qv-vrj) Quirl, lat. irua Rührlö|fef, Kelle, an. ßcara f. Quiyl^ 
mhd. twirel, twirl was sich Ä<5hnell herumdreht, Ball, Rübflöf- 
fel, Quirl. Zu derselbej>-^urzel gehört lat. turma u^ä ags. 
ßrym Haufe. Als st^i*Kes Verb ist tvar erhalten im ^^d. dwe- 
ran, tweran, mhd/fwern schnell herumdrehen, ruhj^mi, mischen. 

Zu der gleichlautenden Basis tvar fassen im lit. tver-ii 
fassen, su-tverti formen, schaffen, ksl. tvoriti machen, schaffen 
gehört auf südeuropäischem Boden tvq-gl-q Thurm = lat. iur- 
ris und oskisch iru-iu-m fest (zicolom Tag), das ganz genau 
dem lit. ivir-ia-s fest entspricht 

füSTaXlov heisst bekanntlich in der älteren Gräcität nicht 
„Metall", sondern „^uchstelle, Platz wo Mineralien gesucht wer- 
den". Es gehört tM; fieTalldco suchen, forschen, fragen, das 
natürlich nicht mit den Alten von (.ler äXla abzuleiten ist. 
Vielmehr ist liiev, wie ja auf der Hand liegt, = l^itar suchen in 
(.idzrifiL, fiaTs^o, (.lazevio suchen, vlit. matyti, lett.\ wa?Mmos-< 
wahrnehmen, wa//^ empfinden, ksl. moiriti spectare. 

Zu GipaXdaGio stechen, ritzen : aqxxXa^ Stechdorn gehört 
lit. spilkä Stecknadel, Nadel an der Schnalle, spilka raszoma 
Schreibgriffel. Gemeinsame Grundform ist spelka-, daraus wur- 
de lit. spilka, griechisch ag)eXxo- , acpXaxo-, o(faXa/.o-. Aus 
aq)aXa/.o- ist arpaXdoaco gebildet, wie f^iaXdaaco aus fiaXay.og, 
(pvXdaaio aus q^vXa-j^o-g; aus dem allgemeinen Stamme von acpa- 
Xdooco in aq^aXd^to u. s. w. ist ocpdXa^ Stechdorn erst entnom- 
men, wie q>vXa^ aus q)vXdaoco, ydQcc^ aus xaqdaoio. Zu Grunde 
liegt dem erschlossenen »pelka- natürlich spal spalten. 

VLat. va7inere schvvingen, wozu vannus dje Schwinge \ist 
von mir früher uniichtig^^ zu va wehen, lit. veiyti windigerf^^ 
worfelk gestellt; vannere seht vielmehr für cvannerKC^iß vapor \ 
für ßt'ä»or) und entspricht de^i ahd. hwenjan hwennah, wennan X 
schwingen, wie vannus dem ahd. ivanna = mhd. tf^ne f. 
FutterschVinge. Auf Grund dieser Gleichung darf man "kvan 
schwingen \ ^ra«« Getreide-, Futterschwinge als europäisch 
ansetzen. 

veiog {dqovQu) wird als Brachland gedeutet und zu vEog 



336 Etymologien. 

neu, vedio brache, lat. novä-re brachen, novä-Ie Brachland ge- 
stellt. Dem Sinne nach gewiss richtig, aber nicht der Form 
nach, veiög gehört nämlich, wie mir scheint, zu veiod^t unten, 
veiod^ev von unten, veiaiQa Unterleib, vEiaxog der unterste, 
letzte. Alle diese Wörter sind ebenfalls bisher zu vsog, lat. 
novus gestellt und an den Gebrauch von novissimus der letzte 
erinnert worden. Allein eine Ableitung von „neu" kann wohl 
das Letzte als das zu jüngst passirende fvgl. novissimum agmen) 
bezeichnen, aber nicht das locale unten, wie doch veiod^i, vel- 
aTOQj veiaiQa thun. Ich stelle vielmehr die bezeichnete grie- 
chische Wörtergruppe mit ?ii unten im hochdeutschen hie-nie- 
den , nieder, ksl. ni-zü unten , sskr. ni , ni-tardm zusammen, 
übersetze vuog {aQovqa) als Tiefland und halte es für genau 
identisch mit ksl. niva f. Acker, wovon nivari agricola und 
anderes stammt. Zu Grunde liegt eine europäische Bildung 
nei-va, vgl, lat. pri-vu-s. 

A. Fick. 



dVrjx^S, skr. yahvd. 

Die Erklärung des homerischen dCrjx^s als d-dirjxVSf wel- 
che unlängst Clemm in Curtius Studien VIII. 48 wieder vorge- 
bracht hat, verdient keinen Beifall, denn dirjxeco, dirjx^g — die 
übrigens bei Homer wol diafrjxsco, diafrjxVS lauten würden — • 
sind spät, und begrifflich wenig geeignet, dtrjx^S ,, unablässig, un- 
aufhörlich" zu erklären, -tr^x^g- gehört meines Erachtens zu 
skr. yahtä „schnell dahin schiessend, eilend, rastlos, fortwäh- 
rend tätig" (Grassmann), „etwa „in fortwährender Bewegung 
oder Tätigkeit befindlich, rastlos; continuus, beständig"" (PW.)^). 
Mit dieser Etymologie ist die Ansicht Grassmanns (Wbch. C. 
1001), nach der das in yahvd, yahü , yaJwdnl enthaltene Ver- 
bum yah zu ahd. Jagön gehört, sowie die Ficks (Vgl. Wbch. ^ 
I. 402 ' , der die angeführten Sanskritwörter zu lit. jegti stark 
sein (vgl. lett. jegt verstehen) stellt, sehr wol zu vereinigen. — 
Ob das den ersten Bestandteil von dCrjxrjg bildende a privativ, 
copulativ, intensiv oder euphonisch ist, möge Clemm entschei- 
den; ich selbst beschränke mich darauf, hinsichtlich des Alpha 



^) Anders wird yahvd von Benfey Oi-. u. Occ. I. 426 übersetzt („kräf- 
tig, mächtig, Herr"); A. Ludwig übersetzt „jugendlich". 



Etymologien. 337 

copulativum zu bemerken, dass die Behauptung, die Präposi- 
tion sa finde sich nur in griechischen und arischen Zusammen- 
setzungen (J. Schmidt Verwantschaftsverhältnisse S. 21) sehr 
anfechtbar ist. Denn es hindert nichts, das copulative a (bez. 
o) auf altes *0£v zurückzuführen ^) (über a = en vgl. u. a. 
Fröhde o. S. 192, Brugman Stud. IV. 72, IX. 299), das dem 
altpreuss. se?i, altlit, sen- , (acc. sg. f^zine^, ahd. as. ags. afr. 
sin- {sin-Mun, sin-hiwun, sin-hivan, sin-higen , vgl. auch ahd. 
sinwerhal, sinwelbi u. a.) ^) an. si- (z. B. si-valr), sin- (z. B. 
Sinfj'ötli) genau entspricht. Neben dem so sich ergebenden eu- 
ropäischen sen- ist wegen ksl. lit. s<^- y su- die Form san- an- 
zusetzen; ebenso ist das privative Präfix in der europäischen 
Grundsprache als en- (a-, lat. in--, umbr.a-, altpreuss. en-K.Beitr. 
8. 365) und an- (gr. av-, ir. osk. umbr. an-, got. un-) anzusetzen. 
Ich bemerke diess trotz J. Schmidt's Bemerk. KZs. 23. 341 Anm., 
die mich nicht überzeugt hat, und gegen seine Ausführungen 
das. S. 271, gegen die ich zugleich auf die vedischen Wörter 
anänukrtyd, anänudd, dndnudishia, dnänubhüti ^ die nach Ben- 
fey für ana-anukrtyd u. s. w. stehen, verweise. 

Lit. aibrumas , gr. «l/9w. 

Lit. aibrufims (aibrumas°%uj:noj' „dätSiJ^ssern im Munde") 
ist von einem Aojectivum ^aibras oder "^aibrus ,^ässerig, feucht" 
gebildet (vgl. gerümas : geras , saldiimas : saldüs), das zu gr. 
el'ßm^gokört und sich lautlich eng an das mit diesem zusam- 
mengestellte iBX.jiiber (Fick Vgl. Wbch. ^ II. 33) anschliesst. 

Gr. daTtig, lit. skydas. 

Benfey hat in seinem griech. Wurzellexikon I. 612 dajtid- 
mit Recht zu y sku bedecken (Fick a. a. 0. IL 271) gestellt; 
es ist aus d-OY.J^id- entstanden, vgl. ci[xid- von y am. Neben 
doTtid- erscheinen die Stämme dayrido- {do7ndo-(piQf.io)v) und 
aariLÖä- {doTCLÖrj-OTQoqjog) , welche sich beide im Litauischen in 
skydoz^s und"^"»^«/«-",, Schild' 'wiederfinden; das y dieser litaui- 

*) Scheinbar sprechen lat. osk. sa- (Fick Vgl. Wbch. ^ II. 250) dage- 
gen, aber auch sie können auf sen- zurückgeführt werden; vgl. 'ujiis ne- 
ben ^fjinCi ahd. imbi (Fick a. a. 0. S. 19, Schmidt Vocal. I. 110). 

'^) Ahd. sina- in sinaunerpalo , smaunerpili (Graff IV. 1238) ist zu be- 
urteilen , wie una- in unuholda (J. Schmidt KZs. 23. 274). 
Beiträge z. Kunde d, ig. Sprachen. I. 23 



338 Etymologien. 

sehen Wörter ist Contraction von ui, die auch in den Locati- 
ven musyje, Jusyß (zunächst aus mtisuije, jusuije) und in dem 
Worte slyras Steuerruder (aus stuiras , vgl. ßtiire Jakob. 3. 4 
in der Bretkenschen Bibel) stattgefunden hat. 

V Got. aühjön, gr. oyacco/iiai. 

Goi^mj^n poQvß'^t^ai ^ühj7jduss^oi^%sßo auf 

vorgotischem'"oA;V?-, das sich eng an gr. ('iy/.ccoJi^, lat. uncare, 
ksl. j(icati (aus j-e^kHi) (Fick a. a. 0. S. 45) anschhesst; nicht 
nasalirt ist die diesen Wörtern zu Grunde liegende Wurzel in 
oAvog Rohrdommel und in dem wol auch hierher gehörigen 
oWa, das germanischem ohjd- genau entspricht. Die Zusam- 
menstellung von ooGa mit oaoo/iiaL (Fick a. a. 0. 43) ist wenig 
ansprechend, denn oaoa bedeutet eigenthch nicht „Ahnung", 
sondern vielmehr ,, Stimme" (auch „Lärm"); gegen die Verglei- 
chung von oaaa mit skr. vähja- (Curtius Grdz. ^ 420) spricht 
der Mangel des Digammas in oaaa. 

Gr. /jyv- in f^voip, zend. qeng. 

Bei den bisherigen Versuchen, das homerische ffjvoifj zu 
deuten, ist übersehen worden, dass f-)]v- eine ganz genaue Ent- 
sprechung in zend. qenff „Sonne" findet; qeng, nur in den Ga- 
thäs vorkommend, steht lautgesetzlich für svans, aus dem /j^v- 
entstand, wie z. B. xv^- ^us (x^^S-) ghans-. Das indogerma- 
nische svans wird etwa „Glanz, Helle" bedeutet haben, die ei- 
gentliche Bedeutung von ffjvoip ist also ,,mit Glanz blickend", 
„hell blickend". 

Lit. jeiis, skr. athari. 

Lit. jeiis Spitze eines Spiesses, Spiess, Speer (jetinis mit 
einer Spitze ^qv^qIxqw, jetininkas Lanzenträger) kann aus *etis 
entstanden sein und ist dann mit ved. athari (oder athart), das 
nach Böhtlingk-Roth „Lanzenspitze" bedeutet, verwant. Zu 
dem letzteren geboren atharya und aiharyü „Lanzenspitzen zei- 
gend", „Spitzen schiessend" und atharvi ,,von einer Lanze durch- 
bohrt" 1). Atharya und aiharyü sind Epitheta Agnis und des- 



* A. Ludwig übersetzt athurl mit ,, Lanze", athuryn mit „spitzenreich'', 
aüuirvx vs\\\j „lianzenkämpferin"; nach Grassmann bedeutet a^Aar«' „Flam- 
me", aiharyü ,, flammend", atharvi' „Priesterin". 



Etymologien. 339 

halb ist es gewiss nicht zu kühn, auch zend. dtar (wovon äthra- 
van, atharvan, über die zuletzt Spiegel KZs. 23. 191 f. gehan- 
delt hat) als Verwanten von lit. jetis zu betrachten. — Ueber 
ad^)]Q, mit dem im PW. aihari zusammengestellt ist, s. Fick 
a. a. 0. IL 514; vielleicht gehört zu ihm ved. scddhiti (= su- 
adhiti) Axt, Beil, Messer. 

Gr. 'AoßaXog, nhd. Gimpel. 

Von xoßäkog Possenreisser, Schmarotzer (vgl. xoftßaxsvETai • 
liOfiTiovg ksyei, ytoßeigog' 'ye?^otaozrjg, GMOTtTrjg, loidoQiazrig Hes.) 
glaube ich TtejiiTtog (• xovcpog, sXacpgog avd^hoTtog Res.) , das mit 
M. Schmidt für makedonisch erklärt und auf -/.sf^tcpog zu- 
rückgeführt werden darf, nebst y.tf.i(päg • elacpog (Hes.) und 
y,£7tcpog 1) Namen eines Seevogels und Bezeichnung eines gim- 
pelhaften Menschen nicht trennen zn dürfen. Sie zeigen , dass 
ß in y.6ßälog — offenbar aus y.oßaXog — Vertreter einer älte- 
ren Aspirata ist; weiter dürfen xo/?«Aog auf yöcpalog und xf^u- 
nog, -KSf-Kpag, 'ASTtcpog auf v€fiq)6g, yei-icpäg, xäiX(pog zupückge-^ 
führt und dann mit an.^ütÄö mocking, mockery, gabbft to m ojjfe; 
make game of one, mhd. ^a;?i]sN^7~Fe»j^»^derjenige, mit dem 
man seinen Spott treibt, hd. ^^flte*^^ scherzen , hüpfeii, sprin- 
gen (Fick a. a. 0. Ill.^iOl) verglichen werden. Mit ■KÖßaXog . 
deckt sich unser Gngfpel fast Laut für Laut. — Das Verhältnis 
der besprochenen griechischen Wörter zu ytovifog (Schmidt Vo- 
cah L 115, 181) kann hier nicht untersucht werden; jedenfalls 
leugne ich ihre Verwantschaft mit capald. 

Gr. AiyV*?) lit, elmes, ndd. olm. 

Eben so wenig wie atylri (o. S. 163) hat Irn-itj „aus den 
Augen fliessende und in den Augenwinkeln gerinnende Feuch- 
tigkeit" (Xrif-iiq • levKov vyQOV sv 6(pd^aXf.iolg avviaTa/itsvov , (xv.cc- 
^agaia; X^/nai • al tcsqI rovg xard^oig xcov ocfd^aXf-iüv TtErcrj- 
yvlai ovGxäoEig. exQiovaaL iiov ocpd^aX^aov d'/.ai}aQOiai Hesych. ; 
vgl. Xrj/iiäiü triefäugig sein, Xr]f.iaX^og triefäugig) anlautendes / 
eingebüsst, wie G. Curtius Grundz.^ 504 und Bugge KZs. 19. 
432 annehmen. Vielmehr ist Xi^fuj nach dem von J. Schmidt, zu- 
letzt KZs. 23. 267 aufgestellten Schema auf ^sXs^irj, *eX^ir] zurück- 

*) Ein namenartiges Wort, daher die VerdoppUing des inlautenden 
Consonanten (Fick Die griech. Personennamen p. LIX). 

23* 



340 Etymologien. 

zuführen; diese letztere Form schliesst sich unmittelbar an lit. 
elmes „die aus dem toten Körper, besonders aus dem Munde 
fliessende Feuchtigkeit". Neben elmes und mit ihm bedeutungs- 
gleich liegt im Lit. almetis, das, wie ich beiläufig bemerke, sehr 
wol aus "^elmens entstanden sein kann , und ^ zwar, wenn nicht 
in anderer Weise, so doch in der, dass *elmens zunächst zu 
*ohnens wurde, aus dem regelrecht almens entstehen musste. — 
Als weitere Verwante von l^f^irj sind zu nennen: das in Sanct- 
gallener Glossen des IX. Jh. überlieferte ahd. olmohi cariosus 
(Graff I. 249), ferner mhd. ulmec faul, verfault („mundartlich 
ulm, olm verfaultes Baummark" Müller-Zarncke III. 178) und 
mndd. olmich, w/mecÄ verrottet, nndd. o/w, tilm Fäulnis in den 
Bäumen. — Vielleicht gehören zu den besprochenen Wörtern 
auch skr. drma „eine besondere Augenkrankheit" und arman 
„Name verschiedener Krankheiten des W^eissen im Auge", je- 
doch wage ich diess nur vermutungsweise zu äussern. 

GrJ Xvyv]^ as. wolkan. 



Wie At'xog aus "^folv-OQ entstanden ist, so können Xvyri 
Schatten, Dunkel, Finsternis (vgl. Xvyalog dunkel, finster) und 
TjXvyr] Dunkelheit, Schatten (aus i^-flvyt]; vgl. i^Xvyaiog, i^lv- 
yciCoi, ^Xvyi^it}, rjXvyLOLiög, rjXv^, S7trjXvyaC(o, i7rrjXvyiCo(.iai, fjtrj- 
Xvyia/.i6g, etctjXv^) nebst Xiyvvg Rauch, Qualm (nach Fick für 
Xvyvvg; vgl. Xiyvvosig, Xcyvvioör^g) aus einer Basis foXy hervor- 
gegangen sein, deren Uebereinstimmung mit as. wolkan (ags. 
volcen , afr. wölken , til/cen , ahd. ivolchan) Wolke klar ist. Die 
weitere Verwantschaft dieser Wörter s. bei Fick a. a. 0. I. 778, 
jchmidt Vocal. II. S. 20. Was das begriffliche Verhältnis von 
ivyr] zu z. B. \ett,pe'lffs Feuchtigkeit betrifft, so findet es 
ilogon in dem Verhältnis von skr. ndbhas Nebel, Dunst, 
Gewölk zu dmbhas Wasser. 

Slav. m(\zdra, lat. membrum, gr. (^irjQog. 

Dem slav. mp^zdra (neusl. mezdra zarte Haut auf frischer 
Wunde, cech. mazdra^ vgl. poln. miezdrzyc das Fleisch von der 
inneren Seite der Felle abschaben) entspricht lautlich lat. mem- 
hrum (Fick a. a. 0. I. 722). Die Grundbedeutung dieser Wör- 
ter muss „fleischig" gewesen sein, ihre Grundform \iii memsra-; 
an sie schliesst sich unmittelbar gr. i-iriQÖg (aus ^/nef^iOQog, 



Etymologien. 341 

*f.irjaQ6g) „der obere fleischige Teil des Schenkels", „Schenkel" 
an. Zu beachten ist, dass in der Hesychischen Glosse /nr]Q6g * 
lOTtog dfiTtekov, y.ctl ^vXov, xal ro r^g y.(xXa(.ir^g xtHXov, 
y.al OQog — f-ifjQog die Bedeutung „Glied" zeigt. 

Nhd. nüster, lit. nasrai. 

Aus nhd. nüster, mndd. nuster, noster, nusteren, afries. nos- 
teren, nostern ergibt sich ein „westgermanisches" Wort, dessen 
thematische Form etwa als nosierän- anzusetzen sein wird; re- 
ducieren wir sie srni nosträn- und betrachten wir das zwischen s 
und r stehende i als Einschub, so schliesst sich nosrän- eng 
an lit. nasrai Maul, Rachen, für welches in der Mundart von 
Kovno nastrai vorkommen soll (Geitler Lit. Stud. S. 97) und 
ksl. nozdrY nares an. Auch lat. naris kann hierher gehören 
und aus *nasris entstanden sein. 

Ndd. schuft, skr. zeud. gupti, lat. scapula. 

Die ndd. Wörter schucht f. „Schulterblatt", schufft „der 
obere Teil des Vorderbeins des Pferdes und des Rindviehs" 
(osnabr.), schufft „obere Vorderbein des Pferdes" (götting.), 
schuft f. „Brust der Pferde und des Rindviehs" (Brem.-nieders. 
Wbch. IV. 725; vgl. Jellinghaus in seinen in einem der näch- 
sten Hefte dieser Zeitschrift erscheinenden Mitteilungen aus ei- 
nem ungedruckten Wörterbuch der Osnabrücker Mundart) wei- 
sen auf germ. skufti-, das sich nach Lauten und Bedeutung 
eng an zend. gupti (pehl. soft , npersisch vi>Äs«) , ved. güpti 
„Schulter" anschliesst und mit ihnen zu lat. scapulae „Schul- 
terblatt" gehört. Arisch gupti gegenüber germ, skufti- würde 
am besten durch die Annahme einer ig, Grundform shiipti seine 
Erklärung finden; jedoch sprechen gegen dieselbe einstweilen 
noch zu verschiedene Bedenken, als dass man sie mit Sicher- 
heit behaupten könnte. 

Lat. urhs, ksl. gradü. 

Weder die Zusammenstellung von urhs mit orhis (L. Meyer 
KZs. 5. 387), noch die Vergleichung desselben mit skr. ardha 
(Lottner das. 7. 27) oder apers. vardana (Ascoli das. 16. 120) 
befriedigen sonderlich: gegen alle drei Etymologien sprechen 
beachtenswerte Gründe, über die man Ascoli a. a. 0, und 




342 Etymologien. 

G. Curtius Grundzüge ^ 81 Anra. vergleichen wolle. Es spricht 
aber nichts von Belang dagegen, urhs auf älteres Jword-s zurück- 
zuführen und zu ksl gradu murus, hortus, stabulum, civitas (die 
Verwanten desselben s. bei Schmidt Vocal. IL 128) zu stellen. 
Das ksl. g von gradü weist auf altes gh (im Gegensatz zu gh^), 
das, wie lat. nimi, nivosus neben lit. snigti' zeigen , im Latei- 
nischen zu hv, V werden konnte. 

Lat. urna aus '"^coorna. 

Zu den von Fick a. a. 0. I. 523 unter karu, karaka, 
harna „Schüssel, Topf" zusammengestellten Wörtern gehört 
auch lat. urna, das aus *cviorna entstand, wie uter aus *cvoie- 
rus (o. S. 332). Wie urna ist auch urceus zu erklären , das 
sich zunächst an skr. /c'^-a^a" Wasserkrug anschliesst. 

\ Ahd. antrisc, skr. tw^ö*— »>^ ^^A-x4 Ij, \ 

Ahd. emiso , andisc und antrisc, entrisc antiquus, vetustuS) 
/Graff I. 385,'v387) gehören mit mhd. enirisch alt, oberd. enle- ' 
rAsch , enzerisc% ungeheuer, seltsam wahrscheinlich zu ags. Äij/, 
Riese (Grimm MVth.MGl, Holtzmann Mytb. 172, Leo Ags. Glos.f 
472, Simrock M^h.3 426). £'n/^5^^^eruht auf dem Stamm ania-X 
= ags. enta-, undkdemgemäss ist ainrisc auf ßinen Stemm antra-j 
,3iese" zurückzufüofen, der genau mit zend. a^^i^(imisi^ pehl.f 
a5J^?w....(Justi Handb.XS. 55) und''Sfe;^l)?8li;rt übereinstimmt. Di^ 
Wurzel dieser Wörter\ist wol *and -■= skr. nad „brüllen". i 

Gr. vod-og, vvd-og, skr. andhd. 

Von vo^g uneheli^jh ist vu^-oj,'-, heimlich {vvdffH^ acptovov. 
oyioT€iv6v, rf^tDcJfig • aza^vcodeg Hes7)\nicht zu trennto; die 
Bedeutungsdifferehs erklärt >4p^ leicht, l^nn man vo^^^als 
Kürzung des Compositums vo1k)ytvvi]Tog amf^sst und dieses 
mit „heimlich erzeugt" übersetzt. Mit vod^og, vvd-og stimmen 
skr. andhd blind und lit. j'ü'das schwarz (Fick a. a. 0. I. 488) 
lautlich und begrifflich überein. Vielleicht gehör|i zu ihnen 
auch lat. umbra (aus *o?id-rä); dann fänden die ü?n-bri lautlich 
ein Gegenstück in den indischen andhräs. 

Adalbert Bezzenberger. 



Schreiben des Hrn. Prof. A. Weber. 343 

Schreiben des Herrn Prof. Albrecht Weber an die Redaction. 

Sie gestatten mir wohl eine kurze Antwort auf den Angriff 
Pischel's im zweiten Hefte Ihrer Zeitschrift p. 114 fg. 

Derselbe geht davon aus, dass ich, „auf gänzlich unge- 
nügendes Material gestützt, es unternommen habe, den Dativ 
im weitesten Umfange in das Dramenpräkrit der Prosa, 
die ^auraseni, einzuführen". 

Dies ist unrichtig. Ich habe nur die ,,in den älteren Dra- 
men" noch vorliegenden „vestigia des Dativs als wirklich be- 
rechtigte alte Reste" gegen ihre willkürliche Beseitigung durch 
die bisherigen Herausgeber vertheidigt, mögen dieselben nun in 
der (^auraseni, deren Bezeichnung durch Pischel als ,, Dramen- 
präkrit der Prosa" (richtiger hiesse es zum Wenigsten wohl: 
Prosa-Prakrit der Dramen!) ich in dieser Allgemeinheit über- 
haupt nicht als berechtigt anerkennen kann, oder in einem 
andern Prakritdialekt vorliegen. 

Und in der That sieht sich ja nun auch Pischel, der frü- 
her den Dativ im Prakrit gänzlich perhorrescirte , jetzt doch 
genöthigt, zwar nicht auf Grund meines Materials , das er eben 
seinerseits nicht gelten lassen will, sondern als „gänzlich un- 
genügend" bezeichnet, wohl aber auf Grund einer Regel des 
Hemacandra, dem Dativ faktisch eine Stelle im Prakrit 
einzuräumen, freilich „nur für die Mäharäshtri, d. h. das 
in Versen gebrauchte Prakrit, das in den Dramen sich nur in 
den Gäthas findet", so wie nur in der von Hem. angegebenen 
Bedeutung als ,,finalis, resp. terminativus , wohin - casus", in 
welcher Verwendung er überhaupt die ursprüngliche und Grund- 
Bedeutung des Dativs anerkennt. 

Dem gegenüber kann ich nun meinerseits ihm weder in 
dieser letzteren Anschauung beistimmen, halte vielmehr an der 
alten, auch durch das Zusammentreffen der Namen Dativ und 
sampradane gewissermassen gewährleisteten Erklärung fest, dass 
der Dativ einfach der Casus des ferneren Objekts ist, noch 
kann ich zugeben , dass der Dativ im Prakrit auf die angegebene 
Verwendung, oder gar dass er nur auf die Verse beschränkt 
sei. Faktisch liegt er ja im Drama bis jetzt, so weit ich sehe, 
in Versen nur ein einziges Mal , dagegen mehrfach in der Prosa, 
und keineswegs blos als terminativus vor (cf. die solenne 
Grussformel sotthi bhode; was will denn Pischel an die Stelle 



344 Schreiben des Hrn. Prof. A. Weber. 

dieses bhode setzen?). Vor Allem aber, — die ganze Be- 
schränkung der Mähärashtri auf die Verse ist überhaupt 
ebenso irrig, wie die angebliche Beschränkung der Gültigkeit 
jener Regel des Hem. auf die Mähärashtri allein. Denn es liegt 
1) annoch kein irgend welcher Beweis dafür vor, dass die 
Regeln der Prakrit-Grammatiker, speciell die des Hemacandra, 
über die Mähärashtri sich nur auf metrische Texte beziehen, 
und 2) alle Regeln, die sie für die Mähärashtri geben, gelten 
ganz ebenso auch für die Qauraseni und für die anderen 
von ihnen behandelten dgl. Dialekte, falls nicht in den diese 
speciell betreffenden Abschnitten ausdrücklich eine andere 
Bestimmung getroffen wird. Und dgl. ist hier nicht geschehen. 
In den drei Fällen, in Bezug auf welche Pischel in der 
Note auf p. 114 gegen mich zu Felde zieht, ist er dagegen im 
Recht. Jedoch bemerke ich in Bezug auf den ersten Fall, 
(Hem. 3, 96), dass sich meine Angabe auf den Text bezieht; 
in diesem wird tatto in der That nicht erwähnt, wohl aber in 
dem ja freilich angeblich auch von Hem. selbst verfassten Com- 
mentar, und zwar eben in der von Pischel angegebenen Weise. 
Dass ich dies übersehen habe, beruht darauf, dass ich mir im 
Nov. 1873 von dem so eben für die Königl. Bibliothek ange- 
langten Exemplar der Bombayer Ausgabe des Hem. eine Ab- 
schrift machte, wobei ich nur den Text vollständig, den Com- 
mentar dagegen nur im Auszug copirte. Jetzt liegt uns ja 
auch Letzterer in Pischel's Ausgabe bequem vor. 

Zum Schluss bemerke ich noch, dass Pischel's Auffassung 
der Worte Kaiyata's auf p. 112 einer Berichtigung bedarf. Es 
ist zu übersetzen: „wenn ein betretener Weg begangen wird, 
dann gilt der pratishedha : anadhvani (d. i. dann braucht man 
den Accusativ : panthänam gachati, er geht den Weg); wenn 
man aber mittelst eines Abweges den richtigen Weg zu betre- 
ten sucht, dann ist nur der Dativ am Platze (pathe gachati, 
er geht nach dem Wege)". , 

Endlich benutze ich diese Gelegenheit noch , um aus einem 
Briefe von Georg Bühl er, vom 7. Dec. v. J., die interessante 
Mittheilung zu machen, dass er in Kashmir ein etwa 200 Jahr! 
/ alt.es bhurja-Mscpt. der ^akuntalä erworben hat, welches „einej 
i^anz neue Recension giebt, die bald mit der sogenannten De-| 
vanägari, bald mit der bengalischen stimmt". Bühler hat „ei-l 
-Tfeii ' A et zum Drucke präparirt. Die Stellen bei Mammata , der! 
ein Kashmirer war, sind wie es scheint dieser Recension ent-l 
lehnt". Vgl. hiezu das Ind. Stud. 14, 179 von mir Bemerkte. ; 

Berlin 7. März 1877. A. Weber. 



Register. 



I. Sachregister. 



Ablaut im griech. : verbales e wird 
im Nomen o 9 ff . 317 f.; tj wird 
0) 17. 318 f.; ft wird oi 15; fv 
wird Ol; 16. — Fehlen der Um- 
färbung 14 16. 

Adj ectiva: homer. auf fy- 20; lat. 
auf aster 185, auf estris 182 f. 

Adverbia: griech. auf (t, T, i 86. 

Analogiebildungen: im griech. 
227. 245; im lat. 175. 184 f.; in 
der neiigriech. Deklination 227 ff. 
Aspiraten: urspr. anl. u. ausl. 
Asp. wird im griech. zu Ten.-Asp. 
od. Asp-Ten. 65 f. 172 f.; auch 
zu Ten.-Med. 61.69.296.339, od. 
Asp.-Med. 334. — Folge zweier 
anl. Asp. im griech. nicht durch- 
gehends gemieden 65 f. — Die 
griech. Aspiraten wirklich aspi- 
rierte Explosivlaute 282. 

Aspiration: unechte im gi'iech. 59. 

Assimilation: skr. ny = yy 48 f., 
zj = jj 68 ; griech. JA = Xk 296, 
Xv = XX 58; lat. In = 11 62, dm 
= mm 63, sn = nn 329; germ. 
In = 11 58. 

Betonung: Aenderung derselben 
in griech. Lehnworten 286. 

Buchstabennamen: die griech. 
nicht aramäisch 283 •) f. ; das 
schliessende « griech. Zusatz 284. 

Deklination: Analogiebildungen 
der neugriech. Dekl. 227 ff. 

Deminutiva: griech. u. deutsche 
auf Verben zurückgehend 326. 

Diphthonge: ev aus fi 61, ou 
(wr) aus au 226; lit. au aus al 
165. 

Dissimilation. 

vocalische: o-v aus v-v 63 f. 
334 f. ; t-v aus v-v 340. 

consonantische : gerra. I-r 
aus r-r 174 ^). 

Eigennamen: auf iv- (rjf-) 36 ff.; 
auf (t(t 40; aui ft«?, f«f, tag, log, 
IS 89 ff. 

Genus: Wechsel desselben im alt- 
lit. 44. 

Kasus: 

Gen.-Dat.(-Loc) du. 67 f. 
Dativ: Grundbedeutung dessel- 
ben die locale des „wohin" 119; 
der Dat. der Kasus des ferneren 
Objects 343. — Dat. terminativus 



im Skr. 112 f., im Präkrit 113 fl. 
343 f.; Dat.finalis im Fall 119 f. - 
Dat. sing. cons. Stämme im griech. 
86 ff ^ 

Komposita : Kürzung derselben 

166' f. 
Konsonanten: 

b meist aus anderen Lauten her- 
vorgegangen 331 ; /? aus //■ 61, = 
skr. j 250; lat. b=/S aus g 331; 
messap. ß = griech. (f 165, aus 
g 165; griech. ß = 2 282. 

d skr. aus rd 331; lat. d f. dd 
210; J = T 282. 

g slavolett. = ß od. J = lat. 
gv 328; y aus ;f 61; y = ;| 282, 
= p 297. 

gh armen, aus r 172- 

k europ. = q 166 ; x neben r 
aus xf 59 ; X == p J 3 282 ff, = 
n 284. » 

/ = n 282. 284, = 3 282 f., =- 
p 297. 

' 1 skr. neben d 332 ; X mit v 
wechfiplnd 172; lat. 1 aus d 63; 
X = ^ 282. 

m germ. mit b wechselnd 168*); 
germ. m nicht aus w 168; fi = 
O 282. 

V = ^ 282. 

p. lat. in Lehnw. == <f 185, = 
ip 249; TT = S^ 282. 

^ == £ 282. 

qu lat. = skr. c 199. 330. 

p = -) 282. 

s lat. aus SS 206, aus t 212; 
Verwandlung des s in r unter- 
blieben 192. 204; ff = D ijf tJ' t 
282, = X 282. 283 «) 

t lat. f. tt 210; T = t3 282 f. 
294, = n 282. 284. 

* = n 282 f., = t3 282. 284. 

v lat. aus gh 342. 
Konsonanteneinschub : griech. 
T hinter anl. n 251. 330; germ. 
t zwischen s u. r 341. 
Konsonantengruppen: 

ßX aus (fX 61. 

hv lat. aus gh 342. 

ks indog. aus sk 198. 

fl -\- Labial im griech. = skr. 
n -f Guttural 250. 

nn lat. aus n 329. 

ay griech. aus ox 250. 



346 



Register. 



SS got. altir. aus st 211 f , lat. 
BS aus s-ft selten 202 ff., aus 
d-t-ft 205 ff., letzteres durch die 
Mittelstufe d-t-fs 211 f.; aa = 
it, r 282. 283 «). 

st lat. aus d-t+t selten 178 ff., 
aus 8-(-t 180 ff. 188 ff. 

tt osk. altlat. bewahrt 209 f. 

Konsonanten Vorschlag : a in 
Lehnworten 293 ; o vor v 62. 

Konsonantenwegfall. 

anlautend: lat. c vor v 335. 
342, g vor V 332; lit. v vor o u. 
ü 252 »). 

inlautend: lat. c zwischen s 
u. t 172; 3 vor k 334; lat. g vor 
m 61. 63; kelt. p 57. 

Kontraktion: skr. ava = o 68, 
aya -= e 49; f«, f*, fo - v 64. 
169; ft = i^ 58; « = t 68. 

Lehnworte: griech. im lat. 178. 
185. 194. 202. 331 f.; griech. aus 
dem ägypt. 289. 294; seniit. im 
griech. 273 ff. , durch aramäische 
Vermittelurig 283 % 289. 293, aus 
dem arab. 285 ; semit. aus dem 
griech. 280. 288. 291. 297. 300 — 
Die griech. lichn- U.Fremdwörter 
sind Concreta 298; Fremdw. in 
der altgriech. Poesie 287. 299. 

Metathesis: A« aus uX 61 , aus tk 
335 ; kr} aus ik 339; kv aus ok 340; 
vo, vv aus ov 342. 

Nomina: auf «?232f.; auf of 233: 
auf ig 233 fi.; auf ag, tag 323 f.: 
auf ig 324 ff.; masc. auf r]- 321 f . ; 
homer. auf ev- 26 ff.; auf rjft^- 
39 f. ; auf t«, tia 87 f. — lat. auf 
ulcus 334 ; mit Suff, tero u. timo 
189 f. ; Nomina von iridekl. Stäm- 
men abgeleitet 190. 

Praefixe: europ. en- u. an- 337; 
sen- u. San- 337. 

Praesentia: die griech. aui-wvvvjui 
222 ff. ; griech. mit inl. l u. v 83. 

Reduplikaton: lit. mit Nasal 252 f. 

Silben: Wegfall der ersten von 
zwei gleich laut, im griech. 04, im 
lat. 188 l 200. 

Stämme: griech. Nominalstämmc 
identisch mit Praes.- und Aorist- 
themen auf t 5 ft'. , mit Perfect- 
stämmen 17, mit Aoriststämmen 
auf an 18, mit verbalen ja-Stäm- 
men 120 ff., mit Praesensstäm- 
men auf djo 312 ff., mit dem all- 
gem. Verbalstamme 315 ff. 335; 
Nominalstämme mit suft". s auf 



Verbalthemen zurückgehend 231 
ff. — Nominale s-Stämme neben 
f-Stämmen 245, neben a-Stämmen 
246 ff.; «i;-Stämme neben o-Stäm- 
men 28. 

Suffixe (vgl. Adjektiva, Nomina, 
Stämme) : Nominalsuff, a ist nicht 
anzunehmen 1 ff. 322 , desgl. ja 
120 fi". ; statt -as- ist -s- anzuset- 
zen 231 ff. — europ. va 336. 
Sanskrit: vant 41. 
Griechisch: fv secund. 26 ff. 
bei Hom. = rjp 21, ist = va 41; 
X secund. 296; m aus eia 87 f.; 
kctxo 334 ; a((vo 287 ; rko f. />>lo 
65 f.; T/ja rfxo f. üfxa {Jfiu 66 f. 

Lateinisch: bro, bulo secund. 
185. 200; CO secund. 194; enti 
188; ento secund. 183; lento 184; 
na 329 ; täti secund. 189; tero u. 
timo öteigerungssuff. 189 f.; ti 
195 ff'.; to 199 ff'. 202 f. 205 ff., 
secund. 188 f.; tor 178. 202; tri 
(aus tro) 178 ff.; tric, trina 178. 
180; tro 178 ff",, secund. 178. 185, 
Comparativsuff. 182; tüti 189. — 
Suff, bo gibt es nicht 204*), desgl. 
di 179, desgl. prim. sa 204. 
Altpreussisch: sena 287. 

Superlativformen: lat. 189 f. 
194. 205. 

Svarabhakti: im griech. 63. 335; 
im lat. 179. 180. 327. 

Umlaut im lett. : durch i und e 
215 ff. (a wird ä od. ai 215 ff".; 
ä wird e 218 f.; la, üa, 6a wer- 
den ie, üe, 6e od. 6'i 219 f.; u 
wird üe od. üi 220 f.) ; durch u 
221 ; durch a 221. 

Verba: abgeleitete auf evut 30 ff.; 
verlorene der o-Conjug. im lat. 
329; Verbalformen an nominale 
Bildungen angelehnt 226. 

Verwantschaf tsver hältnisse 
der indüg. Sprachen : das Armen, 
zum europ. Zweige gehörig 165. 
172; indog. Herkunft des Kari- 
schen 225 ; Verwantschaft der 
Phrygcr u. Karer 255 ; das Etrusk. 
nicht indog. 206 ff. 

Vocaie (vgl. Ablaut. Umlaut): 
Aendorung der Voc. in Lehnw. im 
griech. 286. 

« im Aor. erst spät eingetreten 

14; « aus en 192. 337; lat. a aus 

cm 337 *) : lit. a vor 1 aus e 340. 

e skr. = a 49; lit. e od. e aus 

a+Nasal 253; t) aus e^ 340. 



Register. 



347 



i skr. vor flg. voc. aus i 49 ; i 
aus H 81 ff. 173; i = "1 282; lit. 
y aus ui 337. 

o jünger als e 59 ; w aus ov 
225 f.; wv = hebr. an 285. 

u lat. vor l aus e 62 ; u = hebr. 
o, hireq u. sere 285. 

Vocaldeh nung: durch Liq. und 
Nas. im griech. 83. — skr. ä aus 
an vor y 49, aus a vor Suff, vant 
41 ; r] aus f vor f 41. 

Vocalschwächung: «zut vor 
Doppelcons. 62. 67; lat. o zu i 
196. — Innere Vocalkürze in mehr- 
silb. Wörtern im lat. zu i ge- 
schwächt 149 ff., bes. in vorletz- 
ter Silbe 149, und im ausl. Vocal 
des ersten Gliedes in Zusammen- 



setzungen 150; Ausnahmen finden 
sich vor b 162, vor c (k) 160, vor 
d 159 f., vor g 160 f., vor h 152, 
vor 1 155 ff., vor m 157 f., vor 
n 158, vor p 161 f., vor r 152 fi., 
vor v 152. 

Vocalvorschlag: « 69. 169. 

Volkssprache: Einwirkung der- 
selben auf das Sanskrit 49. 

Wurzeln: secundäre durch Com- 
position entstanden 2 f.; Wurzel- 
formen mit anl. i = ya u. u = va 
164. 

Wurzeldeterminative: dh 206. 
334; k 331; m 59; s 194 ; t 334. 

Zahlwörter: lat. Ordinalzahlen auf 
esimus 187 f. — Die etrusk. Zahlw. 
257 ff. ; Uebersicht derselben 272 f. 



Sanskrit, 
agaru 280. 
ajina 328. 
anc 65. 
athari 338 f. 
anänu- 337. 
andha, andhra 342. 
ambhas 340. 
ar 57. 
ardati 207. 
arma 340. 
av 58. 
a§ 59. 

ä-dhrshti 191. 195. 
indh 200. 
indra 342. 
ishyati 201. 
udükhala 280. 
urvarä 63. 
rnatti 207. 
eta 333. 
eshati 201. 
kapi 281. 
karpäsa 281. 
kashati 205. 
kuticaka 330. 
kushnäti 329. 
kshi 198. 
khanja 250. 
khan' 49. 

garana, galana 332. 
gola 287. 
gharshati 192. 
cakita 330. 
cancala 250. 
capala 239. 



II. Wortregister. 

cira 199. 
chad 178. 
jathara 332. 
jada 331 f. 
Jan 49 
jarna 173. 
jalä 332. 
tan 49. 
tap 58. 
tuvi 58. 
trshta 199. 
dadru 253. 
dabh 69. 
di 306 f. 
dharshaka 191. 
dhars 201. 
dhämari 199. 
dhüpa 69. 
dhrshta 191. 
dhrshnus 251. 
nabhas 340. 
narägamsa 172 *). 
narman 172. 
nalada 281. 
ni 336. 
nud 52 *). 
patatra 207. 
padyate 207. 
pastya 199. 
päpman 197. 
pis 249. 
pumsa 204. 
pushta 204. 
pushpa 204 *). 
prati 197. 
pra-siti olO. 



bandhu 296. 
bahu 251. 
budh 334. 
budhna 69. 
buli 331. 
bhisaj 255. 
bhujati 251. 
bhrshti 195. 
ma"tta'210. 
madälaka 280. 
marakata 281. 
mäyä 49. 
modate 192. 
yahva 336. 
yu 223. 
rajju 68. 172, 
ratati 207. 
las 62. 
vap 64. 
varjati 250. 
varshmau 166. 
vasu 58. 
vasti 203. 
vastra 256. 
vi 308. 

vrnakti 250. 255. 
vrshan 250. 
Vrshna 251. 
vaidürya 280. 
vrata 253. 
ganipriya 281. 
Qap 165. 
gara 329. 
yarman 206. 
gas 201. 
gästar 202. 



348 



Register. 



Qasti 195. 
^igira 253. 
5upti 341. 
(jepa 165. 
graddhämi 210, 
^ru 335. 
Banjate 183. 
san 49. 
sanoti 198. 
sarati 5. 

saha^eyyäya 47 fF. 
8ä 310. 
ßu- 58. 
sunara 172. 
stusheyya 48 f. 
Bvadhiti 339. 
har 57. 
ha 253. 

Zend. 
andra, indra 342. 
ätar 339. 
ubdaena 64. 
urvaeza 254 
urväta 253 f. 
qeng 338. 
tafnarih 57. 
tafnu 58. 
dab 69. 

nairyÖQariba 172 *). 
baeshaz 255. 
banda 255. 
bud 334. 
maodhana 192 
§upti 341. 
vainti 255. 
hunara 172. 

Pehlvi. 
andar 342. 
soft 341. 

Persisch, 
tanjidan 169. 
tunjidan 169. 
devband 255. 
parwänah 281. 
Buft 298. 
BÜsan 341. 

Ossetisch. 

Dig. balan 163. 
Tag. balon 163. 

Armenisch, 
atem 334. 
glukh 173. 
kapel 165. 
karap 163. 
neghem 172. 



neghuthiun 172. 
phachnum 316. 
thuz 173. 
tsarr 173. 

Phrygisch, 
ßaXriv 255. 

Karisch. 
liikdßuvSa 255. 
ßni^a 255. 
yiXav 25Ö. 

aoi7«i;'255r*'^' 

Lydisch-Thrakisch. 
ßaönqa 256. 

Griechisch. 
«- (cop.) 337. 
«- (priv.) 337. 
aßQti 275. 286. 
a/Jpo? 286. 
dya&ös 174. 
dyalloxor 280. 
«cF/ff (Hsch.) 206. 
nSti.(foi 56. 
ttfQy(r]g 89. 
air^a (Hsch.) 66. 
(ifia^co 67. 
«fw 206. 
fKvx^s 336. 
(l9^(} 339. 
«?,9-d? 208. 
«r^w 200. 
alyXrj 163. 
atxjj? 85. 
dxovw 334. 
dxQoäofiuL 334. 
ttXitTrig 15. 
ylh^e'QOtjs 192. 
dkoCrri 15. 
'Afiaxct? 283 »). *). 
H^ilyäq 283 =•). 
d(xv6i 327. 
Idvvißug 283 *). 
avtXov 65. 
dntiXös 164 
aqovon 63. 
aQTir] 276. 287. 
aQQaßMV 275. 286. 9,98{. 
daO^fitt 67. 
d(Tni<fi]-aT()o<fog 337. 
dantSo-(f^Qf^i(x>v 337. 
drfnCg 337. 
dxifißia 69. 169 •). 
'iir»/ 169. 
dxtqaCmri 283 •). 



«r^of 67. 

«ri;f(u 169. 

dvTixri 66. 

ßi^w 193. 

^AxiXXtvg 37. 

dipoQQog 65. 

/9«^i'? 171. 

ßaXavtiov 332. 

/9«A/St? 61. 

/9«A>;V 287. 298. 

ßäXaa^ov 276. 281. 285. 

299. 
/S«()t? 280. 
y9«()j;f? (lisch.) 173. 
ßäaavog 276. 287. 
/SJKiJoi" (lisch.) 173. 
ßSaXa 280. 282 f. 
ßiv&og 171. 
ß^QvXXog 280. 291. 
/3txo? 276. 287. 
/Str^w 84. 
ßXdnTU) 61. 
/?A;;;^()d? 316. 
ß6»Qog 171. 
/So;i/Sd? 331. 
ßofißvXig 331. 
/9dT(ii;f 276. 287. 
/S(j«c5"i;? 331. 
ßQictQog 251. 
ßQi^nvog 251. 
ÜQiaevg 251. 
/Si;^d? 172. 

/9i;ff(rof 276. 281. 299. 
/Sw? 225. 

ßwaavTi (Hom.) 224. 
ycivlög^ yavXog 276. 287. 
yeiTWV 320. 
j/eiVcur (Hsch.) 59. 
yoiii 276. 281. 285. 

ÖKTlTb) 69. 

Jftöi!;? 192. 

6f(.Q^ 203. 

Jf'Aro? 276. 287. 299. 

ireQT] 203. 

öüfvjuoi 56. 

Stf/jcu 305. 

Jt>j/>J? 336. 

J^fw 83. 

fßSffxrixovTfi (dor.) 59. 

f/Sfw? 276.281.286.288. 

iyyvg 320. 

^^pj'w 250. 

f?^w 337. 

iixoai 85. 

ftq^^rjv 254. 

/A«/i'? 192. 

^Af'y«? 281. 

^A(/.of 275 '). 



Register. 



349 



Ivvwaas (Hdt.) 224. 

ioQT^ 254. 

iQfTfiog 66. 

Iv-rjfi^S 58. 

Ivxjifxtvog 198. 

ivvt] 61. 

(vQvona 322. 

^iJ? 58. 

iinfiQÖvrj 334. 

fi5/f(»;J? 57. 

iif'^Tfit] 67. 

^/eatfiv (Hsch.) 59. 

^/^tAtj 65. 

fQr)Tai (kypr.) 254. 

Cwjuoi 225. 

Cdvvvfii 222 f. 

^'xw 59. 

rikvyri 340. 

TjVoi// 338. 

-^nuvCa 164. 

?JnfJ'«»'d? 164, 

tjnios 164. 

iji^f 58. 

d-afivog 167. 

&äQaos 192. 

eäxjjuxog 283 f. 

&^lu€»Xu 66. 

;^^<>ffof (aeol.) 192. 

QtgaCTrig 192. 

;9^A//Sft) 83. 

QoQnad- 282. 

»Qaaog 192. 

t9^(j«ffi;? 192. 251. 

,9^p«i;Aof 193. 

^QKva/UK 193. 

;>(>««;« 179. 193. 

(hQtyxög {S^Qcyyög, &Qiy- 

pg) 68. 
^^'()ffo? 198. 
d-vadlu 66. 
^wi*,«« (Hdt.) 226. 
ItiußUxog 283 «). 
f««j7rtf 276. 288. 
J'f^f« 301 ff. 
^^vfa 92. 

"leQÖ^ßtikog 283 ^j. 
'ifQcofiog 283 ^). 
t>jjUt 301 ff. 
ixTivog 92, 
tzw 59. 
/rf« 84. 
/wr« 290. 
x«/9o? 276. 281. 
xwcTo? 276. 288. 299. 
xa&UQÖg 191 
xaxxcißq 276. 288. 
xalafiCg 178. 



xd^nlog 276. 281. 285. 

299. 
xtt/r;; 4. 
xc'cQßKau 280. 
xÜQnaaog 280. 282. 
KaQ^rjäcöv 284. 
xf<a/Xc( (lakon.) 334. 
xKfffft'« 276. 281. 299. 
xciTUTiT^aaü) 330. 
zai^wv s. /avvwv. 
xfTaan (Hsch.) 173. 
xa'w 82. 333. 
xf/iinög 339. 
xsfAxfdg 339. 
x^TKfog 339. 
zfffro? 202. 
xfv/>w 206. 

x^/Sof (z^TTo?) 281. 300. 
x);,9^/'? 173. 
xlßSrilog 276. 288. 
xt/St<rtf 289. 
xißwTÖg 276. 289. 
xiduQig 276. 289. 
xi&wv (Jon ) s. /Arcdv. 
xw^co 83. 
xivväfXMvov 21 Q. 281. 

289. 299. 
xivv/nai 83 f. 
xtri^pa 276. 281. 285. 
xf;=aA>l??? 277. 290. 
xf? 205. 
xiaact 173 
xtffffof 173. 
xiaavßcov 173. 
XlTKQig 8. xiSKQig, 
xiTTci 277. 290. 
xtW 277. 290. 333. 
xhrvg 84. 

xAw/So? 277. 281. 285. 
xößalog 339. 
xo,«/}«xfi;frat(Hsch.)339 
xoQÖvkt] 334. 
xo^fl^i/f 334. 
xö()o? 280 f. 
xoQvüög 193. 334. 
xov(fog 339. 
x()«j«a> 193. 
xot'Of 193. 
xQvGTctkXog 193. 
xTivv/Jt, 83. 
xrt'Cw 198. 
xv/xivov 277. 281. 285. 

299. 
xi/7r«pt(Töo? 277.285. 290, 

299. 
xvQTog 206. 
xt'cro? 329 f. 
x(o»(m> 173. 282. 



InßQwviov 281. 300. 

AwtFra'or 285. 

XtuvüxiiQ 333. 

laiT/uce 67. 

XaxfTtjg 190. 

A«o? 277. 290. 

A«()xo? 172. 

>l«(j»'af 172. 

Ittvxavia 332. 

A«w ^dor.) 62. 

Xhuwv 333. 

;ift;yj; 277. 281. 

ifi/yof 285. 

Jl^wj' 277. 290. 

XiiSov {IriSavov) 277. 281. 

285. 291 2). 299. 
Xrifxa 62. 
A»J^jj 339. 
hä^oficu 333. 
XCßuvog (Xtßavonög) 277. 

281. 285. 299. 
Aij't'j;? 340. 
A/xj-or 84. 172 »). 
XiXaCofiat 62. 
At//7ji' 333, 
Ar^df 277. 290. 
Xlg s. A^öjr. 
XiTQov 294. 
Ady/jj 277. 290. 
Aotudff 333. 
Xoia»og 333. 
Ai^y»? 340. 
Aw^poj' 181. 
Xv/iicc 181. 
^ayaSlg 277. 291, 
fiayyavH'a 277.291. 298 f. 
f^cc(^«(o 63. 210. 
^«fd? 63. 

/uäX»a 277. 282. 291. 
^ufdAdff 183. 
MäX/og 283 "). 
;U«(y«Aof 277. 291 f, 
fiüvÖQtt 277. 291. 
yuvSvi] (juttvävftg) 277. 

292. 
^CKvicc 49. 

unQayöog s. afiÜQaySog. 
^«<>(Tt7r7io?277.292.299, 
^aaäo^Ki 194. 
fiäartt^ 194. 
^«ffTt/«tü 194. 
fiaarög 63. 
fj.aaTQon6g 278. 292. 

flKßTQOTltvetV 190. 
fxaavVTrjg 194. 

fUKTa^tt S. /Ll^TK^a. 

junTrjini 335. 
fiäxMQa 278. 292. 



350 



Register. 



fiiyuQov 278. 292 f. 
fifv&rJQr] 184. 
fi^aaßos 278. 293. 
//fr« 168 2). 
fiiraXXov 278. 293. 335. 
^i^Taia 278. 293. 

^tTlKfiQSVOV 334. 

^rjvvog (lesb.) 226. 

fitjQÖs 340. 

^f« (Jon. fivia) 278. 281. 

293. 299. 
/itöXos 187. 

/Liövos (ep. fxoZvog) 168. 
(xoaavvüi 194. 
fivJog 63. 
fxvCi'to} 63. 

/^irpp« 278.281.293.299. 
fivQTos 293. 
fibÜQug 226. 

y«/9A«f278.281.285.299. 
r«/"« 197. 
vÜQÖog 281 f. 
vaqxlov (Hsch.) 172. 
r«(>r«| (Hsch.) 172. 
vavlug 8. vdßXas. 
vf(i(o 335. 
veiaiQa 336. 
vfCarog 336. 
V^XTKQ 62. 

«"«Off 336. 

vfTOjnov 278. 293. 299. 

vrjxovar^to 334. 

VTjliTi^g 15. 

r/xAoy 172 *) 

»'/rpov278.281.285.294. 

299. 
v/</.ft) 82. 

voJ^of, i'i;.9^os 342. 
vioyctXov 62. 
vuXffi^g 170. 
^^(^of 281. 300. 
öyxtiouni 338. 
o^dvij 278. 282. 294. 299. 
oiVof 278. 294. 
ot? 327. 
oxvof 338. 
ollvjui 58. 
oAoili^C«' 64. 

öAo^ii/ Jrof oXoifVQOfiutGi 
oXvQtt 63 
ofivvut, 166. 
oyof 278. 294. 299. 
OTrAorepof 1 64. 
offaa 338. 
oawQ^a&at 334 
ordüir 206. 
ovXö/uevog 58. 
'O/v« 284 *). 



7r«yof 278. 295. 
Tiäy/v 251. 
nü&vri 171. 
naXäät] 278. 295. 
7r«Azöff (Hsch.) 60. 
nt'dXa^ {naXXay.(g) 279. 

295. 299. 
7r«(>äJftffof 280 *). 
naaräg 199. 
Tida/io 197. 
nÜTog 207. 
nd/vvog 284. 
na/vg 192. 
TTfJ« (äol.) 168 '^). 
ntxog 60. 
nifintXog 250. 
ntv&og 197. 
nsnTtjwg 330. 
IlfQyitjuov 60. 
TTfOffd? 279. 296. 
7r»j()'ö»' 6. 
ntjXög 60. 
TTI^jU« 197. 

Tit^Cüj 249. 

7r?Afw 249. 

Trdwf (Hsch.) 62. 

Tr^o? 249. 

Trtffor (Tr/ffffof) 203. 

nvCyta 83. 

notiü} 199. 

TTopT^ (kret.) 197. 

noOdSurv 85. 

Tipßffor 279. 296. 

TiQccaaa} 61. 

TiQtaßvg (kret. nqslyvg) 

320. 
TTpd? 197. 

Trpowjxoj 281. 300. 
TTT«! 316. 330. 
nxlaaia 249. 
TTTwl, nrvaau 251 f. 

TTTüiffffW 330. 

Tirw/d? 330. 
nvO^fii^v 172. 5^ 
nvvda^ 69. 
TivQyog 60. 
niiQyot 60. 
TTwAof 225. 
TTfüfia 199. 
^a/3dof 279. 296. 
p«ty3df 250. 254 f. 
(><u/9a> 250. 255. 
(>>jr« 254. 
^i^ov 279. 296. 
(JdJov 281. 
^o«< {^>o«) 279. 
(5«}jU« 197. 
"Püixiovg (kret.) 226. 



^(üvvv/ji 223. 
(mofiut (Hom.) 223. 
aüyog 183. 
aäxxog (adxTag) 279. 

281. 299. 
(TkAjj 5. 
aafAßüxt} 279. 281. 286. 

297. 
ff« TTyftpof 281.284.300. 
ZitQauTtt 283 «) f. 
ffttTor 280 f. 
ff»J? 279. 297. 
ff/ii// 279. 297. 
fftj'Ao? 279. 297. 299. 
2:t(fwy 283 «). 
ff/;f*p« 279. 281. 
fffxAoff 280 f. 297. 
axafjßSg 250. 
axaifCg , axcctfiari^Qiov 

185. 
ffu«(i«j/Jo?281. 283. 300. 
ff/xy^tf 279. 297. 
a/xvQVt] (Jon.) 293. 
ffö^off 170. 

ffoi}ffor 279. 281. 298. 
ar^XXr] (lesb.) 226. 
ö'T(>«j/j'dff 5. 
OTQiüvvvfii 223. 
oxinpio 83. 
avxtifxivog 279. 282. 286. 

298 f. 
avxö/noQog 298. 
fftixov 173. 298. 
a<f>((Xciaa<a 335. 
aiflyyoi 83, 
a^hkiog 66, 
o^/Cw 82. 
awvviKo 223. 
ffww (Hom.) 224. 

TttyyjJ 5. 

Tßiipo? 281. 
T«j;? 58 
Tf/yw 210. 

T^XfXWQ 60. 

T^xj tov 198. 

riQi^vov {T^Qccfivov) 171, 

r^QGo^ai 194. 

T^TflUi 59. 

TfvrXov 65. 

T^(f()n 58. 

TiO^fußwaoü) 279, 290, 

298. 
TM',*d<; 8. 
T^yw (rivvfii) 83. 
T^w 82. 
Tofor 60. 
TOQvvt) 335. 
TQuvjua 223. 



Register. 



351 



TQlßü} 83. 

TQiyy.ög 68. 
TQv(fi<lfia 64. 
TQdJ/ja (Hdt.) 2'2G. 
TQwvvvio 223. 
rvxov 173. 
Tü(JOf 283 ö). 
TVQOis 335. 
Tv(fil6s 69. 
rt^V'W 69. 83 
i'jS(Jtf 279. 298. 
uAaw 64. 

VTTTjVl] 64. 

i/WwTTo? 279.232. 284 f. 

299. 
(fuivw 183. 
(fäkay'i 256. 
<f>av^, (f,ttv6nrr]s 183. 
(fäQca (Hsch.) 244 *). 
(fKQSTQri 244. 
(fitQos 244. 
(pKQOos 244. 
(pccQv^ 62. 
(fiiayKvov 165. 250. 

(fttTVT] 171. 

ip&ivb} 83. 
yä/w 82. 
yAyo) 184. 
(polßog 5. 
«/'omi 284 ^). 
(föXvg 334. 
(fÖQvy^ 62. 
(fovQxoQ (Hsch.) 60. 
(fiQÜCo) 335. 
(fQi'vfs 334. 
(f'Qi'yü) 83. 
(fvySxUov 66. 
yyxoc 279. 299. 
(fvlcc/cög 333. 
»PvQxos (elisch) 60. 
(fvxXa 65. 

(ptolfög, (fcjXtiCa 333. 
(pfoati^Q (Hsch.) 183. 
^aßdv 8. yavvwv. 
Xcfxt^^co, /«5/Cw 174. 
Xctkßfivri 279. 282. 284. 
' 286. 299. 
^äaiog (lakon.) 174. 
/UT^w, )^ttTCC(ii 173. 
/nvviüv (ycivwv) 280. 282. 

283 ^). 285 1). 299. 
X^Cfi^d^kov 66. 

;f"'!? 57. 
Xfjxi^os 174. 
XnQt^Hog 280. 299. 
XfJTo; 173. 

;ftrw»' 280. 283. 284 ^). 
285 f. 299. 



Xr« 284 »). 

Xov(f(foig 284. 

/()KV(ü 223. 

/(>^o? 189. 

/(?<'w 192. 

/(»i'o-df 211. 280. 299 f. 

XQ(üvvv^i 223. 

XvtXov 65. 

Xdivvvjut. 223. 

X<tio/Liac 223. 

i/zdow 249. 

\pvXU) 83. 

wf 304. 

(ürtov (delph.) 226. 

M e s s a p i s c h. 
ßavQia 165. 
/5/ff/S/? 165. 

Oskisch 
,allo 170. 
£censtur 202. 
-^ämatir 170. 
^Trftiuff 210. 

sa- 337 1). 

sivom 170. 

tnibüm 171. 

tristamentud 199. 

trutum 335. 

vorsus 171. 

Umbris eh. 
a-, an- 337. 
bifia 171. 
pert 197. 
sevom 170. 
trebeit 171. 
tremno 171. 
vorsus 171. 203. 

Lateinisch, 
aboleo 58. 
adgretus 210. 
adhaesus 203. 
aedes 200. 
aestas 189. 
aestimare 194. 
aestus 200 f. 
agrestis 187. 
anclarft 65. 
annona 329. 
Antistius 190. 
aperio 57. 
apis 337 ^). 
assis 205. 
assus 206. 
attentus 210. 
augustus 188. 
auster 180. 



avere 58. 
avilla 327. 
balneum 332. 
bardus 331. 
blaesus 204. 332. 
bulbus 331. 
caeruleua 204. 
caesius 204. 
Caestus 202. 
calamistrum 178. 
candeo 204. 
capere 4. 
capistrura 185. 
cardo 193. 
casa 206. 
caseus 204. 
cassis 206. 
castigare 195. 
castrare 180. 
castrum 178. 
castus 191. 201. 
uatena 206. 
cavea 256. 
censor 202. 
Cerealis 192. 
cestus 202. 
cette 210. 
cirrus 193. 
cista 194. 
coelestis 187. 
comestus 186. 
confestim 195. 
conquinisco 316 
cosmitto 210. 
cossus 205. 
costa 193. 
costum 194. 
crassus 206. 
crates 206. 
credo 210. 
crista 193. 
crusta 193. 
cudo 206. 
culmus 328. 
cunnus 251 
curro 202. 
custodia 195. 
custos 194. 
damnum 69. 
delicata 286. 
densus 192. 
domesticus 18 
dorsum 203. 
edo, est 186. 
egestas 187. 
egretus 210. 
emere 165. 
exfuti 210. 



330. 



329. 



352 



Register. 



familia 199. 

fastidium 175. 195, 202. 

fastigare 195. 

fastus 175. 201. 

fatisci 207. 

fenestra 183. 

fessus 207. 

festinus 195. 

festuca 202. 

festus 191. 

fidustus 189. 

figura 249. 

filum 249. 

fingo 249. 

firmus 60. 

Firmum 61. 

fistuca 202, 

fistula 195. 

flustrum 184. 

fodio 172. 250. 

fraus 179. 

frio 192. 

frumen 62. 

frustra 178. 

frustum 193. 

Fufius 171. 

iuscina 250. 

fustis 196, 

futi8,.futare 210, 

gelu 332. 

genu 59, 

gestio 196. 

globus 332, 

glomuB 332. 

grossus 206. 

baesito 204. 

hasta 193. 

haustrum 181, 

hausurus 203, 

hedera 173. 

horrere 174 *). 

hostis 193. 196. 

Hostus 193, 

ico 59. 

illustris 181. 

impomenta 199. 

in- 337, 

indostruus , industria 

182, 
infestus 191. 
intcntns 210. 
jacere 59, 
jussus 206. 
lassus 192, 207, 
laus 179. 
lauaus 207. 
lessiis 207. 
letum 207. 



levis 192. 
limus 333. 
lituus 333. 
locusta 190. 
lustrum 181. 184. 
lutum 181. 
lütura 211. 
raadeo 63. 
maestus 192. 
mamma 63. 
manifestus 191. 
masticare 194. 
masturbare 190. 
masucius 194. 
mattus 210. 
luembrum 340. 
miser 192, 
mistio 196- 
mitto 210. 
modestus 187. 
molestus 187. 
mollestra 183. 
monstrum 184. 
mulier 63. 
mustricula 184. 
mustus 192. 
naris 341. 
nassa 207. 
nasus 204. 
Nemestrinus 181. 
novale 336. 
novus 336. 
nudus 328. 
obliquus 333. 
odi 334. 
oitier 210. 
orbis 341. 
OS, ossis 205. 
ostentum 210 
Ostia 190. 
ostigo 197. 
Ovis 327. 
pala 195. 
palus 60. 
pando 207. 
passer 207. 
passim 207, 
pastillus 194, 
pastinum 195. 
pastio 197. 
pastor 172. 
pausillus 205. 
pecus 60. 
pectere 60. 
pessum 207. 
pestis 197. 
pila 249, 
pilare 249. 



pileus 249. 
pilum 195. 249. 
pinguis 192. 
pisare 203. 
Piso 203. 
pistillum 195. 
pisum 203. 
plaustrum 179, 
pono 197 ff. 
por- 197 f. 
porrum 296. 
portentum 210. 
Posilla 205. 
postis 197. 199. 
postulare 195. 
potestas 187. 
Praeneste 196- 
praestus 190. 
pristinus 190. 
privus 336. 
procestria 178. 
pruina 192, 
pubens 204 *). 
pullus 62. 
Pustula 204. 
pusus 204. 
quactus 330, 
quadru- 64. 
quaero , quaeso 204. 
quies 198. 
quiesco 199. 
rallum 204. 
rastrum 204. 
res 189, 
restis 172. 199. 
russus 206. 
rutilus 210. 
sagum 183, 
satus 198, 
scam^ja« 341, 

segestre 183. 
sella 334. 
Sequester 182. 
sero 198. 311. 
sinistimus 205. 
sino 197 ff. 
Situs 198. 
solistiraus 205. 
sordes 208. 
spissus 207. 
stringere 5. 
suasum 208, 
sublestus 192. 
sufflamen 61. 
surdus 208. 
tempestas 189. 
tepeo, tepor 58. 



Register. 



353 



terra 194. 

testa 194. 

testis 199. 

trabs 171. 

transtrum 182. 

tristis 199. 

trua 335. 

turma 335. 

turris 335. 

tussis 208. 

über 337. 

udo 206. 

umbra, Umbri 342. 

uncare 338. 

ungustus 189. 

urbs 341. 

urceuR 342. 

urgeo 250. 

urna 342. 

usiu 210. 

usta 194. 

ustulare 195. 

utensile 188. 

Uterus 322. 

vannere, vaniius 335. 

vastus 193. 

veho 59. 

venalis 195. 

ver 192. 

veno 203. 

Verruca 166- 

versus 203. 

vesica 203. 

Vesta 194 

vestibulum 200. 

vestigare 200. 

videre 211. 

vilis 195. 

visito 204. 

vitrura 211. 

vitta 211. 

Keltisch. 

(Das Altirische ist nicht 

besonders bezeichnet.) 

aig 163. 

airlam, airle 62. 

avi- (gall.) 58. 

Bergomum (gall.) 61. 

doninfedam 66. 

Eucant (arem.) 58. 

fiss 211. 

gal 59. 

gallaf (kymr. arem.) 59. 

irlithe 62. 

lam 62. 

mess 211. [arem.) 170. 

oll, ol (cambr. corn. 



sess 211. 

SU- (gall.) 58. 

tene 57. 

Tenedo (gall.) 57. 

tinfet 66. 

treb (kymr.) 171. 

uile 170. 

Slavisch. 

(Wörter ohne weitere 

Bezeichnung sind kir- 

chenslavisch.) 

bolij 255. 

hosti 250. 

büdeti 334. 

veverica 253. 

glava 173. 

golemü 255. 

golabü 163. 

gosti 196. 

gradü 341. 

zlödq, 59. 

kadi 288. 

kosti 193. 

Icbedi 163 

libivü 333. 

losi 192.^ 

rcazdra (cech.) 340. 

met^ 210. 

miezdrzyc (poln.) 340. 

motriti 335. 

madrü 184 

niva 336. 

nizü 336. 

nozdri 341. 

pada 207. 

pachati 195. 

po-citi 198. 

rozga 172. 

slama 328 

SU- 337. 

sa- 337. 

teremü (russ.) 171. 

tvoriti 335. 

tremä 171. 

t§go 169. 

taga 169. 

crüstü 206. 

jagn§ 328. 

jazino 328. 

j§cati 388. 

Preussisch. 

asti 205. 

brunse 252. 

en- 337. 

garrian 173. 

gegalis 253. 

limtwey 170. 



Beiträge z. Kunde d. ig. Sprachen. I- 



penpalo 253. 
sen 337. 
weware 253. 

Litauisch. 

aibrumas 337. 

Aitvars 42. 

almens 340. 

auka, aukininkas, au- 
kuras 165. 

baländis 163. 

balzenas 256. 

bandyti 287. 

bau 169. 

biogas 316. 

bruiszis 252. 

büdinti 334. 

bulis 331. 

bulbe, bulvis 331. 

bumbulys 331. 

burpelis 244 *), 

dedervine 253. 

drasus 192. 

draugas 296. 

drignas 68. 

drikkas 68 **). 

dr^sti 192. 

elkas 42. 165. 

elmes 339 f. 

gaduti 174. 

gaigals 253. 

gaigoczus, gaigoti 253. 

galva 173. 

galeti 59. 255. 

geidzu 173. 

gelöti 59. 

giegals 253. 

girJ^ 173. 

godas 174. 

gogiloti 252. 

grasüs 175. 
gristi 175. 

gulbe 163. 
gödas 174. 

izas, yze 163. 
jaü 169. 
jautis 223. 
jegti 336. 
jetis 338. 
jü'das 342. 
kandis, kandü 205. 
kasü 205. 
kaukai 42. 
ketur- 64. 
krauti, kruvä 334. 
kuszys 329. 
läibas 333. 
lainas 333. 

24 



354 



Register. 



leidmi 207. 
leilas 333. 
lesas 192. 333. 
lysti 333. 
inatyti 335. 
in etil 210. 
min au 168 f. 
mudrüs 192. 
närsas 172. 
nasrai 341. 
nerti 172. 
nirsti , nöras 172. 
ojus 252 ^) 
opus 164. 
orarykszte 253. 
oustai, ouszus 252 ^). 
owerie 252. 

oweriksztis 252 *) 253. 
pa-laukys 332. 
pelke 60. 
pepala 253. 
plüdyti 179. 
pratega 169. 
raudoti 207. 
regszti 68. 172. 
retis 47. 
s^- 337. 
segiü 183 
sekti 165. 
Ben- 337. 

Bkaidrus, skaietas 204. 
skydas 337. 
smagurei 62. 
spilkä 335. 
spitu 207. 
Btabas 45. 164. 
stambas 46. 
stulpa 43 f. 165. 
SU 337. 
szalmas 206. 
szcszelis 253. 
taczaü 169. 
tirsztas 199. 
träisza 252. 
troba 171. 
tverti, tvirtas 335. 
Udburtelli 46. 
ulVjauti 64. 
uloti 64. 

vaiveris , vaivoras , vai- 
voriksztis u. s.w. 252 f. 
varstas 171. 
vetyti 335. 
vinszus 166. 
zib, ziib, zaibas 5. 
zemepatis 42. 
Kulininkas 47. 



Lettisch, 
aita 333. 
balüdis 163. 
bumbuls 331. 
buras, burves 244 *). 
elks 42. 
gaigale 253. 
jegt 336. 
leija, leijsch 333. 
matu 335. 
paipala 253. 
rel'chget, refchgis, reg- 

fchis 68. 
vaivari»i, väveraji 252. 
väveris 252. 
ve'lgs 340. 
vifa 163. 
vifet u. 8. w. 163. 

Gotisch, 
aistan 194. 
alhs 42. 
alls 170. 

asans, asncis 329. 
aühjon 338. 
aviliud 58. 
bergan 60. 
biugan 251. 
daubs 69. 
durabs 69. 
fidiir- 64. 
gadars 192. 
gadrausjan 193. 
gaidva 173. 
gaqiss 211- 
gasts 196- 
gaviss 211. 
gazds 193. 196. 202. 
haurds 206. 
hilras 206. 
hinpan 206. 
hrisi'an 193. 
huzd 194. 
hveila 198. 
hveilan 199. 
lasivs 192. 

latei, latjan, lats 207. 
la|)a 62. 
Ictan 207. 
mif)vissei 211. 
mundon, mundrei 184. 
nati 207. 
qi|)ra 332. 
sitia 334. 
svarts 208. 
Bve 304. 
usstass 211. 
vindan 211. 



vissa 211. 
vraiqs 254 f. 
vrikan 250. 

Altnordisch, 
atall 334. 
baeli 333. 
balkr 61. 256. 
barki 63. 
bjälki61. 
bogi 252. 
böf 333. 
cisa 201. 
faer 60. 

flaustr, flytja 179. 
gabb 339. 
gerstr 174. 
hokinn 330. 
hradhr 56. 
hrjosa 193. 
illr 58. • 
jaki, jökuU 163 *). 
kleiss 204. 
kolfr 332. 
lagabrjotr 179. 
lasinn 192. 
Ijös, lysa 181. 
neraa 168. 
risi 250. 
si-, sin- 337. 
stabbi,stobbi,stubbi 46. 

)j6ta 208. 

3vara 335. 

jykkr 169. 
vesl 256. 
vist 200. 

Neu nordisch, 
blanki (westisl.) 256. 
far (schwed. dän.) 60. 
huka (schwod.) 330. 
planki (westisl.) 256. 
snage (dän.) 62. 
snaka (norw.) 62. 

Angelsächsisch, 
atol 334. 
bolca, bälc 61. 
breötan 179. 
brord 202. 
ealh 42. 
ent 342. 
hrad, hraod 56. 
hreodhan, hroden 334. 
hyrst 334. 
läsest 192. 
smitan 210. 
|)rym 335. 



Register. 



355 



väd 211. 
volcen 340. 
vridhan 55. 

Englisch, 
aghast 174 *}. 
bark 63. 

drush (schott.) 193. 
ghastly 174 *). 
ill 58. 
narrow 172. 
rathe, ready 56. 

Altfriesisch, 
balka 61. 
mar 168. 

men, rnonna 167 f. 
nostei'n 341. 
ruald , rueka , in-ruesze 

253. 
smita 210. 
ulken, wölken 340. 

Altsächsiseh. 
alah 42. 
balko 61. 
gerda 202. 
gisidli 198. 
hvila 199. 
wolkan 340. 
wrisilik 166. 250. 

Mittelniederdeutsch, 
bet 168 2). 
blanke 256. 
broderen 56. 
dan 166 f. 

garst, gasterich 174. 
grese 174 *;. 
man, men 167 f. 
met 168 •^). 
nuster 341. 
olmich 340. 
planke 256. 

Neuniederdeutsch, 
galsterich 174. 
is 163 3). 
jokel 163 *). 
man, mant 167 f. 
olm, ulm 340. 
schucht, schuft 341. 

Niederl ändisch. 
hukken 330. 



Althochdeutsch, 
aftarringa 174 '). 
arn 329. 
balco'61. 
barren 201. 
bar 11 n 204. 
bit 168 2). 
bür 165. 
chlemman 332. 
cholbo 332. 
chuoli 332. 
dweran , tweran 335. 
entisc, antrisc 342. 
era 194. 
fahs 60. 
fasti 60. 

garidau 55. 
gersti 174. 
gilezzen 207. 
halara 328. 
hört 194. 
hrad 56. 
hrust 334. 
hwenjan 335. 
imbi 337 % 
jagön 336. 
kis 256. 
kit 173. 
kithrusit 193. 
mit 168 2). 
muosa 211. 
olmoht 340. 
quillu 332. 
rad 56. 
redan 47. 

rehtculichonti 174 ^). 
riso 166. 250. 
rosa 193. 

sidaljan, sidilo 198. 
suedan, swetha 208. 
tanna 167. 
ustinön, ustri 182. 
wanna 335. 
wanst 203. 
weit 211. 
wennan 335. 
wolchan 340. 
wona 61. 
wonen 62. 
wuosti 193. 

Mittelhochdeutsch, 
barzen 201. 
bet- , bit- 168 ^). 



blodern 184. 

brienrauos 55. 

broedelich 55. 

broekeit 56. 

einzeht 54. 

gampel, gempel 339. 

garst 174. 

geisel 202. 

gerte 196. 

guoter 54. 

keskar 53 f. 

kis 256. 

letze 207. 

liument, Hunt 56. 

morter, mortel 174 ^). 

nuz 51 f. 

reden 47. 

riden 55. 

rot 56. 

schächgenöz 53. 

schie 333. 

schupfen 56. 

swadem 208. 

tan 166 f. 

tweru 335. 

ulmec 340. 

ungenozzen 52 f 

wanne 335. 

wilent 199. 

Neuhochdeutsch, 
balken 61. 
bogen 252. 
brausen 184. 
bügeln 252. 
bucht 252. 
bürg 60. 
fechten 60. 
garstig 174. 
geiz 173. 
gimpel 339. 
hocken , hucken 330 
laden 62. 
nieder 336. 
nufsen 52. 
nüster 341. 
rüsten 334. 
scheie 333. 
schnökern 62. 
sitzen 198. 
tann, tanne 166 f. 
wan 168. 

weiland, weile 199. 
wölke 340. 
zünden 8. 



Berichtigungen und Nachträge. 

S. 25 Zeile 11 lies wichtiger statt richtiger. S. 26 Z. 28 1. müsste st. 
ntiissfe. S. 41Z 9\. oQTvy- st. oQivy-. dia8.Z.l5vi.22 \. kaicavd st. Kaicavä. 
das. Z. 16 1. Mica st. Küica; kurarävä st. Kurarävd. das. Z. 17 1. A;m- 
rar« st. Kürara. das. Z. 23 l. Ächp« st. Käifa. Zu S. 121 fF. füge hin- 
zu: ßvCf( Uhu : ßvCo/iiev heulen. ar^V.a • Cüafia : ar^XXo-fxai. aqvaan 
haustrum : dffvacfo-^fv. dXyvvrj : dXyvvo-utv. fxvvri Vorwand : /xvvo- 
fiai (vj). ytQmö-s alt : vgl. ksl. zireja werde reif, skr. jardyu (beruht 
aui j'aräga). yr]Qai6-g alt : yrjQao-fifV. yivsrj, 6^ö-yvio-g : yeCvoftat. yoi- 
kio-g Thierlager = lit. gülis , lit. guliü liege. iStu : iöinv inf. vgl. lat. 
Video, ifto-s (:=: i^ifios) Vgl. skr. divi/cl himmlisch, di't^yati. Zul, S. 123flF. 
nkrjO^H«, ion. akriO-T]Cri : dkrj&eva). S. 125 streiche nrjka/Avthixo, das nicht 
zu belegen ist. S. 126. 1. nQtaßvr^Qelov : nQeaßvTffieixo ; streiche ^vnc<Q(a : 
QV7ia()(vo/uni. S. 127 streiche qwkiog und xpvxQia ■ ipv/QSvo/xai. Z. 18 1. 
la st. r«. Zu II, S. 127 flf. füge hinzu: ykwaa- etc. akyia : ykwao- etc. 
akyeto, -akyi^g; auf S. 130 zu tilgen, nqxtog : uox^w; auf S. 130 zu til- 
gen. ä(f'Vfco-g vgl. d<f)Vi']-juwv (a(fivog). freio-g vgl. d^(fc-(Te(o {Hog). xf^e- 
Qeio-g : x)^fQ((u) {x)-^Qog) ; auf S. 133 zu tilgen. dkiyri-mkCri : oktyri-ntkiwv 
vgl. fvrj-nfkia , avTj7ifki]g. rekeio-g, T^keo-g : Tskftu)^ rskioi [tikog). tii- 
relxio-g, Tfi^io-eaoitt : Tfi/so-vreg , i-ref/fo-v {nT/og). Zu III a, S. 129 : 
iCfiio-g: Tt'fj/iiti • rh'ft Hesych [r^fi^Ei = Tfi/ujei). (foirixco-g : (foiv^aao). 
S. 130 lies dvTKTo-g : dvTKbj, dvTio-g : rjvreov imperf. zu dvxdoi b. Homer. 
S. 131 ydfitog : ya/Li^cD, ytkoiio-g (=: ytkojfjo~g) : y^kotäu) (= ytkojajbi), 
d7io-Srjy.ia : dno6r]fj.io} (füge örifiio-g hinzu), 6l\pio-g : ion. öixp^w = dc- 
\pä(a. S. 132 Z. 27 1. -^n^Ca st. -f»;Aew. S. 133 Z. 32 füge hinzu: yufjLo- 
xkonta : yafio-xkon^w , yauo-xkonog. S. 134 Z. 4 xonUi Ermüdung : fxe~ 
TfWQo-xon^M. S. 135 1. oJcdog : oSüw, aber o(iiog zu -o(h'o). S. 136 1. ^cc- 
^ov^ia, du()ov)^i(o, SccSoij}(og; nnknfivaio-g vgl. Tiuka^iäojxai, ; nkoxto-g, 
nokv-nkoxCa : aTtifavrj-nkoxs'w. S. 137 füge ein: x)^eo-nQonCa : xHo-tiqo- 
niü), ü^eo-TtQonog. das. Z. 10 ist zu streichen, ö. 139 streiche rv^^aiog, 
vffQidog, vOTfQKiog; füge hinzu: (fwkfö-g : f/wAfcu. das. Z. 24 1. <f&OQ(a : 
-(fi&oQ^o). S. 140 Z. 5 V. u. 1. tv-aQfioaT^u). das. füge hinzu: /ueT-doOio-g : 
d(ni(a = dgido), aQTio-g : d()rio-fica. S. 141 Z. 12 1. -öoata. Das. füge 
hinzu: vvxr-fysQala : vvxT-eyfQT^cj , ivicdaio-g : dn-triKvT^w, dvÖQo-xxa- 
all]: {-XTatiia =) got. skapjan. S. 143 füge hinzu: naQty-xvoCa : ikaio-, 
xri^o-xvrim. S. 145 Z. 32 1. Qimiti- st. Quin-. S. 146 Z. 8 1. dies st. tä- 
les. S. 148 Z. 11 1. docebimini st. docebhnini. S. 149 Z. 21 1. sa/^< st. 
sali. S. 150 Z. 5 1. grund- st. Grund-, S. 152 Z. 22 1. i st. «. S. 153 
Z. 3 1. stelerint, öderint, locaverint, in den Perfecten stetirunt st. steterunt. 
S. 154 Z. 31 1. habiturit st. hahitari. S. 159 Z. 28 1. (^ts st. t/a«s. S. 162 
Z. 2 1. anderen st. andere. S. 250 Z. 18 1. khanja st. chanja. S. 251 Z. 8 
1. varshishtha st. varshishta. Das. Z. 29 1. bamhishtha st. bamhishta. 



Druck von E. A. Huth in Göttingen. 



P Beiträge zur Kunde der indo- 

501 germanischen Sprachen 

B/V 
Bd.l 



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